: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Montag, 27. Dezember 2004

Barchetta Reloaded

Ich habe hier gefragt, was ich mit der Barchetta tun soll, die meine kleine Schwester mir aufdrängen möchte. Nun, in den letzten Tagen sass ich schon mehrfach auf dem nassen Fahrersitz, liess mir orkanartigen Fahrtwind durch die Lücke zwischen Scheibe und Hardtop um die Ohren wehen, und lernte, dass Vollgas mit so einem Winzauto bei Glatteis zu den Dingen gehört, von dem unsere Eltern zwar keine Ahnung, und dennoch aber zurecht gewarnt haben. Wie auch immer: Ich werde die Barchetta nehmen. Dummheit? Mitleid mit meiner kleinen Schwester? Schneller in Berlin? Alles und nichts.



Aber: Die Ergebnisse der Umfrage schockieren mich dann schon etwas. Ich hatte gedacht, für aufgeschlossene, entspannte Menschen zu schreiben, die die Versuchungen des Daseins und den Gewinn daraus zu schätzen wissen, die Vernunft nicht gleich mit calvinistischer Rationalität gleich setzen. Aber: Gleich 19 Abstimmende von 34 meinten, ich solle den Barchetta an Achmed verkaufen, was ja noch der Völkerfreundschaft dienen kann, und das Geld sparen. Ich vermute mal, dass die Abstimmenden das letzte Wort noch nicht mal im Duden nachschlagen mussten. Also sparen - und dann? Wozu? Für wen? Für welche Gelegenheit? Einfach so sparen, ohne Sinn, Zweck und Verstand? Meine Lieben, lasst Euch gesagt sein: Geiz ist Scheisse. Geizige Menschen sind das Ungeilste, was ich mir vorstellen kann. Und es entspriche auch nicht meinen levantinischen Adern.

Ich schreibe gern für Euch weiter. Wirklich. Aber bitte, lest, begreift, gehet hin und bessert Euch. Das ist das Blog eines überzeugten Hedonisten, eines Libertins, eines Geniessers, dessen Lebensziel das Angenehme und die Lebensfreude ist.

Auf den weiteren Plätzen kamen "Auto in Berlin gammeln lassen" und "aggressiv bemalen". Das sind nun Ratschläge, die ernsthaft zu bedenken sich lohnt.

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Jetzt neu mit provinziellem Headerbild,

solange ich in der Provinz bin. Eine Dame im ländlichen Kostüm ihrer Zeit, ganz ohne die lästige Hoftracht, die in der grossen Stadt zu tragen war, und ihren Unbequemlichkeiten. Man mag sich beim Betrachten vor Augen halten, dass Briefe zur Entstehungszeit des Gemäldes durchaus berichten konnten, dass die Tante dieser Person sehr angenehme Tage in der Provinz zu verbringen wusste, mit vielen guten Freunden und ländlichem Leben. Alles sei wunderbar, die Wiesen frisch, die Feste galant, nur über die Bauern habe man sich etwas geärgert, weil die angesichts der schlechten Ernte keine Abgaben leisten wollten - man habe dann das Dorf zur Strafe verwüstet, und bei der Gelegenheit ein paar entzückende junge Schafe entdeckt, die man jetzt im Schloss gross ziehe, diese freundlichen Geschöpfe.

Andererseits muss man für sie fast schon hoffen, dass sie nicht eine Harmlosigkeit wie das Manuskript für Voltaires philosophisches Wörterbuch liest - dafür konnte man um diese Zeit selbst als Adliger noch hingerichtet werden.

Wer wissen will, was das ist: Eine (nicht allzu gute) Kopie der Dresdner "belle Liseuse" von Liotard, ca.1746. Und in Wirklichkeit liest sie den Brief eines Galans, der sie ficken will.

