Sonntag, 29. Januar 2006
Giftschrank
Erzähle mir keiner, dass man sich die Herrschaften erzwungenerweise in die Bücherschränke gepackt hat. Desto dümmer, desto gemeiner und marktschreierischer, desto lieber wurde das braune Dreck gekauft und gehortet, so dass er auch noch jahrzehnte später intakt in den Antiquariaten ankommt, laut Exlibris oder Besitzervermerk gekauft von der Funktionselite des Landes; Professoren, leitende Angestellte, über gar nicht so wenige findet man heute im Internet noch Spuren dessen, was sie dann später in Feldgrau oder SS-Schwarz taten.

Bunt statt halbledern, modern typographiert und dennoch nicht differenzierter in Inhalt und Ideologie, stehen sie heute wieder Seit an Seit in den Flughafenbuchhandlungen und warten auf die gelangweilte Elite, die sich beim Business-City-Hopping mentalitätsmässig auf den neuesten Stand bringen will. Hier ist demokratisches Ausnahmegebiet, hier triumphiert der Starke qua Definition über den Schwachen, man schreit nach Revolution und fetten Würsten für die Elite, nach einem Ende des Mitleids und dem Anbruch eines neuen Systems. Die neuen Parteibücher geben Aufschluss über den richtigen Weg, beim Lesen so wenig herausfordernd wie die Mao-Bibel, so einfach wie alles, was meint recht haben zu müssen, egal wie komplex die Realität ist, die es unterzupflügen gilt, schon im Executive Summary, das früher vielleicht Parole hiess. Das Blabla-Prinzip, die Kotzbrech-Methode, der endgültige Drecksack in 100 Tagen, 10 Millionen in 10 Schritten, Small talk for jerks, Career für mobbende Sachbearbeiter, Power Business Success Awareness Strategy 4 complete assholes in emerging improved markets like web2.0.
Es sind die Bücher, von denen man hofft, dass sie aus der Gutenberg-Galaxis hinausgeschleudert werden in die schwarzen Löcher der E-Books und ihrer DRMs und ever changing Format which means you can buy the shit again each time you get one of those brand new fuzzy reading gadgets, auf dass in Zukunft die Antiquariate nicht versaut werden durch diesen Dreck, der vielleicht die wirtschftlichen Entscheidungen, nicht aber den Geist dieser Epoche bestimmt.
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Besser als jede Medizin
höhö
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Samstag, 28. Januar 2006
Nach Süden

Erst in der Provinz manifestiert sich dann das Befürchtete. Kartoffelgratin ist böse. Dieses Blog wird in den nächsten Tagen wahrscheinlich nur sporadisch befüllt werden. But hey, auch das böseste Düsseldorfer Kartoffelgratin wird gegen den bayuwarisch-nahöstlichen Panzermagen nur kurz bestehen können. Weiter jetzt mit Magen-Darm-Tee.
Offline. Das Ddorfer Antville-Zeug, das zu feige für das "Dorf" ist, bashe ich später.
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Samstag, 28. Januar 2006
Rheinlandia

Zumindest in der Stadtmitte; weiter draussen, wenn man aus dem Süden eingeschwebt kommt, ist das Loch des Braunkohletagebaus in der Landschaft, und eine Menge Fabriken, die nicht wirklich gut gepflegt aussehen. Da geht noch was. Unter.
Überhaupt Medienstadt, fortschrittlich und so. Überall ist zu vermieten, viel merkt man von den alten Träumen nicht mehr, da muss man erst gar nicht in den Medienhafen fahren.
Vor dem Handelsblatt steht jetzt ein typischer Möchtegernfrankfurter Büroturm. Ernst und Young. Spätabends immer noch hell erleuchtet, man zeigt die Bereitschaft des Humankapitals zum wochenendlichen Raubbau. Dann die Strasse hinunter zum Hotel, das WLAN hat und viele Gäste, die erstaunt dreinschauen, wenn sie in die Lobby kommen und jemand nicht vor Premiere (2 mal Porno, einmal Fussball, einmal Spielfilme sehen). Was ich da mache, fragt einer, und tatsächlich ist das Thinkpad hier, in diesem Restbestand rheinischen Interieur-Frohsinns, etwas unpassend, obwohl es farblich durchaus den aktuellen Trends der Vorzimmergestaltung japanischer Handelsvertretungen entspricht.

