Die kleine A-List-Verschwörungstheorie

Die angeblich egalitäre Bloggesellschaft - eine Chimäre, eine Legende, alles gar nicht wahr. In Wirklichkeit, so eine amerikanische Studie, kapseln sich die A-List-Blogger ab, verlinken fast nur untereinander, und linken nicht zurück, wenn jemand anderes auf sie linkt. Dadurch entsteht eine Hierarchie, oben wenige, die für die grosse Masse die Themen, den Ton, die Richtung vorgeben, unten diejenigen, die arm, ohne Leser vor sich hinvegetieren. Das war, salopp wiedergegeben, eine der zentralen Thesen des Vortrags von Prof. Dr. Neuberger bei der Konferenz in Karlruhe.

Nach meiner Meinung ist das eine Verschwörungstheorie, die sich ihre Argumente ohne Wissen darum holt, was in der Blogosphäre wirklich geschieht. Sie geht von der Grundprämisse aus, dass Blogger generell um hohen Traffic wetteifen, dass es ihr Ziel ist, den Aufmerksamkeitsmarkt der Blogosphäre zu beherrschen.

Jeder, der sich mal ein bisschen umgeschaut hat, weiss, dass das schon aus strukturellen Gründen nicht möglich ist. Die allermeisten Blogs bedienen einen mehr oder weniger klar umrissenen Markt. Vielleicht ist es Stricken, Gothik, Selbstverstümmelung, Sex, Magersucht, eine Popgruppe, Photographie, eine Depression, ihr Arbeits- oder Privatleben, Kultur, Politik, was auch immer, anything goes und das auch in den krudesten Mischungen.

Daraus folgt, dass die A-Lister, wenn man den Begriff schon nehmen will, selbst nur einen kleinen Teil der thematischen Bandbreite des Interessen der Blogger wiedergeben können. Was zur Folge hat, dass A-Lister angesichts der grossen Menge von Blogs in Deutschland dennoch kaum zur Kenntnis genommen werden. Wenn wir im Moment von etwa 120.000 mehr oder weniger aktiven Blogs ausgehen, verlinkt weniger als 1% davon den momentanen Spitzenreiter, das Bildblog. Anders gesagt, über 99% verlinken das Topblog nicht. Weit weniger als 1% verlinken IT&W und Spreeblick. Bei Blogbar, das als Metablog eigentlich beste Aussichten hat, viele Blogger als "Nabelschaublog" zu interessieren, sind es unter 0,5%, Rebellen ohne Markt, immerhin noch in den Top20, kommt gerade man auf 0,3% Verlinkung aus der Blogosphäre. 99.7% verlinken mich nicht. Aufgrund der Unzulänglichkeit von Blogstats.de, worauf diese Zahlen beruhen, kann es durchaus sein, dass man die Zahlen sowohl der Blogs als auch der Links vergrössern, vielleicht sogar verdoppeln muss - am Verhältnis ändert sich dadurch nichts.

Die vergleichende Analyse der Links ohne Berücksichtigung der absoluten Zahlen ist ein höchst fragwürdiges Unterfangen. Es genügt nicht, nur auf die Toplisten zu schauen; man muss auch verstehen, was sie sagen. Es gibt Blogs, die mehr verlinkt werden als andere, aber sie dominieren nicht. Sie sind nur in kleinen Kreisen bekannt. Aber selbst, wenn wir mal davon ausgehen, dass jeder zweite Leser hier Blogger wäre, würde dieses Blog hier selbst an den besten Tagen von über 98% der Blogger ignoriert werden. Das allein relativiert die Idee, dass es so etwas wie die Marktbeherrschung durch A-Lister überhaupt gibt.

Bleibt die Frage, warum man darauf kommt, dass man sich für einen Link mit einem Gegenlink bedanken müsste. Ich habe keine Ahnung, ich kenne sowas nur vom äusserst unseriösen Fall der Kelly M., in dem ein "Jugendbündnis Weisse Rose" mit einer einzigartigen Spamaktion versucht hat, sich mit Links auf Gegenseitigkeit auf die Toplisten zu setzen. Ein ähnliches verhalten kenne ich sonst nur von einem Cluster stark rechtslastiger Blogs, die hier gern als Neoconnards bezeichnet werden und deren Mitglieder dazu tendieren, andere Blogs zwecks Awareness zu spammen.

Es gibt mehrere Gründe, die gegenseitige Verlinkung nicht vorzunehmen. Würde ich alle Verlinker in die Blogroll aufnehmen, würden da links vielleicht 500, 600 Blogs stehen. Ich wage es zu bezweifeln, dass das irgendjemandem was bringen würde. Generell negiere ich auch die Wirksamkeit dieser Links selbst bei A-Listern. Denn, um nur mal ein Beispiel zu bringen: Johnny vom Spreeblick verlinkt mich in seiner Blogroll. Gestern hatte er laut Blogcounter 6393 Visits auf seiner Website. Davon kamen nur 16 über diesen Link auf meine Seite. Das sind rund 0,25%, oder anders gesagt: Ein Link in der Blogroll bei einem Topblog wie Spreeblick bringt so gut wie nichts. Das entkräftet die Behauptung, die Verlinkung zwischen den A-Listern würde eine homogene, viel beachtete und besuchte Gruppe von A-Listern erst entstehen lassen.

Ich persönlich vermute ohnehin, dass Links weit weniger bedeutend sind, als angenommen wird. Das Publikum von Rebellen ohne Markt liegt bei 1/3 bis 1/2 von dem, was Spreeblick hat, clickt aber die links stehende Girlreihe öfter. Aber auch nicht besonders, mehr als 30, 40 Hits am Tag sind es kaum. Auch bei mir kommen die Leute vor allem wegen diesem Blog hier, und sicher nicht mehr als 10% nutzen die Blogroll.

Selbst, wenn ich in einem Beitrag verlinke, gibt es selten mehr als 300 Visitors, die dem Link folgen; das entspricht maximal 20% der täglichen Leser hier. So hat es der gestern verlinkte und heiss debattierte Beitrag von Media-Ocean nicht mal in die Top-100 bei Blogcounter geschafft, sprich, weniger als 370 Visits bekommen.

Und würde denn wirklich jemand clicken, wenn ich alle Verlinker hier jeden Morgen entgegen meiner Gewohnheit - denn eigentlich ist mir das von wenigen Ausnahmen abgesehen völlig wurscht - rausziehen und publizieren würde?

http://www.zielpublikum.de/blogs.htm
http://www.vuck.net/blog
http://www.svenscholz.de/?p=395
http://www.subfrequenz.net/linker/index.php?cat=33
http://www.rola.ndgu.de
http://www.odenwald-geschichten.de
http://www.myblog.de/somlu
http://www.nerdcore.de/wp/2005/09/26/ich-bin-deutschland-2
http://www.mischamandl.de/blog/2005/09/25/blogs-in-der-wissenschaft.hartz4
http://www.mela.de

Das ist jetzt nur mal die unterste Ecke meiner Referrer vom heutigen Morgen. Drüber kommt noch fünf bis zehn mal so viel. Wer es selbst anschauen will: Hier clicken und den Seitenquelltext aufrufen. Sowas müsste ich den obigen Theorien zufolge jeden Morgen machen, um kein elitäres, kleine Blogger ausbeissendes, pardon hier darf ich, Arschloch zu sein. Natürlich auch noch sauber verlinken, damit es mir das Layout nicht zerschiesst, und mit einer Empfehlung versehen. Sorry, das macht keiner, das geht schlichtweg nicht.

Und dann ist da noch was: Die Trackbacks. Das Linken auf Gegenseitigkeit kann man sich dadurch bei konkreten Debatten komplett sparen, das steht dann einfach im Kommentar. Wenn jemand hier einen Trackback setzen will, kann er das manuell in den Kommentaren tun. Wird oft genug gemacht. Das kann mitunter nervig sein, es gibt leider genug Trackbackspam und oft auch Blogger, die um des Trackbacks wegen trackbacken, ist aber längst normal. Jeder kann sich also bei einem A-lister einklinken. Wenn es dann langfristig mit dem Traffic und dem Wachstum nicht klappt, ist nicht das Problem des A-Listers. Erst, wenn man ihn dazu zwingen würde, sich um alle anderes zu kümmern, seine Leser aufzufordern, dort bitte doch auch das Blog voranzubringen, wäre die egalitäre Bloggerei vorbei. Dann würde ich dicht machen.

