: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Montag, 19. November 2007

Food Porno, sinnlos, fleischlos und brutal!

Und falls Frau Mama Fragen stellt, warum ich sowas öffentlich im Internet mache, werde ich sagen: Der fleischfressende Franz ist schuld! Der hat angefangen! Und ich war ohnehin gerade einkaufen für das Gratin.



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Jetzt warte ich noch auf deren hübsche Fleischphotos, und solange erstelle ich mein gefürchtetes, südfranzösisches, gewürzbestücktes Kartoffel-Tomaten-Champignon-Gratin mit Roquefort-Broccoli und Sahne im Spinatmantel.

[Edit: Machen wir mal eine kleine Erklärung dessen, was ich mir bei diesem Arrangement gedacht habe, und was man vielleicht übersehen könnte.

Das einfachste Bedeutungsspiel ist das Silberteller mit der Zitrone links unten. Eine Vanitasdarstellung par Excellence, denn die Zitrone, im 17. Jahrhundert ein Luxusgegenstand, ist erkennbar ausgetrocknet, und ihre Haut ist dünn und verschrumpelt - sie hat die beste Zeit des Daseins hinter sich. Daneben liegt nur noch eine Dattel, aber viele Kerne bereits gegessener Früchte. Und unter der Klementine liegt die bereits trockene Schale einer verschwundenen Frucht. Luxus pur, aber trotz des Edelmetalls bereits vergangen - sie alle sehen buchstäblich den Spinat von unten.

Schon etwas schwieriger wird es mit den vier Elementen. Dass es darum geht, erkennt man an der Muschel rechts oben, die scheinbar funktionslos aus dem Bild ragt, und damit verdeutlicht, dass sie nicht zufällig dort liegt. Auf einer Ebene sind die Karaffe und das Glas, jeweils halb gefüllt. Diese Gegenstände stehen für das Wasser. Um die Kerze sind sie feuerroten, scharfen Paprika und der Mörser gruppiert - in letzterem wird der Pfeffer gestossen. Hier haben wir also das Feuer. Die Luft wird drch Früchte symbilisiert, die sich hoch über die Erde erheben: Broccoli, Tomaten und Oliven. Das blaue Imariporzellan, auf dem sie liegen, zeigt dann auch japanische Bäume, die sich in die Luft erstrecken. Darunter liegt ein Messer, dessen Horngriff zu ihnen weist. Die Eisenklinge weist dagegen zum Rest: Eingerahmt von aus der Erde gewonnenem Silber sind dagegen Zwiebeln, Pilze, Kartoffel und Spinat, die allesamt unter oder knapp über dem Boden ihr Zuhause haben.

Und dann ist da noch die göttliche Ordnung. Im Hintergrund ist ein Stich mit Konstruktionen perfekter Kugeln, die Schöpfung, wenn man so will. Ausgehend von den Kugeln sind alle anderen Körper deformiert und verändert: Die an sich runde Zwiebel ist geschnitten, der Scamorza ist durch das Räuchern verlaufen, die Zitrone halbiert, die Pilze mit Scharten, die Oliven mit Fremdkörpern gefüllt, die Kartoffeln phallisch, der kugelförmige Broccoli aufgebrochen, die Haut der Paprika verschrumpelt, die Tomaten gerippt und die Klementine voller Pusteln. Nichts entspricht der Vorstellung des Konstrukteurs, und wer will, kann sich jetzt auch noch überlegen, welche der 10 Sünden mit welcher Frucht gemeint sind. Viel Spass!]

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Die wahrhaft wichtigen Dinge des Lebens

Ein geschmierter Schreiberling wird nicht weiterbeschäftigt? Politknallchargen üben sich im öffentlichen Diskrepieren, statt die Sache ohne Dis-sen zum Staatswohl über die Bühne zu bringen? Und anything goes so weit, dass sich alle meine homosexuellen Bekannten inzwischen fragen, ob Hetentum wirklich so übel ist, wenn man damit den diversen Willwelles in der eigenen Peergroup aus dem Weg gehen kann? Kann sein, aber das alles ist mir egal. Denn ich habe meine Seelenruhe wiedergefunden, die ich am Samstag verlor. Und das kam so.

