: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Dienstag, 15. November 2005

Bitter Night für Knight Ridder Mitarbeiter

Aber Hallo: Ein internes Memo des grossen amerikanischen Verlagshauses hat es in sich. Kurz zusammengefasst: Kein Profit für die Aktionäre, kein Job für Journalisten. 31 Tageszeitungen und 45 Portale hat der US-Verlag Knight Ridder - noch. Und eigentlich müssten all die wirtschaftsliberalen Medien jetzt freudig verlangen, dass man solche Massstäbe doch bitte auch in Deutschland anwendet, wie überall in der Wirtschaft.

Und? Wo bleibt der Jubel, etwa bei der FTD?

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Heul doch!

Willkommen in der Ära des Spackenbloggens*, FTD. Hoffentlich macht Gruner + Jahr die erbärmliche Gesinnungspostille ohne Markt und Gewinn bald so platt, wie sich das marktwirtschaftlich gehört.

*Spackenbloggen - mein Neologismus. Und wenn schon als Wirtschaftszeitung bloggen, dann so.

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Sehr zu empfehlen - Achsenkrieg

So gegen 1720 befand sich die Marianische Congregation in der Provinzstadt auf dem Höhepunkt ihrer Macht. Die Aufklärung war noch fern, und die Gesellschaft Jesu, deren Elitetruppe sie war, konnte in Bayern und anderen katholischen Regionen Europas fast nach Belieben an den Schalthebeln der kirchlichen und weltlichen Macht spielen. Ausdruck dieser Position war eine gigantische Bautätigkeit. Das üppige, alte Congregationskolleg, das im Jahre 1600 noch im Stil der späten Renaissance errichtet worden war, war im Rokoko weder gross noch protzig genug. Deshalb - und um die eigene Bildung zu dokumentieren - lagerte man die Bibliothek aus und errichtete fast genau im Zentrum der Altstadt ein eigenes rosa, stucküberzogenes Gebäude. Das war so gegen 1740 fertig.

Damit wurden die alten Bibliotheksräume, die so gegen 1650 eingerichtet worden waren, überflüssig. Die Gesellschaft mit ihrem Repräsentationsfimmel baute ganze Geschosse in Wohnungen für ihre Berühmtheiten um, und zwar genau so, wie man das im 18. Jahrhundert gerne tat: Mit langen Blickachsen durch die Türen in alle Räume. Ein wenig inspriert ist das von der Raumaufteilung, die es schon im Papstpalast von Avignon gab: Eine Abfolge von Zimmern, die je nach Zutrittsberechtigung Ausdruck der Hierarchie der Besucher war. Wer möglichst weit kam, konnte sich was drauf einbilden. Am Ende waren dann die Privatgemächer der lokalen Oberen der Congregation. Keine Tür ist zufällig an ihrem Platz, die Blickachsen durch die Raummitten von Tür zu Tür sind Ausdruck einer bewussten Konzeption.



Heute, mit 4 Meter breiten Schrankwänden oder einem Haufen Ikea-Regale, würde man das nicht mehr so machen. Die Schränke dominieren die Räume und drängen die Türen an die Ränder. Das 18. Jahrhundert hingegen kannte keine grossen Möbel, alles war mobil und wurde nach Bedarf umgeräumt - da waren die Symmetrie des Raumes und mittige Türen als Gliederung für die optische Gestaltung weitaus wichtiger.

Nun kam meine Frau Mama auf die grandiose Idee, dem mit dem Umbau beauftragten Architekten einzureden, die Blickachse zu schliessen, damit an der Wand vorne und hinten Schränke Platz haben würden. Und die Tür im Hintergrund um 2 Meter zu versetzen. Weil, was ist schon so eine grosszügige Blickachse des 18. Jahrhunderts gegen den passenden Platz für eine weitere Schrankwand aus Pressspan mit Eschefurnierimitat. Von einer Besprechung mit solchen, nun, Argumenten komme ich gerade.

Die Türen bleiben offen und da, wo sie sind. Und wer´s nicht mag und seine Schrankwand liebt, der soll doch in einen Block weit draussen ziehen.

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Sehr zu empfehlen: Alles eine Frage der Propaganda

Da gibt es diese Coffeetablebooks, die nur einen Ausschnitt zeigen - Pierre Deux Paris Country, In the Houses of Ireland, Savannah Style, British Country Houses, dazu die Interieur International. Die Geschichten sind immer gleich aufgemacht, man sieht die glücklichen Besitzer ihrer selbst hergerichteten Baudenkmäler, dann die Raumansichten mit den schimmernden Antiquitäten, die Intarsien, die Chinoiserien, die Edelholztische mit dem alten Porzellan, und ab und an auch Nahaufnahmen des Arbeitsplatzes, an dem die Besitzer - im Brotberuf Architekten, Künstler, Impressarios oder Schriftsteller - inspiriert von so viel Schönheit ihrem Nachtwerk bei Kerzenschein nachgehen, wohlgesättigt vielleicht nach einem Spaziergang durch nebelverhangene, herbstliche Flussauen, einem Ausritt oder nach einem leicht versauten Nachmittag mit dem Au pair im rokokösen Lotterbett - das sieht dann so aus.