Ich komme zum Schluss: Die obige Analyse zur Hierarchie der Blogger ist falsch; ihre Argumente halten einer Überprüfung nicht stand. Sie kann nur entstehen, wenn jemand von Aussen kommend aufgrund seiner nicht auf die Blogosphäre übertragbaren Medienkenntnisse eine falsche Fragestellung entwickelt, einen verzerrten Eindruck vom Wesen der A-Lister hat und aus nicht verstandenen Toplisten unzulässige Rückschlüsse zur Stützung seiner Thesen zieht. Ohne auch nur ein mal mit denen zu reden, die im Zentrum seiner Untersuchung stehen, A-Lister wie die anderen Blogger. Was dann in einem fernen Land übernommen und in einem wissenschaftlichen Vortrag entsprechend kolportiert wird.

Und dann gibt es also Jungsakademiker, die meinen, es wäre unanständig, wenn man das Wort Ficken verwendet. Na ja. Wenn sie meinen.

Dienstag, 27. September 2005, 10:04, von donalphons | |comment

 
Also wirklich don, du solltest dir deiner besonderen Verantwortung als Alpha-Blogger doch bitte bewußt sein. Wieso siehst du nicht ein, dass ein Blogroll von 600 eine sinnvolle Angelegenheit ist. Wieso machst du dich nicht zum Fürsprecher aller, die weniger traffic als du haben und dich deswegen verlinkt haben. Wir sind nämlich alle traffic-geil (ups) und betreiben unsere Blogs nur um dann endlich in den Top 100 der Schwanz (noch ein ups)längenvergleiche aufzusteigen. Und wir verlinken auch nur, um unsere Blogs aufzuwerten. Genau das ist es. Gut, dass Herr Neugebauer das endlich herausgefunden hat, ein wirklich wichtiger Beitrag zum tieferen Verständnis der Blogger und ihrer Günde zu bloggen. Amen.

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Das hat ja nicht er herausgefunden, er hat nur darüber berichtet, dass es eine amerikanische Studie herausgefunden hat, weil ihn "die Idealisierung der Blogospäre" stört.

Aber Du kannst Dich jetzt nicht mehr beschweren, ich habe Dichselbst fett verlinken lassen, mach 250 Euro abzüglich 10% Quotensaurabatt, Firma dankt ;-)

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Ach Don du alter Spassverderbervogel,ich habe mal in die KW reingeschaut und noch vor dem zweiten Semester gemerkt, dass da hauptsaechlich mit heisser Luft gehandelt wird. Die A list Thesen sind mit Verlaub gesagt fuer den Allerwertesten. Im praktischen Experiment habe ich eher Deiner folgen koennen. Seit dem Umzug zu blogger und einigen Kommentaren hier hat sich praktisch nichts veraendert, die Anzahl der Besuche meiner Spielwiese hat sich im wesentlichen durch die Berichterstattung der Sommerfeste erhoeht, nicht durch den Umzug.

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Dass ein sehr relevanter Teil der Leute, die Don verlinken, hier verlinkt sind oder die Hardcoreuser dieses Blogs sind, dies tun bzw. sind, weil sie einander im realen Leben kennen und in der virtuellen Welt noch andere Projekte laufen haben oder hatten - und das ist das Eigentliche, was mir zu rebellmarkt und Surroundings einfällt - das alles erscheint mir weitazs relevanter und interessanter als irgendwelche List A Blogger Schwanzvergleiche. Aber um darauf zu kommen, müsste man sich inhaltlich und emotional auf ein Blog einlassen, statt statistisch die Klickzahlen zu vergleichen.

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@che:

ach ich fand den Beitrag von ihm irgendwie passend und habe auch mal auf die Zahlen gesehen. mehr nicht.
Der Umzug zu Blogger.de half insofern, um die Wanderungsbewegungen der Zuschauer zu verfolgen. Diesbezueglich mag ich die Referrerangaben, koennen sie doch leicht zum Ausschlag der Waage beitragen.

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Das unbenommen. Ich bezog mich ja auch auf die Art und Weise, wie PUKs rein formalistisch die Klickrate und Leserstatistik von Blogs bewerten und wie anders sich die Dinge darstellen, wenn man in der Bloggosphäre lebt. Kein Widerspruch zu Dir. Mit Referrerangaben ist es wie mit Beton: Es kommt drauf an, was man draus macht.

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@Beton und was man draus macht: Widerstand findet Weiterstadt oder so.

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Das ist ja wieder typisch, auch hier das selbe Thema.

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Wo kriegst Du die Zahlen her?
Ich meine, sind das wirklich alle, die Dich verlinken? Ich habe mir mal den Spass gemacht, Deinen Referrerlink zu durchsuchen. Also, trotz dass ich Dich verlinkt habe, hat niemand den Link von meiner Seite aus benutzt. In so fern scheinen mir Deine Angaben vielleicht etwas ungenau.

Auch kann ich mir vorstellen, dass es eine ganze Menge Blogger gibt, die die Favoritenfunktion ihres Baeh-baeh-Browsers nuetzen und dort ihre Stammblogs hinterlegt haben. Unabhaengig von Referrern und Links. Eine genaue statistische Auswertung ist daher wohl kaum moeglich. Oder kennst Du meine Favoritenliste? Kann ja sein, dass da von ganz links bis ganz rechts, von ganz oben bis ganz unten alles vertreten ist.

P.S.: Der Gugel-Klebestreifenfliegenfaenger im allerletzten Satz ist ja allerliebst...

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Das sind nur die aktiven Referrer der letzten 24 Stunden, bei weitem also nicht alle. Wenn jemand clickt, tauchst Du auf. Ich sehe, wenn ich konsequent reinschaue, so zwischen 3 und 10 neue Links täglich.

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Vom Ficken, Linken und Chimären
Viele, wenn nicht sogar die meisten wissenschaftlichen Studien konstruieren ein Bild von der Blogosphäre, das der Realität des Bloggens nicht standhält. Kurzum: Es sind Beobachterkonstrukte die aber deswegen in der Scientific Community funktionieren, weil sie sich schlüssig an bereits bestehende Beobachterkonstrukte anschliessen. For the good or bad.

Was die Abrufzahlen auf media-ocean betrifft: Gestern 178 Aufrufe. 10x mehr als der bisherige Schnitt. Die meisten Aufrufe entfielen auf den "heiss" diskutierten Beitrag. In Relation also ein absoluter Peak, aber in the Big Picture noch nichtmal der Funke eines winziges Strohfeuers. Es läuft halt so, wie Du es beschrieben hast.

Das propagierte "Ideal", alles zu verklinken was bei 3 nicht auf den Bäumen ist, ist und bleibt eine Utopie! Macht allein aus zeitökonmischen Gründen überhaupt keinen Sinn!

Mit dem Hinweis im letzten Satz fühle (auch) ich mich angesprochen. Ich kann FICKEN - und es sogar sagen und schreiben. ;-)

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Du ahnst ja nicht, was Du meinen Google-Treffern damit antust ;-)

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Laesst dies jetzt den Umkehrschluss zu, dass A-list Blogger nur diejenigen sind, die oft genug FICKEN in ihren Blogs verwenden?

Da muss ich mal meine Abrufzahl durch gezielten Geschlechtsverkehr erhoehen...

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Ficken reicht nicht. Ficken Sex Bordell Samen Strich und so weiter, das zieht die Googler an. Das wäre ohnehin mal ein spannendes Thema...

