: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Montag, 5. März 2012

Das Mastjahr

Ich brauchte eigentlich keinen Biologen, der mir mitteilt, in welchen Jahren die Bäume besonders stark blühen: ich sehe dann nicht mehr so richtig gut. Es muss gerad ein Mastjahr sein, in dem besonders übel geblühlt und gepollt wird. Sicher, ich werde auch von Jahr zu Jahr sensibler, und ich habe keinerlei Zweifel, dass mich das umbringt, bevor das Alter insgesamt zu umschön wird; so ein Lungenproblemtod hat ja auch etwas Mondänes, im Vergleich zur Altersschwäche. Es sei denn, ich schaffe es später endgültig irgendwohin, wo das alles kein Problem ist:



Die Geschichte ist ja auch so ein Zufall, wie so oft in meinem Leben. Es begann damit, dass es in Mantua kein Zimmer in der Innenstadt gegeben hat. Aber es gab dieses kleine B&B ausserhalb, das gerade erst geöffnet hatte, und jede Menge Platz. Und weil es alles so neu und auch für die Betreiber ungewohnt war, rutschte ich da irgendwie langsam rein.



Ein Urlaub, noch einer, das Verstehen, dass es kaum einen besseren Platz als Mantua in Oberitalien gibt, genau die richtige Grösse und Schönheit und Infrastruktur, und vor allem: Die Seen, an denen ich wohne, nach vorne hinaus, und Kilometer überfluteter Reisfelder. Ich bin in Italien nicht ganz problemfrei, aber in Mantua ist es wirklich gut. Der Reis, den man am Abend bestellt, hat im Jahr davor die Pollen abgehalten.



Das B&B wurde bekannter und beliebter, es war nicht mehr ganz so einfach, dort anzurufen und zu sagen, am nächsten Tag würde man kommen. Zwangsweise Erlebnisse mit anderen Unterkünften waren irgendwie, wie soll ich sagen, es fühlte sich nicht richtig an. Es fehlte einfach die Ungezwungenheit, die absolute Freiheit, immer war irgendwas, einzige Ausnahme: Ein Hotel in Rom. Aber Rom ist zu laut und zu gross und zu voll und zu weit weg. Mantua hat den Vorteil, dass man im Notfall an einem Vormittag zurück nach Deutschland fahren kann. Es war zwar perfekt, aber zu beliebt. Auch, weil sich die Aufenthalte von Jahr zu Jahr in die Länge zogen.



Letztes Jahr war es dann wirklich schwierig, weil es in der angedachten, langen Zeit mit Ostern und Pfingsten einfach zu viele andere Belegungen gab. Ein Gast, der bleibt, macht so ein kleines B&B etwas unflexibel. Und weil man sich ja nun schon länger kennt, und die Schwester der Betreiberin im Ausland lebt und arbeitet und ich länger bleibe, kam die Idee auf, ob ich nicht die Wohnung mieten möchte. Statt im B&B zu übernachten. Gleiches Haus, ein Stockwerk tiefer, im Vergleich zu kleinen Hotelzimmern eigentlich ein echter Luxus, viel mehr, als man in Italien eigentlich braucht. Und so kam dann das, was nie wieder zu tun ich nir nach Berlin geschworen hatte:



Der Stress eines Drittwohnsitzes. Nach all den Horrorgeschichten, die man über das Mieten in Italien hört, war es überraschend einfach. Man kann es drehen und wenden, wie man will: Entweder ich japse monatelang. Oder ich lebe monatelang. Diese Zeit dort unten ist natürlich teurer, aber man muss die Sache vom Lebensende her betrachten: Hätte man dann die Wahl, einen Monat Lebenszeit im Alter Mitte 40 mit tausend Euro zu erkaufen, noch einmal jung sein und in Italien - man würde keinen Augenblick zögern. Und allein darum geht es.



