Gesundheit ist relativ

Man fühlt sich gesund, wenn man beschwerdefrei durch den Tag kommt. Ob man wirklich gesund ist, merkt man erst, wenn man es darauf ankommen lässt. Radelt man etwa über die Brücke von Citadella nach Mantua hinein, und sieht man vorne im Kreisel zwei andere Rennradfahrer in Acryl auf Carbon; denkt man sich auf Stahl in Tweed, na wartet... und schafft man es tatsächlich, sie bis zur Abbiegung in die Altstadt zu überholen - dann sollte kein Pfeifen in der Lunge sein. Ist da aber eine hohe Orgel und die Unfähigkeit, auch nur einen Satz ohne Japsen zu äussern, fühlte man sich davor gesünder, als man tatsächlich ist. Mir erging es heute morgen so. Womit 1. klar war, dass ich am Sonntag kein Radrennen bestreite, wie angedacht, und 2.ebenso klar ist, dass es allein der Sportsgeist war, der mich trieb. Und keinesfalls die Gier nach Schuhen und der Wunsch, schnell einen Laden auszunehmen, bevor es ein anderer tut

Wenn der gestrige Aufenthalt in Cremona doch sein Gutes hatte, dann war es der Blick ins Schaufenster eines Schuhgeschäfts. Manche meinen, ich sollte Zeug wie GQ, eine Luxusbeilage oder ein bestimmtes Blog der NZZ lesen, da würde mir klar, dass mein Gejammer wegen kleiner Ausgaben völlig deplaziert sei angesichts dessen, was mitunter wirklich verlangt und auch bezahlt wird. Keiner ausser mir rechnet heute noch in DM um und sagt: Du lieber Himmel! Da wird der Preis hingenommen. Preise wie 300 Euro für ein Paar Schuhe. Das stand dort im Schaufenster bei Schuhen der italienischen Marke, die ich in Mantua für 1/3 gekauft hatte - nicht wegen Sconto, sondern weil sie hübsch warfen - wer glaubt schon an durchgestrichene Preise? In jenem Moment in Cremona jedenfalls kam mir jener Mann, der im gleichen Laden alles von der gleichen Marke in seiner Grösse probierte, und dann die Hälfte auch mitgenommen hat - 8 Paar Schuhe -doch nicht mehr ganz so irr vor.

Keinesfalls also hetzte ich die anderen Radler aus niedrigen Gründen, um sie mit letzter Kraft zu überholen und dann zur Vermeidung von Schmach und Schande abbiegen zu müssen in jene Strasse, in der das Geschäft liegt, Das hat sich nur so ergeben. Und nein, ich habe nicht 8 Paar Schuhe gekauft. So viele waren in meiner Grösse nicht mehr da. Aber zwei Paar - durchaus. Womit es dann bislang 3 Paar italienische Schuhe wären.



Trotzdem - bittschön, ich bin ja nicht arm - frage ich mich, wer denn ernsthaft 300, 400 oder gar 700 Euro für ein Paar Schuhe aus der Fabrik oder einer Manufaktur bezahlt. Bei den Mengen, in denen man in Italien inzwischen Church's und Trickers sieht, mag ich auch da übrigens nicht mehr an liebevolle Handarbeit glauben, zumal meine Trickers bislang eher enttäuschend verarbeitet sind. Dann doch vielleicht den Italienern eine Chance - oder drei - geben

Jedenfalls - ich denke, das ist auch eine Art, manchen Leuten in Berlin die Schuhe in arabischer Tradition zu zeigen. Schliesslich war mal wieder re:publica, und manche von jenen, die schon mit dem Internetmanifest darum gebettelt haben, man möchte sie doch bitte vorne dran stellen, ihnen eine Organisation gründen und damit neue, tolle Einnahmequellen beschaffen, krabbeln nun selbst auf selbstgebaute Schilde. Bevor ich eine Lobby aus Rektalakrobaten der Werbe- und Politikdevotion brauche, höre ich lieber mit dem Bloggen auf. Ausserdem sieht der Beckedahl nicht ao aus, als würde er gute Schuhe tragen.



Und dann vielleicht noch ein Hinweis zur Verpflegung. Ich gebe gern viel Geld für gute Sachen aus, aber wer ein paar lumpige Euro in Berlin bezahlt, muss sich nicht wundern, wenn er dann als Viehzeug für die Sautreiber und Blasenaufbläser der Szene herhalten muss -schlechtes Essen inclusive. Auch Billiges kann also teuer sein. Und auf den ersten Blick Gesundes ziemlich krank.

Freitag, 15. April 2011, 23:38, von donalphons | |comment

 
"Keiner ausser mir rechnet heute noch in DM um ..."
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Doch. Ich. Immer noch. Sogar gestern bei Kauf zweier kleiner Margeriten für die Veranda.
Ich wette, mancher von den Älteren die das hier lesen, halten's ebenso: man nimmt gedanklich "mal zwei ". Und sagt dann auch oft "Du lieber Himmel!"

