Sonntag, 30. Oktober 2005
Real Life 30.10.05 - Vorbesichtigung
Das Schicksal ist gnädig. Vom in Berlin erworbenen Mahagonitisch ist ein sehr viel kleineres Pendant da, stark beschädigt, weitaus weniger schön gearbeitet und das Limit dennoch schon fünf mal so hoch wie der Betrag, auf den du dich in der Bergmannstrasse eingelassen hast. Allerdings war vor sechs Wochen noch woanders ein englischer Schreibtisch, den du nicht genommen hast, und dessen kleiner Cousin hier will einen Preis, bei dem du leise zu japsen beginnst.

Weiter geht es in Richtung der Asiatika, wo in den Vitrinen, weit voneinander getrennt, Netsuke und Okimono lagern, umdrängt von den jüngeren Leuten. Viele sind es nicht, die Zeiten der Jungschönreichen sind definitiv vorbei, und am Ende wird doch ein Bieter den Zuschlag erhalten, der per Telefon aus Singapur, Tokio oder Schanghai das zurückkauft, was vor hundert Jahren als Schund für die Langnasen die Reise nach Westen antrat. Vor ein paar Monaten warst du mal dabei, als ein Anonymus per Telefon eine Gruppe deutscher Händler gnadenlos überboten hat, einmal, zweimal, dreimal, irgendwann hatten die Deutschen begriffen, dass da nichts zu machen ist. Der Seidenkimono, die Lackschränkchen, der Bergkristallbuddah, die Thaibronzen, die Fayencekacheln mit den obszönen darstellungen, selbst die späteren Kopien alter Holzschnitte werden den Weg zurück antreten in Länder, die von ihrer Kultur so gut wie nichts bewahrt haben und es sich nach einem Jahrhundert der kulturellen Vernichtung leisten können, Trümmer ihrer Geschichte im Ausland zurückzukaufen.
Du liest nur interessehalber die Preise, aber ganz gleich, was es ist, es ist jenseits von gut und böse. Eine nicht mehr ganz junge Frau in Burberry verliebt sich in einen kleinen, geschnitzten Töpfer aus Elfenbein, fragt nach dem Limit und gibt sich gegenüber ihrem Freund der Hoffnung hin, vielleicht, wenn alles klappt mit dem Weihnachtsgeld, eventuell im Nachverkauf... so hat jeder hier seine Ziele, Wünsche und Hoffnungen, alles hat seine Limits und Preise und Zuschläge und Steuern, nach unten führt hier kein Weg, ganz im Gegensatz zum Leben derjenigen, die hier noch arbeiten müssen. Doch die meisten sind alt genug, um sich den Errungenschaften der privaten Altersvorsorge hinzugeben. Da blättern sie in Katalogen, begaffen mit faltengerahmten Augen das matte Glas der geschwungenen Spiegel und überlegen, ob das gebrochen funkelnde Pärchen noch über die Kommoden passt, gleich neben das Kruzifix.
Und wenn es dann ausgemessen und das Los mit müden Bewegungen morscher Knochen ersteigert ist, so wird in den venezianischen Barockspiegeln mit ihrem Gold und Kristall noch lange Dekaden kein Liebhaber eine nackte Frau bewundern und sein Glück nicht begreifen, sie so sehen zu dürfen, aufrecht, rein, bar jeder Scham und dummen Moral, vielleicht wird der ein oder andere aus Unachtsamkeit fallen und nie mehr etwas anderes in die Welt zurückwerfen als welke Haut und missmutige Blicke; und die jahrhundertealte Reise wird enden auf dem Parkett einer Rentnerwohnung, in der die Gier nie etwas anderem galt als dem kläglich Wenigen, wenn alle Lust vergangen ist.
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Manche nennen es eine Case Study
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Samstag, 29. Oktober 2005
Munich Area Deal, Medientage aufm Weg zum Klo
Kurz: Bei Pro7/Sat1 verlassen manche Kleinnager das mutmasslich nach Berlin segelnde Schiff und wollen sich kostenlos kleine Ruderboote zimmern lassen, gern auch mit finanzieller Unterstützung ohne eigenes Risiko. Tags: Tags, Podcasts, Vlogs, Blogs, Location based, User generated Content on Demand.
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Real Life 28.10.05 - Es gäbe Alternativen.

