: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Montag, 7. Mai 2012

Kunstmalerisch vollkommen unbegabt

So, jetzt habe ich auch den Auftritt der Ersatzmarina der Piraten bei dieser Talkshow gesehen, über den so viele reden.

Mein lieber Schwan. Wenn da früher eine Marina war, ist da jetzt allenfalls noch ein sumpfiger Ententümpel übrig.

Ich wäre gar nicht weiter überrascht, wenn dieser Herr in Nullkommanichts alle Sympathien verspielt, die Marina Weisband aufgebaut hat. Zusammen mit seiner Onlinekommunikation war das nun wirklich nichts, was einen dazu bringen könnte, die Piraten zu wählen. Die Verschiebung des Schwerpunktes weg von einer Bürgerrechtspartei des digitalen Zeitalters hin zu einer "Alles jetzt sofort und zwar Gratis"-Zusammenrottung kann man kaum schöner verkörpern. Und natürlich spielen auch Äusserlichkeiten eine Rolle: Vielleicht fühlt sich dieser Herrr Ponader wie ein Bürgerschreck. Es kommt aber nur reichlich ignorant und ungehobelt bei mir an. Es gibt Leute, mit denen man über ein Grundeinkommen reden kann. Ponader ist niemand, mit dem ich darüber reden wollen würde. Ich habe zu lange in Studentenvertretungen zugebracht, als dass ich mir bei solchen Leuten noch irgendwelche Illusionen machen würde.

Solche Maschen, das sagt die Erfahrung mit anderen Gruppen ähnlicher extremer Ausrichtung, gehen nicht dauerhaft gut. Das mag der ein oder andere erfrischend finden, in Zeiten der Euphorie - aber die Piraten haben gerade bei einer Wahl erleben müssen, dass ihr eigenes Gerede von den Nachfolgern der toten FDP doch etwas zu viel war. Nächste Woche wird es ein davongelaufener New-Economy-Scheiterer sein, der ihnen in NRW eine ähnliche Lektion erteilen wird. Irgendwann werden sie auch mal erklären müssen, wie das alles refinanziert werden soll, wie immer in einem demokratischen System. Dann wäre es vielleicht gut, auch mal wieder Wähler anzusprechen, denen es nicht um die Egotrips der diversen, bei den Piraten untergekommenen Auslegerfiguren geht, sondern um na wie heisst das noch mal genau Inhalte.

Ich werde den Eindruck nicht los, dass man mir hier eine Lösung für alle Probleme anbietet, hinter der sich Permanent Beta versteckt. Ein Politikentwurf anhand des Ponaderlebensstiles. Man muss diese meine Haltung übrigens nicht mögen, aber wenn ich schon sauer reagiere, weil da jemand von einer Datenschutzpartei mit einem Schwerpunkt auf Finanzierung aus Gemeinschaftseigentum als Ausweis des prekären Lebens ausgerechnet ein iPhone in die Kameras hält, wird das auch anderen so gehen. Kann sein, dass das alles im Moment noch an den Piraten abprallt. Aber ihre Gegner haben ja auch noch genug Zeit bis zur Bundestagswahl.

Und die Linke war im Westen ja auch eine Weile durchaus erfolgreich.

... link (27 Kommentare)   ... comment


Das Haben des Salates

Erinnert sich noch jemand an die Idee von Papandreu, die Griechen demokratisch über die Reformpläne abstimmen zu lassen? Das war Ende Oktober 2011. Damals putschte ihn die EU, allen voran Merkel und Sarkozy aus dem Amt. Das wäre ja noch schöner, wenn die Griechen bei der Rettung unserer Banken mitreden könnten. Die Folge war eine "Einheitsregierung" mit Technokraten", eine schöne Kombination aus Bankmenschen, Privilegierten und sogar Nazis, die das Land fit für den Aufschwung machen sollte.



Es kam anders, der von der EU verordnete Kurs trieb Griechenland noch tiefer in die Misere, mit dem Ergebnis, dass die Wirtschaft dort überhaupt nicht besser läuft, aber nun alle dafür haften. Besonders die Bundesbank hat da ein paar ganz böse Brocken in der Bilanz, und nur die Banken sind glimpflich aus der Sache raus gekommen. Die Griechen als normale Menschen hatten davon gar nichts. Oder besser, weniger als nichts.