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Sonntag, 26. Dezember 2004

Life according to Jaqueline

Um zu verstehen, warum die Provinz ist, wie sie ist, muss man entweder dort geboren sein, oder mal genauer in die Schaufenster der besseren Geschäfte schauen - dort also, wo die Meinungsführer der Region einkaufen. Hier bei uns unterscheidet man am besten in einen A- und B-Laden, zumindest, was Damenoberbekleidung und den Tand angeht, den man in Regionen mit entwickeltem Sprachgefühl als Accessoires bezeichnet. Der A-Laden zieht auch noch Rechtsanwaltsgattinnen aus München an, der B-Laden 50 Meter weiter die bodenständigeren Varianten, denen Gucci und O.d.l.Renta etwas zu affektiert - oder überkanditelt, wie man hier sagt - sind.

Der B-Laden macht aus Blond eine Sache der Einstellung und heisst Jaqueline, und das schon, seit ich als Kind nebenan im Spielzeugladen kleine alliierte Flugzeuge des zweiten Weltkriegs gekauft habe. Bei Jaqueline gibt es nicht nur Leopardenmuster, irisierende Glitzerpailetten und Puffärmel an den von der bayerischen Tracht inspirierten Abendkleidern, sondern auch den Schmuck, den hier jeder Sohn einer anständigen Familie vom Hals der ein oder anderen Tanzpartnerin kennt.



Schliesslich passen die Mütter hier genau auf, dass die Töchter nicht den alten Familienschmuck, wie etwa die Kropfbänder von Tante Bertha oder das Rubinkollier von Tante Agnes, Gott hab sie selig, bekommen. Statt dessen wird speziell zum Anlass gekauft, was gross ist, funkelt, zumindest mal aus Silber und nicht ganz billig ist - weil man ja nicht wie die Grattler wirken will, wenn die Tochter sich nach dem grossen Abschlussball auch noch mit 17 ins Theaterabo und die damit verbundenen gesellschaftlichen Anlässen zwingen lässt. Einfach nur Sekt kippen, an der Bar, das wäre dann doch zu wenig.

Es ist irgendwo zwischen Rapperinnen-Klunker und Kreuz für braves Töchterchen angesiedelt und deshalb universell verwendbar. Die Glasspitter könnten auch Brillis sein, und es ist viel, aber nicht so brutal viel, dass es schon wieder ironisch sein könnte, und natürlich ist Frau Mama der Einbildung, der Sohn eines anderen Clans wird schon darauf reinfallen und denken, dass sie auch mitschnabeln können im Geschnatter der Provinzelite.

Allein, der Sohn hat schon gehört, wen er sich da gegriffen hat, weil keine andere mehr frei war und die unter den Resten noch die Hübscheste war, an diesem speziellen Abend im Festsaal ist sie sogar sehr hübsch, und der Rest läuft dann irgendwann auf dem Surfbrett und ganz ohne das Lametta. Davon lebt bei ihm die Erinnerung - und von den Dünkeln der Mütter lebt Jaqueline, und wird wohl auch dann noch leben, wenn die Enkel dieser Mütter längst auf dem heimischen Computer Verfolgungsjagden mit virtuellen Flugzeugen veranstalten.

Und deshalb ist es hier so, wie es ist.

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Zielgruppensensitive Werbung

"30 und noch am arbeiten? Jetzt Online Lotto spielen bei Tipp(undverlier, anm.d.red.)24.de - Lotto im Internet. Clever gemacht."

Steht ganz oben bei den Anzeigenlinks - der Wirtschaftswoche im Internet. Früher spielte man in diesen Leserkeisen das russische Venture-Roulette, heute dagegenscheint die kleinere , staatlich lizensierte Totalverlust-Variante en vouge zu sein. Wenn sie noch die Worte "smart" und "Capital" reinbringen würden, hätten sie sicher eine noch bessere, ach was, optimalere Willingness 2 Click.

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Samstag, 25. Dezember 2004

Long Way 2 Tipperary

Die riskantesten Werbegags bietet das Kreativ-Volk bekanntlich den Kunden an, und nutzt es nicht selbst. Hier hat es mal jemand im Selbstversuch gemacht - unter Hinterlassung einer weiteren unfamous last Website.. Und ich frage mich, worunter ich das in meiner nie geschriebenen Geschichte der New Economy Band 1-10 notieren soll: "Post-NE-Verzweiflungstaten" oder "Warum OE-Strategien in der NE keine Chance haben".

