Sehr zu empfehlen - Lesen gegen Abmahnugen

so spirito suo godere tra disatri vedete
qual che possa nocchier fra le tempeste.
Das klingt jetzt vielleicht etwas hart, aber ich gebe es durchaus zu: Es gab in der letzten Zeit Abmahnungen gegen Kommerzblogger, die mir wirklich egal waren. Um zwei Namen zu nennen: Der Talkshowbeobachter Stefan Niggemeier, der nicht zum ersten Mal eine juristische Niederlage einstecken musste und den auch meine Gutmütigkeit bei seinem turiesken Verfälschen nicht davor bewahrt hat, dann von einem weniger netten Hersteller einer Anrufsendung vor den Kadi gezerrt zu werden. Und der Kieler Mathias Winks, der als MC Winkel trotz problematischem Umgang mit der Kenntlichmachung eines Gewinnspiels sich eine Abmahnung erst durch eine Äusserung einfing, die eine Hamburger Kiezgrösse nicht mochte. Mein Mitleidsgefühl ist nicht wirklich vorhanden, wenn so einer dann mit seinem von jedem Fachwissen unberührten Gegröle seine Leser anregt, alles andere als kluge Beiträge zu verfassen, die sie selber in Schwierigkeiten bringen können - und kurz darauf die Freunde von MC Winkel mit der IP einer Kieler Werbeagentur versuchen, an der Blogbar anonym Stimmung zu machen.

Having said this, möchte ich jedem raten, Abschied zu nehmen von der Illusion, die Blogosphäre würde effektiven Schutz gegen anwaltliche Angriffe bieten. Das kann sein, aber es setzt Mittel und Koalitionen voraus, die heute in Zeichen der Kommerzialisierung eher selten anzutreffen sind - namentlich, weil ich und andere es nicht einsehen, für Leute Stimmung zu machen, die vor allem ihren Profit im Auge zu haben. Und weil nicht jeder den Nerv hat, sich all die möglichen Probleme und Chancen bei einer Abmahnung aus dem Netz zusammenzuklauben, und der Gang zum Anwalt aus Präventionsgründen eher unwahrscheinlich ist, darf ich hier - unkommerziell und nicht bezahlt - auf eine Alternative hinweisen, die ein Bekannter vorgelegt hat, der sich aus persönlichen Gründen mit dem Thema hervorragend auskennt: Internet, Recht und Abzocke von Wolf-Dieter Roth, manchen vielleicht von seinem Kampf gegen den WDR und als Autor von Heise bekannt.



Wäre es ein anderes Thema, würde ich von einem Rundum-Sorglos-Paket sprechen, aber die darin dokumentierten Fälle geben keinen Anlass zum Hopsen durch grüne Wiesen. Vielmehr kann man sich schon fragen, ob die XXXXX die XXXXX voller XXXXXX haben und man nicht einen gewissen Teil der XXXXXXX unter XXXXX halten sollte, bis sie XXXXXXX sind. Mein Schweineorchester pfiff Händelarien, als ich das Buch gelesen habe - das soll ein Rechtsstaat sein?

Wie auch immer, das beste Mittel ist die Prävention, und darin sehe ich den Hauptnutzen des Buchs. Denn darin wird allgemeinverständlich erklärt, wo man sich halbwegs auf der sicheren Seite befindet. Bei dem Personal, das in Deutschland die Rechtspflege zu sein behauptet, wäre ich mir zwar nie sicher, aber das Lesen schärft die Sinne für das eigene Tun als Blogger. Nein, es ist kein Spass, sich mit sowas auseinanderzusetzen. Aber Krebsvorsorge ist auch nicht lustig, und dennoch sollte man lieber vorher was tun, bevor man nachher der Dumme ist. Selbst ich, der ich ohne Umwege über Sekretariate auf drei Anwälte zurückgreifen könnte, fand das Buch immer noch lehrreich und empfehlenswert. Denn die beste Abmahnung ist die, die nicht kommt. Und das ist weitaus mehr wert als die 29,50 Euro, die dieser Berg an Recherche und Informationen in Buchform kostet.

Viel Spass bei der Debatte, ich muss jetzt leider los, Strafanzeige stellen.

Montag, 13. August 2007, 14:09, von donalphons | |comment

 
Ich glaube es geht nicht um Mitleid, sondern um Solidarität. Ich habe Stefan Niggemeier auch schon mehrfach deutlich meine Ansichten mitgeteilt, sofern er sie denn wahrgenommen hat. Aber ich fühle mich verpflichtet solidarisch zu sein wenn er abgemahnt wird. Zumal ich in diesem Fall den Kläger für eine Art staatlich lizensierten Hütchenspieler halte.

Wenn wir nicht mit anderen solidarisch sein wollen, sind es andere auch nicht mit uns. Ich finde wir müssen zwischen dem Abmahnproblem und den Personen unterscheiden. Auch wenn es manchmal schwer fällt.