Naja, und jetzt, ein halbes Jahr später, dürfen die Griechen auch mal was zu Besatzung und Kolonialpolitik sagen, und dann wählen sie halt die Nazis und die Kommunisten, und schicken die Volksparteien aufs Abstellgleis. Was für eine Überraschung, kaum behandelt man Menschen antidemokratisch, schon fühlen sie sich nicht mehr an die sog. demokratischen Parteien gebunden. Das haben Merkel und Sarkozy prima eingefädelt. Kurzfristig die Demokratie eingedämmt, und langfristige Folgen übersehen. Und weil dazu auch noch Sarkozy von den Franzosen abserviert wird, die auch keine Lust auf Bankbestimmung mehr haben, darf die Merkel jetzt alleine ran. Oh, ich habe ja ein Bild mit alten, ausrangierten Schachteln!



Gäbe es nicht Südfrankreich, müsste man fast fragen, on so eine Apparatschikkarriere in der DDR und später in der CDU vielleicht nicht doch eine suboptimale Vorbereitung auf ein Dasein als demokratische Politikerin ist. Denn mitten im Debakel - seien wir ehrlich, Europa hat gestern Merkel abgewählt - gibt es wenigstens noch einen Flecken, wo alles scheinbar in Ordnung ist: Südfrankreich. Da wählen Arm und Reich quasi geschlossen den Sarkozy. Und warum das dort so ist, erkläre ich in der FAZ. Auch nicht recht viel anders als bei den Griechen und ihren Nazis nämlich.

... link (15 Kommentare)   ... comment



: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Montag, 7. Mai 2012

Altunwürdig

Zuerst mal: Als ich zu diesem Urteil gekommen bin, war ich in blendender Laune. Die Wettervorhersage meinte, ich würde im Regen nach Mantua fahren. Aber das Wetter vor der Frühstücksterasse bis ungefähr Savona sollte dann so bleiben:



Kurz, ich fühlte mich wohl und positiv überrascht, bis ich diese Zeitung zum zweiten Mal aufschlug. Schon am Tag davor war sie ein einziges Ärgernis, aber die Samstagsausgabe war wirklich eine Frechheit. Dass es ein Stück Murdochdreck ist, ist mir ja klar gewesen, dass sie parteiisch sind auch, aber ganz ehrlich: Selten so einen Schund wie die Times in der Hand gehabt. Miserabel geschrieben, öde und billig in Anmutung und Darbietung, ein lustloses Revolverblatt, das sich bestenfalls wie schlechte Blogs deutscher Zeitungen liest. Wer diesen Papiermüll als "die altehrwürdige Times" bezeichnet, hat das Ding vermutlich seit Jahren nicht mehr in der Hand gehabt.



Dafür soll man Geld ausgeben? Warum nicht gleich jemanden bezahlen, der einem in den Tee spuckt. Da kann ich nur sagen: Steig hernieder, Medienkrise und schlag das bitte kurz und klein! Ich habe ja Mitleid mit Journalisten, aber den Untergang dieses Blattes bedaure ich so sehr wie die Pleiten von Werbeagenturen, Privat-TV-Sendern und Sarkozy.

... link (13 Kommentare)   ... comment


Vom Fleck weg

Der hohe Anteil verheirateter Italienerinnen hat nicht nur etwas mit dem Katholizismus zu tun, sondern auch mit dem Umstand, dass es vergleichsweise viele gibt, die man "vom Fleck weg heiraten würde". Das ist natürlich nur so eine Redensart und natürlich würde ich gar niemanden heiraten, aber da ist eben der Typ Frau, bei dem man sich sagt: So sollte das sein. Und mit so einer Frau war ich heute auf einem schlammigen Acker, und die Nonchalonce, mit der sie ihre Schuhe immer mehr im Morast versenkte, war herzerwärmend.

