: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Montag, 17. Juli 2006

Fürchte den Haifisch, wenn Du auch Geschenke bringst

An Tagen wie heute würden Haifische gern schwimmen gehen, zuerst rausröhren nach Starnberg mit 300+ PS und dann ab ins Wasser. Was Haifische überhaupt nicht schätzen, ist das Schwimmen zwischen den Glaswänden des Grossraumbüros.. Aber wie es nun mal so ist, findet sich das Fressen in den Akten, und von den schleimigen Algen des Sees wird so ein Hai nicht satt und ein Tank nicht voll. Man kann natürlich ein wenig die Stimmung mit Geschenken aufhellen, soweit man etwas hat, was sie mit ihren - hoffentlich gedeckten - Karten nicht einfach kaufen können. Japanische Netsuke der Meji-Periode zum Beispiel. Einen Daikoku, den Glücksgott des Reichtums aus Elfenbein. Also finden, kaufen, anrufen - was in der Vorstellung so geht:

Hallo Lieblingshai, wie geht´s? Schlecht, mhm. Ich komm nachher mal vorbei, passt das? Und dann, wenn man da ist, packt man die kleine Figur aus und erklärt, warum man sie gekauft hat: Der Sack ist voller Reichtümer, die der Gott bringt, und der Hammer ist wundertätig, das wäre doch was für dich, so ein Hammer für die Gegner, Watz! und die Reichtümer ab in den Sack... Der Haifisch, der sich gemeinerweise als sehr nettes Mädchen tarnt, wäre sehr angetan und glücklich und würde fröhlichen Flossenschlags im Aquarium hoh über der Stadt Knochen zernagen. In der Theorie.

Die Praxis ist dann so: Hallo Lie... Ja, ich denke mir, dass es Dir schlecht geht, bei dem Wetter, baden und so. Aber ich habe was für Di... Was? Wegen der Sache? Hör mal, das haben wir genauso besprochen. Doch. Das stand so in der Mail, die hab ich hier vor mir... Was heisst falsch interpretiert? Zahlen kann man nicht falsch interpretieren, Punkt 14 ist nun mal... Klar hätte ich anrufen können, aber wozu, steht doch alles drin... Oh Mann, dann pass gefälligst auf... ja, schon gut, ich mach das noch. Bis wann? BIS WANN? Hör mal, Du verfi äh egal, ich hab auch noch was anderes... Freitag passt mir gar nicht, die Woche ist dicht... Hey, wieso frägst Du nicht, wenn Du Sitzungen anberaumst? He? OK, aber dann muss A. die Powerpoint... A. ist in Urlaub? Ach Du mich auch, ja FreitagzefixKNALLDUBLÖDENU...



Ja. Und so kommt der Daikoku in meine Küche. Und wenn ich so einen Hammer hätte, dann gäbe es Hammerhai heute Abend.

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Gewöhnungsprobleme

Gleich am Eck, beim schnell erstrittenen Parkplatz, sitzen sie im knallvollen Strassencafe, obwohl es drinnen auch schön ist und die Strasse hier eigentlich nur für Cabriospotter geeignet ist. Eigentlich soll sie schon bald in eine Flaniermeile verwandelt werden, aber dann wäre der Gehsteig noch viel breiter und weitere Massen dieses Typs würden hier praktisch vor meiner Wohnung sitzen.

Drei Prachtexemplare tragen bayerische Lederhosen und haben Bier vor sich. Einer schreit - definitiv nicht bayerisch - in sein Mobiltelefon, dass sie gerade mit dem dritten fertig sind und dann noch eines nehmen und dann fahren sie zu ihm, sie haben nämlich das Cabrio, und dann schauen sie mal, wohin es dann geht, also Pfü-a-ti. Er lehnt sich zurück und setzt, obwohl im Schatten, die Sonnenbrille wieder auf, um seinen Kumpanen mitzuteilen, dass sie jetzt noch eines bestellen und Charlie später abholen. So laut, dass ich es höre, obwohl ich schon weiter bin. Wäre ich Mieter und nicht Besitzer meiner Wohnung, würde ich vielleicht nachdenken, ob sowas ein Grund zur Mietminderung ist. Hier, in der traumhaft schönen Maxvorstadt, wo asiatische Touristen auf dem Weg in die Museen in der Hitze so sehr leiden, dass sie aufhören, sich vor der Pinakothek zu photographieren.

