: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Mittwoch, 23. November 2005

Wenn Ihr das meint, Ihr strukturellen Analphabeten

"Süddeutsche Zeitung: Wir sind ein Faschistenblog"

titelt ein als Achse des Guten tituliertes Blog, in dem manche Mitarbeiter der "Welt" regelmässig die Maske fallen lassen und zeigen, was sie ausser mitunter wenig schönem Philosemitismus und einer laxen Auffassung des Urheberrechts sonst noch zu bieten haben. Dinge, die mir nicht gefallen. Neben dem rechtslastigen Gedöns, das sie mitunter auch von amerikanischen rechtsextremen Medien wie dem Frontpagemag übernehmen, besticht auch ihre Unfähigkeit zur Textanalyse: In der Süddeutschen werde ich mit Folgendem zitiert: "Also, im späten Sommer traf sich die Creme de la Creme der leserbefreiten Kopisten amerikanischer Faschistenblogs auf dem Münchner Nockherberg - auch genannt der Prowestliche Heimatabend."

Da steht mit keinem Wort, dass einer von den Teilnehmern ein Faschistenblog betreibt - dass aber ihre amerikanischen Quellen nach der hierzulande gängigen Meinung faschistische Haltungen repräsentieren, steht wohl ausser Frage. Da steht aber auch nicht, dass auch alle Teilnehmer überhaupt zu diesen Blogs gehören, schliesslich waren auch einige Nichtblogger dabei.

Insofern wäre ich mit derartigen Unterstellungen gegen die SZ sehr vorsichtig, Herr Miersch. Was aber nicht zwingend bedeutet, dass ich die von Ihnen vorgetragene Unterstellung inhaltlich jetzt, sagen wir mal, empört komplett zurückweisen würde. Tatsächlich waren da ja auch Leute anwesend, die in ihren Blogs nach der Bundestagswahl den Widerstandsartikel des Grundgesetzes bemühten und nachdachten, ob der nicht gegen Kanzler Schröder anzuwenden sei.

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DADA- und DALI-Awards für erotische Tischgeschichten.



Liebe Leserinnen und Leser,

draussen ist es kalt, es gibt eine neue Regierung, und wenn das noch nicht genug ist, wartet diese Welt auch noch mit einem traurigen Verfall der Werte auf; Liberal heisst plötzlich rechtsextrem, Asoziale labern von sozialer Software,allerorten finden sich Ikea-Postings und Fastfood-Threads, es wird gefickt, aber nicht verführt, und so manches schöne Blog hat vorerst seine Pforten geschlossen. Hier allerdings steuert alles auf das dritte Jahr des Bloggens zu, nebenbei kommen festliche Tage, und so habe ich, Don Alphonso Porcamadonna, beschlossen, das alles zumindest für meinen kleinen Bereich zu ändern. Mit Eurer aktiven Beihilfe und zwei Awards.

Worum geht es? Nun, zuerst mal nur um Euren und meinen Spass. Wir alle sollen Geschichten lesen, die uns an bitterkalten Winterabenden all das Böse und Schlechte vergessen lassen. Wir alle machen dabei einen guten Schnitt. Und das geht so:

Ihr schreibt einen Text zum Thema "Die erotische Tischgeschichte". Damit meine ich grob gesagt eine Geschichte, die zumindest einen Tisch im Sinne von Ess- oder Kaffeetisch oder Teatable enthält, und etwas Erotisches. Sie sollte nicht kurz sein, 1500 Zeichen sind das Minimum; worum es dann letztlich geht, das Ausschlürfen einer Auster oder das Berühren unter der Tischdecke, ist Eure Sache. Man sollte beim Lesen einfach Lust bekommen, etwas zu Essen oder jemanden zu küssen, wollüstig sollte es sein und auch luxuriös und geschmackvoll - aber nicht pornographisch oder protzig.