Aber das ist nichts für dieses Blog. Um von diesem Fleck wegzukommen, ein kleiner Rückblick nach Monaco, zu anderen Frauen und Schuhen, die nie im Morast stecken. Ich kann mit allem, ich bin gleichzeitig überall fremd, selbst wenn etwas "meines" und die Leute "meinesgleichen" sind, was immer das auch sein mag. Ich bin anders. Es gibt keinen Fleck, von dem man mich wegnehmen könnte, weil es den Fleck nicht gibt, auf dem ich wirklich bin.









































Nur in manchen Momenten, ganz kurz vielleicht. Zufälligerweise waren zwei immer noch stilsichere Herren da, denen ich in meiner Jugend ein paar von derartigen Momenten verdankt habe, und deren Musik hatte ich bei der Heimfahrt im Kopf, vom Warschau bei Monte Carlo bis nach Rom vor Mantua.

... link (17 Kommentare)   ... comment



: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Donnerstag, 3. Mai 2012

Ich weg.

Ihr hier, allein im Haus mit Piraten, Priestern und anderen Heilsplanern. In der FAZ

... link (0 Kommentare)   ... comment



: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Donnerstag, 3. Mai 2012

Ich war da länger nicht mehr

Jedes mal, wenn ich in den letzten 20 Jahren an der Cote d'Azur war, kam ich über die Schweiz, und bin über das Burgund wieder gegangen. Ich kam immer nur bis Nizza und Cannes, aber lange nicht mehr nach Monaco. Und überhaupt gibt es in der Region schönere Ecken. Ein Sonnenaufgang im Dezember oben bei Grasse mit Blick über das Meer zum Beispiel, wenn in Deutschland Schnee liegt. Eine Woche sass ich dort oben auf einem zum Liegestuhl verkrüppelten Olivenbaum und habe gelesen. Ich war, denke ich, selten so ruhig wie in jenen Dezembertagen.



Monte Carlo ist und wird dagegen hektisch. Und weil ich keine Zeit hatte, Hemden zu waschen, und das alles sowieso nicht ganz zusammenpasst, musste ich auch etwas die Garderobe vervollständigen. Woher soll ich denn wissen, dass ich nach Monaco muss?











Na denn. Ich habe dort Internet und werde ab und zu reinschauen. Vielleicht auch weiter an die Cote d'Azur fahren, und an die Blumenriviera. Man wird sehen.

... link (9 Kommentare)   ... comment


2. Sonnenmai

Gestern, als ich zu Bett gegangen bin, war alles grau bis schwarz. Wie sollte das am nächsten Tag etwas mit dem Licht werden, an einem Tag, da ich arbeiten muss und Sonne brauche? So:



Trotzdem bin ich natürlich zu spät gekommen, aber meine ortskundige und thematisch erfahrene Beifahrerin war so freundlich, das zu berücksichtigen, und kam auch etwas später. Und so hat es alles gepasst. Vielleicht einmal abgesehen davon, dass ich verfallende Bauernhöfe jetzt noch etwas neugieriger anschaue. 120k, sagte die Beifahrerin an. Nun ja. Die Wiesen aussenrum könnte man jenen überlassen, die daraus Heumilch und Käse machen.









Ich dachte eigentlich, die Gonzaga wären ausgestorben, aber es gibt noch Nebenlinien. Schön für sie. Nicht ganz so schön für mich, denn das hier gehört ihnen, und deshalb zwangsweise nicht mir:



Wer jetzt Ah und Oh sagt: Ja, das ist die Poebene, über die man so schnell wie möglich hinweg kommen will. Das ist auch angenehm, denn damit ist die Region noch nicht so überlaufen, und man hat seine Ruhe. Man kann sich so richtig hängen lassen, ganz ohne EU-Verordnungen im Bestandsschutz für historisches Spezialitätenmachen.









In einer Hinsicht hat mir der Regen dann doch noch das Geschäft erschwert: Bei Regen sind zu viele Gerüche in der Luft, dann schlagen die Trüffelhunde im Trüffelwald nicht an. Ich wäre übrigens gerne Trüffelwaldbesitzer. Und würde mich dann wundern, warum die Deutschen Trüffel reiben. Das schneidet man einfach in Streifen, wie einen Mozarella.







