: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Dienstag, 21. Oktober 2008

La Cage au Kärnten

1998 war ich mit einem Freund beruflich im Münchner Nachtcafe und führte ein nichtssagendes Interview mit Guido Westerwelle. Mein Bekannter, Mitarbeiter einer schwulen Radiosendung hatte einerseits dieses untrügliche Gefühl, das Schwule zu besitzen glauben, und war andererseits höchst unerfreut, ausgerechnet den da zu erkennen. Mit dem untergründigen und verruchten Sonderstatus der Homosexualität ist es vorbei, wenn so jemand auch dabei sei, sagte er später, als wir im Morizz sassen, weil es für unsere nicht gleichlaufenden Interessen ein vernünftiger Kompromiss zu sein schien. Und er malte sich aus, wenn tatsächlich auch noch andere, von denen es nur Gerüchte gab, auch helfen würden, den Ruf der Homosexualität als irgendwie bessere, coolere und mit angenehmeren Leuten gefüllte Szene zu ruinieren.

Ein paar Wochen später wurde er dann trotz seines Erfolges aus seiner Sendung geputscht, und 10 Jahre später wird bekannt, dass Jörg Haider nicht nur mit mehr als 180 Sachen und 1,8 Promille sein verantwortungsloses Leben mit einem verantwortungslosen Tod beendet hat, sondern auch noch kurz davor ziemlich viel Wodka getrunken hat. Zusammen mit einem jungen Mann. In einer Schwulenbar. Was nichts heissen muss. Trotzdem kotzte mein Bekannter heute Abend ab, als ich ihm diesen Link schickte.

In Österreich werden gerade zwei Dinge dröhnend beschwiegen. Die Schnelligkeit, mit der die 5 grossen Banken das Rettungspaket der Regierung schluckten, ohne genauer auszuführen, wo sie eigentlich ihre Verluste gemacht haben, wenn die nicht in Subprimes spekuliert hatten - die Antwort wäre Osteuropa, die Subprimeregion Balkan. Und was nun eigentlich der "Feschicmus" war, die Männerclique rund um Haider, deren letzte Ausformung in Gestalt seines Generalsekretärs Petzner ziemlich ungeschickt reagiert hat. Man könnte jetzt sehr viele Fragen stellen, über führendes Personal von FPÖ und BZÖ, jenseits der komischen Geschäfte des Landes Kärnten in den letzten Jahren. Und wie der Spagat zwischen Altnazis, christlichen Extremisten, reaktionären Kleinbürgern, bigotten Bankerlrutschern und der Wodkaflasche in der Schwulenbar sowie dem, was da noch an Veröffentlichungen kommen dürfte, zu machen ist.

Vermutlich gar nicht, mit üblen Folgen für Österreichs Rechts- und Rechtsrektalextreme. Und das ist auch gut so.

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Empfehlung heute - Emerging Market Abyss

Ich kann mich noch immer nicht an den negativen Beiklang von "Abyss" gewöhnen, denn ich habe beim Tauchen einen Mares Abyss Automaten, an dem mein Leben hängt, und da unten ist Abyss, oder Abbie, wie ich ihn nenne, nicht mein bester, sondern mein einziger Freund. Der Abyss hat eine Art Bypass über dem Ventil, und im Ergebnis muss man nur ganz leicht einatmen, damit der Luftstrom kommt. Der Abyss hat bei mir zumindest die Furcht reduziert, die bei anderen Automaten der hohe Atemwiderstand auslöst; diese Microangst, wenn man kräftig sagen muss, bis dann endlich Luft kommt. Der Automat ist da unten der einzige Freund, und ich mag Abyss.

Wie auch immer: Wer Interesse am Abgrund hat, in den die sogenannten "Emerging Markets" blicken, findet Untrost und Beihilfe bei der Deutschen Bank. Die hat nämlich ein durchklickbares Schaubild für Credit Default Swaps dieser Länder entwickelt. Das geht davon aus, dass die Preise für eine Kreditausfallversicherung für das jeweilige Land steigen, wenn es dem Land schlechter geht. Momentan geht da alles in Richtung eines "Oben", das der Abyss ist. Und damit kann man sehr lustige un theoretische Vergleiche zwischen Nationen machen -

wenn man gerade auf einer einamen Insel im Pazifik sitzt und die Eingeborenen alles beschaffen, was man zum Leben braucht, und danach eine Runde tauchen oder surfen geht. Man kann damit natürlich auch seinen Urlaub planen, wenn man Bürgerkriege vor dem Kaffehausfenster nicht so schätzt.

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