: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Montag, 21. Februar 2005

f.a.c.e. it - Du gehst das Klo runter

Ich fahre in Frankfurt ja immer gern durch die Hanauer Landstrasse. Diese Strasse ist ab Hausnummer 170 für Frankfurt das, was die Munich Media Works in der Rosenheimer Strasse für München war, oder die Lokfabrik in der Chausseestrasse für Berlin - ideale Testgelände zum Einschiessen des Dotcomtod-Finalizers. In Frankfurt sassen dort so Dinge wie Snacker oder Venture-Lab, man entwickelte Corporate Mangas wie Sushee, das blauhaarige Comicgirl, oder etwas später dann eine Reality Show namens Pink Slip Party, und im Zentrum dieses blubbernden Dotcom-Sumpfes ein gewisser Frank Lichtenberg, unvergesslich - auch wenn sein letztes Ding Provenice inzwischen auch schon tot ist, aber das sind nur 20 Punkte am Rande. Keine Ahnung, wo er sich jetzt rumtereibt, aber vielleicht wird er ja bald Vice President Marketing & Communications/Chief P2P Corporate Business Blog Manager Pixelpark AG - möglich ist alles.

Ausser, dass die Zeit von damals wiederkommt, in der Hanauer Landstrasse. Denn dort wird kräftig weiter gestorben. f.a.c.e., das steht für federal ambient communications enterprise GmbH & Co. KG, das steht für jede Form von Marketing und Werbung, und seit heute auch für die Nummer 810 IN 189/05 F beim Amtsgericht Frankfurt. Nun, wer allen Ernstes seinen Kunden Werbung integriert in themenbezogene Schulbücher anbietet, der geht nicht umsonst das Klo runter, sondern zum Besten der Gesellschaft, mag mir scheinen - gut, dass Jamba da noch nicht draufgekommen ist.

Zur Seite: Oh Gott. Es gibt wirklich eine Agentur, die allen Ernstes derartige Kloszenen-Wallpapers/Ecards anbietet - und dann Schulbücher mit Werbung vollpflastern will. Die Hanauer Landstrasse ist immer noch für Überraschungen gut.

Nachtrag: Das Ganze ist übrigens dem Segen des Hessischen Kultusministeriums. Nun, liebe mitlesende Journalisten, nachdem der Exklusivvertrieb mit f.a.c.e. gerade einen Insolvenzantrag laufen hat, wäre das nicht mal ein Thema?

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Real Life 21.02.05 - Call Center World

Ich halte mich nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzung und presche unter den Brücken hoch zu den Gates. Direkt davor ist ein Parkplatz frei, Glück gehabt. Ich trage einen braunen Dufflecoat, ein weiches, dunkelbraunes Sakko, Hose, Schuhe. Ich steige aus und bin im falschen Film. Männer in Anzügen, schwarz, dreiteilig, billiger Stoff und schlecht geschnitten, unsauber gebundene Krawatten. So muss sich der Brite gefühlt haben, wenn er bei der Grand Tour im Berlin der 20er Jahre Bakanntschaft mit der Unterwelt gemacht hat. Aber wir schreiben das Jahr 2005, und es ist der Flughafen Tegel, wo zwar viel seltsames, runtergekommenes Publikum rumläuft, aber eben anders als diese kaputten Bizz-Typen. Egal, es ist 11 Uhr, sie muss jede Sekunde auschecken, also eile ich zu Gate 2.

Gate 2, der Ausgang des Billigfliegers dba, ist sowas wie der Versammlungsplatz dieser seltsamen Typen, die sich in ihren Anzügen erkennbar unwohl fühlen. Sie sind sauber rasiert, aber hektisch, sprechen kurz abgehackt; manche erteilen Befehle, andere, meist Jüngere, die aussehen wie Fünftsemester Maschinenbau beim Pitch um Venture Capital, gehorchen. Sie warten auf die gleiche Maschine wie ich, und sie warten lange, denn, wie sich herausstellt, verzögert sich die Ankunft wegen Schnee in München. Ich gehe nochmal zum Auto, nehme Shakespeares Richard III und setze mich drinnen wieder unter diese absurden Gestalten, die sichtlich genervt sind vom Warten, unzufrieden, böse. Niemand lächelt, die Stimmung ist eisig. Richard von Gloster, später Richard der Dritte, bringt seinen Bruder um, dann ruft sie mich an, um ihre Verspätung zu entschuldigen. In München warten die Billigflieger wie die Businessklässler auf eine freie Startbahn.



Es ist normal, dass sie eine Billigmaschine für die paar Stunden Pressekonferenz und Mittagessen mit mir nimmt. Aber irgendwas seltsames muss in der Maschine sein, halbseiden, vielleicht ein Betrüger, ein Leuteschinder; irgendwas, was diese Typen hier anzieht, die eine masslose Unzufriedenheit ausstrahlen, vielleicht auch Gier und eine gewisse Raubtiermentalität. Ich kenne sie von früher, immer das gleiche, die Fördergeldratten, die Subventionsabstauber, die Förderungsforderer, die nichts bieten ausser Macjobs und aussertarifliche Arbeitsbedingungen. Das war 2001, nach dem Crash, aber heute ist 2005, was wollen die hier und warum sind es so viele.

Richard III lässt seine Familie ermorden, da tritt von Links eine weitere Person auf, kein Zweifel, dass sie dazu gehört, aber es ist eine Frau. Jemand hätte ihr sagen sollen, dass ihr russischer Prinzessinnenmantel in Sauerkirschyogurthrosa nicht wirklich gut kommt. Jemand hätte ihr sagen sollen, dass die dunkle, gestreifte Hose zu affektiert ist, und vielleicht noch hinzufügen können, dass die Dose Haarspray in ihrer Businessfrisur nicht darüber hinwegtäuscht, dass sie nicht mehr ganz jung ist, so wie die meisten, die ihre besten Zeiten in der New Economy verplempert haben. Allerdings hätte dieser Jemand kein gutes Leben mehr gehabt, denn diese Frau ist die personifizierte Intrige, der Typ, der immer irgenwie nach oben kommt, um unter sich Unheil anzurichten. Und irgendwann so mächtig zu sein, dass sich keiner mehr was sagen traut.

