: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Mittwoch, 2. März 2005

Addicted

Es ist kalt, es schneit, es ist windig. Als ich komme, stehen sie schon rum und frieren. Ein Kamerateam und drei Typen, die interviewed werden. Im Schnee, weil authentisch. Ich treffe mich mit jemandem, trinke Tee, rede, besorge noch was und fahre dann am späteren Nachmittag wieder zurück.



Sie sind immer noch da. Sicher kein Vergnügen, nach mindestens drei Stunden. Aber was macht man nicht alles, um irgendwo in den hinteren Teilen belangloser Boulevardmagazine aufzutauchen.

Zu doof, dass man Omi nicht grüssen darf.

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Warum auch Werber NIE branden sollten

Neues aus der Pulverrüsselbranche. Jaja, immer diese unzuverlässigen Zulieferer, kein Wunder, wenn dann sowas bei rauskommt.

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Berater sollten es besser wissen

Es ist immer wieder erstaunlich, wenn es die wahren Könner erwischt - wieso machen Leute pleite, die eigentlich anderen helfen sollen, nicht pleite zu machen? Gibt es einen besseren Beweis für die Wirkungslosigkeit von Consulting als den Insolvenzantrag der Consulter? Die (tief Luft holen) ECON-CONSULT Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Beratungsgesellschaft mbH aus Köln hat beim dortigen Amtsgericht das Aktenzeichen 74 IN 47/05. Gut, andererseits waren viele Auftraggeber auch die öffentliche Hand, die kann nicht pleite gehen. Hätten sie mal ihren Think Tank besser in die eigene Buchführung rollen lassen.

:::::::::: :::::::::: :::::::::: :::::::::: :::::::::: :::::::::: <-120 Punkte

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Das kleine Investoren-Wörterbuch

"Wir haben einen langen Atem" heisst: Das letzte Röcheln ist nicht mehr fern.

Besonders, wenn ein Titel nicht mal die Hälfte von der Auflage hat, die man sich erträumt hat, und auch davon weit weniger als die Hälfte regulär verkauft wird. Wenn dann noch der Anzeigenverkauf öffentlich flennt, dass der Verkauf "sehr sehr schwierig" gewesen sei, weil die Auflage so klein war. Wenn dann noch der Chefredakteur zugeben muss, die Zielgruppe völlig falsch eingeschätzt zu haben - "Harter Nachrichtenstoff wird stärker nachgefragt, als wir am Anfang gedacht haben." - dann sollte man eigentlich so konsequent sein und den Laden zumachen. Das wird nichts mehr, Freunde.

Soviel also zu News Frankfurt, iPod-Generation, billigem Blogcontent und überhaupt the World according to Klaus Madzia, der nur noch hoffen kann, dass das Zitat vom langen Atem des Hamdelsblatt-Geschäftdführer in 3 Monaten nicht ebenso Angeberei ist, wie es die Protzerei zu Beginn des Täbloiz war.

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Das klassische Vor-CeBit-Sterben

Es ist immer das gleiche. Jedes Jahr vor der CeBit geht einigen nochmal schnell das Lebenslicht aus, die eigentlich ganz gross auftreten wollte. Jetzt hat es mit ECS mal wieder ein grosses Systemhaus derbröselt (hat da wer Taskarena gesagt?), mit nicht ganz kleinen 10 Millionen Schulden. Ja, so ist das, wenn es kein VC mehr zu verbrennen gibt: Dann verbrennt man eben das Geld von der Bank.

Da steckt ein System dahinter - und das sagt: 120 Punkte für den Don.

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Insomnia

Insomnia.Blogger.de ist eine colaboratives Nachtbar für alle Schlaflosen, die Nachts auf Blogger.de noch unterwegs sind und schreiben und kommunizieren wollen.

Es richtet sich besonders an die Nachtarbeiter und Durchnmacher, die eine Folge der veränderten Arbeitswelt sind, aber auch an Spätheimkehrer, Einsame, Ruhelose und Leute, die aus dem einem oder anderem Grund nicht schlafen können, ein wenig Conversation brauchen oder sich vielleicht doch noch imm Real Life verabreden wollen. Natürlich darf auch nackt auf den virtuellen Tischen getanzt werden, wenn es gewünscht wird.

Das Besondere ist: Insomnia wird wie eine Nachtbar nur in der Nacht geöffnet sein - allerdings ist es dann gut möglich, dort noch Leute zu treffen, wenn andernorts in Kleinbloggersdorf bereits die Bürgersteige hochgeklappt sind.

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Montag, 28. Februar 2005

Warum PR-Leute NIE texten sollten

Von hier: "Wir heißen sugar in the morning, weil PR-Arbeit für uns ein "Dinner for one" ist: Kontinuität, individuelle Ansprache und das Versprechen, das Beste zu geben...immer wieder auf´s Neue!"

Aha. Angenehm. Diesen PR-Zucker muss man sich wirklich auf der Zunge zergehen lassen. Was nun? Sugar oder Dinner? Morgen oder Abend? Und wer stolpert hier vollbesoffen dauernd über das Tigerfell?