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Für Christen wenig geeignetes Real Life 25.12.04

Pünktlich um ein Uhr kommt der grosse Andrang. Sie riechen nach Kälte, schlechter Luft und Quartals-Frömmigkeit. Ihre Eltern, die allein nach Hause fahren, wollen es so, und bekommen jetzt schon seit Dekaden ihren Willen. Das gehört sich so, das war schon immer so, und wenn sie doch noch die Torschlusspanik kriegen und ihren Eltern auch noch den Wunsch nach Nachwuchs erfüllen - denn wo sollten sie dann später mal mit all dem zusammengerafften Vermögen hin - dann werden sie auch ihre Kinder in dieses grosse, rote Lügengebäude zwingen, wo sie ihre provinziellen Werte in schlechtes Liedgut verpacken und in die Gewölbe krähen, zum Lobe der Welt, wie sie ist, für die Unsterblichkeit der Dummheit, für das Fortbestehen von Kirchensteuern und Dienst-BMWs für die Religionsbeamten.

Ich habe in dieser Stadt nur wenige Leute kennengelernt, die die SS, die Sondereinsatztruppen und die Massaker an der Ostfront oder in Kroatien verteidigt haben. Einer war ein bekannter Rechtsextremist, die anderen beiden waren katholische Religionslehrer, anerkannte Stützen des Systems, die ihre einschlägigen Erfahrungen an der Ostfront den Schülern in epischer Breite berichteten. Ich bekam damals nur die halbe Dröhnung im Lateinunterricht ab. Als es doch mal ein paar Beschwerden gab, hiess es, die seien eben alt, da könne man nichts machen. Man kann hier nie etwas machen, es wird immer so bleiben, man muss damit leben, oder gehen, oder zumindest dagegen anschreiben.

Im zweiten grossen Schwung ist Iris dabei. Wie eigentlich jedes Jahr, bis vor vier Jahren - damals hat sie geheiratet. Ich glaube, die meisten aus ihrem Bekanntenkreis haben ihr gesagt, dass es nicht klappen würde; genauso, wie die Freunde ihres Mannes sie im Wunsch nach geregelten Verhältnissen unterstützten. Letztes Jahr war sie dann schon von ihm getrennt. Jetzt ist die Scheidung durch, über die restlichen Fragen streiten sich die Anwälte. Deshalb wieder Weihnachten bei den Eltern, deshalb Christmette, deshalb aber auch nachher gleich hierher, wo es mit Leuten überfüllt ist, deren Lieblingsbegriffe "Damals" und "Erinnerst Du Dich" sind. Sie haben ziemlich viel Vergangenheit, aber wenig Zukunft.

Ich erzähle ihr vom Draussen, das auch nicht zwingend besser ist, vom Kommenden, das vielleicht richtig gut werden kann. Sie hört sich das leicht ungläubig an, aber sie mag die Geschichten. Es gab ein halbes Dutzend Leute, von denen man damals annehmen konnte, dass sie Schriftsteller werden könnten. Der einzige, der dieses grosse Ziel der AG Literatur geschafft hat, ist der, der damals ganz sicher nicht auf der Liste stand. Weil er nach den Literaturbegriffen der Privinz nicht schreiben konnte. Es gibt im Leben keine Evolution, nur ein Abschmieren in die Illusionslosigkeit und die Unterordnung im System, und auch keine Revolution, sondern nur ein chaotisches Irrlichtern von Chancen, die man für den Preis von Brüchen und Klippen im Leben nutzen kann.