Richard III und sein Gegner Richmond erhalten Besuch von den Geistern derer, die Richard mit Worten wie "If any spark of life be yet remaining, down down to hell and say I sent thee hither" um die Ecke gebracht hat, da hat sie die Schnauze voll vom Warten, zieht aus ihrer Handtasche Unterlagen und ein Handy, ruft jemand an und macht ihn mit nicht wirklich verschönernden, wütenden Gesichtszügen zur Sau; redet sich mit Worten wie Telco, Handy und Outsorcing in Rage, und schiebt die Lippen verächtlich nach vorne, als sie auflegt. Dann ist der nächste am Drannsten, aber dafür geht sie etwas weiter weg, weil die billigen Typen in ihren Anzügen schon etwas seltsam schauen. In einer Ecke hinter einem Werbeplakat setzt sie ihr Vernichtungswerk fort, und mir fällt auf, dass einer der übergrossen schwarzen Knöpfe an ihrer sauerkirschyogurthrosanen Oberbekleidung fehlt und durch einen anderen, kleineren, durchsichtigen ersetzt ist.

Richmond bringt Richard III um, ruft zum Frieden zwischen weisser und roter Rose auf, da landet das Flugzeug, und meine Bekannte kommt heraus. Hinter ihr ist ein Schwarm von schlecht frisierten, billig schwarz angezogenen, wenig ansprechenden Typen, deren Bilder viel Photoshop bräuchten, wenn sie mal auf die Vorstandsseiten sollen. Die anderen Männer, die gewartet haben, gehen ihnen entgegen. Sie verschmelzen zu einer homogenen Masse verlogener, routinierter Freundschaftsrituale. Einer der Neuankömmlinge, Typ braungebrannter Gebrauchtwagenhändler, bleibt stehen und schaut sich um, sieht die Frau in Rosa, die gerade im Schmutz kniet, und ihr Handy in der Tasche verstaut. Sie sieht ihn von unten an, ihr Gesicht ist ungesund rot, und lächelt berufsmässig.

Ich verlasse mit meiner Bekannten das Gate. Draussen stehen etliche schwarze Mittelklasse-Mercedeslimousinen, auf denen notdürftig "Call Center World VIP-Shuttle" aufgeklebt ist. In der Tat... Wir fahren zum Essen, und ich bin wie immer sehr angetan von ihrer ruhigen, höflichen Art und ihren kleinen, bitterbösen Bemerkungen.

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Hunter S. Thompson

1939-2005. Irgendwie konsequent. Leider.

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JAAAAAAAAAAAAAAAAA! Latte rektal.

Die Fresse von der Merkel! Und vom Koch! Und von dem Überfremdungstrottel in Kiel! Und vom Be Scheuertmann! Und die Zufrühmaulaufreisser von SPONFAZ! Heult bitte!

Wie sagte nicht schon Stoiber: "Eines ist sicher: Wir haben diese Wahl gewonnen." Bitte mehr so Siege für die CDU/FDP. In Kiel sagte man: Christian von Boetticher, als künftiger Agrarminister im Gespräch, runzelt die Stirn: "Noch haben wir 35 Sitze. Es ist Arsch über Latte, wie man so schön sagt". Na, dann doch eher Latte rektal.

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Sonntag, 20. Februar 2005

Frage und Hinweis an die Leser

Seitdem Heise auf dieses Blog gelinkt hat, sind die Unique Visitors dieses Blogs um 200, 300 pro Tag nach oben gegangen, und die Zahl bleibt auch oben. Kann es sein, dass sich hier gerade viel altes DCT-Publikum befindet? Falls ja, stay tuned, Gerüchte besagen, dass es bald frohe Kunde gibt - für alle, ausser die New Economy und ihre Wurmfortsätze in Politik und Gesellschaft. Und solang könnt ihr auch gerne hier mitdiskutieren, my old pals...

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itfarts

Ein Veranstaltungskalender, der im November 2003 aufhört, eine Academy, die auch schon seit anderthalb jahren nicht mehr lehrt, und eine Partnerliste, deren Mitglieder eine gute Erklärung liefern, wo das ganze schöne Geld der Berlinförderung hinläuft - das nennt sich also itstats. Kann sein, dass manche der Partner immer noch volkswirtschaftliche Schädlingstum praktizieren, aber hier ist wenigstens mal was ordentlich tot.

Ich bin ja eigentlich dafür, dass solche Ruinen stehen bleiben; hätte man in Berlin schon 1945 so halten sollen - also bitte, wenigstens jetzt nicht abschalten. Als Mahnung an die Terrordiktatur, als man an die Jobmaschine Internet und den Spirit der Company glauben musste, wenn man essen wollte.

:::::::::: <- 20 Punkte.

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Am 9. März will Premiere an die Börse

Ich war dabei, als bei der Pleitekonferenz von Kirch in einem bemerkenswerten Durcheinander auch die Insolvenz von Premiere angekündigt wurde. Angeblich werde der Antrag gerade vorbereitet, sagten die Anwälte - aus Unterföhring kam aber ein Dementi. Danach war die Konfusion gross, aber Unterföhring behielt recht. Keine Pleite.

Drei Monate später traf ich mich dann mit einem Informanten zu einem vertraulichen Gespräch, weil jemand von DCT um ein paar harte Fakten zu Premiere angefragt hatte. Was der so erzählte, war wenig schmeichelhaft. Wäre ich bei einer der Banken, die den IPO begleiten, würde ich ganz genau hinschauen, wieviel der bilanzierten Forderungen tatsächlich realisiert wurden, und wieviel der besonders in strukturschwachen Regionen geworbenen Kunden wahrscheinlich mangels Masse eher nicht zahlen werden. Stichworte sind da Hamburg, Bremen, Ostdeutschland, sowie das 4-Millionen-Slum bei Marzahn. Premiere hat eine ausserordentlich ungesunde Sozialstruktur in der Kundenkartei, sickerte damals durch. Allerdings verdienen Banken nur beim IPO und nicht, wenn sie zu kritische Fragen stellen.