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Jamba- M-TV News: Berlin liebt Dich

wenn Du nicht das Pech hast, zu den 120 Mitarbeiter gehören, die von MTV bei Viva gefeuert werden, oder zu den 90, deren verträge von MTV bei Viva nicht verlängert werden - früher hätte man gesagt, MTV vernichtet 210 Arbeitsplätze, aber das gilt so verdammt unschick. Muik TV wird demnächst von Berlin aus gemacht, in strategisch günstiger Nähe zum Hauptgeldgeber/Sponsor/De-facto-Chefkunde Jamba.

Die überlebenden 390 Mitarbeiter dürfen sich also von Berlin geliebt fühlen. Hier warten schon alle auf Entertainment in der Glotze.



Schliesslich ist die Realität vor den Fenstern genauso beschissen wie dieser Abend für die 210 Opfer. Die nur noch wenige Freunde haben werden, und weder Abonnenten noch Zuschauer. Berlin liebt Dich nicht, und Köln kann Dich eigentlich auch nicht brauchen.

::::::::::: <- Hauptsache 20 Punkte. Rest ist egal. Ein paar Jamba-Helfer weniger, die auch noch zu feige waren, einen kleinen Aufstand für sich und ihre Fans im Sender zu machen. So ist sie, die Jugendkultur 2005. Wahrscheinlich wischen sie zum Abschied auch noch die Tastaturen sauber.

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He Ihr armen Jamba-Loser!

Ich, Don Alphonso, sage es frei heraus: Ich habe tausende von Feinden in der New Econmomy, das ist auch geil so, aber ich habe 260 Abonnenten - und keinen einzigen habe ich verarscht.

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Warum Verisgn bzw. Jamba Six Apart und Livejournal kaufen wird

Klingt unglaubwürdig? Was bitte sollen die Rattendesigner und Quengeltonerfinder mit einer Blogfirma anfangen? Noch dazu mit einer Firma, deren Struktur durch das Zusammengehen zweier so unterschiedlicher Firmen wie dem Prenium-Class-Hoster Six Apart, Teenies Liebling Livejournal und dem französischem Ublog alles andere als harmonisch ist? Internet-Blog und Handy-Multimedia? Wo doch, wie im ersten Teil ausgeführt, die Lage für Six Apart nicht rosig ist?

Zugegeben, auf den ersten Blick spricht ganz wenig dafür. Blogs enthalten Texte von Nutzern, Jamba verdient Geld durch die von ihnen vertriebenen Multimedia-Anhalte. Blogger sind im Internet, und wer blogt, telefoniert in diesem Moment nicht. Zum Bloggen taugt das Handy wegen der miserablen Tastatur kaum, und dabei braucht man weder Töne noch Logos. Und ganz allgemein traut man als Philantrop den aufgeklärten Bloggern eher nicht zu, hirnlose Konsumdeppen zu sein, die sich an fickenden Krokodilen oder ähnlichem aufgeilen können - jaha, denkste, schon mal bei 20six und myblog quergelesen?

Und das ist der Punkt,

an dem Jamba ins Spiel kommt. Überraschenderweise genau dort, wo man die Nervtöter nicht erwarten würde: Bei den vielen Millionen Blogs in den USA, die von Teenagern betrieben werden, und die nur eine Handvoll Leser haben. Diese, übernehmen wir mal die US-Bezeichnung, C-List-Blogger gelten allgemein als unbedeutend. Sie haben keine Reichweite, keinen Einfluss, und ausserhalb ihres engsten Umfelds auch keinerlei Bedeutung. Es ist ganz hartes Brot, aus diesen winzigen Zirkeln und Grüppchen ein Geschäftsmodell zu entwickeln, denn eigentlich sind das nur ein paar Teenager, die zusammenstehen und quatschen. Für Blog und Business stehen bislang eher die "Nanopublisher" Gawker und Weblogs, Inc. mit ihren wenigen, grossen Blogs für Nischenmärkte. Alles weitere an der Blogbar; nehmt Euch ein Bier, es wird etwas komplex, aber es lohnt sich, hoffe ich

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Es gibt manche, die verrecken.

Und das sehe ich wirklich gern. Im Ernst, es macht mir Spass, mir die Verzweiflung eines Vorstandes vorzustellen, der sich schon seit Monaten nicht mehr um die Finanzen gekümmert hat und dann plötzlich mit geplatzten Überweisungen konfrontiert wird. Aber wir haben doch noch ... Da muss doch noch was sein ... Das kann doch nicht ... Wenn sie dann zum Amtsgericht gehen, aber es noch nicht mal ihren Kunden und Partnern mitteilen, die dadurch ebenfalls geschädigt werden, dann ist eine hämische Veröffentlichung der Nummer beim Amtsgericht hier oft eine ausgleichende Gerechtigkeit - und man ist immer wieder überrascht, wieviele Suchanfragen selbst bei kleinen Klitschen dann in den nächsten Tagen kommen.