Wenn man das mag, sagt Jürgen, der nochmal später dazugekommen ist, und der unter Alk ein erhebliches Balzverhalten in Richtung Iris entwickelt. Sein gesichertes Leben, sein Haus in der Vorstadt, sein Auto, seine Nichtigkeit und Leere im Leben, sein Jahresurlaub, seine Einsamkeit, seine Position, seine Chance, es hier, in dieser Nach an Iris nochmal auszuprobieren, und ich steige nur zum Spass ein, halte dagegen, nicht um sie ins Bett zu kriegen, sondern um ihr nochmal das Gefühl zu geben, wie ist ist, begehrt und umworben zu werden. Zumindest sage ich mir das so gegen drei Uhr, als ich anfange, das Grau ihrer Augen in Richtung eines gefährlichen Grüns zu interpretieren. Es dauert lang, so gegen halb fünf stehen wir dann draussen vor der Tür, die Entscheidung steht an, und irgendwer da oben hasst mich, denn zu den beiden nicht sehr undeutlichen Angeboten kommt in Form eines engelsweissen Taxis die dritte, keusche, mutmasslich gottgewollte Option vorbei. Tschüss, Umarmung, hmpf, sie hat so verdammt gut gerochen, da fährt sie hin.



Falls damals wirklich so ein Messias geboren worden sein sollte, hat er jedenfalls die Religionslehrer bekommen, die er verdient. Sage ich so gegen sechs Uhr zu Jürgen, als wir auch noch aus der letzten Kneipe rausfliegen.

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Samstag, 25. Dezember 2004

Sweet Memories

Was wurde aus Rita und ihrer geplanten Karriere beim Film? Ist Claudia, die Tochter des Apothekers, nach ihrer Scheidung von dem Idioten endlich reif für das, was man vor 12 Jahren an diesem einem Sommerabend so kläglich vergeigt hat? Werde ich je begreifen, warum sie ihre Flügel freiwillig stutzen?

Es ist dieses primitive Ritual, das sie für diese eine Nacht nochmal an die Städten ihrer Jugend treibt, wenn sie in der Christmette (die Religion ist so grattlig wie ihre Buzzwords) waren, oder, wie die, die mir lieber sind, auch nicht. Es ist Hexensabbath, ein einziges Mal gehen sie mit dem Vorsatz raus, es nochmal zu erleben, es nachzuholen, wass immer sie auch verpasst haben. Heute Abend sind sie alle nochmal jung und zu haben, heute Abend werden sie noch einmal die Rebellion gegen das Leben wagen, dem sie hier nie mehr entgehen werden. So ist das hier in den frühen Stunden des 25. Dezember.

Allein dafür hat sich die Fahrerei in die Provinz gelohnt.

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Real Life 24.12.04 - House Cooling Party

B. verlässt Berlin. Aus den drei Monate, auf die sein Arbeitgeber das Projekt festgesetzt hat, wurden fünf. Mit dem Ergebnis, dass alles, was B. gemacht hat, jetzt in die Tonne wandert, weil sich die Rahmenbedingungen geändert haben. Die Kunden versuchen es jetzt auf die komische Tour und sagen, dass sie nur die drei Monate zahlen werden; für den Rest ist B.s Firma verantwortlich. Die will sich wehren, hat B. aber schon mal vorsorglich mitgeteilt, dass da, wo nichts ist, nichts zu holen ist. B. hasst Berlin und ist froh, wieder weg zu kommen. Und gestern Abend hat er das in seiner auf Zeit gemieteten, unpersönlichen Wohnung gefeiert.

Nur ein Dutzend Leute sind gekommen; Kollegen, die unvermeidlichen Freunde, die nach Berlin gegangen sind und sich hier durchschlagen. Sie reden viel über die Chancen des nächsten Jahres, einer will ein Buch machen, zwei andere denken über ein Webprojekt nach, nachdem Slate einen Exit geschafft hat. Sowas müsste man, runterskaliert, doch auch in Deutschland hinbekommen, lean, mean, smart. Als sie hören, dass ich privat ein paar Zeitungs-Verleger kenne, machen sie einen improvisierten Pitch, der gut klingt und chancenlos ist. Allein schon, weil ich mit ihren Zielpersonen nie geschäftlich zu tun habe. Ich versuche, es ihnen schonend beizubringen, aber sie haben mich schon als Türöffner abgespeichert. Nach drei Stunden schlägt man sich dann in die überraschend milde Nacht.