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kannst gerne ein F***** mit Pünktchen draus machen. Aber das würde dem Ganzen ja den Reiz nehmen. Ups, auf das Wort *Reiz* springen die Googler bestimmt auch an. ;-)

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Ach, wir hie unten im Schmutz nehmen jeden Traffic, der kommt. Hauptsache, A-List.

Das ist übrigens nicht ganz unernst gemeint: Bei Blogcounter.de verdanken einige "A-Lister", die eigentlich keiner kennt, einen guten Teil ihres immensen Traffics "Suchmaschinenoptimierung" aka Sumaspam wie Minga.de oder Linktauschringen mit Gaga-Seiten, von deren Existenz Herr Prof. Leggewie nie etwas wissen wollen würde.

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Ach so war das also.
Don Alphonso hat im Vortrag mehrmals das Wort "Ficken" verwendet, was einigen dann wohl übel aufgestoßen ist. Man könnte das auch positiv sehen. Es handelt sich um eine gezielte Infragestellung (Provokation) des bei solchen Veranstaltung üblichen Benimmcodex. In vielen der Kommentaren hier wurde schon auf die Irrelevanz der Perspektive der KW'ler auf das Phänomen "Bloggen" hingewiesen. Müsste man aber die Etikette der Wissenschaftler einhalten, um Irrelevanz in der KW-Forschung nachzuweisen, wäre die Artikulation dieser These nur mit Unverhältnismäßig hohem Aufwand möglich. Man befände sich ja im selben beschränkten Bezugssystem wie die KW'ler. Vielleicht wäre die Begründung sogar unmöglich.

Ein Wechsel hin zu einer Sprache, die (Schein-)Authoritäten nicht mehr gelten läßt, ist also unbedingt notwendig. Die Sprache sollte aggressiv und herausfordernd sein, natürlich immer auf der Basis nachvollziehbarer Argumente. Dies ist vor allem deshalb notwendig, weil die KW-Forschung ja, wie einige substanzielle Beiträge hier zeigen, mittlerweile stark abhängig ist von den Fördermitteln diverser dubioser Think-Tanks und demokratisch nicht legitimierter Stiftungen, welche uns ja zur Zeit z.B. auch wieder beglücken mit dieser unsäglichen Kampagne "Du bist Deutschland". Für diese Kampagne steht ja wohl auch der ein oder andere KWFrosch, der heute bei Jung van Matt angestellt ist.

Wie soll man gegen ein "Ambiente" angehen, das aus den Showräumen der (Schein-)Wissenschaft besteht - vornehmen Konferenzsälen und Tagungsorten - besetzt mit Personal, das nach seiner Prominenz und nicht der Qualität ausgewählt wird, und deren Manager (KWler) uns am liebsten unidirektional mit seichten Botschaften je nach aktueller Regierung mal in die Depression mal in die Aufbruchstimmung switchen möchten?

Es bleibt nur die absolute Infragestellung. Die Guerillia-Attacke (mit geringem Aufwand ein Maximum an Wirkung) gegen eine solche Übermacht. Dazu gehört auch eine andere Sprache. Ob ihr sie für Dreck haltet oder nicht.

Das schöne an dieser Form der viralen Guerillia ist - und das ist der Unterschied zur Guerillia im Krieg - man kann sie offen zugeben. Ihr könnt nichts dagegen machen.

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Es gibt eine Leipziger Werbeagentur, die hatte eine Zeitlang den MetaTag www.ficken.ru (wohlgemerkt keine echte Domain, sondern nur einen so geschriebenen Steuerbefehl!) in ihrem Header stehen und bei Google gelister, einfach nur, um traffic zu generieren.

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@che. Stimmt ja. Aber stell Dir doch mal vor die Bmann-Stifte würden sich sowas leisten. Ausserdem ist die Verwendung von F-Worten nicht das wichtigste Charakeristikum einer solchen Sprache.

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Das F-Wort ist doch nur aufgefallen, weil Don - wie berichtet wird - ohne Manuskript, Folien, PP usw. aufgetreten ist. Das war ja schon ein Affront an sich. Da fallen dann solche Wörter erst recht ins Gewicht. Mit ein paar einschläfernden PP-Slides hätte Don 10x F... sagen können, aber keiner hätte es bemerkt.

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Na, ich habe schon noch mehr gesagt. Dass ich Stehpulte scheisse finde und man das Mic in die Hand nehmen muss, dass Powerpoint zum betäuben von Zuhörern da ist und ich nicht gekommen bin, in einem dunklen Loch sie in eine Kulturertragungsstarre zu versetzen. Das mit dem Stehpult war der Anfang, gewissermassen frei nach Filippo Tommaso Marinetti das Spucken auf den Altar der Wissenschaft.

das kann er doch nicht machen. doch.

Fakt ist, dass es manche da drin als masslose Provokation empfanden. Aber andererseist nicht damit aufhören konnten, sich mit diesem komischen dreisten Ding da zu beschäftigen. Stellt es Euch so vor: Die kleine Vorstadt-Punkband tritt aus Versehen in der Staatsoper auf, und das Publikum ist leicht entsetzt.

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Ach so, und: natürlich nehme ich die Wissenschaft nicht ernster als das bloggen. Schon gar nicht, wenn mir die Wissenschaft in Person von Herrn Leggewie mitteilt, dass der politische Diskurs im Netz Schmutz ist, mit dem er und seine Elite nix zu tun haben wollen.

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How to: attract traffic. Lesson II
Sei neustem muss man es ja im Ausland treiben, sprich: »Ficken in einem Tokio(ter) Hotel.«

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Na prima. Wenn jetzt die Teeniehorden hier einfallen, linke ich sie zu Dir weiter mit Sprüchen wie: Tokio Hotel Ficken? Spitzengroupie Lem hat die Antwort und die einschlägige Erfahrung!

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Gerne doch, für solche Fälle hab ich meine Reitgerte aufgehoben ;)

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So? Ich dachte, E-Gitarrenjungs nimmt man mit dem E-Schockgerät. Dann ist es wenigstens kein Sex mit Minderjährigen, sondern nur Misshandlung von Schutzbefohlenen. Oder Notwehr - ich mein, solche kajalgeränderten schwarzen Figuren wie die in einer dunklen Wohnung, das schreit doch geradezu nach der vierläufigen Elefantenbüchse.

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Och dieses Kindchenschema ruft eher die Domina in mir hervor. Man möchte sie hinknien und ihre Notenblätter essen lassen. Bellen optional.

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Notenblätter? Kommt doch eh alles aus dem Effektgerät. Die müssten wohl eher den Intonator essen, und das wird hart wie Hardware. Und schwarz wie die Nacht. Ideal nicht nur fürs Ton-Studio geeignet.

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Wenigstens schmerzt es dann zweimal. Der Intonator muss ja auch wieder raus... sozusagen das türkisch Gulasch der Musikbranche.

Aber eins muss man den Horden an bezahnspangten Teppichratten schon lassen: die unerschrockene Unermüdlichkeit mit denen sie, einem Heuschreckenschwarm gleich, von Blog zu Blog gezogen sind nur um ihre bettnässenden Idole in jeder noch so kleinen Ecke zu verteidigen, ist schon bemerkenswert. Das erfordert viel verzweifelte Energie.

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Das macht die Artverwandschaft - aber hier müssten sie sich erst mal anmelden, und selbst wenn - der Löchbutton ist Din Freund.

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Alter Wein...
in alten Schläuchen. "Ich habe gezeigt dass,..." ist eine schöne Umschreibung der Aufgaben von wissenschaftlicher Beschäftigung mit Journalismus, Kommunikation und Medien. Diese Zeigerfunktion und damit die Vernutzung "harter empirischer Daten" (höhnischer Kommentar: hoffentlich nicht aus Umfragen) hat Folgen wie diese von der Website des Herrn Neuberger aus der Liste seiner aktuellen Projekte:

Kurzgutachten "Wandel der aktuellen Öffentlichkeit im Internet" (im Auftrag des Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag, gemeinsam mit Dr. Christoph Kaletka, Laufzeit: November 2004)

Wer sich den Titel laut vorliest und Intension und Extension des Titels aus mehreren denkbaren Perspektiven überdenkt, braucht eigentlich keinen weiteren Kommentar mehr zu posten.