Nach diesem Glücksgriff war die Geschichte noch nicht vorbei, denn ein paar Tische weiter stand ein komplettes Speiseservice aus einer thüringischen Manufaktur. Und die belegte hier auch über 10 Jahre nach ihrer Insolvenz noch einmal, dass Industriespionage und Produktklau keine Erfindung des 20. Jahrhunderts und kein Monopol Fernasiens sind: Von aussen sah es aus, wie das originale, blaue Zwiebelmuster aus Meissen. Man musste schon genau hinschauen, um an der Oberfläche die Unterschiede zu erkennen, und die Porzellanmarke hinten gab sich die Mühe, Buchstaben als gekreuzte Schwerter erscheinen zu lassen. Billig war es ausserdem, 38 Euro für 20 Teile, mit Terrine und Fleischplatte, aber:

Blaues Zwiebelmuster. Das ist zwar ein Klassiker, und gründet sich formal auf den feinsten Produkten holländischer Fayenceproduktion - mit der sich zeigt, dass man auch in Meissen schon das stahl, was die Holländer wiederum den Chinesen abgeschaut hatten. Die Kette der Begehrlichkeiten jedoch reisst vor meiner Person, denn ich finde trotz meiner fast schon krankhaften Sucht nach asiatisch inspirierten Relikten des Rokoko genau dieses eine Muster wirklich nicht schön. Das heisst, bei 38 Euro fange ich langsam an, doch darüber nachzudenken, und als ich dann 30 Kilometer hinter Würzburg war, verfluchte ich mich für den Gedankengang, dass ich sicher noch was Besseres finden würde, und beim mir der Platz langsam eng wird. Bei nüchterner Betrachtung ist tatsächlich in rund 4 Tafelservicen für 12 Personen definitiv Schluss, und da hätte ich eben doch lieber Roter Drache, Streublumen, Weinlaub, Hutschenreuther Empire und - was? Schon voll? Grausame Welt! Aber doch, wie lange dauert es, bis ich das Gewünschte finde, und in Veitshöchheim stand es als Zwiebelmuster da, für mich, günstig und praktisch neu, und wer weiss: Vielleicht würde es mir gefallen, wenn ich es besässe. Ganz sicher sogar, und die Farbe würde vielleicht schon - mit passender Tischdecke - ins Esszimmer passen, und so fuhr ich mit leicht gekränktem Glück über das erstandene Silber nach Hause. Am nächsten Morgen fluchte ich meiner Sparsamkeit, stieg in den Wagen, fuhr zum nächsten Flohmarkt, und was soll ich sagen:



Hutschenreuther Maria Theresia Weinlaub, es ist eine echte Schande, dass sie es nicht mehr machen, denn es ist das Herbstdekor schlechthin. Davon jedoch stand ein komplettes Service mit Terrine, Salatschale, Sauciere - eine doppelhenklige Sauciere mit zwei Schnäbeln, manieristischer geht es kaum! - diversen Platten und kleinen Tellern für 6 Personen auf schwarzem, höchste Preise befürchten lassendem Samt, weshalb ich wahrscheinlich der erste war, der zu fragen wagte. Der Preis? Nun, kein Zehntel dessen, was man neu zahlen würde, und ein weiteres gefülltes Fach im PrunkRundschrank. Wo es in Weiss und Grün perfekt zu den Farben des Raumes passt.



Das ist wirklich wichtig, das war die Neuigkeit des Tages. Und im Gegensatz zu den Vorbesitzern, die in den vergangenen 70, 80 Jahren nicht das kleinste Kratzerchen auf den spiegelnden Innenflächen hinterlassen haben, wird es hier auch benutzt.

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Empfehlung heute - Irrwitzig ist das,

was kerOzene in der Tankstelle erlebt hat, unfassbar, möchte man glauben.

Bis man nachher von der nächsten grossen Datenschutz-Katastrophe bei StudiVZ lesen wird.