Statt dessen hat die Ursache des Deals eine Vorliebe für Sushi, und auch schon einen Lieferanten für diesen japanischen Pattex auf Spülmittel- und Reisbasis. In der neuen Schrannenhalle, die angeblich ein neues Herz der Stadt sein soll und ein gnadenlos überfülltes Verbrechen aus Glas, Resopal, Dekomaterial und Spuren bayerischer Illusionsverarsche ist. So eine Art gehobenes Käferzelt von der Wiesn in der Downtown-Edition mit multicultural Food Enhancement.
Wohl dem, der oder die ein durchdringendes Organ hat.Kreischer durch die gefilterte Luft, alles so dezent und intim wie die Multi-User-Sexualpraktiken in einem japanischen Bordellviertel. Du stocherst missmutig in den Gemüsebrocken, die angeblich eine mediterrane Vorspeisenplatte sein sollen und doch nur wie das ein verklebtes Federvieh im Ölschlick einer Tankerkatastrophe schmecken. Überall um dich herum ist Junkfood für Besserverdiende und Geschmacklose, Shrimps aus der Dose, Austern fraglicher Herkunft, Thai-Crossover mit Viel und Teuer auf grossen Tellern und in kleinen Dosen, und alles eng zusammengerückt. Den anderen gefällt der Trubel, teilweise, der Boss ist doch etwas erkennbar angewidert, aber die Untergebenen finden es grossartig.
Am Nebentisch kippt eine Flasche Wein um, das Gekreische wird gross, und erst nach etwas Gedrängel schafft es das Rettungspersonal zum Ort der Katastrophe, wo längst alles rot und schmierig ist. Alles gafft hin, ein paar höhnische Lacher gibt es auch. Zum Glück hast du schon vorher betont, dass auch jetzt noch ein weiterer Termin ansteht, und nutzt die Chance, dich hinter dem Kellner und den Resten der japanisch-französisch-cajun-whatsoever-Tischbefüllung der Nebenleute aus dem Pandämonium herauszudrängeln, vorbei an den Andenkenständen der globalen Heimatlosigkeit, in die immer noch nicht kalte Münchner Abendluft.
Gegenüber, bei Fratelli, steht der Patron an der Tür und unterhält sich mit einer Frau, die dann mit dem Fahrrad wegfährt. Auch das gibt es noch in Cayenne City, BY.
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Samstag, 29. Oktober 2005
Die Munich Area leuchtete

hätte einen nicht heute einer doppelt angehupt, weil man auf dem Bürgersteig vor einer Garageneinfahrt stand und ihn, der da reinwollte, gerade nicht beachtete, weil man damit beschäftigt war, einem Bettler, wie es das Gesetz gerade an einem Freitag vorschreibt, etwas zu geben. Das kann die alte Sau im Mercedes nicht übersehen haben. Vielleicht war das heute sein letztes Abendrot, dann könnte ich damit leben, irgendwie.
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Tu, der Du eintrittst
Es ist wieder ein ruhiges, grosses Cafe, für die Tageszeit vielleicht ein wenig leer, es sind immer noch die gleichen Tische, das alte Leder auf den Bänken, und der so typische Hall der Stimmen im Raum, der Offenheit vorgaukelt und dennoch eine schützende Mauer um intime Gespräche aufbaut, wenn man sich nur weit genug nach vorne lehnt.

Auch diesmal geht es um das Netz, um die Nutzer und das, was sie ausmacht, um diese Parallelwelt ohne Regeln und Geschichte, und die Frage, ob sich das irgendwie fassen lässt. Nicht zum Ausbeuten, sondern für das Wissen, das erheblich besser sein könnte, wie auch die, die es bislang zu erhalten hofften. Ein neuer Anfang, ein anderer Ansatz, eine kleine Hütte an der Stadtmauer der Siedlung, die auf dem Trümmermeer all der Hoffnungen entstanden sind, die hier, genau zwei Tische weiter, ihren Ursprung haben.