Die beiden begleiten mich noch zum Auto, durch die bröckelnden Fassaden und Baumgerippe der Lychener Strasse. Sie sehen nicht den Zerfall, sondern nur ihre Pläne und die Zukunft. In ihrer Zukunft, die sie propagieren wollen, ist alles sauber, klar, offen, hell, modern.

Wenn ihr es wirklich macht, sage ich zu ihnen, dann macht auch eine Rubrik für Vintage Computer. Sagt den Leuten, warum sie mit einem IBM T41 auch nicht wirklich schlechter da stehen. Bringt die kleinen Dinger, die wenig oder nichts kosten. Vergesst das Premium-Segment. Und schaut euch die Welt an, in der ihr lebt. Das hier ist eine Realität, für die ihr schreiben müsst. Die Idioten, die Daheimbleiber in der Provinz sind auch so eine Welt. Und versucht nicht, denen eine Welt aufzuzwingen, die sie gar nicht wollen. OK? Schöne Feiertage.

Ich steige ins Auto, und weiss, was sie jetzt gleich sagen werden: Dass sie das sowieso machen werden, der Typ sieht das alles viel zu negativ, aber sie werden ihm recht geben, weil sie ihn erst mal brauchen. Aber wenn sie dann selbst bei den Verlegern sitzen, werden sie so richtig auf den Putz hauen. Die Typen da oben, die werden Sie verstehen. Garantiert. Sie nehmen ein Taxi, in dem sie weiter planen können, ohne durch so lästige Realitäten wie die Bettler in den U-Bahnen und die Junkies an den Haltestellen gestört zu werden.

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Donnerstag, 23. Dezember 2004

Verpuffung im Laboratorium

Man konnte das Lab nicht übersehen, obwohl es nur im Souterrain, zwischen massiven Kellerwänden in der Kastanienallee lag. Draussen an den Wänden waren Pädophilen-Pinups: Grosse Photos vom sehr dünnen, melancholisch dreinblickenden Leuten, die die Produkte des Labs zur Schau trugen. T-Shirts, die von den hier massenhaft in den Gossen auffindbaren Jungdesignern gestaltet wurden. Anders, frech, Mitte. Das, was die Tübinger Zahnarzttochter daheim ihrer früheren besten Freundin zu Weihnachten schenkt. Das, was sich die jungen Touris aus Gelsenkirchen als Andenken kaufen. Das, was der One-Night-Stand am nächsten Morgen im Frühstücksbett tragen würde, wenn man sich denn einen One-Night-Stand trotz überzogenem Konto leisten könnte.

Drinnen waren Leute, die nach dem optischen Eindruck auf die Entdeckung durch eine Vorabendserie, einen Verleger oder eine Casting Agentur hofften. Solange verkauften sie eben T-Shirts, und irgendwie hatte ich den Eindruck, dass es in der Post-New-Economy funktionieren könnte: Billig, schnell, trendy, an der richtigen Stelle des Slums gelegen. Offensichtlich waren doch zu wenig junge Leute da unten im Keller. Jedenfalls kam das dann ganz plötzlich:



Vielleicht war das Telefon schon weg, bevor man noch die früheren gestalter informieren konnte. Vielleicht war das telefon noch da, aber das Personal schon weg. Vielleicht ist den Leuten bei der Mama in Hamburg erst beim Ausräumen aufgefallen, dass da noch was offen sein könnte. Aber so ist das nun mal, wenn so eine junge, schicke Idee mal schnell verpufft, immer das gleiche, wie in der NE, dachte ich, summte History Repeating von den Propellerheads, und schoss das Bild.

Ist das Ihr Laden, fagte mich einschlacksiger, junger Türke, der meinen Anzug und die Krawatte wohl für die Uniform der Makler hielt. Sind Sie der Vermieter?

Nein, sagte ich, und musste lächeln, auch, weil ich an das hier dachte.

Ah - ok, meinte er, und erzählte dann seinen Freunden, was für einen tollen Handyladen man hier machen könnte.