Es gibt aber auch welche, denen man final den Respekt nicht versagen kann. Da steht man stumm daneben und denkt sich: Ihr wart sicher mal ein witziger Laden, keine Frage.

Ciao, iConnect. Die 120 Punkte gehen an die Informantin.

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Sonntag, 27. Februar 2005

the morning after

Nach bitterkalter, sternenklarer Nacht kommt dieses Wetter gleich nochmal so gut.



Manchmal scheint auch die Sonne, um die Übermütigen schnell rauszulocken und ihnen eine Extraportion Kälte zu verpassen. Wenn nicht gerade der Schnee peitscht, sieht man die schneidenden drei Windstärken nicht.

Das Tor wird restauriert und ist mit Werbung eines Handyherstellers überzogen. Dankenswerterweise hat man das junge, erfolgreich aussehende Grinsepack inzwischen entfernt; nicht aus Einsicht, sondern weil die Kampagne durch ist, man das Ding aber noch in, wie es so schön heisst, public private partnership sponsort. Rechts davon hebt sich das Headquarter eines Autobauers in den grauen Himmel; das Gebäude ist neu, doch die Strassen und Gehwege sind typischer Berliner Kaputtstandard, der allenfalls zum Kauf eines Geländewagens anregt. Die Brache hinter dem Gebäude passt dann auch weitaus besser zur Umgebung.

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Was? 0.14 Uhr und immer noch 10 Leute hier?

Wartet Ihr noch auf was? Bilder vielleicht von der Party beim Spreeblick-Johnny?

na gut... kommt gleich. Anfahrt:



So, bitte hier drücken...
(Ist noch in der Mache...) Ist fertig.

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Samstag, 26. Februar 2005

Real Life Winter 2004 - Unter die Erde bringen

Vorbemerkung: Vor kurzem sagte jemand, manche meiner Texte wären erbarmunnglos; namentlich die Serie der "Skalpe meiner Feinde". Ich glaube das eher nicht; erbarmungslos ist etwas anderes. Damals dachte ich schon daran, den jetzt folgenden Text zu schreiben, und nach etwas Nachdenken habe ich es auch getan, weil... keine Ahnung. Weil ich will, vielleicht. Erbarmen ... bei diesem Wort fällt mir nur Baudelaire ein; "Satan meines Elends Dich erbarme". Im juristischen Zweifelsfall ist der Text nur Literatur und hat keinerlei Ähnlichkeiten mit lebenden oder ganz besonders toten Personen.

Über die schneebedeckten Hügel Thüringens hinunter nach Bayern, zügig über die Autobahn nach München. Bei Bayreuth wurde es heller, kurz vor Nürnberg glitzerte die Sonne auf dem Schnee, und in München war dieser typische, strahlend blaue Himmel, auch über dem Friedhof. Ich kam bewusst zu spät, denn Kirche ist absolut nicht mein Ding, und in diesem Fall erst recht nicht. Trauergottesdienst. Von wegen. Innerlich war ich im Freudenteufelstaumel. Die Sau war endlich, schnell und unverhofft von uns gegangen, dahin, wo keine Sau mehr zurück kommt. Final Business Solution.

Die Sau hatte davor alles überstanden. Strafanzeigen, anonym und direkt, Hausdurchsuchungen, Firmencrahs mit seltsam leeren Kassen, Schulden, vollkommen egal. Es gab immer jemand, den er um Hilfe fragen konnte, der ihm was Neues zuschob, wo er sich sofort mit der alten Grosskotzigkeit daranmachte, für minimalen Gewinn maximalen Schaden anzurichten. Die Anzahl seiner Verantwortungsposten stand im umgekehrten Verhältnis zu dem, was man landläufig als Verantwortungsgefühl bezeichnet.

Er hatte sich auch irgendwie aus dem Schlamassel befreit, in das er sich während der New Economy verstrickt hatte. Keine Ahnung, warum die Typen, die ihm Geld gegeben hatten, ihn so selten vor den Kadi zerrten. Wahrscheinlich war an dem Geld auch einiges krumm, aber das war damals allen wurscht. Er wurde mir während eines Empfangs vorgestellt, den eine aufgedonnerte Matchmakerin für tumbe Geldsäcke und Schweine wie ihn und Staffage wie mich organisiert hatte. Es war in der Frühzeit der New Economy, die meisten Börsengänge am neuen Markt standen damals noch bevor, aber er entwarf damals schon seine Visionen, die für den billigen Steuertrickser ohne 2. Staatsexamen, der er wirklich war, enorm engagiert klangen.

Wir trafen immer wieder mal aufeinander, aber weitaus öfters hörte ich von ihm. Man hat viel über ihn gesprochen, alles sehr positiv. da war einer, der es machte und konnte. Ich würde diese Sau doch kennen, ob ich sie ihnen mal vorstellen könnte, wollten ein paar Freunde wissen. Ich tat es nie.