Neben all dem anderen, den Strassen, den Bergen, der Mille Miglia, dem Gardasse, den Palästen und Kirchen, dem Essen, den Menschen, der Wärme, und überhaupt. Es ist Mastjahr, und ich werde mich mit Leben vollstopfen.

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Ich finde ja,

Adenoid Hynkelfasel traf es am besten, als er sagte:

Liberty schtonk! Free Schpecken schtonk! Retwetten schtonk!

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Montag, 5. März 2012

Nicht mag.

Für mich ist Sushi beim Essen das, was ein Vergewaltigungspr0n für die Filmkunst ist. Immerhin lese ich mit einer gewissen Befriedigung, dass die Schuldigen am Verbrechen in unseren Meeren wenigstens auch den letzten Dreck vorgesetzt bekommen. Wie Pelzmäntel eine Mode, die die Welt nicht braucht.Das Pack schwärmt heute so für Thunfisch wie früher für Ozelot.

Weiter mit Torten und biologischem Anbau.

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So wird das nichts

Ein Wetter wie in dem November, den wir letztes Jahr zum Glück nicht hatten.



Nach der Kraxelei eine nasse Abfahrt so schmierig wie die Spüle eines Hipsters in Berlin, wenn er endlich mal abwaschen musste, wegen Schimmel in den Töpfen. (Wir alle wissen, warum die nur bei Foursquare einchecken. Und nicht twitpicen. So weit geht der Postprifaschismus dann doch nicht.)



Und eine generelle Lustlosigkeit, weil die Kälte und die Aussicht wirklich ätzend waren. Das ist eigentlich ein schönes, gesegnetes Land, aber am Ende treibt der Gedanken weiter, sich ein Stück Kuchen - 1! - zu verdienen.



Nur um dann zu hören: Von dem kriegen Sie was noch da ist und Apfel haben wir noch übrig, das packen Sie schon. Das ergänzt sich bestens mit der Trüffelbutter, deren zweiter Teil im Gefrierfach ist, hätte ich antworten können. Habe ich aber nicht gemacht. Nur ganz umsonst gefroren und vermutlich kein Gramm von Fett zu Muskeln umverteilt.



Und morgen soll es einen Wintereuinbruch geben. Dann bleibt es erst mal bei 100 Kilometern auf dem Colnago.

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Samstag, 3. März 2012

Muss man sich mal vorstellen

Also, wie haben eine verhärmte T€diverkäuferin auf Abwegen.

Einen spanischen Solalapost-Faschisten.

Einen Ex-Goldman-Bankster, der auf Gnade von Bungaberlusconi im Amt ist.

Und einen murdochgeschmierten Banksterbückling aus England.

Und diese Leute wollen jetzt den Konkurrenten von Sarkozy I "dem Fertigen", den Sozialisten Hollande nicht mehr empfangen, um ihn damit

zu schädigen.

Ich überlege mir gerade, was Hollande bei der Wahl mehr schacden könnte, als ein Bild mit diesem Haufen abgestandener Politknallchargen.

Dazu noch Pappfiguren von Berija, Göring, Vlad dem Pfähler, dem Joker, McCarthy und ein paar Vichy-Kollaborateuren vielleicht?

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Samstag, 3. März 2012

Wankelmut

Ich bin mir nicht ganz sicher, was mich heute mehr amüsiert hat: Die Kinderplapperei einer Ex-Hardcore-Postprifaschistin, dass sie gerade einen bekannten Datenschützer am Telefon hat, damit es auch ja alle mitkriegen, dass sie jetzt eine der Guten ist. Oder ihre alten guten Freunde der Spackeria, die vermutlich langsam begreifen, dass sie eine blöde Staffage für eine überzeugungsfreie Awareness-Show gewesen sind. Würde der Weg zur erhofften Macht und all den schönen Talkshows es als opportun erscheinen lassen, das Frauenbild der katholischen Kirche zu übernehmen, ich habe keinen Zweifel, dass auch ihre feministischen Freundinnen eine erstaunliche Überraschung erleben würden: "Telefoniere gerade mit Walter Mixa", stünde dann vielleicht bei Twitter.