Die Geschichte, die nach Meinung der aus erstklassigen Vertretern der Blogosphäre zusammengesetzten Jury das Ideal der erotischen Dekadenz erfüllt, erhält den Don Alphonso Decadency Achievment Award, und der sieht so aus:



Ein Satz von 6 massiv silbernen Teelöffeln, vorzüglich erhalten und im zeitlosen Design der Zeit um 1910 - altes Europa at it´s best. Ganz ehrlich, ich fand die Preise bei den Best of Blogs der deutschen Welle absolut mickrig - ein iPod Shuffle, pah, in zwei Jahren ist der Restwert auf 0, während Silber wie die Geschichten der Siegerin Lyssa (Gratulation an dieser Stelle) auch in 200 Jahren noch glänzt und seinen Wert behält. So nicht, ihr BOBs. Und deshalb gibt es für die Geschichte mit dem lieblichsten Luxus auch den Don Alphonso Luxury Inauguration Award.



Ein silberner Tortenheber für die Torte davor und Vorlegegabeln aus der Zeit um 1890 für den Morgen danach, nichts beweist besser den alten Reichtum des Clans - what the fuck ist eigentlich ein iPod?

Teilnehmen kann jeder Blogger mit selbstgeschriebenen Texten, ausser den Knilchen, die ich hier ohnehin lösche. Als Bewerbung gilt eine Verlinkung hierher, ein Kommentar an dieser Stelle oder eine Email an donalphonso äd gmail dod com. Die Geschichten werden hier dann verlinkt, auf dass alle ihren Spass haben. Einsendeschluss ist der 14. Dezember 2005, die Entscheidung wird am 18. Dezember bekanntgegeben. Jury bestechen kann man sich sparen, erstens werden sie von mir geschmiert und zweitens gebe ich die Namen nicht bekannt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen, Fragen einfach in die Kommentare. Und wer kein Blog zum teilnehmen hat, soll halt endlich eines aufmachen.

Nachtrag: Hier sind alle eingereichten Texte.

Die Texte: Rainer feuert Muscheln | Che trifft Franco | Doubls amerikanischer Engel | Somlu isst Mangos | Pathologes Au Pair | Andrea nimmt Muscatella | Moravagines big bedroom | Zeitnehmer tut es doch | Demian wird besucht | Fireball am Teetisch | Haltungsturnen rieslingt | Luckystar loves Suprime | Mymspro mag Porno | Lythesias Fondue | Kaltmamsell beim Italiener | Naru will löffeln | Hurenkind spielt | Barocktee am Sonntag | Remingtons Tischkampf | Ltz trägt Amani | Menu bei Hokey | Aschantinuss tischt auf | Lu, Mars und Juli | Mousse mit Booooster

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Programmvorschau

Der "Don Alphonso Decadency Achievment" Award (DADA-Award) und der "Don Alphonso Luxury Inauguration" Award (DALI-Award) werden hier und heute Nchmittag so gegen 15 Uhr mit genaueren Informationen angekündigt. Schliesslich ist hier bald Chanukka, da braucht es Hämmer, und das zweijährige Blogjubiläum steht bevor.

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Das Ende des Internets

Passagen sind, gerade in der kalten Jjahreszeit, etwas sehr Angenehmes, nicht kalt oder matschig, und trocken. Gerade wenn die Bombenhagel des 2. Weltkriegs oder die Architekturgewalt der 50er die historischen Stadtkerne niedergelegt hat, ist das Niederreissen und Wiederaufbauen mit eingelegtem Hohlkörper immer noch der letzte Schrei, von den Fünf Höfen in München bis zu vergewaltigten Städten Ostdeutschlands. Man kann über den gestalterischen Sinn diskutieren, aber, so sagen die modernen Stadtplaner, das muss sein, Passagen ziehen die Leute in die Stadt, und gerade die Jungen, die sonst in die gigantischen Shopping Malls, diese Grosspassagen vor der Stadt ausweichen würden, kann man damit binden.

In der Folge wird auch in kleinen Städten auf Marketingteufel komm raus durchgebrochen, soweit es Bausubstanz und Denkmalschutz zulassen. Und dort sammelt sich in der Regel das an, was irgendwie jung, dynamisch und nicht so kleinstädtisch ist. Wie zum Beispiel das erste WLAN-Internetcafe der Stadt.



Über ein Jahr stand draussen auf der belebten Fussgängerzone, gerade mal 20 Meter von hier, ein Schild, das den Passanten die frohe Kunde nahebrachte. Da drin. WLAN. Ganz toll, ganz modern. Reinkommen, was trinken, schnell die Mails checken, jetzt auch in einer Provinz, in der gute Raumausstatter noch mit solchen Websites in der Tageszeitung für sich werben. Durchaus nicht erfolglos, wie man hört. Da ist so ein WLAN-Cafe mit der blauen WLAN-Neonröhrenschrift was ganz anderes. Die Zukunft.

