Donnerstag, 5. Januar 2006
Wer die Schrift hat, hat Recht

Draussen, vor den Mauern, lagen in langen Reihen die Knochen derer, die das System zu erdulden hatten, in jedem Moment, zu allen Taten gegängelt und bevormundet, ohne das Recht, in der Meinung abzuweichen und ohne Möglichkeit zu erfahren, dass alles nur Humbug ist und Pest und Schwefel ausbleibt, wenn sich die Schwulen einmal in den darkrooms die Seele aus dem Leib ficken, weil die Autorität irgendwann bei Seite gewischt wird. Da lagen sie ein paar Jahrhunderte, bis dann der Bagger kam und das alles weggeräumt hat, um darauf Parkplätze anzulegen, auf denen Mütter ihre Geländewagen abstellen, um ihre Kinder dann doch wieder der katholischen Schule um die Ecke zuzuführen, wo ihnen die Welt so erklärt wird, wie sie sein soll, und damit sie es auch sehen und später mal nicht vergessen, wenn sie auf einer Party in die Versuchung kommen, wird die Kunstlehrerin gefeuert, wenn sie mit einem Mann einfach so zusammenlebt. Die dürfen das. Das ist Recht, der Ersatz für die Versprechungen von Pest und Schwefel.
Verboten ist es jedoch, auf ihre Altäre zu spucken. Immer noch.
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Donnerstag, 5. Januar 2006
Blogrückblick
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Lausaustreibung
Weshalb der Mann mit Aussagen kontert, die einen angesichts des Mediums nicht überraschen:
Blumencron misst den Blogger-Aktivitäten keine große Bedeutung bei: “Es sind doch sehr wenige, wenn auch oft sehr laute Stimmen.” Verärgert zeigt er sich über den “Absolutheitsanspruch” den einige Blogger seiner Ansicht nach erheben. “Nehmen Sie nur die Auseinandersetzung um unsere Trittin-Berichterstattung während der New Orleans-Katastrophe. Da hatte man schon den Eindruck, dass bei einigen Kritikern politische Sympathie vor Recherche ging.”
Woher kennt man das hier angeblich so kritikwürdige Verhalten nur? Richtig, von seinem eigenen Haus, namentlich dem Chef des Berliner Büros Gabor Steingart. Wen von den Bloggern v. Blumencron genau er meint, äussert er nicht - und zeigt damit, welches Geistes Kind er ist.
Herr v. Blumencron: Entweder man bringt bei solchen Anschuldigungen Namen, Beweise und Beispiele, oder man ist das, was in unserem Beruf umgangssprachlich "Gosse" genannt wird. Und feige obendrein. Mut sieht anders aus - etwa so.
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Real Life 03.01.05 - Am Abgrund

Nebenan geben sich zwei hoch aufgeschossene, nicht mehr ganz junge Starnbergerinnen alle Mühe, wie Sex and the City zu klingen, mit mässigem Erfolg, schliesslich ist das aktuelle Modethema das Ende von Rosy Maendler, und die Schuhmode im Luitpoldblock will ihnen auch nicht so richtig gefallen, trotz der massiven Rabatte, mit denen die Händler die Gattinnen der krisengeschüttelteten Munich Area anlocken wollen. Die Stadt, die Menschen, die Häuser, alles liegt still in Agonie, als wäre die magische Formel verklungen, die Jahrzehnte den Aufschwung und alle damit verbundenen Herrlichkeiten gezaubert hat.
So bleiben nur die Trümmer der vergangenen Zeit, die noch bewirtschaftet werden, man verkleinert sich, geht zurück in die Stätten alten Ruhms, ins Parkcafe oder an den Odeonsplatz, und gibt die Peripherie auf. Zusammengesunken, desillusioniert reden sie von der neuen Elite, von der Konzentration auf die happy few und ihre Geldbeutel, die immer gleichen upper 10.000 mit reichen Eltern und Lebensüberdruss, die nicht wissen, was sie tun sollen, ausser zu spät in Bars herumhängen und sich Ausreden für das versaute Examen einfallen zu lassen. Immerhin ist die Sperrstunde gefallen, man kann sich jetzt unbegrenzt gegen die Sorgen und das Gefühl der Leere abfüllen.
