Real Life 16.12.2007 - In R***dorf kann man gut essen

Eana Frau is owa - setzt der Mann hinter dem Steuer an, den du um seinen verdienten Sonntag Mittag gebracht hast, und, wie sich herausstellen sollte, auch noch um das Festessen, das hier in der prosperierenden Holledau unvermeidlich ist, wenn der Pfarrer die neue Filiale des Autohauses einweiht.

Oh, unterbrichst du ihn, es ist nicht meine Frau. Eine gute Freundin.

Ah so, sagt er und schaut listig über seine rechte Schulter, wo das blutrote Haifischmaul eines Hochzeitsgeschenks für Iris durch die Rückscheibe geifert. Von schräg unten sieht der Wagen noch böser aus, als sonst, und es ist gut, dass er angekettet verharrt, während draussen die Hügel der Hopfenlandschaft ungewohnt langsam vorbei ziehen. Und es ist auch gut, dass Iris weiterhin drinnen sitzt. Wenn etwas schief geht, und niemand da ist, dem man die Schuld geben kann, weil man alle guten Ratschläge abgelehnt hat, führt das weniger zur Einsicht, als vielmehr zur fieberhaften Suche nach jemanden, der doch irgendwie schuld sein könnte. Es ist ja nicht so, dass du nicht alles versucht hättest. Da war zuerst der Gedanke, daheim zu bleiben und zu frühstücken. Ist ja nicht schlecht, hier.



Aber ausgerechnet diesmal, unter bleigrauem Himmel, wollte sie unbedingt den Antikmarkt beehren. Was selten genug vorkommt. Wegen so einer Schale. Deine Bemühungen waren grenzenlos, das zu verhindern, denn eigentlich hast du die Schale genu so platziert, dass Iris sie sehen musste, um dann Oh und Ah zu sagen, was es dir erlaubt hätte, generös auf kommende Geschenke zu verweisen. Es begann hoffnungsvoll mit einem "Ui, sowas will ich", um dann gleich von der Idee verfolgt zu werden, dass sie ja mit dir schnell zum Markt fahren könnte, vielleicht fände sich da dergleichen, und danach für ein paar Zweige in den Wald, spazierengehen, und so, also los, huschhusch, und nein, dein Auto wollte sich auch nicht nehmen. Schliesslich stand ihr Luxusgeschoss draussen vor der Tür, und Madame wollte nicht unterklassig auf dem Markt erscheinen. Da half auch kein Hinweis auf den Gepäckträger an deinem Wagen, es musste so sein.

Sieben Kilometer vor dem Ziel mischte sich dann ein rythmisches Geräusch unter C.P.E. Bachs Konzert. Das gehöre so, meinte Iris beharrlich, bis sie erkennbare Probleme hatte, den Wagen zu steuern. Wie sich dann schnell zeigte, hatte sich der Hinterreifen von der Felge gewurstelt und in den Kotflügel gefressen, während sich die Alufelge auf dem Asphalt so standhaft wie Parmesan in meiner Mouligratin präsentierte. Da standet ihr dann, mitten in der Wildnis, ohne Papiere, die sie irgendwo, aber nicht im Auto hatte, ohne Telefonnummer und ohne Hoffnung, den Markt noch zu erreichen. Denn es war Sonntag, und da findet sich keiner, der mal eben einen neuen Reifen auf eine neue Felge zieht. Normalerweise wäre in solchen Fällen ein Ersatzreifen nützlich, aber der war wohl im Widerspruch zu den Superleggera-Supersportiva-Wünschen des italienischen Karosserievirtuosen, und war deshalb einem sinnlosen Elektrokompressor und einem Flickset, das aber in einer wirklich eleganten Vertiefung unter dem kleinen Kofferraum, gewichen. Irgendwann hattest du eine sächsische Dame des ADAC am Handy, und nochmal später kam dann das grosse, gelbe Auto, um die Fuhre und den in Iris tobenden Hass zurück zu bringen. Iris überliess dir das Vergnügen, die Flunder auf die Ladefläche zu fahren, setzte sich dann hinter das Steuer und sagte nichts mehr. Den Rest ohne Papiere auszuverhandeln, blieb dir überlassen.