Ab und zu ging ich vorbei, und nur einmal war da jemand mit Notebook drin. Ansonsten herrschte Winter wie Sommer ziemliche Leere. Vor ein paar Wochen dann war das Cafe "wegen Renovierung" geschlossen. Jetzt ist es wieder offen, und jeder Hinweis auf das WLAN verschwunden. Und es ist gar nicht schlecht gefüllt, weitaus besser jedenfalls als früher. WLAN gibt es immer noch, manchmal klappt auch jemand sein Notebook auf, misstrauisch beäugt, aber letztlich toleriert vom normalen Publikum, das nicht so ganz versteht, was denn bitte die Notebooks in einem Cafe, das genau genommen nur eine Espressobar ist, bedeuten.

Immerhin brummt jetzt der Laden, nicht mehr ganz so modern und fortschrittlich und der Zeit der Stadt um Jahre voraus, aber das Geld kommt rein. So ist das mit dem Internet, Ende 2005.

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Dienstag, 22. November 2005

51 Aufrechte

Na also. 51 Sozialdemokraten haben das dem Land nicht antun wollen. Es gibt also noch Leute mit Rückgrat in der Partei. Damit kann man was anfangen, zum Beispiel den Niedergang dieser Koalition einleiten. Ein passender Start für die lediglich etwas bessere Wahlverliererin. Und das Wort Fraktionsdisziplin kann man hübsch kleinschreiben, die nächsten Jahre.

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Kohlcreature reloaded

Zumindest die Wiederaufbereitung von des Kohls Pfäffling Peter Hintze als Staatssekretär hätte man diesem Land ersparen können. Schlimmste Erinnerungen an die bleierne Zeit kommt da wieder hoch, an schwarzgegeldete Moralpest und christistische Heuchelseuche.

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Montag, 21. November 2005

Sehr zu empfehlen - Pimp my Biedermeier

Now this is da real shit ya know:



Now see whad we godda smear up da funky Biedermeier Chair: We got a first class silk layer o´bling bling gold and green, we gonna tune it up with real hardcore shit stuff linen under da pushup springs, yeah baby they really gonna do a nipplegate on dat chair, and for that extra boom we fit quita handfull of extra filling thrilling power under da hood. And when we finish, we do a bondage job all around the body with that green silk rope. That´s what we gonna do man, wow, that bitch is gonna wank asses. or so.

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Kleiner Zwischenstand des Neoconnardism

+++UPDATE: Willkommen alle, die von rechten Drecksblogs hier angeschwemmt kommen - und nein, das bei "jetzt" in der SZ war nicht der angekündigte Beitrag über den brauen Blogsumpf und seine Stinker - und bitte, ich hoffe, dass hier jeder lesen kann und nicht zu den strukturellen Analphabeten gehört. Faschistenblogs, das ist etwas, das sie sich selbst rausgesucht haben, hier steht nichts davon+++

Also, im späten Sommer traf sich die Creme de la Creme der leserbefreiten Kopisten amerikanischer Faschistenblogs auf dem Münchner Nockherberg - auch genannt der Prowestliche Heimatabend. Das Ganze sollte in etwas münden, was mehr ist als die Summe ihrer einzelnen Teile. Es gab Ansprachen, Networking und übereifrige Organisatoren, die ohne jeden Begriff von Persönlichkeitsrechten massenhaft Bilder ins Netz kippten - und ein Versprechen, dass jetzt eine gemeinsame Plattform geschaffen wird, um das eigene Treiben nicht mehr ganz so mickrig wirken zu lassen. Dummerweise gab es auch ein paar Gegenmeinungen in der Blogosphäre.