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T-Offline mit Gmail ficken

Witzig - wenn man Gerüchten/Berichten glaubt, kann man bei manchen T-Online-Accounts nur 30 Mails am Tag verschicken, und die gehen teilweise erst recht spät raus. Das kann einem bei Gmail nicht passieren! Ich hab hier 6 neue Einladungen - entweder die Email-Adresse hier hinterlassen oder eine Mail an donalphonso |at| gmail dot com schicken.

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Mittwoch, 22. Dezember 2004

Befangenheitsantrag im Fall Falk abgelehnt

zumindest, was die Richter angeht. Bei der Berichterstattung im Managermagazin kann ich micht des Eindrucks nicht erwehren, dass man für den Angeklagten gewisse Sympathien hegt - da ist sowas in Richtung "social interest" drin, ganz seltsam. Falk, der Emotionale, Kämpfende, gegen graue, anonym wirkende Richter und Staatsanwälte. Das Manager Magazin sollte sparsam mit dem Mitleid sein - kann sein, dass sie es in diesem Fall nochmal brauchen werden.

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Munich Area Death Toll - Unfamous last Words

1507 IN 2634/04, die FINEX Finanzforum AG bei München meint: "profitieren Sie von unserem Know-how als unabhängige Experten für Altersversorgung und Finanzplanung."

4 IN 1094/04, die ConVenture Aktiengesellschaft aus Augsburg sagt: "Erfolg braucht Substanz und Strategien. Nur wer seine Zukunft richtig plant, gehört in diesem Szenario zu den Gewinnern."

IN 412/04, die AIRNYX AG aus Weilheim glaubt: "The Future is wireless."

Don Alphonso betont: "Alle Wege führen zum Amtsgericht".

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News-Check (solange es noch geht)

Ooops, es bleibt bei mageren 40 Seiten News - wobei man heute immerhin 1,5 Seiten (!) Werbung hat. Da wird der einstellige Millionenbetrag, der in News unvestiert weren soll, aber nicht allzu lange reichen , wenn das so weiter geht. Ich glaube, ich schreibe die nächsten Tage mal eine Pressemitteilung, die die Verlagsgruppe Handelsblatt im Falle eines Falles gerne übernehmen kann...

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Dirt Picture Contest - Slumbewohner halten Ordnung

Wenn so ein billiger Fernseher dann mal kaputt ist, wird er nicht nur auf die Strasse gestellt oder geworfen; je nach Leistungsbereitschaft des Besitzers. Unten führt man ihn dann neues Funktionen zu. So fehlt es auch in Charlottenburg an Mülleimern, und sobald das Ding mal eingetreten und zerlegt ist, kann die Sekundärnutzung für die Lagerung des Hauptproduktes des Slums, also des Mülls beginnen.



Ein wenig Zielgenauigkeit muss noch erlernt werden, damit es noch etwas ordentlicher aussieht. Aber ein Anfang zur Stadtverschönerung ist gemacht; jetzt liegt nicht mehr alles einfach so rum. Nebenbei bekommt auch das Wort Trash-TV eine sinngemäss stimmende Bedeutung. Das ist schon was. Ein kleiner Schritt nur, aber immerhin. Berlin a. d. Spree kann stolz auf seine Bürger sein.

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Dienstag, 21. Dezember 2004

Freenet mit Gmail ficken

4 Invitations habe ich. Entweder hier Email posten oder an donalphonso | at | gmail com schicken.

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Innerlich schon gekündigt.

Es ist Weihnachten. Jetzt, in den letzten Tagen, kommen die grossen Umsätze. Nicht nur für den Handel, sondern auch für alle, die von Werbung abhängig sind. Bis zum letzten Tag sind alle Zeitungen randvoll mit Anzeigen; die stille Zeit rettet das schlechte Jahr 2004, und überall wird die Werbeacquise gestreichelt.