Und tatsächlich gibt es auch solche Tage. Mitunter sind solche Abende unvergleichlich, gerade im Herbst. Aber nicht immer. Eigentlich sogar nicht wirklich oft. Jetzt im Moment, zum Beispiel. Denn neben der sichtbaren Realität gibt es auch noch eine andere, die sich kaum abbilden lässt. Nennen wir es mal: Allergische Reaktion auf den Staub und den Dreck, der sich in den zu entfernenden Tapeten angesammelt hat. Vielleicht auch das Zeug, das aus dem gerade entdeckten Riss an der Decke bröselte - der treibt die Kosten übrigens nochmal um 2000 Euro nach oben. Noch kein Bluthusten, das kommt noch, wenn es an die Dielen geht. Aber immerhin ist die Reaktion nach einem Nachmittag in einer zu restaurierenden Wohnung so übel, dass man sich drei Stunden im Bett wälzt, bevor man entnervt aufsteht und der werten Leserschaft mitteilt:

Alte Häuser sind wie verzogene Luxusweibchen. Teuer, undankbar, mitunter auch grandios, man wird sie nie vergessen, es wird nie langweilig, aber manchmal, viel zu oft ist es die Hölle. Und das Verhüten mit Handschuhen und Atemmasken sollte man nie vergessen - man weiss nie, von welchem anderen Lover sie welche Krankheiten mitbringen. Pflaster, eine Pinzette für die Schiefer und schnell wirkende Antiallergika sind Deine Freunde.

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Montag, 14. November 2005

In Situ

In gewissen Berliner Läden und Klubs würde man für so eine original 50er-Lampe, gekauft im ersten Haus am Platze



mit grosser Begeisterung den schweren, alten Kronleuchter rausschmeissen und diese goldene "gefickte Bordellbrotspinne" (Insiderjoke) dafür an die Rosette hängen. Hier bei uns in der Provinz läuft das andersrum - da kommt ein Berliner Kronleuchter hin.

falls jemand interesse hat: donalphonso | äd | gmail | dot | com

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Sehr zu empfehlen - Spukhausgeschichten

Während ich mich jetzt mit den 405 Jahre alten Dielen beschäftigte, die von einer chistlistischen Terrororganisation in einem ihrer Hauptquartiere eines damaligen Gottesstaates eingebaut wurden und auf denen ihr berühmtester Kriegsverbrecher und Berufsterrorist, der Schlächter von Magdeburg aus zerschossenen Beinen sein letztes Blut vergoss, kann sich die werte Leserschaft an dieser wirklich famosen Geschichte des Südtirolers Mek Wito (merke: der Südtiroler ist der Bayer sowohl der Italiener als auch der Österreicher) über das Bewohnen eines alten Hauses erfreuen, das auch so seine Geschichten hat. Bei sowas wird mir immer ganz wohlig.

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Morgendliches Mahagoni Massaker

Frau Mama: (hochkommend, anklopfend, weil das mit dem Handy anrufen nicht ihre Sache ist) Aufstehen, wir fahren jetzt an den Tegernsee, Du kannst derweilen unten ja mit dem Fussboden weitermachen...
Ich: (umdrehend): Jaja.
Frau Mama (geht in den zweiten Raum, in welchem die aus dem Slum Berlin geretteten, neuen Trouvaillen stehen, zurückkommend und nicht wirklich ob des Entdeckten erfreut): Sag mal, was ist denn das schon wieder für ein Mahagonitisch? Noch einer? Wie voll soll der Raum denn noch werden?
Ich: (mit aufschwirrenden Lebensgeistern ob der Bedrohung): Naja, für meine Coffeetablebooks brauche ich ja auch einen Coffeetable.
Frau Mama (leicht irritiert): Aha.
Ich: Ja.
Frau Mama (mit fallendem Groschen): So gesehen, könnte ich den ja eigentlich auch brauchen, der würde auch bei mir ganz gut passen, bei Dir ist er jedenfalls ganz sicher zu viel, meinst Du nicht auch?

Manchmal sieht man in konservativen Trash predigenden TV-Serien ja so ein paar Mythen über die sog. "Besseren Familien". Eine dieser Legenden sind die Kinder, die ihre Wohnungseinrichtungen, die alten Möbel und die Kronleuchter im mysteriös lichtdurchfluteten Speicher des elterlichen Hauses zusammensuchen; deren Eltern sagen, nimm es mit, Kind, und froh sind, dass die kommende Generation ein Gefühl für Traditionen hat. Wie so viele andere Vorurteile hat das nichts mit der Realität zu tun. Eltern kommen in die Speicher der Kinder und beschliessen, dass Dinge, die ihre Urgrosseltern vor 100 Jahren weggeworfen und die Kinder wieder zusammengetragen haben, doch was für sie wären.

Denn reich werden sie durch das Sparen, und nirgendwo spart man besser als beim Abtransport der Möbel der eigenen Brut, die sich schlecht dagegen wehren kann.