Was ist seitdem passiert? Gleich danach gab es intern Streit wegen der Bilder, die dann prompt aus dem Netz verschwanden. Dann legte sich Henryk M. Broder, der dem Treffen ein philosemitisches Mäntelchen verpasste, öffentlich mit der zentralen Figur einer Teilnehmergruppe an, Frau Tanja Krienen - und zehrt davon in seinem Blog bis heute. In der Folge gab es unter den Verschwörern eine kleine Nacht der langen Messer. Bein anderen wie den sog. Brushfires of Freedom oder dem kläglichen Versuch eines Metablogs musste man erst gar nicht meucheln, die schalteten sich von selbst aus. Der Organisator, der eigentlich eine grosse Nachbetrachtung machen wollte, fiel durch eine peinliche Anzeige bei der Achse des Guten auf, in der er einen Job suchte - die Nachbetrachtung blieb dagegen aus. Warum wohl, könnte man fragen, und stösst dabei auf den nächsten internen Krach, weil ein fetter Verhaltensgestörter dieser Clique anfing, andere Blogs zu spammen - so, wie das übrigens auch andere angebliche "Medienanalytiker" angeregt hatten.

Und jetzt erkennt auch noch einer ihrer Vordenker, dass eine ihrer Lieblingspostillen politisch in dem braunen Sumpf stehen, in dem sie sich nicht wähnen. Und wieder eine Publikationsmöglichkeit für Lobbyisten ohne Schamgefühl weniger. Soweit man die Counter mitlesen kann, sind die Nutzerzahlen der gesamten Gruppe seit den Bundestagswahlen konsequent rückläufig.

Und das gemeinsame Portal, das ein antideutsches Grüppchen in Berlin aufzuziehen versprochen hat, ist auch nirgends zu sehen. Da wird´s wohl nichts mehr mit der gemeinsamen Basis, aber wer will schon mit solchen Typen zusammen sein - eben.

Wenn ich DEN Verlierer unter den politischen Blogs küren müsste, die es während des Wahlkampfes nicht geschafft haben, sich dauerhaft zu etablieren - dann sind es alle Neoconnards zusammen. Und jetzt bitte gegenseitig weiterschlachten.

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Mindestens 20 Gegenstimmen für das Merkel.

Bitte, SPD, das seid ihr mir schuldig. 50 wäre zwar noch schöner, sie im ersten Wahlgang auf die Uckermark-Schaudurchrasseln lassen wäre brilliant, aber 20 erachte ich als das absolute Minimum.

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Sonntag, 20. November 2005

Sehr zu empfehlen - Für lange Winterabende

Manchmal frage ich mich, ob der demographische Knick in Deutschland nicht auch sehr viel mit der steigenden Mediennutzung zu tun hat. Wer Abends vor der Glotze oder dem Internet abhängt, macht sicher keine Conversation mit dem Partner, vergisst, wie das mit den Komplimenten geht und redet statt dessen komisches Zeug über dieses Internet da, was kaum jemand versteht - sollte diese Person denn je in die Situation kommen, ein potenzielles Sexualobjekt in einer Kneipe anzusprechen.

Ein weiteres Zeichen für einen tiefgreifenden kulturellen Wandel ist das Ende von Gesellschaftsspielen wie beispielsweise Rommee. Man kann auch gerne meine mit Schafkopfen angereicherte Jugend als wenig sinnstiftend erachten, aber ich wage zu behaupten, dass sie weitaus spannender und billiger war als die Zeit irgendwelcher asozialer Vollpfosten, die sich mit ihren Handies photographieren und die Bilder im gleichen Raum zuschicken, was manche dann als cutting edge der personalised information elite auffassen. Mit irgendwelchen handwerklichen Hobbies muss man erst gar nicht rechnen - ein paar Suchabfragen in der Blogosphäre zeigen schnell, dass fast nichts aus eigener Arbeit und so gut wie alles von H&M und Ikea kommt. Selbermachen, das war mal. Und das, obwohl sich der Winter ideal dafür anbieten würde, dauert er in Deutschland doch von November bis März.

Wie auch immer: Mir kann das nicht passieren. Mindestens eine Woche Nachtarbeit, eher zwei, stecken im heute erbeuteten, links abgebildeten Stuhl:



Wiener Biedermeier, so um 1830, erstklassiges Nussbaumwurzelholz, wunderbar geschnitzt, mit einer langen Geschichte immer an Städten an der Donau, und in grauenvollem Zustand. Allein schon der Bezug. Vieles erkennt man auf dem Bild nicht: Furnierschäden, zwei schlechte Restaurierungen, das Polster ist kaputt, der Schellack ist ruiniert, und momentan ist die Sitzhöhe für den ausgewachsenen Mitteleuropäer zu niedrig. Allerdings: Der Stuhl rechts sah vor 20 Jahren auch nicht besser aus. Es ist nie ganz verloren, wenn man ein Fach mit starkem historischem Realienbezug studiert. Nicht, dass man damit Autos reparieren könnte, aber alles, was vor der Industrialisierung war, bekommt man irgendwie hin. Und Holz ist nun mal eine Leidenschaft, gerade, wenn es um so ein Stück geht - 1830 konnte ein normaler Arbeiter für den Preis dieses Stuhles drei Monate eine Wohnung für sich und seine Familie mieten.