Also, fahren Sie ruhig weiter über die Poebene dahin, nur zu, dann wird der Trüffel hier auch weiter geschnitten und nicht etwa, damit er für mehr reicht, gerieben. Es gibt hier nichts zu sehen.





Fahren Sie lieber ans Meer, wie ich auch, morgen.

(Eigentlich mag ich Wasser nicht so, wenn es nicht der Po ist, der den Lehm für die Trüffelwälder anspült.)

... link (51 Kommentare)   ... comment



: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Mittwoch, 2. Mai 2012

1. Regenmai

Nun, sagen wir, wie es ist: Das Wetter im Frühling in Italien war auch schon mal besser. Aber es ist nicht wirklich schlimm. Man stellt sich unter und macht Bilder. Und morgen wird es sicher wieder schön.
























... link (6 Kommentare)   ... comment


Den einen Ohrwurm mit dem anderen bekämpfen

Für jeweils einstimmiges Duett auf dem Weg nach Mantua in Schlangenlinien.



Viva la felicità… Chi la cerca non ce l’ha. Ma dov’è? Ma dov’è? Chi lo sa? Che cos’è? Che cos’è? Che cos’è?
Sole, sole… giallo… sole Mare, mare… verde… mare Cuore, cuore… grande… cuore Fiore, fiore,… bianco… fiore. Questa è la felicità… Chi la cerca già ce l’ha Questa è la felicità…



Eh via, buffone, eh via, buffone, non mi seccar!
No, no, padrone! Non vo' restar!
Sentimi,amico...
Vo' andar, vi dico.
Ma che ti ho fatto, che vuoi lasciarmi?
Oh, niente affatto, quasi ammazzarmi.
Va che sei matto, fu per burlar.
Ed io non burlo, ma voglio andar!



Was sind in einer Stadt wie dieser schon zwei Jahrhunderte!

... link (7 Kommentare)   ... comment



: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Dienstag, 1. Mai 2012

Gute und weniger gute Fahrt

Neben einigen eher unerfreulichen Dingen - daheim hat sich eine Dichtung verabschiedet - läuft auch die Barchetta wieder; ein massiver Nagel hatte sich durch die Karkasse gebohrt und an jene Epoche erinnert, da man Hufeisen am Kühler und Hufnägel im Tank stecken hatte. Es war weder schlimm noch teuer, und sie läuft wieder auf ihren alten Schuhen. Beim Herrn der Gomme war übrigens drinnen neben den Autorennfahrern Tazio Nuvolari und Alberto Ascari, die beide aus dieser Region stammen, auch ein grosses Wandgemälde von Learco Guerra, der "menschlichen Lokomotive". Wenn alle Ölstricke reissen, machen sie vermutlich wieder Roller und Fahrräder wie früher. Oder Gummisohlen. Irgendwie kommt man immer voran, irgendwie ging es auch früher immer - oder auch nicht. Und darüber, was soziale und überlokale Mobilität miteinander zu tun haben, habe ich auch in der FAZ geschrieben.















Ansonsten war es hier heute zwischenzeitlich auch ohne Dichtungsschaden recht nass, und da macht man dann halt so Zeug, was so ansteht, bis es trocken genug ist, wieder in die Stadt zu radeln und ein paar Postkarten zu verschicken. Es geht hier wirklich auch ohne Auto.

... link (11 Kommentare)   ... comment


BGEdioten

Man verstehe mich bitte nicht falsch: ich verstehe schon, warum es vielen geraten scheint, für ein bedingungsloses Grundeinkommen zu plädieren. Das Argument, so ein BGE würde den Menschen erst mal die Angst nehmen, ein ganz schreckliches Leben zu haben, leuchtet mir schon ein; und dass eine Gesellschaft ohne Zwangslagen eigentlich hübsch ist, verstehe ich auch.