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Sonntag, 16. Juli 2006

. [Edit: Die Preussen sind schuld]

Eigenlich sollte ich längst in der Munich Area sein. Volles Programm bis Freitag kommender Woche. Dort auch wieder übernachten, und auf eine 56k-Verbindung zurückschalten. Termine, Lieferungen, Deadlines, alles wie früher, und noch ein wenig mehr. Heute wollte ich los. Oder so.



War nichts. Als ich auf die Autobahn bin, war die Hölle los. Halb Norddeutschland auf Durchreise. Dann eben morgen. So früh wie möglich. Nach, ehrlich gesagt, Pfaffenhofen, auf den Antikmarkt. Und dann weiter nach München. Wenn es nicht zu heiss ist. Und dann wieder zurück, wenn möglich. Unstete Tage werden das.

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Medienkompetenz für Blogger

Ein Blogger erzählt Dir, er habe spontan ein Videointerview mit dem Staatsoberhaupt erhalten: The Chancellor [...] decided she wanted to do a spontanious interview right there in her office. Du sagst Dir:

a) Prima! Blogger sind endlich wer!
b) Prima! Und es ist ein cooles Interview, so menschlich, überhaupt nicht so politisch und kritisch!
c) Prima! Die Frau hat das Internet begriffen!
d) Was soll dieses dumme Gelaber angesichts der momentanen Scheisspolitik, den Unternehmen 5 Milliarden in den Rachen zu schmeissen und für uns die Steuern zu erhöhen.
e) Da hat jemand gecheckt, wie man die Blogger um den kleinen Finger wickelt.
f) Ich war mal Hauptstadtreporter und weiss durch Interviews mit Ministern und einem gewissen Gerd, dass es da keine sponaten Interviews vom Staatssekretär aufwärts gibt, da wird jede Frage vorher abgeglichen und beim Interview abgehakt und danach, wenn möglich, nochmal vom Pressedienst kontrolliert und abgesegnet - kurz: Verarscht Eure Oma, aber nicht mich.

Mehrfachantworten sind möglich. So. Wer nun mit a), b) oder c) geantwortet hat, sollte sich mal diesen Link in die URL-Zeile kopieren. Da findet sich ein Bericht über die Interviewvorbereitung einiger Cokecontainer-Insassen von einer weiteren Cokecontainer-Insassin, die Zeugin des Vorganges war. So von wegen spontan und so:

beissholz.de/pivot/artikel-1342.html

Da ich zum gleichen Zeitpunkt in Berlin weilte konnte ich hautnah miterleben, wie die sorgsam vorbereiteten, journalistisch wertvollen Fragen von Lyssa über Bord geworfen werden mußte (mußten müsste es heissen, Anm. Don), weil die Kanzlerin das Interview eigentlich aussetzen wollte. Über die ganzen Stolpersteine die dann auf einmal aufkamen.

So, Freunde der spontanen Blasmusik, nachdem ihr jetzt wisst, wie das läuft - d), e) und besonders f) wären die richtigen Antworten auf ein auf Harmlosigkeit getrimmtes PR-Gespräch gewesen, gegen das Dieckmann bei G.W. Bush ein Gipfel kritischer Berichterstattung war - beantwortet bitte die Frage, was dieses Zitat eigentlich ist:

a) Der Beweis, dass man sich bei bloggenden Freunden eigentlich ein ganzes Herr offline-Feinde sparen kann.
b) Der Beweis, dass das mit dem "spontanious" eine Lüge ist.
c) Der Beweis, dass das Merkel überhaupt kein Interesse an irgendwelchen Nicht-Supersoft-Homestories mit Bloggern hat.
d) Der Beweis, dass die geschwätzigen Ichwarauchdabeis aka Experten die übelsten PR-Pannen selbst produzieren.
e) Der Beweis, dass sich das Drecksspiel der Journalistenknesterei der Pressestäbe in Berlin sich auch für Blogger mit besten Kontakten nicht ändern wird - noch dazu, wenn sie keine Erfahrung haben, wie man das trotz Überwachung hinbiegt
Oh, ich hab den Zettel mit den Fragen vergessen... den haben Sie, Herr Pressereferent, doch sicher noch in ihrem Zimmer? Könnten Sie den...? Ja bis gleich. Also, Herr Minister, die Zeit drängt, sie müssen zum Staatspräsidenten, vielleicht können wir schon mal über das eine Thema reden... sinngemäss war die Frage wohl.... so geht das, ihr VLuschen.
f) Der indirekte Beweis, dass Blogger, sobald ihnen der Bauch gepinselt wird, so leichtgläubig sind wie ein bildlesender Mallorcaballermann mit 2,8 Promille.