Die Jahre rasten durch das Land der Munich Area, und 2001 war ich wieder auf seinem Radar, als er plante, durch den Niedergang als erster den ganz grossen Deal zu machen. Das war kurz nach einer grösseren Krise, die er nur überstanden hatte, weil sich das Gericht bei der Beschlagnahme seiner Rechner und der Prozessvorbereitung selten dämlich angestellt hatte, wie es die einschlägigen Kreise kolportierten. Er wollte nicht viel von mir, nur ein paar Namen von Leuten, die in einem Netzwerk durch ihren luxuriösen Lebenswandel in die Krise geraten waren und ihm für ein paar Lappen vielleicht helfen könnten, ein paar lukrative Stories zu machen. Er stellte mir vage in Aussicht, dass er mir dann dabei auch eine Rolle in seinem neuen Netzwerk geben könnte, wenn ich denn...

Ich habe abgesagt, im Gegensatz zu ein paar anderen. Es war letztlich egal, denn bei der Implosion der Märkte auf ihren realen Umfang gab es da nichts, was irgendwie verwertbar gewesen wäre, und so blieben nur ein Dutzend seiner Leute auf der Strecke, die es ohnehin erwischt hätte, wie er 2002 ausführte. Dass bei denen die Steuerfahndung ohne seine tollen Ideen wohl eher nicht aufgekreuzt wäre, um 5 Uhr Morgens, dass sie vielleicht halbwegs anständig aus der Sache rausgekommen wären, sagte er nicht. Seiner Peer Group war das auch egal, denn damals ging es längst schon um das neue Thema Basel-II, und da brauchte man Anpacker wie ihn.

Zu dumm, dass er dann nach kurzer, schwerer Krankheit verreckte. Zumindest hiess es das offiziell; was genau es war, hat mir niemand sagen können. Vielleicht die Drogen, Selbstmord eher nicht, dafür ar er nicht der Typ, vielleicht war er auch wirklich körperlich so krank wie im Kopf, keine Ahnung, aber als der Anruf kam, dass er, der angeblich mit mir befreundet war, endlich tot war, war es mir vollkommen egal. Hauptsache tot, vielleicht noch etwas Leiden vorher, zur Abrundung, wäre auch ok.

Ich schloss mich dem Zug ganz hinten an, da, wo noch andere gelackte Typen in Berateranzügen und zu dünnen Kurzmänteln liefen. Sauber rasiert, gefasst, ohne echte Anteilnahme, aber auch nicht beglückt wie ich. Die meisten machten sich ziemlich Sorgen um die Wasserflecken auf ihren Schuhen, denn das Grab war in einem Seitenweg, und überall lag feuchter Matsch. Da standen wir, vorne erzählte ein frierender Pfaffe etwas von Verantwortung für die Wirtschaft und die Entwicklung dieses Landes, und dann war da noch ein Verbandsheini, der die Verdienste der Sau im Pitchtempo herunterratterte.

Ich war einer der letzten, die Erde auf den Sarg warfen. Ich hätte genauso gut spucken können, die Schaufel hätte auch weitaus grösser sein dürfen, da packt man doch gerne mit an. Er war da unten und wird es auch bleiben, von Ewigkeit zu Ewigkeit, und das ist verdammt gut so.

Seine Frau, Lebensgefährtin oder was auch immer, die daneben stand, sah ich nicht an. Nicht nötig. Solche Schweine finden immer die passenden Frauen, es gibt so viele davon, totaler escadabekleideter Überschuss in der Munich Area, man schlägt sich in diesen Kreisen um solche Typen. Vielleicht war sie sogar dumm genug, das Erbe anzutreten; nach dem, was ich weiss, eine ziemlich riskante Entscheidung. Egal.

Ich stapfte durch den Friedhof zurück und grinste. Vermutlich haben die, die mich sahen gedacht, das ist auch einer von denen, die dieses absurde Bedürfnis haben, bei Beerdigungen zu lachen; ein Ausdruck des übergrossen Schmerzes, oder so. Nix da. Er war tot, und das ist ok so. Alles roger. Wir sehen uns, winkte ich am Auto einem flüchtigen Bekannten aus einer Promikanzlei zu.

In der Hölle, später einmal, dachte ich, und donnerte b2b, back to Berlin.

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Freitag, 25. Februar 2005

Dem Spargel eine patalongen

Fscklog fucktcheckt Kindergeschreibsel bei myblog.de/spiegelnetzwelt.

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Datierungsproblem

Stalingrad Dezember 43?
Seoul Januar 51?
Grosny März 89?
Kabul Januar 03?
Berlin Mitte Februar 05?



Es ist die Woche, wo sogar die grössten Berlin-Fans an dieser Stadt verzweifeln, und vom Vorgarten, vom nahen Wald und See träumen, während unter dem trüben Himmel die Basisform der Stadt zum Vorschein kommt. Es ist so dunkelgrau, dass die Kleinagenturen im Erdgeschoss die Lamellen vor den Fenstern abhängen, so dass man die billigen Büromöbel sieht, und niemand, der nicht will, sollte heute Nacht alleine schlafen. Ficken heisst vielleicht ein Leben retten.