Ich kenne das andere aktuelle Forschungsprojekt aus 2003 über die Suchmaschinen sehr gut, weil ich lange als Berater für große nationale und internationale Wissensmanagementprojekte arbeiten musste/durfte/konnte. Ich kann mit großer Gewissheit sagen, dass diese BmannStift-Studie in weiten Teilen an dilettantisch und unbrauchbar ist und unter KM-Leuten und Retrieval/Information Management-Experten als Luftnummer gehandelt wurde, bzw. einfach ignoriert wird. Die Relevanz der dortigen Aussagen unterschreitet alle gängigen Gemeinplätze, die seit Jahren in IT-Blätter inflationieren.

Was ich damit sagen will ist Folgendes: Publish or Perish hat in Deutschland eine unheilige Allianz der Satten (Steuergeldverwalter) mit den anderen Satten (eklektische Agglomeranten vieler Studien/Umfragen/Dissen/Diplome) sodass gemeinsam ein Amalgam an öffentlich-rechtlicher Themenbesetzungt stattfindet, das in seiner internationalen wissenschaftlichen Relevanz jede lokale Pommesbude weit unterschreitet, aber mit einem impertinenten Mantelwehen in die "aktuelle Öffentlichkeit" herein schneit, dass ungeübte Zuschauer glauben können, der Maestro selbst betrete den Katheder.

Leider stößt der selbst ernannte Imperator des Faktischen nicht wie dereinst Husserl und Heidegger gegen der Stuhl oder Tisch, bevor seine allumfassende empirische Phänomenologie über uns hereinposaunt wie die Trompeten von Infas...

Es war schon immer etwas Spezielles um das Herr/Knecht-Problem des Herrn Hegel, n'est pas?! Gerade wenn der Knecht hoheitliche Aufgaben zu übernehmen trachtet und zwar nicht durch Verweigerung des Gehorsams sondern durch einen Gott namens Faktizität.

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Tja, da hatte die Debatte mit Don Alphonsos Beitrag an Niveau gewonnen. Und nun wieder eine Breitseite, in der kein einziges Argument zur Sache steht. Das ermüdet.

Wer erst einmal zur Kenntnis nehmen möchte, worauf sich die These bezieht, kann das hier tun.

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Ich kann nichts für die Meinungen und Aussagen meiner Kommentatoren, aber wenn man das Stilproblem ausser Acht lässt, wird generell wenig mit Argumenten und oft mit unbewiesenen Behauptungen former known as american Studies gearbeitet.

Das Problem ist nur, dass man drei flink hingeworfene Vorwürfen auf dem Podium nicht in der Form beantworten kann, wie es hier geschieht. In Karlsruhe hätte man dann eine andere Studie zitieren müssen, die das Gegenteil sagt, dann wäre der Diskurs wieder im Lot gewesen. Nur habe ich das rumschmeissen mit Studien grenzenlos satt, ich habe 4 Jahre lang Marktanalysen über das Internet gelesen, und alle, wirklich alle waren komplett falsch wie das Podcaster-Argument mit den Milliarden Stunden im Auto. Aber hier im Blog sind jetzt mal ein paar Fakten, Traffic ist nun mal eine echte Messgrösse.

Und wiedergegeben habe ich es in etwa so, wie es im ZKM auf dem Podium gesagt wurde. In my humble opinion ist das Grundproblem, dass schon durch die Exposition des Votrags klar wurde, dass die Blogosphäre hierarchisch strukturiert ist. Was dann mit dem Studien aich "gezeigt" wurde. Die Annahme hierarchischer Strukturen ist nicht komplett falsch, es gibt sogenannte "Honkhorden", die andere angreifen, wenn sie eine andere Meinung vertreten; beispielsweise wenn man RSS ablehnt oder Jamba verteidigt. Aber solche Strukturen entstehen in Blogclustern und haben meines Erachtens keine Auswirkung auf die Blogosphäre als Ganzes. Die ist schlichtweg zu gross und zu unkoordiniert und obendrein durch zu viele Dissonanzen fragmentiert, als dass so etwas möglich wäre.

Wer es könnte, würde ganz schnell einen tollen Beratervertrag kriegen, aber die, die das behaupten, sind Scharlatane.

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Argument...
Tja, da hatte die Debatte mit Don Alphonsos Beitrag an Niveau gewonnen. Und nun wieder eine Breitseite, in der kein einziges Argument zur Sache steht. Das ermüdet.

Was genau für ein Argument ist die gefühlte "Störung durch die Idealisierung der Blogosphäre" Ich kann daran weder ein ein-, zwei- noch ein dreistelliges Argument erkennen.
Was ist eine Breitseite? Ein Angriff eines Schiffs auf hoher See, das mit allen Rohren schiessen. Sollte jemand in diesem hohen Haus den Eindruck haben, aus allen Rohren beschossen zu werden, kann mich des Eindrucks nicht erwehren eine paranoide Grundstimmung zu erkennen.

Nochmals: Ein Argument kann gerne logisch oder extensional oder intensional analysiert werden.
Dass "Veränderungen der Öffentlichkeit Teil der KoWi" sind ist schön, endlich mal ein klar umgrenzter Untersuchungsgegenstand, der in den meisten mir bekannten Fachbereichen als Thema einer Diss oder Habilitation zu Kopf schütteln führen würde. Öffentlichkeit ist ja ein ähnlich offener Untersuchungsgegenstand wie Intelligenz, Wissen, Information oder gar Kommunikation. Da hat man über Jahrzehnte sichere Einnahmen aus Gütersloh und vom BMBF.

Sollte ein Blog etwa ein Werkzeug von bottom-up sein? Sollte ein A-List-Blogger etwa qua quantifizierter Replikation in anderen C-Level-Blogs mehr oder weniger Öffentlichkeitsanteil/relevanz etc. haben?
Wissen sie eigentlich, wie repräsentativ das Internet um 10 Uhr morgens für die Öffentlichkeit also die Bevölkerung in Deutschland ist? Ist die Folge von Befragungen der Bevölkerung (online und offline) die unreflektierte Annahme, dass die Antworten Wahrheit oder zumindest Gültigkeit erlangen können? Wie kann man eigentlich veränderungen in Öffentlichkeit(en) erkennen, welche Referenzen sind da möglich? Ist nicht am Ende der Untersuchungsgegenstand Blog nur ein Vehikel, um in diesem virulenten und virilen Milieu ein Abstraktum zu verorten, dass es faktisch gar nicht gibt, da Abstrakta wie die oben benannten praktisch nach Belieben des Fachbereichs hin und her geschoben werden können und nur noch qua Topologie und Morphologie erlebbarer Entitäten wie eben Blogs zu einer Scheinfaktizität erhoben sozusagen in statue nascendi mit Existenzoperatoren versehen werden können. Ansonsten jedoch sind die Begriffsgestelle der Öffentlichkeit, Kommunikation und Information schlicht die Hülsen für Analysen und Synthesen, die mit zoologischen Begrifflichkeiten wie "Vielfalt" eine Linnésche Taxonomie erstellen wollen, die den sozialen Zoo außerhalb der Gestalttheorie in eine Art morphogenetische Felder einteilen wollen, um schnell einleuchtende aber gänzlich unbegründete Thesen zu produzieren, die der postmodernen Beliebigkeit und dem Abschotten ganzer "Teilöffentlichkeiten" zumindest intellektuell beikommen sollen? Geht es nicht um Deutungshoheit sondern schlicht um das kategorosierende Historisieren von Gegenwart zum Zwecke der Depotenzierung?

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Ist ein wenig wie bei den MUDs. Es gibt Einzelkämpfer, Clans, lose Netzwerke - aber keine Hierachien. Trotzdem - oder darum - können daraus schlagkräftige Strukturen enstehen, die sich genauso schnell auflösen, wie sie gebildet wurden.

