Kommen/Gehen

Jetzt, da die Massen das Gebirgstal wieder verlassen, die letzten Badenden die Kleider anlegen, komme ich.



Grossbild hier

Sehr, sehr wenig Fahnen an den Autos, selbst wenn man die erzwungen deppenzeichenfreien Cabrios und Oldtimer rausrechnet. Einer von hundert, und der dann, ich sage es wie es ist, mit ostdeutschem Kennzeichen. Ich vermute, es gibt einen Zusammenhang zwischen sozialer Schicht und öffentlich transportierter Nationalstolzerei. An Tisch im Lokal oberhalb des Bildes dann Gespräche über Luxemburg, Liechtenstein, Kölner Immobilien und anderes, was die Menschen hier bewegt. Der Verdacht, dass die Namen der Steueraffaire an die Medien geleckt wurden, weil im Gegenzug ein gewisses Staatssystem Informationen über kommende Durchsuchungen an ihm nahestehende Unternehmer geleckt hat. Ein Schriftsatz mit Selbstanzeige, der nur 4 Minuten zu spät eintrifft, 4 lausige Minuten, ist ein seltsamer Zufall.

Sonntag, 22. Juni 2008, 23:52, von donalphons | |comment

 
Der wird sich schön in den Lodenärmel beißen, dass er etwas zu lange gewartet hat - die Geschichte läuft schließlich schon länger.

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Der Mann mit dem Lodenärmel wars wohl nicht. Schreibt SpOn jedenfalls in einer "Richtigstellung" http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,561200,00.html
Das hat natürlich von den Zweitverwertern dieser Sensation niemand mehr mitbekommen.

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Sagt auch einiges über die Arbeitsweise vom SPON aus, und den Lemmingen der anderen.

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Dann wird er sich jetzt wohl wegen dieser rufschädigenden Falschmeldung in den Ärmel beißen. Oder die.

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mit der vermutung ist man nicht ganz allein: die these, dass ganze bevölkerungsteile, die von wirtschaftlicher und gesellschaftlicher entwicklung abgehängt sind, ihre hoffnungen auf ein abstraktum wie schland (das sie ja schließlich auch alimentiert) projizieren, kam während der wm 06 schon zu erstaunlicher popularität.

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Nein, SCHLAND geht quer durch alle Bevökerungs-, Gesellschafts- und Einkommenschichten. Da kannst DU projizieren, was Du willst ... es ist größtenteils wirklich nur Fußballbegeisterung und sonst goar nix! :)

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Für Frieden und Freiheit : fff
Ich war heute morgen kurz in dem Ort, der hinter dem Lokal liegt, das hinter dem Bild liegt. Da ich den Text noch irgendwie in Erinnerung hatte, hab ich mal beim Radeln auf Beflaggung geachtet.

Na ja, ich kann des Autors Beobachtung nicht nachvollziehen: Von DE Flaggen würde ich mal so ~40% MB, ~20% RO und ~10% M/TÖL/STA, also den hier üblichen Kennzeichenmix beobachten wollen. Doppelbeflaggung , also DE+X oder TR+X (auch TR+DE) , gibts relativ häufig. (letzteres könnte man mal bebachten, ob's bis Mittwoch abnimmt). Mein Liebling ist ein Auto mit schweizer(!) Kennzeichen, das irgendwie im Ort, nachdem der See benannt ist an dem das Lokal liegt , wohnt (ein äuffällig zweifarbiger VW-Bus) mit CH+AU+(i'm not making this up) England! beflaggt ist .

Wenn's irgend ein Trend sein soll: Der Mit-Flaggen-Fahrer (auch die Fahrerin) ist eher jünger.

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In einer Woche isz Russland Europameister und der Schwachsinn hat wieder 2 Jahre Ruhe

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Im Finale: Türkei gegen Russland. Besonders freuen sich die Bürger in Wladiwostok und Kahramanmaraş über den möglichen Europameistertitel. Europäischer geht's kaum.

Willkommen in der Realität. Vielleicht merkt dann auch der letzte Politiker, dass die "Festung Europa" - die EU-Politik bei der Einwanderung - aus Billigbeton gebaut ist.

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Als noch unangenehmer empfinde ich die Tatsache, daß diese «Nationalstolzerei» vielen die Erinnerung daran verklebt: was das so geliebte Land alles mit ihnen anstellt. Anstatt mal massenhaft aufzutreten und zu rufen, wenn's nicht um Fußball geht ...

