Fuego

Ich war vorgestern in Niederbayern, genauer, in Landshut. Wer Bayern kennt, kennt auch die Rivalitäten zwischen den vier altbayerischen Residenzstädten, als da neben meiner Heimat noch sind Regensburg, Landhut und München - in dieser chronologischen Reihenfolge. Es gibt die bekannten Vorurteile: Regensburg ist Oberpfalz und damit die Urhaferschleimsuppe der Lowbrows, München ist arrogant und oberflächlich, und Landshut ist noch langweiliger als ein Montag Abend im Hauslwirt in Abensberg. Über meine Heimat findet es sicher auch etwas Negatives, doch was Landshut angeht, gibt es dort inzwischen etwas, das man unbedingt gesehen haben sollte: Die Wunderkammer auf der Burg Trausnitz. Hier wurde wieder zusammengetragen, was in der Renaissance der Ursprung unserer Museen und Ausstellungen war. Für einen Amateur der Foodpornographie ist die Konfrontation mit Nautiluspokalen, Korallenschalen, Bergkristallkelchen und feinstem Augsburger Silber, und das alles üppigen Mengen, eine eher ernüchternde Angelegenheit. Auf ein "sowas habe ich auch" kommen zehn "das hätte ich gerne, und zudem hundert resignierende "das werde ich nie besitzen". Allein schon wegen des surrealistischen Effekts würde ich mir ein ausgestopftes Krokodil unter die Küchendecke hängen, und gewöhnlichere Dinge um so mehr ein neues Zuhause bieten.

Zuhause jedenfalls bastelte ich die letzten Tage am letzten Bild für den Foodpornkalender herum, und alle Versuche waren nicht spektakulär genug. Ein würdiger Abschluss der Arbeit, eine zündende Idee, ein feuriger Abschluss, das war das Ziel, und nach der Zurechtstutzung meiner Utensilien durch die Wunderkammer war es allein dem Wettrennen mit einem ICE zu verdanken, dass ich auf der Heimfahrt etwas anderes zu tun hatte, als mir Gedanken über die ungerechte Verteilung der Güter des 17. Jahrhunderts auf dieser Welt zu machen. Bis dann daheim langsam die Ideen kamen: Diese Muscheln etwa, die habe ich auch. Und zumindest eine kleine Kristallschale. Eine kleine Silbertazza findet sich neben etlichen formatfüllenden Schwestern seit letztem Wochenende im Inventar, die ererbten Korallen müssten nur mal auf Sockel gestellt werden, Elfenbeinportraits hängen über dem Bett und Imari in der Küche, und ein Tischerl mit Intarsien steht oben in der Gästewöhnung - und schon brennt die Luft:


grosser Food Porno Hardcore hier, gigantischer Food Porn Sex hier.

Jetzt könnte ich nach dem Feuer auch noch die anderen Elemente Luft, Erde und Wasser nachschieben, aber ich bin froh, einen guten Abschluss gefunden zu haben. Und nächstes Jahr ist immer noch Zeit für anderes. Jetzt muss ich nur noch die anderen Bilder zusammenstellen und verpacken.

Und so einen Nautilusportal Nautiluspokal und ein Kardinalsportrait bekomme ich irgendwann auch noch.

Freitag, 28. Dezember 2007, 02:42, von donalphons | |comment

 
ich habe eine geldbörse aus echtem krokodilleder, eine elfenbeinkette, elfenbeinohrringe, ein straußenei undein paar gewürze, die keiner kennt... :-)

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Ich gehe dann die Tage mal ins Bremer Überseemuseum und schaue mir im Focke-Museum in der Schwachhauser Heerstraße die Römische-Dekadenz-Ausstellung an. Echt, zwischen den verschiedenen bayerischen Städten gibt es Unterschiede? Ich dachte, Zwocklstan ist ein tiefergelegtes Tirol, so ne Art Schlafstadt für Bergführer ;-)

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Das Portal mit dem Pokal? (Oder der Fächer mit dem Becher? Der Elch mit dem Kelch?)

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Ich sollte so spät nicht mehr bloggen, aber es liess sich nicht anders einrichten - aufgeschobene gesellschaftliche Verpflichtungen, verspätete Geschenke und Früschwangerschaften kotzten kreuzten meinen Weg.

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Ist die Muschel...
...nicht doch eher eine Schnecke? Und was für einen Sport treibt der Kardinal?

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... die Muschel IST eine Schnecke - und das wurde hier auch schon mal an anderer Stelle bemaengelt. Also nochmal: normalerweise Muschel != Schnecke ....

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Allein schon wegen des surrealistischen Effekts würde ich mir ein ausgestopftes Krokodil unter die Küchendecke hängen

gehörte das nicht, als mumia*) noch offizinell war, nicht zur ausstattung jeder anständigen apotheke?

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*) Mumia. Die von den alten Ägyptern mit aromatischen Harzen, Balsamen, und den empyreumatischen Produkten des Zedernholzes (PLINIUS) imprägnierten und konservierten Leichname galten im 16. und 17. Jahrhunderte als vorzügliches blutstillendes Mittel. Schon frühzeitig wurde in den Apotheken an Stelle der echten, schwarzgebrannten Mumie Aspalt als sogenennte mumia mineralis vorrätig gehalten und abgegeben.

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