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Ich muß mal kurz Klugscheißen, damit die Herren Wissenschaftler nicht so schmutzig werden. Hierarchie setzt eine definierte und von den Elementen der Hierarchie "gelebte" Rangordnung voraus. Die kann ich bei "Honkhorden" nicht erkennen. Mal folgt einer Meinung, aber innerhalb der Horde gibt es keine Rangordnung, nur ein lose, informell definiertes Ziel.

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Wie gesagt, ich fände es hochspannend, mal einen Chaosforscher, einen Neurologen und einen Kulturhistoriker mit dem Fachgebiet Massenhysterie zu diesem Thema zu hören..

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@moravagine
haaaalloooo, du da oben, ja dich mein ich. siehst du mich ... ja, ich hier unten. Komm doch mal runter zu uns, is echt nett hier.

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Schicke Tolle Überweltslandschaft
Yep, genauso sehe ich es auch. Ich war mal mit meinem kleinen Blog für einen Tag als Highlight beim großen vielgelesenen Blogherald verlinkt, und es kamen grade mal 50 Visits darüber, was sich an den nächsten Tage auf fast rudimentäre 5-10 runterschraubte. Gebracht hatte es mir vielleicht noch ein oder zwei Bannerklicks, mehr aber nicht.

Dafür kamen mehr Spambots von der URL rein - sofern sie sich nicht mit einem eigenen Referer bekleistert hatten ;)

Was ich ja schön finde, ist seine gesamte "Daily Read" Liste als OPML zu veröffentlichen... was ich auch mal in 10 Minuten tun werde.

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Lieber Don
Darüber haben wir uns doch ausgiebig beim Frühstück im Hotel unterhalten. Ich fand, was du gesagt hast hatte Hand und Fuß und war wirklich okay, aber es kommt immer auf den Ton an.

Und bei einer Tagung, bei der es natürlich um andere Dinge geht, als negativ aufzufallen ist das Wort Ficken nicht gerade angebracht.

Im Übrigen hat es beim fünften Mal schon nicht mehr die Wirkung gehabt, die du erzielen wolltest. Beim ersten Ficken fand ich's noch okay. Nach dem dritten Ficken fand ich's einfach nur noch langweilig.

Liebe Grüße vom Jungakademiker!!!
Daniel

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Schön und gut, Leute,
so marginal wie hier alle tun ist ist das Verlinkungsding aber doch nicht. Vielleicht stecke ich zu weit in Oldmedia-Denke fest, aber die grundsätzliche Beobachtung, dass das Kapital auch in er Aufmerksamkeis-Ökonomie kumuliert, ist meines Erachtens auch in der Blogosphäre nicht völlig außer Kraft gesetzt.

Es ist zu kurz gegriffen, einfach nur zu gucken, ok, dass ich beim großen Don A oder Don D auf der Blogroll steh, bringt mir pro Tag oder Woche nur soundsowenig Besucher, und wenn einer der Herren A-Lister auf nen Beitrag von mir verlinkt, kommen nur soundsoviele zusätzliche Hansels reingeschneit.

Der Punkt ist, dass diese Namensnennungen, so wenig trafficfördernd sie einzeln betrachtet auch sein mögen, l doch in der Summierung einen Multiplikationseffekt erzeugen. Wo genau diese Reizschwelle liegt, an der aus dem + ein x wird, darüber können sich die Forscher ja gerne mal Gedanken machen.

Aber trotzdem stimme ich der Grundthese zu, dass die ganze Blogger-Elite-Diskussion ziemlich an den Haaren herbeigezogen ist.

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Lieber Daniel,

es ist müssig darüber zu debattieren, was sich verändert hätte, wenn wer was anderes gesagt hat. Man muss mich nicht mögen. Ich bin nicht hingefahren, um everybodies darling zu werden, und spätestens, wenn Leggewie und Co. das hier als "Schmutz" titulieren und ihre Groupies unwidersprochen nach Qualitätskontrolle rufen, ist ohnehin der Rubicon überschritten. Zumal, wenn dann noch falsch mit Diderot argumentiert wird. Kleiner Hinweis für Anwesende: Diderot hat auch noch was anderes als die von Herrn Leggewie so hochgehaltene Encyclopädie geschrieben, und bei den bijoux indiscrets ist auf einer Seite mehr... und dafür wurde Diderot eingeknastet, das ist mir ja noch erspart geblieben. Lesen bildet.

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@ mark: A-list-Blogger liefern einfach eine gewisse Qulität ab und binden mit ihrer Persönlichkeit, das ist wohl das ganze Geheimnis. Wie am Lagerfeuer, wenn rundrum erzählt wird, und einer kann es einfach so, dass bei den anderen die geschichte im Kopf entsteht. Und zwar so, dass man mehr will, die Fortsetzung, jeden Tag.

Und deshalb ist A-List etwas, was jeder Blogger anders sieht. Für mich ist das Sickgirl absolute A-List, wie auch mue und die anderen Girls da links am Rand. Bei manchen denken das besonders viele Leute, dann gehen die Trafficzahlen rauf. ich denke, das ist das ganze Geheimnis.

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Also ich finde die Referrer höchst amüsant. Besonders diejenigen die sich mit Counterstrike und Tramadol auseinandersetzen. So schmerzhaft ist das Lesen der Einträge doch nicht, als dass die Behandlung mit Letzterem notwendig wäre, oder? ;)

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Ich hab gar nicht nachgeschaut - ist mein Lieblings-Viagra-Lieferant und der mit den Lustigpillen heute auch wieder da? ;-)

Dass mich die hier viel gescholtene Ballerszene mag, gibt mir aber schon zu denken :-)

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Zeichen falsch gedeutet
"In Wirklichkeit, so eine amerikanische Studie, kapseln sich die A-List-Blogger ab, verlinken fast nur untereinander, und linken nicht zurück, wenn jemand anderes auf sie linkt. Dadurch entsteht eine Hierarchie, oben wenige, die für die grosse Masse die Themen, den Ton, die Richtung vorgeben, unten diejenigen, die arm, ohne Leser vor sich hinvegetieren."
Die Beobachtung mag ja gar nicht so falsch sein, aber wir sind uns doch einig, dass die Schlüsse von Hr. Neuberger definitiv zu eng gefasst sind. Es sind nicht die Blogger, die sich elitär verhalten, sondern die Blogosphäre selbst, die zu diesem Ergebnis führt. Man linkt halt zu Bloggern, die man kennt und denen man vertraut, nicht zum Gothik-Blog. Deshalb linken die kleinen zu den großen, weil sie Don und Johnny glauben, und ein wenig Idolisierung betreiben. Und klar finden Don und Johnny das cool, aber eigentlich ist es denen auch egal, denn Don und Johnny lesen wiederum eine ganz andere Mischung als die kleinen. So ist das nämlich. Mit ficken hat das nix zu tun.

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Ich linke ohnehin nicht oft. Johnny auh nicht, Don Dahlmann ebensowenig. Es gibt die Linkschleudern und die, die in sich ruhen, und alles dazwischen.

Aber man muss auch sehen, dass es einen enormen Unterschied zwischen Verlinkung und lesen gibt. Ich bin sehr zurückhaltend, anderen die Leser rüberzuschicken, nicht weil ich sie im Sinne eines bescheuerten vertikalen Portals halten will, sondern um ihnen nichts aufzuschwatzen.

Eine Idolisierung kann ich nicht erkennen, weder in den Blogs, wo einige "anständige Namenlose" den Aufstand gegen mich fordern, noch am ZKM. Wer selbst und eigenständig schreibt, hat m. E. so ein Groupietum nicht nötig. Und macht es deshalb auch nicht. Dass es umgekehrt durchaus spannend sein kann, den, den man liest, auch live anzuschauen, steht ausser Frage. Aber da gleich ein Idol drin zu sehen, erscheint mir arg übertrieben.