Aber jenseits der Frage der Durchsetzbarkeit und der Finanzierung ist da eben auch die Frage, ob danach dann alle so begeistert wären, das Leben ohne Druck zu nutzen, um etwas Gutes zu tun Ob sie dann wirklich ihre Fähigkeiten nehmen und uns alle voran bringen würden. Das sehe ich anders; ich denke, man würde hier einfach ein faules Lumpenpack subventionieren, und zwar nicht nur ein paar Ausnahmen, sondern wirklich einen erheblichen Anteil der Bevölkerung, mit unschönen Folgen für die Motaivation des Restes. Es würden nicht alle die Arbeit verweigern, aber viele. Mir persönlich, der ich nur sehr ungern etwas annehme, ist die Idee ohnehin peinlich. Es stellt sich einfach die Frage: Wenn man den Menschen etwas freistellt, wenn man ihnen die Möglichkeit zum Guten, zum Verantwortungsvollen, zum Sinnvollen gibt, tun sie das auch, oder missbrauchen sie die Freiheit? Die Piraten sagen, alles wird gut und diese Zukunft sähe dann prächtig aus. Wahrscheinlich haben sie niemals Brecht gelesen.



In diesem meinem Umfeld sind enorm kreative, leistungsbereite Menschen, die man nicht tragen muss, und die durchaus eigene Wege gehen. Im Vergleich zu denen bin ich, selbst wenn ich in Wirklichkeit fast krankhaft ehrgeizig sein kann, so richtig Hängematte. Und es ist natürlich nicht leicht, gegen ihre Erwartungen und Utopien zu argumentieren. Bis vorgestern. Man sollte annehmen, dass die wahren Freunde des BGE sich inzwischen bei den Piraten zusammengefunden haben. Man sollte weiterhin meinen, dass sie bereit sind, für dieses Ziel etwas zu leisten, und sei es nur der Mitgliedsbeitrag. Aber die Hälfte der Leute tut nicht mal das. Sie sind Mitglied einer Lobbypartei, die ihnen ein gesichertes Einkommen ohne Leistung geben will - und geben noch nicht mal dieser Lobby für diese ihre Arbeit, die sie bereichern soll, auch nur einen Pfennig.



Und deshalb glaube ich einfach nicht an diese schönen Theorien. Wenn das mit dem Gemeinschaftssinn noch nicht mal klappt, wenn es um das Erreichen des gewünschten Zieles geht - wieso sollten die gleichen Leute danach mehr tun, mehr leisten, wenn sie es für eine Gesellschaft tun sollen, die ihnen erheblich fremder als ihre eigene Lobby ist? Wenn sie schon ihre eigenen Leute für lau arbeiten lassen - wieso sollten sie dann spendabler werden, wenn die Gesellschaft für sie schuftet? Ich denke, dass sich gerade bei solchen Kleinigkeiten die wahre Natur zeigt. Wer jemand Nahen wegen eines kleinen Vorteils schon hintergeht - und nichts anderes ist das Nichtbezahlen eines Beitrages - , wird einen anderen sicher nicht fairer behandeln, wenn es um einen grösseren Vorteil geht. 20% Nichtzahler fände ich schon extrem fies, 30% wäre ein moralischer Bankrott, 50% entspricht einem System, das scheitern muss.



Und vermutlich auch scheitern wird. Dazu zwei Tweets, einer von der nicht mehr gewählten Beisitzerin (muss man sich auch mal geben, so ein Aufstieg und dann marschiert dort der faule Bodensatz der Spackeria ein) und diese Schramm Frau:

Krank mit dem Mac im Bett die letzte Reisekostenabrechnung fertig machen.Ob ich danach mal aufschlüssele wieviel ich gekostet/gespendet hab?

vs.

Ich spende 500 Euro, wenn das andere auch tun.

Das erste sind die zahlenden 50%. Das zweite sind diejenigen, die versprechen, dass sie auch was tun, wenn die anderen etwas tun. Die eine wurde abgewählt und die andere reingedrückt.

Und deshalb glaube ich nicht an das BGE, und auch nicht daran, dass dieses Pack geeignet ist, es durchzusetzen. Denn wer das will, muss eine Bereitschaft zum bedingungslosen Geben in dieser Republik erzeugen. Für Leute, die nicht mal ihre Beiträge zahlen und nur spenden, wenn es andere auch tun?

WFTROFLCOPTERGFY.

... link (117 Kommentare)   ... comment



: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Sonntag, 29. April 2012

Radfahren hält fit und schlank

Mehrmals täglich ist mein Dasein hassenswert.