Ich könnte vielleicht nachher ein paar von denen mal wieder anrufen, vielleicht haben sie noch ihre alten Nummern, aber auf dem Weg zum Auto kommt dann eine entgegen, die ich entfernt von früher kannte, den Medientage-Ausweis um den Hals, hoch aufgerichtet und die Auslagen des Antiquariats keines Blickes würdigend. Ich gehe rein, kaufe ein Buch über den Spätmanierismus in Rom, und schiebe die Frage beiseite, was wohl aus einer von denen damals wurde, für die es gerade verdammt knapp wird. Denn Garantien wie früher gibt es nirgends mehr, bei ihr, die genau auf dem Scheitelpunkt des Hypes, im Winter 1999 einstieg und jetzt erst fertig ist, schon überhaupt nicht, und wahrscheinlich sind die unendlich langen Vormittage voller zerbröselter Croissants in diesem Cafe für jeden von uns schal, vergeblich, ein Schatten in den Carcieri unseres vergangenen, unwiederbringlichen Lebens in den sieben falschen Kreisen.
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See you later Alligator
Sie: (Bild haltend)
Ich: So, passt.
Sie: (Bild reichend) Sag mal...
Ich: Ja?
Sie: Hast Du schon mal ein rosa Krokodil gesehen?
Ich: (erinnernd) Ja, schon gesehen.
Sie: Ah ja.
Sie: Magst Du vielleicht mal mein neues gelbes Krokodil sehen?
Hammer: (zu Parkettboden fallend) Plonk.
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Donnerstag, 27. Oktober 2005
Danke für die Bestätigung, SPON
Als ob das nicht schon genug Qualitäts-Johurnaille ist, wird der Beitrag auch noch mit diesem Bild garniert, einem Pressephoto der US Airforce, mit der Bildunterschrift: "Bunkerknacker vom Typ GBU-28: Pläne für kleinformatige Atomwaffen sind passé". So ein Pech aber auch: Die grossformatige Lenkbombe 28 muss man nicht mehr entwickeln, man kann die Entwicklung auch nicht einstellen, weil sie schon seit 1991 im Einsatz der amerikanischen Streitkräfte ist und mit Weiterentwicklungen in zwei Golfkriegen und einem Afghanistenkrieg zum Einsatz kam. Mit 350 Stück Sollbestand der Armee kann man auch kaum davon sprechen, dass sie passé ist.
Und der Sprengsatz, mit Verlaub, ist konventionelles Tritonal - nix atomar. Da hätte der Spon auch gleich ein Katapult abbilden können, das hätte genauso gepasst. Nur wäre es halt nicht so spektakulär gewesen wie das Bild einer Rakete - für eine Waffe, von der es keine Bilder geben kann, weil sie noch nicht mal entwickelt ist, wie der übersetzte Text eigentlich deutlich macht. Pfeifen.
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Wer den innovativen Begriff
Link bitte heftig klicken und dann feste kommentieren, der mark793 soll auch mal merken, wie es so als Grosspunkdiscobesitzer ist ;-)
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Nachbetrachtung zu den Medientagen
Insofern war die Debatte auf den Medientagen gestern sehr erholsam und fast schon liebenswert anachronistisch. Angesichts der eher durchschnittlichen Besucherzahl, von der man gerechterweise nochmal ein paar Freundeskreise abrechnen müsste, ist die Idee von den Blogs als heisser Scheiss, als das nächste grosse Ding in der Medienwelt hinfällig. Markwort war, wie ich bei der Suche nach der Technik sah, draussen und hatte was besseres zu tun. Wer dachte, vor einem Haufen Entscheider eine Präsi machen zu können, fand sich in einer typischen Runde einer niedergehenden Branche auf einem Kongress einer Munich Area wieder, deren beste Zeiten lange vorbei sind.
Mit Eck und Cords waren zwei Redner da, die etwas zu verkaufen hatten, und das entsprechend einbrachten. Dadurch drohte das Ganze zeitweise etwas in einen PR-Vertriebskanal abzurutschen, was m.E. nur bedingt die Aufgabe der Medientage ist. Cords brachte seine Kraft ordentlich aufs Parkett, wobei die Show besser war als die Thesen, denen es meines Erachtens an Argumenten gebrach. Ich muss ihm neidlos konzidieren, dass jedesmal mit ihm ordentlich Leben in die Bude kam. Eck, Schultheiss und Pain hatten ihre Themen und Punkte, die sie brav und mehr oder weniger nachvollziehbar abhandelten.
In dem Punkt war die Veranstaltung enorm "unbloghaft". Da sitzen sechs Leute vorne, teilweise wie Cords und Eck mit enorm divergierenden Meinungen in für sie zentralen Punkten, und trotzdem kommt keine Debatte auf. Statt dessen werden eher kühle Statements runtergerattert, von einer Begeisterung kommt wenig bis gar nichts rüber - und ist wohl auch nicht übermässig vorhanden. Die Einlassungen von Bildblogger Christoph Schultheiss waren, wenn man den Text von Stefan Niggemeier über das Bloggen kennt, merkwürdig unterkühlt.