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Sonntag, 13. November 2005

Provinzielle USP

Wie jedes Jahr steht die Frage in den Stuben und Wohnzimmern der Provinz, was denn nun in 6 Wochen auf die Gabentische gewuchtet werden soll. Digicams, Notebooks, Flachbildschirme, das alles war schon lange, man hat oft auch schlechte Erfahrungen mit Reklamationen gemacht, weshalb sich die Frage nach Werthaltigem stellt, das stilsicher den stürmischen Wandel der Zeiten überdauert. Und so ist es zu erklären, dass uns die Werbung für kleine Tonpuppen im Stil der 30er Jahre, sogenannte Hummelfiguren, hier gar nicht verschämt entgegentritt, sondern offensiv vom Schaufenster anlacht. Gleich neben dem Hersteller edler Funkelkristalligel und anderen hochwertigen Mitbringseln weist der Name Hummel auf die Möglichkeit der ultimativen Kaminverzierung hin, die, wie wir dank der göttlichen Modeste wissen, sich auch bei jungen Menschen grosser Beliebtheit erfreut.



Und als wäre das noch nicht genug, bleibt auch noch folgendes zu konstatieren: Das Geschäft existiert mit diesen oder vergleichbaren Produkten und ohne E-Commerce nunmehr schon seit 251 Jahren. Der Kauf der Figuren weiterhin ist ohne Risiko: Wer Auktionen besucht, weiss um die nachgerade unglaubliche Preisstabilität der teilweise viele hundert Euro teueren Keramikfiguren. Da kann kein Computer, keine Playstation mithalten. Geschenke für eine Ewigkeit, die kein Display, auf dem dieser Text heute gelesen wird, je erleben wird. Und mit den kommenden Jahren und den ergrauenden Haaren wird jeder Beschenkte das Präsent mehr zu schätzen wissen.

So geht das Geschäft in der Provinz.

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Austhelfen

Freunde in der Not lassen natürlich keinen im Stich:

Gewinner der Kabale dürfte Stefan Aust sein, der das Magazin seit elf Jahren erfolgreich führt. [...] Gerade die Heftigkeit der gegen ihn erhobenen Vorwürfe führt nun jedoch dazu, daß Aust fester im Sattel sitzen dürfte als zuvor.

Das komische ist nur: Stefan Austs Schützenhilfe angesichts der Augsteinschelte, der mauen G+J-Verteidigung und des Gesudels der Aust-Untergebenen kommt - ausgerechnet vom Spingerblatt Welt am Sonntag. Das in der Beurteilung von Austs gestärkter Position so ziemlich allein dasteht. Aber warum auch sollte man die zukünftigen Chef des hauseigenen Fernsehsenders beschädigen?

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Sponhohn

In der idyllischen Provinzstadt, in der ich aufgewachsen bin, gab es ein Gymnasium am Fluss, dass oft morgendlich zu betreten ich mich genötigt sah. Davor, in Richtung Fluss, verläuft eine kleine, ruhige Strasse, auf der die besseren Familien oder ihr Personal die Kinder anlieferten. Als ich dann in der Kollegstufe 13 angekommen war, sass ich in Deutsch neben einem sehr hübschen, liebenswerten Mädchen, das leider keine Augen für mich hatte. Hatte sie doch einen Freund, und der wiederum hatte nicht nur eine Teilglatze und eine Familie, mit der er im Clinch lag, sondern auch einen Toyota MR2, mit dem er das Mädchen fast täglich auf der besagten Strasse in die Schule brachte, und vor dem Abschied Dinge im Auto tat, die zu Debatten Anlass lieferten. Sie hatten "etwas" miteinander, obwohl er doppelt so alt wie sie war.

Es dauerte aber nur ein paar Wochen, und sie beendete die Geschichte. Keiner wusste warum, Fakt war aber, dass sie wieder mit dem Bus aus dem Vorort kam. Allerdings blieb uns auch der Typ im MR2 erhalten, der weiterhin fast jeden Morgen vor der Schule seinen Wagen abstellte und den Mädchen hinterherschaute. Die Schulleitung drückte ob der Fama seines Clans beide Augen zu, und meistens war ohnehin sinnlos, denn auch das roteste Flitscherl konnte den einsetzenden körperlichen Zerfall nicht mehr kaschieren. Nur selten hatte er genug Möglichkeiten, mit den Schülerinnen ins Gespräch zu kommen. Die Suada ging dann in etwa so, dass er furchtbar reich sei, alle glücklich machen könne, aber die meisten hier seien völlig unreife, blöde, eingebildete Dinger, er verstehe auch nicht, warum die Eine nichts mhr von ihm wissen wolle. Sie aber, die stehen geblieben sei, könne sich gern ein Bild davon machen, wie fortschrittlich und mutig er am Steuer seines Wagens sei, das wäre was ganz Tolles und viel besser als die Cratoni- und KTM-Rennräder der Kids hier.

Irgendwann war es dann tiefster Herbst, der Nebel kroch aus dem Fluss und die Schüler beeilten sich, die Kälte auf der Strasse in die Schulräume zu flüchten. Niemand hatte mehr Zeit für ihn, und dann war er verschwunden mit seinem krassen, geilen roten Flitscherl. Für mich war es nur eine kleine Episode in einem turbulenten Jahr; hätte ich heute eine Tochter und würde so ein Schwein auf der Strasse vor ihrem Gymnasium sehen, wäre er schneller in die angrenzende Botanik gerammt, als er die Playboy im Handschuhfach hätte verstauen können. Lange war das alles jedoch im fernen Grau eines völlig anderen Lebens verschwunden.

