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Sonntag, 23. Oktober 2005
Sehr zu empfehlen - der Säulenleuchter
hinweis: als hasserfüllter, geschmackloser neocon, der mitunter seine hatz-iv-kohle versäuft und blödsinn blogt statt sich ernsthaft um einen job zu kümmern - ich weiss, das ihr hier seid - würde ich diesen text nicht lesen. danach winselt ihr sicher wieder rum, statt euch an der geplanten übernahme der weltherrschaft oder am götzendienst am merkel oder an euren durchgeknallten, spätmaoistischen selbstkritikritualen zu erfreuen.
Das Bewohnen historischer Gebäude bringt viele Einschränkungen mit sich. Meterdicke Mauern, Stuck und geschichtliche Relevanz handelt man mit schmalen Türen, steilen Treppen und engen Kehren ein. Weniger als das Finden und Kaufen von Raritäten ist das Transportieren im Haus das entscheidende Problem. Denn während man im Piano Nobile auch einen kleinen Elefanten ausstellen könnte, wird es in den früheren Dinstbotenzimmern hoch über der Stadt schwierig. Was dazu führte, dass die drei Meter hohe Prunkspiegelkonsole nicht bei mir, sondern bei meiner kleinen Schwester steht. Ich begnüge mich dagegen mit einer Auswahl von mittelgrossen Spiegeln, die den Raum dezent erweitern.
Vermutlich werden einige Leser darauf hinweisen, dass sie ebenfalls keine venezianische Prunkspiegelkonsole haben. Damit teilen wir ein Problem, denn die Prunkspiegelkonsole löste in der Zeit vor dem elektrischen Licht das Beleuchtungsproblem der besseren Familien elegant und nachhaltig. Ein Pärchen zwei- oder dreiarmiger Silberleuchter auf der Konsole lässt durch die Reflektionen den Raum in goldenem Licht schimmern, daüber funkeln die Kristalle des Kronleuchters in rotem Glanz; erbärmlich wirkt es dagegen, wenn das elektrische Licht einschaltet. Wir anderen hingegen, die wir zwar so viele niedrige Kandelaber wie Triebe besitzen, aber auch nur halbhohe Spiegel, wir müssen uns anders behelfen - und das geht so:

Das, meine Herrschaften, ist ein Säulenleuchter, von der Basis bis zur obersten Schale 80 Zentimeter hoch und 7 Kilo schwer. Unten aus Eisen, die oberen Teile aus Bronze. Damit gelingt es spielend, den Abstand vom englischen Foldleaftable bis in die Mitte unseres Rokokospiegels zu überbrücken. Beides übrigens, Spiegel und Säulenleuchter, verdanken wir der eklatanten Unkenntnis einer Berliner Nachlassauflöserin, die uns die Trouvailllen zu einem Preis überlies, für den sich keine Dirne dieser Stadt mit einem soziopathischen Neoconblogger auf der Suche nach dem ersten Sex mit 37 Jahren einlässt.
Was man dann noch braucht, später am Abend, wenn alles in die heimischen Gefielden verbracht wurde, ist ein Kerzenlöscher, mit dem man peu a peu die Lichter löscht, auf dass sich die Pupillen unserer Besucherin weiten und die Endorphine ins Plasma übergehen. Denn im goldenen Licht der Kerzen werden wir sie mit Kuchen und Torten gefüttert und danach Krokantpralinen zum schweren Wein gereicht haben, und nicht nur das Licht der vier Kerzen, auch die Reflektionen im alten, mit giftigem Quecksilber verspigelten Glas werden ihren und unseren Zügen schmeicheln und sichere Helligkeit nur vortäuschen, wo sich das Finstere der Lüste längst ausgebreitet hat, die Luft wird schwer und süss sein vom Geruch der sterbenden Flammen aus dem Bienenwachs, doch was uns den Atem raubt, ist die Hoffnung, die Erwartung der so lang hinausgezögeren Erfüllung, die uns durch diese Nacht getragen hat - ohne dass wir diemal so blöd nervös dauern an der Kerze rumgespielt und damit vorzeitig unsere Erregung verraten haben. Denn die Kerze schwebt dank Säulenleuchter über uns und wirft glänzende Reflexe auf ihr Haar, bis dann das Licht der Dunkelheit weicht und andere Sinne, der Geruch, der Geschmack, der Tastsinn ihre vollste Berechtigung finden.
Aber ich muss wohl nicht sagen, was von einem Cretin zu halten ist, der den Tod des Lichts mit dem Kerzenlöscher SLUTLIG (sic!) des berüchtigten schwedischen Sperrmüllhauses, verflucht sei sein Name, bewerkstelltigt.
Das Bewohnen historischer Gebäude bringt viele Einschränkungen mit sich. Meterdicke Mauern, Stuck und geschichtliche Relevanz handelt man mit schmalen Türen, steilen Treppen und engen Kehren ein. Weniger als das Finden und Kaufen von Raritäten ist das Transportieren im Haus das entscheidende Problem. Denn während man im Piano Nobile auch einen kleinen Elefanten ausstellen könnte, wird es in den früheren Dinstbotenzimmern hoch über der Stadt schwierig. Was dazu führte, dass die drei Meter hohe Prunkspiegelkonsole nicht bei mir, sondern bei meiner kleinen Schwester steht. Ich begnüge mich dagegen mit einer Auswahl von mittelgrossen Spiegeln, die den Raum dezent erweitern.
Vermutlich werden einige Leser darauf hinweisen, dass sie ebenfalls keine venezianische Prunkspiegelkonsole haben. Damit teilen wir ein Problem, denn die Prunkspiegelkonsole löste in der Zeit vor dem elektrischen Licht das Beleuchtungsproblem der besseren Familien elegant und nachhaltig. Ein Pärchen zwei- oder dreiarmiger Silberleuchter auf der Konsole lässt durch die Reflektionen den Raum in goldenem Licht schimmern, daüber funkeln die Kristalle des Kronleuchters in rotem Glanz; erbärmlich wirkt es dagegen, wenn das elektrische Licht einschaltet. Wir anderen hingegen, die wir zwar so viele niedrige Kandelaber wie Triebe besitzen, aber auch nur halbhohe Spiegel, wir müssen uns anders behelfen - und das geht so:

Das, meine Herrschaften, ist ein Säulenleuchter, von der Basis bis zur obersten Schale 80 Zentimeter hoch und 7 Kilo schwer. Unten aus Eisen, die oberen Teile aus Bronze. Damit gelingt es spielend, den Abstand vom englischen Foldleaftable bis in die Mitte unseres Rokokospiegels zu überbrücken. Beides übrigens, Spiegel und Säulenleuchter, verdanken wir der eklatanten Unkenntnis einer Berliner Nachlassauflöserin, die uns die Trouvailllen zu einem Preis überlies, für den sich keine Dirne dieser Stadt mit einem soziopathischen Neoconblogger auf der Suche nach dem ersten Sex mit 37 Jahren einlässt.
Was man dann noch braucht, später am Abend, wenn alles in die heimischen Gefielden verbracht wurde, ist ein Kerzenlöscher, mit dem man peu a peu die Lichter löscht, auf dass sich die Pupillen unserer Besucherin weiten und die Endorphine ins Plasma übergehen. Denn im goldenen Licht der Kerzen werden wir sie mit Kuchen und Torten gefüttert und danach Krokantpralinen zum schweren Wein gereicht haben, und nicht nur das Licht der vier Kerzen, auch die Reflektionen im alten, mit giftigem Quecksilber verspigelten Glas werden ihren und unseren Zügen schmeicheln und sichere Helligkeit nur vortäuschen, wo sich das Finstere der Lüste längst ausgebreitet hat, die Luft wird schwer und süss sein vom Geruch der sterbenden Flammen aus dem Bienenwachs, doch was uns den Atem raubt, ist die Hoffnung, die Erwartung der so lang hinausgezögeren Erfüllung, die uns durch diese Nacht getragen hat - ohne dass wir diemal so blöd nervös dauern an der Kerze rumgespielt und damit vorzeitig unsere Erregung verraten haben. Denn die Kerze schwebt dank Säulenleuchter über uns und wirft glänzende Reflexe auf ihr Haar, bis dann das Licht der Dunkelheit weicht und andere Sinne, der Geruch, der Geschmack, der Tastsinn ihre vollste Berechtigung finden.
Aber ich muss wohl nicht sagen, was von einem Cretin zu halten ist, der den Tod des Lichts mit dem Kerzenlöscher SLUTLIG (sic!) des berüchtigten schwedischen Sperrmüllhauses, verflucht sei sein Name, bewerkstelltigt.
donalphons, 01:37h
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Dirt Picture Contest - Vorschnell weggeworfen
Hätten sie mal besser MTV geschaut. Dann hätten sie gewusst, dass Möbel mit 70er-Jahre-Pattern wieder schwer angesagt sind. Sowas kann man heute auch verkaufen, an aus dem südwestdeutschen Raum zugezogene Studis.

Da schlunzt sich der junge Mittebewohner heute gern rein, zupft an der E-Gitarre Lieder, die keiner je hören wird und daddelt, das Sixpack neben sich auf dem verstaubten Dielenboden, eine Runde auf der Playstation, statt endlich den Roman zu schreiben, den andere ohnehin viel besser können. Im Januar macht er auf den Sesseln den ihm gewährten Trostfick mit einer rupffrisurten Blondine und findet, dass ihre Tattoos und Body Mods ganz wunderbar in seine Wohnung passen. Und sie wäre von dem Paar Sessel so schwer beieindruckt, dass die drei Wochen später darauf für ein nie erscheinendes Streetwear- Magazin ein Shooting mit einem Photographen macht, der sie zwei Wochen später schwängert und sitzen lässt, weshalb sie dann nur noch selten aus ihrem ostfriedrichshainer aka hellersdorfer Sozialbau nach Mitte kommt, um mir dort auf den Flohmärkten den Sportbuggy mitsamt brüllender Fracht in die Kniekehlen zu rammen, wenn ich mal wieder da oben sein sollte.
Aber es wird zum Glück so nicht kommen, denn die Sessel stehen auf der Strasse, verfaulen ein wenig und werden in spätestens 7 Monaten vom Sperrmüll, den eine mitleidige Hausverwaltung informiert, abgeholt.