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Die Diskussion über Linkquoten, Pageranks und Gefälligkeitslinks macht so keinen Sinn. Vor allem nicht die - sorry - Milchmädchenrechnung da oben (Und ja, die A-Lister haben zur Zeit zuviel Medienpräsenz und das "Kulturphänomen" bzw. die restlichen 99% zu wenig. So habe ich Neuberger aber auch verstanden, zumindest aus den Notizen von Oliver Gassner.)

Ich kenne Neubergers Vortrag zwar nicht (gibt es inzwischen Audio-/Videostreams?), habe in Köln aber auch thematisiert, dass die A-Blogger - zumindest in Klein Bloggersdorf - Themen setzen (Gatekeeper sind, für die mitlesenden KWs). Themen, die dann mitunter wie eine Lawine die Runde machen.

Die Sache mit dem CSU-Spam ist ein recht gutes Beispiel. Johnny und ix schrieben recht früh und recht pauschal "Spam" - zu einem Zeitpunkt, wo wirklich noch niemand genau wusste, worum es bei der angekündigte Kampagne ging. Keine 5 Stunden später war die Sau durch's Dorf geprügelt: "Die CSU spammt!" - Durchaus eine "Hierachie", wenn auch von niemandem beabsichtigt.
Später dann die Eskalation im blog4berlin.

Mmja.

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Das mit der CSU ist eben kein gutes Beispiel: Söder hat ganz klar und deutlich eine e-mail und SMS-Offensive angekündigt. Damit assoziiert jeder blogger sofort "Spam". Auch ohne die A-list-Blogger hätte das eine Lawine gegeben, weil es von genügend Leuten unabhängig thematisiert wurde.

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Zum Unterschied zwischen Verlinkung und Lesen: Dass nicht jeder, der den Link sieht, ihm auch sofort folgt, ist doch ganz klar. Aber für die langfristige Awareness sollte man es nicht unterschätzen, was so gelegentliche Nennung hier oder dort doch ausmacht. Es gibt glaube ich schon so was wie Gruppendynamik, Cliquen-Mechanismus und auch Ansätze von Idolisierung innerhalb des Dorfes. Und wenn sich Medienvertreter von außerhalb einzelne Blogger rauspicken, um sie mit den Warholschen 15 Minuten Ruhm zu adeln, trägt das auch seinen Teil dazu bei. Und natürlich werden sich die Medienvertreter Leute rausgucken, die nach ihren massenmedialen Maßstäben gemesen, den "biggest bang for the buck" versprechen. Und spätestens dann kommt wieder die unvermeidliche neidgetriebene Elite-Blogger-Diskussion innerhalb des Dorfs auf. *gähn*

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These 1: Es gibt A-Blogger- der Rest ist Schmutz

Nützte man gute Instrumente zur Markt- bzw. Millieu-Abrenzung, könnte man wohl einen gewissen Hierarchisierungsgrad in der Blogosphäre finden, vermutlich abhängig von der Milleudefinition.
(sorry!! - habe auf die Schnelle keine bessere Formulierung gefunden)

Der in Deutschland recht überschaubare Bereich politisch interessierter Blogger aus einem "linksintellektuell-alternativen Milieu" konzentriert sich z.Zt. auf relativ wenige Blogs. Aus Qualitäts- und Unterhaltungsgründen haben Don und Johnny dort einen guten Stellenwert. Der "Marktanteil" ist dort also doch relativ hoch. Wenn sie ihre Blogs weiter gut pflegen, ihre Qualität halten usw., wird sich ihre Stamm-Leserschaft unweigerlich weiter aufbauen. Wird bei diesem Prozess eine bestimmte "krische Masse" überschritten, z.B. eine Top40-Platzierung in irgendwelchen Charts, beschleunigt sich der Prozess.

Zum A-Bloggen benötigt es also neben Qualität (aus Sicht bestimmter Millieus) auch Leidenschaft, Konstanz und Fleiß. Spaß schadet nicht. Außerdem können A-Blogs gepusht werden. Wobei man sich fragen kann, was das nutzen soll, wenn es im Augenblick sowieso nur um bestenfalls ein paar tausend Leser pro Tag geht.

Ob nun B- oder C-Blogger automatisch "Schmutz" (Leggewie-Sprech) sind, oder vielleicht eher Kulturmanifestationen mit gelegentlichen, seltenen Perlen - nun, da folge ich meinen eigenen Erfahrungen. Zu diesen gehört, dass ich z.B. auf interessante Blogs stoße, wenn ich interessante Kommentaren "folge".

Das ist doch ggf. aus Sicht eines Kommunikationswissenschaftlers ein ganz interessanter Mechanismus.

These 2: Links bringen wenig

Einwand Nummer 1:

Wenn Don (als einer von ca. 40 gelisteten Blogs bei Spreeblick) 0,25 Prozent vom Spreeblick-Traffic bekommt, ist das vielleicht gar nicht mal so übel.

Nehmen wir mal einfach an, dass Dons Blog für viele Spreeblick-Leser interessant ist - und nehmen wir weiterhin an, dass die meisten Spreeblick-Leser, die dem Link folgten, Dons Blog bis dahin noch nicht kannten: Dann gewinnt Don womöglich unter diesen 16 Link-Folgern vielleicht 2-5 Stammleser pro Tag, und im Laufe der Zeit vielleicht insgesamt sogar 10% (um mal eine Zahl zu schätzen) der Stammleserschaft von Spreeblick.

Das ist doch was.

Einwand Nr. 2:

Dass eine hervorgehobene gegenseitige Verlinkung etwas bringen kann, belegt m.E. das inkontinente Puppentheater. Man kann also - wenngleich beschränkt - über gegenseitige Verlinkungen erstens die Zahlen etwas hochziehen und zweitens eine Art Millieu heranzüchten.

Diese Leute haben also rund 100 bis 200 regelmäßige Leser, die mithilfe dieser Blog-Kameradschaft sozusagen ideologisch geschult und in ihrer Weltsicht bestätigt werden.

Außerdem haben sie es geschafft, von jungen CDU-Internet-Aktivisten entdeckt und (sogar!) geachtet zu werden. Sie prägen in diesen Kreisen Diskurse und Themen mit. Das ist weit mehr, als man (gemessen an der geistigen Frische der Protagonisten) erwarten durfte.

Da ist also schon ein gewisser Effekt - was auch dadurch unterstrichen wird, dass sich diese Kameradschaft ganz real getroffen hat, auch, um weiteres Vorgehen zu verabreden.

Dennoch stößt diese Art von Kommunikationsdesign - auch das ist zu sehen - an Grenzen. In den untereinander verlinkten B-Blogs finden sich fast immer die gleichen Leser, und fast immer auf nahezu gleichgeschaltetet kläglichen Niveau. Die Vorliebe für hedonistisches, ressentiment-rechtdrehendes Politikgefasel begrenzt sich selbst, der "Markt" dafür bleibt schmal.

Gleichzeitig, auch das fällt auf, ist dieses Blog-Agglomerat (gerade wegen seiner geistigen Dürftigkeit) leicht störbar. Mit sehr einfachen Mitteln kann man dem neoconnardischen Glück die Luft nehmen.
höhö

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@doc_Dean. Um noch ein paar Aspekte zu ergänzen:

Man sollte unterscheiden zwischen den "Plauderern", wobei diese ein breite Bandbreite Niveau abdecken. Wobei jedes Niveau seinen Markt findet und davon abhängig seine Zugriffszahlen hat. Ich selber bin nicht so ein großer Fan von diesen blogs, weil die mir etwas zu postmodern sind (Form geht vor Inhalt). Aber ich lese manche trotzdem gern, weil amüsant.

Die andere Gruppe ist die der "Argumentierer" die sich häufig für politische Themenstellungen interessieren.

Don Alphonso deckt beide Gruppen in einer attraktiven Mischung ab, da haben Sie absolut recht. Die "Argumentierer" müssen sich mit kleineren Zielgruppen begnügen meine ich beobachtet zu haben. Aber hier kommt Google ins Spiel.

