: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Mittwoch, 26. Juni 2013

Die Leben der Anderen

Er ist noch beschäftigt, lässt mich der zweite Handelspartner wissen. Der erste hat dagegen schon allen Stress und ein Haus in Nymphenburg hinter sich, und fühlt sich auch einfach ein wenig zu alt für das alles. Er ist eher klein und rundlich und will sich etwas verändern, weg von der Raserei hin zum entspannten Gleiten. Ich laufe also in der Zwischenzeit, weil es auf dem Weg liegt, in Nymphenburg ein, und betrachte graue Gänse unter einem grauen Himmel.





Nymphenburg ist nicht Potsdam oder Versailles, dafür haben wir andere Baudenkmäler weiter draussen. Es ist stadtnah, und heute sehe ich es zum ersten Mal seit Langem ohne Hochzeitspaar. Zwischen dem Kot der Graugänse stehen sie dann klick klick und dahinter eine Fontäne und das Schloss, in dem schon lang keiner mehr wohnt, liebt oder artgerechte Hochzeiten feiert. Und auch keine Scheidungen mehr. Das passiert dann in neuen Wohnanlagen, die Quartier, Höfe oder Carree heissen, mit frustriertem Einkaufen. Allenfalls wird noch ab und zu, viel zu früh für Ehen, richtiges Drama gemacht; dann denke ich mir, was mir da alles entgangen ist, gerade an Tagen wie heute.





Das erste Trumm nämlich stammt von einem, der die Debatte schon hinter sich hat mit dem Ergebnis, dass der Kellerinhalt jetzt erst zu Geld und dann zu einem Kinderwagen gemacht werden soll. Da geht sie dann hin, die Jugend, die Erinnerung und die Sorglosigkeit, zuerst verschwindet das Material und dann das passende Bewusstsein, und wenn dann noch die Ansprüche an die Erziehung steigern, folgt das Cabrio. Und wenn das auch nicht mehr reicht, muss eben noch mehr verdient werden. Und wenn die Wohnung dann zu klein wird... und das Kind auf eine Privatschule soll... mit dem Zeug im Keller und dem Platz am Waschbecken fängt es an. Und wenn es dann in der Scheidungsstatistik endet, werden sie nie mehr sagen können, dass sie noch einmal durchgstarten.





Oh, bitte, manche brauchen das natürlich auch, um auf dem richtigen Kurs zu sein und dort zu bleiben. Es ist halt so, dass es dieses zuckersüsse Gefühl gibt, da ein Brett ins Gleiten kommt und plötzlich alles ganz leicht wird... da denkt man nicht an Verpflichtungen und strategische Entscheidungen. Es kommt hier wie dort auf die richtige Koordination verschiedener Fähigtkeiten an, und wenn alles gut getrimmt ist, läuft es wie von selbst. Aber den Eindruck habe ich nicht immer, wenn ich dann an diesen schlanken, kleinen Münchner Häusern stehe, die immer zu voll sind und letztlich der beste Komptomiss aus Familie, Beruf, Urlaub, Platzbedarf und den absurden Kosten dieser Stadt.





In der sie dann auch oft noch das Beste und Teuerste kaufen und es einfach hinnehmen, wie es an Wert verliert. Und in die Arbeit eilen, weil das nächste Beste auch finanziert werden muss. Und gar nicht verhandeln wollen, weil es nur weg muss, das alte Zeug.

Es lohnt sich nicht, für die paar Windstärken am See 4000 Euro auszugeben. Es ist auch nicht nötig, und Träume aus der Fabrik werden sich in einem derartig von Modellwechseln ruinierten Markt auch nicht anders anfühlen als das, was den Leuten vor 10 Jahren eingeredet wurde. Da gibt es keinen Unterschied zwischen Brettern und Familien, nehme ich an. Ich bleibe bei den Brettern, selbst wenn man momentan durchaus Restfamilien geschenkt haben könnte. Ich fürchte die Folgekosten. Ich will ein Brett auch wegpacken können.

Und ich will nicht so werden.

... link (3 Kommentare)   ... comment