Donnerstag, 1. Dezember 2005
And now for something completely different:

Damit dürfte die Mindestquote an Katzeninhalt für das zweite Blogjahr erfüllt sein :-)
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1986 kam der Messias

Wer als Vertreter einer winzigen, offiziell eigentlich ausgerotteten ethnisch-religiösen Minderheit in dieser Stadt aufwuchs, wusste natürlich, dass da hinter der freundlich-bayerischen Fassade seit 1933 vieles fast bruchlos durchgelaufen war. Allein schon, weil der einzige kurze Bruch von 1945 bis 1953 einem Familienmitglied zu verdanken war, das 45 nicht wie die meisten seiner früheren Freunde als ehemaliger Kriegsgefangener, sondern am Steuer eines amerikanischen Jeeps zurückkam und die Entnazifizierung hier mit ein paar "KZlern" in die Hand nahm. KZler, das war das, was man diesen Leuten ab 1953 mit der Rückkehr der Nazis in die Ämter wieder hinterher rief.
Fast alle waren sie dabei gewesen, die Zeitung blieb so zusammengleichgeschaltet und der selben Familie zugehörig, wie sie es schon vor 1945 war, und Vertriebene und Revanchisten bekamen ihre eigenen Seiten. Daran konnte auch die Beobachtung urch den Verfassungsschutz nichts ändern. Selbst in den Schulen wurden die alten und weniger alten Nazis an der Jugendfront eingesetzt, und in einer Stadt, die die 68er nie erlebt hat, waren diese Schweine keinesfalls harmlose alte Deppen. Noch nicht mal der stadtbekannte Umstand, dass ein Geschichtslehrer seinem Sohn zum 18. eine nachgeschneiderte SS-Uniform geschenkt hatte, zog Konsequenzen nach sind. So war die Stadt, als der Messias kam, im Herbst 1986.
Die Staatspartei war an und für sich dagegen, aber irgendwie war der Messias doch immer noch einer von ihnen, man kannte sich ja, und so unternahm sie nichts gegen seinen Versuch, den grössten Saal der Stadt zu bekommen. Man konnte nicht viel dagegen tun, ausser hingehen und die Leute anschauen. Hoffen, dass sie es sich vielleicht nochmal überlegten, da rein zu gehen, zu ihrem Stammtischbruder, dem München-leuchtet-Preisträger, dem verkörperten Jetzt red i, zum Waffen-SS-Mitglied, zum Messias einer Partei, die jung war und kräftig, der die Menschen in Scharen zuliefen, weil sie sich nicht mehr wie in der Staatspartei verstellen mussten.
Ich wollte nur die sehen, die da rein gingen. Nicht beschimpfen, nicht anschreien, einfach nur anschauen. Die einzige kleine Rangelei artete schnell in eine wüste Schlägerei mit den vom Messias mitgebrachten Aufpassern aus, danach kam die Polizei und drängte die paar wenigen, die dagegen waren, an die Böschung. Da stand ich dann. Es kamen all die bekannten Gesichter der bekannten rechten Prominenz, und es kamen die Alten, von denen mir meine Grossmutter erzählt hatte, was sie damals getan hatten, ein Aufmarsch der Partei über 40 Jahre nach ihrem offiziellen Ende. Viele Orden aus der Zeit; die Polizei schritt nicht ein, sie hatte genug zu tun, uns an der Böschung zu überwachen. Aber immer wieder auch Honoratioren der Stadt, Leute, die man kannte, darunter auch solche, die mich zum Kuchen geladen hatten und in die übliche Liste der potenziellen Partner für ihre Töchter eingereiht hatten, denn das Geld läuft hier schneller zusammen als das Blut, sagt man. Diese Leute sahen einfach weg, der Apotheker G. kam sogar mit seinem Sohn, der Autohändler S. trug, wie sein gesamter Clan, die Sonntagstracht, es kamen Lehrer und auch manche von der Staatspartei, weil, über den Messias, über den wollte man sich schon informieren, und das war die paar Mark Eintritt dann auch wert.
Der Messias kam und ging durch die Hintertür, gesehen hat ihn keiner von uns. Eine Handvoll Störer wurde im Saal entfernt, bevor er auftrat, nachher gab es Anzeigen, und wir sammelten in den nächsten Wochen für einen Jungen, der gerade volljährig war und ein Ermittlungsverfahren am Hals und finanzschwache Eltern hatte.
