: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Sonntag, 8. Januar 2012

Die Risiken des Alters

Gen München hin wird alles unschöner. Die Strassen werden voller, derr dichte Verkehr verfestigt sich zu Stahlbrei, aus leichtem Regen wird ein Schauer und dann Schnee, richtig viel Schnee, und dann stellt sich die Erkenntnis vor, dass es wenig bringt, an Tagen wie diesen weiter in den Süden zu fahren, wo kein Fortkommen ist. Oben auf den Bergen versinkt man vermutlich in der weissen Pracht, und das ist nicht ganz Sinn der Sache. Daheim gäbe es auch genug zu tun. Also mache ich in München, was zu tun ist, und fahre durch den niederländischen Stau nach Hause. Pech gehabt, die armen Pistengeusen, erst kein Schnee und jetzt Lawinensperren. Das ist schon hart. Wieder daheim dann noch mehr Niederländer, aber als Absender eines Pakets.



Das ist erleichternd. Zu den unerfreulicheren Momenten der Bildersuche gehört es, wenn man

- das passende Motiv für die Bibliothek gefunden hat, das man schon lange suchte, nämlich eine halbnackte Sybille mit aufgeschlagenem Buch. Man muss aufpassen, ikonographisch ist die büssende Maria Magdalena nicht weit weg davon, und nur die Sybille passt in meine doch eher etwas moralisch nachlässige Bibliothek.

- dann wieder Erwarten das Bild bekommt. Andere, weitaus weniger gute Stücke nämlich wurden sehr viel teurer. Eigentlich hatte ich gar nicht damit gerechnet, dass es gut geht. Sicher, es ist nur eine der vielen Kopien des beliebten Originals aus dem 17. Jahrhundert, aber immerhin in etwa aus der Zeit und nicht gegen 1900, wie das Los unmittelbar davor. Man staunt nicht schlecht, wenn solche Jugendstilkopien die 1000er Schallmauer wie nichts durchbrechen. Aber irgendwie hat der Auktionator ein wenig zu sehr die Probleme betont. Immerhin, derartig alte Restaurierungen zeigen auch aus der Entfernung, dass es sicher kein Öldruck ist. Gewonnen, jedenfalls. Erstaunlich günstig. Ein paar Wochen später wird eine andere Kopie angeboten, später, kleiner und schlechter, für den Preis einer gebrauchten Barchetta.



- Gewonnen - und zerronnen. Das Paket hatte eine Trackingnummer, aber die Probleme begannen, als das Datum der Abholung vor dem Datum der Ersteigerung lag. Dann wanderte das Paket zwischen einigen Stationen hin und her, um laut Nummer nach Wochen Deutschland zu erreichen. Und in Deutschland war ich dann drei Mal auf der Post. Die konnten nichts lokalisieren. Die Nummer war nicht im System. Und der Händler hatte zwar eine Versicherung abgeschlossen, aber die stellte sich stur: Laut der Trackingnummer war es ja in besten Händen in Deutschland, die nichts davon wussten. Anrufe. Mails. Nachforschungen. Ich bin Spezialist für die niederländische Post geworden.

- Anfang Januar tauchte das Paket wieder beim Händler auf, unzustellbar in den Niederlanden. Kein Wunder! Aber immerhin, es hat überlebt. Er schickt es nochmal. Ich frage ihn, ob es nicht besser ist, wenn ich über Tongeren (Flohmarkt!) zu ihm fahre und es hole, aber Tongeren ist imn Winter nicht lohnend. Also nochmal die Post. Ich richte mich auf Wochen des Zitterns ein. Ich fahre drei Tage später nach München. Ich kehre um. Im Hausgang ist das Bild. sauber verpackt und geliefert, völlig problemlos.



Und es ist weniger schlimm als befürchtet. Generell ist es so, dass man bei Häusern mit guten Photographen befürchten muss, dass das Bild in Wirklichkeit viel schlechter aussieht. Aber andere wissen nicht, wie sie mit Reflektionen und Verzerrungen umgehen sollen, und dort kann es sein, dass das Bild nachher besser ist, oder gar nicht so schlimm wie befürchtet. Es gehört etwas Phantasie und Wagemut dazu. Wenn ich mal zu alt zum Rodeln bin, werde ich mehr arbeiten, mehr verdienen, dann richtig teure Gemälde aus schlecht bebilderten Katalogen niederländischer Händler ersteigern und sie mit der Post verschicken lassen. Andere bekommen für die Aufregung Kinder oder investieren in Waldfonds, ich wage mich an die niederländische Post, wenn es mit dem Flug in die Botanik nicht mehr geht.

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