Auch hier sind Mehrfachantworten möglich. Und noch mehr ist dann hier und besonders informativ hier.

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Samstag, 15. Juli 2006

Die letzten Strahlen

und die letzte Sägerei im Abendlicht, draussen, während unten im Hof die nächste Party steigt, mit totem Vieh und anderem Zeug aus dem Supermarkt.



Einmal die Woche gehe ich da auch hin, für alles, was ich nicht woanders bekomme. Ich verabscheue Supermärkte, aber ein paar Mal muss es sein. Wenn ein paar von den Elitejings vor mir sind, frage ich mich jedesmal, ob die jede Nacht irgendwelche Frauen abschleppen, oder wo das Zeug sonst hingeht. Billigstes Zeug, das Erwachen kann bei diesem Wetter gar kein Spass sein. Vermutlich ist das alkzerstörte Aussehen dann ein Anlass, um am nächsten Nachmittag den Überarbeiteten zu geben. Nur, wenn die jetzt schon so saufen, was machen die erst, wenn sie mal eine Unternehmenskrise bewältigen sollen. Die Betriebsapotheke plündern, vielleicht. Veronal ist optimal, sagte man damals in der späten Munich Area.

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Real Life 13.07.06 - Die Naturgewalt

Er braucht nur eine Gummidichtung. Er trägt sie lässig, das Holzfällerhemd ist hochgekremüelt und gibt den Blick auf dicht behaarte Oberarme frei. Ein paar Tatoos hat er auch, und seit seiner besten Zeit, Ende der 50er, hat er seine Frisur nicht mehr gewechselt. Der Hals ist dick und kurz, der Körper gedrungen und kompakt, aber nicht fett. Ein Akkordler aus der grossen Fabrik wahrscheinlich, der vor ein paar Jahren ausgestiegen ist. Solche Leute steigen mit bis zu 200.000 Abfindung in den Vorruhestand aus. Den Rest ihrer Tage, solang es die Beine mitmachen, rennen sie herum, zeigen bei jeder gelegenheit ihre am Stahl gehärteten Muskeln, stehen sie nicht still und schieben die Hände nicht in die Taschen. Wer sich in der Firma nicht bewegt und die Hände in der Tasche hat, der hat nichts zu tun und wird von der Seite angesprochen. Man muss immer etwas in der Hand haben, man muss sich immer bewegen, immer bereit sein und immer etwas tun, hinlangen, zupacken, ein Mann sein, a guada Mo mit allen Folgen für das Machotum und Zuschlagen und den Bordellbesuch oder den Abstecher nach Tschechien. Deshalb steht er nicht einfach an der Kasse, sondern wackelt rum, schüttelt die Arme, begutachtet die Dichtung, schaut sich um, und dann, als er an der anderen Kasse sieht, dass dort weniger los ist, wendet er sich an seine ähnlich kompakte Frau im braunen Blümchenkleid und sagt:

Kumm, do is stenga weniga o, gemma niba.

Sie schaut ihren Brocken Mann regungslos an, er schaut zurück, hört auf, ungeduldig herumzuwackeln und schaut wieder den Dichtungsring an. Kurz danach sind sie an der Reihe. Sie nimmt ihm den Dichtungsring aus der Hand, legt ihn auf die Theke, zieht einen Geldbeutel heraus, ein mächtiges schwarzes Ding, wie es hier die Kellnerinnen tragen, mit vielen Fächern, in denen sich Karten und Bilder türmen, zieht dann einen grossen Schein heraus.

Woat, sagt er, zückt einen kleinen Geldbeutel, ein scharzes Lederheft, wie es Kinder bei der Sparkasse geschenkt bekommt, flach und abgegriffen, und stellt dann fest, dass er so viel nicht dabei hat, was sie sowieso schon wusste, weshalb sie die Kassiererin mit einem Kopfschütteln instruiert, auf den grossen Schein herauszugeben. Sie nimmt das Geld, drückt ihm wortlos den Ring in die Hand und einen Zehner, und dann gehen sie, sie vorran und er wackelnd hinterher, und du schwörst dir, nie mit anderen Frauen als zickigen, verwöhnten Grossstadtgewächsen zu schlafen, die sind in Wirklichkeit viel anspruchsloser und handzahmer und überhaupt nicht so tödlich wie die Frauen, die diese Provinz hervorbringt. Gleich nachher gehst du Pralinen kaufen und dann auf die Post.