Aber was soll ich sagen: Auch ich werfe schnell Prinzipien über Bord, wenn es mir geraten scheint. So wollte ich eigentlich auf schönes Wetter warten, bevor Erneste V. "der Rostpockennarbige" über die Strassen fegen sollte, aber irgendwie war ich gestern weitgehend fertig mit dem Basisaufbau. Und bevor die feinen Teile - anderer Sattel, eine neue Kurbel, neue Reifen - drankomnmen, dachte ich, probiere ich es doch einfach mal auf knappen 30 Kilometern aus. Nur um zu sehen, ob alles läuft.



Ich bin im Winter ruhigere Räder gefahren, da ist so ein Ernesto wieder eine ziemliche Sensation. Besonders dieser Ernesto, denn der Vorbesitzer hat neben den Schweisslöchern auch ein paar gute, leichte Teile hinterlassen: Eine Titankassette, ein Carboninnenlager, leichte Felgen,und dann ist der Rahmen auch noch erheblich leichter und minimal kleiner als bei meinem Gulfnago: Das merkt man. Es ist nicht schneller, denn schnell sind nur die Beine, wenn sie es denn sind, aber sehr lebendig und flink.



Es war heute so trüb und novemberlich und kalt, gar kein schönes Wetter, aber das Rad ist trotzdem bunt und eigentlich will man noch weiter und noch weiter fahren - morgen dann. Man soll es nicht übertreiben, auf zu Fetzen gefahrfenen Hinterreifen. Morgen kommt der Ersatz, und dann machen wir, so die morschen Knochen so weit tragen, die 60 Kilometer, dann auch mit deftigen Steigungen.



Ausser, es kommt jemand dazwischen. Oder ich raffe mich auf und schreibe etwas, das ich dringend machen muss, aber es ist noch nicht perfekt in meinem Kopf. Ich muss noch immer zu viel erklären, Und diesmal muss es einfach und durchschlagend sein. Dumme, kurze Gedanken hat man oft beim Treten auf dem Rennrad. Man wird sehen und lesen.

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EXTRABLATT!

EUROPA VERLÄSST EUROPA! DAS GROSSE EXKLUSIVINTERVIEW! JETZT BEI DEN STÜTZEN DER GESELLSCHAFT! ALLE DETAILS! ALLE SKANDALE! EUROPA ÜBER MERKEL, SARKOZY, BANKSTER UND NAZIS!

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Das mit der Frauenfeindlichkeit

Es ist doch so:

Ich bin nicht insektenfeindlich. Wenn sich ein Insekt in meine Wohnung verirrt, dann schlage ich es nicht tot, sondern nehme ein Glas, warte, bis sich das Insekt niedergelassen hat, stülpe das Glas darüber, schiebe unten ein Papier hinein, und bringe das Insekt nach draussen. Wenn es nicht fliegen kann, trage ich es die Treppe hinunter. Ich liebe deshalb Insekten nicht zwingend, aber ich finde, Insekten haben ein Recht zu leben. Wespen, Nachtfalter, Undefinierbares - ich mache da keinen Unterschied.

Aber natürlich habe ich unter meinen Teppichen und im Kleiderschrank Mottenpapier. Und natürlich verscheuche ich aufdringliche Fliegen vom Essen, weil es unhygienisch ist. Das Recht auf Dasein schliesst nicht das Recht auf Belästigung mit ein. Der Versuch ist in Ordnung, die Umsetzung aber lasse ich nicht zu. Ich habe Eigeninteressen, aber deshalb noch immer keine Feindschaft mit Insekten.

Und so ist es auch ein wenig mit den Feministinnen.