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sorry, diamantspeerspitze, aber schland und fußball sind nun wirklich nicht dasselbe.
vielleicht sogar zwei verschiedene sachen.

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Sorry vert, aber Schland und Fußball können (!) zwei verschiedene Sachen sein. Müssen aber nicht ...

Ehrlich, man kann sich das Leben auch selbst schwermachen ;-P

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Also, bei mir in der Nachbarschaft ist die Doppelbeflaggung Schland Türkei Standard. Über Luxemburg oder so Geldwäschezeug unterhält sich hier niemand, eher schon, was das Gras in Amsterdam kostet.

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Solange die Verschärfung des Demonstratinsunrechtes in Bayern weniger Leute auf die Strasse bringt, als die mittlere Fanhorde einer mittleren Stadt beinhaltet, ist das nicht mein Spiel und auch nicht mein Volk. Das sind die anderen. Mal ganz abgesehen davon, dass die Deutschland-fans bei uns in der Strasse zwecks Belärmung gegen Autos getreten haben. Man sollte den DFB, die Medien und alle anderen Unterstützer an den Kosten für diese Verwüstungen massiv beteiligen.

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Ich schätze dieses Spiel gerade wegen seiner proletarischen Wurzeln. Inner Fankurve mit Wurst und Dosenbier fühle ich mich heimisch wie im Schwarzen Block (was manchmal auch identisch ist).

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Gras und Geldwäsche - zwei Dinge, die normaler sind, als man glauben möchte, und im Dealer irgendwann auch zusammenkommen.

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Und ich starte am Mittwoch zu einer kleinen Alpenrunde durch Österreich und Italien.

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Das ist Enthusiasmus. Bringt alles auch mehr Kohle bei der Vermarktung der Bundesliga. Für den DFB, für die Vereine, für die Werbeslots im Fernsehen. Ich bin in meiner Umgebung selbst überrascht, wer sich zum gemeinschaftlichen Fussballerlebnis versammelt und mit einer Leidenschaft diskutiert, als hinge die eigene Zukunftdavon ab, ob Klose endlich wieder trifft.

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Ich habe nichts gegen Fußball an sich, aber ich habe bei etlichen Leuten, denen ich seit Beginn der EM Tag für Tag unfreiwillig über den Weg laufe, Zweifel, ob es ihnen wirklich nur um den Sport geht. Manchmal scheint wichtiger zu sein, die ganzen anerzogenen "zivilisatorischen" Regeln für ein paar Wochen - gesellschaftlich akzeptiert- über Bord werfen zu dürfen und auf niemanden mehr Rücksicht nehmen zu müssen. Man kann sich während, vor und nach den Spielen fast nicht mehr durch die Innenstadt bewegen, ohne angegrölt oder angerempelt zu werden (wenn man überhaupt durchgelassen wird). Ich kann mir nicht helfen, ich fühle mich als allein durch die Stadt laufendes und eher zierlich gebautes Mädel dabei manchmal etwas unwohl. Wenn man so etwas wie Nachtleben sucht, ist es noch schlimmer, dann kann man dem Fußball-Chaos überhaupt nicht mehr entgehen. Dazu kommen die ständigen Hupkonzerte (mittlerweile sogar dann, wenn gar kein Spiel in zeitlicher Nähe liegt). Und auch dieser ganze Patriotismus-Kram ist nun wirklich nicht jedermanns Sache.

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klar ist das leben leicht, wenn man sich einfach mal unreflektiert in der mehrheit wähnt und mit ihr fröhlich treiben läßt.
das problem liegt ja auch an den rändern des phänomens, nicht nur in seiner mitte. das habe ich m.e. hinreichend in dem oben eitlerweise selbstverlinkten beitrag dargelegt, das muss hier nicht noch mal alles in seiner ganzen breite ausgewalzt werden.

ansonsten habe ich hier den eindruck, als wäre ich mit meinen bedenken nicht ganz allein - das gibt mir natürlich auftrieb, weiterhin fröhlich minderheitenmeinungen auszugrenzen, die es sich hier unnötig schwer machen:-)

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Hier im Norden wird nicht viel geflaggt. Jedenfalls weniger als vor zwei Jahren.

Ist jetzt vielleicht zu unaufgeregt, aber man sollte bedenken, dass Menschen dasselbe aus unterschiedlichen Motiven tun können. Die Einen beflaggen ihre Familienkutsche, weil die Blagen es wollen. Andere, weil sie Nazis sind, die endlich ihren speziellen Stolz ausleben können, ohne dass es auffiele. Wieder Andere, weil sie einfach Sehnsucht nach Gemeinschaft haben, die armen deutschen Durchschnittsschweine eben, und die stellen die große Masse bei dieser Sause. Keine Angst, ist die Party vorbei, mobben sie sich wieder gegenseitig.