Da schlunzt sich der junge Mittebewohner heute gern rein, zupft an der E-Gitarre Lieder, die keiner je hören wird und daddelt, das Sixpack neben sich auf dem verstaubten Dielenboden, eine Runde auf der Playstation, statt endlich den Roman zu schreiben, den andere ohnehin viel besser können. Im Januar macht er auf den Sesseln den ihm gewährten Trostfick mit einer rupffrisurten Blondine und findet, dass ihre Tattoos und Body Mods ganz wunderbar in seine Wohnung passen. Und sie wäre von dem Paar Sessel so schwer beieindruckt, dass die drei Wochen später darauf für ein nie erscheinendes Streetwear- Magazin ein Shooting mit einem Photographen macht, der sie zwei Wochen später schwängert und sitzen lässt, weshalb sie dann nur noch selten aus ihrem ostfriedrichshainer aka hellersdorfer Sozialbau nach Mitte kommt, um mir dort auf den Flohmärkten den Sportbuggy mitsamt brüllender Fracht in die Kniekehlen zu rammen, wenn ich mal wieder da oben sein sollte.
Aber es wird zum Glück so nicht kommen, denn die Sessel stehen auf der Strasse, verfaulen ein wenig und werden in spätestens 7 Monaten vom Sperrmüll, den eine mitleidige Hausverwaltung informiert, abgeholt.
donalphons, 17:09h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Freitag, 21. Oktober 2005
Transport für Haifisch
Münchner Haifische fahren nach Berlin, wie Vampire in ein rumänisches Dorf fliegen. Dann fliesst das Blut schlecht angezogener Berliner Anwälte in Strömen aus den Sitzungssälen, zum Verderben der Verkäufer tiefblauer Sackakkos, geblümter Krawatten und hellbraunen Slippern, in denen weissbesockt die Zehen krampfhaft zittern. Wenn so ein Fond erstmal gecrasht ist, bleiben nur die miesesten Rechtsverdreher übrig, billiges Futter für die Prada- und Knize-Truppen aus dem Süden, deren Auftraggeber in Starnberg den Vollzug der Vernichtung als selbstverständlich voraussetzen.
Aber Zeit ist Geld, es bleiben nur wenige Stunden, der Stadt andere Schäden zuzufügen, und dann fallen die Scharen mit einem Taxi kurz in der Eisenacher Strasse oder der Bergmannstrasse ein, um vielleicht eine Hellebarde fürs Büro zu kaufen, eine alte Duellpistole, einen malayischen Dolch oder auch japanische Seidenmalereien, damit die Paragraphengruft einen femininen Touch bekommt, ganz gleich, welche Titanlegierung und welcher Hauptprozessor unter der Fleischnachbildung ihren Dienst an der Ausplünderung dummer Berliner Staatsbanken tut. Weil, man gönnt sich ja sonst nichts. Nur zu blöd, dass man das nicht im Flugzeug nitnehmen kann. Das muss dann einer machen, der mit dem Auto in Berlin ist.

Und so geht es vor der Heimreise nochmal hinab in die Keller unter der Stadt, in denen Händler die Schätze aus den Jahrzehnten des Niedergangs horten, und nur dann widerwillig Dependancen draussen eröffnen, wenn im Zentrum absolut kein Platz mehr ist. Aufgereiht sind die Biedermeiersekretäre, die geschweiften Kommoden stehen übereinander auf dicken Quetschfüssen, in den Vitrinen funkeln Kristall und Silber, und im Nebenraum liegt ein Berg Bilder bis zum Barock, die wirklich musealen Stücke sind irgendwo seitlich aufgetürmt.
Der Patron erzählt von der Jagd und vom Nehmen, von den Neuzugängen und dem Schicksal, das dahinter steckt, meist mit einer alten toten oder ins Altersheim verfrachteten Frau, und leitet dezent über, dass zu der Münchner Fuhre auch noch dies und jenes passen würde, das er aus dem Zwischenraum zweier Barockschränke an der venezianischen Lampe vorbei zerrt. Seine Augen funkeln, denn er weiss, wer ihm da gegenüber steht, er kennt das Zeichen und die spitzen Zähne, er hat die Gier bereits erfahren und hat ein Gefühl für die Lockungen frischen Blutes aus den besseren Villen Grunewalds. Es ist nie eine Frage des Wollens, es ist immer eine Frage des Preises und der Geschwindigkeit, denn er braucht Geld für die nächsten Brocken Fleisch aus den Kadavern, bevor ein anderer zugreift, und für die beiden zarten Damen auf Seide findet sich ein Ort, ein Platz, und letztlich wohl auch ein Haifisch, der Ansprüche darauf erheben wird. Oder sich verfluchen, wenn er im Bild die Fragmente einer Bronzensammlung sieht, die ohne ihn zerschlagen wird, vielleicht eine asiatische Gottheit, oder Orpheus und Euridyke aus dieser metallbraunen Unterwelt.

Nachher, an den Wänden und auf den Tischen der Kanzleien, wird nichts an den Orkus erinnern, durch den die Kunst gegangen ist, und nichts an die zuckenden Nasen und die schamlosen Blicke der Jäger, für die in dem Keller das rohe, blutig-saftige Festmahl an gebogenen, unrestaurierten Tischen bereitet wird. Und später dann, auf der A9 singt Lemmy, C´mon Baby, eat the rich, hinten im Fond sind bessere, zarte japanische Damen obszön aufeinandergequetscht, und vorne beim Schaltknüppel grinst ein bleiches Elefenbein-Okimono, ein kleiner fetter Mann, das wüste Treiben auf dem Rücksitz beim Flug über die nachtschwarze Autobahn hinterhältig an. Denn dunkel und böse sind unsere Wege, die zum Besitz führen, und am Tag, da wir sterben, wird der letzte Gedanke sein, dass unser Besitz in den schlimmen Reigen zurückkehrt, in einen vollen Keller, wo unser Fluch aufs neue von anderen Haifischen Besitz ergreifen wird.
Aber Zeit ist Geld, es bleiben nur wenige Stunden, der Stadt andere Schäden zuzufügen, und dann fallen die Scharen mit einem Taxi kurz in der Eisenacher Strasse oder der Bergmannstrasse ein, um vielleicht eine Hellebarde fürs Büro zu kaufen, eine alte Duellpistole, einen malayischen Dolch oder auch japanische Seidenmalereien, damit die Paragraphengruft einen femininen Touch bekommt, ganz gleich, welche Titanlegierung und welcher Hauptprozessor unter der Fleischnachbildung ihren Dienst an der Ausplünderung dummer Berliner Staatsbanken tut. Weil, man gönnt sich ja sonst nichts. Nur zu blöd, dass man das nicht im Flugzeug nitnehmen kann. Das muss dann einer machen, der mit dem Auto in Berlin ist.

Und so geht es vor der Heimreise nochmal hinab in die Keller unter der Stadt, in denen Händler die Schätze aus den Jahrzehnten des Niedergangs horten, und nur dann widerwillig Dependancen draussen eröffnen, wenn im Zentrum absolut kein Platz mehr ist. Aufgereiht sind die Biedermeiersekretäre, die geschweiften Kommoden stehen übereinander auf dicken Quetschfüssen, in den Vitrinen funkeln Kristall und Silber, und im Nebenraum liegt ein Berg Bilder bis zum Barock, die wirklich musealen Stücke sind irgendwo seitlich aufgetürmt.
Der Patron erzählt von der Jagd und vom Nehmen, von den Neuzugängen und dem Schicksal, das dahinter steckt, meist mit einer alten toten oder ins Altersheim verfrachteten Frau, und leitet dezent über, dass zu der Münchner Fuhre auch noch dies und jenes passen würde, das er aus dem Zwischenraum zweier Barockschränke an der venezianischen Lampe vorbei zerrt. Seine Augen funkeln, denn er weiss, wer ihm da gegenüber steht, er kennt das Zeichen und die spitzen Zähne, er hat die Gier bereits erfahren und hat ein Gefühl für die Lockungen frischen Blutes aus den besseren Villen Grunewalds. Es ist nie eine Frage des Wollens, es ist immer eine Frage des Preises und der Geschwindigkeit, denn er braucht Geld für die nächsten Brocken Fleisch aus den Kadavern, bevor ein anderer zugreift, und für die beiden zarten Damen auf Seide findet sich ein Ort, ein Platz, und letztlich wohl auch ein Haifisch, der Ansprüche darauf erheben wird. Oder sich verfluchen, wenn er im Bild die Fragmente einer Bronzensammlung sieht, die ohne ihn zerschlagen wird, vielleicht eine asiatische Gottheit, oder Orpheus und Euridyke aus dieser metallbraunen Unterwelt.