Die Starnbergerinnen haben noch 40 Kilometer vor sich, Richtung Süden, und brechen hastig auf, um in ein anderes Leben zu fliehen, angesteuert im Geländewagen unter der Finsternis eines eiskalten, funkelnden Sternenhimmels über die ersten Endmoränen der Alpenkette, hinter der Italien beginnt. Du erzählst was vom Plan, dich Mitte März auf den Weg zu machen, und sie sagt, dass sie definitiv keine Zeit haben wird, ohne dass du sie gefragt hättest.
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Dienstag, 3. Januar 2006
Enemies at the Gate

Allein schon, weil die anderen kriminalisiert werden, kommen die hier nicht rein. Ich bin oben. Ich habe sie im Visier. Hier müssen sie draussen bleiben. Sollen sie woanders plündern für den Ratzinger, den Oberkommandierenden.
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7 Wahrheiten über Österreich
2. Nur hier Zugereiste glauben, dass Bayern Österreicher mögen. Das stimmt nicht. Der Österreicher gilt hierzulande als degenrierter Südostpreusse und wird deshalb auch gern mit dem gemeinen Schlawack - schliesslich war der Schlawack lange Österreicher - in einen Topf geworfen. Selbst aus bayerischer Sicht handelt es sich beim Österreicher um einen retardierten Schluchtenbewohner, was sich im übrigen problemlos archäologisch - siehe Laugen-Melaun-"Kultur" - beweisen lässt.
3. Österreich als solches ist lediglich ein geographischer Unfall auf dem Weg zwischen Bayern und Italien. Kein Mensch sagt schliesslich, dass München die südlichste Stadt Österreichs sei. Dass der Österreicher nun für seine geteerten Trampelpfade mit Tempolimit auch noch Maut verlangt, ist nur ein weiterer Grund, sich diese zentraleuropäische Knautschzone wegzuwünschen.
4. Österreich hat Deutschland und der Welt zum Ausgleich für den Adolf nicht den Mozart und den Strauss geschenkt. Ersterer kam aus dem Bistum Salzburg, zweiterer hatte beste Gründe, seine jüdische Herkunft zu verschweigen. Abgesehen davon war das erste Mal, dass ich mit dem dort ganz normalen, exterminatorischen Cafehausantisemitismus konfrontiert wurde, in Wien - und angesichts der Stadt, aus der ich komme, heisst das was.
5. Wer glaubt, dass Berlin ein verkommener, dreckiger Slum mit fertigen, bildlesenden Bewohnern ist, hat noch nie in Wien gelebt und in einer dortige Eckkneipe (Beisl) geschaut, wo echte Manfred-Deix-Gestalten billige verseuchte Innereien (Hirn, Lunge) fressen und die Krone lesen.
6. Antiquitäten sind in Wien schweineteuer und meistens gefälscht - Wiener Barock und zweites Biedermeier. Bugholzmöbel von Jakob und Joseph Kohn (jüdisch) werden als Thonet verscherbelt. Dann doch lieber Berlin.
7. Dank gesteigertem Aufkommen von Muren und Lawinen durch die naturversauende Neigung des Österreichers als solchem besteht allerdings Hoffnung, dass der Österreicher mittelfristig selbst die Weltgeschichte ohne seine Anwesenheit gestaltet. In Sachen Torten hat der Bayer längst alle Geheimnisse übernommen, wenn sie nicht früher ohnehin vom Österreicher gestohlen wurden.
meine Vorfahren kommen teilweise aus wien. die wussten schon, warum sie weg sind und wären über so einen schmarrn wie das hier ganz sicher nicht begeistert gewesen.