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Montag, 19. November 2007

Fernöstliche Freuden

Wie muss es sein, aus einer grauen, smogverseuchten, asiatischen Metropole zu kommen und dann den grauen Fluss vor einer vom Nebel entfärbten, hellschwarzen deutschen Metropolensimulation abzulichten? Mit Enten, Tauben und Schwänen im Vordergrund.



Die grosse, weite Welt ist letztlich auch nur so eng wie die Hirne derer, die sich darin bewegen.

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Empfehlung heute - Wem der Foodporn

hier zu viel wird, kann sich ja bei Herrn Paulsen im Kiosk den Mitschnitt einer Kochsendung reinziehen, die ich mangels Televisionsgerät zu sehen nicht in der Lage bin - aber es klingt schön furchtbar.

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Samstag, 17. November 2007

Investieren in Edelmetalle mit Don Alphonso

Siebenmal im Feur geklärt
ward dies Silber: so bewährt
ist ein Sinn, den nichts betört.
Shakespeare, Der Kaufmann von Venedig, II 9


Momentan ist mein ganzer Münchner Bekanntenkreis, der sich teilweise aus Vertretern der Niedergangsgewinner der Immobilienbranche rekrutiert, edelmetallverrückt. Es ist alles so gekommen, wie sie es erwartet haben, aber damit sind nicht nur einige Kunden pleite, man muss sich auch überlegen, wo das erraffte Geld jetzt noch sicher ist. Deshalb kaufen sie Goldbarren und legen sie ins Schliessfach. Sie sind Idioten, das kann ich hier so offen sagen. Denn die Zeit meiner ersten Haifischtransporte in Berlin war auch der Moment der Entdeckung schier unerschöpflichen Silbervorkommen des Schöneberger Flohmarkts und des Antikmarkts an der Strasse des 17. Juni. Damals knallte ich meine Honorare für das Fahren und Informieren weitgehend komplett für Silber raus, mittelfristig mit garstigem Verhandeln nach dem Motto: Maximal das Doppelte vom Materialwert bezahlen. Damals stand das Silber als reines Material zwischen 14 und 17 Euro für 100 Gramm. Sprich, wenn ich sechs 830er Feinsilberkuchengabeln mit einem Gesamtgewicht von 120 Gramm für 25 Euro erwarb, erhielt ich praktisch für 15 Euro Silber und für weitere 1o Euro schöne Kuchengabeln, die ich täglich nutze, sowie viel höhnisches Gelächter der Haifische und einiger bloggender Cretins, wenn ich darüber schrieb. Heute stehen 100 Gramm Silber bei ca. 32 Euro, den Rest kann man sich ausrechnen, und der verbleibende Rest sind Idioten, die ihr Geld in, nun, was auch immer investiert haben. Und nun weder Gabeln noch Lust auf Torte haben, in diesen Zeiten.

Having said this, reden wir über den heutigen Tag, der seinen Ausgang in Frankfurt am Main nahm, und zwar wirklich am Mainufer, auf dem dortigen Flohmarkt. Als ich zum ersten Mal dort war, fand ich nichts, beim zweiten Mal im Sommer so viel, dass mir das Geld nicht reichte, und bis man in Frankfurt einen Geldautomaten findet, ist alles schon geschlossen und weggepackt. Diesmal war ich früh und mit Geld dort, fand absolut nichts und sah das als Fingerzeig des Schiscksals, mein Geld lieber in Bücher aus dem Staedel anzulegen: Baldung Grien, Loirearchitektur, Caravaggio und Giovanni Giuliani plünderten mich aus, als wären sie Bewohner der hässlichen Türme von gegenüber, und dergestalt erleichtert lenkte ich meine Schritte und Reifen gen kostenlosen, grandiosen Kunstgeschichtler Porno:



