: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Freitag, 30. September 2005

OK, Berlin, Du hast gewonnen.

Ich gebe auf. Den ganzen Tag bin ich rumgerannt, um auch so einen coolen Turm zu finden. Haben wir aber nicht. Das einzige, was ich bieten kann, ist noch nicht mal rotweiss gestrichen, sondern nur aus Kalkstein und Ziegeln.



Und so totschickes Grau haben wir darüber am Himmel auch nicht, nur so blödes Blau und diesen grellen gelben Fleck. Ich hab mich dann erst mal in ein Strassencafe gesetzt, Tee getrunken und mich gefragt, warum die Welt so ungerecht ist, dass ich mir sogar Ende September noch das Sakko ausziehen muss. Weil es so warm ist.

Das ist alles so gemein. und hiddensee hat ein neues blog.

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Real Life 30.09.05 - Bilderbuchland

Es wird Zeit für einen Frottee-Bademantel. Oder besser gleich zwei, ein weiterer für Besuch aus Berlin, irgendwann wird der wohl kommen. Die Sonne scheint immer noch, aber am Morgen ist es schon empfindlich kühl. Also zwei Bademäntel. Die Strasse runter, in einer Passage, ist der Laden für solche Bedürfnisse.

Nebenan ist der Teeladen, in dem sich jetzt Scharen von Steppjackenträgerinnen drängen. Hermestücher feiern fröhliche Urstände. Chinakitsch scheint gross in Mode zu sein, Strohhüte, Eisenkannen und grobe Teeschalen sind wohl die Renner der Frühherbstsaison. Und du wolltest ohnehin mal einen Text über Chinoiserien schreiben, und die Ursachen, warum sie bei uns - und bei dir - so beliebt sind.

Du betrittst die pastellfarbene Halle, die früher mal ein Sanitärgeschäft war und in der heute vor allem Badwände mit Carraramarmor und Bisazza geplant werden. Es gibt auch noch Waschbecken, aber sie sind heute aus apricotfarbenen Speckstein gedreht, kostet keine 700 Euro. Badewannen stehen nicht mehr rum, dafür gibt es Jakuzzi in diversen Ausführungen und Duschen wie Weltraumschleusen. Im hinteren Bereich wählt ein Paar gerade Säulen und nachgemachte Amphoren für ihr Bad im griechisch-römischen Stil aus. Wenn schon Toskana, dann richtig. Aber die Bademäntel sind hier so weich und flauschig, wie sie sein sollen, und kaum teurer als bei Billiganbietern draussen im Industriegebiet.

Gegenüber vom Ausgang der Passage ist eine Galerie, die einer der besseren Herren seiner Frau geschenkt hat. Normalerweise läuft darüber die Autoflotte und ein Teil der Steuern, bis sie nach 2 Jahren die Lust verliert, aber die Besitzerin hier hat den Geschmack ihrer Peergroup getroffen. Seit 20 Jahren gibt es dieses Ding nun, es sieht aus wie die Requisitenkammer von Architectural Digest (deutsch) vor drei Jahren, und davor parkt ein Z4 im absoluten Halteverbot. Eine Kundin trägt einen mediterranen Kunstdruck aus dem Laden, legt ihn auf den Beifahrersitz, gibt der Besitzerin Bussi Bussi und fährt gemächlich davon.



Im Cafe an der Ecke kommen die ersten Mittagspausierer und Wochenendgeher zusammen. Der Kellner säubert die Tische für das grosse Fressen; Krabbencocktails sind hier momentan sehr en Vogue. Es gibt keine griesgrämigen Gesichter und keine Angst. Die Leute hier sind in Sicherheit, sie treffen sich, sind auf ihre bayerische Art charmant, vielleicht wird aus dem kurzen Verhältnis am Wochenende doch was längeres, dann heiraten sie in der traumhaft schönen Asamkirche gegenüber und bekommen semmelblonde Kinder, die eine glückliche Jugend verbringen, um später mal Sparkassenleiter zu werden wie der Onkel oder Galeriebesitzerin. Oder Innenarchitektin für Bäder.

Vor dem Stadtpalast siehst du die ersten Arbeiter. Vom Bau. Sie ziehen in der Nachbarschaft noch ein Studentenwohnheim für Elitessen hoch, ein paar Quadratmeter für fast Münchner Preise. Aber so ist das hier, im Speckgürtel, wo inzwischen alle wieder in die Altstadt wollen, wo es Krabbencocktail gibt und 100 Gramm Tee für 9 Euro. Da müssen die Elitessen mit hohen Preisen rechnen. Dafür ist dann die Amüsiermeile direkt vor der Haustür. Mit einem Sausa, das genauso ist wie das Sausa in der Türkenstrasse in München. Früh übt sich. Alles bestens. Alle zufrieden. Keine Ahnung, warum manche denken, dass die Stimmung kampagnenbedarfsmässig schlecht ist. Hier ganz sicher nicht.

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