So war das 1986, als der Messias kam. Der Messias war so, wie man ihn sich vorgestellt hat; sein Kommen liess die Stadt so erscheinen, wie sie in ihrem Innersten war und vielleicht immer noch ist. Viele sind hier seitdem so elendiglich in den Hospitälern verreckt, wie sie schon am Kubanbogen, in Stalingrad, im Hürtener Wald oder im Aachener Kessel hätten verenden sollen. Ihre Orden werden von den Erben an die hiesigen Militariahändler verschachtert, aber deren Geschäfte scheinen zu gut zu gehen, als dass ich glauben würde, es sei alles vorbei. Ihr nächster Messias muss nicht mehr geboren werden, er ist schon da und wird sich eine anderes, heute marktkonformes Branding geben. Aber er wird kommen, sie werden ihn besuchen, und ich will verdammt sein, wenn ich dann nicht wieder am Rand stehe und in ihre Kotzfressen schaue, in dem Wissen, dass sie irgenwann genauso draufgehen wie ihr Messias.
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Mittwoch, 30. November 2005
Sehr zu empfehlen - whole lotta pimpin

Und wenn man Euch dann ins Krankenhaus bringt und Ihr blutet wie die Schweine, dann werdet Ihr sagen: Oh Gott, lass Doxzibit Alphonso kommen, damit er mich von all dem Stahlrohrdreck erlöst und meine Wohnung pimpt. Ihr werdet schreine, Ihr werdet fluchen, und niemand ausser dem Notarzt wird es hören, und warum? Weil Ihr nicht auf Euren Möbelmaster Doxzibit gehört hat, der Euch gesagt hat am hutigen Tag: Drückt hier und lernt, wie man Stühle pimpt. Denn Biedermeier ist der real Deal, Mann, die 45 Lappen hat jeder, Wurzelnussfurnier ist hardcore shit, und den Bling Bling auf der Sitzfläche, den könnt ihr selber machen - und los geht´s.
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Sehr zu empfehlen - Vorher/Nachher

Ausführlicher Bericht mit den ersten Schritten der Polsterei folgt.
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Auf der alten grünen Wiese

Nur einen Kilometer vom Einkaufsparadies der 70er Jahre in einer aufstrebenden, den Dorfkern zerstörenden Vorstadt, hat man eine gigantische Mall errichtet, mit einem riesigen Möbelmitnahmemarkt. Dieses Haus passte sich insofrn an, als es ein neues Haus baute, das ebenfalls in Chrom und Glas an anderer Stelle erstrahlt. Das alte Monstrum zerfällt langsam, eine Wüste in Folge einer Entwicklung, die davon lebt, dass sie alles Alte nach spätestens 30 Jahren umbringt. Oder einfach verfallen lässt - wie das aussieht, zeigen die hier folgenden Bilder.
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Dienstag, 29. November 2005
Die Niedertracht der Erzeuger
Das Telefon klingelt, Frau Mama ist dran, aus dem Süden, ungefähr nördlicher Wendekreis. Sie wolle nur schnell Bescheid sagen, dass der tropische Sturm bei ihnen, von dem heute morgen zu lesen war, längst wieder vorbei ist, kein Grund zur Beunruhigung, war ja auch klar bei den 30 Grad, die sie die letzten Tage hatten, und morgen werden sie schon wieder am Meer sein, und wie ist das Wetter so in Deutschland?
Ich habe kein Recht zu schreien. Sie haben mir ja angeboten, mitzufahren in den Frühling. Aber damals war noch goldener Herbst, und wer konnte damals schon ahnen, wie es Ende November sein würde. Frau Mama erzählt noch vom Hotel, vom Essen, von der Landschaft, fragt, ob ich mal schauen könnte, ob in drei Wochen auf die Schnelle was in Ostasien frei ist, Sumatra zum Beispiel, und wünscht einen schönen Abend. Vielleicht gehe ich jetzt ein Stockwerk tiefer und suche mir einen Vorwand, die Mieter zur Sau zu machen. Irgend sowas.
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They don´t make nazis as they used to
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Award-Geschichte zu schmuddlig? Ab zu Lyssa!