Die Migranten sind eine Klasse für sich. Die tun es, weil sie endlich mal ihre zerrissene Lebenssituation auf die Straße tragen können, Türken zB. Wird ja sonst immer unter den Teppich gekehrt. Ich weiß noch, wie letzteres Phänomen bei der WM in den USA großes Aufsehen erregte. Damals waren es vor allem die Latinos, die man bis dahin als normaler US-Amerikaner nur als, nennen wir es, Dienstleister kannte.

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1. Fußball-Großereignisse dauern nicht ewig. Wem es nicht gefällt, braucht zum Glück nicht allzu lange zu leiden. Bekannte von mir aus dem Kölner Raum fahren inzwischen auf dem Höhepunkt der närrischen Zeit in den Urlaub, weil sie dieses Zinnober nicht ertragen können.

2. Da sich mittlerweile immer mehr Frauen/Freundinnen/Ehefrauen unter den Fans befinden, wird der Proll-Bedarf der Männer immer öfter nur in Biersaufen und Gegröhle ausgelebt. Was recht gut zum Proll-Bedarf von Frauen passt, die dann auch nur gröhlen und saufen wollen.

3. Patriotismus hat mit Flaggengewehe zu Fußball-Spielen immer seltener etwas zu tun. Hier ist die Flagge ein Identifikationssymbol, welches den Fan mit der Mannschaft verbindet. "Volk und Vaterland" sind den meisten in dem Moment scheissegal. Und angesichts "nationaler" Ligen, in denen sich anschliessend die Mitglieder der "National-Mannschaften" nach dem Ende solcher Wettbewerbe wieder kunterbunt durcheinander gemischt wiederfinden, ist Patriotismus im Fußball oft nur noch ein Thema für Kleingeister vom rechten Rand oder besorgte Leute vom linken Rand, die nicht begreifen (oder nicht begreifen wollen), dass immer mehr Leute in Flaggen kein Symbol mehr für einen speziellen Nationalstaat und seine Geschichte, sondern nur ein Markenzeichen ihrer Lieblingsmannschaft sehen.

Aus meinem Fenster(n) hängen übrigens vier Flaggen. Die deutsche, die portugiesische, die (passt zur EM zwar nicht perfekt) die brasilianische Flagge und die Flagge meines Lokalvereines. Weil das meine Lieblingsmannschaften sind. Mehr steckt nicht dahinter. Und mehr sollte man bitte nicht hineininterpretieren.

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Na ja, aber wenn Patriotismus (oder schlimmere Spielarten dieses Grundprinzips) keine Rolle spielen würde, warum hauen dann immer wieder Angehörige unterschiedlicher Nationalitäten nach den Spielen reichlich unreflektiert aufeinander ein? Und was ist mit den ganzen Hetz-Stories der Boulevardpresse über die anderen Fußballnationen?

Außerdem kann sich während einer EM nun mal nicht jeder Urlaub nehmen, ich jedenfalls nicht (da haben sich die ganzen Kollegen vorgedrängelt, die den Urlaub zwecks ungestörten Fußball-Guckens eingereicht haben). Und ich finde es schon blöd, mich in meiner eigenen Stadt, durch die ich dummerweise täglich hindurchmuss, nicht mehr belästigungsfrei bewegen zu können.

Es ist nicht so schön, sich in seinem eigentlich "natürlichen Lebensraum" plötzlich ängstlich, schwach und unterlegen zu fühlen. Zum Beispiel habe ich letztens nach einem Kneipenbesuch ernstlich überlegt, ob ich es riskieren konnte, allein zu Fuß heimzugehen, weil über all in den Seitenstraßen kleine Splittergrüppchen von besoffenen Fans ihr Unwesen trieben. War in der Innenstadt, deswegen wenig Anwohner, und aufgrund der Hintergrundgeräusche hätte vermutlich kein Mensch was auf meine Schreie gegeben, wenn sie mir tatsächlich etwas getan hätten. Ansonsten laufe ich immer und bei nahezu jedem Wetter ganz selbstverständlich abends draußen herum.