Was mir - gerade angesichts des Umfelds der Medientage - enorm gefehlt hat, war die Debatte um Inhalte. Ich war der einzige auf dem Podium, der ein grösseres, normales "Tagebuch" ohne thematische Festlegung führt, weshalb das an mir hängen blieb. Wer schreibt was, wie wird geschrieben, welche Inhalte gehen, was treibt die Leute an, wie sehen die Lehren für den Journalismus aus, was kann man davon übernehmen, wie geht man mit den Lesern um, welche Kriterien gelten für sie, was ist ihnen egal, warum wird es gelesen, ist es ein Parallelraum zu den Medien, oder eine Kultur? Nach meiner Meinung muss darüber eine Debatte im Zentrum stehen, nicht nur als meine Thesen und Provokationen, denn nur, wenn man das versteht oder zumindest eine Ahnung hat, kann man über alle anderen Folgen von PR bis Deppweb2.0 sinnvoll reden. Da nehmen ein paar zehntausend Leute die Medien selbst in die Hand, kümmern sich einen Dreck um die Vorgaben des Medienbetriebs und machen einfach, aber genau das und seine Ursachen und Wirkungen war einfach kein Thema. Da wollte keiner auf dem Podium richtig einsteigen. Aber nur so erklären sich die Phänomene, auf deren Basis andere ihre Geschäfte machen wollen: Die immer gleichen Beispiele von Jamba über Irak bis "Du bist Deutschland".
Letzteres war dann der Punkt, wo es kurzfristig gut spannend wurde, Mann gegen Mann, bei der Frage, welche Motive der Gegenkampagne Cords als Mitverantwortlicher indiskutabel fand. Stichwort Einbringung wenig erbaulicher Momente der deutschen Geschichte. Ich denke, da war einen Moment das bloggen im Raum greifbar, mitsamt Kommentaren und Konflikten. Weil ich mich persönlich beleidigt fühle, wenn ich Porsche sein soll - also der Typ, dessen Panzer durch das Warschauer Ghetto rollten. Und weil Randgruppen vor dem Holocaustmahnmal in meinen Augen als Gegenansatz extrem peinlich und geschmacklos sind. Da war es mal richtig spannend. Aber nur da.

Darf ich meine Wünsche formulieren? Ich darf, ja. Ich hätte gern ein Podium ohne Leute, die man erst mal zum jagen tragen muss. Debatte, Diskurs, Streit, fliegende Fetzen statt Statements und Schulterklopfen. Ich hätte gern ein Podium mit maximal einem PR-Menschen, gerne den Cords, aber dann weniger zu den Risiken des Bloggens als vielmehr zur Frage, wieso PR eigentlich so einen beschissenen Ruf hat, und was man konkret vom Bloggen lernen kann, ohne sich vulgär in den Markt zu drängeln. Aber davor hätte ich gern 2, 3 Leute, die inspiriert sagen, was sie tun und warum sie es machen. Und zwar nicht immer nur Nasen wie mich, Johnny und die Bildblogger, sondern auch die Leute, die Cords als "Big Brother im Online-Container" bezeichnet. Ich wüsste gern, was Teenies antreibt zu bloggen, wie sie das erleben. Es wird immer nur über sie geschwafelt, aber keiner hat sie mal gefragt. Und dazu einen Medienwissenschaftler, der kein hirnloser Umfragejunkie ist, oder ein Literaturhinweislover oder Interpreteur amerikanischer Studien, sondern einer, der Medien und Blogs versteht und in der Lage ist, für beide Seiten verständlich die unterschiedlichen Aspekte zu übersetzen, sprich, dem Publikum dient, und noch einer Person: Einem Chefredakteur, der sich mal Gedanken über inhaltliche und formale Defizite der Texte macht, die Medien im Moment ausmachen. Wenn man am Ende vielleicht noch darüber reden könnte, ob Medien nicht auch die Aufgabe haben könnten, Leute ans Bloggen heranzubringen, und ob man Gossenprojekten wie Lycos den Markt überlassen muss - dann wäre es schon. Gern auch unter der gleichen Moderation.