Dann kocht nämlich meine Nachbarin. Italienisch. Und gut, vermutlich, weil ihre eigene Mama oft mit dem Range Rover vorbeikommt und schaut, ob die Tochter auch wirklich für ihr Kind gut kocht. Nachdem wir uns den Eingangsbereich teilen, bin ich also allein vom Geruch her stets über den Speiseplan informiert. Wenn ich Glück habe, ist es Fisch.



Ich habe dafür kein besonderes Interesse, oder anders: Mit Fisch kann man mich jagen. Ich kann Fleisch und Wurst für andere kaufen, aber Fisch ist klar zu viel. Geht einfach nicht. Heute gab es Lasagne Verde. Da gibt es nur zwei Möglichkeiten; Entweder zum Kühlschrank oder die Flucht. Am besten auf das Radl natürlich, denn so oft ging der Weg zum Kühlschrank. Und das ist nicht gut. Statt dessen: Mantua. Nur eine Stunde, bis es nicht mehr so riecht.



Ein wenig Brot kann ich ja noch brauchen, also halte ich schnell bei Pavesi. Und Biccherini, fragt Signor Pavesi. Nein, bloss nicht! sage ich. Si si versteht Herr Pavesi. Ich traue mich nicht widersprechen. Ich muss endlich italienisch lernen.



Ich persönlich bin ja gegen verkaufsoffene Sonntage. Die Leute sollen auch mal ihre Ruhe haben, fern des Konsums und der Hektik. Die Italiener arbeiten ohnehin zu viel. man kann ihnen viel nachsagen, unverschämte Kochgerüchte und indezente Kommunikation und LV-Taschen - aber ein wenig weniger Arbeit täte ihnen auch nicht schlecht.



Allerdings gibt es an der Stelle, wo früher eine internationale Kette ihr Glück versuchte, in der Via Oreficio gleich gegenüber von Bacchi auch noch einen neuen Spezialitätenladen, und wie ich daran vorbeifahre, Leibesertüchtigung suchend, wird mein Geist gesund und mir fällt ein: Ich brauche noch eingelegte Tomaten. Das andere Zeug brauche ich nicht, aber irgendwie ja doch, vielleicht, später mal, in Deutschland. Trüffel kann man immer brauchen.



Dieses Einkauf äh Radeln am Sonntag ist blöd, man ist wahnsinnig schnell am Ende mit der Barschaft, also besorgt man sich besser etwas Geld. Nur zur Sicherheit. anderen scheint es genauso zu gehen, kein Geld, denn wie durch ein Wunder ist die Forneria delle Erbe gerade in dem Moment, da ich vorbeikomme, leer.



Das passiert am Sonntag, wenn alle in der Stadt sind, alle 247 Jahre genau einmal. Ansonsten wartet man hier Stunden. Das muss man nutzen, keine Frage, und es später den Kindern erzählen, das Wunder der leeren Forneria und, auch ja, das da hinten, das nehme ich auch noch. Weil es noch da ist. Aber nicht, weil ich Sonntags einkaufe.,



Manche werden sagen, dass dies kein echter Sport ist, sondern der Weg des Lastern und der Verschwendung. Wäre es so, dann wäre besseres Schuhwerk angemessen, denn dieser Weg zur Hölle ist heiss und ausserdem, so beladen, tritt sich das Rad schon hart. Oh, weil wir gerade über Schuhe sprachen: Es gibt auch einen neuen Herrenausstatter, und der hat auch Schuhe - oh! Die sind aber hübsch!



So fährt eben jeder sein Pläsierchen durch die Strassen dieser reizenden kleinen Stadt in der Ebene. Irgendwann werden die Körbe zu klein für Hunde und Einkäufe, dann beschafft man sich eben grössere.



Auf dem Heimweg komme ich dann auch npch bei jenem Laden vorbei, der Caccioricotta Affumicata hat. Das gibt es in Deutschland nicht, und wenn ich in Mantua bin, steigt der Verbrauch auch so an, dass die drei Quellen, die ich kenne, schnell versiegen. Aber man kann ja mal nachfragen, vielleicht...