Bis gestern. Gestern las ich das hier und das hier. Da stellt sich in meinen Gedanken so ein älterer Betriebstyp mit seinem verlotterten rotlackierten, inwendig schwarz verdreckten Gossenmedium, seiner Bloghasserglatze und millionenverfressener Brandstwieteschwarte vor die Blogger hin und sagt, eigentlich issa ja auch son cooles Blog, über das jetzt alle reden. Und Punk ist es auch ey, und sie probieren da was aus und deshalb sind sie die Coolsten. Und da ist mir der dumme, erfolglose Aufreisser damals vor meiner Schule wieder eingefallen.

Kennt man einen, kennt man alle.

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Samstag, 12. November 2005

Herr im Schlammgrün

heute ganz, dem Anlass entsprechend, in Schwarz und Gelb. Als letzter privater Besitzer einer ehemaligen Universitätseinrichtung kann ich mir den grossen Abschlussball der Elitessen nicht entgehen lassen.



Das wird ein Spass. Schon vorhin, auf dem Weg in die Stadt, war ein Haufen Leute vor mir, die sich über die Chancen von Steuerberatern nach dem Totschlagparagraphen unterhielten. Grosse Frage: Soll ich mich rasieren oder gehe ich im Räuberlook? Als Beraterzombie, der die bösesten Geschichten des vergangenen Krieges erzählt? Livebloggen geht leider nicht.

[UPDATE: Cancelled for sweet private issues]

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Ihr hobds es jo, sagen sie.

So gross ist es, so schön und obendrein auch noch berühmt, eines der meistfotografierten Häuser der Stadt, denken die Vorstädter, die schon vor 40, 50 Jahren alles verkauft haben, was sie je drinnen hatten. Und finden es ganz normal, wenn man sagt, dass jetzt der nächste Abschnitt ansteht. Wieder 80 Quadratmeter, plus Dienstbotenzimmer, das in eine Ankleide umgebaut wird. So richtig restauriert wurde dieser Teil seit 1600 nicht mehr, man sieht es an allen Details. Dagegen jesuitischer Pfusch beim Umbau, als die früheren Zimmer erst in den Saal zur Feier der ewigen Dummheit und dann wieder in Wohnungen umgebaut wurden. Und danach wurde es auch nicht unbedingt besser, 7 Schichten Tapeten sind das Minimum.



Aber wir haben es ja, sagen sie, wir können es uns leisten. Erzählen sie dann ihren Bekannten beim Tee, wenn ich da unten beginne, die Tapeten zu entfernen. Niemand ahnt, was dahinter kommt, aber vier Monate Arbeit werden es schon sein. Wenn keine Freskos da sind, wie ein Stockwerk weiter unten, was die Arbeiten um zwei Monate verzögerte.

Es reicht nicht, dass man Ersparnisse hat, die man in so einen Koloss versenken kann. Es ist kaum billiger, als eine Wohnung neu zu bauen. Es ist Knochenarbeit im Fluch von 400 Jahren Vernachlässigung, die sich am Ende lohnt. Aber bis dahin kommen düstere Tage. Des homma, jo.

ja, ich weiss, besser so als nix. aber trotzdem regt mich manchmal die dummheit auf, mit der über den erhalt von baudenkmälern gesprochen wird.

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Freitag, 11. November 2005

Austfällig werdende Ressortleiter

Freitag ist Spiegeltag: Der Laden brennt lichterloh, ach, es ist doch immer nett zu sehen, wenn die Grossmäuler der Johurnaille plötzlich bei der kleinsten inhaltlichen Kritik an ihrem Tun und Versagen eine Krisen-PR betreiben, für die sie jeden kleinen Handwerker in die Inso schreiben würden. Nach dem ersten Gesellschafter, der um Ruhe fleht, nun also auch die Erwiderung von Merkels Jauchespritze übersetzt, ein exklusiver Service von Don Alphonsos Rebellmarkt:

Hamburg - Die Ressortleiter des SPIEGEL haben mit Befremden zur Kenntnis genommen, dass Franziska Augstein als Erbin und Mitbesitzerin des SPIEGEL-Verlags die Arbeit der Redaktion öffentlich kritisiert hat.

Nachdem ein grosser Teil der Berliner Republik dem Spiegel übler hintenrein kriecht, als sie das bei der ähnlich guten Bildzeitung machen, wundern sich die ressortleiter über die Majestätsbeleidigung durch Franziska Augstein und schreiben das hier, nachdem eine Nachfrage bei der Rechtsabteilung ergeben hat, dass das Losschicken von Igor vom Schliessdienst und seiner Freunde nicht ganz legal wäre.

Ihre Hauptargumente zeigen, dass sie wenig versteht von dem, wie ein Nachrichtenmagazin im allgemeinen und der SPIEGEL im besonderen zu berichten hat.

Es ist uns dabei scheissegal, ob sie eine gute Journalistin bei der Süddeutschen Zeitung ist, wir diffamieren sie jetzt einfach und legen dabei gleich fest, wie WIR und besonders der uns dazu angestachelt habende AUST meint, dass es sein MUSS: BASTA.