Überhaupt diese Hektik beim Börsengang. Schnell schnell, damit keiner genau hinschaut, keine kritischen Berichte kommen, keiner allzu präzise nachfragt. Vielleicht gibt es ja wieder genug Vollidioten aka Kleinaktionäre, die sich von ihren Kundenberatern Premiere als Altersvorsorge aufschwatzen lassen. Ich kenne noch ein paar Fälle, die Pro7Sat1-Aktien wärmstens empfohlen haben, weil das Kirch-Filmpaket in Zeiten des Internets chronisch unterbewertet sei. Das war zu einem Zeitpunkt, als die Deutsche Bank Kirch bereits geshitcanned hatte. Premiere-Aktien sind das Jamba-Abo für Erwachsene, wenn man so will.

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Sonntag, 20. Februar 2005

Myblog 20 sucks mit Jamba

(SCNR) aber was sehen da meine Äuglein? Jamba, die inzwischen als Klingeltonverkäufer mit penetranter Werbung und durch seltsame Geschäftspraktiken mit Minderjährigen ins Gerede gekommen sind, beschreiten neue Wege beim Jugendmarketing! Und wer ist ihr neuer Werbepartner? Der inzwischen zu 20six gehörende Bloghoster Myblog.de, auch bekannt als Zulieferer für News Frankfurt… hier ein schnell geschossener Screenshot eines neu eröffneten Myblog-Blogs: mehr an der Blogbar und ich will 20 DCT-Punkte.

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Die Skalpe meiner Feinde - 15 Jahre treue Gefolgschaft.

Leonard Monheim. Ist im Spiegel der mittelgrossen Silberschale eingraviert, die ich heute gekauft habe. Irgendwann in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts also hat besagter Leonard Monheim diese Schale erworben, die nicht billig, aber auch nicht allzu teuer gewesen sein dürfte, er hat die Schrift anbringen lassen und sie der Person geschenkt, die 15 Jahre in seiner Gefolgschaft war und sich dabei offensichtlich gut verhalten hat.



15 Jahre. Das ist eine lange Zeit. Wenn jemand 15 Jahre gut für eine Sache, eine Person arbeitet, sollte auch so etwas wie persönliche Nähe entstehen. Und es sollte vielleicht als etwas anderes wahrgenommen werden, als treue Gefolgschaft. Die vorraussetzt, dass der andere nicht nur der Führer ist, sondern auch die Folgen des Standesdenken als Wert definiert, sonst wäre es nicht in Silber verewigt. Selbst im Boden des Fressnapfes eines Hundes wäre so eine Inschrift nach 15 Jahren etwas seltsam unpersönlich. Der Wert ist Treue und Folgsamkeit, kein eigenes Denken, keine konstruktive Kritik, kein freier Wille, kein Ratschlag. Maul halten, mitmachen, keine blöden Fragen stellen, nach 15 Jahren gibt es dafür eine Silberschale, in der steht, dass man dem System ordentlich angepasst war. Toll.

15 Jahre, und dann vielleicht noch lange Zeit weiteres Vegetieren im Dienst der Sache. Die Erben finden das nach dem Tod nicht besonders wichtig, vielleicht sogar peinlich, und überlassen die Schale lieber dem Wohnungsentrümpler. Der sieht das auch als Problemfall an und ist schnell bereit, mit dem Preis runterzugehen. Am Ende sind wir knapp über dem Materialwert, für die feine Arbeit und die dumme Inschrift gibt es gerade mal 10 Euro über dem, was es nach dem Einschmelzen wert wäre. Das also ist der aktuelle Marktwert von 15 Jahren treuer Gefolgschaft.

Leonard Monheim und der Beschenkte wären sicher nicht froh, wenn sie wüssten, dass die Schale mir jetzt als Brotkorb dient, und die beizeiten, beim Frühstück danach, unachtsam und ohne jede Beachtung der Inschrift leergefressen werden wird, von einer jungen Frau, vielleicht fleischige Elitesse, vielleicht dünne Buchhändlerin, die in diesem Moment alles andere als treu ist, und ganz sicher nicht dem folgt, was Gesellschaft, ihr Freund und die Peer Group von ihr erwartet. 15 gottverdammte Jahre sind nichts gegen so eine Nacht davor, und dem Frühstück mit den Spolien der versunkenen Spiessergrossreiche danach.

Alle Skalpe

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Freitag, 18. Februar 2005

Real Life Februar 2005 - Berlin positiv

im Pascalo-Remix.

Er meint, wir sollen uns mal wieder treffen und über Bizz quatschen, was ich denn grad so tue. Nichts, sage ich und schlage auf die Schnelle das Greenwich vor, weil er es schon kennt und auch findet, was ganz gut ist, weil er sich oft verfährt, besonders, wenn er schon besoffen vom Ruhm, vom Geld und vom Alk ist. Ich habe schon mal eine Stunde auf ihn draussen gewartet, das brauche ich nicht nochmal, bei aller Freundschaft. Klasse, Greenwich, sagt er, mit den ganzen Schnecken ist das toll, er hat den ganzen Tag nur das junge Gemüse in der Company gesehen, die sind so runtergewirtschaftet, grausam, aber da denkt sich hier keiner was, gell.