Das hier ist, man mag es auch hier im Grossbild kaum glauben, nicht nur frivol und sittenlos, nein, es ist auch erzkatholisch, im Garten des Sommerschlosses Veitshöchheim, wo die Würzburger Bischöfe des XVIII. Jahrhunderts zeigten, dass sie auch noch ganz anders als nur Ketzerverdammen und Deppenabzocken konnten - und wenn man das mit dem Dreck vergleicht, der aus dem Geld der heute verarschten Deppen der modernen Wirtschaft entsteht, muss man den Bischöfen bei aller Ablehnung ihres Glaubens doch mehr Geschmack und Lust als den amoralischen Päpsten der Geldreligion zugestehen. Nun, angetan hatte es mir neben den Früchten der Natur auch dieses kunstvoll geflochtene Körbchen, das ich schon länger suche. Gut durchgefroren von zwei Stunden im eiskalten Park mit steinkalten Statuen, dachte ich mir, dass man ja mal- auch zur Aufwärmung - einen Blick auf den in der dortigen Mehrzweckhalle stattfindenden "Antikmarkt" werfen könnte. Franken ist ja nicht unbedingt die reichste aller Regionen, aber einen Früchtekorb werden sie schon haben. Und was soll ich sagen? Sie hatten einen geflochtenen Korb (rechts, 2 Euro) und noch etwas anderes:



Fettes XXL-Porno Bild mit feuchten Früchtchen hier gratis anschauen!

Nun, ich habe mit meiner Regel für Silberbewertung etwas gebrochen und musste zum Geldautomaten, der glücklicherweise in Veitshöchheim leichter zu finden ist, als in Frankfurt. Es war teurer, und damit ich es um den Materialpreis gekauft habe, muss schon noch einiges in der Immobilienkrise passieren. Aber - für eine Biedermeierschale kann man es tun, denn dafür war sie nachgerade nachgeschmissen. Ich habe in den letzten Jahren gerade mal drei vergleichbare Stücke (siehe links) kaufen können, denn normalerweise ist sowas nicht auf dem Flohmarkt. Diese Stücke sind sehr leicht und extrem dünn, ihre Herstellung war eine echte Kunst, denn an diesen Schalen ist nichts in Massenfertigung gegossen. Alle feinsten Verzierungen sind aus Blech getrieben und graviert, und dann hinten mit einem weiteren Blch verlötet und sauber verschliffen. Heute und schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts wäre es weitaus billiger gewesen, so etwas massiv zu giessen, aber damals, gegen 1840, waren die paar gesparten Gramm wertvoller als die hochqualifizierte Tagesarbeit, die sich der Juwelier allein mit dem Materialsparen machen musste.



Man kann Kunst und Lust nicht in Gewicht und Materialpreis ausdrücken. Kunst und Vergnügen lassen sich nicht beziffern, und genau deshalb würde ich als Silberspezialist raten: Ja, es ist klug, Silber zu kaufen. Aber nur in Formen, an denen man sich erfreuen kann. Geld ist nichts. Freude ist alles.

Alles, was Deppen nicht begreifen.

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Freitag, 16. November 2007

Der Kontrakt der Restaurateure

Wenn ich von der bayerischen Provinz in Richtung Frankfurt fahre, plane ich eine halbe Stunde für einen Halt in Pommersfelden ein. Schloss Weissenstein liegt nur fünf Kilometer nördlich der Autobahn, und es ist jedesmal wieder ein Erlebnis, dort über die Hügel zu gleiten, bis dann am Randes eines kleinen Tals die grauen Dächer und Kamine des Schlosses erscheinen. Vom Vorplatz über den Innenhof und die Kastanienalle zum Cafe Burckardt führt dann mein Weg, wo es grandiose Torte für die kommenden Tage im Nordwesten gibt, und dann gehe ich zurück zum Wagen, froh über diesen kleinen Urlaub in einer Gegend, die ganz die meine ist. Könnte ich mir ein Schloss in Deutschland aussuchen, wäre Pommersfelden sicher einer der Favoriten, zumal mit dieser Konditorei gleich vor der Allee, und keinen nervigen Touristenhorden, die Schlösser in Städten ertragen müssen. Eher ausgesuchtes Publikum, das etwas von der Sache versteht. Pommersfelden also ist sehr angenehm, und an den weiblichen Figuren am Eingang kann ich mich nicht sattsehen. Wir sind, wenn man so will, alte Bekannte.