Rudolf Augstein wollte, dass nach seinem Tod sein Anteil am SPIEGEL-Verlag nicht in vollem Umfang auf seine Kinder übergehen sollte. Deshalb hat er testamentarisch verfügt, dass der Mitarbeiter KG ein Teil seines Anteils zugefallen ist. Rudolf Augsteins Absicht war, seinen Kindern keine publizistische Macht über den SPIEGEL zu vererben.

Was Augstein dachte, bestimmen WIR. Nur WIR und in Personalunion AUST. Sonst niemand.

Dass Franziska Augstein diese Enttäuschung

Diese Neiderin! Wenn WIR könnten, dann würden wir sie jetzt sowas von öffentlich runtermachen, alles sagen, was wir von ihr wissen, aber jetzt muss es erst mal bei diesem Wink mit dem Zaunpfahl bleiben: Alles nur persönliche Rache, weil UNSER Augstein UNS lieber mochte!

nun zu einem Rundumschlag gegen diejenigen treibt, die seit Jahrzehnten durch ihre Qualitätsarbeit den SPIEGEL zu dem gemacht haben, was er ist,

Wenn sie jetzt bestreitet, dass WIR sind immer noch die GUTEN sind, völlig egal, ob wir bei Wikipedia klauen, Schleichwerbung machen oder und von Kirchhof mit falschen Zahlen beliefern lassen

und so allen Gesellschaftern kontinuierlich üppige Millionengewinne sichern,

in diesem fall sind wir dann doch zu einer kleinen sozialneidkampagne bereit

lässt uns an ihrer Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern dieses Hauses zweifeln.

finden wir echt gemein. Sowas darf nicht sein, das verbietet AUST. Bei jeder anderen Firma findet unsere Wirtschaftsredaktion das Durchgreifen der Gesellschafter supi, aber bitte nicht bei uns.

Eigentum - auch wenn man es geerbt hat - verpflichtet.

Ausnahme ist natürlich die Mitarbeiter KG, der WIR angehören.

DER SPIEGEL steht dank der Arbeit der Chefredaktion, aller Redakteure und aller Beschäftigten glänzend da,

Der Spiegel hat dank der Arbeit seines Chefredakteurs und vieler williger Redakteure einen guten Ruf bei vielen Berliner Lobbyisten

seine Auflage liegt konstant bei 1,09 Millionen Exemplaren.

die das Blatt auch weiterhin lesen.

Die Leser sind von der Qualität des Magazins überzeugt, selbst eine kürzliche Preiserhöhung von 40 Cent hat nicht zum Rückgang der Auflage geführt.

Sagen wir so und ignorieren alles, was in den Blogs steht - was sind schon Blogs?

Der SPIEGEL genießt im In- und Ausland hohes Ansehen, er ist das meistzitierte Medium der Republik, viele Preise für SPIEGEL-Kollegen belegen den hohen Standard seiner Berichterstattung.

Da war zwar noch was, aber das ignorieren WIR.

Wir fordern Franziska Augstein auf, das Ansehen des Blattes nicht weiter zu beschädigen, und bitten die Gesellschafter des SPIEGEL, sich zum geschäftsschädigenden Verhalten der Miterbin zu äußern.

Das Ansehen machen WIR alleine kaputt, da brauchen wir keine Hilfe. Und ihr anderen, haut jetzt gefälligst auch auf sie ein. Unterschrift: Viele - aber nicht AUST.

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Austgerastete Gesellschafter

Uiih, bei Gruner + Jahr marschieren die Hinterteile aber verdammt laut auf Grundeis, nachdem sich die Kritik am Spiegelzerdepperer Aust nicht mehr kontrollieren lässt - ich übersetze das mal:

Stellungnahme von Gruner + Jahr zu jüngsten Äußerungen zum SPIEGEL
Wir würden jetzt gern heim zu Mami, aber das geht nicht mehr, also gut, dann sagen wir halt was:

"Die Statements von Mitgesellschaftern stoßen auf unser Unverständnis.
Wieso sagt uns das keiner, wenn´s ans Schlachten geht? Und was isn da überhaupt los? Wieso werden wir auch angegriffen, nur wegen so´n bisschen Schleichwerbung?
Wir halten sie für unbegründet.
Gut, wir haben gerade den Jürgs bei unserer Promipostille mit seiner Lobhudelei auf Aust ganz weit aus dem Fenster gehalten, da können wir jetzt nicht zurück.
Diskussionen, wenn sie denn nötig sein sollten,
jaja, schon gut, bevor sowas nochmal kommt, reden wir bei einer Tasse Tee darüber.
gehören ausschließlich in den Gesellschafterkreis.
Und zwar so, dass keiner öffentlich was über unsere eigenen Defizite verlautbart. Also Maul halten. Alle. Was? Wir sollen auch...? Ooops, da ist uns was rausgerutscht, naja...
Wir sind uns unserer Verantwortung als Gesellschafter bewusst
Aber gut: Wir werden uns als kleine Nummer im Gesellschafterkreis bei der Debatte am Ende auf die Seite der Sieger schlagen
und werden diese konstruktiv wahrnehmen.
und uns natürlich dabei auch kaufen lassen, wir meinen, Marktwirtschaft rules.
Stefan Aust besitzt unverändert unser Vertrauen."
Aber natürlich, wenn etwas unverändert ist, heisst es nicht, dass es so bleibt.