Nachher, an den Wänden und auf den Tischen der Kanzleien, wird nichts an den Orkus erinnern, durch den die Kunst gegangen ist, und nichts an die zuckenden Nasen und die schamlosen Blicke der Jäger, für die in dem Keller das rohe, blutig-saftige Festmahl an gebogenen, unrestaurierten Tischen bereitet wird. Und später dann, auf der A9 singt Lemmy, C´mon Baby, eat the rich, hinten im Fond sind bessere, zarte japanische Damen obszön aufeinandergequetscht, und vorne beim Schaltknüppel grinst ein bleiches Elefenbein-Okimono, ein kleiner fetter Mann, das wüste Treiben auf dem Rücksitz beim Flug über die nachtschwarze Autobahn hinterhältig an. Denn dunkel und böse sind unsere Wege, die zum Besitz führen, und am Tag, da wir sterben, wird der letzte Gedanke sein, dass unser Besitz in den schlimmen Reigen zurückkehrt, in einen vollen Keller, wo unser Fluch aufs neue von anderen Haifischen Besitz ergreifen wird.
donalphons, 18:16h
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Kleiner Hinweis wegen der Kommentare
Heute Nacht hat ein gewisser Michael Meyn, seines Zeichens Autor bei einem bei Blogg.de gehosteten, rechtslastigen Blog mit gegen die AGBs verstossenden Inhalten, kontinuierlich, rund 50 mal die Kommentare und auch meine Mailbox mit Copy and Paste gespamt. Ich habe jetzt erstmal die Kommentare deaktiviert, und leite jetzt weitere Schritte gegen den Typen ein. Er sitzt zwar mitsamt Provider ausserhalb der BRD, ist aber deutscher Staatsbürger und macht das im Geltungsbereich deutscher Gesetze - praktischerweise gibt er das auch zu, eine Steilvorlage für eine Unterlassungsverpflichtungserklärung:
Du bist mir 9 Stunden voraus. Ich spam dir dein Blog zu, waehrend du durch deine Zahnluecken schnarchst!
Das tut er jetzt erst mal nicht mehr. Und an dem Problem wird gearbeitet. Wie auch an anderen. Es scheint heute die Nacht der Irren zu sein. +++update+++ Der Popkulturjunkie hat seine Leser aufgefordert, meinen Quelltext zu durchschnüffeln:
"Und dann ist mir per Zufall noch aufgefallen, welchen neuen so tollen Counter-Dienst Don Alphonso neulich geheimnisvoll angekündigt hat. Klickt mal auf das Don-Blog und schaut Euch den Sourcecode an: Da gibt es einen Abschnitt..."
Du bist mir 9 Stunden voraus. Ich spam dir dein Blog zu, waehrend du durch deine Zahnluecken schnarchst!
Das tut er jetzt erst mal nicht mehr. Und an dem Problem wird gearbeitet. Wie auch an anderen. Es scheint heute die Nacht der Irren zu sein. +++update+++ Der Popkulturjunkie hat seine Leser aufgefordert, meinen Quelltext zu durchschnüffeln:
"Und dann ist mir per Zufall noch aufgefallen, welchen neuen so tollen Counter-Dienst Don Alphonso neulich geheimnisvoll angekündigt hat. Klickt mal auf das Don-Blog und schaut Euch den Sourcecode an: Da gibt es einen Abschnitt..."
donalphons, 04:50h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Donnerstag, 20. Oktober 2005
Die MP3 der Lesung
Die erste Runde: Liebe.
Wortschnittchen
Modeste
Burnster
Beyond
MP3, 64kb/s, ca 6,5 MB alle zusammen. Danke an Matthias für den Webspace. Kommentare wegen einem Kommentarspammer - kommt über Cox Communications Inc., Vereinigte Staaten rein, IP ist bekannt, Name auch - momentan gesperrt, der Betreiber seines Blogs ist informiert, an einer Lösung wird gearbeitet.
Wortschnittchen
Modeste
Burnster
Beyond
MP3, 64kb/s, ca 6,5 MB alle zusammen. Danke an Matthias für den Webspace. Kommentare wegen einem Kommentarspammer - kommt über Cox Communications Inc., Vereinigte Staaten rein, IP ist bekannt, Name auch - momentan gesperrt, der Betreiber seines Blogs ist informiert, an einer Lösung wird gearbeitet.
donalphons, 14:42h
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Donteventhinkofs
Linklisten wie der, der, der, der, die die die und die waren auch da. - und wen geht das was an?
Allgemeine Beschwörungen der Zusammengehörigkeit aufgund einer Software. - und morgen die ganze Welt
Wildes Picposten, höho, da isser. - wenn ich mich verarschen will, tue ich es selbst
So privat ist der ja suupernett. - Das nächste Mal garantiert nicht mehr
Mit dem oder der hätte ich auch gern noch... - Hättste mal
Bloggertreffen sind am Morgen danach wie ein wenig guter Gang Bang, bei dem man nicht weiss, wer gleich welches Detail wie rauspusten wird. Darf ich das mal so formulieren? Ohne damit die Veranstaltung an sich im Mindesten kritisieren zu wollen, die war sehr fein, nur der Gedanke, dass das übliche Telefongetratsche plötzlich im Netz steht, kotzt mich an.
Allgemeine Beschwörungen der Zusammengehörigkeit aufgund einer Software. - und morgen die ganze Welt
Wildes Picposten, höho, da isser. - wenn ich mich verarschen will, tue ich es selbst
So privat ist der ja suupernett. - Das nächste Mal garantiert nicht mehr
Mit dem oder der hätte ich auch gern noch... - Hättste mal
Bloggertreffen sind am Morgen danach wie ein wenig guter Gang Bang, bei dem man nicht weiss, wer gleich welches Detail wie rauspusten wird. Darf ich das mal so formulieren? Ohne damit die Veranstaltung an sich im Mindesten kritisieren zu wollen, die war sehr fein, nur der Gedanke, dass das übliche Telefongetratsche plötzlich im Netz steht, kotzt mich an.
donalphons, 11:29h
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Und dann, so gegen 6 Uhr
ging ich zur Bar und fragte, welches der verschlusselten WLans zum Lass uns Freunde bleiben gehört, und welchen Code ich eingeben muss.
Hä?
Nochmal, welches WLan und so...
Wir haben hier kein Internet.

Ah ja. Dann eben kein Bericht, und die mp3 irgendwann. Nur soviel: Ihr habt was verpasst.
Hä?
Nochmal, welches WLan und so...
Wir haben hier kein Internet.

Ah ja. Dann eben kein Bericht, und die mp3 irgendwann. Nur soviel: Ihr habt was verpasst.
donalphons, 04:30h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Mittwoch, 19. Oktober 2005
Einkaufen mit reichen Leuten
Reden wir mal über Reichtum und Armut in Deutschland. Reichtum, das ist in meinen Augen etwas, das vielleicht 10% der Bevölkerung dauernd erleben, und weitere 20% partiell; zumindest haben sie dazu die Möglichkeit. Diese 30% der Bevölkerung sind politisch relevant, diese 30% bestimmen letztlich, was in diesem Land geschieht und wie die Umverteilung funktioniert, ohne dass sie sich dabei anstrengen müssen.
Der Reiche sitzt nämlich am Sonntag Abend eher selten vor der Glotze bei Christiansen, er geht ins Theater oder in die Oper, wo ihn niemand mit Krisengeschwätz belästigt. Warum auch; sein Beitrag sind 10 oder 20% dessen, was der Staat, also alle für seine Unterhaltung an diesem Abend draufzahlt. Dagegen sind die Kosten eines Christiansen- oder RTL-II-Guckers vollkommen irrelevant und auch noch gut angelegt. Sie fördern das System der institutionalisierten Umverteilung durch Konsum. Ich denke, die Luxusverwahllosung in Deutschland, der Überfluss an neuem Produktionsmüll in den Wohnungen und im Leben der ärmeren Bevölkerungsschichten hat einen simplen Grund: Die Glotze.
Denn die Glotze bohrt ein schönes Loch in die graue Realität der Blocks. Wer im Sommer einen Garten hat, wird sich kaum reinsetzen und glotzen. Wer im Winter nach St. Moritz oder Chamonix fährt, braucht danach kein Bewegtbild. Die Glotze ist der falsche Hase des Lebensbuffets, in rauen Mengen vorhanden, aber nicht wirklich gut - in den Augen der Reichen. Ironischerweise nehmen die Armen nach der Vergiftung durch den falschen Hasen die Reichen als reichlich strange Gruppe wahr, mit der man sowieso nichts zu tun hat.Die eigenen Lebensmodelle zwischen Kandinsky-Druck, Ikea-Regal und Billiglaminat bekommt man im Marienhof und Lindenstrasse frei Haus. So sehr die Serien von der Entwicklung leben: Deie Art des Konsums ist allemal festgeschrieben. Ohne Notwendigkeit.

Das hier ist ein Gemälde aus England, ca. 1790. Es befindet sich in einem Schrank eines Antiquitätenhändlers in Berlin, und stammt aus einem Nachlass. 4200 Euro ist der Verhandlungspreis, 2500 dürften am Ende machbar sein, wenn man Stammkunde ist und das Geld hat - was ich zu diesem Zweck nicht habe, zumal ich es anders investieren würde. Trotzdem ist es eine langfristig exzellente Wertanlage, doch darum geht es nicht. Es geht um das, was abgebildet ist: Ein reiches, junges Ehepaar kauft Spitzenstoff. Wir sehen die Frau, wie sie genau die Qualität mit den Fingern erfühlt, wie genau sie hinschaut. Wir sehen, dass ihr Mann dieses Können - und ihre Schönheit - bewundert. Und wir sehen den Verkäufer, der die Vorzüge und Eigenschaften erklärt. In der Nebenhandlung besorgt ein kleiner Junge Einkäufe, vielleicht im Auftrag der Mutter; die Frau des Händlers beugt sich zu ihm hinunter und lauscht seinen Wünschen. So, und jetzt betreten wir einen beliebigen Super-, Möbel- oder Elektromarkt und vergleichen das Verhalten.
Mir sind solche Szenen wie auf dem Bild bis heute alles andere als fremd. Die Eierfrau auf dem Wochenmarkt, die Nudelverkäuferin, die Bäckermeistersgattin, der Elektriker und der Heizungsbauer im Stadtpalast, und auch der Händler, der das Bild hat, sie alle sind genau so. Für diesen Einkauf - nicht Konsum! - braucht man aber etwas: Zeit. Viel Zeit. Zeit, die die armen Leute angeblich nicht haben, weil sie ja möglichst schnell vor ihre Glotze kommen müssen, oder neuerdings auch das Internet, oder andere Medien, die ihnen das Denken abnehmen und Klassenunterschiede als gottgegeben einprügeln. Ich habe keinen Fernseher, sprich, ich habe pro Woche rund 25 Stunden mehr Zeit als der Durchschnitt. Davon gehen wiederum 15 Stunden für das Lesen von Büchern weg, es bleibt aber genug Zeit für bewusstes Einkaufen. Was immer ein sinnliches Erlebnis ist, ohne teuer zu sein.
Natürlich erzählt die Glotze was anderes. Würde sie mich verfilmen, würde sie mich genau vor den exotischen Seidenmalereien und Drucken aus Ostasien, die tatsächlich in meiner Wohnung sind, sinister und verdorben agieren lassen. Das Fernsehpublikum würde denken: Fremd, anders, kennen wir nicht, uh-oh, war sicher teuer. Nur habe ich gestern noch ein Holzschnitt einer dieser grazilen japanischen Damen gekauft.