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Mittwoch, 26. Oktober 2005
Medientage Blogdebatte
Die Top 100 Business Blogs in einer Reihe mit Technorati, dann die übliche Latte für Einsteiger: Jamba, Tsunami, Cebit, Irakkrieg, Bundestagswahl - Blogbiz as usual. Nur frage ich mich langsam, was das mit 99,9% der normalen Blogs zu tun hat, man kann nur hoffen, dass sich das schnell ändert, schliesslich sind das hier die Medientage und nicht ein PR-Event. aktives Rezeptionsmanagement... das kam wörtlich.
Julien Pain ist das genaue Gegenteil: Blogger vs. Staatspropaganda, das Risiko einer Gefängnisstrafe in China - dafür arbeiten Reporter ohne Grenzen, deshalb auch ihr Buch - ich habe es schon in der Hand, ringebunden, robust, klasse Sache für den Überlebenskampg in Diktaturen - und von Abmahnanwälten verseuchten Marktwirtschaften.
Christoph Schultheiss vom Bildblog liest nicht viele Blogs - er betrachtet es von aussen. Er ist überrascht über den Erfolg - ohne Werbung, nur durch Mund-zu-Mund-Propaganda. Der Erfolg liegt am populären Thema, aber es ist auch symptomathisch für die aktuelle Medienkrise. Finanzierung bleibt ein Problem.
Ich sagte das übliche - man kennt das ja :-)
Big Brother im Online-Container meint Cords. Er sieht Blogs als Frühwarnsystem für Unternehmenskrisen - würde ich auch sagen, wenn ich Krisenbeobachtung machen würde. Vorinformation durch Blogs für Journalisten - daran glaubt er auch. Er lehnt aber CEO-Blogs ab, fordert aber auch Regeln für Mitarbeiterblogs.
Pain sagt, dass Blogger genauso analysieren können oder besser, als Journalisten, gerade im echten Leben. Was Blogger nicht können, ist die tiefgehende Recherche - aber, wenn ich fragen darf, wer tutr das heute noch?
So, I did it: Bloggen ist wie Sex oder das Ficken, man kann es nicht erklären, man muss es versuchen. Eine Liebeserklärung an die Blogosphäre.
Cords warnt vor der Häme in Blogs, und sagt, dass man denen keine Pressemitteilungen schicken sollte.
Eck rollt nochmal den Fall Jamba auf. Und ich sage, dass Bloggen kein Spielplatz für wildgewordene PRler sind, sondern privat.
"Du bist Deutschland": Cords ist überrascht von der Geschwindigkeit und der Qualität. Er findet, dass die Kampagne dadurch ein wenig geadelt wird. Cords verteidigt unter anderem den Spot mit dem Holocaustdenkmal, ich fand ihn indiskutabel - naja. Schultheiss denkt eher an einen Lemmingreflex.
Schultheiss verneint die Frage nach dem Gonzojournalismus, ich werde sie bejahen. :-)
Pain sagt, man sollte unbedingt auch andere Blogs lesen, auch und gerade in anderen Ländern - denn dort ist es was anderes als die deutsche Ego-Bloggerei. Er sagt, dass Blogs vieles dort verändern.
Schlussrunde: Schultheiss findet die Art des Bloggens revolutionär. Eck hält es für ein frisches Thema, kostet Zeit und Geld, schnelle Kommunikation. Ich rede über die Kultur. Cords sieht nicht, dass Blogs Medien ersetzen, aber im Fachbereich sieht er gute Chancen, kein Hype in der Wirtschaft.
Und Schluss.
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Medientage warm up
Beispiele?
"Die Kommunikationsbranche spricht seit Jahresbeginn von nichts anderem mehr." - sagt Klaus Eck über Business Blogs. Er allein vielleicht, wenn er die Wand anredet.
"Der Blogging-Trend wird die öffentliche Kommunikation in 2005 nachhaltig verändern. " - sagte Lars-Christian Cords im Januar, jetzt haben wir Oktober, das wird nix mehr.
Nichts ist böser als das Zitat, das weiss man als Kulturhistoriker. Irgendwann kommt das alles auch als MP3.
+++Update: Livegeblogge hier, Nachfolgedebtte hier+++
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Dienstag, 25. Oktober 2005
Dirt Picture Contest - Outsourcing

Vielleicht kommt die Besitzerin ja aus Berlin. Später mal wird sie immer fordern, dass der Staat gefälligst die Rahmenbedingungen verbessern soll, und ihre
Oder jemand ehelicht sie weg, dann muss "nur" die Putzfrau leiden.