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Montag, 2. Januar 2006
Sehr zu empfehlen - Gut überlegen

Man kommt nicht umhin zu sagen, dass sie letztlich nur ein hübscher, übermotorisierter Punto ist. Alle Probleme des Fiat Kleinwagens, der in Blau und mit 5 Türen vor 10 Jahren so ziemlich allen mir bekannten Söhnen in ähnlichen Verhältnissen zugeeignet wurde, weil Frau Mama dann doch lieber mit dem A8 zum einkaufen fuhr, tauchen auch hier wieder auf. Das dünne Blech, die schwammigen Pedale , die mässigen Bremsen, die Heizung, die für die Bedürfnisse Siziliens ausgelegt ist. Und noch ein paar Dinge, die ich nur gerüchteweise kannte: Ein serienmässig kaputter Phasenversteller, der den Motor nach Diesel klingen lässt, Türgriffe, die ebenso formschön wie unbrauchbar im Winter sind, und ein Verdeck, gegen das jeder für 2 Euro im Wolkenbruch in Parma gekaufter Regenschirm ein wahres Qualitätsprodukt in Sachen Dichtigkeit und Stabilität ist. Zudem braucht man sich ab Tempo 110 nicht mehr unterhalten, im Gebrüll des Fahrtwindes, der durch die Ritzen zieht. Was meiner notorischen Langsamfahrerei auf der Autobahn entgegenkommt.
Wenn ich langsam fahre, passt es. Aber in der Stadt habe ich schon einen recht flüssigen Stil, und dafür ist die Barchetta perfekt ausgelegt. Sprich, die verspoilerten Gölfe und ähnliche Scheusslichkeiten sollten sich das Motorgejaule an der Ampel sparen, wer nicht präzise die Kupplung hält, hat kein Spass beim Start. Bis 60 muss man nur einmal schalten, und 130 PS haben auf etwas mehr als eine Tonne schon eine ordentliche Wirkung. Die Lenkung ist schön präzise, und an die ruppige Federung gewöhnt man sich zumindest in den ordentlich gepflegten Teilen der Republik schnell.
Wie das in Berlin aussieht, erfahre/erleide ich gegen Ende der Woche. Denn die 500irgendwas Kilometer fahre ich diesmal in der Barchetta, wenngleich es eigentlich ein Witz ist, wie hier die Konstrukteure aus einem Wagen, mit dem eine kleine Familie in Urlaub fahren kann, eine Flunder gemacht haben, mit der einer allein kaum länger als eine Woche unterwegs sein kann. Müsste ich auch nur 100 Euro dafür zahlen, ich würde sie nicht nehmen. Aber nachdem sie an mir hängen bleibt - na schön, warum nicht.
Und jetzt muss mir nur noch jemand erklären, warum es eigentlich alle Frauen inclusive meiner Grosstante immer zu diesem lauten, harten, undichten, engen, bitterkalten und verbeulten Stück italienischen Konstrukteursversagen zieht, selbst wenn ich einen vernünftigen Wagen wie einen Audi oder den Punto nehmen könnte. Das kapiere ich einfach nicht.
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Sehr zu empfehlen - der Blogcounter aus dem Hause Olbertz
Also hurtig - it´s fine, it´s free.
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Stundenbuch 05

Wie auch immer, die Monatsbilder in den Stundenbücher sind eine herrliche Gattung der Kunst, die vom Leben im Herbst des Mittelalters, Monat für Monat, erzählen. Aus den 663 Bildern, die im letzten Jahr in diesem Blog zu sehen waren, sind hier 12 Monatsbilder ausgewählt. Repräsentativ, teilweise, oder auch nicht.
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Sonntag, 1. Januar 2006
Hört ihr es auch?
Da tut sich was, da tut sich was zusammen, da führt jemand was im Schilde und einen Streich, das kann böse werden für Grunzer und angeschlossene Quieker den Zitzen der Sau.
Übrigens, am Rande: Die Möchtegern-Revoluzzer vom Spiegel ziehen in Sachen Rechtschreibung endgültig den Schwanz oder was sie dafür halten ein. Grossmäulige Feiglinge, das.
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Real Life 01.01.06 - Nebenbei nachentvorsetzen
Im Cafe B. sind zu früher Stunde die letzten Reste der vergangenen Nacht angeschwemmt, die es bestenfalls zu einem Quickie im Auto oder auf dem Klo geschafft haben. Es ist lange her, dass du die besseren Kinder so erschöpft gesehen hast, viele sind da von früher, auch manches Gesicht, mit dem früher ein Schmerz verbunden war, so viele verpasste Gelegenheiten und Leichen im provinziellen Keller, grausam. Am Fenster sitzt Iris und klammert sich apathisch an einer Zigarette fest. Und im Aschenbecher sind bereits die Reste des guten Vorsatzes für 06.