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Stackenblochen

oder: Orte, an denen der Deutsche seinen Spass hatte.



Und wenn der Deutsche den Platz verwüstet hat, kommt der Nichtdeutsche, räumt auf und stellt es alles wieder so hin, dass der Deutsche wieder seinen Spass haben kann.

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Freitag, 14. Juli 2006

34° C

Bei aller Liebe, aber heute Nachmittag war die Dachterasse ein kleines, rotglühendes Tschernobyl: 34 Grad bei Windstille.



Die Aktivitäten werden noch mal zwei Stunden nach hinten gelegt, solche Tage kann man eigentlich nur verschlafen. Die Gartenparties des Wochenendes wurden heute auf den Abend verlegt, was gerade am Sonntag keine so gute Idee, ist, da ist nämlich die grosse Nacht der Chöre in den schönsten Kirchen der Provinzstadt. Man wird sich also entscheiden müssen, wenngleich die Karten längst gekauft sind und man schlecht nicht kommen kann, weil man gesehen werden muss, wenn schon mal so ein Marathon stattfindet. Alle extreme stellen diese kleine Welt vor schwerste Prüfungen, man muss neue Wege suchen und eventuell auch mal nein sagen, das können die Leute hier nicht, und so schleppen sie sich noch zwei Wochen durch die hitzegefluteten Strassen, bis dann der Urlaub kommt und man dem Delitium für ein paar Wochen entgeht. Immer noch ungewohnt, wenn man viel mit Medienleuten zu tun hat: Die Provinzler hier fahren bis zu 5 Wochen am Stück in den Urlaub.

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Nichtmediterran

Im Viertel der besseren Leute wird jetzt umgestrichen. Keine 10 Jahre nach dem Bau gefällt das Weiss nicht mehr, es war ohnehin schon etwas schmutzig, jetzt muss es Ocker sein und grau abgesetzte Kanten, man will ja nicht modisch hinter den Hundehütten an den Strassen zu Käffern sein, die man höchstens mal auf dem Weg zum Ausflug befährt. Es stimmt schon, irgendwas südliches wäre nett, und mancher lässt sogar das Dach neu machen, weil das alte dunkelbraun nicht mehr passen will. In uns Italien, der verlängerte Rückenmarksfortsatz der Toskana , nur die Tür in weiss, grau und Magenta, die lässt man, weil das dann doch zu schade wäre, und man hat sich ja bald an den dreieckigen Farbklecks gewöhnt, den man schon Mitte de90er toll fand. Miamistil nannte man das damals.



Pech bei diesen Anpassungsarbeiten an die aktuelle Ultramoderne haben nur die, die es damals übertrieben haben. Runde Fenster, wie hat man die damals beneidet, gehen heute gar nicht mehr. Runde Wände und diese Decosäulchen sind jetzt auch eher, uh, gewöhnungsbedürftig. Die sollten das wenigstens begrünen, wenn sie schon keine putzige Toskanagemütlichkeit hinbekommen, diese Leute da. Vielleicht kann man zumindest innendrin was machen, Fliessenboden und ein paar Olivenholzbalken, und auf alle Fälle diese mintfarbenen Kleckse da wegmachen, bitte. Noch schlimmer als der Pinkklecks an der eigenen, stilechten Landhauskopie. Da kann man wenigstens einen Kranz davorhängen, nicht wahr.

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Burda und der kostenlose Internetinhalt.

Web 2.0? Ich nenne es Raubrittertum 2.0. An der Blogbar.