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Lustige Briefe vom Anwalt

Extreme Knieschussing: Einen Brief schreiben, der eine ganze Menge Forderungen zum Schutze der Persönlichkeitsrechte einer umstrittenen Figur aufstellt, und der zum vorgeblichen Beweis der Rechtmässigkeit ziemlich viel Briefgeheimnisbehinaltendes dritter Personen enthält - und das wird dann an jemanden geschickt, der mit der Sache rein gar nichts zu tun hat.

Hardcore Hoffing, dass der dadurch Persönlichkeitsrechtsverletzte ein klein wenig rachsüchtig ist. (Merke: Medien trifft man immer zweimal - und das 2. Mal wird man auch von ihnen getroffen)

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EKA.Cafe.Bar

Sie tanzen. Sie tanzen langsam, eng aneinandergeschmiegt, hingebungsvoll, und dazu singt die tiefe Frauenstimme auf französisch, mit dem Dialekt der Kolonien, von der Liebe und vom Schmerz. Sie könnten auch Franzosen sein; er hat das markante Gesicht der Provencalen, sie ist das Idealbild der Garconne. Sie tanzen sehr anmutig, und es ist für dich gut so, denn es ist ein sehr schöner Anblick, wenn das Personal in einem Cafe hingebungsvoll tanzt, und du hast Zeit, zumindest bis das Stück zu Ende ist, die Frauenstimme verklingt, denn solang dauert es, bis dein Darjeeling 2. Ernte ausreichend gezogen hat. Dann ist die Musik aus, sie trennen sich, lächeln sich an, und er bringt deinen Tee, nicht ohne auf die Vorzüge hinzuweisen, und es tut dir fast leid, du hättest gerne noch etwas gewartet und zugeschaut, und vielleicht würdest du auch selbst gern mit ihr tanzen.

Du hast also Zeit, weil du zu früh losgefahren bist, und sie pünktlich, aber nicht überpünktlich ist. Es ist gut so, denn du kannst dir den Platz frei raussuchen, und du nimmst natürlich die braunen Lounge Chairs ganz hinten, wo die EKA.Cafe.Bar besonders intim und entspannt ist. Es ist nicht so, dass die anderen Sitzecken quasi auf dem Präsentierteller liegen; tatsächlich ist der Raum verwinkelt, der Blick wird oft abgelenkt, von der Weltkarte an der Decke, von den lederbespannten Decken, die eine ganz andere Atmosphäre schaffen als die Lederwülste im Greenwich, wohin du ab und zu mit den angeblichen Top Dogs der digitalen Wirtschaft gehst. Es ist also kein Cafe zum Gesehen werden, aber ganz hinten, wo man in den tiefen Polstern versinkt, bleibt man unter sich. Die Musik ist hier eher leise, die Akustik ist gedämpft, und niemand ist gezwungen, dem anderen ins Ohr zu brüllen - wenn man sich hier körperlich nahe kommt, dann nur in voller Absicht.



Sie ist also noch nicht da, hastet durch den kalten Abend über die zerborstenen Gehwegplatten, und du solltest den Rest bei Restaur.antville lesen.

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Donnerstag, 24. Februar 2005

Ganz erstaunlich

Nebenan wird grossflächig abgerissen. Genauer gesagt, vom ehemaligen Bahnhof steht praktisch nichts mehr. Aus unverständlichen Gründen hat man sich aber dazu entschlossen, die Randbebauung zu erhalten und aus runtergekommenen Werkhallen leerstehende Edelbüros zu machen.



Nicht sehr konsequent. Aber jeden Abend gehen da drin die Lichter an, geheizt wird wohl auch, man täuscht das Leben vor, das in diesen originalen Lofts laut Business Plan sein sollte. Um die Ecke ist die Chaussestrasse; das hier hätte die verlängerte Werkbank der Berliner New Economy werden können. Werbeagenturen, Marketing, Kreative fast direkt an der Silicon Alley.

Davor ist jetzt seit Monaten immer noch eine ungepflegte Fläche mit Bauschutt und rostigen Stahlträgern; der Boden ist weich, sumpfig und uneben. Eine Brache mitten in der Stadt, sinnlos, düster und sicher nicht ganz billig. Es fehlt sogar das obligatorische "Zu vermieten"-Schild. Man hat wohl innerlich schon aufgegeben. Oder wartet. Auf das Frühjahr, den Aufschwung, die Investoren.

Es muss in dieser Stadt tausende von Männern und Frauen geben, die den ganzen Tag die Telefone in den verantwortlichen Immobilienfond-Büros anstarren, in der Erwartung, dass jemand anruft und die Hoffnungsruinen besichtigen will. Aber nichts passiert, und so werden sie da sitzen, bis das Geld alle ist. Spooky, irgendwie. Fast schon tot. Jedenfalls nicht wirklich lebendig. Wie so vieles in dieser Stadt, deren gröbste Scheusslichkeiten der Schnee notdürftig verdeckt.