Es hing ganz offen in einem Laden in der belebten Bergmannstrasse, jeder hätte reingehen können und es kaufen, mitsamt vergoldetem Holzrahmen und braunem Passepartout. Der Preis - ein Witz, allein schon im Vergleich zu den Pahmen, in denen dann Rosina-Wachtmeister-Poster von einer pastellfarbenen Idylle künden. Bis ich tot bin und das Bild keinen Cent an Wert verloren hat, werden sie die Poster zehnmal und die Alurahmen fünf mal rausgeschmissen haben. So gesehen, leben sie im Luxus der Verschwendung und gleichzeitig in einer Armut, die weniger ein Ausdruck des mangels an Geld denn vielmehr an Verständnis und Erkenntnis ist. Armut ist in Deutschland oft Verschwendung durch Leute, die es sich nicht leisten können.
Es ist dumm, Omas Hutschenreuther wegzuwerfen und Ikeasteingut zu kaufen. Es ist dumm, lieber 90 qm zu mieten statt 50 langfristig zu kaufen. Es ist idiotisch, eine Kanne einer billigen Alessilinie zu kaufen und dafür mehr zu bezahlen, als für eine englische Silberkanne, die auch nach dem dritten Sturz noch verwendbar ist. Es ist bescheuert, alles immer neu kaufen zu wollen, den neuesten Möbeltrends hinterherzuhecheln und keine Sekunde einen Gedanken daran zu verschwenden, was es für die Umwelt bedeutet, wenn alle drei Jahre neuer Schrott in Polen ohne jede Richtlinie zusammengetackert wird. Es gibt Wasserkocher, die kosten nur die Hälfte und später das vierfache an Strom, bis sie doppelt so schnell kaputt gehen.
Ich weiss, dass es auch echte Armut gibt, viel zu oft, viel zu wenig beschrieben. Die Menschen, die sich hauptsächlich von Nudeln ernähren, bei denen es hinten und vorne nie reichen wird, die klauen, um zu überleben, die die Mülltonnen durchwühlen, das alles gibt es hier in Berlin. Und wann immer ich das sehe, weiss ich wieder, was für ein mieses, kleines, arrogantes Ego ich habe. Und dass man was tun müsste. Aber bei der selbstverschuldeten Wohlstandsverwahllosung - hey, Euer Problem.
Der Reiche sitzt nämlich am Sonntag Abend eher selten vor der Glotze bei Christiansen, er geht ins Theater oder in die Oper, wo ihn niemand mit Krisengeschwätz belästigt. Warum auch; sein Beitrag sind 10 oder 20% dessen, was der Staat, also alle für seine Unterhaltung an diesem Abend draufzahlt. Dagegen sind die Kosten eines Christiansen- oder RTL-II-Guckers vollkommen irrelevant und auch noch gut angelegt. Sie fördern das System der institutionalisierten Umverteilung durch Konsum. Ich denke, die Luxusverwahllosung in Deutschland, der Überfluss an neuem Produktionsmüll in den Wohnungen und im Leben der ärmeren Bevölkerungsschichten hat einen simplen Grund: Die Glotze.
Denn die Glotze bohrt ein schönes Loch in die graue Realität der Blocks. Wer im Sommer einen Garten hat, wird sich kaum reinsetzen und glotzen. Wer im Winter nach St. Moritz oder Chamonix fährt, braucht danach kein Bewegtbild. Die Glotze ist der falsche Hase des Lebensbuffets, in rauen Mengen vorhanden, aber nicht wirklich gut - in den Augen der Reichen. Ironischerweise nehmen die Armen nach der Vergiftung durch den falschen Hasen die Reichen als reichlich strange Gruppe wahr, mit der man sowieso nichts zu tun hat.Die eigenen Lebensmodelle zwischen Kandinsky-Druck, Ikea-Regal und Billiglaminat bekommt man im Marienhof und Lindenstrasse frei Haus. So sehr die Serien von der Entwicklung leben: Deie Art des Konsums ist allemal festgeschrieben. Ohne Notwendigkeit.

Das hier ist ein Gemälde aus England, ca. 1790. Es befindet sich in einem Schrank eines Antiquitätenhändlers in Berlin, und stammt aus einem Nachlass. 4200 Euro ist der Verhandlungspreis, 2500 dürften am Ende machbar sein, wenn man Stammkunde ist und das Geld hat - was ich zu diesem Zweck nicht habe, zumal ich es anders investieren würde. Trotzdem ist es eine langfristig exzellente Wertanlage, doch darum geht es nicht. Es geht um das, was abgebildet ist: Ein reiches, junges Ehepaar kauft Spitzenstoff. Wir sehen die Frau, wie sie genau die Qualität mit den Fingern erfühlt, wie genau sie hinschaut. Wir sehen, dass ihr Mann dieses Können - und ihre Schönheit - bewundert. Und wir sehen den Verkäufer, der die Vorzüge und Eigenschaften erklärt. In der Nebenhandlung besorgt ein kleiner Junge Einkäufe, vielleicht im Auftrag der Mutter; die Frau des Händlers beugt sich zu ihm hinunter und lauscht seinen Wünschen. So, und jetzt betreten wir einen beliebigen Super-, Möbel- oder Elektromarkt und vergleichen das Verhalten.
Mir sind solche Szenen wie auf dem Bild bis heute alles andere als fremd. Die Eierfrau auf dem Wochenmarkt, die Nudelverkäuferin, die Bäckermeistersgattin, der Elektriker und der Heizungsbauer im Stadtpalast, und auch der Händler, der das Bild hat, sie alle sind genau so. Für diesen Einkauf - nicht Konsum! - braucht man aber etwas: Zeit. Viel Zeit. Zeit, die die armen Leute angeblich nicht haben, weil sie ja möglichst schnell vor ihre Glotze kommen müssen, oder neuerdings auch das Internet, oder andere Medien, die ihnen das Denken abnehmen und Klassenunterschiede als gottgegeben einprügeln. Ich habe keinen Fernseher, sprich, ich habe pro Woche rund 25 Stunden mehr Zeit als der Durchschnitt. Davon gehen wiederum 15 Stunden für das Lesen von Büchern weg, es bleibt aber genug Zeit für bewusstes Einkaufen. Was immer ein sinnliches Erlebnis ist, ohne teuer zu sein.
Natürlich erzählt die Glotze was anderes. Würde sie mich verfilmen, würde sie mich genau vor den exotischen Seidenmalereien und Drucken aus Ostasien, die tatsächlich in meiner Wohnung sind, sinister und verdorben agieren lassen. Das Fernsehpublikum würde denken: Fremd, anders, kennen wir nicht, uh-oh, war sicher teuer. Nur habe ich gestern noch ein Holzschnitt einer dieser grazilen japanischen Damen gekauft.

Es hing ganz offen in einem Laden in der belebten Bergmannstrasse, jeder hätte reingehen können und es kaufen, mitsamt vergoldetem Holzrahmen und braunem Passepartout. Der Preis - ein Witz, allein schon im Vergleich zu den Pahmen, in denen dann Rosina-Wachtmeister-Poster von einer pastellfarbenen Idylle künden. Bis ich tot bin und das Bild keinen Cent an Wert verloren hat, werden sie die Poster zehnmal und die Alurahmen fünf mal rausgeschmissen haben. So gesehen, leben sie im Luxus der Verschwendung und gleichzeitig in einer Armut, die weniger ein Ausdruck des mangels an Geld denn vielmehr an Verständnis und Erkenntnis ist. Armut ist in Deutschland oft Verschwendung durch Leute, die es sich nicht leisten können.
Es ist dumm, Omas Hutschenreuther wegzuwerfen und Ikeasteingut zu kaufen. Es ist dumm, lieber 90 qm zu mieten statt 50 langfristig zu kaufen. Es ist idiotisch, eine Kanne einer billigen Alessilinie zu kaufen und dafür mehr zu bezahlen, als für eine englische Silberkanne, die auch nach dem dritten Sturz noch verwendbar ist. Es ist bescheuert, alles immer neu kaufen zu wollen, den neuesten Möbeltrends hinterherzuhecheln und keine Sekunde einen Gedanken daran zu verschwenden, was es für die Umwelt bedeutet, wenn alle drei Jahre neuer Schrott in Polen ohne jede Richtlinie zusammengetackert wird. Es gibt Wasserkocher, die kosten nur die Hälfte und später das vierfache an Strom, bis sie doppelt so schnell kaputt gehen.
Ich weiss, dass es auch echte Armut gibt, viel zu oft, viel zu wenig beschrieben. Die Menschen, die sich hauptsächlich von Nudeln ernähren, bei denen es hinten und vorne nie reichen wird, die klauen, um zu überleben, die die Mülltonnen durchwühlen, das alles gibt es hier in Berlin. Und wann immer ich das sehe, weiss ich wieder, was für ein mieses, kleines, arrogantes Ego ich habe. Und dass man was tun müsste. Aber bei der selbstverschuldeten Wohlstandsverwahllosung - hey, Euer Problem.
donalphons, 13:05h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Dienstag, 18. Oktober 2005
He Du.
In genau 24 Stunden solltest Du in die Dusche verschwinden, den Körper reinigen und mit halbwegs ordentlicher Kleidung verschönern, und dann in Richtung Mitte tingeln. Genauer, in das "Lass uns Freunde bleiben", eine famose Bar in der Choriner Strasse 12, die südliche Parallelstrasse zur Kastanienallee. Denn ab 20 Uhr ist diese Bar im hinteren Raum noch famoser. Denn dann lesen Modeste, das Wort "lochimkopf" schnittchen, Beyond und Burnston, beide Dönner, also Don Dahlmann und ich werden auch in persona anwesendsein, Don wortreich einführend, ich technisch ausführend. Danach kannst Du auch noch gesellig zusammen sein, mit feinsten Bloggern aus Deiner Umgebung. Also, ab in die Dusche in 24 Stunden.
donalphons, 20:50h
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Real Life 17.10.05 - Sie ruft an.
Für ein paar Momente verschwinden die Kronleuchter, die Kommoden und die Vitrinen voller Geschirr. All die willkürlich zusammengeraffte Pracht, die Herrlichkerit vergangener besserer Familien ist ausgelöscht durch ein paar freundliche Worte. Um dich herum wuselt der Besitzer, der schon mal langsam dicht macht, kein guter Tag heute. Du stehst im Weg, aber es ist egal, auch wenn das verhärmte Mädchen mit der Aura des jungen Merkel an der Bücherkiste von der Störung offensichtlich nicht begeistert ist. Sie holt sich ihren Trost und Zuspruch wohl nur aus Büchern, und ihre Vorstellung der Frau an der anderen Ende der Leitung dürfte angesichts deiner Wortwahl nicht wirklich positiv ausfallen. Immer nur über Klamotten reden und sich sagen lassen, dass sie alle lieben, verzogenes teures Luxusbalg wird sie sich denken, und damit liegt sie zum Glück nicht ganz falsch, aber auch voll daneben. Sie denkt auch, dass dir alle inneren Werte, die sie verkörpert, egal sind, und auch das ist so falsch nicht. Du lächelst sie kurz an, und sie schaut weg.
Dann, viel zu früh und ohne konkrete Versprechungen, klingt es im Unbestimmten aus, und langsam kommt die Berliner Realität in dein Bewusstsein zurück. Eine Realität, die diesmal nur wenig zu bieten hatte. Es ist kaum Angebot nachgewachsen, hier und da eine Petitesse, aber selbst das Mittelmass ist rar geworden. Und das, weshalb du eigentlich gekommen bist, gibt es nicht. Statt dessen blieben drei Türen zu früheren Quellen verschlossen - für immer. Die Händler jammern laut und viel über den Niedergang ihres Standes; es scheint, dass Berlin bald ausgeblutet ist.
Nochmal gehst du durch den langen Schlauch der Räume voll mit wenig ansprechenden Historismusschnörkeln und ramponierten Stilmöbeln bedauerst schon fast, dass du vorher nicht das Hutschenreuther genommen hast, um wenigstens irgendetwas erworben zu haben. Diesmal scheint dir nichts, keine Freude vergönnt zu sein, zwei von vier Tagen waren ein Totalverlust, abgesehen von dem Telefonat gerade eben, und das ist auch vorbei.