Ich tue keiner Frau etwas zuleide, in meinem Lebensumfeld hätte ich nur begrenzte Möglichkeiten, Frauen zu benachteiligen, und ich vermute mal, dass man schon ziemlich extrem sein muss, um klassische Höflichkeiten von Vortritt lassen bis zu Pralinen als sexistisch aufzufassen. Ich kann mit Frauen gleich gut und gleich schlecht wie mit Männern zusammenarbeiten, ich passe mich natürlich in den Umgangsformen etwas an, aber mehr ist nicht. Ich bin nicht erotoman, dreckige Witze sind nicht mein Ding, und ich komme auch in schwierigen Phasen aus Erfahrung mit Frauen gut aus. Ich denke, dass rücksichtsvolles Benehmen ein einfacher, natürlicher Schlüssel zum Umgang mit Menschen, egal welchen Geschlechts, sein kann, und verhalte mich entsprechend. Das ist keine Tugend, es bietet sich halt an, und es zeitigt gute Ergebnisse.

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Aber das heisst nich lange nicht, das ich jede bei Twitter pöbelnde Assel, jede opfersüchtige Brunzkachel, jede stinkende Gendertröte anders behandle als Rowdies in der U-Bahn, philosemitische Nazicretins oder schmierige Werber, die im Internet spammen. Man kann mit mir bestens auskommen, wenn man nicht versucht, a priori gleich mal eine Kotau für durchgeknallte Ideologien zu erwarten - dafür gibt es von meiner Seite gerne was in die verfaulte Fresse. Ich interessiere mich einen Dreck für Ruhezonen und den Wunsch, nach dem blöden Anraunzen irgendwie doch nett behandelt zu werden, und ich kann schon unterscheiden zwischen jenen , denen es um eine gute Sache geht, wie sie Gleichberechtigung ist, und den Mohrenlampenbetroffenen, die sich damit Vorteile durch Moralknüppel verschaffen wollen.

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Ich bin ein höflicher Mensch, wenn man der Höflichkeit Raum lässt. Ich mag Marienkäfer und bunte Schleifchen auf Pralinenschachteln, ich komme mit den meisten gut aus und brauche nur selten die Fähigkeiten, die vielleicht irgendwie im Blute der Bayern stecken. Sie sind da, aber ich kann sie einfach beherrschen. Ich mag Frauen.

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Aber ich bin kein arschkriechender Depp von der Spackeria.

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Freitag, 2. März 2012

Borniert krepiert

Der Tag fing, da von hinten her sauber reingearbeitet, gut an.



Aber wie es so ist.., draussen nass und grau und unterkühlt, drinnen technische Probleme vom Wasserkocher bis zum Abwasser, und über das Warten und Besorgen zerbröselte der Tag. Ich kann schlecht zusammenpacken und fahren, wenn hier nichts richtig läuft, und ich bin ungern weg, nur um dann von einem Anruf ereilt zu werden, dass meine Person mitsamt ihren Schraubqualitäten gefragt ist.



Immerhin war auch genug Zeit, sich Gedanken über das Gepäck zu machen, was ja immer ein sensibler Punkt bei Reisen mit dem kleinen Cabrio ist. Ein Rad steht noch unten, eine Teekanne auch, und wenn ich klug bin, fahre ich mit ganz wenigen Schuhen hin, höchstens vier fünf sieben Paar, die universell passen - gemeinhin werden es am Ende ja doch mehr, als ich mitgenommen habe.



Und dann stehen hier ja auch noch ein paar Baustellen herum, die abgeschlossen werden wollen, kleine Hecken gegen grosse Geldschwemmen, denn all die Milliarden, die wir den Banken gegen wertlose Sicherheiten schenken, müssen Rendite bringen. Ich sag mal: 2 Euro für den Liter Benzin ist da nicht unwahrscheinlich, denn sie werden es uns dort stehlen, wo wir kaum Alternativen haben. Ausser einem essentiellen Ernesto natürlich, der so billig war, dass die Sattelstütze und zwei, drei andere Komponenten allein schon mehr auf dem Gebrauchtmarkt bringem. Ein todsicheres Geschäft, denn auch altes Campagnolo wird teurer.