Er kommt wie ich aus der Area. Traditionell Guy. Studium meistens in der Schweiz oder den Staaten, MBA sowieso da drüben, Consulting im Bereich Development, aber dann hat er sich mit den Partnern überworfen und hat sich von diesem Laden hier anheuern lassen, dessen Management sich nach dem Big Deal abgesetzt hat. Dort füllt er jetzt die Lücken, macht ihn fit und treibt das Startup-Gefrickel raus. Das muss alles neu, besser, koordinierter werden, auf die Zukunft fokussiert, die alten Founder hatten es nur auf den Trade Sale justiert. Ohne einen Top Dog wie ihn wäre die Company ein Fall für die Wertberichtigung, und das hassen die Aktionäre.

Er braucht dann doch zwei Longdrinks, während denen ich die Zierfische im Aquarium anschaue. Einer ist todkrank, liegt schief im Wasser, und wird morgen wahrscheinlich durch ein besseres Exemplar ersetzt sein, wenn sie ihn schon längst das Klo runtergespült haben. Dem Rest der Leute ist das scheissegal, und mich lenkt die Lammfellfrau neben mir etwas ab, die ihrem Begleiter klar macht, was für Idioten doch in der Agentur als seniors rumrennen, während sie als Junior die Arbeit machen muss. Ihre Stimme ist schrill, mit einem Unterton von gelben Tabletten aus Litauen.

Er bahnt sich dann lautstark seinen Weg durch die Tür, wirft sich auf einen Barhocker und bestellt was mit viel Alk. Harter Tag heute, sorry, da war noch was zu tun, Personalanpassung in einem Bereich, der nicht mehr die Performance bringt. Klar, kein Problem sage ich, und sonst so? Alles ok, sagt er, ausser diesem Event da, und da will er mit mir auch reden, weil er von sowas nicht so den Peil hat. Weil es in letzter Zeit nicht so gut lief im Jugendmarketing, machen sie jetzt ein bisschen bessere Pressearbeit, holen die Big Shots aus den Staaten nach Berlin, und nach der PK wollen sie noch etwas Networking machen, Open End und so, aber nicht in der Company.

Klar, sage ich, logisch, die Presse will ordentlich bedient sein. Greenwich schon mal angedacht? Anfang der Woche kann man den laden sicher mieten, Geschlossene Gesellschaft, ein DJ, dann wird das hier ganz kultig, Mitte sowieso. Nicht dumm, meint er, Catering hat er schon, so was um 40 Euro pro Person, das sollte doch reichen, oder?

Mit 40 Euro, sage ich, kriegst Du jeden. Pass besser mal auf, dass nur die kommen, die ihr wirklich braucht und nicht die freien Fresser, die abzocken und danach doch wieder schreiben, dass ihr Abzocker seit, weil die Redakteure mal wieder vergessen, wer sie eigentlich am Leben erhält. Ach egal, sagt er, das ist kein Ding, wir setzen sowieso nur auf Jugendmedien, Zielgruppe ist klar, Bravo und sowas, dann noch ein paar TV-Leute, das ist alles was wir brauchen. Nur den Shuttleservice müssen wir dann hinbekommen, und das soll auch poppig sein, Mitte,was man so erwartet.

No Prob, Mann. Im Wedding gibt es einen durchgeknallten Typen, der alte Caddies sammelt, in allen Bonbonfarben, und wieder herrichtet, so wie die Jungs in Pimp my Ride. Derr hat eine ganze Flotte davon, echt asozi Zuhälterschlitten in candyrot, quitschgelb und pillenrosa, und die kann man einfach mieten, für 3, 4 Stunden; die Jungs aus seiner Werkstatt fahren die auch, es gibt geile Boxen drinnen, mobile Discos, das würde exakt Eurem Branding und der Zielgruppe entsprechen.



Super, das ist genau das, was wir brauchen. Mann, sagt er, weisst Du, ich hab heute so viel Scheisse in der Arbeit gehört, den ganzen Tag Gesülze, welche Eventagentur und wie das wirken soll, alles Grütze ja, und dann gehen wir weg, und peng ist das Konzept da. Ich zucke die Schultern und sage was von Munich Area Veterans, und er grinst, weil er meine andere Geschichte kennt und nur die: Die des in der Szene wohlbekannten Beraters, der auch für die letzten Schweinereien immer noch ein sozialverträgliches Branding hatte. Refinement of Human Capital, oder Sprüche wie "Sagt den Praktis, sie sind Human VC" - das hat denen damals gefallen, in the old days of 99, we gonna party like it´s... Mann, sagt er, warum arbeitest Du nicht für uns? Danke, sage ich, ich kriege hier schon Züricher Löhne in Berlin, für einen lockeren Job, und für Euch bin ich zu alt. Hey, ich mein, ich kann noch nicht mal ne SMS schicken. Du hast Dich seit damals nicht verändert, immer noch der, der die anderen in die Hölle schickt, sagt er, und einen Moment schauen wir uns in die Augen, und er wird etwas unsicher.

Er erzählt mir dann noch, dass er Berlin inzwischen echt klasse findet, weil alles so irrsinnig billig ist, die Putze, die er schwarz beschäftigt, die Nutten, die er sich kommen lässt, weil Zeit für eine Freundin hat er hier nicht. Die in der Company machen sich an ihn ran, aber das macht er aus Prinzip nicht und wenn, dann hat das absolut nichts zu sagen, nichts Dauerhaftes, weil wenn sie wollen, dann kriegen sie es auch, aber nicht mehr. Klar, sage ich. Wir veranstalten noch einen Zück-und-Brüll-Wettbewerb beim Bezahlen, den er mit seiner Centurion-Card gewinnt. Die Lammfellfrau schaut ihn bewundernd an, manchmal ist es wirklich that simple. Wir gehen. Der kranke Fisch im Aquarium scheint sich etwas erholt zu haben. Vielleicht täuscht er auch nur Gesundheit vor, um morgen nicht final in Richtung Spülung gekündigt zu werden.

Berlin kann echt schön sein. Es gibt jedenfalls Leute, die sich hier wohlfühlen, keine Frage. Rundum positiv.