Und ich kenne auch die Herren, die im Marstall seit ein paar Monaten die Fresken restaurieren. Mit bewundernswerter Langsamkeit, Figur für Figur. Irgendwann werden sie fertig sein und zu einem anderen Bereich des Schlosses ziehen, die lange Galerie zum Beispiel braucht etwas Deckenfarbe, oder auch der grosse Saal, in den an den Fenstern Wasser eindringt. Sie werden immer Arbeit haben, und eine Aufgabe, die sie augenscheinlich zufriedenstellt. Ich schaue ihnen gern zu, denn es vermittelt einen anderen Begriff von Zeit und Qualität, als mein sonstiges Leben zu vermitteln mag. Es ist nur eine halbe Stunde, die ich in Pommersfelden bin, bevor ich über den Spessart in die grosse Stadt weiterfahre, aber ich würde nur sehr ungern darauf verzichten.

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Empfehlung heute: Einen Stromschlag

für unempfindliche, schmerzbefreite Betonköpfe aus NRW gibt es von 50hz.

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Donnerstag, 15. November 2007

Wir werden durchkommen

Wir werden durchkommen. Denn da ist nichts, was uns aufhalten könnte, wir sind ganz vorne in der Entwicklung in die Überflüssigkeit, so weit, dass es den anderen irgendwann zu mühsam wird, uns hinterher zu rennen.



Hypes leben von rasanten Veränderungen, und gehen dadurch zugrunde, wenn sich die Veränderung nicht mehr von der Mehrheit nachvollziehen lässt, wenn es die, die sich damit beruflich beschäftigen sollen, nicht mehr mitkommen. Dann trennt sich die Avantgarde vom Mainstream, und krepiert ohne diese Anbindung. Wenn sie kommerziell ist, wenn man sich davon abhängig gemacht hat, wenn man einen Herrn und Meister kennt, der zahlt, damit man schreiben kann.



Aber ein obskures Hobby? Schreiben ohne Rücksicht, ohne Bezug und Verszändlichkeit, ohne finanzielle Interessen und mit Lust an der Grenzverletzung? Wenn ich etwas aus diesem heutigen Abend mitnehme, ist es die Erfahrung, dass sich vieles schon viel zu weit entwickelt hat, dass selbst die blogfüllenden Anschleimer der Wirtschaft nicht mehr erklären können, was genau das bringen soll, dass sie von der Unfähigkeit, sich anzupassen, rausgeschleudert werden aus dem System der Erbsenzähler, oder gnadenlos reingezwungen werden in das System, dass sie aber so, wie die sind, von Spreeblick über Bildblog bis Riesenmaschine, im Nirgendwo zwischen Mainstream und Extrem hängen, nichts Besonderes, da kommt nichts mehr, und das Statische ihrer Existenz macht es unmöglich, sich als Fortschritt zu verkaufen. Wieviel % Abzüge eines Druckers mehr, welche Videodeppen vertragen sich noch mit Anspruch, wo ist das Besondere, das besondere Preise rechtfertigt.



Die Masse ist träge und strukturkonservativ, sie kann und will gar nicht verstehen, was hier geschieht, und es ist ihr Fluch, sich selbst zu bestätigen, dass es immer so weiter gehen wird, genauso, wie es hier draussen eine permanente Evolution gibt. Die einen wollen eigentlich nur ungern hinterher, die anderen wollen nicht warten. Das ist der digitale Riss, das wird Bestand haben, und wenn irgendwann die Textabsonderungsmaschinen der Adicaltrigamen weggerostet sind, und das letzte Seminar zum Thema Bloggen gehalten wurde und der Berater einen neuen Job braucht, wird es hier draussen immer noch weiter gehen. Wir werden durchkommen.

Und das finde ich sehr tröstlich.

Edit: Weitere Gedanken an der Blogbar.

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Der Lokführerstreik ist vorbei.