Nur brauchte ich - alter Mann mit Hängebauch - einen kürzeren Vorbau. Und deshalb musste ich den Lenker ausbauen, dafür das Lenkerband und die Bremshebel entfernen und - ich mein, ich wusste ja, dass die Kiste wegen Rollentraining ein Rostproblem hatte, ich habe viel weggekratzt und so richtig schön wird die Gabel nicht mehr - aber der Lenker war eine Todesfalle. Unter den Bremshebeln haben sich schon Löcher im Aluminium gebildet. Es ist sehr steifes, dünnes Aluminium, spröde und bruchgefährdet. Nicht gut.



Da hat der Vorbesitzer aber verdammtes Glück gehabt, dass der Lenker nicht gebrochen ist. Aber wie es nun mal so ist: Man ist drin im Trott, es hat schon immer alles gehalten, die paar Tropfen machen nichts aus, ein wenig ohne Wartung geht schon, man schaut besser nicht drunter, was da passiert - eventuell war der Vorbesitzer ein Medienmanager. Die ticken so, die haben sich mit dem Auflagenverlust abgefunden, für sie reicht es, wozu neue Ideen, irgendeiner macht schon was, damit die Leere dahinter nicht so auffällt, und dann kommt viellicht doch etwas Unerwartetes und... ich habe einen anderen Lenker eingebaut und mal probiert, was passiert, wenn man richtig fest daran drückt. Er verbiegt sich schon. Das war wirklich knapp für den Vorbesitzer. Ein Spurt, ein heftiges Bremsen bei der Abfahrt...



Ja, diese Ernestos, so schön sie sind und so sehr sie auch funkeln: Auch für sie gelten die Gesetze der Physik, so, wie für die Zeitung auch die Betriebswirtschaft gilt. Wenn die Richtungssteuerung nicht mehr passt, muss man eben Teile austauschen, und wenn das teuer wird, hätte man früher nachdenken müssen. Ich jedenfalls bin jetzt erst mal der natürlichen Auslese entgangen, und andere... ich sage es mal so: Es gibt in den Medien genug hässliche Grindköpfe, die könnten einmal die Strasse von Kufstein nach Innsbruck damit abschleifen, und wären danach nicht hässlicher als vorher, und ihre Texte kleinger auch nicht schlechter, Vielleicht bleiben sie ja deshalb da, wo sie sind, egalk wie heftig dann alle mit ihnen auf die Schnauze fallen: Es ändert sich scheinbar nichts. Alles stabil. Alles sicher. Sollen sie. Eine Welt ohne Springer und Burda ist sicher weniger schlimm, als eine Welt ohne Ernestos.

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Mittwoch, 29. Februar 2012

Ziele, die man sich steckt

Ich bin ein sehr, sehr fauler und phlegmatischer Mensch. Ich glaube, das hat mit meiner Schulzeit zu tun, denn dieses frühe Aufstehen, in die Schule gehen und dort den Vormittag zu vergeuden, hat mir damals einfach den Stecker aus jeder Art von Ehrgeiz gezogen. Diese erste Hürde, diese Qual, und dazu noch diese Lehrer, das war alles kein Anreiz. Wenn ich nach Hause gekommen bin, habe ich mich sofort mit einem Buch nach oben verzogen. Das war ganz wunderbar. Ich habe gelesen und gelesen und vergessen und wurde sehr unwillig, was Lernen anging. Heute würden vermutlich Pädagogen angerannt kommen und schauen, ob ich vielleicht hochbegabt bin, wenn sich so rausfalle - ich bin es nicht. Ich bin einfach nur faul und extrem nachtaktiv.