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Hehe

Was Nettes aus den Referrern: Search request: jamba abo stornieren

Update: Platz 1! für diesen Beitrag.

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Karriereleiter, aussen

Edelstahl, rostfrei, beständig und pflegeleicht. Manchmal etwas glitschig, wenn Schnee oder anderes glibbriges Zeug drauf ist. Trotzdem sind Elite-Studenten hier weitaus schneller oben , als über die grossen, langgezogenen Treppenfluchten innen.



Vermutlich schiessen sie hier ihre Bewerbungsphotos. Fast so gut wie FFM City, und mindestens ebenso sauber. In gewisser Weise sogar besser als FFM, denn von dort oben aus müssen sie keine störenden Junkies ansehen oder stinkende Freier, sondern nur Glas, Stahl und Grünflächen mit Golfrasen. Irgendwo weit hinten kommt dann die Ruine einer Giesserei; tote Old Economy, die ihnen ein überhebliches Lächeln ins Gesicht zaubern wird.

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Donnerstag, 17. Februar 2005

WOW! Spiegel bringt News nach nur 4 Monaten!

Aus der Abteilung Fucktchecking: Praktikanten-am-Rechner-Alarm bei Spargel Ohnwein! Dort wird SENSATIONELL gemeldet, Dolce & Gabbana hätten sich getrennt, wollten aber beruflich zusammenbleiben.

Komisch nur, dass man zum gleichen Thema vor 4 Monaten (!) schon nach einem Zitat bei Missunderstood über den gleichen Sachverhalt debattieren konnte. Das kommt davon, wenn Qualitätsjournalisten ihren 100%-Müll gerade noch abschreiben, aber nicht mehr nachrecherchieren können. Herr v. Blumencron, es stinkt!

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Noch ein Zusammenbruch:

Beim Girl zeichnet sich eine Sensation ab, betreffend eine grosse Internetfirma aus der schönen Munich Area. Wenn das so weitergeht, gelten bald zwei Küchentisch-Berater mit Praktikant als Mittelständler der IT-Szene...

Zur Eklärung: Media Professionals waren mal äh sind die bombensicheren Hoster/CMS-Hersteller etwa der Süddeutschen...

UPDATE: Was man so von befreundeten Sysadmins vernimmt, ist die Süddeutsche Zeitung gerade am "Rotieren" (Print-Journaillen-Insider-Witz), angeblich wegen drohender Serverabschaltung. Sollte die SZ morgen online nicht erreichbar sein, nun... ihr wisst, warum. Kaffee-Spenden können heute Nacht beim Verlagshaus in der Sendlinger Strasse abgegeben werden.

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Die CeBit wirft ihren Todesschatten vorraus

und erwischt dabei die Asterius media Works GmbH, die in Halle 15, D46 eigentlich ihre Produkte zur IP-gesteuerten Videoüberwachung vorstellen wollte. So etwas wie Skrupel kannte man laut Selbstbeschreibung nicht: "Bei uns wird keinem Kunden gesagt "Das machen wir nicht". Der Wunsch des Kunden steht für uns an erster Stelle."

Vielleicht hätten sie das Produkt besser durch Tochterfirmen in China, Nordkorea und bei Luxemburger Servicetöchtern deutscher Banken vertrieben, die schätzen noch so eine Befiehlwirfolgen-Mentalität. Gläubiger dagegen schätzen nur harte Valuta, und wenn es die nicht mehr gibt, gibt es eben die übliche Nummer 1 IN 306/04 vom Amtsgericht Pforzheim. Hätten sie mal besser den Cash Flow statt Menschen überwacht, dann dürften sie auch auf die CeBit. So hingegen gibt´s eben nur eine weitere Lücke in der angeblichen Success Story des Hightech-Standorts.

Übrigens, schöne Grüsse an die Bizzblogger: Asterius versuchte es auf seiner Frontseite mit einer blogähnlichen News-Sektion und Personal Publishing der Mitarbeiter, geholfen hat es scheinbar nicht wirklich viel, ausser zu 120 Punkten für den Don.

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War das eine Agentur?

Platz Nummer 40 des deutschen Werberankings ist vielleicht bald zu vergeben: Der bisherige Platzinhalter ACOM/WGS COMMUNICATION AG betreut nicht nur Etats, sondern wird auch ab sofort betreut, nämlich vom Amtsgericht Stuttgart unter der Nummer 9 IN 143/05. Da hilft auch kein gross Income von 9 Millionen, kein 63-Millionen-Etat und auch keine 37 Mitarbeiter. Es war mal eine Agentur - jetzt sind es 120 Punkte für mich. You knew it first from rebellmarkt.blogger.de.

Unter den Referenzen ist übrigens auch das Finanzministerium von Baden-Württemberg.

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Dirt Picture Contest - War das ein Mensch,

was da unter dem Laub und Schee liegt, schlauchförmig gekrümmt;
jemand der, des viel zu langen Lebens überdrüssig,
sich hat fallen lassen in diese Ecke an der Schönhauser Allee,
die in Wirklichkeit aber so hässlich und verdreckt ist,
dass sie besser Abfallallee oder Ruinkaffstrasse heissen sollte,
oder nach dem Schicksal derer, die hier ihr Dasein fristen,
schlicht Road to Hell; ist das also ein kalter, starrer Körper;
so kalt und starr wie die Augen der schwarzen Blumenverkäufer
oder Musikdarbieter ohne Ausweis, die an den bronzeglänzenden Türen
der besseren Lokale hinten im Prenzlauer Berg verscheucht werden,
war das jemand, der mal hoffte, nett war und lächelte, mit Eltern,
die nicht gemerkt haben, dass da etwas nicht stimmte,
dass es vielleicht mit dieser Stadt Berlin zu tun hat,
aber man konnte nichts tun, weil der Zerfall zu schnell ging,
wie es hier immer ist, wo das Äussere nichts gilt
und in der Folge auch die inneren Werte verschwinden,
bis der Mensch dann für sich selbst tot und wertlos ist, ein Junkie,
ein exmatrikulierter Kunststudent, eine verhinderte Romanautorin,
ein leuteschindender PR-Lügner eines weltfremden Weltmarktführers,
der dann auf der Strasse landet und irgendwann, gebeugt von Frust
und Hoffnungslosigkeit, unsicher durch Alkohol und Drogen,
in einer späten Herbstnacht fällt, verkrümmt liegen bleibt
und in der beissenden Kälte des Ostwindes langsam erfriert?