Da fällt es, mit Verlaub, schon auf, wenn eine Zeitung von 48 Seiten auf 40 runtergekürzt wird. Und drinnen gerade mal 3 ganzseitige Werbeanzeigen zu finden sind. Eine davon stammt direkt aus dem eigenen Haus, man möge das Blatt doch abonnieren. Die zweite kommt von einem anderen Blatt des Grosskonzerns, dessen Tochter man ist. Die dritte kommt von freundeszeit.de, so einer Art Friendster - und deren Geschäftsführer hat zu-fäl-lig den Namen dessen, der auch das Mutterhaus der besagten Zeitung leitet. Nur eine schmale Anzeige eines Jaguar-Händlers dürfte echtes Geld bringen. Aber sonst? Geldbringende, reichmachende, geile Werbung, die ein strahlendes Lächeln auf die Gesichter der Vorstände bringt, die das Projekt vor wenigen Monaten aus der Taufe hoben? Fehlanzeige. Absolut nichts.

Treue Leser ahnen es: Es geht um die News Frankfurt, das Tabloid-Blättchen mit der innovativen Contentverwertung, die manche auch als "Klau" bezeichnet haben. Wenn so ein Blatt vor Weihnachten nicht die Seiten mit Werbung voll hat, muss etwas grandios daneben gegangen sein. Entweder die Werbetruppe ist total unfähig, oder jemand hat schon den Stecker vom Experiment gezogen - vermute ich mal. 20 Punkte, bitte.

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Texxas-Marketing

April 2000 passierte das, was wir eigentlich schon Anfang 1999 gewusst hatten. Die Realität blieb weit hinter den Prognosen zurück. Die ersten bombensicheren Investments gingen in die Insolvenz und der Nemax auf Talfahrt. Mancherorts in der schicken Munich Area war man plötzlich stolz, Mitarbeiter präsentieren zu können, die schon früher die Krise laut vorhergesagt hatten. Im November 99 wurde man wegen Defätismus kaltgestellt, wenn man blöde Fragen an die Startup-CEOs richtete, ein halbes Jahr später war man als harter Durchgreifer höchst willkommen. Alles eine Frage der genau getimeten Ehrlichkeit und des Glücks. Während die einen splitterfasernackt aus dem real brennenden Luftschloss der New Economy rannten, konnte man selbst wieder rein, in einem dicken Asbestanzug aus Unterstützung durch gewisse Anälte, denen gewisse Investoren an die Gurgel gehen wollten.

Irgendwann spät nachts klingelte das Telefon, und an der anderen seite fragte jemand, ob ich morgen auf die Schnelle zu einem Meeting kommen könnte, ein Enterteinmentportal in die Mangel nehmen. Tags darauf wurde ich ein paar 20andsomethings vorgestellt, die sich der neuen Realität äusserlich durch dunkle Anzüge angepasst hatten. Dahinter war alles noch buzzword-verseucht, wie sie das so durch die Gründeseminare mitbekommen hatten. Konkret waren ihnen Anfangs des Jahres einige Millionen für das Marketing ihrer Firma versprochen worden, die der Investor jetzt nicht ausbezahlte. Statt dessen sollten sie ihm und den anwesenden Cracks erklären, wie sie die gleiche Marktpenetration mit einem niedrigen sechsstelligen Betrag schaffen wollten. Der Marketing- und gleichzeitig Bizzdev-Vorstand schmiss erst mal alle Tanjas ausser seiner Freundin raus, und gab eine Powerpoint in Auftrag, die er uns routiniert vortrug. "Synergien nutzen, Partner gewinnen, Guerllia Marketing, zirlgruppenspezifisch blabla..." alles ausser konkreten Ansätzen.

Man muss sie töten, solange sie klein sind. Also nicht melden, nicht räuspern, nicht um Erlaubnis fragen, sondern übers Maul fahren, american style: "Ok, ich denke, Du hast ein paar sehr wichtige Punkte gebracht, die in die richtige Richtung gehen, mit wem willst Du das umsetzen."

Er wollte mit Texxas, "dem Internetprogramm", oder auch "der Progranmmzeitschrift für das Internet". Die seien das kommende Ding, und irgendwie konnte man den Eindruck haben, dass ihm deren Geschäftsidee mehr zusagte, als das 1000. "Content is King, hear the money kling kling kling" Startup, für das er sich gerade in die Hölle schwafelte. Texxas käme aus Berlin und würde bald das TV Movie des Netzes sein, hätte einen enormen Vorsprung und tolle Partner, und die würden ihn und seine Chats und SMS-Aktionen und Gewinnspiele an den Mann bringen. Das sei wie im TV-Business, sie würden das perfekte Placement bekommen, und damit ihre Competition "wegzappen".