Auch ein noch so winziges Weblog erreicht seine Zielgruppe über dieses erstaunlich Ding irgendwann. Die (gute!) Argumentation erreicht seinen Addressaten und erzielt seine Wirkungen. Mein Motto diesbezüglich: Ein guter Gedanke findet seinen Weg! Trifft die Argumentation auf bereiteten Boden, geht die Saat auf. Vielleicht bei einem Journalisten, der eine Idee für einen Artikel sucht oder bei einem Wissenschaftler, dem ein kleiner Baustein für die Argumentation fehlt. Also machen auch diese winzigen Weblogs absolut Sinn. Es ist eben was dran am "Small World Theorem". Deshalb kommt es nicht auf die Zahl der Weblogs und deren überwiegende Qualität an, sondern auf die Qualität einzelner Texte und Argumentationen die veröffentlicht werden. Schätze, dieser Aspekt ist den KWlern völlig durchgegangen.

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@ jo: Nein, es war schon sehr deutlich gemeint, dass die A-List-Blogger selbst die Mythen der egalitären Blogosphäre mitschreiben, und nun die Wissenschaft ranmüsse, um das zu zertrümmern. Stream? Nicht dass ich wüsste.

Dass sich die Medien auf die immer gleichen "Big Shots" stürzen, liegt nun wirklich nicht an den Bloggern, sondern an den Medien und ihren selbstverstärkenden Tendenzen. Natürlich ist ein Buch, ein Skandal, ein öffentlicher Auftritt für die Medien ein lockstoff, weil es ihnen die Arbeit erleichtert. Natürlich nimmt man beim Kongress lieber die Rampensau als die Schnarchnase. Aber das ist nicht die Blogosphäre, sondern der oft inkompetente Umgang mit der Blogosphäre. Ich habe Journalisten erlebt, die über Blogs geschrieben haben und IT&W nicht kannten. Und weder Johnny noch ich stellen uns hin und schreiben Briefe, dass man uns doch auf die Panels nehmen möchte.

@ strappato: So richtig explodiert ist es, als Heise und die netzeitung eingestiegen ist, das sollte man auch nicht vergessen. Die Blogs waren der Zünder, aber die versammelten heise-Trolle waren der Sprengstoff.

@ mark: Das hat sich inzwischen doch ziemlich verbessert, die alten Kämpen von früher haben sich langsam abreagiert, und was jetzt eher dominiert, ist bei manchen das Abstecken der Zukunftsclaims, da stört ein offener Konflikt nur.

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@ dean: Wenn Du Dir die Nedstats-Graphik anschaust, wirst Du sehen, dass es nicht so einfach ist mit den Toplisten. irgendwann ist man drin, das hier ist jetzt schon seit einem dreiviertel Jahr bei Blogstats ungefähr auf Platz 20, aber es gab einen deutlichen Knick während des Sommers und einen Boom kurz vor der Wahl. Was daran lag, dass ich im Sommer meist erst nach 10 Uhr Abends geschrieben habe, und die Cyberslacker deshalb ausgefallen sind. Und das ist ironischerweise die Zeit, in der Johnny mich verlinkt hat. Ich glaube (ohne es beweisen zu können) dass Johnnys Leser meist schon wissen, dass es das hier gibt, und die die kommen, benutzen es einfach als teil ihres Blogrundgangs, genauso wie ich jeden morgen girl.twoday.net anclicke, um von dort zu IT&W zu springen. An den Kommentatoren ist von einem Johnny-Einfluss nichts zu merken. Was deine Argumente nicht für falsch erklärt, aber doch zumindet darauf hinweist, dass es so einfach auch nicht sein muss.

@ floetenfuchs: Ich decke keine Märkte ab. ich schreibe, was ich bin, denke und tue, sonst nichts. Wenn ich restauriere, schreibe ich über meine Biedermeiermöbel, die Leute lesen es trotzdem. Ich würde mein Blog nicht lesen und lese es auch nicht mehr, wenn es mal geschrieben ist. Märkte sind mir egal, ich fordere die Leser regelmässig auf sich zu verpissen, und eigentlich sollte auch kein ZKM-Zuhörer hier die PIs auf 10000+ bringen, nach dem, was da alles angeblich von mir gesagt, verbrochen und an Desaster angerichtet wurde. ich bitte niemanden zu kommen, ich bin nicht traurig, wenn einer geht, ich rede in meinem Blog mit, das ist alles, mehr nicht. Es war nie als das gedacht, was es wurde, und wenn plötzlich nur noch 700 Leser da wären wie vor einem Jahr, als es hier richtig gut war, wäre es auch bestens.

und nu? Everybody comes to Rick. Trotz allem. Aber nicht, weil ich es verlange oder mich darum bemühe.

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@Don: ".... Ich decke keine Märkte ab. ich schreibe, was ich bin, denke und tue, sonst nichts ....". Das glaube ich Dir ja absolut. Aber wahrscheinlich ist A-Blogger zu sein, eine Frage von viel Engagement für die Sache und dem in der Regel zufälligen Hineinpassen in eine Marklücke. So war das gemeint. Und im übrigen hab ich gar nichts gegen A-Blogger, weil sie einfach notwendig sind, denn sie bieten Orientierungen. Niemand würde sich ohne A-Blogger im Bloggerdschungel zurechtfinden. Diese häufig genannte Gatekeeper-Funktion halte ich allerdings nicht so für relevant. So häufig kommt es ja gar nicht vor, dass eine Sau durchs Dorf getrieben wird. Und in den Medien werden immer die gleichen Beispiele wiederholt. Die habe ja langsam sooo einen Bart (Jamba, CSU, etc.). Und ausserdem sind sie ja politisch nur begrenzt von Bedeutung. Die Entscheidung von MTV, Jambaspots nicht mehr zu zeigen, war wahrscheinlich viel existenzieller für Jamba. Ob Blogger die Werbekunden dabei beinflußt haben, ist schwer zu sagen.

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Shake that paranoia.
Well, mit dem Auftritt von Johnny und Don "Desaster" Ramone in der ZKM Concert Hall gibt es ja einen neuen Mythos, den die Medien ausschlachten können.

hat der die medien wirklich öffentlich arschgeigenorchester genannt?
ja.
den müssen wir interviewen. unbedingt.


Spass beiseite, neue Dinge werden kommen. Aus den Blogs. Und sie werden bald nichts mehr bedeuten, denn Blogs können auch ohne das leben. Aber die Medien brauchen IMMER einen Aufhänger. Liefere den Aufhänger, und du bist drin.

Das sind die Regeln der Arschgeigenorchester. Nicht meine. It ain´t a game. Ich meine das so.

Update: Wenn man vom Teufel spricht...

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Mehr Erfahrung
Ohne auf die Debatte um Wissenschaft oder Schaumschlag einzugehen: Gefühlsmäßig stimme ich deiner These zur nicht ganz so hohen Hermetik der A-Lister zu.

Ich habe allerdings sehr widersprüchliche Erfahrungen gemacht. Seitdem ich auf Majos Blogroll (IT&W) bin, kommen täglich gut 10-15% von dort (bei täglich zwischen 150 und 450 Visits). Als Moe mal auf mein Blog verlinkte, explodierte das Ganze auf fast 2.000 an diesem Tag.
Andererseits: Wenn ich - was regelmäßig geschieht, weil's mir eine Herzensangelegenheit ist - über das Leiden meines Fußballvereins Fortuna Düsseldorf berichte, hab ich innerhalb von Stunden zwischen 30 und 300 Leuten, die über das Forum der Fortuna-Fans kommen.

Das erklärt nichts, beschreibt aber, dass Verlinktsein nicht alles ist, dass Themen (besonders dann, wenn man damit ergooglet wird) mindestens genauso wichtig sind. Weiteres Beispiel: Da ging es um dieses Partyschwein Ammer und seine kinderschänderischen Ausfälle. Der Boulevard hatte das aufgenommen, ich hab zwei Tage hinterher recherchiert und dann einen Beitrag mit massig Links zum Umfeld gebracht. Mit den entsprechenden Keywords ("Ammer" und dem Namen des einen Mädchens, den BILD im Klartext veröffentlicht hatte...) war ich plötzlich oben in Google. Ergebnis: Über eine Woche lang jeden Tag 50% mehr Visits.