Ist das ein Mensch, ein toter Körper, Schmutz zu Schmutz,
und all die bitter kalten Mädchen in ihren Schlauchmänteln
und die Männer mit ungewaschenen Hemden hasten vorbei,
sehen nicht hin, weil sie den Punks ausweichen wollen,
die darauf warten, dass sich jemand einschüchtern lässt,
doch ich stehe hier, an diesem Laubhaufen, bin mir unsicher,
und bevor ich das Bild meiner Zweifel und Befürchtungen mache,
stosse ich mit dem Fuss hinein, doch es ist nur Laub, nichts als Laub,
die Folge des Niedergangs der Stadt, die sich zwar ein Filmfest,
aber keine Strassenreinigung leistet, und dann gehe auch ich weiter
zu dem Date, das ich in einer kleinen Confisserie habe,
aber nicht ohne dem Typen, der selbst frierend auf einer Wolldecke
Gebrauchtbücher ausgebreitet hat, eines abzukaufen in der Hoffnung,
dass er es irgendwann vielleicht zu einem Handwagen voller Bücher bringt
und dann in Ansehen mit seinen Pariser Kollegen gleichziehen kann,
doch Hoffnung habe ich keine, der Glaube fehlt mir schon immer,
und Liebe in Berlin, das klingt wie der Titel eines Romans,
der zwangsläufig im Ramsch enden muss.

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Mittwoch, 16. Februar 2005

Meine Old-Eco-Eltern

waren mit dem Fernsehen für ihre Kids, nun, etwas sparsam. Nur ausgewähltes durften wir sehen, eher unwillig etwa Tom und Jerry; auch gegen die Muppets hatten sie Misstrauen. Was wir aber schauen durften, war politisches Kabaret; so verbinde ich mit den Abenden auf den Perserteppichen daheim, zu später Stunde mit süssem Tee, den Gitarrenklampfisten Hans Scheibner, der zum Schluss immer dieses Lied sang: Das macht doch nichts, das merkt doch keiner..

Und heute stehe ich hier vor Euch, liebe Leserinnen und Leser, und möchte mit dieser Tradition fortfahren, indem ich diese Strophe singe:

Bei Pixelpark läufts wunderbar und absolut grandios
nur die PSO-Ad-hoc geht dummerweise in die Hos.
Es riecht, es mufft, man hört des Don´s Gereiher
Das macht doch nichts, bei der Bafin merkt das keiner.

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Pixelparks "Start-Up" PSO 42 GmbH aus Hamburg ein Fake?

Gestern gab es noch eine Pressemitteilung, Pixelpark hätte die 51%-Mehrheit an einer PSO 42 GmbH aus Hamburg gekauft. Echt? Was ist dieses angebliche Startup?

Bei Google: Nichts.

Im Telefonbuch: Nichts.

Im Online-Handelsregister seit 2000: Nichts.

Händisch eingegeben URL: Nichts

Es gibt nirgendwo etwas über diese angebliche PSO 42 GmbH. Und das soll eine Firma sein, die dieses Jahr einen siebenstelligen Umsatz macht? Oder bin ich zu doof zum Suchen?

Oder aber dieses Szenario: Es gibt in Hamburg tatsächlich Gesellschaften mit dem Namen PSO. Die heissen dann aber z.B. PSO Fünfzigste Verwaltungsgesellschaft mbH. Das ist dann allerdings KEIN klassisches Startup, sondern mutmasslich eine Vorratsgesellschaft, das heisst, eine Firma ohne echte Geschäftstätigkeit, die gegründet wird, um sie beizeiten einer Neugründung schnell und unkompliziert zur Verfügung stellen zu können. Dann wird schnell der Name und die Gesellschafter geändert, fertig - hier ein Beispiel aus der gleichen PSO-Reihe.

So, und nun wird´s spannend - was ist PSO? Bei vielen PSO-Gesellschaften ist der Geschäftsführer:

Schultz-Ossmer, Peter, Hamburg Rechtsanwalt und Diplom-Kaufmann. Anfangsbuchstaben P S O - ah ja.

Und woher kennen wir den Mann? Oh, alte böse Geschichte: Er war mal eine Weile Aufsichtsrat bei Itelligence - und wie es der Zufall haben will, gab es als Aktionär der Itelligence auch eine PSO vierte Verwaltungsgesellschaft mbH, die einen Hauptgesellschafter namens Burkhard Berner hatte...

So, und jetzt raten wir mal, wie der aktuelle COO von Pixelpark heisst: Ebenfalls Burkhard Berner.... Und was wurde eigentlich aus dem mutmasslichen PSO-Namensgeber? Wo ist Peter Schultz-Ossmer, Hamburg, heute? Na hier! In der Pixelpark-Hauptversammlung 2004:

Der Aufsichtsrat schlägt ferner vor, für das zu wählende Mitglied des Aufsichtsrats folgendes Ersatzmitglied zu wählen, das Mitglied des Aufsichtsrats werden soll, sobald das neu zu wählende Aufsichtsratsmitglied vor Ende seiner Amtszeit aus dem Aufsichtsrat ausscheidet: Dipl.-Kfm. Peter Schultz-Ossmer, Rechtsanwalt, Hamburg

Und mit diesem gesammelten, aus frei zugänglichen Quellen recherchierten Basiswissen lesen wir jetzt nochmal die Pixelpark-Pressemitteilung und gleichzeitig Ad-hoc-Mitteilung:

Pixelpark übernimmt PSO 42 GmbH

ok

Die Pixelpark AG, Berlin hat 51 Prozent der Geschäftsanteile der PSO 42 GmbH, Hamburg, übernommen. Die Geschäftsanteile wurden im Rahmen einer Kapitalerhöhung bei der PSO 42 GmbH für diesen Zweck neu geschaffen. Über den Kaufpreis haben die Parteien Stillschweigen vereinbart.