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Donnerstag, 13. Juli 2006

5 Jahre

5 Jahre wären schon, das ist eine runde Zahl, das freut die Auftraggeber der Haifische. Auch wenn es dann letztlich mit der U-Haft keine zwei Jahre mehr sind. Wenn man zwei von drei Dingern durchbekommt, sind die fünf nicht unrealistisch. Fünf Jahre ist ungefähr die Schallmauer zwischen High Potential mit viel Pech und echtem Verbrecher. Mit fünf Jahren kann man sich eigentlich nur noch umbringen. Oder Blogberater werden, denke ich halblaut. Was? Fragt ein anderer. Anlageberater werden. Alle lachen. Ausser den Anlageberatern im Raum, aber die sind sowieso ganz still. Wenn es nicht klappt, sind sie die nächsten in der Verantwortungskette. Ich bin jedesmal wieder überrascht, wenn die vollzählig auflaufen, ein paar von denen wussten in der Spätphase, an ihrer Stelle hätte ich längst den Flug nach Rio gebucht. Zum Glück sind sie an kognitiver Dissonanz erkrankt, wie viele andere, und erkennen ihre Fehler nicht. Es sind immer die anderen gewesen. Wenn es fair zuginge, würde man mit ihnen die Teufelsbraten auf dem Grill würzen. Aber wenn es fair zuginge, dann möchte ich nicht wissen, wer hier eigentlich korrekt gearbeitet hat. Sowas kündigt sich immer früh an, da hätte man schon bei der Konstruktion aufpassen müssen, das Projekt war doomed from the start, die Absicherung der Abkassierer war das einzige, was gut gemacht wurde, aber auch nicht gut genug, wenn man es schafft, die Ebene drunter hochzunehmen. Aber so ist das, wenn manche sich für zu schlau halten und so viel auf einmal nehmen, dass es auffällt. Singt einer, pfeifen die anderen aus dem letzten Loch. Und das lockt die Haifische magisch an.

Ich verstehe es nicht, ich verstehe nicht, wie man sein Vermögen in etwas stecken kann, was man anschauen könnte, aber ausser den Computerbildern vor der Planung nie gesehen hat, bis alles zu spät ist und dann die Zwangsversteigerungsprospekte kommen. Ich verstehe diese Leute nicht, denn sie haben viel Geld verdient, sie wissen, wie das geht. Ich verstehe die Leichtgläugigkeit nicht und den Umstand, dass sie jahrelang mitgespielt haben, bis es an die Existenz ging. Dass sie lieber weitergezahlt haben, statt die Haifische zu holen. Sie waren ja schon lange da. Ein Telefonat hätte genügt. Diese verdammte Eitelkeit, nicht als Abgezockter dastehen zu wollen. Vielleicht ist es das. Da erträgt man lieber die unangenehmen Termine mit den Kundenbetreuern in der Bank, die überhaupt nicht mehr so nett sind wie vor 10 Jahren.



Es kann immer was schief gehen. Wieder daheim, gegenüber, haben sie sich auch verplant. Ein Gebäude hat sich beim Aushub gesenkt und ist jetzt baufällig, die geplante Kuppel wurde wieder zugemauert, weil die Kosten explodiert sind und für Sperenzchen kein Geld mehr da ist. Lachhafte Summen im Vergleich zu den Kugeln, die mit dem Geld der Greater Munich Area weltweit gedreht werden, Seoul, Berlin, Mailand, Malaysia. In der Lokalzeitung steht dann ein Artikel über einen "heimtückischen Giftanschlag" in einem Kaff, der die Falschen erwischt hat - jemand fühlte sich vom Froschgequake wohl so gestört, dass er toxische Stoffe in einen Dorfweiher geschüttet hat. Blöderweise gingen nur die fetten Karpfen zugrunde, die nicht weglaufen konnten, die Frösche hüpften an Land und quaken schon wieder. Ein Scheissspiel. Ich kenne Haifische, die eine Weile Angst hatten, irgendwas zu essen, was sie nicht gerade aus einem Supermarkt geholt hatten. Und ich lese was von Altersvorsorge durch Fonds.

Verdammt, lasst Euch nicht reinlegen, nehmt ein Sparbuch bei der Sparkasse. Besser 3% Zins, als 20% an die Haifische für alles, was sie zurückholen, falls noch was da ist. Meidet Asien, das geht hoch, das kann nicht gut gehen, niemals, da baut sich gerade die nächste globale Wirtschaftskatastrophe auf, zwischen China und Südkorea. Und die fünf Jahre für die anderen machen auch keinen Spass, wenn man überschuldet ist.

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Erlösung

Diese Nacht wurde es nicht kalt, die Hitze verflüchtigte sicn nicht aus den Zimmern, und am Morgen war die Luft schon fast flüssiges Gas, bisweilen krachte es in der Ferne wie von explodierenden Tankzügen, bis es endlich begann.