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....Stimmt ganz genau. Aber ich sage dann auch öfters "Ich lass es lieber bleiben"

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Ditto.

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http://www.fixmbr.de/die-digitale-gesellschaft-ist-nicht-die-digitale-gesellschaft/

zu den "interessenvertretern" von eigen gnadentum hat fixmbr auch noch ein paar passende Takte.

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selbstverständlich wird noch umgerechnet, allein um sich, bedauerlicherweise meist etwas griesgrämig, mit dem gedanken der allgemeinen teuerung auseinanderzusetzen.

ein weissbier für € 4,90! himmel!

die - unfreundlichen - hinweise darauf, dass nur ungebildete und alte noch umrechneten, halte ich für meinungsmache der staatsmedien.

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Verstörend ist...
daß man als Mittvierziger schon zu den Älteren gehört. Daß man in einem halbwegs anständigen Restaurant pro Nase 200 DM auf den Tisch legen muss verstehe ich immer noch nicht, muß es aktuell jedoch hinnehmen. Zumindest in der Stadt, in der ich zu arbeiten gerade das Mißvergnügen habe.

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@mea_culpa
Für 200 Euro ernährt uns die Liebste 2 Wochen mit Bio-Kost - allerdings in der heimischen Küche. Und ich bin seit letzter Woche Anfangfünfiziger.
In welcher Stadt (auf welchem Planeten) leben Sie, Herr Culpa?

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Wenn die 200 Euro nur für zwei Wochen Bio-Kost für zwei reichen, ist vermutlich viel Käse (leider teuer, aber lecker) oder recht viel Fleisch dabei.

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@arboretum
and the trees, äh vegetables , too

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@arboretum:
Arm kaufen kann man sich auch mit anderen Sachen. Im Bioladen uneres Vertauens steht O-Saft im Tetrapack für ungelogen 3,79 € im Regal (da kann er für den Mondpreis wegen mir dann auch stehen bleiben).

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Da sind die Schuhe dann wieder relativ günstig.

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nichts ist schwieriger..
als die kaufkraft 2001 mit der von heute zu vergleichen.

ich sage nur teuerungsrate und lohn..

Beispiel: http://www.lindcom.de/Lindcom/Home/Statistik/kaufkraft.pdf

Statistik nicht von mir gefälscht, also Vorsicht.

wo bleiben die "eggsbärden"; z.B.
http://www.diewunderbareweltderwirtschaft.de/

alias egghat

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(Die Frage, wer soviel Geld für ein Paar Schuhe hinlegt, war rhetorisch, oder?)

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äääähhhm...

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Qualität hat Ihren Preis , allerdings bevorzuge ich auch richtige Schuhe, die gezeigten Modelle sind für mich weniger geeignet :-)

http://www.engelsons.se/jakt-fritid-klader/index.php?do=prod&art=689&parent01=2251&parent02=4285&parent03=&sida_nr=1

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Das beste an diesen Brutaltretern im Link ist der passende göttliche Name: coolmaxstrumpor (med kraftig sula för bästa fäste = mit harten Sohlen für gute Feten(?)).
Aber stimmt, ich mit meinen Hammerzehen kann leider auch nicht diese schöne schmale Don-Auswahl tragen. Drum sind's leider immer nur irgendwelche schlimm aussehende aber bequeme "Gesundheitsschuhe", die freilich auch in den Bergen wunderbar ihren Dienst tun. Allerdings: "Coolmaxstrumpur" ist mir doch arg zu heftig. Mein Sohn (Heavy Metal-Fan) hat irgend sowas ähnliches, und auch noch in Größe 47.

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Die Übersetzung war fast süß. Die Collmaxstrumpor sind Strümpfe die es gratis dazu gibt. Der von dir zitierte Satz bezieht sich auf die Sohlen der Stiefel; "mit kräftiger Sohle für besten Halt" was auch stimmt das Profil hat fast 3 Zentimeter. Nun, du glaubst gar nicht wie bequem die Treter, die Überigens Jägerstiefel heißen, sind wenn man sich erst mal an das Gewicht gewöhnt hat, und hier brauche ich sowas wirklich im Frühling/Herbst ist Schlammschlacht angesagt und wenn man ständig im Gelände unterwegs ist, Tag für Tag mindestens 50 KM ... Die einzigsten Stiefel die ich kenne die hier 3 Jahre halten.
Alternativ wäre sowas:

http://www.engelsons.se/jakt-fritid-klader/index.php?do=prod&art=1541&parent01=2251&parent02=2317&parent03=2952&sida_nr=1

aber das kannst du dann nach 14 Stunden nur ausziehen wenn im Umkreis von 100 Metern eh alles Tot ist, und du sicher bist niemals wegen Verstoß gegen die UN Charta betr. Giftgas angezeigt zu werden.. Sind ausserdem zu kalt und am Feuer... Bruzel..

