Zwei Nachrichten, die zusammenpassen

Auf der einen Seite flutet die amerikanische Notenbank die Märkte oder was immer man so bezeichnen will mit 600 Milliarden Dollar bis Mitte nächsten Jahres. Das ist nicht wenig angesichts des Umstandes, dass die erste Auflage der Gelddruckerei auch schon nichts an den Problemen der USA geändert hat: Hohe Schulden der Haushalte, ein Überhang an Immobilien, Zurückhaltung der Haushalte und de facto Staatsbankrott vor dem Hintergrund von gut verdienenden Banken, die ihre giftigen Papiere einfach mal eine Weile nicht beachten - oder hat in der letzten Zeit mal jemand was von Leve3-Asssts gehört?

Die nicht ganz unglaubwürdige These mancher Zyniker ist ja, dass all das schöne Geld nicht un die Wirtschaft oder Kredite, sondern in Spekulationsblasen geht. Die wiederum, wenn sie nicht platzen, können mittelfristig durchaus zu steigenden Preisen beitragen, sei es nun bei den Aktien, den Rohstoffen oder den diversen Industrieprodukten. Gleichzeitig rauscht der Dollar in die Tiefe und entbindet die Chinesen von der Verlegenheit, nicht wohin zu wissen mit all ihren schönen Devisen. Eine Stimme in meinem Kopf sagt mir, dass es schon seine Vorteile hat, wenn China nicht mehr ganz so reich ist und die Amerikaner dann plötzlich sparen müssen, weil man ihnen nichts mehr verkaufen will, zumindest nicht für ihre Währung - das ist gut für klimapolitische Ziele. Und die deutschen Autohersteller sind sowieso mehr an China interessiert.

Auf der anderen Seite fällt der Dollar vielleicht gar nicht so sehr, weil Geldhändlern das auffällt, was die Medien gar nicht mehr beachten: Dass nämlich die Kreditausfallversicherungen und Zinsen auf Staatsanleihen für Portugal und Irland in historische Höhen geschnellt sind. Sprich, man rechnet mehr denn je mit Staatspleiten, egal was die EU an Währungsrettungsvehikeln bereitstellt. Was wiederum schlecht für den Euro ist, der sich damit an die Spuren des Dollars heftet. Damit auch ja keiner auf die Idee kommt, die Währung des Exportweltmeisters als krisensicheren Hafen zu entdecken.

Kurz, es bleibt also spannend. Die Amerikaner rauschen ins Nichts und Verderben, wir versuchen, dahinter zu bleiben. Die Amerikaner drucken Geld und machen Schulden, die Europäer sparen wie verrückt und schleppen Inmsolvenzkandidaten mit. Was dem einem seine Immobilienspekulanten in Kalifornien, sind dem anderen ganze Staaten.

Und ich kann mir noch immer keinen Weg vorstellen, warum das alles gut ausgehen könnte oder sollte. Es ist insofern irrelevant, als es heute kaum mehr jemanden interessiert, aber wir sind immer noch in der prekären Lage von 2008, und nur die Ignoranz hält uns davon ab, zu stürzen. Und immer wieder ein paar hundert Milliarden aus bedrucktem Papier, natürlich.

Donnerstag, 4. November 2010, 23:56, von donalphons | |comment

 
Hoffnung
Immerhin ein Hoffnungsschimmer: Governmental Motors (danke an einen mir namentlich nicht mehr bekannten Kommentator bei zerohedge) kommt wieder an die Boerse.

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Nur produzieren die immer noch Opels

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Toll. Danke. Super Artikel. Leider genau meine Ansicht. Noch extremer ist Marc Faber, der Schweizer, Doom, Boom & Gloom-Spezialist. Aus den im Artikel genannten Gruenden bin ich ja auch (momentan) permanent resident in Canada geworden. Hab das 2004 schon kommen sehen und sehe mich noch das prophezeien, in London, im Bracken House, bei Mizuho (mein letzter Londoner PR/Marketing Job). Und bekam ein veraechtliches Laecheln dafuer (nicht von den Japanern, von meinem chicen niederlaendischen Kollegen). Alle wussten es ja besser. Well.