So. Natürlich bin ich traffic-geil. Bin doch auch eitel und halte mich für so wichtig, dass ich mein Treiben, Denken und Meinen nach außen kehre - wer unter den Bloggern frei davon wäre, der werfe den ersten Spam. Natürlich verspreche ich mir auch was davon: Ruhm und Reichtum. Und genauso natürlich isst mir bewusst: Hey, das hier ist nur Kleinbloggersdorf, nicht die wirkliche Welt.

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Das ist doch eine ziemlich lebensfremde These, auf die dieser Herr Prof. Neuberger hier verweist, die auf der Prämisse beruht, Aufmerksamkeit sei die Ware, um die es auf dem Markt der Blog-Eitelkeiten ginge. Das mag sicherlich zum Teil nicht unzutreffend sein, würde man nicht Aufmerksamkeit für seine Texte wollen, würde man sein Geschriebenes auf der Festplatte verschimmeln lassen. Nur ist dies nicht die ganze Wahrheit. So gut wie jedes lesenswerte Blog lebt von einer Persönlichkeit, einem persönlichen Stil, und das Interesse, das man anderen Blogs entgegenbringt, speist sich nicht aus einem Spiel "Verlinkst du mich, verlink´ ich dich", sondern aus dem selben Interesse, mit dem man der Plauderei eines zufälligen Gastes im Lieblingscafé folgt.

Die gleichfalls unausgesprochene Prämisse jener These, jeder Blogger habe das Ziel A-List-Blogger zu werden (was auch immer das sein mag), geht an der Realität nicht weniger vorbei - so gut wie jeder Blogger weiß, welche Themen und welcher Stil in der verhältnismäßig homogenen Blogosphäre besonders gut ankommt - und richtet sich zum allergrößten Teil trotzdem und mit gutem Grund nicht danach: Weil das Bloggen Spaß machen soll. Und nicht der Befriedigung von Eitelkeiten zu dienen bestimmt ist, für die im Leben an anderen Orten genug Platz sein dürfte.

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Nun, ich denke, ein paar Eitelkeiten und auch Komplimente machen das Bloggen andererseits wieder sehr anregend, gehört es doch auch untrennbar zu der Persönlichkeit und Subjektivität. Das stille Bewundern und das gierige Warten auf neue Folgen ist gewissermassen die goldene Kehrseite der bleiernen Medaille, die an der neunschwänzigen Katze hängt, durch welche die Wissenschaft in diesem Blog gezüchtigt wird. Vielerorts macht das geradezu den eigentlichen Reiz aus, wenn der Diskurs verstummt ist und man Lautenklänge wahrzunehmen meint.

Aber auch das ist - natürlich - wissenschaftlich nicht greifbar, denn so sehr, wie die Wissenschaft den offenen Streit meidet und abtaucht, wird sie nie ein Instrumentarium haben, das den Gefühlen gerecht wird. Hier wäre die literaturwissenschaft gefragt - aber die wiederum wird sich in den nächsten 300 Jahren nicht damit befassen wollen.

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Da merkt man auch, dass Leggewie & Co nie gebloggt haben. Richtig: Nicht jeder will 2000 Besucher am Tag durchs virtuelle Heim trampeln sehen. Da hat Don ja so seine Erfahrungen gemacht. Viele Besucher und A-list-Status bedeutet auch Stress und Verantwortung. Von comments-Spam, Beleidigungen, Abmahnungen bis zur off-blog Kommunikation mit Leuten, die einen eigentlich eher die Zeit stehlen. (so stelle ich mir das vor - ist aber sicher nicht falsch)

Da komme ich wieder auf das, wo ich persönlich den eigentlichen Forschungsbedarf sehe: Nämlich in der Frage der Funktion von blogs. Nicht medientheoretisch sondern eher sozialpsychologisch. Die vielen blogs mit denselben 10-12 Besuchern am Tag können in ihrer Funktion als Kontakt-Medium für einen Freundeskreis eine mindestens so hohe Bedeutung haben, wie die A-list-blogger für den Untergrund-Journalismus. Genauso spannend: Wie passen sich blogs und blog-Freundesnetzwerke in die restliche Kommunikation ein: IM, Skype, E-Mail, Telefon?

Aber wer von den "Medien" kommt und sich blogs ansieht, wird immer in Mediendimensionen denken: Auflage, Impact, Zielgruppe.

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@modeste: Das Lebensfremde speist sich aus einer rein strukturalistischen Betrachtung, einer Kommunikation mehr oder weniger ökonomisierenden Wahrnehmung - was schon mal zeigt, wie die PUK heute verkommen ist.
Lebendige Spontaneität kommt dort nicht vor.
Wir werden noch tanzen, wenn sie in ihren Zahlenspielen und Infografiken einbetoniert sind.

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keine Verschwörung
aber eine Verteilung, die sich halt so einpegelt, und die trotzdem ihre (für den dt. Sprachraum relative) Wirksamkeit entwickelt.

In systems where many people are free to choose between many options, a small subset of the whole will get a disproportionate amount of traffic (or attention, or income), even if no members of the system actively work towards such an outcome. This has nothing to do with moral weakness, selling out, or any other psychological explanation. The very act of choosing, spread widely enough and freely enough, creates a power law distribution.

(Power Laws, Weblogs, and Inequality)

Mit einem gegenseitigen Zurücklinken (oder inzestuösem Intralinken) hat das sicher nichts zu tun (auch wenn das Bildblog seine 1000 Hinlinker zurücklinken würde, wäre da eben jeder Hinlinker halt um ein Link verlinkter). Aber mit einer relativen Aufmerksamkeitsdifferenz allemal (es macht eben für ein E-List Blog einen Unterschied, ob Spreeblick darauf linkt, weil dann statt 15 hits auf einmal 500 kommen; aber für Spreeblick macht es kaum einen Unterschied, ob die 5 hits vom E-List Blog kommen.)

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Das Lieblingsthema der Journalisten ist ja bekanntlich der Journalismus. Wenn ich mir die Kommentarfreude zu diesem Thema hier ansehe, dann wage ich gar nicht, mich nach dem Lieblingsthema der Blogger zu erkundigen.

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Und? Das Lieblingsthema von Taubenzüchtern ist Taubenzüchten.

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Stimmt schon. Aber:
In der Zeitung galt ja lange der Grundsatz: "In der Zeitung nichts über die Zeitung". Und selbst in der zweiten Hälfte der 80er, als ich mit Medienjournalismus anfing, stand dieses Tätigkeitsfeld in den traditionellen Ressorts noch in dem Ruch, als hätte ich mein Hobby zum Beruf gemacht. Inzwischen ist viel auf diesem Sektor passiert - weiß Gott nicht nur gutes - und die selbstreferenzielle Schleife hängt heute an jedem Medium mit dran. Warum sollte das Bloggen eine Ausnahme machen?

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Zumal es nicht wirklich zutrifft. Hier geht es nicht um Blogs, sondern um Kritik an den wisschenschaftlichen Methoden und Fragestellungen.

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Ich stelle mir die Frage, ob die unterstellte Konzentration auf die A-List auch etwas mit der Bedeutung von Weblogs allgemein zu tun hat. Soweit mir bekannt ist, spielen Blogs in Deutschland nach wie vor eine sehr geringe Rolle bei der politischen Debatte und sind stärker auf die special interest-Diffusion festgelegt.

Sich "nach oben zu linken" hat also auch damit zu tun, was sich davon versprochen werden kann. Das ist hier einfach noch nicht sehr glorios.

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Don, ich glaube du willst meinen Vorredner entsorgen. Tomilein hat heimlich einen Link in seinem Kommentar untergebracht. Man beachte den vorletzten Punkt.

Oh, und der Link zeigt auf eine üble Linkfarm.

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Danke für den Hinweis.

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