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Mittwoch, 3. Mai 2006
Siesta
Die Sonne brennt das Leben aus den Strassen. Die Spiesser drücken sich schon wieder in den Schatten und blinseln missmutig den Himmel an.

Am Abend ist es dann zu spät, um noch etwas zu tun. Und zu kalt, um lange draussen zu sein. Wieder ein Tag verloren, für manche.

Unten herrscht Stille, irgendwo, hört man en passant, ist wieder ein Trauerfall in der besseren Gesellschaft gewesen, und die Elitessen lernen beharrlich für die nächste Prüfung. Es ist sehr still hier, abgesehen von der Amsel.

Am Abend ist es dann zu spät, um noch etwas zu tun. Und zu kalt, um lange draussen zu sein. Wieder ein Tag verloren, für manche.

Unten herrscht Stille, irgendwo, hört man en passant, ist wieder ein Trauerfall in der besseren Gesellschaft gewesen, und die Elitessen lernen beharrlich für die nächste Prüfung. Es ist sehr still hier, abgesehen von der Amsel.
donalphons, 01:07h
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Begehbar
Ab einem gewissen Alter hört man auf, intensive Alpträume zu haben. Manchmal wüsste ich gern, ob es zumindest bei mir die Folge einer Lebensentwicklung ist, in der ich meine Alpträume begehen und befahren kann. Und wie das bei denen ist, die weitab in den Vorstädten nie wissen, dass es noch diese anderen Welten gibt. Sie allenfalls bei heute oder RTLII sehen. Sehen und erleben sind zweierlei, es ist ein unüberbrückbarer Gegensatz.

Daheim sind sie alle so glatt, da sind keine Narben, keine Grate, keine Brüche, das Leben fliesst in engen Bahnen und alles, was nicht direkt den Lauf kreuzt, existiert nicht wirklich. Der Schmerz, das Unglück entzündet sich am Nichts, banal und leer sind alle Konflikte derer, die nie ahnen werden, wie es ist, hinter der Mülltonne jemanden mit der Spritze zu sehen, und die Testosteronstinker, die darüber hinwegsteigen auf der Suche nach einem weniger auffälligen, mit Sperma füllbaren, vielleicht risikoloseren Zerfallsprodukt unserer Gesellschaft. Daheim kennen sie auch nicht die Schüsse und das Tablettenproblem, das langsame Abgleiten in die Katastrophe, sie kennen nur die paar kleinen Skandale, und wann immer ich zurück komme von den Boulevards der realen Alpträume zu den traumlosen Schläfern, fühle ich mich unendlich alt und durchgeprügelt, ohne dass mich je ein Schlag wirklich getroffen hätte, denn es sind nur meine Alpträume und nicht die Realität derer, die darin vorkommen. Es ist manchmal nur eine Kreuzung im vorderen Orient, ein Wald in Ostbayern, drei Blocks in Frankfurt am Fuss der Türme oder eine noch immer nicht gelöschte Website, die von denen erzählt, deren Tod die Schläfer nie verstanden haben und auch nicht verstehen wollten. Und wahrscheinlich längst vergessen haben. Warum auch nicht. Sie waren nicht dabei, sie kennen es nicht, und es ist weder ein Verdienst noch eine Ehre. Es geht auch ohne den Tanztee mit den Erynnen im Separee der Erinnerung.