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99, ach was 100% Müll

Der Spiegel blökt äh blogt nein Quatsch logt online: "Scheiße, einfach scheiße"

Ich möchte mich dem anschliessen, Herr v. Blumencron.

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Dirt Picture Contest - Probe aufs Exempel

Was pasiert eigentlich, wenn man, wie so oft als von tollen Sales Managern behauptet, einem Eskimo oder einem Bewohner der Permafrostregion Westsibiriens einen Kühlschrank verkauft?



Zum Glück ist in der tiefgefrorenen Eissteppe, genauer der als "Dunckerstrasse" bezeichneten Schneise im Sibirenslum viel Platz dafür. Die Bäume sind noch nicht hoch genug, um Sales Manager daran aufzuknüpfen, aber es gibt auch noch alte, unbrauchbare Laternenmasten, die einer neuen Zweitnutzung harren.

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Mittwoch, 23. Februar 2005

Zitat der Woche

"Mir ist es lieber, wenn meine Kinder ihr Taschengeld für zwei, drei Klingeltöne im Monat ausgeben, als wenn sie davon Drogen kaufen." Alternativ: "als für Gummibärchen und andere Süßigkeiten [...] oder für Zigaretten oder sonstirgendwas."

Marc Samwer gestern auf dem Digital Lifestyle Day (laut Insider-Bericht, danke H.)

[Update]: Nach anderen Quellen lautet das Zitat wie hier - meine mündliche Quelle hörte es anders. Es ist also dann doch nicht sicher, dass Jamba Klingeltöne besser findet als Drogen. Oder umgekehrt.

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Ein paar Anmerkungen zur Qualität in Blogs

Martin Roell hat da eine sehr feine Debatte angestossen - die Qualität der Texte in Blogs. Vielleicht ein paar Worte aus der Sicht eines Journalisten und Schriftstellers, dem zumindest die Chefredakteure, die Lektoren, die Verleger und letztlich auch der Markt eine gewisse "Qualität" unterstellen - wenn dem nicht so wäre, würde schliesslich keiner was für meine Texte zahlen.

Was ist Qualität? Die Grundlage für Qualität im Journalismus ist die Recherche, von der wir alle aber wissen, dass sie beim Bloggen eher selten vorkommt. Blogger schreiben meistens nicht über Themen, die sie sich erst erarbeiten müssen, sondern kommentieren Fakten, Behauptungen und Ereignisse, von denen sie meinen, sie beurteilen zu können. Sprich, das, was bei einem guten, selbst erarbeiteten drei viertel der Arbeit ausmacht, findet in Blogs meist nicht statt. Es liegt mir fern davon, das zu kritisieren - die meisten Beiträge in Print, Internet, TV und Hörfunk sind miserabel recherchiert, beruhen je nach Thema zu 50-80% auf PR, sind oft von Praktis oder alkoholkranken Frustis mit Existenzangst zusammengeschmiert, und der Aktualitätsdruck tut sein Übriges dazu, dass die Journalisten gern auf Vorgekautes zurückgreifen. Sei es nun, dass sie Geschichten klauen und etwas umschreiben, sei es, dass sie noch nicht mal das Thema erfassen. Auf einen brillianten Leyendecker auf Seite Eins der Süddeutschen kommen 50, 100 Typen, die schlecht geschlafen haben, das Thema nicht leiden können, die PR-Tussi des Startups ficken oder sich jeden Tag zum Essen einladen lassen, ihr Spezialthema jede Woche neu umschreiben, oder Berater der Kulturreferentin werden wollen. Journalismus ist ein Beruf wie jeder andere im Bereich Gebäudereinigung, mit dem kleinen Unterschied, dass man hier Ungelernte unbeaufsichtigt an die Meinungsbildung der Bevölkerung ranlässt, und sie dafür auch noch mit Privilegien ausstattet.

Das klingt böse, aber ein kleines Besipiel mag das illustrieren: Mein Roman Liquide wurde über 60 mal besprochen. 20 Rezensionen waren so, dass man vermuten kann, der Journalist hat das Buch gelesen. Die anderen waren die etwas umgeschriebene Pressemitteilung des Verlags, mit ein wenig Meinung aussenrum. Also, was ist Qualität im Normalfall? Ganz sicher nicht Recherche, weder beim Journalismus noch bei den Blogs.

Es gibt aber noch zwei andere Eigenschaften, aus denen ich bei einem Text "Qualität" ableiten würde: Der Dreh und die Kraft. Ein guter Text ist wie eine Kugel - das Blei ist die Recherche und der Inhalt. Was so einem Text die nötige Durchschlagskraft gibt, um einzudringen, hängenzubleiben, den Leser zu fesseln und widerzukommen, ist die persönliche Kraft des Verfassers, vergleichbar mit dem Pulver. Das kann sein Stil sein, seine ausgeprägte Meinung, seine Kompetenz auf einem gewissen Thema, und wenn es auch "nur" Stricken, Katzen oder Streit mit den Lehrern ist. Jemand, von dem ich behaupte, dass er diese Kraft hat, ist Don Dahlmann. Don könnte ein Spiegelei braten, und sofort hätte ich ein passendes, plastisches Bild im Kopf.