Zwischendrin haben die verdammten Haifische angerufen. Heute noch muss es sein, in der Munich Area. Die Mandantschaft muss aktiv werden, sonst werden ihre Kunden aktiv, und dann hat man weitere Haifische im Spiel. So viele Räuber bei so wenigen Opfern, das ist unlukrativ. Man muss über die Gegner kommen wie ein Hagelsturm und nicht wie ein Nieselregen. Man darf ihnen keine Chance geben. Eigentlich Selbstverständlichkeiten. Denn auch dieser Fall klebt schon, es muss endlich krachen. Meinen sie. Und auch in München, so hört es sich über das Telefon an, kracht es. Vielleicht hat jemand aber auch nur was an die Wand geworfen. Sowas passiert. Ein Haifisch hat mal bei einer erregten Besprechung eine Bronzeskulptur, einen eigentlich Ruhe und Kraft darstellenden, schlafenden Löwen, durch eine Glaswand gepfeffert. Überraschenderweise war die Mandantschaft dann zügig bereit, den Vorschlägen zu folgen.

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Jetzt reicht´s.

ich habe mir in meinem Dasein im Netz viel Blödsinn angehört. Ich habe mich in Pitches belabern und bei Due Diligences belügen lassen. Ich habe oft den Mund gehalten, weil ich mir dachte, was soll´s, lass sie reden, das wird schon irgendwann. Und wäre es die FTD gewesen, hätte ich nur schief gegrinst. Aber ich bin Handelsblattleser. Ich lese gern Berichte von mittelständischen Schraubenherstellern, und nicht von irgendwelchen Spinnern mit Visionen. Und es nervt mich kolossal, wenn MEIN Handelsblatt bei einem MEINER Themen kapitale Böcke schiesst. Mit einer Handycam und Sonntagsjäger Sixtus am Auslöser. Früher hätte ich einen Leserbrief geschrieben. Das war gestern. Heute ist Abrechnung 2.0 an der Blogbar.

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Mittwoch, 12. Juli 2006

Anstiftung zur Todsünde

Man kennt das. Diese Neider, die es an Äusserlichkeiten festmachen. Vielleicht ist es einfach nur das Wissen, dass der andere zwischen acht und zehn tatsächlich irgendwo da oben sitzt, Tee in einer Silberkanne neben sich stehen hat, ein gutes Buch von Ricardo Piglia in der Hand, und ab und zu aufschaut, beeindruckt ist von der Schönheit, zur Kamera greift, um ein paar Bilder zu machen, das manche so verbittert sein lässt. Wäre es anders, wäre ich arm dran und hätte Probleme, wären sie vielleicht höhnisch.







Aber so sind sie verbittert. Nehme ich an. Aber eigentlich ist es mir egal, solange ich tatsächlich hier oben sitze. Und sie nicht.

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Keine kommerzielle Werbung hier. Ausser für mich.

Ein kleiner Hinweis: Das hier ist ein Spassblog. Angesichts der Strategie von Agenturen, vermehrt Blogger einzuspannen - aktuell etwa eine Suchmaschine, die für werbende Artikel bei manchen üblichen Verdächtigen bezahlt - möchte ich darauf hinweisen, dass die Beiträge hier nicht käuflich sind. Weder vorher aus Kalkül, noch nachträglich aus Dankbarkeit, was es auch schon ein paar mal gegeben hat. Was ich enorm nett finde, weil ich Firmen, über die ich schreibe, oft mag. Aber das heisst eben auch, dass ich gerne für ihre Produkte zahle, weil sie es wert sind. Ich habe Geschenke, Zuschüsse und Entschädigung nicht nötig; wenn ich Geld will, arbeite ich. Ja, das gibt es auch noch. Arbeiten, statt sich kaufen lassen. Sprich: Abgesehen von der Werbung für meine Bücher und Lesungen, wobei zweitere meistens kostenlos sind, ist dieses Blog werbefrei, und wird es auch bleiben.

Die zugehörigen 3 Akkorde spielt René bei Nerdcore. Und irgendwie habe ich den Eindruck, dass obige Verdächtige von der sie bezahlenden Firma ziemlich allein gelassen werden mit den Protesten, wenn das ein Firmenblog gewesen sein sollte.

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Wer schreibt, der bleibt, auch wenn er fault.