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Austmisten*

zumindest bei Franziska Augstein:

"Ein objektiver Befund ist aber, dass unter der Ägide des jetzigen „Spiegel“-Chefredakteurs das Blatt seinen Platz als Leitmedium verloren hat."

Mehr im Tagesspiegel, via Girl. Bitte beim Austmisten auch den Spon gleich mit kärchern.

*ich hab´s erfunden!

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19% Mehrwertsteuer ab 2007?

Dann hoffen wir mal, dass der Restwert dieser grossen Koalition des Elends schon 2006 auf 0% runtergegangen ist. Dümmer kann sich die SPD ja wohl nicht der Linkspartei zum Frass vorwerfen.

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Hoffnung für Möchtegernschriftsteller

Na, war das Klinkenputzen auf der Buchmesse für das eigene Popgeschreibsel mal wieder umsonst? Schon mal zusammengerechnet, was ein BoD kostet - und dabei vergessen, was für Pseudoautoren eigentlich dort landen? Öfters mal die Klappe aufgerissen über den finalen Stadtroman, der in 1200 Seiten in der Schublade vor sich hinschimmelt? Neidisch auf unser Blog-Buch gewesen und verärgert, weil wir bei Euch nicht angeklopft haben? Dann könnte Euch diese Chance zum Gedrucktwerden interessieren. Andererseits, ich weiss nicht, ob gerade Ihr die richtigen seid, es geht ja um komische Literatur und nicht um komische Gestalten...

Für die mannigfaltigen Schatzproduzenten da draussen, die Genies und die grandiosen Schreibtäter, die sich einfach nie bei einem Verlag anzufragen getraut haben, ist das natürlich eine tolle Sache, das Exot. Die wollen Euch. Und ich weiss, dass es Euch gibt.

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Donnerstag, 10. November 2005

Herzausreisser

Zeit für neue Kerzen am Morgen. Im Schatten sitzt einer, der im Dunkeln der Nacht einen Plan und eine Mission hat, und einen Obsidiandolch, um den zuckenden Muskel dann der Sonne entgegenzustrecken.



Nur - es fällt ihm hier im dichten Nebel ein paar Stunden zu spät ein. Andere sind manchmal ohne Plan schneller. Und gefühlvoller.

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Real Life Sommer 1984 - Days of Splendour

Es ist kein Tag wie jeder andere. Der Weg in die Stadt, zuerst über den Feldweg, der das kleine Seeviertel mit dem grösseren Westviertel verbindet, entlang der geraden, breiten, wenig befahrenen Strasse vorbei an den Villen, in denen Bankdirektorentöchter tot und leer in Richtung Ehe vor sich hindämmern, gesäumt mit gelben 911er Targas und seegrünen S-Klassen, über die Ringstrasse durch den Park über den geborstenen Festungsanlagen, diesen Weg fährst du diesmal allein auf deinem stahlblau-gelben KTM-Rennrad. Es ist Sommer, es ist heiss, die Schule wird nur vier Stunden dauern, und dann bist du erlöst.

Heute wird es furchtbar. Es ist ohnehin kein Spass, als Aussenseiter in dieser eher technisch orientierten Schule. Nur langsam beginnen sie, ein wenig Respekt zu haben. Seit den Surfbrettern bist du plötzlich interessant für die Mädchen, die raus zu dir an den See kommen, auch die S. ist dabei und die B., was so ziemlich alle verwundert. Irgendwie ziehen ihre Enduros nicht mehr so richtig. Die langen Jagden auf dem Rennrad durch das Altmühltal sorgen dafür, dass die schlagenden Proleten und ihre Freunde das Konfliktmanagement aktiv aus der Reichweite deiner Beine verlagern. Du hast einen Tanzkurs gemacht und eine wirklich hübsche Partnerin bekommen, die den Ansprüchen deiner Eltern genügt. Sommer 1983 und 84, da schien sich alles zum Guten zu wenden.

Bis zu diesem Morgen. Da war deine kleine Schwester schon früher reingefahren, mit ihrer besten Freundin B., einem intriganten Stück aus einer Doppelhaushälfte, das dich nie leiden konnte. B. war schon am Nachmittag davor dabei, als sich die Katastrophe anbahnte. Nach langem, beständigen Nerven, Drängeln und Erpressungen über die Noten - wenn nicht wie sie will dann keine Einser mehr - fügte sich Frau Mama ins unvermeidliche und beauftragte Papa, von der Dienstreise dieses braune Ding mitzubringen, das an diesem Tag deinen gesellschaftlichen Untergang bereiten würde. Am späten Nachmittag packten Mama und Schwester im Beisein von B. das Ding aus, die kleine Schwester tanzte vor Glück durch das Wohnzimmer, die Mahnungen, es nicht in die Schule mitzunehmen in den Wind schlagend, und du wusstest, es würde die Hölle werden.