Für derartig schlecht formulierte Texte, die hier vor den Augen der Jury mutmasslich wenig Chancen hätten, gibt es auf der anderen Seite der Republik mit Lyssas PussyProsaPreis die ideale Alternative. Dort darf gesaut, gesudelt, gespritzt und gefüllt werden, was alle nur denkbaren Körperöffnungen hergeben. Zu gewinnen sind dort allerdings keine Silberwaren wie bei mir, sondern Gutscheine für "St-Paulischaukler" (high Heels)und "Furchenpflüge" (Sexualhilfsmittel für die Frau), um das mal gleich in preiswürdigen Sprache zu sagen. Einsendeschluss ist der 12. Dezember, und die Bekanntgabe ist wie bei mir am 18. Dezember.
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Ersatzbayern in Berlin

Andererseits gibt es auch andere Bayern in Berlin, die sich sicher ab und zu davor ekeln: Burnster aus Niederbayern und Susa aus München. Vielleicht sollte man bei Gelegenheit Nachts um 4 auch in der halbauthentischen Boazn Bergstüberl in der Veteranenstrasse rumfragen, ob da nicht auch noch jemand blogt. Da drin sind nämlich genau die, die eigentlich lieber wieder in München wären, Berlin, wenn sie einen ehrlichen Moment haben, komplett zum Kotzen finden und schon morgen wieder da wären, wenn sie hier unten eine Wohnung hätten. Besonders Anfang Dezember, wenn auch das letzte Piercing und das hinterste Arschgeweih in hässlichen, dunkelblauen oder dreckigweissen gesteppten Schlauchmänteln verschwunden sind und die Schönhauser Allee von einem Publikum bevölkert wird, das aus den schlechteren Vierteln Bukarests, Minsks oder Frankfurts zu kommen scheint.
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Montag, 28. November 2005
§15B
Sollte sich eine Stadt also derzeit als Medienmetropole brüsten und/oder Kanzleien, Beratungsfirmen und ähnliche Parasitenunternehmen dieser Fondsbranche beherbergen, könnte es in den nächsten Jahren zu ein paar mittelgrossen Problemen für gewisse Bereiche von Gastronomie, Herrenausstattung und Luxusautomobile kommen. Auch Arbeitslosigkeit ist für manche Mediengrossmäuler nicht ausgeschlossen. Natürlich wird sich so mancher Hollywoodmogul nach neuem stupid - dann nicht mehr german - money umschauen müssen.
Man darf zwar die Anlaufverluste gegen spätere Gewinne aus dem Fond verrechnen - aber hey, welcher Medienfond hat denn bisher besondere Gewinne gemacht. In Fachkreisen nennt man den §15B übrigens Totschlagparagraph - solange er die Ursachen für sowas totschlägt, sicher nichts, weswegen man die Koalition verurteilen sollte.
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Real Life 27.11.05 - Pflichtttermin
Aber dennoch gibt es diesen einen Ausnahmetag: Denn dann ist der berühmte Pfaffenhofener Flohmarkt. Der ist richtig gut, was nicht verwundern darf, schliesslich kommen die Händler von überall her, nur eben nicht aus diesem Kaff. Dieses Kaff hatte früher nichts, was man heute irgendwie als "Antiquität" definieren könnte, und bis zu diesem Tag ist es rückständig, verschnarcht und zudem mit einem erbärmlichen Ring von Toskanapestsiedlungen umschlossen. Doch an 12 Sonntagen im Jahr verwandelt es sich in ein ergiebiges Jagdgebiet für die gesamte Region.

Entdeckt hast du den Markt vor Äonen dank R., dem langbeinigen Chirurgensohn aus der nächsten Vorstadt, der etwas jünger war und, damals noch ohne Führerschein, dich bat, ihn dorthin zu fahren. R. muste nicht gezwungen werden, in die Fusstapfen einer Eltern zu treten; schon früh entwickelte er ein ausgeprägtes Interesse für offenliegende Innereien und Knochen, mit Gemüse hingegen konnte er nichts anfangen. Er hatte eine gewisse Vorliebe für alles Fleisch, an dem noch Knochen waren, und Flohmärkte besuchte er vor allem, um sich mit altem medizinischen Gerät einzudecken. Hier ein Skalpell, dort ein Bohrer, ein paar Gewebezangen und Klistiere, und als er einmal bei einem Militariahändler eine original Wehrmachtknochensäge erstand und sie auf dem Heimweg liebevoll streichelte, hast du beschlossen, dass du lieber im Strassengraben verrecken wolltest, als als medizinisches Opfer an R. zu geraten. Seine Eltern hingegen hatten Verständnis für sein Faible, was denjenigen wenig überrascht, der sich dem Unglück einer Einladung zum Mittagessen nicht widersetzen konnte. Mutmasslich geht es bei den Tischgesprächen von Metzgern weitaus zartfühlender zu, als in dieser alten Villa im grossen Garten. Vermutlich ist das alles eine Frage der Gewöhnung, oder der Fähigkeit, den Geist abzuschotten gegen die anbrausende Erzählungen von in Jägerzäunen gespiesste Autofahrerschädel.