Die Zukunft des Journalismus, dargestellt so gegen 1700, aber heute wieder topaktuell:



Wir haben hier übrigens eine Lokalzeitung mit tollen, riesigen Bildergalerien von jedem Fest von 100 Jahre Feuerwehr Hinterreiherhausendorf bis zum "Wir bauen die geilsten Mordwaffen"-Event mit 80.000 Besuchern. Juckt keinen. Wir haben auch ein mit viel Werbeaufwand in die Stadt eingeführtes Lokalblog, das der drögen Zeitungskonkurrenz das Wasser im Netz abgraben soll. Juckt keinen. In einer Boomregion mit 250.000 Einwohnern, wo der Netzausbau besser ist als in mancher Metropole. Wo Geld in rauen Mengen da ist.

Und dann gibt es noch eine Community, wo gerade 500 Leute eingeloggt sind, die über zehntausend Mitglieder hat und das ausschliesslich über Parties wie das "Houkl-Boukl-Fest" berichtet. Kennt ausserhalb der Region kein Mensch, ist aber auch egal. Soweit ich erkennen kann, geht es vor allem darum, Ficks optisch und per Chat vorzusortieren - geht man mit der Maus über einen Namen, kommt sofort das Bild des Users. Ist höllisch erfolgreich bei der Altersgruppe 14 - 29. Dagegen sehen Blogs und Journalismus ganz alt aus. Da gibt es auch keine Brücke über den Abgrund, der sich da auftut. Und auf beiden Seiten nichts, wo man so eine Brücke auflegen könnte. Man kann Steine in den Abgrund werfen und hoffen, dass er irgendwann voll ist. Am besten, bevor einem das Fleisch von den Rippen fault.

Das sollte uns zu denken geben. Ja doch.

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Dienstag, 11. Juli 2006

Es geht voran

Drei Bohrer, eine Säge, zwei Gipsformen, zwei Dutzend Schrauben und Nägel haben den heutigen Tag nicht überstanden. Spätere Generationen werden sich über die abgebrochenen Bohrer in der Wand hinter dem Stuck wundern, vielleicht auch über die Verzweifllung, die aus dem Mix von Schrauben und Konstrukionskleber spricht. Eine pfundschwere Lisene hat sich von der Decke gelöst, als ich gerade darunter vorbeigegangen war. Auf einem mysteriösen Kabel war doch Strom, obwohl alle Sicherungen draussen waren. Was ich buchstäblich begriffen habe, als ich die Kabel durch eine Rosette ziehen wollte. Lustig, wenn man bei solchen Entdeckungen drei Meter oben auf der Staflei balanciert und die andere Hand, mit der man sich gern die zittrigen Finger halten würde, das schwere Gipsstück heben muss. So eine Rosette ist zu teuer, als dass man sie einfach für ein bischen Tätscheln fallen lassen würde. Wie man halt seinen Sommer so zubringt.



Aber die Aussenwerkstatt mit den makellosen Farben, die ist unvergleichlich. Morgen leiden wenigstens meine Handwerker wieder mit mir.

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Transparency International: Old Scandals never die

Man erinnert sich vielleicht noch an diesen Fall, das sogenannte Monigate: Eine kleine Welle der Empörung über die NGO Transparency International German Chapter, die versucht haben Moni zu diskreditieren und ihr mit Drohungen einen Bericht über den Umgang von TI mit seinen Mitarbeitern zu untersagen. Wir haben damals ja ein wenig mitgespielt und bei der Gelegenheit auch noch andernorts ein wenig Erde verbrannt, nach alter Väter Herkommen, sprich, es war eine gute Zeit, wir haben viel gelacht, und irgendwo ist es ganz gut, dass man heute Konflikte mit den Blogs austrägt und nicht mehr mit blankem Stahl. Die ganze Geschichte findet sich hier.

Im Zentrum stand neben Moni auch der Justiziar und die Geschäftsführerin von TI. Damals wurde hier schon gemutmasst, führendes Personal könnte demnächst in Weissrussland arbeiten. Ich weiss nicht, wo die damalige Geschäftsführerin, in deren unglücklicher Hand damals die Geschichte lag, heute ist - Fakt ist aber, man sucht jetzt für sie einen Nachfolger. Jaja. Vielleicht ändert sich ja auch was im Umgang mit den Mitarbeitern bei denen. Wann gehen eigentlich die Chefs von Johannsen und Kretschmer?