Im Sommer nach dem Abitur war das anders, als ich aus Amerika zurück gekommen bin. Ich hatte einen Westküsten-Jetlag, und bin den bis zum Beginn des Studiums nicht mehr losgeworden. Damals wachte ich mit der Dämmerung auf, und bis dann vor dem Frühstück jeden Tag 70 Kilometer geradelt. Aber das brachten auch nur die Umstände mit sich; in Amerika hatte ich mehr oder weniger im Auto gelebt, wie man es eben dort damals so tat, und das Rad vermisst. Echten sportlichen Rennehrgeiz hatte ich nie, und wenn ich etwas konnte, dann konnte ich es halt. Was ich nicht konnte, habe ich einfach nicht gelernt.



Es geht allerdings, es ist mitunter unumgänglich, das Leben bringt es so mit sich, dass gewisse Dinge in gewissen Zeiten erledigt werden müssen. Das wiederum kann ich vergleichsweise gut. Eine gewisse Menge Beiträge schreiben, einen Gipfel vor Sonnenuntergang erreichen, Dinge mit grosser Beharrlichkeit tun, die andere Menschenzu verstehen nicht in der Lage sind. Ich bin nicht ehrgeizig, aber sehr stur und stoisch bei der Ausführung. Und so eine Sache, von der ich finde, dass sie machbar sein sollte, ist es, dieses Jahr mehr Kilometer auf dem Rad als im Auto zu fahren. Nichts gegen Autos, kein Gejammer wegen der Benzinpreise, ich will nur wissen, ob ich das wirklich schaffe. Das klingt zuerst gar nicht so schwer, aber bei den Strecken, die ich pro Jahr zurücklege, ist das schon eine Herausforderung.



Denn dieses Radeln hier, das ich eisern durch all die kalten Tage durchgehalten habe (habe ich erzählt, dass die Barchetta nach 4 Wochen anstandslos angesprungen ist? Italiener, nicht mal beim Unzuverlässig sein sind sie zuverlässig), dieser Bewegungsdrang wird die Tage eingebremst. Momentan sind die Pollen nur lästig, ein wenig so, als hätte ich immer leichten Gegenwind, weil die Lunge nicht ganz auber arbeitet und die Augen tränen. Aber das wird jetzt Tag für Tag schlimmer. Würde ich das in einer XY-Graphik aufzeichnen müssen, würde eine rasant abfallende Kurve irgendwann im späten Mai die Grenzlinie zum Asthma durchschlagen. Klein fängt es an, klein krieche ich dann durch die Strassen. Es sei denn



es gibt ein verregnetes Frühjahr, so wie die letzten Jahre eher nicht, oder ich fahre die 541 Kilometer nach Mantua. Gezwungenermassen mit dem Auto. Hin und zurück sind das 1100 Kilometer. 22 Tage lang 50 Kilometer strampeln. Das geht dann in Italien wieder, Mantua - Valeggio - Mantua oder jeden zweiten Tag Mantua-Sirmione - Mantua, aber es ist nicht wenig.

Vor allem, weil ich dort unten auch noch mehr zu tun haben werde. Zwei Ziele auf einmal, einmal mit dem Rad und dann noch etwas anderes. Da hätte der Schulbub aber grosse Augen gemacht, wäre ich in sein Zimmer gegangen und hätte ihm das, ihn beim Lesen störend, erzählt.

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Alte Begriffe, mit neuer Bedeutung aufgeladen

"sozialverträgliches Frühableben"

Und nun zu etwas ganz anderem:

Ich wünsche Frau Klarsfeld, dass sie Bundespräsidentin wird, und dann das Pack in diesem Drecksamt jeden Tag einmal ordentlich kiesingert.

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Es muss nicht immer anspruchslos sein.

Es kann auch einmal sein, dass man nicht nur lesen, sondern auch zuhören sollte, denn nicht nur das Leben wurde hektischer und renditeabhängig, auch die Kunst blieb nicht verschont. In der FAZ.