Eigentlich ging es bei dieser Jagd um Geschenke für andere - daraus wird jetzt nichts. Ich weiss zwar noch nicht, wo ich ihn hinstelle, er ist ja auch nicht zum Benutzen und ein Einzelstück, aber: Ein Platzerl find sich immer, für diesen Zeitgenossen Heines. Komme mir keiner mit Metternich, bittschön, in diesen langen Winternächten, wenn nebenbei Rossini läuft und der Rechner leise schnurrt, um denen da draussen zu erzählen, wie es mit dem Prachtsück weitergeht, und ob sich nicht a Gschpusi findet, die darauf eine Champagnertorte* löffelt.

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Jagdsaison

Als ich in Berlin eingepackt habe, gab es zwei Signaturen: B für Behalten - ein grosser Haufen - und V für Verschenken. Das war nicht viel, aber einiges. Denn, wie es nun mal so ist, oft hat jemand Geburtstag, man ist irgendwo eingeladen, und mit 40 silbernen Tortenhebern kann ich nicht wirklich was anfangen.

Jetzt, nach einem halben Jahr, stellt die Sache sich aber etwas anders dar. Vieles aus dem V-Häufchen wurde abgezweigt von der eigenen Familie. Ganz natürlich, da gab es eine Einladung, die Gäste blieben bis zum Abend, und statt das eigene Silber aus dem Schrank zu holen, griff man der Abwechslung wegen in den Silberschrank, und am nächsten Tag war es 123 hastdunichtgesehen enteignet. Und als ich letzte Woche die von vielen, auch von meiner Frau Mama zu Beginn als Geschmacksverirrung angesehene Leuchtenträgerstatue abholen wollte, wurde ich von wütenden Protesten empfangen. Die Haute Volée der kleinen Provinzstadt ist schnell zu überzeugen, wenn sie dergleichen Figuren plötzlich in den Grünwalder Häusern sieht, in denen am Freitag Abend im TVermittelt wird.

Und was dann vom V-Häufchen nach diversen Gastgeschenken, Geburtstagen, 1 Hochzeit und einigen Scheidungen noch da ist, hat hier Verwendung gefunden. Sprich, ich bin ausgeblutet, ich habe nichts mehr zu geben, und das ausgerechnet in dieser Jahreszeit. Doch draussen, da nieselt es, es ist kalt, und im Süden ist heute grosser Antikmarkt mit kleinen Besucherzahlen - da werde ich jetzt hinfahren, und das ewige Spiel um Geld, Besitz und Gier Verpflichtung, anderen etwas Schönes zu schenken, wird aufs Neue Fortuna herausfordern.

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Samstag, 19. November 2005

Die Stunde der Abrechnung

Sorry, aber langsam geht mir der Trollfälscher Mario Sixtus mit seinem ewigen Web 2.0 Kniebiesling und seinem Social Software Mob auf die Nerven. Ich bin froh, dass ich vor kurzem eine Entscheidung getroffen habe, die es mit erlaubt, das hier zu schreiben, ohne mir über irgendwelche Folgen gross Gedanken machen zu müssen.

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Freitag, 18. November 2005

Die chinesische Kommode und das Kartellamt

Bei meinem vorletzten Berlinbesuch fand ich in einem Laden in der Bergmannstrasse eine flache chinesische Kommode aus Nussholz, leicht beschädigt, aber sehr schön, eine zeitlose Form und genau passend für den Platz unter dem Fenster, bei dem ich gerade schreibe. Der Händler ist, vorsichtig gesagt, eher von der offensiven Sorte, und Begehr teilt man ihm besser mit, indem man nichts, absolut nichts findet, nur vielleicht diese Kommode da, aber nein, die ist sicher zu gross, also danke. Danach entsteht eine längere Verhandlung,und am Ende steht ein Preis, der beide Seiten zufrieden sein lässt. So auch in diesem Fall.