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Herzenswünsche

Die hier wollte das sehen: 120 jahre altes Fischgrätparkett aus Eiche. Hey Girl, das Leben kann auch schön sein, wenn das Wasser 1 Meter hoch in der Wohnung steht! Dann hat man gleich einen Liegeplatz für die Riva.



Fischgräten müssen also nicht immer so negativ sein wie die Innereien des Hechts. Trotzdem ist es bisweilen nett, anderen beim Entgräten mit der linken Hand in rechten Eingeweiden zuzuschauen.

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Kultur, Wert, Verwertung

Ein paar grundsätzliche Bemerkungen an der Blogbar - wollte ich schon länger mal loswerden, aber angesichts der gerade aufkommenden Schwarmdummheit der Web2.0er ist die Gelegenheit günstig.

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Irgendwann kriegen wie sie

Die Journalisten. Mit Blogs. Was schön ist, wenn sie es gern tun und nicht als gezwungene Popaschmierer. Und auch noch das selten, viel zu selten gewordene Wort Kolophon kennen. Dieser Herr blogt schon länger mit Metamac, er weiss folglich, was er tut. Beachtet also bitte Ben Schwans Berichte aus dem Mediendschungel mit all seinen giftigen Schlangen, den Affen und einer sehr hübschen Gestaltung.

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Montag, 10. Juli 2006

Stattglotze





Natur, Drama, Spektakel, Erlösung, Untergang.

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Kanonen der Aufklärung

Eines der Fächer, das in diesem meinem Haus gelehrt wurde, war die Astrologie. Gerade zu seiner Bauzeit um 1600 nahm diese Wissenschaft einen Aufschwung und setzte, zuerst als Bastard, die Astronomie in die Welt, die nach ein paar hundert Jahren und einigen Ketzerverbrennungen die Astrologie als Wissenschaft ablöste, genauso wie die Chemie das Goldmachen verdrängte - Scharlatane wanderten deshalb in andere Bereiche ab und finden sich heute beim Online Business Development der letzten Bastion der Unaufgeklärtheit, den Medien.

Schräg gegenüber jedenfalls wurden die Sonnenflecken entdeckt, die Strasse runter schliffen Optiker mit die ersten Fernrohre, die dem geozentrischen Weltbild den Garaus machen würden, und genauso, wie ich ein gewisses Faible für alte Bücher der mir verhassten Gesellschaft Jesu habe, wollte ich schon immer mal ein altes Fernrohr besitzen, aus goldglänzender, alter Bronze und ohne Mechanik für die Brennweite, das man zusammenschieben muss, um die Schärfe einzustellen, mit einem Deckel vorne und eine kleinen Klappe hinten, denn die Fernrohre brechen Horizonte auf, es sind die alten Kanonen der Aufklärung. Dummerweise hat der Gang der Geschichte vielen alten Stücken den Garaus bereitet, und was noch da ist, ist unsagbar teuer, denn meinen Wunsch teilen noch andere - vermutlich so ziemlich jeder Augenarzt, zum Beispiel. Keine Ahnung, wo dieser Berufsstand heute morgen war, er war jedenfalls nicht auf dem Antikmarkt nahe der trägen, müden Donau.



Es ist genauso, wie ich es immer haben wollte, die Linsen sind sauber, das Metall vom vielen Benutzen wunderbar patiniert, und über all die modernen, in Managerkreisen als Gimmick gehandelten Fernstecher mit eingebauter Digicam kann ich nur mokant lächeln. Und würde man mir ohnehin nicht alle üblen kleinen Geschichten dieser Provinz zutragen, so könnte ich Nachts durch die Gassen ziehen und schauen, was unter Dächern passiert, die bis jetzt vieles meinem Blick, aber wenig meiner Kenntnis entziehen konnten. In Essen, Berlin, Düsseldorf und München, wo man das Glas der hohen Häuser verspiegelt, wäre es sinnlos - aber ich muss nicht hineinschauen, um zu wissen, welche Idioten dort am Werk sind. Für Sonnenflecken braucht man ein Fernrohr, für das Auskundschaften der Idioten genügt heute das Lesen ihrer geschwätzigen Blogs. Man wird vielleicht genauso gehasst wie früher unter den Jesuiten, wenn man nicht an das alleinseeligmachende Web2.0 glaubt, aber nicht mehr verbrannt. Das ist fraglos ein Fortschritt.

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