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Mittwoch, 29. Februar 2012

Wenn Katzen demütigen

Hier geht es nicht um Kalorien oder die Torte, sondern nur um den Versuch, ob das, was ich mir für den Beistelltisch ausgedacht habe, auch wirklich funktioniert.



Und das sieht doch ganz gut aus. Die Torte zurück in das Papier verfrachten? Nun, das wäre kompliziert, sie könnte zerquetscht werden, oder gar stürzen, auch den Perserteppich... das ist mir zu riskant. Der gute teppich! Also wird die Torte zerkleinert und in ein sicheres Gefäss gefüllt. Und danach wieder abgearbeitet, damit der Körper trotzdem geschmeidig bleibt. Ich muss zu meinen Eltern, trete schnell, überhole nicht nur Kinder auf dem Dreirad und fühle mich sportlich.



Dann springt die Katze auf das Fensterbrett, und will hinaus. Dann macht sie aus dem Stand einen Satz, über den Kellerabgang auf das Geländer, und bleibt nach dem Sprung direkt darauf sitzen. Punktlandung auf 10 Zentimetern. Das ist geschmeidig.



Zurück geht es aus dem Stand genauso.

Und das zu sehen ist, genau genommen, wirklich deprimierend. Vielleicht sollte ich noch mehr Sport und es weniger mit Torten treiben.

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Dienstag, 28. Februar 2012

Die Angela Merkel unter den Grand Hotels

Heiligendamm ist insolvent.

Das Elend an diesen neuen Grandhotels ist, dass ihre Innereien einfach nicht zu gebrauchen sind. Das Porzellan, das Hotelsilber, die Möbel: Alles zu neu und bei Heiligendamm gerade so veraltet, dass man es wirklich nicht haben möchte.

Immerhin, vielleicht werden die alten Villen jetzt einfach normal verkauft und betrieben, ohne das ganze Trara, das bei allen Problemen immer weniger mit den schönen Idealen zu tun hatte. Viele Leute haben jetzt ihr Geld verloren, wie das nun mal so ist, aber man bedenke auch: Das Ding war voll mit Fördergeldern. Steuermittel. Aufbau Ost. Blühende Landschaften. Und jetzt noch drei Monate Insolvenzgeld. Ich bin mal gespannt, wo die Immobilien jetzt landen.

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Der verständnisvolle Don

Äh - habe ich mich jemals über Postprivacy aufgeregt? Habe ich Leute als Postprifaschisten bezeichnet? Habe ich je laut darüber gelacht, dass sie erzählen, auf 30m² zu hausen und nur Nudeln zu essen? Wie gemein.



Denn am Wochenende habe ich von meiner Gemüsehändlerin ein Pfund Trüffelbutter und 25 Gramm Trüffek geschenkt bekommen. Das ist wirklich hart! Seidem esse ich Tag für Tag frische Nudeln mit Trüffel. und die 30m² des Raumes, in dem ich sie verzehre, riechen schon nach Trüffel, wie bei anderen die Wohnung nach. Also, so weit will ich das glaube ich gar nicht wissen, das reicht schon mit Postprivacy. Aber was ich sagen wollte: Für manche ist es vielleicht auch einfach nur ein Gedankenmodell, um ihre Neigung, alles sofort ohne Nachdenken ins Netz zu tröten, von der Mohrenlampe bis zum Hass auf die Parteikollegen, mit einer philosophischen Erklärung zu bemänteln. Ich mein, jedes AKW hat heute eine Philosophie, jeder Fernsehsender - warum sollten U-Boote der Spackeria sowas nicht auch haben?



Und deshalb habe ich mir mal angeschaut, wie Postprivacy im realen Leben funktioniert, und habe dafür eine hoffnungsfrohe Kandidatin für höchste Parteiämter der Piraten genommen, die sich nach Methode A verkauft und nach Methode PP twittert.

Das ist schon lustig.

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