: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Sonntag, 19. Februar 2006

Sehr zu empfehlen - Apliken

Man könnte meinen, ich sammle Kerzenhalter. Rund zwei Dutzend stehen in meiner Wohnung, meistens klassische Biedermeierformen, aber auch ein paar ältere und jüngere Exemplare. Sie stehen da aus gutem Grund. Schliesslich ist nicht nur das Haus sehr alt, sondern auch die Elektrifizierung. Kurz nach der Jahrhundertwende beschloss mein sehr fortschrittlicher Ururgrossvater, dass man das mit der Electrizität auch mal ausprobieren sollte, und Teile der damals in Messingrohren gelegten Leitungen sind immer noch im Betrieb. Leider auch da, wo ich wohne. Es ist nicht gefährlich, aber bei gewissen Gerätekombinationen fliegt die Sicherung oft raus. In einem Sicherungskasten im ersten Stock. Ich wohne im 4. Stock. Und seitdem ich einmal in rabenschwarzer Nacht schön eingeseift unter der Dusche "Voglio far il gentiluomo e non voglio più servir..." schmetterte, und justament bei dem "servir" die Sicherung den Dienst quittierte, und ich da stand, in der totalen Finsternis, klatschnass und eingeseift, drei finstere Treppen über der verfluchten Sicherung...

Seitdem brennen bei mir immer in der Nacht Kerzen, besonders beim Duschen. Natürlich bringt eine einsame Kerze auch nicht viel, wenn es durch verwinkelte Wege im Speicher nach unten geht, und deshalb wünschte man sich eine an sich uralte Erfindung, nämlich an der Wand montierte Apliken für Kerzen. Klingt einfach, ist es aber nicht, wenn man gewisse Ansprüche hat: Einflammig, ein Paar, das zum Louis-Phillipe-Spiegel im Gang passt, aus Bronze und bitteschön irgendwann zwischen 1810 und 1880 hergestellt.

Das Problem nun ist, dass nicht jeder so einen fortschrittlichen Ururgrossvater wie ich hatte. Die Schlafmützen und Grattler, die erst gegen 1920 Strom in die Wohnungen bekamen, haben in der Regel bessere Leitungen und Anschlüsse. Die können auf Bronzeapliken verzichten, und haben das in aller Regel auch getan. In den Weltkriegen ging somit viel von diesen "überflüssigen" Objekten in die Metallsammlung, wurde zu Waffen und liegt jetzt als Schrott irgendwo im Boden zwischen Casablanca und Stalingrad. Echte Apliken sind selten, schwierig zu finden und ausgesprochen teuer. Ich suche schon länger; in Wittenberg hätte ich beinahe welche gekauft, aber der Preis war exorbitant (und die Gier nach den 2 Kilo Silberbesteck war grösser, zugegeben), aber heute war es dann so weit.



Natürlich wäre auch Messing gegangen. Aber Bronze ist eine Legierung, an der man sich auch in 6.000 Jahren noch erfreuen kann. Sprich, diese Stücke sind eine echte Wertanlage und werden auch noch leuchten, wenn ich längst zu Staub zerfallen bin. Die Form ist vielleicht ein wenig üppig, aber auch der Spiegel, stilistisch der reiche französische Vetter des armen deutschen Biedermeier, ist kein Freund von Zurückhaltung und Ausgezehr. Sie haben genau die richtige Mischung zwischen Glanz und Patina. Und sie waren skandalös günstig. Sie passen genau zwischen Laute, Spiegel und Florett. Und es sieht prächtig aus, wenn man vor dem Spiegel steht. Eigentlich müsste man davor, im Kerzenschein, eine Frau entkleiden.



Ach ja. So, ich geh in die Dusche, und dann mit meiner netten Bekannten Iris in "Casanova".

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Der Satz, bei dem ich nicht wiederstehen kann.

Don Alphonso: Was kosten denn die exquisiten Biedermeier Gewürzstreuer aus geschliffenem Glas de oidn Glosflascherl?

Verkäufer: 20.

Don Alphonsos Frau Mama (forte): Nein, hör auf, nicht schon wieder, wo soll das nur alles hin, das brauchst du doch nicht (usf.).

Don Alphonso (kleinlaut): Hm.

Verkäufer: Also 15 von mir aus. Für 15 bekommen´s bei Ikea noch nicht mal Pressglasflascherl.

Don Alphonso (in dem das Gift der Ikea-Erwähnung nach Bruchteilen einer Sekunde gewirkt hat: OK, nehm ich.



Don Alphonsos Frau Mama (später im Auto): Ich versteh wirklich nicht warum du sowas kaufst, so eine Verschwendung, du hast doch sowieso keinen Platz mehr und Empfänge, dass du Biedermeier Gewürzstreuer brauchst, gibst du auch nicht, also ich könnte sowas ja schon brauchen wenn der Konzertverein....

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Schlechte Zeiten für Neoconnards

Momentan gehört ja schon ein gerüttelt Mass Verblendung dazu, Dänemark und die USA kritiklos bejubeln - Amerika, weil es im Rahmen des Versagens während des Wirbelsturms Katrina wohl zu einem schaurigen Ereignis gekommen ist: Da wurden Patienten, die nicht evakuiert werden konnten, nach einem Bericht des National Public Radio mit einer Giftspritze getötet.

Und dann sind da noch die tapferen Dänen, die es den Neoconnards so verhassten Muslimen mit den Karikaturen richtig gezeigt haben. Überall forderten sie: Solidarotät mit Dänemark, Abdruck dänischer Karikaturen, dänische T-Shirts und ausserdem solidarischen Dänen-Shopping, gerade von der im Orient übel boykottierten Marke Arla. Manch einer brüstete sich damit, das Zeug tatsächlich gegessen zu haben.

Na dann frohes Kotzen ohne Ende, Broder: Denn was tun die tapferen Dänen? Nicht nur, dass mancher den Abdruck iranischer Holocaustwitze in Erwähnung zieht. Nein, jetzt sind auch dänische Fussballer zu feige für ein Freundschaftsspiel gegen Israel - es könnte ja in der arabischen Welt schlechte Presse bringen. Und man will ja kein Öl ins Feuer gissen. Der Sponsor Arla will im Falle des Spiel keinesfalls seine Werbung auf den Trikots sehen.

Und das sind also die Leute, für die die Neoconnards zur Solidarität aufgerufen haben...

hihi

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