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@otaku1216 Taugen Lundhags-Wanderstiefel eigentlich noch was? Das waren zu Zeiten als ich noch, kurz nach der Bw, jenseits von Gällivare herumstiefelte die ultimativen, wenn auch in Deutschland, zumal in der Provinz, kaum zu kaufenden Schuhe für diesen Zweck. (Deutsche Bergstiefel hatten immer den Nachteil, dass sie zu kurz waren und bereits vor kleineren Bächen oder Sumpfzonen kapitulierten, sprich: dem berüchtigten trenchfoot förderlich waren). Na ja, damals konnte ich sie mir auch nicht leisten. Und heute verottet das Hilleberg-Zelt im Keller ;-)

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Alle einheimischen Marken, plus Meindel, plus Kamik ect. pp. kannst du so gut wie vergessen. Nur noch in Fernost gefertigter Mist zu völlig wahnsinnigen Preisen. Ich suche schon ewig einen Schuster der mir mal richtige Stiefel anfertigt, weil 160 Euro alle 3 Jahre ist mir eigentlich zu teuer, aber hier oben und auch sonst gibt es ja keine richtigen Handwerker mehr... . Solltest du das Zelt nicht mehr brauchen, Spenden nehme ich immer gerne entgegen, so was teures habe ich mein Lebtag noch nicht besessen :-))

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Ja, die Preise für Wanderstiefel sind teils irrwitzig, ebenso wie für den Rest der Outdoor-Sachen (die ich ab und an im Globetrotter-Schaufenster hier in Berlin bewundern darf ... erstaunlich, dass der Laden immer rappelvoll ist und sich selbst Renterinnen dort für die Wanderung im Tiergarten eindecken). Unsere bescheidenen Ansprüche decken wir inzwischen im Frankreich-Urlaub bei Decathlon, wo all dieses Trekking- und Outdoor-Geraffel zwar ebenfalls aus China kommt, doch noch nicht mit schicken Aufnähern aufgesext und verteuert wurde ;-)
Schade, dass Schwedenzeug auch nicht mehr so doll ist. Mein erstes & einziges Hilleberg (oft genutzt, allerdings ein Ein-Personen-Zelt, was auch ein Grund für den Kelleraufenthalt ist ... ob der Größe war es auch nicht so teuer und vermutlich zahlt man wegen der Teuerung inzwischen gleiches für ein Tatonka-Zelt, wenn es die Marke noch gibt), die Frucht des letzten Wehrsoldes, wurde bereits auch nicht mehr in Schweden hergestellt. AFAIK in Estonia.
Was allerdings hält und hält ist mein 10 Jahre alter Berghaus-Vulcan-Rucksack in Olivgrün ... aber die Optik ist nicht gerade familientauglich ... ;-)

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Ich bin mittlerweile voll auf dem US Army Trip. Da sieht man zwar immer aus wie ein GI, aber das Zeug ist billig, gut haltbar und wenn es doch kaputt geht dann sind nicht gleich hunderter/tausender weg. Globetrotter und Co finde ich immer zu schießen, wenn ich sehe mit was Gäste hier immer auftauchen, unglaublich. Ich warte noch auf das Messer mit GPS und Mobiltelefon, nebst Klopapierabroller. Das dann im Schnee verloren geht. Ich werde es NICHT suchen... :-))

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Otaku1216:
"...aber das kannst du dann nach 14 Stunden nur ausziehen wenn im Umkreis von 100 Metern eh alles Tot ist, und du sicher bist niemals wegen Verstoß gegen die UN Charta betr. Giftgas angezeigt zu werden..."
-> dann kommt der surströmming (als chemische Ablenkwaffe) ja genau richtig...

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bitte, bitte , bitte verschone mich mit den kulinarischen schwedischen Köstlichkeiten. Ich bin hier weil Land billig, es kalt und schneereich ist und man niemand, wirklich niemand sehen muss wenn man nicht will. Nicht um mich selbst suizidal mit sg. Delikatessen hinzu meucheln...

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Also doch noch ein Jungspund...
"...und sieht man vorne im Kreisel zwei andere Rennradfahrer in Acryl auf Carbon; denkt man sich auf Stahl in Tweed, na wartet... "
Ich hätte Sie für reifer gehalten. ;)

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Ich bin gestern ja gereift und habe mir wie alle Opas ein Ex-Teamrad gekauft, da kann ich jetzt ganz langsam fahren.

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lieber don, dann hatten sie also gestern ihren ehrentag? und wo ist das bild von ihrer torte?

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Nein, ich kam gestern nur an einem Radgeschäft vorbei.

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Also gleich in das nächste Extrem. Ich hoffe die damals obligatorische hübsche Team-Kappe war auch dabei.

Demnächst dann die Alpenetappen auf dem Rad? Auf einem welches Weltmeister macht, sollte das ja ein Klacks sein.

Meine Wenigkeit wird sich darauf beschränken auch in Zukunft die Herren und Damen, die mich im überholen, nett zu grüßen. Für ein Denkmal am Berg für den gefallenen Helden bin ich zu unbedeutend.

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