Während also diese Einladungen bald so höflich wie nur irgend möglich abgelehnt wurden, blieb jedoch die Vorliebe für diesen Markt, der im Übrigen noch ganz andere Preziosen als Folterwerkzeuge zu bieten hat. Genau genommen ist es der einzige Markt zwischen Wien und Berlin, der etwas taugt und bei dem die Preise auch ärmeren Millionären und Palastbesitzern eine Chance geben, sich standesgemäss mit grösseren Mengen Antiquitäten einzudecken, und du denkst bereits vor für die 10 Zimmer im Hinterhaus.
Zum Glück denkt die hier angereiste Oberschicht nicht besonders weit, sie sind eingeschossen auf helle Einrichtung, am besten schlichtes Biedermeier oder Bauernmöbel. Pompöses wie venezianische Spiegel oder Fremdartiges wie japanische Holzschnitte lassen sie liegen, und bei englischem Silber monieren sie das Fehlen der deutschen 800er-Stempel. Kurz, sie verschmähen alles, was du suchst, und als dir dann die Häupter des K.-Clans begegnen, können der Herr und seine Dame nicht ganz umhin, deinen ob der durch die Ankäufe zum Ausdruck kommenden Geschmack behutsam zu kritisieren. Aber, wie sie schon vom Pausenprosecco im Konzertverein wissen, gehst du ja auch mit geschiedenen Frauen aus und hast Freunde in Berlin, insofern verzeiht man dir auch diese preziöse Exzentrik. Denn noch sind sie keinesfalls ausgestorben, die toleranten Schrankabbeizer und Furnierabreisser, die sich so gerne mit bäuerlichen Möbeln umgeben und den Tee aus den groben Tassen trinken, die ihre Frau mit der Töpfergruppe nach sehr ursprünglichen Methoden aus im Vollmond von Frauenhänden nach dem Eisprung geschlämmten Ton formen und in Ofen brennen, für deren Stromkosten allein sie problemlos eine Kiste KPM in Berlin erwerben könnten.
Hier also prallen Welten aufeinander, aber du bleibst vordergündig höflich und stichelst, indem du dich verwundert zeigst, sie heute hier zu anzutreffen; sollten sie den Kirchgang geschwänzt haben, wo doch ihre Nachbarn, die Kathoblockwarte L., sonst so sehr darauf achten, von ihnen mit dem Auto mitgenommen zu werden, der Umwelt und der Kontrolle zuliebe? Frau K. weicht nicht unelegant aus und redet über was anderes, aber du weisst ohnehin schon - ebenfalls aus dem Konzertverein - dass es da wohl ein Zerwürfnis gegeben haben muss, weil die L.s im Laufe der Jahre wohl doch etwas zu extrem wurden in der Nutzung der nachbarlich-christlichen Nächstenliebe. Manche sagen gar, Frau L. sei eine ruachade Grattlerin, die alles und jeden ausnützt, nur um ihren vier katholischen, hässlichen Blagen und 10+x Enkeln noch mehr Geld geben zu können. Nicht dass sie arm wären, alles andere als das, aber wie es so schön heisst, von den reichen Leuten kann man das sparen lernen.
Du lädst dann die K.s noch zur Hausbesichtigung im Stadtpalast ein, sie revanchieren sich vorsorglich mit einer Einladung zum Essen mit Tochter, die so ab dem 20. Dezember in der Stadt ist, und als du dann weiterziehst, hoffst du, dass HNO-Ärzte wie Herr K. dann andere Gesprächsthemen kennen, als ihre Arbeit in der kalten Jahreszeit.
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Sonntag, 27. November 2005
Sonntäglicher Tortenstau
Andererseits: Nur so, früh und rechtzeitig, mästet man die zufriedenen, mit sich immer im Reinen befindlichen Bewahrer der langen Tradition der anständigen Bürger. Die dann auch selbst wiederum die eigenen Kinder hier die Auslagen mit klebrigen Fingern befummeln lassen, um sich das Zeug rauszusuchen, das ganz sicher besonders matschige Flecken auf der Tischdecke hinterlässt. Nein, Diät und Tischsitten haben in den besseren Familien keine Grundlage, und Kulleraugen und Fettglasur schimmern schleimig um die Wette. Allenfalls frühe Herzverfettungstode können hier das Gerede vom wegsterbenden, vermehrungsverweigernden Deutschtum plausibel machen. Genervtsein von so viel gequollenem Nachwuchs reicht da weder für den eigenen Tod noch für das Niedermetzeln der anderen aus.