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Ich sage nicht "keine Rolle" :) Ich sage nur, Patriotismus spielt immer weniger eine Rolle. Was man zB. wunderbar an dem letzten Hetz-Mißerfolg der Springer-Presse zum Vorgruppenspiel GER vs. POL sehen konnte. Da biß niemand so richtig drauf an und der Versuch eines rechten polnischen Politikers, mit Fußball in die Schlagzeilen zu kommen, hat selbst in Polen nur Gelächter und Abwinken ausgelöst.

Und nein, es muss Dir nicht gefallen. Ich kann zB. auch nicht in Urlaub fahren, wenn hier im Februar/März die Narren toben und der Alkoholgehalt in der Atemluft besorgniserregende Ausmaße annimmt. Öffentlicher Nahverkehr spart mir dann regelmäßig den Kneipenbesuch, weil ich nüchtern einsteige und stockbesoffen einige Stationen später aussteige. Aber ich rege mich deswegen nicht mehr auf, weil ich dies sowieso nicht ändern kann. Ich kann nur wegfahren oder es solange ertragen.

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"Rebellen ohne Markt" ist ein Ort, an dem sich häufig über Dinge aufgeregt wird, die man nicht unbedingt ändern kann. Ich denke, das ist kein Grund, solche Kritik nicht auszusprechen. Ich habe ja auch wirklich nichts gegen Fußball, aber ich frage mich, ob es bedeuten muss, dass so viele Regeln des Anstands und des Respekts gegenüber (fremden) Mitmenschen dabei hinten rüberfallen. An Karneval stört mich genau das gleiche - aber das ist wenigstens regional begrenzt und auch schneller vorbei. Und das Prügeln scheint mir zur Karnevals-Kultur weit weniger dazuzugehören als zur Fußball-Kultur.

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"Ich denke, das ist kein Grund, solche Kritik nicht auszusprechen."

Meine Einlassungen sollten auch kein Maulkorb-Verlangen sein (Gott bewahre), sondern nur ein Beitrag, um dem Thema so manche Schärfe zu nehmen und/oder panikerfüllte Heraufbeschwörung irgendwelcher Weltuntergangs-Szenarien entgegenzuwirken. Fußball ist nunmal prollig! :)

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Na ja, aber wenn Patriotismus (oder schlimmere Spielarten dieses Grundprinzips) keine Rolle spielen würde, warum hauen dann immer wieder Angehörige unterschiedlicher Nationalitäten nach den Spielen reichlich unreflektiert aufeinander ein?

Warum hauen dann hierzulande die Angehörigen der selben Nationalität nach den Spielen reichlich unreflektiert aufeinander ein? Mit "Patriotismus" hat das wohl eher wenig zu tun; wahrscheinlich mehr mit "einen Grund für Krawall suchen".

("hierzulande" meint Sachsen, z.B. Spiele zwischen Dresden und Leipzig)

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Daran hatte ich auch sofort gedacht, als ich das las.

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Was ist nerviger als das gröhlende Fussballpack? Die ganzen Heulsusen, die einen damit zupiensen dass man ja gar nicht mehr rausgehen könnte und sowieso alles Nazis etc. Ich kann's echt nicht mehr hören. Es regt mich nicht mal mehr auf, sondern langweilt nur noch. Geht doch nach drüben, wenn's euch nicht passt.

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aber nein! "drüben" sind doch die nazis (von denen hier doch niemand wirklich gesprochen hat)!

don't mention the war!

wir reden hier von gesellschaftlichen phänomenen, sozialen devianzen und so ganz allgemein über zivilisation - und das auf gar nicht mal soooo abgehobenem absttraktionsniveau.

wahrscheinlich kann nm aufgrund von diversen wahrnehmungsschwächen ganz andere dinge schon seit längerer zeit nicht mehr hören.

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@oberlehrer: Aber ist Patriotismus nicht für gewisse Leute sowieso vor allem ein Motiv, aufeinander einzuhauen? Man sucht sich ein Kriterium, um "die bösen da drüben" sagen zu können und eine Entschuldigung zu haben, um anderen Menschen mal so richtig böse sein zu dürfen - mit unterschiedlichen Konsequenzen. Dass das zwischen Dortmund-Schalke oder sonstwem auch klappen kann, relativiert das für mich nicht. Ich sehe nur beim Nationen-bezogenen Fantum eine größere Gefahr, dass der Hass auch auf andere Angehörige der "gegnerischen" Gruppe übertragen wird - also Leuten, die mit Fußball gar nix zu tun haben, außer dummerweise der gleichen Hautfarbe, Muttersprache oder was auch immer.