Und tatsächlich. Ausserdem haben sie diesen Mozarella und diese eingelegten Pilze und natürlich, aber selbstverständlich, was denken Sie denn bin ich auch weiterhin gegen verkaufsoffene Sonntage, ja, ich möchte sogar sagen, sehr sogar und nach diesem Tag besonders, aber Auf- und Absteigen, das ist doch auch eine Art Sport an diesem heiligen Tag.



Jetzt aber reicht es wirklich, ausserdem ist das Körbchen übervoll, morgen ist auch noch ein Tag (an dem dann die Geschäfte wirklich geschlossen sind, also war das schon richtig so), und so radle ich auf dem blaugoldenen Chesini am blaugoldenen Abendufer vorbei. Ach ja. Und ich werde auch nur ganz vorsichtig essen.



Daheim dann übelster Geruch von Zuppa Inglese: Der Range Rover steht vor der Tür. Hölle! Ich will gar nicht wissen, in was die da den Teig ersäufen. Das ist ja nicht zum Aushalten, also schnell losgelegt und den Geruch mit anderem Geruch bekämpft. Und nach hartem Ringen gewonnen.

Nachts um 2 dann eine SMS. Sara. Ob ich noch wach bin. Ist etwas passiert? Ich antworte mit Ja und öffne. Ihre Mutter hat an diesem Sonntag Kuchen gebacken, den hat sie dabei.

Es ist sehr viel Kuchen.

... link (27 Kommentare)   ... comment



: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Sonntag, 29. April 2012

Nichts geht mehr

Heute hatte ich einen Don-Camillo-Moment: So gegen 16 Uhr war klar, dass Julia "Infantilternet-Exhibitionitin" Schramm heute kein Bein auf den Boden des Piratenvorstandes bekommen würde. Was das bedeutet - als Mitfavoritin angereist und dann jedes Mal nach hinten durchgereicht zu werden, bis zum höhnischen Applaus beim Abgang in der bitteren Erkenntnis, keine Chance zu haben - das alles wird sich erst später zeigen. Dort, wo es wichtig wäre, bei den Medien, ist die Frau jetzt erst mal gründlich verbrannt. Man hat sie hochgeschrieben, als die Basis stilisiert, und jetzt stehen Journalismusvortäuscherinnen von Meiritz bis Beltzer blöd da. Es wäre ja so schön gewesen, wenn man sich die eigene Bertelsmannfreundin hätte passend zurechtschreiben können.



Ja, die lieben Medien, sie machen gerne ihren Spin, bis es halt nicht mehr geht, und dann suchen sie sich etwas anderes. Die junge Dame, die die Veranstaltung kompetent geleitet und sich ins Herz der Veranstaltung moderiert hat, müsste jetzt nur noch zugreifen - sie hat alles, was die Schramm gerne sein würde und zwar so, dass das Elend aus Bonn neben ihr aussieht wie eine 3.-Klässlerin, die was ausgefressen hat und jetzt mit dem Fuss auf den Boden stampft. Da war alles auf der Bühne, Führungsstärke, konziliante Durchsetzungsfreude, Effektivität und der richtige Ton bis zuletzt - geht runter und kommt bitte nicht wieder hoch, hätte man den diversen Freaks gern gesagt, was der Laden braucht, ist schon am Mikrophon, das will man gern hören und sehen. Und dann hätten die Medien auch ihr Fressen, das sie verdienen. Nur halt mit umgekehrten Machtverhältnissen. Die Piraten bringen ja nicht nur die Schramms dieser Welt hoch, sondern auch das zu züchtigende Gegenstück im Medienbetrieb.



Soweit war also alles fein, und wer Don Camillo kennt, der weiss, dass er sich gern bei Abstimmungen aus dem Staub macht, damit man ihm keine Häme nachsagen kann zu dem, was nun passieren wirde - wenn er denn glaubt, dass er gewinnen wird. Aus der Schramme ist alle Luft entwichen, dachte ich, und fuhr ein paar Meter mit meinem Auto zu Besorgungen und zum Tanken. Ich habe alles, was mit dem Auto zu tun hat, auf nächste Woche gelegt, und insofern tut es der Kleinen ja nicht schlecht, wenn sie sich mal etwas bewegt. Und dann, mitten im Besorgen und weit draussen -