Gut, das englische Silberservice, das war passabel, aber einerseits musst du hier ja aus irgendwas trinken, und andererseits kann man nicht von dir erwarten, dass du den Tee aus einer Thermoskanne trinkst. Die Bekannte, bei der du bist, hat nun mal leider keinen Sinn für Tee und die unverzichtbaren Behältnisse. Insofern steht das Service auf einer Stufe mit einer im Urlaub gekauften Zahnbürste. Oder ein wenig drunter, denn zu Teekanne, Zucker und Milch musstest du auch noch die Kaffeekanne nehmen, und was bitte willst du mit einer Kaffeekanne? Vielleicht ab und an den Kakao im Winter, oder Wasser für die heisse Zitrone; ein Stilbruch bleibt es allemal. Stellen wir also fest: Bisherige Ausbeute ein unperfektes Gebrauchsgerät, genau betrachtet.
Und während sich deine Stimmung zunehmend verschlechtert, machst du dich daran, den Laden zu verlassen. Du gehst an der Stelle vorbei, an der gerade noch ihr Lachen in deinem Ohr erklang - und da steht er. Hast du doch glatt was übersehen, vor lauter Hobeln des Süssholzbaumes. Völlig verdreckt, sicher lange Zeit wenig sorgsam behandelt, steht da ein englischer achteckiger Teatable aus Mahagoni. Mit angehobenen Kanten, was wunderbar praktisch auch für den letzten Hoghel - bayerisch für Vollproll - ist. Denn die Kanten verhindern, dass man die Unterarme auf den Tisch knallt, sie zwingen, Hände und Arme in graziösem Spiel über dem Tisch zu führen. An dieser Sorte Teatable kann man gar keine falsche Haltung einnehmen, oder man bekommt mehr blaue Flecken an den Armen als nach einer Nacht mit Villons fetter Margot.
Der Tisch hat einen geschnizten, dreibeinigen Balusterfuss, und die Beine laufen in zoomorphen Enden aus. Du rubbelst am Dreck und den Teeflecken auf der Platte, in einem der geschnitzten Öffnungen der Kante steckt noch etwas Weisses, du piekst rein, und eine kleine, runde Pille fällt heraus. Der Händler hat dein Interesse bemerkt und erklärt dir, dass die Vorbesitzerin jetzt keine Pillen mehr braucht, ihre Erben zerschlagen gerade den Grunewalder Haushalt, da kommt auch noch mehr, wenn er es sich denn leisten kann, denn billig ist das nicht - und er nennt einen Preis, der völlig überzogen ist und an Dreistigkeit nur noch von deinem Angebot übertroffen wird. Ihr einigt euch auf eine "Alter Habibi wir kennen uns schon so lang"- Summe knapp über dem, was besserer Ikeamüll kostet, und damit erhält der Tisch einen neuen Besitzer, der ab-so-lut keine Ahnung hat, wo er den noch hinstellen soll.

Aus einer Laune heraus beendest du damit den Raubzug und gehst, weil du dort noch nie warst, auf den alten Kreuzberger Friedhof. Über den Hügel hinweg verläuft eine Mauer, an der die Repräsentationssucht der Berliner Wurst- und Bierfabrikanten ein letztes Mal fröhliche Urstände feierte. Für teures Geld gekauft, gebaut, eine Weile benutzt und dann verkommen lassen. Niemand kümmert sich um stürzende Steine oder durchgerostete Eisengitter. Betrauert und beweint, steht bei einigen Namen, aber auch die Auftraggeber dieser Zeilen sind längst irgendwo da unten, und die Nachfolgenden haben keinerlei Interesse mahr an dem alten Plunder.
Du denkst an die alte Frau, der dieser unsagbar arrogante Teatable gehört hat, und daran, dass sie vielleicht verzweifelt versucht hat, den Erben diese Trümmer ihrer Existenz ans Herz zu legen. Aber man kann nichts an eine Stelle legen, an der nichts ist, und alle Versprechen wirkten nicht so sehr wie die lausigen 20 Euro, die sie dafür bekommen haben dürften. Vielleicht war sie eine dieser nervösen alteren Personen, die tags auf 10 Thommies und nachts auf 5 Schlaftabletten laufen und genaugenommen nicht an Altersschwäche, sondern an Tablettensucht sterben, alleine und verbittert bei dem Gedanken, dass die Enkelin das Geld später auf Malle verjuxt.
Überall fallen Blätter. Du bist ganz allein auf dem riesigen Areal, mit vielen Toten, deren Geschichte keiner mehr kennt. Und du nimmst dir vor, dass du die erste Frau, die an dem Teatable Platz nehmen wird, und sei sie auch wildfremd, blond, dürr wie eine Nordlandtanne und Juristin, später auf den Seidenteppich ziehen wirst. Für dein Leben, für deine Geschichte, für die Lust und das Leben. Und in dem Zusammenhang war es doch gut, diese ideale, imposante Teekanne zu kaufen. Oder glaubt jemand ernsthaft, dass Beuteltee aus dem Keramikeimer auf Frauen anregend wirkt?
Dann, viel zu früh und ohne konkrete Versprechungen, klingt es im Unbestimmten aus, und langsam kommt die Berliner Realität in dein Bewusstsein zurück. Eine Realität, die diesmal nur wenig zu bieten hatte. Es ist kaum Angebot nachgewachsen, hier und da eine Petitesse, aber selbst das Mittelmass ist rar geworden. Und das, weshalb du eigentlich gekommen bist, gibt es nicht. Statt dessen blieben drei Türen zu früheren Quellen verschlossen - für immer. Die Händler jammern laut und viel über den Niedergang ihres Standes; es scheint, dass Berlin bald ausgeblutet ist.
Nochmal gehst du durch den langen Schlauch der Räume voll mit wenig ansprechenden Historismusschnörkeln und ramponierten Stilmöbeln bedauerst schon fast, dass du vorher nicht das Hutschenreuther genommen hast, um wenigstens irgendetwas erworben zu haben. Diesmal scheint dir nichts, keine Freude vergönnt zu sein, zwei von vier Tagen waren ein Totalverlust, abgesehen von dem Telefonat gerade eben, und das ist auch vorbei.

Gut, das englische Silberservice, das war passabel, aber einerseits musst du hier ja aus irgendwas trinken, und andererseits kann man nicht von dir erwarten, dass du den Tee aus einer Thermoskanne trinkst. Die Bekannte, bei der du bist, hat nun mal leider keinen Sinn für Tee und die unverzichtbaren Behältnisse. Insofern steht das Service auf einer Stufe mit einer im Urlaub gekauften Zahnbürste. Oder ein wenig drunter, denn zu Teekanne, Zucker und Milch musstest du auch noch die Kaffeekanne nehmen, und was bitte willst du mit einer Kaffeekanne? Vielleicht ab und an den Kakao im Winter, oder Wasser für die heisse Zitrone; ein Stilbruch bleibt es allemal. Stellen wir also fest: Bisherige Ausbeute ein unperfektes Gebrauchsgerät, genau betrachtet.
Und während sich deine Stimmung zunehmend verschlechtert, machst du dich daran, den Laden zu verlassen. Du gehst an der Stelle vorbei, an der gerade noch ihr Lachen in deinem Ohr erklang - und da steht er. Hast du doch glatt was übersehen, vor lauter Hobeln des Süssholzbaumes. Völlig verdreckt, sicher lange Zeit wenig sorgsam behandelt, steht da ein englischer achteckiger Teatable aus Mahagoni. Mit angehobenen Kanten, was wunderbar praktisch auch für den letzten Hoghel - bayerisch für Vollproll - ist. Denn die Kanten verhindern, dass man die Unterarme auf den Tisch knallt, sie zwingen, Hände und Arme in graziösem Spiel über dem Tisch zu führen. An dieser Sorte Teatable kann man gar keine falsche Haltung einnehmen, oder man bekommt mehr blaue Flecken an den Armen als nach einer Nacht mit Villons fetter Margot.
Der Tisch hat einen geschnizten, dreibeinigen Balusterfuss, und die Beine laufen in zoomorphen Enden aus. Du rubbelst am Dreck und den Teeflecken auf der Platte, in einem der geschnitzten Öffnungen der Kante steckt noch etwas Weisses, du piekst rein, und eine kleine, runde Pille fällt heraus. Der Händler hat dein Interesse bemerkt und erklärt dir, dass die Vorbesitzerin jetzt keine Pillen mehr braucht, ihre Erben zerschlagen gerade den Grunewalder Haushalt, da kommt auch noch mehr, wenn er es sich denn leisten kann, denn billig ist das nicht - und er nennt einen Preis, der völlig überzogen ist und an Dreistigkeit nur noch von deinem Angebot übertroffen wird. Ihr einigt euch auf eine "Alter Habibi wir kennen uns schon so lang"- Summe knapp über dem, was besserer Ikeamüll kostet, und damit erhält der Tisch einen neuen Besitzer, der ab-so-lut keine Ahnung hat, wo er den noch hinstellen soll.