Hmhm. Stillschweigen. Stünde da, 25.000 und ein paar zerquetschte, die die 51% einer denkbaren kapitalerhöhten Vorratsgesellschaft kosten, wäre dann nicht sofort klar, dass die PSO 42 eben keine echte Firma mit laufendem Betrieb ist, die man da kauft? Die andere Partei PSO, wie wäre es da mit einem Namen und einem Hinweis auf die Tätigkeit?

Im Zuge der Transaktion wurde die PSO 42 GmbH in Pixelpark Solutions GmbH umbenannt.

Klug. Fällt nicht auf, merkt doch (fast) keiner.

Das Start-Up-Unternehmen wird ca. 20 Softwareberater beschäftigen und ist in seiner Geschäftstätigkeit fokussiert auf Beratung und Einführung von Software und Systemlösungen.

Ohhhhh - es WIRD. Da schau an. Es tut also noch nicht? Was für eine Überraschung...

Für das Geschäftsjahr 2005 plant die Gesellschaft einen Umsatz im siebenstelligen Bereich bei gleichzeitiger Profitabilität.

Und was hat sie in diesem Bereich bisher? Noch nichts vielleicht?

Durch die Akquisition forciert die Pixelpark AG ihre strategische Neuausrichtung und baut neben den bestehenden Geschäftsfeldern Agentur, Prozessberatung und Informationstechnologie mit dem Bereich Solutions verstärkte Kompetenz im Umfeld der Software und Systemlösungen auf.

Mag ja alles sein - aber wurde da wirklich eine Firma mit Mitarbeitern und Kundschaft gekauft (was Start-up bedeuten kann), oder nur eine Vorratsgesellschaft? Falls das Letztere der Fall ist, wäre das schon etwas grenzwertig für eine Ad-Hoc. Mein lieber Scholli... Smells like ZLU.

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Dienstag, 15. Februar 2005

Chance als Scheitern

Wenn Pixelpark bei dieser Übernahme die Due Diligence genauso sauber gemacht hat wie sonst sein Controlling, dürfen wir uns bald auf den Exit freuen - selbst, wenn die die Klitsche nur für 1 Euro gekauft haben. Wenigstens kann man da nicht mehr viel wertmässig abschreiben.

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Medienstandort Hamburg?

Echt? War da mal einer? Stimmt, da war Tempo, aber das ist lange her, Brand1 zählt nicht, und sonst ist da auch nicht mehr viel. Mal im Ernst, wenn Burda kommt, ist es meistens gut für München und schlecht für vieles andere. Wenn ich bei Milchstrasse wäre, egal wo, würde ich mir im Moment keine Immobilie in Hamburg kaufen. Sondern sparen. Für noch schlechtere Zeiten.

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Es gibt hier eine bestimmte Lesergruppe

und an die möchte ich mich hiermit wenden. Bitte dreht Euch einmal um die Vertikalachse, solange ihr nicht liegt. Wenn ihr bei der Drehung mehr als 1000 Bücher gesehen habt, ist diese Proklamation für Euch geeignet.

Liebe Büchersammler, Bibliophile, Leseratten, Seitenstöberer und Antiquariatsschnüffler, liebe Staubgeplagte und Platzbesorgte, ihr Nichtweggebenkönner und unbedingt Habenmüsser, liebe Mitkranke, die Ihr wie ich Eure Krankheit in Tausenden von Folianten messt, und die Ihr alle verachtet, in deren Wohnung nicht die Bücher von Wand zu Wand reichen: Es gibt ein neues, gutes Buch für Euch, das Ihr haben müsst, denn schliesslich geht es darin um uns und unsere Leidenschaften. Es ist ein kleines Buch; eigentlich nur eine Novelle des argentinischen Schriftstellers Carlos María Domínguez, und es trägt den schönen Namen "Das Papierhaus".



Nun, es dreht sich vordergündig um eine Suche nach dem Geheimnis einer verstorbenen Geliebten, aber das ist nur der rote Faden, an dem all unsere Ängste, Alpträume, Sorgen und Nöte aufgespannt sind. Ihr kennt das, wenn Euer Antiquariat eine Bibliothek auflöst; Ihr rafft, Ihr reisst, Ihr giert nach den besten Stücken, aber gleichzeitig schaudert es Euch in diesem grossen Glück; denn einst droht auch Euren Bibliotheken das gleiche Schicksal, oder schlimmer noch, Eure Erben werden sie nicht achten und auf den Müll werfen. Oder die Frage, wie man Bücher ordnen soll, oder wie es einem die Nachtruhe raubt, wenn man ein Buch nicht mehr findet. Ihr kennt die Stapel neben dem Bett, weil die Regale schon zweifach gestapelt und gefüllt sind; die Massanfertigungen biegen sich gefährlich durch, und der Tag, an dem ihr ausziehen müsst, erfüllt Euch mit Grauen ob der Kisten, die da zu schleppen sind. Ich kann Euch sagen: Es wird schlimm, ich habe meine Bibliothek in zwei Teile gebrochen, in München und in der Provinz, und ich war lahm und krumm, als ich die 2500 Bände der Basisausstattung, darunter auch die komplette Sammlung der Photobände und alle ledergebundenen Bücher 5 Stockwerke nach oben geschleppt hatte.