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Samstag, 26. November 2005
Was zum Lachen
Fickt Schafe, Ihr Neoconnards. Schon mal was von redirect gehört? Das kommt davon, wenn man Bilder klaut. Dieses hübsche Bildchen also, hochkant und in der bescheidenen Grösse von 1000 mal 6000 Pixeln

steht da plötzlich auf dem Blog von ein paar Typen, die eigentlich wegen massiver Verstösse gegen die AGBs von Blogg.de längst hätten abgeräumt werden müssen.
Edit: Sie haben es entfernt - nur hilft das nichts gegen Screenshots, Anwälte und Abmahnungen.
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Leitdialog des Tages
Käsehändler: " A So Seoi (Saint Ceols). A Frischkäs, dea hod nua viazg (40) Prozent".
Frau hinter mir: "Wos, so wengad? No gems ma a a Pfund."
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"Überlagert" - ein hübscher Neologismus
Heute sind wie dagegen zivilisiert, das Fleisch bleibt dank Bestrahlung rosig, selbst wenn es eigentlich violett schimmern müsste. Und die Medien nennen es "überlagert". Klingt doch gleich viel besser, und es muss doch noch lang nicht verdorben sein, nur wegen diesem Datum da. Man wüsste gern, was da die Verbände der Lebensmittelindustrie - nicht der Metzger! - ausgegeben haben, um den Medien diese Begriffsschweinerei nahezubringen. Nur müssen Mediensäue nicht befürchten, dass sie irgendwann einmal vor dem Bolzenschussgerät stehen. Was man bedauern könnte, irgendwo. Wenn ich einen 80-jährigen langsam mit Rattengift umbringe, bin ich ein Mörder, wann ich ihn dagegen in Sicherheit wiege und dazu bringe, vergammelten Dreck zu fressen, durch den er 10 Jahre früher krepiert, bin ich durch die Pressefreiheit des Grundgesetzes gedeckt.
Was bin ich froh, dass ich Vegetarier bin.
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Freitag, 25. November 2005
Ostelbische Gutsherrenart
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Vielleicht liegt es nur am Wetter

Ich drücke auf den Auslöser, und das Telefon klingelt. Der Dritte heute, der etwas kaufen will, was schon vor Monaten einen neuen Bewohner bekam. Da kann man nichts machen, da hätte er schon im August anrufen sollen. Keine Ahnung, wie die alle an die alten Anzeigen kommen, auf der Suche nach den eigenen vier Wänden so spät im Jahr.
Manche von denen sind hartknäckig und wollen wissen, ob es nicht noch was anderes gäbe, ob man vielleicht jemanden kennt, der etwas hat. Vielleicht ist es auch nur die Torschlusspanik vor den neuen Gesetzen, die Zulagen streichen und Spekulationsgewinne besteuen; einer der Anrufer war ziemlich eindeutig ein Profi, der Ton war nicht wärmer als die klare Luft über die Niederung.
Es sind diese Tage, an denen man froh ist, dass die Maxime des Clans immer das Behalten war und nie an der Bausubstanz gespart wurde, während alles andere egal war. Es sind diese Tage, an denen man überlegt, ob man nicht doch noch ein weiteres Restaurierungsobjekt kaufen soll, an dem die Schnellentschlossenen im Sommer achtlos vorübergehen; doch die Wärme gibt hier nur kurze Gastspiele, und auch nächsten Jahr werden sie wieder zu den erleuchteten Fenstern hochschauen und sich wünschen, diese Sicherheit zu haben.
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Der rechte Abschaum, die Bild und der SPON
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Grosser Bruder mit kleinem Abgang
Sowas würde ich mir dann sogar vielleicht anschauen, die grosse 1-Euro-Parade für Medienmacher auf RTLII nach der Kreativpause.
hundert punkte, bitte
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Sehr komisch

Ich sage: Ich hasse Winter. Diesen ganz besonders.