Aber ich denke, ich werde mich nun bis zum Ende der EM in meine 30 Grad heiße Dachwohnung einschließen, Türen und Fenster zumachen und diese nicht mehr verlassen, mir Ohropax in die Ohren stopfen und zudem unentschuldigt bei der Arbeit fehlen - alles, damit ich keinen Grund mehr habe, über die allgegenwärtigen Fußball-Prolls zu jammern. Ich hoffe, dass damit dann auch nm zufrieden sein kann.

Tschuldigung, dass ich geboren bin.

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Letzte Woche zog Nächtens ein Trupp durch meine kleine Strasse, der es offenkundig auf nicht gleichgeschaltete Autos abgesehen hatte - zuerst "erwischte" es den Wagen eines türkischen Anwohners, und danach wurde mit Lust und Wucht auf Autos eingetreten, was nun mal so ging, inclusive der Schreiereien. Und die Gruppe war wirklich gross. Ich habe die Polizei gerufen, die dem ein Ende bereitet hat, und da kam zweierlei nach: Einerseits die Erklärung, dass solche Delikte bei Spielen der deutschen Mannschaft um ein vielfaches öfter geschehen, als an normalen Tagen. Und dass einer von denen betont hat, er würde denjenigen umbringen, der das hier verraten hat. Letzteres war nicht wirklich neu, das "I bring eam um" habe ich auch in meiner Wohnung gehört.

Es ist nicht so, dass ich Angst hätte, denn mit Besoffenen werde ich schon fertig, aber es ist nicht zu bestreiten, dass da draussen kriminelles Potenzial aufläuft. Die Polizei rät nicht umsonst, keine Autos an solchen Abenden in der Innenstadt abzustellen. Die Frage ist aber für mich, welches Recht vorgeht: Mein Recht auf korperliche und finanzielle Unversehrtheit, oder das Recht des Mobs. Und warum da, wenn man den Abschaum schon in die Stadt lässt, nicht mehr getan wird, um die Folgekosten knallhart von denen einzufordern, die sie verursachen.

Und dage bitte keiner "Minderheit". Das waren zwei Dutzend Leute direkt aus der Fanmeile, die einen traten, die anderen johlten, und so etwas direkt anzugehen, ist sicher alles andere als ungefährlich.

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nationen sind kein naturgesetz, auch patriotismus nicht. der nationalstaat ist nicht gottgegeben und in der geschichte zwischenmenschlicher organisation nun gar nicht mal so alt.

zwischenzeitlich könnte man - nicht nur als historikerIn - auf den gedanken verfallen, das ganze konstrukt sei vielleicht gar keine so berauschend gute idee gewesen.

vielleicht bereiten wir ihm hier und an dieser stelle gerade das gedankliche ende - mit etwas glück erleben wir's noch.

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Hier ist es ruhig. Nur mal ein Torschrei, den man hört wenn man auf der Terrasse sitzt. Amelia, benötigst du Asyl?

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Nationalstaaten sind gar nicht so schlecht, nur: Ich halte die deutsche Müllabfuhr für ein weitaus grösseres Verdienst dieser Nation, als ihre Sportler mitsamt Anhängerschaft.

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Was können die Sportler dafür, wenn irgendwelche degenerierten Vollspacken meinen, Bockmist bauen zu müssen?

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Ist der ganze Profi-Sportzirkus noch Sport?

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Es ist doch so: Fussball wird nur dann zum geschäft, wenn wirklich jeder, auch noch der letzte Abschaum begeistert ist. Und gerade diese Personengruppe ist für so einen Kommerz gern zu haben, mal ganz abgesheen von den Schlägern, die genau wissen, dass es nur zu diesen Gelegenheiten geht. Viel Begeisterung -> viel Verbrechen. Medien verdienen daran, den Nationalismus anzustacheln, geben den Takt und die Musik vor, und nachher treten manche Autos zusammen.

Also, was kann das System Fussball für die Ausschreitungen? Das gleiche, was rechtsradikale Sager der CSU gegen die Asylanten was für Rostock-Lichtenhagen konnte. Nicht alles. Aber wer nationales Pathos auf Plötzen mit Alkohol zusammenbringt, braucht sich über nichts zu wundern.

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Ich bin hier grade in einem kleinen Städtchen der Nähe der ex-Hauptstadt. Die Fahnendichte ist hier höher als in München - der Rekord waren bisher acht ...schland-Fahnen an einer Karre.

Zum inkonsquenten Umgang der Polizei mit den Gröl-und-Hup-Massen hat Telepolis einen interessanten Artikel.