Aus einer Laune heraus beendest du damit den Raubzug und gehst, weil du dort noch nie warst, auf den alten Kreuzberger Friedhof. Über den Hügel hinweg verläuft eine Mauer, an der die Repräsentationssucht der Berliner Wurst- und Bierfabrikanten ein letztes Mal fröhliche Urstände feierte. Für teures Geld gekauft, gebaut, eine Weile benutzt und dann verkommen lassen. Niemand kümmert sich um stürzende Steine oder durchgerostete Eisengitter. Betrauert und beweint, steht bei einigen Namen, aber auch die Auftraggeber dieser Zeilen sind längst irgendwo da unten, und die Nachfolgenden haben keinerlei Interesse mahr an dem alten Plunder.
Du denkst an die alte Frau, der dieser unsagbar arrogante Teatable gehört hat, und daran, dass sie vielleicht verzweifelt versucht hat, den Erben diese Trümmer ihrer Existenz ans Herz zu legen. Aber man kann nichts an eine Stelle legen, an der nichts ist, und alle Versprechen wirkten nicht so sehr wie die lausigen 20 Euro, die sie dafür bekommen haben dürften. Vielleicht war sie eine dieser nervösen alteren Personen, die tags auf 10 Thommies und nachts auf 5 Schlaftabletten laufen und genaugenommen nicht an Altersschwäche, sondern an Tablettensucht sterben, alleine und verbittert bei dem Gedanken, dass die Enkelin das Geld später auf Malle verjuxt.
Überall fallen Blätter. Du bist ganz allein auf dem riesigen Areal, mit vielen Toten, deren Geschichte keiner mehr kennt. Und du nimmst dir vor, dass du die erste Frau, die an dem Teatable Platz nehmen wird, und sei sie auch wildfremd, blond, dürr wie eine Nordlandtanne und Juristin, später auf den Seidenteppich ziehen wirst. Für dein Leben, für deine Geschichte, für die Lust und das Leben. Und in dem Zusammenhang war es doch gut, diese ideale, imposante Teekanne zu kaufen. Oder glaubt jemand ernsthaft, dass Beuteltee aus dem Keramikeimer auf Frauen anregend wirkt?
donalphons, 13:22h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Dienstag, 18. Oktober 2005
Dirt Picture Contest will never end
Du kannst machen was du willst: Dem Dreck wirst du nie entgehen. Der Schmutz ist nicht omnipräsent, die Stadt geht nicht einfach in den Abfall über. Die Stadt selbst ist, mit allem was drin steht und sich bewegt, der Müll. Es wird nur an einigen Stellen besser sichtbar als anderswo. So, dass es eigentlich jeder ausser den Berlinern sieht, etwa, wenn einem Hinterhof die schützende Mauer zur Strasse fehlt.

Dagegen kann man nicht ansanieren, dagegen kann man keinen Regierungsmaschinerie mit ein paar tausend Wochenendheimfliegern einbauen, denn der Dreck ist eine Erscheinungs- und Verwirklichungsform der hiesigen Slumbewohner, den meisten fällt es schon gar nicht mehr auf, ist halt so, das stimmt so, das war noch nie anders. Man kann nichts dagegen tun, man kann daran allenfalls zugrunde gehen und sterben, aber selbst dann geht es weiter. Es gibt keinen Zerfall in Würde, das lässt die Verordnung auch nicht zu, sondern einfach nur die nächste Müllhalde.

Und denen, die unter dem Müll verrotten, kommen neue Schmutzvermehrer nach, es wird immer so weitergehen, nie hat das ein Ende, nicht einmal eine Pest könnte es ändern, denn obwohl der dafür nötige Dreck da ist - die hier sind inzwischen resistent gegen ihre Verwahllosung, und bis jemand kommt und sie mit einer milliardenschweren Aktion zur Schmierung inkompetenter Verwaltungsstellen rettet, halten sie auch eine Seuche locker aus.

Dagegen kann man nicht ansanieren, dagegen kann man keinen Regierungsmaschinerie mit ein paar tausend Wochenendheimfliegern einbauen, denn der Dreck ist eine Erscheinungs- und Verwirklichungsform der hiesigen Slumbewohner, den meisten fällt es schon gar nicht mehr auf, ist halt so, das stimmt so, das war noch nie anders. Man kann nichts dagegen tun, man kann daran allenfalls zugrunde gehen und sterben, aber selbst dann geht es weiter. Es gibt keinen Zerfall in Würde, das lässt die Verordnung auch nicht zu, sondern einfach nur die nächste Müllhalde.

Und denen, die unter dem Müll verrotten, kommen neue Schmutzvermehrer nach, es wird immer so weitergehen, nie hat das ein Ende, nicht einmal eine Pest könnte es ändern, denn obwohl der dafür nötige Dreck da ist - die hier sind inzwischen resistent gegen ihre Verwahllosung, und bis jemand kommt und sie mit einer milliardenschweren Aktion zur Schmierung inkompetenter Verwaltungsstellen rettet, halten sie auch eine Seuche locker aus.
donalphons, 01:18h
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Hoch & geschlossen
Allerdings vorerst wohl nur kurzfristig, will man, durch entsprechende Erfahrungen und stundenlange Fahrten zu nicht mehr existenten Antiquitätenläden gewitzt geworden, dem Zettel an der Tür glauben.

Sollte man auch - wenn es zu Ende geht, ist meist auch kein Geld für den Strom mehr da. Little Hint: Bei dem Top links wäre ich nicht nur als alter DCT-Veteran auch für hochgeschlossen zu erwärmen.

Sollte man auch - wenn es zu Ende geht, ist meist auch kein Geld für den Strom mehr da. Little Hint: Bei dem Top links wäre ich nicht nur als alter DCT-Veteran auch für hochgeschlossen zu erwärmen.
donalphons, 00:06h
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Die Heuschrecke im Kopf.
Ach, war das eine Hetz. Wie haben sie nicht auf Münte eingeprügelt, als er von Heuschrecken sprach. Sogar antisemitisch soll das gewesen sein, schrieb jemand, und weil er Jude ist, schrieben das alle anderen ab, die lieben Kollegen. Und jetzt geht es der Berliner Zeitung an den Kragen, die Johurnaille sieht sich mit dem immer von ihr geforderten Reformbemühungen konfrontiert, mit den Ansprüchen eines globalisierten Marktes, mit den ganzen Phrasen aus der Trickkiste der Bergers, Stoibers und Späths - nur dass die jetzt einmarschierenden Leute von 3i das nicht nur sagen, sondern auch genauso meinen, und durchziehen. Und nachdem geplant ist, eine ganze Kette durch Zukäufe aufzuziehen, spürt der Pressestrichsteher einen eisigen Wind unter dem eigenen Röcklein.
Und plötzlich darf man Heuschrecken sagen. Antisemitisch? Aber nie! Und man rekapituliert nicht, wer alles bei 3i dabei ist, ist jetzt ja für den guten Zweck, die gute deutsche Presselandschaft mit ihrem publizistischen Anspruch, der muss natürlich gerettet werden, der - und das Fressen seiner korrupten Produzenten - ist was ganz anderes als so ein Arbeitsplatz in einer strukturschwachen Region, bei dem man auf die unvermeidlichen Kräfte des Marktes hinweisen musste, allzu schlüssig waren die Argumente, die schwarze Lobbyisten bei Christiansen verbreiteten. Ach so, und: Ist Holtzbrinck nicht neben Burda Marktführer in rabenschwarzer Wirtschaftspublizistik?
Mir mag scheinen, da kriegt jemand die Medizin, die er anderen verschreiben wollte. Na los, Berliner Verlag, schluck runter, ist gesund, ganz sicher...
Und plötzlich darf man Heuschrecken sagen. Antisemitisch? Aber nie! Und man rekapituliert nicht, wer alles bei 3i dabei ist, ist jetzt ja für den guten Zweck, die gute deutsche Presselandschaft mit ihrem publizistischen Anspruch, der muss natürlich gerettet werden, der - und das Fressen seiner korrupten Produzenten - ist was ganz anderes als so ein Arbeitsplatz in einer strukturschwachen Region, bei dem man auf die unvermeidlichen Kräfte des Marktes hinweisen musste, allzu schlüssig waren die Argumente, die schwarze Lobbyisten bei Christiansen verbreiteten. Ach so, und: Ist Holtzbrinck nicht neben Burda Marktführer in rabenschwarzer Wirtschaftspublizistik?
Mir mag scheinen, da kriegt jemand die Medizin, die er anderen verschreiben wollte. Na los, Berliner Verlag, schluck runter, ist gesund, ganz sicher...
donalphons, 13:42h
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Neu in Don Alphonsos kleinem Watschenwäldchen:
Die Minsterdebatte! Nachdem einige ja schon vorgeprescht sind und off topic die mininkontinenten Krampfaderngeschwader debattieren, darf das auch hier geschehen. Sind 7 bei einer Nanny abgeladene Blagen im Herrenhaus der richtige Erfahrungsschatz für alleinerziehende Mütter im Wedding? Was will denn der Herr Schäuble in einem Ressort, das sich gegen Korruption betätigt - ausser vielleicht nochmal Bürobesuch mit Umschlägen? Und welche Irrsinnsprojekte im Bereich NE zettelt der einschlägig vorbeschriebene Ähde an? Zumal ich sowieso eigentlich nicht da bin - da ist was mit einer gewissen Fischer2.0-Person, ich bitte in dem Punkt also um Zurückhaltung, nicht dass der Pressereferent mich killt.
donalphons, 13:19h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Sonntag, 16. Oktober 2005
History goes in Circles
and all perfect circles go in spirals, losing one cycle when spinning. Am 19. Oktober ist die Lesung im "Lass uns Freunde bleiben". Zufall, aber irgendwo auch beängstigend. Wie in einem drittklassigen symbolistischen Roman.
donalphons, 22:58h
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Ich beklage mich nicht.
Um 5 Uhr aufstehen ist auch nach ein paar Monaten Provinzleben unglaublich hart. Es geht halt nicht anders. Also die Knochen ein- und die Kleider aufgesammelt, ab ins Auto und los in die noch tiefschwarze Nacht auf die fast leere Autobahn. Zwei Stunden später geht die Sonne über den nebligen Hügeln Thüringens auf, und es verspricht ein schöner Tag zu werden.