Du bist auf den letzten Drücker gekommen, hast dein Rennrad abgesperrt und bist in die erste Stunde gerannt. Chemie, bei diesem elenden rechten Stück Pädogoabschaum. Rein, hinsetzen, Rucksack auf - der Gong, gerettet, keine dummen Fragen. Aber schon in der ersten Pause kann U., der dich in diesem Jahr des Surfens und Tanzen und Lebens schulisch überflügelt, den Mund nicht halten und fragt dich graderaus, ob das stimmt, was sich wie ein Lauffeuer auf dem Schulhof verbreitet hat. Dass deine kleine Schwester wirklich das braune Ding hat, dass es echt ist, und dass ihr so reiche Leute seit.

Deine kleine Schwester macht sich an diesem Tag keine Freundinnen, was insofern ein Problem ist, als du gern mit der ein oder anderen neuen Feindin gerne rumgeknutscht hättest. Mit dem scheusslichen braunen Ding hat das definitive Distinktionsmerkmal Einzug in die Welt das provinziellen Teenager Einzug gehalten, und du bist als Bruder mitgefangen. Alle reden darüber. Schaut sie euch an, die Signorina Porcamadonna. Was sie da hat, in cognacfarben mit der dunklen Schrift und den Buchtstaben C und M. Es ist echt, es ist teuer, igitt wie kann sie nur, was sind das nur für Leute, dass sie ihr erlauben, mit dieser

M-C-M Tasche

in die Schule zu gehen.

Der Sommer bleibt heiss, der See ist zu schön und die Bretter sind so verlockend beim Bräunen, lange hält die Sippenhaft nicht vor. Zumal nach einer Woche die Tochter der Pelzhändler mit Mamas goldbesetzter Tasche mit dem LV-Schriftzug auftaucht. Zwei Buchstaben, die zwar niemandem so richtig was sagte, aber das protzige Gold macht was her. Bald darauf haben auch andere Töchter Taschen mit M-C-M, und so betrat das Böse diese Welt der bis dahin unschuldig-dummen Gemeinheit. 21 Jahre ist das jetzt her. M C M war inzwischen zurecht fast pleite.

Aber nun ersteht die aus einem Münchner Friseurladen hervorgegangene, durch geschmacklose deutsche Vorstadtkinder und halbseidene Damen, amerikanische Prinzessinnen und asiatische Luxusgeschöpfe gerade so überlebt habende Marke MCM neu. In München. Und irgendwo in Hokaido, in Berkeley oder in Singapur wird nächstes Jahr ein Junge widerwillig durch einen unschuldig verzauberten Park in die Schule gehen, wo alle wissen und jeder auf ihn mit dem Finger zeigen wird, wegen dem täschchengewordenen Bösen, das seine Schwester wieder in eine heile Welt hineinträgt.

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Geschwätz von Gestern

Da gibt es einen "Journalisten" namens C. C. Malzahn bei einem SPONline-Schwesterblatt der Bild - und der schrieb am 31.10.05, dass Müntefehrings Niederlage die SPD in die "größte Krise ihrer Nachkriegsgeschichte" gestürzt hätte. Von der gerade nichts zu sehen ist. Ich wüsste gern mal, wieso dieser Mann mit der politischen Weitsicht eines Grottenolms für den Schmarrn und den Gossendreck, den er die letzten Monate durchaus CDU-freundlich über die SPD gekübelt hat, nicht schleunigst gefeuert wird. Irgendein schwarzer Minister nimmt den doch gerne als Pressefuzzi, also nur kein falsches Mitleid - der Herr ist für den besagten Onlinemagazinableger SPON das, was Bushgehilfin Judith Miller für die New York Times ist: Ein Skandal mit zwei Beinen.

Weil, wenn jemand gerade in der fettesten Krise seit Kriegsende ist, dann ist es die CSU- wobei der Amigo- und der Spielbankenskandal sicher übler waren.

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Mittwoch, 9. November 2005

Sehr zu empfehlen (sort of) - Hagerty

Weil, was überhaupt nicht zu empfehlen ist, ist folgender Ablauf der Dinge: Man kaufe in Berlin englische Salz- und Pfeffer*streuer und benutze sie. Zu diesem Zweck fülle man sie mit Salz. Dann ziehe man übereilt nach München um, wickle sie in Zeitungspapier ein, verpacke sie im Silberschrank und denke, dass es ja nur für ein paar Tage ist. Zu Hause verwickle man sich in ewige Renovierungsarbeiten, so dass man den Schrank, in dem sich die weiterhin wohlverpackten Gefässe aus Sheffield befinden, nicht ausräumen kann. Zum Benutzen habe man vor Ort ohnehin andere Salzstreuer. 5 Monate später mache man sich doch daran und stelle fest, dass das Salz natürlich ausgelaufen ist und die lieblichsten schwarzen Flecke hinterlassen hat.



Das ist der Moment, zum althergebrachten Hagerty Silver Polish zu greifen, von W.J. Hagerty & Sons, Ltd., Inc., an dem sich Generationen von amerikanischen und britischen Hausmädchen seit 1895 die Handschuhe schmutzig gemacht haben. Es riecht nicht angenehm, es braucht seine Zeit - aber es wirkt. Nachhaltig. Wenn man schon dumm genug ist, Silber gesalzen aufzubewahren, als wär´s ein portugiesischer Bacalao. Der im Übrigen auch nicht wirklich zu empfehlen ist.