Zusammen befreiten wir die Kommode von den darauf stehenden Stühlen - der Laden ist ziemlich voll - da klingelte sein Handy. Auf der anderen Seite war sein Bruder, dem er erkennbar erfreut vom Verkauf erzählte. Dann gefror sein Gesicht voller Enttäuschung. Er legte auf und sagte, dass die Kommode bereits verkauft sei.

Insofern weiss ich ansatzweise, wie beschissen es heute manchen Leuten im Springerkonzern, ihren Büchsenspannern beim Spiegel und gewissen rechtskonservativ gesteuerten Gossenmedien gehen muss. Das Kartellamt mag den Kauf von Pro7Sat1 durch Springer so einfach nicht genehmigen. Und das, obwohl Springer bereits über 75% der Anteile besitzt. Die Begründung ist schon ziemlich happig. Da wird sich Springer ziemlich schlank machen müssen, um das noch über die Runden zu bekommen. Vielleicht killen sie ja endlich die Bildextension Die Welt, wenn die ohnehin Inhalte bei Bloggern klaut. Oder sie machen eine Kampagne für eine Gesetzesänderung und drohen mit dem Verkauf an Heuschrecken. Halt nein, das geht ja nicht, sie haben die Mehrheit ja gerade von Heuschrecken gekauft. Oder sie kriegen die Sender ebenso wenig wie ich damals die Kommode. Wobei mir die Vorstellung des Flennens bei Springer über meine Trauer hinweghilft.

Was machen die eigentlich mit den Aktien, wenn sie sie nicht behalten dürfen?

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Real Life 18.11.05 - A room with a view

Der frische Multimediacontent rast gerade über die Hamburger Mac in die Beschleunigung für den Weg in den Süden, da klingelt das altmodische Telefon ohne Anzeige und AB. Hier hat man sowas oft nicht, wenn man da ist, geht man ran, wenn man nicht da ist, klingelt es halt. Sage keiner, dass die Zeiten der Wählscheibentelefone vorbei ist, hier zumindest nicht. Es klingelt drei Mal, dann bist dran, ohne dem Händel den Saft abdrehen, der hier die Luft erfüllt, hätte es noch nicht mal so lang gedauert.

Wie es morgen aussieht, will Iris wissen. Ganz schlecht, ist die ehrliche Antwort, und damit schon wieder ein ausgefallenes Konzert. Gut, meint sie, dann geht sie auch nicht, das ist ihr ohnehin zu früh und auch sonst passt das Programm nicht. Aber du solltest dir mal überlegen, warum du überhaupt hier bist, wenn du nicht am Leben teilnimmst. Draussen bricht die Sonne zum ersten Mal seit Tagen durch die Wolken, zumindest so, dass alles im herbstlichen Sepia erscheibt, und du fragst dich, ob es so eine gute Idee ist, sich zu sehr auf das alles hier einzulassen.



Schliesslich hast du erst gestern nein gesagt zu einem Antrag, ein paar Wochen ab Januar wieder Richtung Südwesten zu gehen, in ganz anderem Auftrag und mit einer Arbeit, der es nicht egal ist, ob du erst um 5 ins Bett gehst. Aber die nächsten Monate werden hier nicht ganz unhart, so klein ist diese Stadt und so übel werden die neujahrsempfänge zwischen Betonfrisuren und lebensgrossen Keramiktigern in der Vorstadt, bei den Ferrarisammlern und den Vätern unverheirateter Töchter. Alle werden fragen, ob man sich auch für das zweite Abo angemeldet hat, das 2006 Mozart im Überfluss bietet, und wenn du es vergisst, wird man dich kurz vor dem ersten Konzert anrufen und sagen, dass man extra für dich ein Abo zurücklegen hat lassen, du weisst ja, wie gut ihre Verbindungen sind, da kannst du gar nicht nein sagen.