50 Kilometer vor Berlin sind im Osten die ersten Wolken zu sehen, und als ich ankomme, ist es arschkalt und stark bewölkt. Hey, ich meine, 470 Kilometer Sonne, nichts als Sonne, überall ist es schön, und der einzige miese Fleck ist dieses dreckige Slum, das dann auch noch den Beweis antritt, dass immer noch zu viel Stütze bezahlt wird, denn die haben hier immer noch Autos, ohne damit umgehen zu können.

Ein Typ versucht sich bei zwei besetzten Spuren, wovon ich die linke mit einem nun wirklich breiten, schweren Wagen blockiere, rechts vorbeizudrängeln. Ich mache die Tür seelenruhig zu, wie man das so auf den Kurvenstrecken des Altmühltals im Kampf gegen den Golfclub Geisenfeld lernt. Er hupt, drängelt, und als ich ihn noch immer nicht vorbeilasse - wie auch? fängt er an, irgendetwas an der Konsole zu fummeln. Die Musik passt wohl nicht. Ich schaue wieder nach vorne, und der Typ vor mir bremst, weil die Ampel rot ist. Kein Problem, bis mir einfällt, dass da durchaus ein Problem ist- ein abgelenkter irren Drängler hinter mir.
Der Gott der Eisen wachsen liess, sorgt zum Glück auch für Endorphine und die Konstruktion eines ausreichend starken Motors. Runter von der Bremse, rauf aufs Gas und mit der Kraft von übr 200 Pferden rüber auf die Linksabbiegerspur. Der Gott der Eisen wachsen liess hasst wohl Plastik, denn der Typ hinten wird schnell zum Typ daneben mit quietschenden Bremsen, und dann werden die Plastikteile an seiner Front an der Hinterkante meines früheren Vordermannes um ein paar Zentimeter verkürzt.
Und so stehe ich dann auf einer belebten Strasse in Mitte und höre weg, als das Gekeife los geht. Ich betrachte die Reste einer über den Haufen gefahrenen Taube und gebe mir Mühe, möglicht nicht zu denken, damit das hier nicht mit meiner tätigen Mithilfe a la facon bavarese geregelt wird. Ich bin in einer grossartigen Stimmung und bereit für ein Tänzchen, als der Typ mich auch noch berlinerd ankeift, obwohl er einen halben Kopf kleiner ist und Brille trägt. Da macht sowas erst richtig Spass. Dann kommt endlich die Polizei und verhindert, dass ich mein Phlegma unterbreche.
Ich sage, was ich erlebt habe, lasse mich vom Verursacher als dreckiger Lügner beschimpfen, und fahre weiter nach Schöneberg. An einer Kreuzung beschimpft mich ein Scheibenwäscher, weil ich seine Dienste ablehne. Später steige ich aus, gehe ein paar Meter, da hält neben mir ein Bus. Die Tür geht auf, ein Behinderter stellt sein Rollwägelchen auf die Strasse, da wird er von hinten von einer fetten Mama angerempelt, der es nicht schnell genug geht. Also kippt er um und mir quasi in die Arme. Ich schäme mich etwas, als er sich bedankt, denn das waren nur Reflexe und eigentlich bin ich schon längst wieder so weit, dass ich sofort zurück nach Bayern möchte, fliehen, alles stehen und liegen lassen, auch ihn, der schon um 11 Uhr erheblich getrunken haben muss. Die fette Mama ist derweilen verschwunden.

Eine paar Ecken weiter sagt jemand "Guten Abend" zu mir; ein hagerer, abgrissener Typ in Schwarz. Instinktiv erwidere ich seinen Gruss und sage "Guten Tag", wie es sich gehört. Er stellt mir sinngemäss die Frage, was das soll und ob ich ihn veräppeln will, es ist schon Nacht, alles dunkel, und wenn ich so weiter mache, hetzt er den Hund auf mich. Es ist noch nicht mal Mittag.
Um die Ecke ist einer meiner Lieblingsfalafel. Der Maestro erkennt mich sofort wieder, wir wechseln ein paar nette Worte, und ich gebe ihm die 2,50 Euro. Er sieht mich etwas bedenklich an und sagt, dass es jetzt nur noch 1,80 kostet, Sonderaktion wegen dere Konkurrenz, und dann erzählt er etwas über die Zeiten, die für ihn immer schlechter werden. Und ich frage mich, wie sich das alles rechnen soll für ihn, der den Falafel noch mit der Hand zubereitet, und sage, dass es so stimmt.

Ich setze mich in mein Auto und denke daran, dass es zurück in weniger als drei Stunden zu schaffen ist, dass ich von dem allem hier eigentlich gar nichts wissen will, ich bin hier ein Fremder, ich will nur etwas Abwechslung von den Indian Summer Days und den Kabbalen der besseren Gesellschaft, ihren schlechteren Kindern und den Konzertabenden, die einfach nicht so enden wollen , wie es der eigenen Ausgewogenheit zuträglich wäre. Aber da sind neben den Hoffnungen auf einige nette Dates noch zwei Katzen, die ich hier zumindest einen Nacht und einen Tag hüten muss, also fahre ich weiter zu dem Haus mit der grossen Eingangshalle. Die mal wieder erbärtmlich nach Menschenpisse stinkt, denn daneben ist eine angesagte Location.
Ich hasse diese Stadt. Ich habe vergessen, wie sehr ich sie hasse, weil ich einfach nicht mehr an sie gedacht habe. Jetzt bin ich da, in einem Internetcafe, in dem das Internet 0,50 Euro pro Stunde und die Alcopops 0,99 Euro kosten. Die Leute hier brauchen das wohl als Fluchtmöglichkeit, und ich kann es verstehen.
eigentlich wollte ich ja was nettes schreiben. ich habe es mir gestern abend fest vorgenommen. aber da ist nichts nettes. nur einiges, was ich weggelassen habe. Nichts im Vergleich zu dem hier - und das ist immerhin eine frau, wegen deren beschallung ich hier bin.

50 Kilometer vor Berlin sind im Osten die ersten Wolken zu sehen, und als ich ankomme, ist es arschkalt und stark bewölkt. Hey, ich meine, 470 Kilometer Sonne, nichts als Sonne, überall ist es schön, und der einzige miese Fleck ist dieses dreckige Slum, das dann auch noch den Beweis antritt, dass immer noch zu viel Stütze bezahlt wird, denn die haben hier immer noch Autos, ohne damit umgehen zu können.

Ein Typ versucht sich bei zwei besetzten Spuren, wovon ich die linke mit einem nun wirklich breiten, schweren Wagen blockiere, rechts vorbeizudrängeln. Ich mache die Tür seelenruhig zu, wie man das so auf den Kurvenstrecken des Altmühltals im Kampf gegen den Golfclub Geisenfeld lernt. Er hupt, drängelt, und als ich ihn noch immer nicht vorbeilasse - wie auch? fängt er an, irgendetwas an der Konsole zu fummeln. Die Musik passt wohl nicht. Ich schaue wieder nach vorne, und der Typ vor mir bremst, weil die Ampel rot ist. Kein Problem, bis mir einfällt, dass da durchaus ein Problem ist- ein abgelenkter irren Drängler hinter mir.
Der Gott der Eisen wachsen liess, sorgt zum Glück auch für Endorphine und die Konstruktion eines ausreichend starken Motors. Runter von der Bremse, rauf aufs Gas und mit der Kraft von übr 200 Pferden rüber auf die Linksabbiegerspur. Der Gott der Eisen wachsen liess hasst wohl Plastik, denn der Typ hinten wird schnell zum Typ daneben mit quietschenden Bremsen, und dann werden die Plastikteile an seiner Front an der Hinterkante meines früheren Vordermannes um ein paar Zentimeter verkürzt.
Und so stehe ich dann auf einer belebten Strasse in Mitte und höre weg, als das Gekeife los geht. Ich betrachte die Reste einer über den Haufen gefahrenen Taube und gebe mir Mühe, möglicht nicht zu denken, damit das hier nicht mit meiner tätigen Mithilfe a la facon bavarese geregelt wird. Ich bin in einer grossartigen Stimmung und bereit für ein Tänzchen, als der Typ mich auch noch berlinerd ankeift, obwohl er einen halben Kopf kleiner ist und Brille trägt. Da macht sowas erst richtig Spass. Dann kommt endlich die Polizei und verhindert, dass ich mein Phlegma unterbreche.
Ich sage, was ich erlebt habe, lasse mich vom Verursacher als dreckiger Lügner beschimpfen, und fahre weiter nach Schöneberg. An einer Kreuzung beschimpft mich ein Scheibenwäscher, weil ich seine Dienste ablehne. Später steige ich aus, gehe ein paar Meter, da hält neben mir ein Bus. Die Tür geht auf, ein Behinderter stellt sein Rollwägelchen auf die Strasse, da wird er von hinten von einer fetten Mama angerempelt, der es nicht schnell genug geht. Also kippt er um und mir quasi in die Arme. Ich schäme mich etwas, als er sich bedankt, denn das waren nur Reflexe und eigentlich bin ich schon längst wieder so weit, dass ich sofort zurück nach Bayern möchte, fliehen, alles stehen und liegen lassen, auch ihn, der schon um 11 Uhr erheblich getrunken haben muss. Die fette Mama ist derweilen verschwunden.