Die Halle, das Hotel,der Innenhof mit sporadischem Gras, das Zimmer mit seinen lindgrünen Wänden ist, abgesehen vom Fernseher so, dass Man sofort einen Roman beginnen möchte, von einem Mann, der alles gesehen hat und hier ein paar Tage untertaucht, um seine Lebensbeichte abzulegen, während in der Lobby, spät nachts, der Portier auf dem grünen Plüschsofa schnarchend schläft, während in der Glotze bei N24 die Bilder feiernder Hamasniks über den Bildschirm laufen, indezent, vulgär und dumm wie eine Refierungsansprache des Merkels.
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Postjournalismus
Aber wenn ich heute die einschlägigen Blogbetrachtungen der Gossen äh Medien lese - kein Link, keine Ahnung - dann wird das sicher lustig. Clash of Civilisations.
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Peinlich
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Donnerstag, 26. Januar 2006
Hallo Nico?
Also bitte: Schalte Blogstats wieder ein. Das war orrdentlich. Das war ein Vorzeigeprojekt, und nicht nur so ein beschissener Ripoff. Mehr kriegen manche nicht hin, aber Du, Du kannst das.
Danke für die Aufmerksamkeit.
UPDATE: Allen hier von "SEBAS" hereinkommenden Lesern sei dieser Artikel an der Blogbar empfohlen - als kleines Beispiel dafür, wie der besagte Herr ander Leute Daten ausspioniert und veröffentlicht. Erklärt vielleicht, warum er mich nicht leiden kann - ich im Gegenzug kann auch Leute wie Sebas nicht ab, die anderer Leute Privatgespräche belauschen.
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Frequent Flyer

Dann, später, 10 Kilometer drüber, alles vergessen. Erst beim Aussteigen in Düsseldorf, als er sich vordrängelt, fällt er mir wieder ein.Der wird mal ein ganz Grosser. Ein Entscheider. Glaubt er. Niemand, den ich kannte. Persönlich, meine ich.
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Mittwoch, 25. Januar 2006
Fake! Fake! Fake!
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Schnell anmelden! Lesung in Düsseldorf!
Nur anmelden müsst Ihr Euch. Am besten schnell. Unter der Email lesung@handelsblatt.com. Sonst ist es voll.
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Das Elend der Tagcloud in der Blogcommunity
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Dienstag, 24. Januar 2006
Kümmelkuppeln

Wenn man eine Stammbäckerei hat, dann weiss man auch, wann die erste Fuhre aus dem Ofen kommt. DiesenZeitpunkt muss man abpassen, gerade im Winter, denn daheim sollten sie noch ein klein wenig warm sein, wenn man sie mit einem intensiven Frischkäse wiesaint Ceols isst. Wenn dann noch die Sonne durch die Fenster fällt, auf all das Brot und die anderen unverfälschten Backwerke, in einem 500 Jahre alten Betrieb, wo die alten Kinden bestätigen, dass es hier noch immer so schmeckt wie vor 80 Jahren, als sie Kinder waren, dann wird die Provinz zur Heimat, für ein paar Minuten.
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Ach so, einer noch:
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Habemus Jamba-Johnny novus: Klowand-Scholz
Da konnte das Publikum erkennen, welche Folgen das Bloggen für Firmen haben kann, und diversen Eigenangaben zufolge machte mancher Berater für Blogangst mit dieser Geschichte auch gute Geschäfte. Dummerweise wartet man seitdem vergleichsweise erfolglos auf Nachfolger, die aus dem einmaligen Fall eine langfristige Katastrophe machen. Jamba selbst bekam Probleme vor allem durch eine wenig erfolgreiche Amerikaexpansion, aber nicht mehr durch Blogger. Andere Beispiele - Nazizeitungen bei Google News, die Pleite eines umstrittenen Mediendienstes, eine unsaubere Ad-Hoc-Meldung einer Internet-Agentur und die diversen Medienversagen von BILD, SPON und Focus brachten zwar durchaus Medienresonanz und Probleme für die jeweiligen Verantwortlichen, waren aber keinesfalls derartig einprägsam wie der Jamba-Fall. Selbst die Aktionen der Blogosphäre zu “Du bist Deutschland” sind wegen ihrer langen Dauer und dem Fehlen eines “Big Bang” eher schlecht geeignet, um den Einfluss der Blogosphäre zu erklären. Noch nicht mal die Entdeckung, dass der Claim der Kampagne teilweise von den Nazis verwendet wurde, ändert etwas am Grundproblem, den Fall knackig rüber zu bekommen. Firmenkommunikation ist da ganz andere Probleme gewöhnt - wo waren nochmal die Weiber, Gebauer? - an der Blogbar, mit viel PR-oleten und anderen Werbenasen, wo sonst!
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Dienstag, 24. Januar 2006
Zum Ausklang eines wilden Tages