Und? Was und, blafft sie zurück, nichts und, glaubst du, ich gehe einfach so mit jedem mit, nur weil Sylvester ist? Nun, gibst du zu bedenken, einerseits wäre es jetzt vielleicht in einem warmen Bett, irgendwo, es gäbe ja mehrere Angebote, doch schöner als hier, und eine gute Ausrede sei das Fest allemal, der Veuve, die Extase, ausserdem sind wir ja alle keine Teenager mehr, und auch sonst gibt es keinen Grund, 2006 als Null Sex auszusprechen.
Die Art, wie sie die halbe Zigarette in den Aschenbecher stopft, zeigt dir die Sinnlosgkeit des Bemühens, gegen die schlechte Laune, die Müdigkeit und die Erschöpfung anzureden. Mademoiselle hat nach dem kleinen Abbé gerufen, um beim Café ihr Leid zu klagen und nicht, um von Schokolade naschend das einzuleiten, für das die kleinen Abbés aus ihren Collegiatspalästen gewöhnlich verwendet werden.
Dergestalt missbraucht und selbst müde, denkst du zu viel über den Körper unter dem Kleid und zu wenig über ihre Probleme nach, gibst fahrige Antworten, und als ihr Leib von einen Hustenanfall erschüttert wird, wandern deine Gedanken zu einer der zentralen Fragen des Universums, nämlich, wie das eigentlich beim Oralsex ist, wenn da so ein Hustenanfall im besten, schlechtesten, tiefsten Moment kommt. Vermutlich nicht wirklich gut. So schlecht, wie wohl auch der Kerl gewesen sein muss, in dessen Armen du sie verlassen hast. Die Welt ist ungerecht, aber das ist nur gerecht.
Auch diesmal geht dann der Roadster problemlos auf, verdammtes Drecksding, er ist nur immer dann vereist, wenn du ohnehin nichts von deiner Begleiterin willst, und der sich immer bereitwillig derer öffnet, die du nicht heimbringen willst. Das Haus ihrer Eltern, Grosseltern und Urgrosseltern liegt noch im tiefen Schlaf, als du durch den parkähnlichen Garten wieder in Richting Stadt fährst, und nur flüchtig, fast ohne jede Intensität hatten ihre Lippen zum Abschied die deinigen berührt. Willkommen in 06, kleiner Abbé priape.
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Samstag, 31. Dezember 2005
liebe leser, Liebe Leserinnen,

Die Früchte sind hinten im Korb, ich fand auf die Schnelle keine bessere Abbildung
Kurioserweise findet sich vom Besten und Schönsten, was mir ausgehend von meinem Tun zuteil wurde, nichts, kein Wort, keine Silbe und keine Andeutung in diesem Blog, und auch weiterhin werde ich darauf verzichten, Euch allen vom nicht endenden Strom der Köstlichkeiten zu erzählen, die derjenige vergeben mag, der auf den Spass und die Freude am Schreiben, Lesen und Treffen verzichtet. Nur so viel: Das Blog ist, richtig verwendet, nur der Anfang, das Tor zu weiteren Vergnügungen, ohne die das Leben ganz anders verlaufen würde, weniger aufregend allemal und weniger lustvoll - ganz sicher. Die Aufklärer, die über meinem Bett aufgereiht von Freiheit und Laszivität künden, da bin ich mir sicher, würden heute keine Flugblätter mehr schmuggeln lassen, sie würden bloggen.