Schon komisch: Gerade erlebe ich zum ersten Mal, dass Veranstalter glücklich sind, wenn ich mit dem Auto komme. Und für mich ist heute einer der wenigen Tage, an denen ich wetterbedingt vielleicht doch den Zug präferieren würde, Das nächste Mal, denn:

Es wird nicht mehr lang dauern, und die Bahn knickt in den Verhandlungen mit den Lokführern ein. Nicht, weil sie will, sondern weil es ihr nahegelegt wird, von der oeconomisch-politischen Klasse dieses Landes. Denn während die Arbeiterpartei SPD in Berlin zum Betvorleger der Lobbies umgeschneidert wird, zeigen die Lokführer eben jener im ICE und Flieger von Kongress zu Politshowveranstaltungen tingelnden Klasse, was eine Harke ist. Die Lokführer sind noch nicht solche entrechteten Jobber wie die Mitarbeiter der Pin AG, deren Treiber von der CDU so liebreich unterstützt werden, die haben noch die Härte, dem Land mal zu zeigen, was ein Arbeitskampf ist. Ein Kampf nämlich, in dem es um die Demonstration von Macht geht.

Und es wirkt. Es trifft das System Deutschland an einem seiner zentralen Schwachstellen, dem Transport, und deshalb ist es mehr als das Zettelverteilen am Werkstor oder das Aufmarschieren auf Plätzen zu den üblichen Parolen. Dieser Streik tut weh, und es ist gut für dieses Land, den Schmerz mal wieder kennenzulernen, den die Powerpointwichser der Consulter, Stiftungen, Initiativen und Sachbearbeiter gern abstellen würden, mit einer möglichst verängstigten Arbeiterschaft, die auf Geheiss der Firma für den Abbau ihrer Rechte demonstriert. Mit runtergeschlunzten Subproletariat, das mit Phrasen vom "Linken Neoliberalismus" den Diskursarschhinhalter gibt. Sowas gefällt, da freune sich auch die Medien und werden Partner, bei den Lokführern dagegen wird von der Wut der Reisenden berichtet, obwohl die meisten Leute Verständnis zeigen für die Arbeiter, die sich wehren.

Und das ist dann auch die Gefahr für das System: Dass die Leute merken, dass sich der Kampf lohnt. Das man das System trifft, wenn man sich nichts gefallen lässt. Dass der Terror der real existierenden Ökonomie nicht unbesiegbar ist, und ohne Arbeiter auch der bestbezahlte Drecksack der üblichen A wie Abschaumklasse im Schnee auf dem Bahnsteig sitzt. Und damit das Beispiel nicht Schule macht, wird es beendet. Mit einem ordentlichen Tarifabschluss. Was schade ist, denn ein paar weitere Lektionen wären gar nicht so schlecht für Deutschland. Dann könnte man auch den Börsengang der Bahn endgültig knicken. Dass sich das jemand überhaupt zu fordern wagt, nach dem Desaster von Odenwald- und Oberlandbahn, zeigt, wie nötig dieses System was in die Fresse braucht. Immer und immer wieder, nur nicht geizen, denn die machen es auch nicht anders.