Und was den Text auf seiner Bahn hält, was ihn zum Ziel führt, ist der besondere Dreh, der ihm die Stabilität gibt, um die ganze Strecke zu überbrücken, der die Geschichte rotieren lässt, dass man den Eindruck hat, he, der hat wörtlich den Dreh raus, der weiss, wie er es mir erzählen muss, wie er mich nehmen muss, der hat ein Gefühl nicht nur für das, worüber er schreibt, sondern auch dafür, wie es beim Lesen in mir ankommt, so dass es etwas Besonderes ist, eine Geschichte, die mir einfällt, wenn ich an den Blogger denke. Für mich ist der "Dreh" bei Lyssa, um ein Beispiel zu nennen. Lyssa könnte auch über das Telefonbuch schreiben, und es hätte immer noch den sexy Lyssa-Dreh. Dreh muss nicht sexy sein, es geht auch Zynismus, Ironie, irgendwas, was dem Text ein +X verleiht.

Das Ganze ist rein empirisch, es gibt keine Messlatte und keinen Beleg, und es hat auch nicht immer mit Qualität im herkömmlichen Sinne zu tun, denn leider hat auch eine Bild-Schlagzeile unbestreitbar Kraft, und Franz-Josef Wagner hat für viele den Dreh. Aber wenn man ein Seminar mit 10 jungen Leuten hat, erlebt man das oft: Da ist dann einer dabei, der es völlig anders macht, Regeln ignoriert, aber das Ding ist einfach brilliant, und die anderen sind dagegen einfach nur sturer, banaler Bockmist. Ich behaupte, dass weder Kraft noch Dreh erlernt werden können; das sind Dinge, die aus den Leuten selber kommen, da schreibt nicht ein Zeilengeldkassierer, sondern ein Mensch, und genau das ist es, was beim Bloggen garantiert nicht seltener ist, als in den klassischen Medien.

Es mag oft stilistisch nicht toll sein. Na und. Es ist oft nicht gut aufgebaut. Na und, dann ist es eben der konsequente Stil der Leute. Ich lese das trotzdem, es macht mir nichts aus, und selbst, wenn ich es aus formalen nie in der Zeitung abdrucken würde, ist es immer noch verdammt gut. Vielleicht ist es auch "nur" eine Soap-Opera mit jeden Tag ein, zwei Folgen. Na und? Ich bin jeden Tag aufs Neue begeistert von Sickgirl, und jedem Bildungspolitiker, den ich hier in Berlin treffe, sage ich, er soll das lesen, dann kapiert er, wo das Problem an den Unis ist. Für mich ist das gute Unterhaltung mit Kraft und Dreh; andere finden das wo anders, denn jeder hat seine eigenen Kriterien, was diese Begriffe für ihn bedeuten.

Wenn, wie von Martin Roell geschildert wird, in Berlin der Mangel an qualitativ hochwertigen Blogs bemängelt wird, dann haben die keine Ahnung. Qualität lässt sich bei einem thematisch extrem zersplitterten "Markt" wie der Blogosphäre nicht in Quote messen. Es spielt absolut keine Rolle, denn die Leute lesen es trotzdem, die "Märkte" sind kleiner, dynamischer, unvorhersehbar. Dieser Ruf nach mehr Qualität hat nur ein einem kleinen Punkt recht: Die Qualitäten der Blogs und die daraus entstehenden "Audiences" und "Micromarkets" sind keine Qualität, die sich wirtschaftlich ausschlachten lassen.

Wer in Quote messbare Qualität will: Texte, deren Qualität wirtschaftlich verwertbar sind, heissen "Journalismus". Oder Literatur. Auch die brauchen Wissen, Kraft und Dreh, und sind dann aber nicht billig, ganz gleich, ob sie nun in einer Zeitung, auf einem Portal, in einem Buch oder in einer Blogsoftware publiziert werden, und dabei auch noch den besonderen Dreh und die Kraft der Blogtexte haben. Es gibt keinen Grund, das nicht zu tun; Journalismus ist heute öde und langweilig genug. Gerade diejenigen, die die Qualität in der Blogosphäre bemängeln, könnten da doch mal mit gutem Beispiel vorangehen und zeigen, wie das geht. Also los, ich warte.

dito an der Blogbar

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Dienstag, 22. Februar 2005

Kurt Ochners Bank freigesprochen

Das ist das Schöne an den Prozessen zum neuen Markt: Es gibt inmmer einen oder mehrere Idioten, über die man lachen kann. Hätte man die Bank des früheren Nemax-Gurus Kurt Ochner, die mit ihrem Julius Bör Creativ-Fond Abermillionen in deutsche "Weltmarktführer" verpulverte, zur Rückzahlung der Gelder an ihre Anleger verdonnert, wäre es ein Fest gewesen.