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Der 3i-Boo, der nicht kam
Jetzt hat sich 3i aber aus dem Kauf der Berliner Zeitung verabschiedet, die anderen Partner machen es alleine. Schlecht für meine Geschichte, ganz schlecht für die Journalisten in Berlin - wenn selbst 3i keine Lust mehr hat, wird das ganz, ganz böse. Ich sag´s mal so: Wer von den Leuten dort eine Hypothek auf das Haus hat, sollte besser heute als morgen verkaufen. Die Renditeerwartungen können nur erreicht werden, wenn die Arbeit nur minimal attraktiver ist als Arbeitslosengeld II. Und das wird auf die anderen Verlage durchschlagen, denn was der eine Controller schafft, versucht der andere auch.
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Sehr zu empfehlen - keine Spülmaschine.
Denn eine Spülmaschine mag zwar Geschirr auf den ersten Blick irgendwie sauber zu machen, ist aber das beste Beispiel für kulturelle Verwahllosung bei gleichzeitig völlig untauglicher technischer Umsetzung. Sie ist das Paradebeispiel für eklatanten Mangel an Stil und auch an Gastfreundschaft, denn wer dieses Ding zu etwas anderem als zur Lagerung von Katzenfutter benutzt, hat schlichtweg nichts, womit man die Gäste verwöhnen könnte.
Das Wichtigste zuerst: Spülmaschinen sind angesichts der zu reinigenden Objekte völlig ungeeignet. Man nehme eine alte, versilberte Gabel und tue ihr 100 mal das Verbrechen einer Spülmaschine an. Einerseits wird die Maschine alle Kanten angreifen und dort die Versilberung beschädigen. Denn der Dreck sitzt in den Vertiefungen und Zinken, und um dort noch ausreichende Wirkung zu erzeugen, geht die Maschine mit übermässiger Kraft ran. Und zerstört dadurch auch beste Auflagen. Dass die Unterbringung von mehreren Besteckteilen in kleinen Käfigen die Oberflächen verkratzt, ist ein weiterer Grund, nicht daran zu denken, dergleichen in die Wohnung zu lassen.
Andererseits ist es nicht jedem gegeben, das zu benutzen, was nach 500 Jahre kulturellem Auf- und Abstieg von der Gabel geblieben ist - ein uneleganter, fetter, vorne mehrfach breit gekerbter Halblöffel mit kurzem Stil, multifunktional vor allem zum Schaufeln geeignet in 5 cm Flughöhe des Unterkiefers über dem Teller. Diese Formdegeneration ist zwei Gründen geschuldet: Zum einem würden sich die Tellerschaufler mit richtigen Gabeln und ihren langen, dünnen Zinken die Augen ausstechen, hätte dergleichen Werkzeug bei der Annäherung von Maul und Frass zu wenig Raum. Dazu kommt, dass in weiten Teilen der Bevölkerung die Gabel auch noch falsch gefasst wird und mit den Zinken nach oben, dem Löffel ähnlich geführt wird. Da werden vier eng stehende, 6 cm lange Silberstachel schnell zur lethalen Fazialpallisade.
Zum anderen liegt diese Rückentwicklung auch an der Spülmaschine, die bei den engen Zwischenräumen der echten Zinken und ihres quadratischen Querschnitts nicht in der Lage ist, Essensreste auch nur ansatzweise zu entfernen. Jedem Besitzer eines solchen Apparats sei empfohlen, mal genau zwischen die Zinken seiner Gabeln zu schauen - und sich dann zu überlegen, ob man dergleichen nicht besser mit der Hand macht. Kleiner Tipp: Mit den Zinken den Schwamm bis zum Anschlag durchbohren reinigt schnell und zuverlässig. Das gleiche gilt übrigens auch für Messer und überhaupt alles Metall, das nicht vollkommen glatt ist.