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Mittwoch, 14. November 2007

Verständnis für Kunden

Vielleicht sollten sich alle, die von Ausbeutung, Prekariat, Hartz IV und Mindestlohn gebeutelt sind, ein Beispiel an denen nehmen, die ich als "meine Kunden" bezeichnen könnte, würde ich so etwas besitzen wollen. Ich weiss, dass viele es als Privileg betrachten würden, für die zu arbeiten, die die meisten ihrer anderen Beschäftigten noch nicht mal zu sehen sind, und das zudem mit einer gewissen Unabhängigkeit zu tun - aber solche Kunden will ich nicht. Wehleidige, flennende, zeternde, tobende Gierschlünde, die einfach nicht genug kriegen konnten und deshalb meinen, jetzt Gott und die Welt und die Freunde in der Staatspartei anfaseln zu dürfen, weil ihnen so viel Unrecht widerfahren ist. Würde das jeder in diesem Land so machen, und zudem mit den allgegenwärtigen besseren Gründen von der anderen, falschen Seiten der sozialen Schere, dann wäre der Tag der Weltrevolution nicht mehr fern. Wer meint, dass die Lokführer Schaden anrichten, sollte mal Manager erleben, die ihre Verpflichtungen beiseite schieben und ihre Apparate tagelang ins Leere arbeiten lassen, nur um sich um ihre privaten, verkorksten Steueroptimierungsmodelle zu kümmern, die ihnen jetzt in die Gierfressen explodieren. Das sind echte volkswirtschaftliche Verluste, da kann man erleben, wie sehr so einer Führungsperson das Schicksal der Firma am Herzen liegt, die ihm das Geld gibt, das er mit Anlageformen durchorgelt, deren Initiatoren noch etwas verkommener sind als er selbt.

Gestern war wieder so ein Tag. Strategietreffen in einem besseren Viertel der Munich Area mit den üblichen Parkplatznöten. Die Tiefgarage ist voll, und mein Wagen ist vier Meter lang. Sprich, wenn ich schon nicht auf einen Parkplatz an der Garageneinfahrt passe, passt eine E-Klasse erst recht nicht hin. Wenn ich es probiere und merke, dass es keinesfalls geht, muss das ein Fahrer einer E-Klasse erst gar nicht probieren. Sollte man meinen. Trotzdem drückte er gleich nach mir rein. Mit zentimetergenauem Ranfahren an den Hintermann, der damit kaum noch herausfahren konnte, sah das dann so aus.



Das ist die Leistungselite des Landes, das sind die, deren Steuern gesenkt werden sollen, und die davon reden, wen sie alles kennen und mit wem sie schon alles geredet haben, um endlich vom Staat gerechtigkeit zu erlangen. Damit sich ihre Leistung wieder lohnt. Der Gegner in diesem Fall ist keinen Jota besser, das Geld ist so oder so weg, und indem sie die Informationen kaufen, die ich liefere, werfen sie dem schlechten Geld das gute nach. Das kann ich ihnen auch so sagen, ich kann das schreiben, und sollte es jemand finden: Egal. Die Gier besiegt jeden Anstand, wie sie schon Charakter und Moral und den Verstand besiegt hat. Hauptsache, man hat mehr, als einem eigentlich zusteht, was kümmern einen schon die anderen, gar nichts natürlich, solange sie nicht in die Tiefgarage müssen und den Abschleppdienst rufen.

Und da unten ist eigentlich ein Parkplatz, der für die Haifischtransporteure reserviert ist, und den ich nutzen kann, darf und will.

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Mit Blog und Baedeker

Morgen werde ich mir endlich die Mathildenhöhe in Darmstadt, diese Inkunabel des Jugendstils anschauen können. Und wenn es dann dunkel wird über Südhessen, gibt es einen Stilbruch, denn ich rede am Abend über Web2.0, und man kann sich noch anmelden.

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Dienstag, 13. November 2007

Münte geht. Die Fragen bleiben:

Warum erst jetzt?

Und warum nur er?

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Trennung durch Nutzwert

Die Guten Köche und die Brei2.0verderber an der Blogbar.

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Dienstag, 13. November 2007

Empfehlung heute - bei überwachungsstaatstragenden

Qualitätsmedienvorgebern lohnt sich stets ein zweiter Blick - oder gleich bei Dr. Dean über unseren protestfeindlichen Staat lesen.

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Am Sonntag wollen sie den Süssen verramschen gehn

Mitte der 80er Jahre hat ein Antiquariat in Schwabing eine Sammlung von historischen, handkolorierten Pflanzen- und Kräuterbüchern vom XVI. bis XVIII. Jahrhundert erworben und zerlegt. Das ist einerseits ein Verbrechen am Buch, andererseits aber gab der Markt dem Antiquariat recht: Die Kräuterholzschnitte und Kupeferdrucke erhielten sehr feine Rahmen mit bräunlichen Farbtönen und Blattgoldauflage, ein Bapperl des Antiquariats und atemberaubende Preisschilder. Dennoch entwickelten sich diese Bilder zum Verkaufsschlager und beliebten Geschenk dessen, was man schon damals kaum mehr als bessere Gesellschaft bezeichnen konnte; eine Weile konnte man kaum in eine Grünwalder Küche gehen, ohne nicht ein paar dieser Bilder zu sehen, die perfekt zu den damals noch modernen, rustikalen Küchen passten.