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Solidarität
habe ich bewiesen, dass ich lieber hinter Medien herschreibe, die die Unwahrheiten von Niggemeier weiterverbreiten, oder es bei leichten Hinweisen auf das Spammertum von Winks Freunden belasse, statt das Problem an der Wurzel anzugehen. Ich kann ja beizeiten mal die Kommentare bei Niggemeier und seinem kommerziellen Umfeld raussuchen, die mir einen Fall wünschen.

Es gibt Fälle, da lohnt sich das Engagement. Aber von dem Moment an, als ich mich für einen beteiligte, den ein Musikkonzern für die Teilnahme an einer PR-Aktion bedrohte und der sich nach der erfolgreichen Hilfe der Blogger freudig von seinen Abmahnern einladen liess, schaue ich lieber dreimal hin, wem ich da helfe. Es ist nicht mehr so leicht wie früher bei Monigate. Und in einem der letzten Fälle "half" eine Kanzlei einem Kommerzblogger, die selbst schon als Abmahner aufgefallen war.

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Abmahungen gehören zu den Unwägbarkeiten des Publizierens im Netz. Wer das noch dazu mit kommerziellem Interesse macht, der sollte das Risiko einfach in den Geschäftsplan einarbeiten. In Euro und nicht in Form der Solidarität anderer blogger.

Das laute Schreien nach Anwaltsbriefen bringt selten was - ausser der eigenen Selbstbestätigung, relevant zu sein. Die meisten Fälle laufen mittlerweile in aller Stille ab und es gibt ein paar netzbekannte Anwälte, die ganz gut mit den Aufträgen der blogger verdienen.

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Ein wenig (!) schützen kann die Verwendung eines ausländischen Bloghosters, Providers. Unangreifbar wird man hier natürlich nicht, aber als kleine Firewall, um ehrpusseligen Hanswürsten das Ermitteln einer ladungsfähigen Adresse zu erschweren, reicht das allemal.

Aber dennoch sollte man sich ein paar grundlegende Verhaltensweisen angewöhnen. Dazu gehört zB. den Unterschied zwischen Meinungsäusserung und Tatsachenbehauptung zu kennen und anzuwenden.

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strappato: Und ich dachte bisher, es sei eine Frage von Recht und Unrecht, ob man jemanden unterstützt. Wohlgemerkt in einem Fall (im Grunde in beiden Fällen) der jeden von uns (bzw. euch, ich bin ja raus) hätte treffen könnte. Gott, ich bin so naiv.

Don: Schnellleser, hmm? ,)

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Die Unterstützung des Unrechts? Rechts? äussert sich unter anderem darin, dass ich bei einer Kieler Agentur nicht nachfragen lasse, was da ein paar Freaks so zur Unterstützung eines PR-Autors so treiben, und den Niggemeier bislang auch nicht auf die harte Tour dazu bringe, seine Äusserungen zu tilgen. Mehr zu erwarten wäre aber bei solchen Leuten eine Zumutung.

Um das klar zu sagen: Ich finde das Mittel der Abmahnung im Kontext des ehemaligen Discobesitzers klar verfehlt - aber verwerflich finde ich es, in so einer Situation dann noch ein "Wieso machen andere doch genauso"-Posting hinterherzuschicken und damit zu suggerieren, das Ding wäre ok und man könne sowas schreiben. Callsendungsbetreiber finde ich auch nicht lustig, aber nachdem der betreffende Herr seinen Auftritt an der Blogbar unter falschem Namen hatte und da Dinge loswurde, die im Zusammenhang mit einem Verfahren wegen der Netzeitung, sagen wir mal, auch für die Blogbar nicht ganz unriskant waren, finde ich das alles nicht mehr überraschend. Ein weiteres Detail findet sich hier.

Was die Lesegeschwindigkeit angeht: Ich habe das Buch seit zwei Wochen, 2o Seiten/Tag ist jetzt etwas, was man mir schon zutrauen darf.

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Vermutlich würdest du mit der harten Tour auch nicht durchkommen. Sage ich mal so. Ohne nun nochmal bei Florian nachzufragen, was wirklich gelaufen ist. Aber das müssen wir hier nicht diskutieren.

Was den Discothekenbesitzer betrifft: Die Frage, warum es andere dürfen, fand ich durchaus berechtigt. Mir war der Mann bis dato auch nur unter seinem Kieznamen bekannt.

Ich meine ihn auch letztens noch in einem Boulevard-Format (Oder war es ein Boxevent? Privatfernsehen jedenfalls) gehört zu haben. Anders, als die hübsch formulierte Erwiderung beim MC in den Kommentaren es darstellt, muss man daher wohl nicht wissen, dass er - nach etlichen Jahren aktiver Markenpflege - nicht mehr so genannt werden mag.

Zum Buch: Mein Exemplar lag heute auf dem Schreibtisch. Könnte schon letzte Woche dort gelandet sein, normalerweise schreibt mir die beste alle Sekretärinnen dann aber eine Mail.