Der Mann war sehr nett, sehr freundlich, redseelig, und erklärte schnell, warum er unter der gelben Weste ein blaues Hemd und eine Krawatte trug. Jo mei, so geht´s zu, man macht eine Werkstatt auf, und hat noch nicht mal gegessen, schon ist die Arbeit da. Und so unterhaltet ihr euch über das Dorf, dessen Schlossherrn du kanntest und bei dessen Verwandte du in jungen Jahren, und über das Elend hinten drauf, zu dessem Namen dem Fahrer einiges einfällt. Und du bist sehr froh, dass Iris hinten ist und keine Gelegenheit hat, sich in dieser Situation noch über ihren Ex-Mann zu äussern. Nebenbei gibt er noch Ratschläge, wo man in Rohrdorf heute das beste Essen bekommt. Im Radio laufen Schlager, und nichts in diesem Frieden verrät, dass Iris hinten im Wagen im dunklen Grübeln doch noch einen Schuldigen gefunden hat, einen, der sie dazu gebracht hat, dorthin zu fahren, obwohl sie eigentlich gar nicht wollte, nur weil sie so nett war, hat sie sich breitschlagen lassen, und der Schuldige wird jetzt eine Weile leiden müssen.

Du solltest zum Fest besser noch eine Teekanne dazu packen. Mindestens.

Montag, 17. Dezember 2007, 16:02, von donalphons | |comment

 
tsk. habe im leben noch nie von einem mann nur fürs schmollen was extra gekriegt. irgendwas mache ich wohl falsch.

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Das hat schon was Masochistisches. Aber ich glaube, zum Spiel gehört auch dazu, dass sich Iris selbst über die Teekanne nicht richtig offen und ehrlich freuen wird, sondern dass sie auch daran wieder einen Anlass zum Schmollen finden wird. Um solch ein Schauspiel zu bieten, muss man vielleicht auch als Frau ein wenig masochistisch sein (glaube ich).

Umgekehrt scheint dem Protagonisten das Schenken ja Freude zu machen. Wahrscheinlich braucht er sowieso nur eine Ausrede, um auf der Suche nach der richtigen Teekanne erneut die Flohmärkte zu durchstöbern. Insofern ergibt das alles wieder einen - wenn auch in meinen Augen seltsamen - Sinn.

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Wenn ich einen Reifen für 200 Euro und eine Felge für 500 Euro und einen Kotflügel für Extemilliarden eines seltenen, nicht mehr gebauten speziellen Italieners hinblättern müsste, und eventuelle weitere Schäden an den Achsen, würde ich auch schmollen. Und zwar sehr. Sogar, wenn ich zwei Kilometer betont hätte, dass es die Musik ist und nicht die Felge.

Ansonsten, nicht eine Stunde neben dem Wrack ihres Autos stehend, ist sie nett und wirklich pflegeleicht.

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Wenn es sich aber um einen derat akuten seelischen Notfall handelt, hilft eine Teekanne Tage später auch nicht wirklich - da muss Trost sofort her, denke ich. Egal, ob es sich bei der betroffenen Dame um eine Zicke handelt oder nicht.

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Die volle Ladung haben wohl die Eltern abbekommen, so wie ich sie kenne. Und sie ist *wirklich* eine sehr reizende Person, wenn man alles hinstellt, was sie will. Es gibt ja auch noch diese andere Sorte Luxusweibchen, die zwar umsorgt werden wollen, um sich dann den ganzen Tag zu beschweren, wie teuer das alles ist und wie unfair und überhaupt. Man fährt am besten mit Prinzessinnen, die sich so verhalten und keine Aschenputtel sein wollen.

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ah! das muss ich merken!

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Was mit Prinzessin wohl geschieht, wenn die Kasse mal leer ist....frag ich mich.

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Sie wird zu so was wie mir und lacht sich einen Autoschrauber als Freund an.

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So weit wird es hoffentlich nicht kommen. Ich glaube aber, dass dann der Überlebenswillen einsetzen würde. Zusammen mit dem Erwerb eines besseren Autos, natürlich.

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Aber die Frage ist berechtigt. Ich schreibe nachher was dazu.

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