Da draussen vor dem Fenster, in den Kirchen, den Collegien, den Bruderschaften und besseren Kreisen wird sich nie was ändern. Warum auch, es funktioniert, es ist unfassbar stabil und wahrscheinlich auch richtig so. Niemand ahnt etwas von dem Leben da draussen, die kurzen Tage vergehen schnell und lassen viel Raum für den Schlaf, der ihr Leben beherrscht bis zum Übergang in das Nichts, das sie von Geburt an in sich tragen. Die Litaneien, für die all das vor dem fenster aufgetürmt wurde aus dem Morast der Tiefebene, haben ihre wahre bedeutung nicht verloren, einer nach dem anderen wird alterm und hinscheiden, und das einzige bestreben kann sein, sie zu überleben mit ihren Chorälen der Entsagung und der Dummheit.

Du sagst noch ein paar Nettigkeiten, bietest ein Essen am Montag an und vielleicht auch einen Trip zum Einkaufen nach München, und legst auf. Von weiteren gedanken hält dich ein Haifisch ab, der grosses verkündet, den Fall eines Giganten, der gerade jetzt schon lautlos stürzt, keiner vermag es zu hören, doch er fällt, und wenn er in Trümmern explodiert, versichert der haifisch, wird auch Dein Dasein wieder spannend. Dann liest Du, dass die grosse Koalition in Berlin besiegelt ist, und empfindest Erleichterung ob des Umstands, jemand anderen an Deiner Stelle in Berlin auf den krummen Wegen der Bundespolitik zu wissen.

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Au-Stalinismus - Pjön Jang in Hamburg

"Das Vertrauen in die Kompetenz der Redaktion und des Chefredakteurs ist durch die Diskussion aus Sicht der Gesellschafter in keiner Weise in Frage gestellt." - da sage noch einer, Neoliberalismus und Steinzeitkommunismus würden sich nicht trefflich ergänzen, zumal, wenn das rote Battalion Angelaberia aus Berlin mitfoltert. Und nun weiter im 5-Jahresplan, Stefan Aust, Stefan Aust, der hat immer Recht.

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Donnerstag, 17. November 2005

Sehr zu empfehlen - Chiaroscuro del MMV

Ein paar Kratzer, und schon kann man alle Theorien zur frühen Baugeschichte umwerfen. Unter der Tapete ist Mauerwerk von 1600, und das an einer Stelle, wo es eigentlich niemand erwartet hätte.



Denn im Putz zeichnet sich deutlich eine vermauerte, breite Renaissancetür ab, zweiflüglig und mit einem Segmentbogen, der in Höhe und Rundung genau zu den eindeutig datierten Fensterlaibungen passt. Schluss mit Kratzen und Spachteln, jetzt steht Bauaufnahme an. Und vorsichtiges Abtragen alter Putz- und Malschichten, denn da drunter könnte ja noch was kommen. Seccomalerei, imitierte Steinquader wie im Erdgeschoss. Oder auch noch was Besseres. Was die Arbeiten allerdings um ein, zwei Monate zurückwerfen kann.



Der Glanz ist lang vergangen. In die Mitte hat man dann eine normale Tür eingesetzt, irgendwann in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Das Ganze ist insofern eine Überaschung, als alle bisher davon ausgegangen sind, dass der erste Stock nach 1650/60 eine einzige grosse Halle für die Bibliothek des Collegiums war. Offensichtlich hat man aber doch Teile der Innenbebauung stehen gelassen. Einen ähnlichen Bogen haben wir auch im Erdgeschoss, dort durchbricht er die originale Mauer des Vorgängerbaus und die Wandmalerei des späten Mittelalters.

Seit 10 Jahren beschäftige ich mich jetzt mit dem Haus, aber ich komme nie aus dem Staunen heraus. Es ist nicht ganz leicht, mit so einem Befund umzugehen; im ersten Moment ist da natürlich der Impuls, den imposanten 1600er Originalzustand wiederherzustellen. Allerdings hiesse das, spätere Veränderungen zu vernichten, zugunsten eines Zustandes, der ohnehin im ganzen Haus nicht mehr realisierbar ist. Es bleibt also bei der Bewahrung des aufgehenden Mauerwerks zu dem Zeitpunkt, da der Clan das Haus übernommen hat.

Trotzdem, so eine grosse Flügeltür ins kommende Schlafzimmer in Richtung Lotterbett, das wäre schon was gewesen.