Das war´s, für heute.
bis auf einen kleinen fiesen boo, der hoffentlich bald online ist - ebay ;-)
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JR v. Matt: Weiterpissen an der "untersten Klowand"
Viele von Euch schreiben, ich hätte mit meiner Mail ein Eigentor geschossen. Okay, eins vielleicht. Aber wie viele Eigentore schießt ihr gerade, indem Ihr mein Schlagwort „Klowände des Internets“ teils empört, teils genüsslich aufgreift im Sinne eines Agenda Setting verbreitet? Bei Technorati.com war der Suchbegriff zeitweise auf Platz 3!
Ich heul gleich. Ganz schlimmes Eigentor von uns, das Suchen bei Technorati.
Die Klowand-Debatte erinnert mich übrigens an Münteferings Heuschrecken-Debatte: In beiden Fällen gab es Kritik, dass ein Sachverhalt mit einem plakativen Bild unzulässig verallgemeinert wurde.
Die Heuschrecken waren ein Symbol für das Abgrasen und Weiterziehen. Die Klowände sind ein Symbol für das Anpinkeln und Verpissen – für Meinungsäußerung im Schutz der Anonymität.
Natürlich haben viele Investoren ethisch einwandfreie Ziele. Und natürlich haben viele Weblogs einen ernsthaften Ansatz. So haben mich die meisten Eurer Beiträge sehr inspiriert und mir die virale Kraft dieser Medienform bewusst gemacht. Vergesst aber nicht, dass auch die Kommentare den Content eines Weblogs bestimmen. Und vor allem dort habe ich einiges gefunden, was meinem Vorurteil neuen Schub gab: Leute, das war teilweise unterste Klowand!
Wenn Investoren Heuschrecken sind und Blogger Klowände, dann sind Werber der Matsch, der manchmal die Ablussrohre verstopft. Da, wo die Koksreste gefunden werden. Der Mann hat nichts begriffen. Immer noch ganz oben. Du bist Jean Remy von Matsch. Du bist Toitschland.
Und wahrscheinlich schwallst Du demnächst auf irgendeinem Kongress Deiner korrupten Politikkasperl von viralem Marketing, und Dein Kumpel Pit Kabel, der mit dem Nemax-Skandal an der Backe, applaudiert.
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Dotcomtod lebt und kehrt als BooCompany.com zurück
Lanu, Ex-CEO der dotcomtod Communication AG übernimmt mit sofortiger Wirkung die Führung von Europas führendem Anbieter und Distributor exitorientierter Unternehmensmeldungen und setzt auf ein erweitertes Geschäftsmodell.
Das Aufatmen in den Führungsetagen einiger Unternehmen über das angebliche Ende von dotcomtod ist vorbei. Unter BooCompany.com ist ab sofort das gesamte digitale schlechte Gewissen von über drei Jahren dotcomtod zu finden. „Und wenn ich jeden Sentinel persönlich aus seiner Blogger-Nische zerren muss, egal, es ist Zeit, wieder Nägel mit Köpfen zu machen,“ betont Lanu.
Sämtliche Assets von Dotcomtod, inclusive aller historischen Daten wurden an die neu gegründete Firma BooCompany übergeben. Das Unternehmen macht exakt an der Stelle weiter, wo Dotcomtod aufgehört hat, und überträgt das erfolgreiche Business Model auf die gesamte Wirtschaft. "Nachdem unsere alten Freunde Alex Falk und Peter Kabel dabei sind, wieder durchzustarten, möchten wir natürlich weiterhin unsere Unterstützung beim Reality Check anbieten", erklärt die alte und neue Gründerin und CEO Lanu die Motivation für die Fortschreibung einer der ganz wenigen Erfolgsgeschichten der deutschen Internetwirtschaft.
Für alte und neue User ändert sich nichts. BooCompany bietet unter der Domain Boocompany.com die alten Funktionalitäten und Benefits von Dotcomtod an. Sogar das Login mit den alten Benutzerdaten ist für die Sentinels möglich. Im Vorfeld wurden bereits neue Verträge mit einer Reihe von alten Stars der Downturnszene abgeschlossen. "Geil - endlich das mit dem Ackermann tun, was wir früher schon mit dem Pit Kabel gemacht haben", freuen sich die Elitetruppen, die in der Erweiterung auf die gesamte Wirtschaft und deren Folgen für die Gesellschaft einen neuen Wachstumsmarkt erkennen.
DCT-Urgestein joman ließ sich nach langem Zögern ebenfalls davon überzeugen, das neue BooCompany-Angebot zu unterstützen. „Ick will aba ooch mal een uff positiv machen“, grantelt joman.
CEO Lanu kommt dieser Forderung mit einer zusätzlichen Erweiterung des Geschäftsmodells nach. Mit dem Spin-Off SuperCompany.de, der in Europa einzigartigen „Business Hall of Fame“ erschließt man sich eine bisher völlig vernachlässigte Zielgruppe.
„Wer Erfolg hat, soll es zeigen können“, betont Heiligenscheinverkäufer joman, „Und wer keinen hat, der kann wenigstens so tun und alle Anja-Tanjas zu mir schicken.“
Lanu, deren Tätigkeitsschwerpunkt weiterhin bei BooCompany.com liegt, ist sich sicher, wer im internen Wettbewerb der beiden Geschäftsbereiche die Nase vorn haben wird. „Ich bin froh, dass uns nun niemand mehr Einseitigkeit vorwerfen kann, doch wenn ich mich da draußen umschaue, dann ahne ich, wer gewinnt.“
„Mir hat diese Webseite echt gefehlt“, betont die Firmenchefin. „Und ich weiß, es ging nicht nur mir so. Vielen Dank an alle, die den Neustart möglich gemacht haben.“ Zum Abschluss fügt sie lächelnd hinzu: „Ich werde übrigens jeden Journalisten, der BooCompany als Watchblog bezeichnet, persönlich an seinen Schreibtisch tackern lassen und ihm drei Tage lang aus der Wirtschaftswoche vorlesen.“
Über BooCompany.com
BooCompany ist der einzig legitime dotcomtod-Nachfolger und somit Europas führender Anbieter und Distributor für exitorientierte Unternehmensmeldungen. Mittels als "Boo", "Insider" oder "Final" bezeichneter Negativmeldungen können die User über den allgemeinen Downturn informieren.
boocompany.com
Über SuperCompany.de
SuperCompany ist die erste European Business Hall of Fame und somit Europas führender Anbieter und Distributor erfolgsorientierter Unternehmensdarstellungen. Mit einem Eintrag in die Ruhmeshalle gelingt es Firmen, die Erfolge ihres Unternehmens darzustellen und zum lang erwarteten Aufschwung beizutragen.
supercompany.de
Kontakt:
Lanu@boocompany.com
Abdruck honorarfrei. Um Belegexemplar wird gebeten.
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Hey Ho!
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Sonntag, 22. Januar 2006
Blau