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>>Ist der ganze Profi-Sportzirkus noch Sport?

Wenn die elf Mann auf dem Platz stehen: ja. Den Rest will ich gar nicht wissen. Mich interessiert weder das Frühstück von Michael Ballack, noch die Frisur von David Beckham und was UEFA und FIFA aus Fußball machen ist einfach ne Schweinerei. Ich spiele Fußball seit meiner Kindheit und es ist nun mal schön "seine" Sportart auf hohem Niveau betrieben zu sehen. Deutschland - Portugal war ein absolut klasse Spiel und das werd ich mir von Vollidioten nicht kaputt machen. Ich würds halt auch gucken, wenn sich kein Aas dafür interessieren würde. Das man nebenbei noch so feiern kann ist, für mich, ein angenehmer Nebeneffekt.

Ich gebe zu, die Anhänger des Curlings sind vermutlich etwas friedlicher und auch der gemeine Golfproll ist mir eher selten untergekommen aber wenn sowas ne gewisse kritische Masse erreicht lässt sichs halt schlecht verhindern. Fußball für den Idiotenanteil im (nicht nur!) deutschen Volk verantwortlich zu machen ist wie Computerspiele für Gewalttaten verantwortlich zu machen. Beides gibts, aber Kausalitäten sind da eher weniger vorhanden.

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eines, was mir von dieser EM in erinnerung bleiben wird: die vietnamesischen besitzer des spätkaufs um die ecke, die jeden abend vorm laufenden fernseher mitfiebern wie sonst keiner hier in meinem sprengel. du denkst, _die_ dürften irgendwie so gar keine verträge damit haben. aber den lautstarken vietnamesichen disput, innerhalb dessen leute wie ich nur die worte "swainztaige!" und "apsaiz!" heraushören können, müsste man miterlebt haben, um das zu glauben. ich wollte das zunächst fotografieren und bloggen, habe es dann aber aus anstand gelassen. übrigens handelt es sich um dieselbe vietnamesische familie, deren vater ich unlängst morgens auf dem weg zur arbeit vor seinem laden im "gespräch" mit einem deutschen, etwa 25-jährigen rockmusiker (oder was danach aussah) fand, der sein bier nicht zahlen wollte und den protestierenden ladenbesitzer lauthals anging mit der frage: "weißt du eigentlich, wer ich bin!?" - alles das sollte man eigentlich dokumentarisch festhalten, aber man hat spontan keine videokamera dabei.

assimilation. als deutscher jude hat man das alles seit generationen schon hinter sich, und man vergisst sehr schnell.

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ok. offensichtlich verspürt man auch an anderen orten eine tatsächliche integrative kraft des fußballs. ich kann den sport ja manchmal schon echt gut leiden, obwohl ich keine ahnung habe - das geheimnis des "apsaiz" wird das der vietnamesischen kioskinhaberInnen bleiben...

wie schwer es ist, sich aus der rolle eines weißen deutschen hetero-mannes auch mal herauszudenken, tja, das können sich offenbar gar nicht so viele vorstellen.

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@Strappato: Danke für das Asyl-Angebot, das muntert doch auf...!

Im Ernst: Das Problem dürfte auch damit zusammenhängen, dass die Stadt, in der ich lebe, sowieso von großen sozialen Spannungen und hoher Kriminalität geprägt ist. Ich kenne etliche Leute aus der Provinz, die sich angeekelt weigern würden, überhaupt "in diesem Moloch" zu leben. Soviel zum Thema Heulsuse. Normalerweise lebt es sich hier aber gar nicht so schlecht, wenn man auf Vorort-Idylle verzichten und den ganz unangenehmen Stadtvierteln ausweichen kann.

Aber unter den angetrunkenen Massen, die während der Spiele in die Innenstadt strömen, sind halt doch eine größere Zahl an eher bedrohlich wirkenen Menschen, denen ich zutrauen würde, bei Gelegenheit gewalttätig zu werden. Und ich habe schon den Eindruck, dass die Polizei im Ernstfall nicht unbedingt alles im Griff hätte - schon allein, weil sie die schieren Massen nicht bewältigen kann. Zudem hört und schaut in dem Trubel wahrscheinlich keiner so ganz genau hin, wenn irgendwo in einer Nebenstraße Leute anfangen, handgreiflich gegen Dinge oder Menschen zu werden. Ich bin, glaube ich, kein Mensch, der so ganz ohne Grund überempfindlich wird.

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