Diese Sorgen und Nöte greift das Buch auf, aber vor allem die Frage, wie man die erworbenen Schätze endgültig sichert. Das Papierhaus liefert darauf eine unfassbar konsequente, radikale, grausame Antwort, und wem dabei nicht die Seele zittert, der hat keine. Unser aller Leid wird uns plastisch vorgeführt; Fragen, die wir uns und anderen nicht zu stellen wagen aus Angst, man würde uns für verrückt oder wahnsinnig halten, werden hier diskutiert und zu unserem Plaisier mit einer leichten Staubschicht aus Vernunft und Mässigung überzogen. Dennoch, das Grauen ist stets präsent.

Also geht hin und kauft es, aber nicht bei Amazon, denn dieses Buch verlangt danach, im Buchhandel bei der hübschen Azubine bestellt und erworben zu werden. Habt Ihr schon mal davon geträumt, eine Buchhändlerin auf einem Bücherstapel zu nehmen? Ach... Falls ja, kauft und lest es. Es wird Euch gefallen, allein schon wegen der köstlichen Gestaltung.

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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Montag, 14. Februar 2005

Ich lehne mich damit jetzt

etwas weit aus dem Fenster, und es ist auch nicht wirklich fair das zu sagen, aber: Nach ziemlich deutlichen Hinweisen aus den üblichen wohlinformierten Kreisen wird es innerhalb der nächsten 2, 3 Verhandlungstage im Falk-Ision-Prozess ein, wenn nicht eher sogar 2 Geständnisse geben. Nicht von Falk, auch nicht bei der Nummer 2 natürlich, aber in den letzten Tagen hat sich bei Nebenfiguren einiges bewegt.

20 Punkte und ein weiterer Nagel für einen bestimmten Sarg, bitte.

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Microsoft Suche findet nix

Immer diese Promo-Ferkeleien - übel, das Microsoft da mit den Leuten macht. Praktikantenquälerei. Es geht aber noch fieser: Der Bertelsmann-Buchclub schickte zu seinem Geburtstag die Azubinen als rosa Törtchen auf die Strassen - man kann sich vorstellen, was das im Müchner Bahnhofsviertel bedeutet hat. Die Leute, die solche Ideen haben, sollten einmal auf dem Zahnfleisch durch Berlin rutschen müssen und alles essen, was ihnen an auch nur halbwegs Essbaren in den Weg kommt.

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Nochmal 50 Gmails

Wer noch nicht hat und seinen Namen sichern will, maile mich an: donalphonso | ät | Gmail dot com

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Real Life Winter 99 - ChamoNix

Wenn man im Sommer viel in den Bergen unterwegs ist, verliert man die Lust am Skifahren. In Bayern wird man mit der Schule in die Berge geschafft, und die meisten lernen es schon als Kleinkinder - ich war 4 Jahre, als ich mit Sturzhelm und in eingebildeter Rennhaltung den ersten Hügel hinunterraste und unten meinen Onkel beinahe umnietete. Wie auch immer, 2 lange Sommer mit dem Mountainbike in den Alpen haben dieser Leidenschaft den Rest gegeben. Ich mag Berge, aber keine Geröllmüllhalden.

Im Winter 98/99 wollten ein paar Bekannte nach Weihnachten/Neujahr doch mal ein paar Tage in die Berge. Keiner hatte das Skifahren je gelernt, also sollte ich mit, aufpassen, aufklauben, aus Lawinen zerren, was man halt mit Flachlandhessen so macht, die durch grenzgeniale Jobangebote nach München gekommen sind. Zuerst wollten sie nach Chamonix; eine gute Wahl, aber doch recht weit, und so viel Zeit hatten sie dann auch nicht. Also Davos, was auch seine Reize hat. Natürlich war in Davos alles voll, also... am Ende habe ich ihnen Latemar vorgeschlagen, Obereggen, Südtirol, an der Grenze zum Trentino, viele Italiener, wenig Deutsche, genau das richtige. Und draussen fiel der Schnee, verwandelte die Munich Area in einen glibbrigen Matschhaufen...



Aber damals war der Begriff noch neu, nur wenige wussten überhaupt, dass es diese Area gab, und sie lutschten dieses Wort wie Teenager den ersten Kaugummi, mit dem sie Blasen machen können. Kurz nach Weihnachten haben sie dann endgültig ein Chalet gebucht, für 6 Leute, eine Woche, und die Firma hat das gezahlt, quasi als Gratifikation für die Überstunden. Schliesslich wollten sie fitte Mitarbeiter, braungebrannt, gestählt, dynamisch, und das letzte freie Wochenende war schon mehr als ein halbes Jahr her, so ist das nun mal in der Internetbranche.

Nur ... war dann noch was schnell zu machen. Die Abfahrt verzögerte sich um einen Tag. Dann noch einen Tag, dann aber übermorgen wirklich noch das verlängerte Wochenende, und übermorgen früh um 7, als ich die Ski ins Auto gepackt hatte, kam der Anruf: Es geht nicht, die Banken wollen den IPO machen, da müssen jetzt die Papers her, aber nach dem IPO, dann würden wir alle zusammen fahren, aber dann wirklich Chamonix oder Davos, scheiss auf die Kohle.

Die Banken waren letztlich schuld. Sie haben zu lang gewartet, zu sehr auf die Marktführerschaft gehofft, die nicht kommen wollte, dann im Sommer 00 der Versuch eines Not-IPOs mit 30% weniger Belegschaft bei 150% Leistung, abgesagt, nochmal reduziert, der Versuch, das Ding zu verkaufen, klappte auch, aber der Käufer übernahm nur die Kunden und den Vorstand, aber keine Mitarbeiter. Das Übliche.

Man fällt so wunderbar weich im Tiefschnee. Eine Erfahrung, die sie nicht gemacht haben. Sehr schade, eigentlich. Zwei sind in irgendwelchen Filialen einer Bank in Hessen, zwei sind arbeitslos, eine hat geheiratet. Und niemand kann erzählen, wie es damals im Winter 99 am offenen Kamin in den Alpen war, als sie noch grosse Träume hatten.

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