Nun haben sich aber diese Anleger darauf versteift, wegen einem etwas undurchsichtigen Prospekt zu klagen, und verloren. Da haben also die Möchtegern-Millionäre, die Mit30Pensionisten, die Internet-Gläubigen dem schlechten Geld gutes Geld in Richtung Anwälte nachgeschmissen. Hehe.

Die Fondsbranche kann also aufatmen. Der Prospekt kann weiterhin das Blaue vom Himmel hochverzinst versprechen, Leichtgläubige gibt es immer noch, und bald werden sie auch wieder von einer neuen New economy träumen, und dann gibt es wieder viel zu tun. Und zu lachen.

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Wie in alten Zeiten

sind die aktuellen Geschäftszahlen von Lycos für 2004: Über 34 Millionen Euro Verlust bei dreimal so hohem Umsatz. Das ist hart. Gut, es war auch schon mal schlimmer, aber normalerweise gibt sich bei sowas der Vorstand selbst die Entlassungspapiere. Noch schöner ist der Rückgang der liquiden Mittel: Von 175,2 Millionen auf 121,7 Millionen Euro, denn Lycos hat einiges zugekauft, was demnächst wieder zu Abschreibungsbedarf führen dürfte. Bei der Geschwindigkeit dauert es noch 2 bis drei Jahre, bis Lycos fertig ist, aber wir rufen ihnen dennoch schon mal zu:



Denn wie erfahrene Neuökonomisten wissen: Mit dem richtigen Spirit tut das Sterben halb so weh.

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Real Life 05.09.01 - Damals, bei Siemens Business Services...

Die hatten in schwierigen Zeiten des späten Jahres 2001 noch ein Herz für Startups. Da gab es wirklich noch Entscheider, die die ganze Blase an gescheiterten VC-Verbrennern, arbeitslosen Rechtanwälten, hungrigen Beratern, fickbaren PR- und Marketing-Spezialistinnen und auch so böse Buffetjournalisten wie mich eingeladen haben, und uns erzählten, was wir tun sollten, um mit ihnen ins Geschäft zu kommen. Bester Tipp: "Lassen Sie ihr Nokia-Handy und Ihr Dell-Notebook zu Hause, wenn Sie mit uns verhandeln."

Ausserdem hatten die auch ein Herz für Medienkunst; ein Künstlerpaar durfte im Münchner Headquarter die Brücken über die Eingangshalle von unten mit Schwimmerinnen im blauen Wasser verzieren, was sehr nett aussah und mich immer ein wenig an die Argonauten erinnerte, die auch so eine Vorliebe für Wasser hatten. Die Kantine hätte auch eine Münchner Szenebar sein können; viel Holz, Pastelltöne, niedrige Sitze und betont entspannte Atmosphäre. Nur das Essen, das war zu Beginn wieder typisch Siemens - der welke Salat und die trockenen Brötchen, die die beiden Buffetjournalisten in "Liquide" bekritteln, habe ich in Realität hier erlebt, und die Brezen waren vielleicht Hamburg oder Shanghai, aber sicher nicht der Stadt München würdig. Aber ich habe das einmal lauthals kritisiert, worauf beim nächsten mal die Verpflegung besser war - viel besser, wirklich ordentliche New Economy Wraps.

Insofern versprach dort alles ein angenehmes Leben, nur fragten sich die meisten Gäste, die windigen Leuteschinder, Versager, Grossmäuler mit was auf die Fresse und obskuren PR-Tanten auf Dekoltee-Akquise leise, was die hier eigentlich machen würden, wenn die Mitarbeiter mal nicht in der Lounge waren oder über die Brücken in der Halle gingen. Keiner konnte diese Frage beantworten, aber was uns komisch vorkam: Die Leute, die von Siemens Business Services da waren, machten auch am Abend einen enorm entspannten Eindruck. Um 18 Uhr waren die Mitarbeiter alle schon weg...

Was arbeiten die hier, gurrte damals eine der unvermeidlichen Ketchum-Blondinen in meine Richtung, und ich sagte, dass sie wohl eher nichts machen und Siemens auf der Tasche liegen, das sei hier wohl so eine Art Schlaraffenland-Startup, wo man kluge Dinge sage und es damit gut sein lasse. Oh, gurrte die Ketchum-Blondine und machte ihre Haare auf, packte die Brille weg, ging zum Buffet, holte sich ein Wrap und lernte dabei unauffällig jemanden von SBS kennen, der dort wohl was zu sagen hatte, und der...

vielleicht heute bei diesen 675 ist, die gefeuert werden.

6 Tage nach dem Event krachten die Flugzuge ins World Trade Center. SBS hat nie wieder Startups eingaladen. Die Ketchum-Blondine wurde bald darauf bei Ketchum freigesetzt, ohne einen Ersatzarbeitsplatz zu haben. Sie war eigentlich sehr nett, aber damals waren alle nett. Am Abend. Noch. Brutal wurde es erst 2002.

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