* natürlich Pfefferstreuer. Der Pfeffer wird vor dem Essen im Mörser gerieben. Pfeffermühlen am Tisch saugen.

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Dirt Picture Contest - Erna hol die Panzerfaust

Das da ist schlimmer als der Dreck auf den Strassen Berlins. Christliche Hirnfickwäsche in Praktikantenflitscherl.

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Schleimbeutel des Blogmarketings

Bei Thomas Knüwer, aber auch bei mir via Referrer wird momentan ganz kräftig für eine Menge Print- und Consultingdreck geworben, der sich mit Blogs auseinanderzusetzen vorgibt - gewisse Meinungsmachterbloggisten, Bloginitianaivlinge und sonstige Überwachungscharlatane sollten sich mal überlegen, ob das nicht vielleicht ein klein wenig abartig rüberkommt. Und ob sie vielleicht wirklich die negative Awareness wollen, die sie hier kriegen können. Nachdem ich ja angeblich so wichtig und beobachtungsrelevant bin, sollten sie das hier eigentlich auch sofort mitbekommen.

Ihr Pfeiffen.

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Abhärtung

Ich bin ein Kind der nebligen Niederung. Wie es so schön in "16 Tons" heisst: I was born one morning when the sun didn´t shine. Auch am Tag meiner Geburt war es neblig. Die graue Suppe hat die Stadt und ihre Menschen fest im Griff; vielleicht denken sie deshalb so begrenzt und kurz, vielleicht ist der Blick deshalb so auf die eigene, kleine Umgebung fixiert, die Beschränktheit des Daseins auf Konzertverein, Familie und Karriere leitet sich davon ab und die seltsame Neigung vieler Bewohner, die Zeitung bei den Todesanzeigen zu beginnen. Von Oktober bis Mai hat das Grau vom Fluss und den früheren, der Natur brutal umklammert.



Nirgends in Altbayern, auch nicht am Flusslauf verbeisst sich das kalte Nass so sehr in die Gassen und Winkel, hält sich Tage und Wochen und drückt schwer auf jede Lebensfreude. Manchmal verschwinden die Farben erst nach hundert Meter, manchmal sieht man kaum bis zum nächsten Eck, und die Feuchtigkeit ist so nass wie Regen. Nur ein paar Kilometer weiten, auf den Höhen, die das Tal einfassen, strahlt die Sonne, und wenn man im Münchner Hofgarten sitzt und sich noch im November mailändisch fühlt, ahnt man kaum die nicht enden wollende Finsternis ein wenig weiter im Norden.

Und dennoch... es macht hart. Hart genug für das Leben in weniger glücklichen Städten. Berlin zum Beispiel. Ich habe zwei üble Winter in Berlin überlebt. Das Grau, die reduzierten Farben und der Druck auf der Seele, das alles kenne ich. Das Ausgeliefertsein an eine Natur, die keine Katastrophe bringt und dennoch das Leben vergällt. Die Einsamkeit beim Eilen durch die Strassen, die sinnlose Suche nach Wärme und einen Ort, den man Heimat nennen könnte. Das alles erträgt man leichter, wenn man das Leben im Grau gewohnt ist.

Original Müncher, Kinder des Lichts, vermute ich, müssen in Berlin verkümmern.

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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Dienstag, 8. November 2005

Unicode

Früher war es eine Art Kaserne, jetzt hat man es mit Rot und Schwarz aufgehübscht, so man mit Schwarz hübschen kann.



An den Decken ist eine Leiste, in die drei nackte Glühbirnen geschraubt werden. Das ist die "Lampe", das Licht, in dem Studenten diesen und viele kommende Winter überstehen müssen. Immerhin, es ist München. Es ist mit ein wenig gutem Willen sogar Schwabing, wenngleich Welten von den Pinakotheken und dem englischen Garten entfernt. Es ist billig, und irgendwann werden die Bauarbeiten aussen rum auch zu Ende sein.

Und es ist immer noch besser als die von einem Mobilfunkkonzern gesponsorten Würfel, genannt micro-compact home, mit 6,8 Quadratmetern draussen in Freimann. Nasszelle inclusive. Die Frage: "Zu mir oder zu Dir" kann man sich da getrost sparen. Wenn beide in so einem Würfel hausen, haben sie Pech gehabt. Nicht mal für einen Vertikalfick unter der Dusche reicht der Platz.

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Volkssport

Für Kulturhistoriker ist die Randale der am Stadtrand wohnenden Pariser allenfalls eine Form von Brauchtumspflege oder Folklore.



Nichts im Vergleich zu 1830. Nichts. Da hat man mit Kaliber 12 cm auf Prunkbauten geschossen. Nicht so Kinderkram wie Kutschen anzünden. Seien wir ehrlich: Wir lieben Paris ja auch nicht für die Langeweile, sondern für die ab und an abgerübten Machthaber. Und Originalbilder des Biedermeier-Vandalismus sind, wie alles mit Sex und Gewalt, heute sehr gesucht. Nicht umsonst hat der Stich einen Ehrenplatz an meinem Schreibtisch, in etwa da, wo der Spiesser die Frau abstellt, die er noch nie geliebt hat.

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