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Nun, da ich den Autor persönlich kenne, hatte ich vielleicht eine Vorzugsbehandlung. Und worum es mir geht, ist nicht die Frage, was berechtigt ist, da streiten bekanntlich die Experten, sondern allein, wo sich ein Engagement, ob Recht oder nicht, lohnt. In obigen Fällen lohnt es sich meines Erachtens nicht. Monigate war anders, da war es Gross gegen Schwach, aber ein Medienjournalist mit so einer Kanzlei, und gleichzeitig diesen einschlägigen Erfahrungen? Ist ja nicht so, dass Niggemeier in einem sehr ähnlichen Fall nicht den Kürzeren gezogen hat, und die erste Zeitung musste seinen Schmarrn ja auch schon wieder zurückziehen. Eine Werbemarke mit grosser Klappe? Da hätte ich sogar noch Verständnis gehabt, wenn er anders reagiert hätte. Ein unnötiger Fall, aber in dem Fall hat Winks extra nochmal nach dem Motto "Jetzt hol ich meine Blogger" nachgelegt.

Es gibt wahrhaft sinnvolleres Engagement, und ich denke, ein wenig wählerisch sein kann da wirklich nicht schaden.

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Being a massive Opfer of Abmahnungen, das sich das Jammern über den eigenen Einzelfall selbst wegtherapiert hat, kann ich als Fazit unter allesinallem circa 13.500 € Kosten nur sagen: Auf dem Gebiet des Medienrechts haben wir in diesem uns'rem Lande keine Recht-, sondern eine Kostensprechung - scheinbar besonders am LG HH.

Das empfinde ich als zutiefst ungerecht und hoffe, das die Sozen-Zypries endlich ihr lange bebrütetes neues Abmahnrecht durch den Bundestag schleust. Denn eigentlich ist die Abmahnung ein vernünftiges Instrument, teure Streitigkeiten im Vorfeld zu regeln.

Andererseits bin ich dazu übergegangen, einen mir wohlgesonnenen Anwalt, einen treuen Leser, kostenlos potenziell kostenträchtige Tiraden lesen zu lassen, was mir vermutlich in mindestens einem Fall Ärger mit einem in Deutschland weltbekannten Hochspringer und Ex-FOCUS-Blogger erspart hat.

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Zunächst: es bleibt natürlich jedem selbst überlassen, wann er *Solidarität* mit X oder Y zeigt.

Das Thema "Abmahnung" zeigt sich zweischneidig. Auf der einen Seite wird "gesellschaftliche Relevanz" verhindert, da Polemiken, Angriffe via Abmahnung (oder deren im Raum stehen) verhindert werden. Andererseits liefert sie Schutz - einen Schutz, den man selber gerne in Anspruch nimmt, wenn es um eigene Interessen geht.

Wir leben nun mal nicht in den USA, wo auch in die Weichteile getreten werden darf und als Meinungsäußerung oder gar in Werbebotschaften durchgeht.

Ich habe hier keine klare Meinung. Allerdings ist der Verweis auf´s Büchlein nicht schlecht, zumal auch der Feld-, Wald- und Wiesenanwalt nicht immer medienrechtsicher ist. ;)

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Stefan Niggemeier
Was haben Sie eigentlich gegen diesen Herrn? Dauernd gehen Sie auf ihn los.
Der hat schon zum zweiten Mal den Grimme Online Adolf bekommen. Sind Sie neidisch?
[Das von Ihnen empfohlene Buch habe ich sofort bestellt]

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Der Grimme Online Award...
...hat sich ja wohl dieses Jahr final als Witznummer entblößt. Wieso sollte Don ausgerechnet darauf neidisch sein, selbst Niggemeier hat sich überlegt, ob er den noch annimmt.

Der Unterschied zwischen Don und Stefan N.? Don hätte ihn nicht angenommen. Der ist da kompromißlos, dem ist egal, ob er sich Feinde macht. Das finde ich schon bewundernswert, auch wenn er es ab und zu mal übertreiben mag. Da er aber nicht auf ein gutes Image in den Medien angewiesen ist, da er nicht als Journalist arbeiten muß, sondern das nur macht, wenn und wo er will, kann er sich das erlauben, was dann wieder andere neidisch macht - wie sonst soll man die inzwischen per Abmahnung aus der Welt geschaffte Entgleisung des Herrn P.T. verstehen, denn als Neid?

Don mag keine Leute, die zu wichtigtuerisch sind, und Niggemeier gehört da sicher dazu, auch wenn er mit dem Bildblog so seine Verdienste hat. Don hat aber auch schon seine Meinung geändert, wie bei Thomas Klüwer. Vorurteile hat er sicher nicht.

Ich persönlich mag Niggemeier mehr als diese Call-TV-Abkassierer. Aber ich werde das Gefühl nicht los, das er sich bei dem Thema als Trittbrettfahrer betätigt und trotz allem darüber nur in seinem Blog redet und nicht in klassischen Medien, sodaß alles mal wieder in Netzkreisen bleibt. Die eigentlichen Macher (und auch Verlierer) sind die Leute, die dieses Call-in-TV-Forum haben. Und im Bereich des "gewerblichen Rechtsschutzes" bekommt der Recht, der es sich leisten kann, der mehr Kohle hat, und das sind natürlich die Abkassierer.

So, jetzt habe ich Dons Antwort möglicherweise vorweg genommen...

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