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Donnerstag, 24. November 2005
Berlinhaters Delight
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Doch noch ein Dämpfer für Aust.
höhö, xx punkte
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Real Life 24.11.05 - Reifenwechsel
Heute braucht das weisse Geschoss die Winterreifen, und deshalb steht der übliche Besuch an. Nichts hat sich geändert, im Showroom steht immer noch der dunkelblaue Bolide, mit dem der nicht mehr ganz junge Junior ab und zu Rennen fährt, die Topklasse und ein paar Oldtimer, und davor die langen Reihen der heimischen High-End-Produktion. Du betrittst die Annahme mit ihren praktisch, trostlosen beigen Schrankwänden, den Aluminiumsesseln und den vergeblich gegen die Langeweile der frühen 80er Jahre anfärbenden Zeitschriften wie Elle Deco und House & Garden, die die Frauen unterhalten sollen, während sich die Männer über die Anzahl der Zylinder unterhalten, die beim Flug ins Nichts später mal vor ihnen in die hier mannigfaltig am Strassenrand vorhandenen Bäume knallen sollen. Es sind die sichersten Autos und die dümmsten Fahrer der Welt, hier im Westen der Stadt.
Der Meister begrüsst dich, und als der Name erklingt, springt hinter einem gigantischen Flachbildschirm ein kleines, rotes Chanelkostum auf, in dem die alte Frau B. steckt; rote Haare, viel rote Schminke, mehr jedenfalls, als man bei Frauen über 85 erwarten würde. Sie weist den Meister an, die Reifen zu wechseln, und bitte dich, doch so lange auf einen Ratsch zu bleiben. Sie räumt das lokale Anzeigenblatt beiseite, lässt von der Azubine Tee und Kaffee holen, und holt aus dem Schreibtisch eine Packung Toffifee. Das letzte Vergnügen, das ihr bleibt, erzählt sie, die Zigarillos haben Egon, ihren kettenrauchenden Mann, vor zehn Jahren ins Grab gebracht, und sie hat vor fünf Jahren aufgehört, a Pfund Dreck braucht der Mensch im Jahr, wie man hier sagt, aber es reicht auch so heutzutage, und ihre knotigen Finger zerren die braunen Halbkugeln aus dem glänzenden Plastik.
Sie will wissen, wie lange du bleibst, was du im Moment so tust, und ob du immer noch die Freundin hast, und wann eigentlich mal die Hochzeit sein soll. Du sagst sehr schonend, wie es aussieht, dass dein Leben frei und ungebunden bleiben soll, und sie meint, so seien die jungen Menschen nun einmal, die S. von schräg gegenüber etwa, na du wüssest schon, die sei ja mit dir in die Schule gegangen, bei der habe die Ehe auch nicht geklappt. Du lächelst leise als Zeichen deiner Diskretion und als Aufforderung, noch mehr zu erzählen, und so sagt sie dir alles, alle unschönen Details...
über das weitere Leben einer Frau, die du nie bekommen hast, in deren Nähe du nie warst und die auch nie erreichbar war, obwohl du so ziemlich jede Dummheit begangen hast, die man so begeht, wenn man 15 ist und keine Ahnung hat, wie das mit den Mädchen eigentlich so geht. Vielleicht hätte sie noch mehr erzählt, aber dann kommt der Meister und sagt, dass die alten Reifen zu abgefahren sind und ausgetauscht werden müssen, morgen sind die Neuen da.
Frau B. sagt ihm, dass das Draufmachen auf´s Haus geht, nur die Reifen seien zu berechnen, und den Termin kannst du nach Belieben aussuchen. Du verabschiedest dich und betrachtest dabei all die grotesken Ringe der 50er, 60er, 70er und 80er Jahre an ihrer Hand. Draussen warten schon die anderen Boliden anderer Menschen auf neue Reifen, damit sie auch bei schneeglatten Fahrbahnen 190 fahren können. Es ist immer noch bitterkalt, obwohl die Sonne scheint, und als die Unzahl von Pferdestärken vor dir zum Leben erwachen, gibst du dir einen Ruck und fährst an ihrem Haus vorbei, in dem sie inzwischen wohl einen Stock für sich alleine haben dürfte. Still liegt das hohe Haus hinter der perfekt geschnittenen Hecke, kein Licht, kein Zeichen, nichts dringt in die Aussenwelt, und so fährst du weiter durch Häuserzeilen, in denen Generation auf Generation im Wohlstand das Leben gedankenlos zwischen gesellschaftlichen Ansprüchen und persönlichem Scheitern verschwenden wird.
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Ab nach Cairo.
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