Doch der Geschmack ändert sich, und die, die sich dergleichen vor 20 Jahren leisteten, ziehen um in die Seniorenresidenz, oder gleich auf den Friedhof. Seit ungefähr drei Jahren finde ich diese Stiche mit den charakteristischen Rahmen und Bapperl auf den Flohmärkten der Region München, und zu mitunter so günstigen Preisen, dass ich mir im letzten Jahr 10 Stück für meine Küche gekauft habe. Gestern nun fand ich das elfte Exemplar, eine Glockenblume auf dem Bild unten rechts, die den Besitzer nicht mehr gegen Halsleiden schützen konnte, denn sie stammt aus einem Nachlass.



Es war kalt, regnerisch, und ich war in Eile, und als der Verkäufer meinte, er hätte da auch noch ein paar Rahmen aus der gleichen Quelle, die ich für einen Euro das Stück haben könnte, griff ich zu, ohne genau hinzuschauen. Gold, verziert mit Messingbeschlägen an der Ecke, intakte Gläser, kann man immer brauchen, zumal sie identisch sind. Man muss nur die alten Photos herausnehmen und kann sie für Drucke verwenden. Dachte ich, bis ich mir die Bilder genauer anschaute. Und das lässt mich fassungslos zurück. Denn ich kann irgendwo nachvollziehen, dass Druckgraphik des XVIII. Jahrhunderts nicht jedermanns Sache ist. Ich kann verstehen, dass manche den Wert dieser Stücke nicht kennen und es einfach so weggeben, weil sie damit nichts verbinden. Aber wenn ich so verdammt coole Bilder meiner Verwandtschaft vom Segeln auf dem Starnberger See in den 20er Jahren hätte, dann würde ich sie unter allen Umständen und für den Preis eines Erbschaftskriegs ergeiern wollen:



Ich mein: Wie cool ist das. Ein schnuckliges Holzsegelboot wie aus dem Gassenhauer, mit dem Namen "Fledermaus", siehe die leichte Operette. Ein idealer, enorm stilsicherer Erbonkel ganz in Weiss, mit Kapitänsmütze. Man sieht den Glanz des Bootslacks, man erahnt das gleissende Weiss der Segel an einem schönen Tag zwischen Starnberg und Percha, und im Süden müssen sich die Alpen majestätisch erhoben haben. Wer weiss, ob das Photo nicht die Süsse gemacht hat, die nach dem Knipsen mitgefahren ist, ihre Zehen in das warme Wasser streckte, und Schlager der Zeit vor sich hinpfiff; es muss jedenfalls ein toller Tag gewesen sein, sonst hätte man es nicht abgelichtet, gerahmt und 80 Jahre bewahrt, bis eben jetzt. Es ist eine Familiengeschichte, auf die man nur neidisch sein kann, wenn der eigene Clan zu dieser Zeit allenfalls Faltboot fuhr und die meiste Zeit mit stinkenden Automobilen und Motorrädern in die Wälder knatterte, um mögllichst grosse Hirsche abzuknallen, oder mal wieder den Steyr XII mit seiner anfälligen Lenkung (never trust an Ösi!) in den Strassengraben zu pilotieren. Auch da gibt es Bilder, die Geweihe haben sich erhalten, aber ich würde das nie aufhängen, zu fern ist mir diese Art Vergnügen. Diesen meinen adoptieren Erbonkel und seinen Tollen Tag - den hänge ich selbstverständlich auf.

Und fluche derer, die ihn nicht zu schätzen wussten. Denn so geht man mit Erbonkeln einfach nicht um.

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