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Auf die 600 Mrd. kommen nochmal 300
Weil die Fed alle freiwerdenden Gelder aus QE 1 direkt wieder investiert. Und im Unterschied zur ersten Stufe werden dieses Mal *ausschließlich* Staatsanleihen gekauft, während im ersten Schritt schwerpunktmäßig Hypothekenbesichere Anleihen (MBS) gekauft wurden. Im ersten Schritt hat man noch die Ausrede benutzt, man müsse einen nicht unktionierenden Markt wieder funktionierend machen. Jetzt druckt man völlig ungeniert Geld ...

Zu den Bilanzen habe ich erst gestern was geschrieben. Lustiger Zufall. Level III Assets sind sowas von 2008 ...

http://egghat.tumblr.com/post/1486335728/jim-rogers-warnt-vor-bankaktien

Die ganzen Schrottanleihen sind natürlich immer noch da, nur müssen die jetzt nicht mehr sofort abgeschrieben werden. Man schenkt den Banken mit Nullzins und QE2 Mega-Zinsmargen und lässt die so viel Geld verdienen, dass die die kommenden Abschreibungen verkraften können. Bezahlt wird die Nummer auf Inflation ...

Im Fall Irland ist es übrigens interessant, dass die Iren gestern wohl den Zins überschritten haben, den die Griechen für ihre Zinsen aus dem Eurostabilisierungsfonds bezahlen müssen. Damit können die Iren aus der Finanzierung des Rettungsfonds aussteigen, woraufhin sich die anderen Länder über eine Verteilung des irischen Anteils Gedanken machen müssen. Und an der Stelle eben auch blocken könnten. Da ist theoretisch ein dominoartiges Zusammenfallen des ganzen Euro-Rettungspakets drin. Wozu es aber kaum kommen wird, weil der irische Anteil so klein ist ...

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Stimmt, egghat. Aber DIE 300 Mrd. machen den Braten doch auch nicht mehr fett. Ach so, ja, bevor ich es vergesse: Inflation ist nichts, was man bekommt, weil man es gerne hätte. Das dämmert den Amis womöglich auch gerade, aber bevor sie zu "sozialistischen" Maßnahmen greifen, z.B. Steuern erhöhen (oder auch nur mal von denen eintreiben, die sie locker bezahlen könnten...), drucken sie eben lieber Geld. Denn schließlich trifft die Abwertung ihrer Währung nicht notwendigerweise sie selbst, sondern die ganzen ausländischen Deppen, die sich mit diesem Klopapier bezahlen lassen, um es dann dankbar in Treasuries zu reinvestieren. Weil die ja sicher sind, gell...

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Die US-Anleihen sind doch auch sicher. Du gibst denen 100 Dollar und bekommst 100 wieder.

(dass man sich nach 10 Jahren nur noch die Hälfte dafür kaufen kann, naja ...)

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Ob man da wirklich 10 Jahre warten muss...

"... you want a prediction about the weather?"
http://www.youtube.com/watch?v=Q0SGB-V-SDo&feature=related
(06:30 bis 07:00)

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Wohin mit den Devisen?
Das hat mit Zyniker nichts zu tun, sondern nur mit Angebot und Nachfrage. Ich habe gerade beruflich mit Agrarrohstoffen zu tun (und da eher die kleineren Märkte) und die Preisentwicklung hat gar nichts mehr mit der (gerade abgelaufenen) Ernte oder dem Wetter zu tun. Trotzdem steigen die Preise immer nur weiter.

Und die Chinesen wissen sehr wohl, wie der Hase läuft. Es gibt kaum ein größeres Infrastrukturprojekt in Afrika, wo nicht chinesische US-Dollar verbuddelt werden, um langfristig die Rohstoffversorgung zu sichern. Ähnliches machen die auch in Australien. Außerdem ist auch die Ausfuhrbeschränkung von seltenen Erden (egal ob sie dann kommt oder nicht) ein Zeichen, dass die Chinesen wissen, dass man manche Rohstoffe einfach nicht verkauft, wenn man sie auch selber brauchen wird. Das einzige, was sie aus dem Verkauf bekommen würden, wären noch mehr US-Dollars - da würde ich auch den Verkauf drosseln.