rumpelte es von hinten. Erst ein wenig, dann mehr, dann hielt ich an und siehe da: Auch bei mir war die Luft raus. Wenn Gott Don Camillo strafen will, dann passiert ihm sowas. Das war pünktlich zu dem Zeitpunkt, da die Geschäfte schlossen. Zum Glück war derjenige, bei dem ich etwas besorgte, so nett, mir sein Pannenspray zu schenken. Einfach so. Damit ging es, und damit kam ich nach Hause. Und jetzt ist Samstag Nacht. Und ich habe am Montag einen Termin und am Dienstag und am Mittwoch eine grosse Fahrt und am Donnerstag eine riesige Reise. Zu all diesen Dingen brauche ich mein Auto.



Und am Montag hat, nicht zu vergessen, die Werkstatt hier im Viertel wie so ziemlich alles zu. Und Reifen muss man ja auch erst mal beschaffen. Ach so, und: In meinem Fall sind es Winterreifen. Ich denke mal eher nicht, dass die hier vorrätig sind. Und die ansonsten nagelneuen Winterreifen will ich auch nicht runtermachen lassen: Ich kann sie in der Barchetta ja nicht mitnehmen. Wie man es dreht und wendet: Der Fall ist allenfalls so mittelgut. Weiterfahren? Auf das gute Glück hoffen? Die weite Reise ist eine enorm kurvenreiche Strasse, da möchte man kein Probem haben. Die mangelnden Italienschkenntnisse an einer Werkstatt ausprobieren? Kann man so einem Spray trauen? Ich hatte das schon mal, da ging es danach problemlos weiter. Wie auch immer: Schwierig. Ich könnte das ganz grosse Stück auch anderweitig zurücklegen, aber will ich das?



Gut, es könnte schlimmer sein, ich könnte die Person sein, die der Schramm den Vorschuss bewilligt hat und jetzt kapieren muss, dass die ganze Nummer ein ziemlicher Griff ins Klo wird: "Julia Schramm, Internetexhibistionistin und trotz Favoritenstatus auf allen Ebenen bei den Piraten auf die Schnauze gefallene Exhalbberühmtheit, herzlich willkommen als Stargast beim Dschungelcamp..." - das sind die Medienoptionen, die jetzt bleiben. Sie ist ja nicht ausser einer grossen Klappe ohne Publikum. Gift für die Quote. Ausser natürlich beim im Buchtitel erkennbaren Sexismus. Dschungelcamp geht immer. Mein Problem ist da nur ein Kleines. Trotzdem, was meint die werte Leserschaft?

... link (54 Kommentare)   ... comment


Post-Postprifaschisten: Wählt die Schramm!

Der grosse Witz an der ganzen Sache mit dem Thema ist ja: Vorgedacht und gelebt haben es Leute wie Michael Seemann, Christian Heller und einige andere.

Ins Rampenlicht ist damit Julia Schramm gekommen. Und den Vorschuss für das Buch hat sie auch kassiert. Und gleichzeitig hat sie für das Amt bei den Piraten jene, die ihr das Thema vorgedacht haben, verraten, und sich öffentlich distanziert.

Die eine kriegt 100.000 (abzüglich Steuern und Agentenhonorar) und vielleicht sogar ein Amt, und diejenigen, die sich das alles ausgedacht und ihr geholfen haben, so weit in die Öffentlichkeit zu kommen, die sitzen weiter in Berlin und überlegen sich gezwungenermassen, wo sie den Döner 10 Cent billiger bekommen.

CHchchchchrrrr.

Im Übrigen finde ich, dass man reis aus Unterhaltungsgründen die Frau sicher wählen kann: Mit der Schramm gibt es nach kritischen Berichten beste Chancen, dass sie so ausrasten wird wie Franz Josef Strauss selig. Was könnte es schöneres geben, als jene Auftritte, da er besoffen im TV die Leute anpöbelte? So viel selbstgerechtes Entgleisungspotential, wie wir gestern abend ja auch lesen dürfte, bringt unter den Kandidaten nur die Schramm in diesen Job mit.

... link (18 Kommentare)   ... comment