Doch nun zu uns und dem sich zu Ende neigenden Jahr, das viele Veränderungen gesehen hat und Entscheidungen: Ich habe für mich und Euch geschrieben, aus gutem Grund, und ich hoffe, dass Eure Gründe zur Teilnahme nicht weniger egoman und selbstverliebt waren als die meinigen. Die Lust ist und bleibt hier oberstes Prinzip, wenngleich ihre natürlichste Äusserung sich hier nicht findet,
Das kommende Jahr wird, so nehme ich an, nicht weniger amüsant auf diesen Seiten, und neben den allfälligen Hinrichtungen von Trollen und Kommentarschlachten wird es voraussichtlich auch mehr Termine öffentlicher Natur geben. Mag dieses Land auch leiden und hadern, die Politik versagen und die Johurnaille neue Gossenniveaus austesten, so bleibt dies doch das kleine publizistische Rettungsboot auf dem stürmischen Meer der Zeiten, und ihr alle seid dazu eingeladen, Euch hier zu treffen und zu unterhalten. Ein paar neue Ideen sind angedacht und werden neue Vergnügungen bringen. Ein Lustdampfer mit Spielcasino wird es nicht werden, aber doch gedenke ich den schlanken Rumpf über der Wellen Spiel gleiten zu lassen, die Picnickörbe sind voll, die Lauten gestimmt, und ich will verdammt sein, wenn ich auch 2006 nicht das Süsseste ergreifen werde, was an Nymphen und anderen Gelegenheiten in diesen fabelhaften Zeiten des individuellen Wachstums und Prosperität des Weges kommen wird, und vielleicht, hoffentlich, werden wir uns dann und wann fühlen wie auf dem Weg nach Cythera - Danke, dass Ihr an Bord seit.
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Real Life 29.12.05 - Hand in the Cookie Jar

Und ein weiterer angebrochener Vorsatz, es bleiben zu lassen. Auf der Kippe, so ab Mitternacht, und dann um 4 Uhr warst du am Wagen, und er ging auf. Ohne dich und sie aufzuhalten, ohne Problem. Das Problem kam erst, als du dann wieder allein warst, das Kissen prügelnd.
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Freitag, 30. Dezember 2005
Was dabei herauskommt,
Sehr langer Artikel mit sehr vielen historischen Überlegungen, vielleicht für manche etwas zu viel, aber ich möchte ein paar Vorlagen nicht ungenutzt verstreichen lassen.
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Schneestürme über Deutschland?

Bei uns jedenfalls nicht.
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Unabhängigkeit der Presse nach SPONurnaille
In den ersten Wochen konnte die CDU-Politikerin weite Teile der skeptischen Bevölkerung und der Medienschar durch einen zurückhaltenden und unaufgeregten Politikstil für sich einnehmen. Von Severin Weiland
Ich dachte ja immer, dass sich Journalisten von nimanden einnehmen lassen sollten. Aber dass das bei der Spiegelgosse nicht gilt, war mir schon klar.
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Könnten Neoconnards lesen -
Carlo M. Cipolla, Die Odysse des spanischen Silbers
erschienen bei Wagenbach.Danach könnten sie sich ihre libertären Vorstellungen vom Aufschwung Europas ohne Kolonien gleich wieder sonstwohin stecken. Ungefähr dorthin, wo sie die Behauptung hernehmen, der ihren Verdrehungen zugrunde liegende kurze Aufsatz wäre "gerade veröffentlicht", denn es handelt sich bei
Acemoglu, Johnson, Robinson, 2002, The Rise of Europe: Atlantic Trade, Institutional Change and Economic Growth, NBER Working Paper No. w9378
wie man an der Jahreszahl bereits erkennt, um ein drei jahre altes Werk, das man übrigens seit drei Jahren auch hier als pdf herunterladen kann. Unglaublich, dass jemand, das das nicht weiss, an einer deutschen Uni was anderes bekommt als eine Kündigung.
Aber gehen wir nun ins Detail einer Arbeit, die der Frage nachgeht, wie der Raubbau an der Neuen Welt Europa beeinflusste. Ein Kernsatz der Arbeit, der dann auch bei den rechten Puppen ähnlich auftaucht, lässt einem Historiker den Mund offen stehen.
"In Britain and the Netherlands, new groups of merchants benefited from Atlantic trade and played a major role in inducing institutional change, unleashing a much larger economic potential from the rest of the society. In contrast, in Spain and Portugal, the monarchy and loyal groups with royal trading monopolies were the major beneficiaries of early profits from Atlantic trade and plunder because the monarchy was both strong and in tight control of the monopoly of trade."
Das kann man nur behaupten, wenn man vom globalen Handel der Zeit keine Ahnung hat - deshalb auch der Rat zu Cipollas vorzüglichem Buch. Vereinfacht dargestellt sieht der Export aus Übersee in der Zeit zwischen 1500 und 1800 so aus: Das wichtigste, absolut entscheidende "Exportgut" - nicht Handelsgut! - war das Silber, das die Spanier und in geringerem Masse die Portugiesen aus Amerika holten. Eine zentrale Rolle spielte dabei der Silberbergbau in Potosi im heutigen Bolivien und Zatatecas in Mexiko. Nur begannen damit auch schon die Pobleme, weshalb man über die Passage "the monarchy was both strong and in tight control of the monopoly of trade" nur lachen kann.