Eltern schleifen ihre Blagen ins Kino, damit sie endlich mal ruhig sind. Vor dem Juwelier drängeln sich die Herrschaften, nachdem das Cafe geschlossen ist, und diskutieren über Luxusuhren und Schmuck. Weiter oben, am Fastfoodschlonzer, schreien ein paar Jugendliche. Und daneben freut man sich über das reiche Angebot des neu eröffneten Spiesserladens, der genau das langweilige Zeug anbietet, das so praktisch, so nachhaltig, so farblich passend für die ganze Familie ist, vom Mantel bis zur Reizwäsche. Auf den Plakaten versprechen kulturell engagierte Mitbürger Konzertsensationen, überraschend und neu wie der Pausenprosecco. Um diese Zeit jedoch sollte man sich nicht mehr telefonisch verabreden; sobald es dunkel wird, verbietet sich das Telefonat, wurde einem hier noch beigebracht. Die Stadt bereitet sich auf den sündenfreien Schlaf vor, und wer jetzt noch ausgeht, macht sich auf den Weg in den Abendgötzendienst.
Ich aber gehe lächelnd durch die Strassen, wissend, dass morgen der Tag sein wird, auf den zu warten sich gelohnt hat. Ich muss noch was schreiben, für den Tag des Zorns.
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Wedding, meine Liebe
Der Wedding ist ein Mikrokosmos. Ich habe nie, wirklich kein einziges Mal jemanden erlebt, der nicht Deutsch konnte. Wenn ich einen Bayern in Berlin treffe, rede ich auch eine Sprache, die kaum jemand da oben versteht. Und bei den Türken schleicht sich Deutschland sowieso in die Umgangssprache, Kräutersosse zum Beispiel heisst Wedding-türkisch auch so. Manche Frauen tragen Kopftuch, als wären sie in einem bayerischen Kaff. Aber das ist die Minderheit. Der Wedding hat die gefühlt höchste Dichte an Maniküren und Beautyshops, und das liegt nicht an den Eingeborenen.
Es bedarf, das gebe ich zu, einer gewissen Gewöhnung, sich dem Bezirk zu nähern. Man kann im Wedding nicht leben, ohne dauernden Kontakt zu Nichtdeutschen. Und Nichtdeutsche können dort nicht ohne dauernden Kontakt mit Deutschen leben. Das Ergebnis ist halt keine Staatsoper und keine Friedrichstrassengala, sondern ein wildes Durcheinander von Kommerz, Kultur, Fortschritt und Traditionen. Wer glaubt, dass die jungen Türken im Wedding in einer zurückgebliebenen Parallelgesellschaft leben, war noch nie nach acht in einem Internetcafe. Wer glaubt, dass es dort nichts gibt, was den Besuch lohnt, war noch nie in der Schererstrasse, im wild wedding oder im Cafe Schmidt.