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Dirt Picture Contest - Es gibt kein Recht auf Hässlich

Das Problem an Berlin ist nicht, dass es hässlich ist, oder arm, oder kaputt. All das intendiert einen Zustand, ein Schicksal, einen unabänderlichen Niedergang. Damit könnte man leben, und Berlin hat sich in dieser Realitätskonstruktion eine gute Entschuldigung geschaffen. Das eigentliche Problem ist aber, dass es nicht stimmt. Die Hässlichkeit von Berlin ist selbstgemacht, gezielt durchgeführt und verübt an einer Stadt, die ihre schönen Details und die verbliebenen Zeugnisse früherer Grösse ausmerzt wie ein Teenager die Pickel.



Ein Click auf das Bild klärt auf. Manches kann man beklagen oder bedauern, aber die Berliner sollte man nur verachten für das, was sie aus ihrem Slum machen.

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Mittwoch, 16. November 2005

Wie Web2.0 die deutschsprachige Blogosphäre schöner machen wird

Web2.0 - oder Web 2.0? - oder Internet 2.0, der Buzzwords gibt es viele - wird kommen. Noch nicht dieses Jahr, aber 2006/7. Und zwar ganz gross. Auch hier in Deutschland. Ganz ohne Ironie, ich meine das Ernst. Denn Web 2.0 hat endlich, endlich wieder alle Zutaten, die es braucht, um ein Thema wirklich gross zu machen. Es hat, im Umkehrschluss, alles, was Blogs nicht haben.

hier geht´s weiter an der Blogbar. Und es wird wirklich lang.

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Stolpe darf nicht Stasi-IM genannt werden

- sagt ein Gericht - und bei einem Haufen bloggender Neoconnards dürfte ein klein wenig Hektik ausbrechen.

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Sehr zu empfehlen - Ich habe einen Plan

und der sieht so aus:



Wer jetzt die - in Relation zur Mauerdicke - kleinen Räume sieht, sei auf den Umstand hingewiesen, dass die Aussenmauern hier so zwischen 70 und 90 cm dick sind. Im Erdgeschoss sind es an einer Stelle 1,20 Meter. Wer jetzt sagt, dass man sowas doch nur in Burgen braucht, hat nicht unrecht: So gegen 1400irgendwas stand an der Stelle ein befestigter Hof eines Landadligen, und zwischen seiner Sorte und den Stadtbürgern kam es immer wieder zu Rebereien. 1,20er Mauern sind das, was man innerstädtisch im Mittelalter vor der Einführung der Kanone nicht kleinbekommen hat. Katapulte sind mit ihrer ballistischen Schussbahn in der Stadt einfach zu ungenau und brauchen zu viel Platz, auch wenn man es mitunter versucht hat. Mit Rammböcken braucht man Anlauf, den man in der engen Stadt kaum hat. Und Naturstein ist bis auf 1,20 Meter Höhe Dein Freund.



Damals, in der guten alten Zeit, als man pfuschenden Handwerkern die Nasen abgeschnitten hat und ein Brandmal in den Rücken drückte. Ich will ja nichts sagen, aber so mancher Fertighausschwindler wäre damit schnell zur Raison gebracht, und RTLII und Spiegel-TV könnten sich ihre Horrorgeschichten vom Hausbau sparen.

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Nicht 2.0

Mal schaun, welcher der üblichen mediokren Freiautoren gerade dieses nicht dumme, aber dennoch kritisch zu hinterfragende Feature über Flickr und Yahoo konzeptionell abschreibt, etwas kürzt und dann an deutsche Medien vertickt, die Business 2.o schon längst nicht mehr auf dem Radar haben. Ja, die alte Business 2.0, DAS Hypeblatt der New Economy lebt noch, schlimmer als der alte Holzmichel. Und in Deutschland ist sie eine Inspirationsquelle, hab ich da zumindest so eine Ahnung. Und einen neuen Button.



Weil, recht viel weiter dürften wir m.E. nicht sein mit all dem Socialgequatsche. Am Rande: Die Bagage ist plötzlich sehr still geworden, was den früher hochgelobten Web-2.0-Vorreiter Friendster angeht. Denn Friendster hat inzwischen reichlich massive wirtschaftliche und konzeptionelle Probleme. Nun kann man natürlich sagen, dass Friendster Web 2.o nicht verstanden hat - nur sollte man nicht unbedingt zu den Hellsehern Marke Grottenolm gehören, die 2003 Friendster entsprechend gehyped haben.

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