Spätestens 1600 ist es mit der Kontrolle vorbei, ab da gilt der Monopolhandel mit den Kolonien als vergleichsweise unlukrativ. Aber schon früher hatten andere als die Krone die Hand im Spiel: Zum einem benötigte man zur Silberproduktion Quecksilber. Und darauf hatten nicht die spanischen Könige, sondern die Fugger aus Augsburg ein Monopol - und das wiederum zeigt schön, mit welchen Methoden sich "Patrizier" und "bürgerliche Unternehmer" damals einen Vorteil verschafften - mit dem Kontrollapparat, den die Fürsten entgegen der Behauptungen im Text nicht hatten. Umgekehrt hatten die libertären Fugger auch das Monopol auf das amerikanische Guajakharz - das damailge Wundermittel gegen die Syphilisseuche und ein weiterer Quell des Reichtums von Augsburg.
Aber das Silber war entscheidend, der Wert des simplen Raubes war im 16. und 17. Jahrhundert vier bis zehn Mal so hoch wie der Wert des Handels. Neben dem theoretischen Monopol des spanischen Königs im Handel mit den atlantischen Kolonien gab es auch noch zwei andere Phänomene: Schmuggel und Piraterie. England verdankt seinen Aufstieg zu Seemacht zum grossen Teil lizensierten Unternehmerpersönlichkeiten wie dem Piraten Francis Drake. Spanier betrieben dagegen selbst den Silberschmuggel, der, wenn er denn aufflog, ca. 50% der Importe ausmachte. Cipolla spricht hier vonn einem spanischen "Volkssport", an dem sich so ziemlich alles und jeder beteiligte. Der dazu führte, dass lediglich 20-25% des "spanischen" Silbers bei der Krone und der gesamte Rest bei privaten Entrepreneuren landeten, die sich um irgendwelche Monopole und Kontrollen nicht scherten, Spanien scheint damals schon recht lockere Zöllner gehabt zu haben. Das Problem der Spanier wurde ein Zuviel an "Schwarzgeld"-Silber, das eine Inflation auslöste - sprich, die Verarmung weiter Teile Spaniens ist dem Umstand geschuldet, dass plötzlich 10 mal so viel Silbergeld da war.
Und nun zu den Holländern: Zu behaupten, dass sie aufgrund ihrer offenen Gesellschaft reicher als die Spanier wurden, blendet schlichtweg den eigentlichen Quell des Reichtums aus, der im Kern im Handelsdefizits Europas mit dem Orient begründet liegt. Und da entstand dann eine Monopolfirma namens Ostindische Kompanie, die auf Java und Sumatra praktisch eigene Kolonien unterhielt, zur Durchsetzung ihres Monopols Krieg etwa gegen die Portugiesen führten und sich schlimmer benahm als eine von Heuschrecken übernommene Ölgesellschaft bei der Ausbeutung eines korrupten afrikanischen Kleinstaates. Wenngleich als Aktiengesellschaft organisiert, war die Kompanie faktisch ein totalitäres Staatsgebilde. Was sie nicht aus den Bewohnern rausquetschen konnten, wurde mit dem spanischen Silber gekauft - Silber war das einzige "Wirtschaftsprodukt Europas", das im fernen Osten auf Interesse stiess.
Will sagen: Kann schon sein, dass die Niederlande und später England vergleichsweise wirtschaftsliberal waren - aber den Aufschwung als Handelsnationen verdanken sie brachialsten Wirtschaftsmethoden diesseits und jenseits der Atlantikroute, die auszublenden weniger der Grundfehler des fraglichen Beitrags als vielmehr der Puppen ist - wie gesagt, der eine von denen soll angeblich an einer Uni Assistent sein, es ist unfassbar, solche Leute dort zu sehen.