Der Wedding ist gross, laut und arm. Der Wedding ist aber schon lange nicht mehr am Nullpunkt. Der Wedding hat noch die Chancen, die Mitte längst verspielt hat, und es würde mich überraschen, wenn die Weddinger diese Chancen ebenso schluffig verspielen wie die arroganten Kotzbrocken im Presseviertel. All die bescheuerten Legenden über den Wedding in der Welt, dem Tagesspiegel und anderen Mitte-Medien beruhen darauf, dass sie nie ihren Arsch aus ihrem Kiez rausbekommen. Die Arroganz gegenüber dem Wedding ist eigenrlich nur ein weiterer guter Grund, neben dem Palast der Repulik gleich noch den Rest des Slums Berlin plattzumachen. Wenn man schon mal dabei ist... niemand baucht solche Mitte-Lackaffen.
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Kleine Kommentarschliessung über Nacht
Die Kommentare sind vorübergehend geschlossen, und ich hoffe, dass die Sache morgen insofern von seinem Mitautor/presserechtlich Mitverantwortlichen Jürgen Krafzik gelöst wird, dass sie in Zukunft in ihrer Ecke bleiben und ich keine konsequenten Liebesgrüsse aus Paragraphistan rüberschicken lassen muss. Ich denke, es ist nachvollziehbar, dass ich Personen wie Meyn nicht in meinen Kommentaren haben will. Bislang war das alles noch zivil, und es wäre wirklich nett, wenn es so bleiben könnte. Nicht nur für mich.
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