Von daher schmeisst China soviel US-Dollar auf den Markt wie es geht - nur vielleicht nicht so offensichtlich, weil es nicht direkt in den USA oder West-Europa passiert.

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Das mit den "Seltenen Erden", die die Chinesen nicht mehr rausrücken wollen, ist sowieso eine Story, die sich irgendwelche Panik-Medien ausgedacht haben (wer weiß wohl, von welcher Lobby sie dafür gebrieft wurden).

Die Chinesen haben bei seltenen Erden in der Vergangenheit den Preis derartig gedrückt, dass sämtliche Minen im Rest der Welt pleite gegangen sind. Solche Minen oder Förderstellen gibt es überall auf der Welt. Sollten die Chinesen die Ausfuhr einstellen, werden diese Minen halt wieder wirtschaftlich. Es wird dann nur der Vor-China-Preis dafür bezahlt.

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Ja und nein - für die allermeisten Stoffe gibt es sinnvolle alternative Vorkommen außerhalb von China, aber das (Wieder-) Anfahren von Minen geht auch nicht über Nacht.

Vor allem stellt sich für den Investor das Problem, ob das neue Preisniveau ein paar Jahre oben bleibt (so dass es sich rechnet), oder ob China nur wartet bis die Minen wieder laufen, um dann die nächste Runde im Preiskampf zu beginnen und um die Konkurrrenz platt zu machen.

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Na, dann wird's ja wieder Zeit, ein paar Rohstoff-Kriege zu führen, um sich strategisch von China unabhängig zu machen.

(Hmm, Bald steht ja wieder jemand für einen Lobby-Job zur Verfügung. Frau Merkel als Lobbyisten für seltener Erden. Das würde irgendwie Passen)

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In diesem Artikel mit seinen Kommentaren steht mehr Interessantes und Wahres zur aktuellen Lage als in allen deutschsprachigen Wirtschaftszeitungen zusammen !

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die USA und die EU werden sich in sehr absehbarer zeit währungstechnisch zusammenraufen. wer aktuell so um die vierzig ist und in D lebt, wird die nächste große währungsreform noch erleben. der euro ist bloß eine übergangserscheinung.

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Wie würde eine solche Währungsreform aussehen?

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Ganz einfach holgi - die leidige Kohle ganz abschaffen... weltweit. Das würde 95% aller "Probleme" auf diesem Drecksplaneten lösen, denn jede Entscheidung, die primär von finanziellen Interessen getrieben ist ist per se schwachsinnig.

Disclaimer: Ich weiß natürlich, daß das ein ziemlich radikaler Ansatz ist, und die Menschheit ist einfach (noch?) nicht bereit dafür. Das ändert aber nichts daran, daß es das vernünftigste wäre. Vielleicht abgesehen davon, die Menschheit gleich ganz auszurotten.

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Und dann machen wir alle Tauschgeschäfte? Oder noch besser: Kula.

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Wozu? Es ist doch sowieso alles im Überfluß vorhanden - es müßte nur ein wenig mehr Einsicht darüber herrschen, daß die Verteilung irgendwie nicht so ganz paßt.

Bislang können wir lediglich Bilder und Töne digitalisieren... wenn das mit Materie ginge (die dadurch dann auch beliebig kopierbar wird), dann wäre der Käse sowieso gegessen...

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Das erscheint mir nicht wirklich sinnvoll. Wie würde man denn die Verteilung von beispielsweise Immobilien regeln wollen?

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Ich würde der Idee einer Abschaffung des Geldes nicht damit begegnen, dass nicht alle Eventualfälle sofort beantwortet werden können.

Dass es Geld gibt und dass es in ungleichem Maß gehortet wird verursacht jede Menge Übel. Ne c'est pas?

So wie Privat- oder Staatseigentum nicht von Himmel gefallen ist, sondern von uns erdacht wurde, so wird man vielleicht auch etwas anderes denken dürfen. Oder besser müssen.

Immobilien sind ein schönes Stichwort. Obwohl das meine einzige Anlageform ist erscheint mir Privatbesitz an Boden so absurd wie die Privatisierung von Luft.

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