Ich hatte auch schon damals keine Glotze und brachte meine Abende lieber mit so was Ödem wie Recherche zu. Texxas hatte eine für damalige Verhältnisse und Ansprüche lachhafte Finanzierung von 2 Millionen bekommen. Auch wenn viele Medien die Klitsche als Berliner Vorzeigebtrieb jubelperserten, war das Geschäftsmodell Werbeeinnahmen, Auktionen und Kooperationen mit Content is King Startups ebenso vertrauenserweckend wie das bald stotternde Vorstand-Kind, das ausser den Visionen von Texxas so gut wie nichts über die wirtschaftliche Realität des kommenden Partners wusste. Aber in Berlin seien die schon die ganz grosse Nummer, arbeiteten mit den Netzpiloten und würden ausserdem erstklassiges Guerilla-Marketing betreiben, in den angesagten Gegenden der Stadt.

Der junge Typ im Anzug schwitzte weder Blut noch Wasser; dazu war er zu cool, selbstüberzeugt und naturprall. Es dauerte ein paar Wochen "hands-on Betreuung" und "Coaching", um ihn von seinem Trip runter zu holen und dem Startup eine tödliche Fusion mit einem anderen Buzzword-Bullshit-Bingo-Spieler zu verpassen. Das war vor dreieinhalb Jahren. Sollte ich jemals einen Funken von Reue verspürt haben, ist der mit dem heutigen Tag weg: An einer Strassenlaterne in einer schlechteren Ecke des Wedding habe ich den Rest des grandiosen offline Guerilla Marketings von Texxas gefunden.



Auch eine Möglichkeit, das Investment zu verpulvern. Immerhin schickt einem in Berlin niemand für solche Klebeaktionen eine Strafanzeige oder eine Rechnung. Texxas ging 2001 nach der planmässigen Verbrennung des Geldes so senkrecht pleite, wie es damals eben Sitte war. Die Website ist wieder aktiviert - angeblich sollte es im Sommer 04 wieder los gehen. Ob das Geld diesmal überhaupt für Sticker reicht?

Und nun eine Quizfrage im Gedenken an Texxas: Wer chattete als - Zitat - "Die Patin aller Tagebuchschreiber" im September 2000 bei Texxas.de?

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Montag, 20. Dezember 2004

Blogs vorlesen

ist, nüchtern betrachtet, auch nichts anderes als andere literarische Texte vorlesen. Das heisst, es hängt von den Autoren ab. Wenn die das nötige Talent haben, kann es ein klasse Abend werden, bei dem man erst um 2 Uhr den Laden verlässt, weil man nachher noch lang zusammen gesessen hat.



Parka Lewis (Bild) als der Eiskalte, Don Dahlmann als der Vollblüter und Bov Bjerg als der Dezente passten bei aller Widersprüchlichkeit des Auftretens sehr gut zusammen. So gut, dass man nur den Kopf schüttteln kann über die akulturellen Deppen, die meinen, Blogs brauche man sich nicht vorlesen lassen, die stehen ja auch zum selbst Lesen im Internet. Viele Feinheiten erschliessen sich erst, wenn es der Autor in Persona vorträgt - besonders bei den kurzen Texten, die Parka Lewis und Bov Bjerg im Wechsel zum Besten gaben. Dass Don Dahlmann ein klasse Erzähler ist, war eigentlich schon vorher klar - und obwohl ich alle Texte schon kannte, war es immer noch ganz grosses Blogkino.

Warum? Weil Autoren in aller Regel ihre Texte besser rüberbringen. Das sahen wohl auch die 50+x Besucher so, die sehr angetan waren und das Laine Art bis zum letzten furzquietschenden Platz auf dem aufblasbaren Sofa füllten. Bitte mehr davon. Sagen auch das Wortschnittchen, ix und viele andere.

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