Inwieweit man, abgesehen davon, calvinistische Händler in den Niederlanden oder das von Religionskriegen erschütterte England, wo schon der Verdacht einer Beziehung zu den Jesuiten zur Verbrennung ausreichte, überhaupt als offene, liberale oder bürgerliche Gesellschaft bezeichnen darf, ist nochmal eine ganz andere Frage. In diesem Punkt geht mir der fragliche Beitrag viel zu schnell zur Glorious Revolution von 1688, und der erwähnte Geusenaufstand in Holland ist nicht in einer halben Zeile zu besprechen. Liest man Berichte aus der Zeit, scheint man es eher mit Gottesstaaten a la Iran zu tun zu haben. Wie auch immer, so ganz scheinen die Puppen den Text nicht gelesen zu haben, denn im Gegensatz zu ihrer Behauptung, die Gewinne - und damit das eigentlich entscheidende Kriterium - wären gering gewesen, steht im fraglichen Artikel:
"With the surge in Atlantic trade, the economic power of commercial and industrial interests grew considerably. Even though O’Brien’s (1982) estimates imply that the contribution of profits from international trade to capital accumulation was modest, the size of these profits were very large–about 5.5 to 7.5 percent of GDP. Perhaps more significantly, these profits were concentrated in the hands of a relatively small section of the bourgeoisie."
Solche Leute nennt man auch Geldadel, und wer sich mit England beschäftigt, erfährt, dass, wer immer zu Reichtum kam, danach trachtete, in den Closed Club der Adligen aufzusteigen - ich verweise da etwa auf die Bemühungen eines gewissen Londoner Immobilienspekulanten namens William Shakespeare, der so gar keine Lust auf eine offene Gesellschaft hatte, auch wenn seine Theaterstücke etwas anderes implizieren. Die gesamte Problematik dessen, was zur Profitmaximierung - gerade im Aussenhandel - geschieht, ist einfach nicht Gegenstand der Betrachtung. Zum Schluss stellen die Autoren ihren Artikel dann ohnehin so dar:
"At this point, we also must stress that the process of early modern European growth is undoubtedly multi-faceted. Any account of the history of a large and heterogeneous continent in terms of a few factors will be at best simplistic and at worst misleading. We are aware that many important aspects of the social and economic development of Western Europe are left out. It is nonetheless our hope that these hypotheses are plausible and will encourage high quality research on these topics."
Da kann man nur zustimmen. Der Artikel bringt skizzenhaft ein paar interessante Überlegungen "at large". Man müsste nun wirklich hinabsteigen auf die Geschichte einzelner Firmen und Händlergruppen, und dann nachrechnen, was entscheidend war für den Aufstieg. Man muss die Schattenwirtschaft von Krieg, Piraterie, Raub und Schmuggel mit einbeziehen. Man darf aber auch nicht ausblenden, wie die Arbeit in Potosi mit Quecksilber war, und die durch die Inflation verursachten Entwicklungen, die ihre Ursache nicht in einer kontrollierten Gesellschaft, sondern eher in der allgemeinen Unfähigkeit der Zeit im Umgang mit einer Geldschwemme haben. Man stelle sich nur vor, die EZB würde die Geldmenge von einem Tag auf den anderen vervierfachen: Dann hat man in etwa das Problem, an dem die Spanier scheiterten. Besonders das mit dem "at worst misleading" hätte man sich also zu Herzen nehmen sollen, bevor man so einen Text falsch interpretiert.
Und die Quelle im Internet nicht mal kennt, Ihr Pfeiffen.
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Donnerstag, 29. Dezember 2005
Digiknipsen, Flickr und ähnliches Höllenzeug
Auf so einer Blog-Lesung rennt inzwischen die Mehrheit mit solchen Knipsen rum, macht wild Bilder von allen Beteiligten und kümmert sich einen Dreck darum, ob die Leute so eine Veröffentlichung wollen, am besten noch schön mit Namen getagged, damit es auch jeder im Internet findet. Das Flickrn auf Teufel komm raus ist eine Unsitte, mit Verlaub. Und Blitze von vorne aus zwei Meter Abstand stören Lesende erheblich.
