Real Life 7.4.04 - Projektleitung

Eine wunderbare Mappe. Liest sich gut. Alle Achtung. So viele Referenzen. So viele grosse Namen. Jünger als ich, und ich frage mich, wieso ich, der ich hier zufällig und ohne mich je beworden zu haben gelandet bin, hier sitze - und sie arbeitslos ist. Äh, sich beruflich neu orientieren möchte. Denn, wie ich aus anderen Quellen weiss, hat man ihr und ein paar anderen Leuten nahegelegt, die Sachen doch als Freie zu machen. Ohne Auftragsgarantie, wie sie jetzt wahrscheinlich mitbekommt. Aber ihr Arbeitgeber hat sich mit ihrem Gutdünken einen Prozess erspart.

Weiter unten dann das entscheidende Wort, bei dem die HR immer misstrauisch wird - "Projektleitung". Will sie gemacht haben, als sie noch auf einer anderen Seite stand. Für eine Firma, die ich kenne. Kann sie ja nicht wissen. Aber ich weiss, dass diese Firma zu diesem Zeitpunkt schon keine Teams mehr hatte, die zu leiten waren. Das war mitten im Downturn, die Besitzer hatten ohnehin nur noch freie Mitarbeiter. Eine 1-Personen-Projektleitung also.

Eine schöne Mappe. Etwas ehrlicher wäre besser gewesen.

Montag, 7. Juni 2004, 15:54, von donalphons | |comment

 
Das Mappentum
Der Witz ist nur der, dass es auch Leute gibt, bei denen das stimmt, was in der Mappe steht, und ihnen das trotzdem nicht hilft. Und wo nach Augenschein in Minuten entschieden wird oder wo vor Ausschreibung der Stelle ohnehin klar ist, wer die kriegt.

Und es gibt Arbeitgeber, die telefonieren Posten für Posten aus dem Lebenslauf ab, um zu verifizieren, ob die Angaben auch stimmen, und geben sich richtig viel Mühe. Ich glaube nicht, dass sich da feste und allgemeingültige Regeln aufstellen lassen.

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Wer Mappen schreibt, hat sowieso schon verloren. Es gibt eine Vielzahl von Wegen: Vitamin B, Recruiting-Messen/Events, online-Börsen, online-Bewerbung, Bewerbungs-Homepage, OpenBC&Co, ... Aber Mappen landen zusammen mit den anderen meist auf einen Stapel.

Meine Erfahrung: Bewerbungsmappen werden von Leuten bevorzugt, die einen sehr eindrucksvollen Lebenslauf haben, oder zumindest die Fähigkeit, den Lebenslauf beeindruckend zu präsentieren. Was bei Mappen zu kurz kommt: Das outcome. Projektleitung ist ja schön und gut, aber Projektumfang, Projekterfolg?

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Das mit dem Abtelefonieren der Referenzen: No way. Die durschschnittliche Mappe in meinen medien/kreativ/kunst-Entscheidungsposten enthält über die Hälfte Firmennamen, die es nicht mehr gibt. Ein Grossteil der Firmen, die es noch gibt, sind mit Abteilungen vertreten, die es nicht mehr gibt. Und selbst wenn es die Abteilung noch gibt, sitzen da Leute, die keine Ahnung mehr haben, was da vor einem Jahr los war.

Was die Ergebnisse angeht: Wieviele erfolgreich verlaufende E-weissderteufelwas-Projekte gibt es denn?Wenn ich danach gehen würde, gute Nacht. Man kann die Leute ja noch nicht mal für das Scheitern verantwortlich machen, solange sie den Laden nicht senkrecht vor die Wand gesetzt haben. Erfolg heisst doch schon: Moderate Burnrate, kein Irrsinn, 2 Jahre auf dem Markt, Pleite ohne Lügen und allzuviel Härten. Ich kenne genug Projekte, die handwerklich gut gemacht wurden, aber von den Vorgaben vollkommen überzogen waren.

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Da machst du mir mal wieder den Irrsinn der Medien/Crea-Szene deutlich. In der OE gibt es noch Projektpläne und Zielereichungsgrade - und die Verantwortung dafür.

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Wo die Mappe noch Wert hat
Ich meinte gar nicht die NE. Das mit dem Abtelefonieren hat eine Bekannte von mir konkret so erlebt, die hat auch den Job bekommen, auf den sie sich per Mappe beworben (Stellenanzeige in der Zeit) hat, und die früheren Arbeitgeber, die abtelefoniert wurden, waren solche wie WDR, Uni etc. Ich kenne das auch von Arbeitgebern wie z.B. Verbraucherzentralen, aber auch VW,
dass bei denen das Bewerbungsverfahren fast so bürokratisch gestaltet ist wie die Berufung einer Professur. Und in diesen Fällen geht es tatsächlich nicht ohne Mappe, wenn auch Vitamin B genauso hilft. Es gibt nicht nur die Crea- und NE-Welt. Selbstkritisch muss ich anmerken, das jemand wie ich, der Printlayout/Design und auch noch Text macht, sich wahrscheinlich gar nicht anders bewerben kann als mit einer optisch aufwändigen Präsentationsform :-)

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Kommt drauf an, wo
@ Hella: Vitamin B-immer und an erster Stelle.
Recruiting-Messen sind was für Berufseinsteiger; mich würde man da aus Altersgründen gar nicht rein lassen.
Events: Meine jetzigen Chefs zum Beispiel gehen nicht auf Events, sie veranstalten auch keine, man würde sie auch nicht auf Parties treffen. Interessant sind in den Kreisen aber Hobbies wie Golf, Pferderennen, die Jagd.
Online-Börsen? Ich zahle zumindest kein Porto für die Absage, online-Bewerbung etc. dito, vor allem bei gewissen Chefs, die 60 mails am Tag bekommen und gewohnheitsgemäß alle, bei denen der Absender namentlich nicht bekannt ist, ungelesen löschen.

OpenBC? Ja, hundertpro.

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Hehehehehe!
Das wäre doch mal was: das SupatopCheBunny (vgl. http://www.supatopcheckerbunny.de ; des Namens wegen. Bitte, sich nicht aufzuregen) beim Bewerbungstermin auf dem Hochsitz!
;-)))

(Oder Tanjas in spe mit nur geringem Handicap auf dem 19-Loch-Parcours!)

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Pruust!
Gröööl!

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@che
Ich gebe zu, dass ich da nur theoretische Erfahrung habe. Bisher wurden Jobs an mich herangetragen. Nachteil: Das letzte Quentchen Karriere bekommt man so nicht mit. Vorteil: Die Freude an der Arbeit bleibt erhalten.

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Theorie & Praxis
@ hella:

Siehst Du, das ist der Unterschied. Ich würde mich gern beruflich verbessern und gehöre zu den Leuten, an die noch nie ein Job herangetragen wurde und die sich immer alles fernher holen mussten. Und ich habe meine Karriere tatsächlich einer Weiterbildung des Arbeitsamts zu verdanken.

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