Eine paar Ecken weiter sagt jemand "Guten Abend" zu mir; ein hagerer, abgrissener Typ in Schwarz. Instinktiv erwidere ich seinen Gruss und sage "Guten Tag", wie es sich gehört. Er stellt mir sinngemäss die Frage, was das soll und ob ich ihn veräppeln will, es ist schon Nacht, alles dunkel, und wenn ich so weiter mache, hetzt er den Hund auf mich. Es ist noch nicht mal Mittag.
Um die Ecke ist einer meiner Lieblingsfalafel. Der Maestro erkennt mich sofort wieder, wir wechseln ein paar nette Worte, und ich gebe ihm die 2,50 Euro. Er sieht mich etwas bedenklich an und sagt, dass es jetzt nur noch 1,80 kostet, Sonderaktion wegen dere Konkurrenz, und dann erzählt er etwas über die Zeiten, die für ihn immer schlechter werden. Und ich frage mich, wie sich das alles rechnen soll für ihn, der den Falafel noch mit der Hand zubereitet, und sage, dass es so stimmt.

Ich setze mich in mein Auto und denke daran, dass es zurück in weniger als drei Stunden zu schaffen ist, dass ich von dem allem hier eigentlich gar nichts wissen will, ich bin hier ein Fremder, ich will nur etwas Abwechslung von den Indian Summer Days und den Kabbalen der besseren Gesellschaft, ihren schlechteren Kindern und den Konzertabenden, die einfach nicht so enden wollen , wie es der eigenen Ausgewogenheit zuträglich wäre. Aber da sind neben den Hoffnungen auf einige nette Dates noch zwei Katzen, die ich hier zumindest einen Nacht und einen Tag hüten muss, also fahre ich weiter zu dem Haus mit der grossen Eingangshalle. Die mal wieder erbärtmlich nach Menschenpisse stinkt, denn daneben ist eine angesagte Location.
Ich hasse diese Stadt. Ich habe vergessen, wie sehr ich sie hasse, weil ich einfach nicht mehr an sie gedacht habe. Jetzt bin ich da, in einem Internetcafe, in dem das Internet 0,50 Euro pro Stunde und die Alcopops 0,99 Euro kosten. Die Leute hier brauchen das wohl als Fluchtmöglichkeit, und ich kann es verstehen.
eigentlich wollte ich ja was nettes schreiben. ich habe es mir gestern abend fest vorgenommen. aber da ist nichts nettes. nur einiges, was ich weggelassen habe. Nichts im Vergleich zu dem hier - und das ist immerhin eine frau, wegen deren beschallung ich hier bin.
donalphons, 21:31h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Sonntag, 16. Oktober 2005
Weiss und Gelb,
die Kirchenfarben, sind die klassischen Farben für die Häuser hier. Wir man Häuser immer nur weiss streichen mag, werde ich nie verstehen.

Das hier wird wieder strahlend gelb. Und überhaupt. Der Sohn der Besitzer war typisch für seine und meine Schicht, und hat es jetzt wohl zu Geld gemacht. Der neue Besitzer geht besser damit um.

Das hier wird wieder strahlend gelb. Und überhaupt. Der Sohn der Besitzer war typisch für seine und meine Schicht, und hat es jetzt wohl zu Geld gemacht. Der neue Besitzer geht besser damit um.
donalphons, 01:31h
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Real Life 15.10.05 - Der Motor ist tuckert,
und die Scheiben sind beschlagen. Das Licht ist noch an, aber er steht auf der Bremse, die ganze Zeit, als du vom Parkplatz die lange, alte Handelsstrasse herunterkommst, die von hier direkt nach Italien führt, Verona, Siena, Rom, den Norden mit dem Mittelmeer verbindet, genau auf halbem Weg zwischen Spree und Po. Da steht er also, eingefroren in Raum und Zeit und rührt sich nicht. Denn es ist nichts vorbei und nichts hat angefangen, es ist schon verdammt spät, 4 Uhr, und es gibt noch keine Entscheidung, wie es enden wird.

Du magst den Typ nicht, der dieses Auto normalerweise fährt. Nicht ganz umsonst hast du ihn zuerst jemandem in deinem Buch zugeordnet, den du nicht leiden konntest, weder ihn noch seine literarische Umsetzung. Aber du hast dem Auto die Gelegenheit zu einer Wandlung gegeben, das Auto schafft es am Ende mit dem letzten Überlebenden, der Munich Area zu entgehen. Was auch nicht gerecht war, aber warum muss es immer gerecht zugehen. Dass du jetzt hier bist und nicht woanders, ist auch nicht gerecht.
So ein Auto ändert nichts am immer gleichen Fluch dieser späten Stunde, zu der man nie weiss, wie es ausgehen wird. Das heisst, du weisst es natürlich, du hast es gerade hautnah erfahren dürfen, deshalb gehst du ja gerade allein durch diese kalte Nacht, die Strasse hinunter und denkst darüber nach, wie es wohl in Italien in einem Hotelzimmer ausgegangen wäre, wo sie nicht so einfach sagen kann, dass sie dir den Heimweg heute Nacht noch ohne allzu grosse Gewissenbisse zumutet. Als du an dem Wagen vorbei gehst und drin die idealtypische, lokale Blondine ist, dieser kräftige, robuste Typ des Südens, der nie nordisch-schweinchenrosa ist, da wünscht du dem Typ am Steuer, dass es anders ausgehen mag.
Dann gehst du die Seitenstrasse hinunter, an deren Beginn einst ein - der Literatur zufolge - verzweifelter Sucher wohnte, der es hier nicht lange ausgehalten hat, weiterzog und dann unter den Goethe geriet; du gehst weiter über das alte Kopfsteinpflaster vorbei an den Angeberbauten der Kuttenbrunzer, um dann am Ende zu dem Haus zu kommen, in dem ein Kriegsverbrecher verrochelte, so viel Elend und Abschaum auf einen Fleck, all das in dieser einsamen Nacht, und über dir funkelt die kalte Pracht des klaren Sternenhimmels. Man sieht ihn oft hier, ganz anders als in dem Berlin, in das du in - moment - eigentlich 23 Minuten, um 5 Uhr fahren wolltest, aber das kannst du jetzt knicken, prima.
Es ist finster an der Haustür, als du nach dem richtigen Schlüssel suchst, schwierig, wenn man an drei Orten lebt und 20 Schlüssel hat, aber da vorn kommt ein Wagen und taucht die Strasse in gleissendes Licht. Du findest den Schlüssel, sperrst auf, betrittst den Gang mit seinen jahrhundertealten Marmorplatten, über die sie damals den sterbenden Kriegsverbrecher mit dem brandigen, zerschmetterten Schenkel zum Verrecken nach oben getragen haben, und als du die Tür schliesst, siehst du, dass draussen der einsame, silberne TT vorbeifährt. Langsam, sehr langsam.

Du magst den Typ nicht, der dieses Auto normalerweise fährt. Nicht ganz umsonst hast du ihn zuerst jemandem in deinem Buch zugeordnet, den du nicht leiden konntest, weder ihn noch seine literarische Umsetzung. Aber du hast dem Auto die Gelegenheit zu einer Wandlung gegeben, das Auto schafft es am Ende mit dem letzten Überlebenden, der Munich Area zu entgehen. Was auch nicht gerecht war, aber warum muss es immer gerecht zugehen. Dass du jetzt hier bist und nicht woanders, ist auch nicht gerecht.
So ein Auto ändert nichts am immer gleichen Fluch dieser späten Stunde, zu der man nie weiss, wie es ausgehen wird. Das heisst, du weisst es natürlich, du hast es gerade hautnah erfahren dürfen, deshalb gehst du ja gerade allein durch diese kalte Nacht, die Strasse hinunter und denkst darüber nach, wie es wohl in Italien in einem Hotelzimmer ausgegangen wäre, wo sie nicht so einfach sagen kann, dass sie dir den Heimweg heute Nacht noch ohne allzu grosse Gewissenbisse zumutet. Als du an dem Wagen vorbei gehst und drin die idealtypische, lokale Blondine ist, dieser kräftige, robuste Typ des Südens, der nie nordisch-schweinchenrosa ist, da wünscht du dem Typ am Steuer, dass es anders ausgehen mag.
Dann gehst du die Seitenstrasse hinunter, an deren Beginn einst ein - der Literatur zufolge - verzweifelter Sucher wohnte, der es hier nicht lange ausgehalten hat, weiterzog und dann unter den Goethe geriet; du gehst weiter über das alte Kopfsteinpflaster vorbei an den Angeberbauten der Kuttenbrunzer, um dann am Ende zu dem Haus zu kommen, in dem ein Kriegsverbrecher verrochelte, so viel Elend und Abschaum auf einen Fleck, all das in dieser einsamen Nacht, und über dir funkelt die kalte Pracht des klaren Sternenhimmels. Man sieht ihn oft hier, ganz anders als in dem Berlin, in das du in - moment - eigentlich 23 Minuten, um 5 Uhr fahren wolltest, aber das kannst du jetzt knicken, prima.
Es ist finster an der Haustür, als du nach dem richtigen Schlüssel suchst, schwierig, wenn man an drei Orten lebt und 20 Schlüssel hat, aber da vorn kommt ein Wagen und taucht die Strasse in gleissendes Licht. Du findest den Schlüssel, sperrst auf, betrittst den Gang mit seinen jahrhundertealten Marmorplatten, über die sie damals den sterbenden Kriegsverbrecher mit dem brandigen, zerschmetterten Schenkel zum Verrecken nach oben getragen haben, und als du die Tür schliesst, siehst du, dass draussen der einsame, silberne TT vorbeifährt. Langsam, sehr langsam.
donalphons, 17:43h
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