Deshalb die Bitte: Geht hin, habt einen guten Abend, hört schöne Geschichten und amüsiert Euch mit den Anwesenden. Aber lasst die Drecksknipsen daheim, wenn Ihr auf die Idee kommen solltet, das alles hochzuladen. Ich kann mit 1 Stimmungsbild leben, aber die ganzen SD-Karten nachher bei Flickr saugen kräftig. Ich will da vielleicht auch mal jemand umarmen, ohne mir am nächsten Tag Bilder einer angeblichen heissen Beziehung anschauen zu müssen. Der Teufel ist ein Eichhörnchen und der Blogger eine sensationsgeile Sau, da muss nicht noch nachgeholfen werden. Soviel Achtung vor der Privatsphäre anderer Leute erwarte ich mir schon. Und danach zu schreiben, wer alles da war und wen ihr gesehen habt und nicht sprechen konntet weil der mit der anderen da die ganze Zeit geredet hat und das alles noch verlinken, ist auch ziemlich bescheuert, wenn ich das mal so sagen darf. Wer am nächsten Morgen sowas tut, beweist nur, dass er niemanden gefunden hat, um eine vergnügliche Nacht zu erleben.
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Winternichtreise

Schliesslich meint es das ausbleibende Schneechaos gut mit der Provinz, es liegt gerade mal so viel von dem Zeug rum, dass es schön in der Sonne funkelt, beim Schneeräumen aber nicht in Arbeit ausartet. Die Stadt ist voller zufriedener Leute beim shoppen, die über Handy ausdiskutieren, wo sie sich nachher beim Essen treffen und sich gegenseitig die quengelnde Brut präsentieren. Die übrigens ein guter Grund sind, warum ich hoffe, dass gewisse Schichten hier nie auf die Idee kommen, ihr Leben und den nach etlichen Studien- und Berufsfehlversuchen biologisch erfickten Lebenssinn als Blog ins Netz zu klatschen.
Reicht schon, wenn sie einem im Cafe das Zeitungslesen versauen. "Aktionärs-Club «Goya» beginnt mit Anlaufschwierigkeiten", lese ich eine Agenturmeldung, da feixt die Provinz und bestellt sich noch schnell einen Prosecco. Nur 39 Menschen sind dieses Jahr im Verkehr ums Leben gekommen, da hatte ich wohl Pech, dass ich drei davon kannte. Der Bürgermeister des nächsten Dreckskaffs beschwert sich in einer pflichtschuldigst abgedruckten Pressemitteilung, dass die DSL-Versorgung "wie in einem Entwicklungsland" sei - in fact hätte ich gedacht, dass Bayern jenseits der paar grossen Städte immer Entwicklungsland ist. Vermutlich steckt die CSU dahinter, wer will hier schon Pluralität und Meinungsfreiheit, die sollen am Sonntag in die Kirche, das reicht dann an Kommentaren. Zur Bibel natürlich, was denn sonst, der Trend zum Zweitbuch ist hier nicht zu bemerken.
Weitere Top-Meldungen des Tages:
Beilngries - Starke Buchen an Steilhängen und Vorbildfunktion
Ah ja. So so.
Hilpoltstein - Fernseher und Spielkonsole rauben Kreativität
Wer Hilpoltstein kennt, muss sich wundern. Ich kannte mal eine von dort, das war der grösste Dallasfan der Schule mit passender Frisur, und ihr Paps, damals hohen Viech in der örtlichen CSU, holte sie mit einem Dallas-Mercedes-SL an der Schule ab. Sie nannte sich Mary-Lou statt Maria. Wenn das mit der Kreativität den Hilpoltsteinern erst jetzt auffällt, dann sind die in etwa die Kleintierzucht-Checker, für die man sie gemeinhin hier in der Provinzstadt hält.
Neuburg - Schüler bekommen Durchfall nach Döner
Das bestätigt hierzulande natürlich alle Vorurteile gegen Islamisten, Frau Osthoff, den Türken als solchen und seinem Frass im Besonderen, und die Kuh in dem Döner war ganz sicher keine bayerische, eh klar. Die braunen Puppen müssen Neuburger sein, vielleicht machen sie ja dort das prowestliche Neoconnardtreffen 2006.
Ruhig fliessen so die Tage in der Provinz dahin, das Weltbild stimmt, das Geld stimmt auch, mia homs jo, und ich stelle beim Blick ins Internet fest, dass in Mantua momentan auch nur 5 bis 7 Grad zu erwarten sind. Dann bleibe ich eben da.
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Jahres-Blogbilanz Teil 3
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