Tödlich sind Spülmaschinen auch für jedes Glas mit geschliffenem Rand. Wer dergleichen ein paar Mal in den schwarzen Schlund der Maschine tut, bekommt Absplitterungen und scharfe Grate. Die Gläser kann man danach wegschmeissen. Vergoldetes oder bemaltes Porzellan hat in der Spülmachine ebenfalls nichts, absolut nichts verloren. Desto wertvoller die Stücke, desto weniger ertragen sie. Auch hier geht die Maschine vor allem an die empfindlichen, vergoldeten Kanten statt in die Mitte, wo sich der Schmutz befindet. Das kann der Mensch mit dem Schwamm, warmen Wasser und Tuch weitaus besser und schonender. Der Mensch ist klug, die Maschine ist strunzdumm. Der Mensch macht sauber und glänzend, die Maschine wischt rum - und danach muss man ohnehin alles nochmal überprüfen, denn bei der Mielemafia bleiben irgendwo immer Schmutz und Schlieren. Dann besser alla mani pulite. So, und nur so entstehen Erbstücke, die Enkel lieben, weil sie schon als Kind davon die Erdbeertorte essen durften*.
Aber, werden manche sagen, ist mir doch egal. Ich hab sowieso Ikeageschirr und Pressglas und Edelstahlbesteck, und wenn es kaputt ist, kauf ich mir neues, ich mein, bevor ich da stundenlang in der Küche stehe... Diesen Leuten seien zwei Dinge mit auf den Weg gegeben. Eine Spülmaschine nimmt einen Quadratmeter Wohnfläche weg, hat hohe Anschaffungskosten und steht bei kleinen Haushalten meistens nur rum. Das heisst, das Ding ist teuer, braucht Strom und Wasser, kostet Geld, und das wiederum muss erarbeitet werden. Womit die Zeitersparnis schon wieder beim Teufel ist. Auf der anderen Seite ist Spülen eine geistig vergleichsweise anspruchslose Tätigkeit. Man kann sich nebenbei Texte überlegen, bei Händel falsch mitsingen - Al lampo dell'armi quest'alma guerriera vendetta farà - die Hausfrau umcircen oder küssen, und, wenn man denn werthaltige Utensilien besitzt:
Dann hat man was in der Hand, was einem gefällt. Silber schmeichelt der Haut, das kk Concordia Porzellan funkelt, und der Schälschnitt schwerer Baccaratgläser über das sanfte Tuch gleitet - das hat auch eine enorme, haptische Dimension. Man ist nicht die Putze für den Haushaltsmüll, man pflegt schöne Dinge. Das macht Freude. Es ist ein Genuss. Den vielleicht nicht jeder nachvollziehen kann, was auch in Ordnung ist. Trotzdem, wenig ist so überflüssig wie eine Spülmaschine - nur das Merkel als ahnlich dümmlich agierende Mechanik an der Staatsspitze geht da noch drüber.
* Disclaimer: Es sind keine Erbstücke abgebildet. Leider tendieren die Mütter besserer Familien dazu, nicht nur alle Erbstücke der Ahnen an sich zu reissen, sondern sie plündern auch hemmungslos die zugekauften Bestände ihrer Kinder. Und wenn sie wüssten, dass sich altes Bernadotte in der Kommode befinden würde... zum Glück können sie mit dem Internet nicht umgehen.
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Dienstag, 25. Oktober 2005
Der Lesung anderer Teil
Modeste zum standesgemässen Tod
Beyond über die grüne Mamba
Wortschnittchen über den Teufel im Motor
Burnster über den Teufel im Klapprad
Ich tendiere dazu, die anderen Teile offline zu lassen - ein wenig Strafe für die nicht anwesenden muss sein. Und ich will auch nicht Matthias noch ein Gigabyte an Traffic aufhalsen.
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Weil´s grad passt
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Dirt Picture Contest - Ikea 2.0 Mitte Edition

Furniture 2 Go, das packende Interieurerlebnis in Berlins angesagtestem Stadtviertel, Open 24/7, das nenne ich Dienstleistungsmentalität. Und wenn die Bewag den Strom abstellt, kann man den Wagen auch noch zum Grill umfunktionieren, wie ich letzten Sommer am Mauerpark mal sehen konnte. Berliner Herz, was willst Du mehr?
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Zweiseitiger Insider
Der selbsteingeredete Hype ist vorbei, Stef. Zeit für NeoComTod.
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Sonntag, 23. Oktober 2005
Durch den bunten Blätterwald

stellt jemand ein Schild in die Landschaft, das mit 2 mühsam gepinselten Worten alles sagt, was man über Bayern und seine Risiken und Nebenwirkungen wissen muss.
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