Daheim sind sie alle so glatt, da sind keine Narben, keine Grate, keine Brüche, das Leben fliesst in engen Bahnen und alles, was nicht direkt den Lauf kreuzt, existiert nicht wirklich. Der Schmerz, das Unglück entzündet sich am Nichts, banal und leer sind alle Konflikte derer, die nie ahnen werden, wie es ist, hinter der Mülltonne jemanden mit der Spritze zu sehen, und die Testosteronstinker, die darüber hinwegsteigen auf der Suche nach einem weniger auffälligen, mit Sperma füllbaren, vielleicht risikoloseren Zerfallsprodukt unserer Gesellschaft. Daheim kennen sie auch nicht die Schüsse und das Tablettenproblem, das langsame Abgleiten in die Katastrophe, sie kennen nur die paar kleinen Skandale, und wann immer ich zurück komme von den Boulevards der realen Alpträume zu den traumlosen Schläfern, fühle ich mich unendlich alt und durchgeprügelt, ohne dass mich je ein Schlag wirklich getroffen hätte, denn es sind nur meine Alpträume und nicht die Realität derer, die darin vorkommen. Es ist manchmal nur eine Kreuzung im vorderen Orient, ein Wald in Ostbayern, drei Blocks in Frankfurt am Fuss der Türme oder eine noch immer nicht gelöschte Website, die von denen erzählt, deren Tod die Schläfer nie verstanden haben und auch nicht verstehen wollten. Und wahrscheinlich längst vergessen haben. Warum auch nicht. Sie waren nicht dabei, sie kennen es nicht, und es ist weder ein Verdienst noch eine Ehre. Es geht auch ohne den Tanztee mit den Erynnen im Separee der Erinnerung.
donalphons, 19:19h
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Jetzt aber her mit den Kronleuchtern!
Die werden nun nicht mehr am Nollendorfplatz gebraucht: Die Party-AG Goya erlebt nach allen Schrecken des Krieges jetzt ihre finale Entdärmung und wird definitiv geschlossen - kein Weiterbetrieb, keine 2. Chance, und das Insolvenzgeld vom Arbeitsamt ist damit auch durchgebracht, die Mitarbeiter wurden gekündigt. Vielleicht macht jetzt wieder ein Pornokino in den Räumen auf. Bayern sollten allerdings nicht hochmütig auf Berlin herabblicken: Kaum weniger schnell platzen auch in der immer noch einzigartigen Munich Area ähnlich grosse Träume von den vergnügungssüchtigen Kunden.
donalphons, 13:33h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Montag, 1. Mai 2006
1. Mai Folklore
Zuerst kommen die Betriebsorchester, in dunkelroten Jacken und Blasmusik, danach die Funktionäre in ihren schlecht sitzenden Sonntagsanzügen, und die anderen Mitglieder, die auch nicht wirklich gesellschaftsfähig aussehen, Typus weisse Socken, gebügelte Jeans und kurzarmige Hemden unter dem Sakko, das sie sichtlich ungern tragen. In den Gliederungen ihrer Gewerkschaften marschieren sie auf, die Hauptstrasse hinunter, und manche Passanten schauen lächelnd zu, ironisch lächelnd, wenn sie gerade beim am Feiertag offenen Bäcker Torte gekauft haben. So ist das, am ersten Mai, und die Jugend hat einen grossen Wagen, von dem sie Robbie Williams spielen, let me entertain you.
Später werden einige dann das Wort ergreifen, von der Wichtigkeit, hier und heute Flagge zu zeigen, denen das Feld nicht zu überlassen und einen fairen Anteil zu bekommen, den die globalisierten Märkte schon lange nicht mehr einsehen, denn es geht ja auch anders. Ohne anspruchsvolle Typen, die am Paradeplatz in ihren Sonntagsanzügen Rechte einfordern, die längst abgeschafft sein sollten und auch nie da gewesen sein werden, in den Swaet Shops in China und den Young Professionals, die in ihren Türmen 80 Stunden die Woche leisten und das auch cool finden, Hauptsache, die Gratifikation ersetzt die Überstundenregelung. Und wenn die korrupten Drecksäue der Mediengossen, der Schleim, der Aussatz der Publizität, der wieder angekrochene pay-per-lie-Versager aus der New Rconomy das nur oft genug verkündet, für die 30 Cent pro Zeile vom Verlag und die 30 Euro fürs Catering, dann werden die das schon irgendwann schlucken. Denn es geht auch ohne Rechte.

Sage keiner, dass rechtlose Sklaven keine Qualität hinbekommen - der Turm etwa, gebaut von Fronarbeitern, aus schweren Buckelquadern, unter vielen Gefahren gehauen von Idioten, die keine andere Wahl hatten als sich unterzuordnen unter Herrschaft, Propaganda und Gewalt - dieser Turm zur Niederdrückung der armen Schweine steht bis heute. 800 Jahre, Qualität, Dauerhaftigkeit, zum Hohn für die Typen in ihren schlecht sitzenden Anzügen, die glauben, nur freie Partner in einem sozial gerechten System könnten dauerhaft solide Leistungen erbringen.
Also weg mit dem verlogenen Sozialquatsch, immer feste drauf auf diese lustigen Linksspiesser in ihren billigen Klamotten, die sich noch nicht mal richtig ausdrücken können, im Zug nach ihrer Blaskapelle. Was ist das schon gegen schlaues Marketing, was vermag es schon gegen geschickt platzierte Spezialisten, was hilft es gegen die Einflüsterungen in den Ämtern, Ministerien und Parlamenten.
Letztlich ist alles Markt, der reguliert alles, auch den Frust und den Ärger, das werden die schlecht angezogenen Leute schon begreifen, wenn sie hartzvieren. Der Markt entscheidet.
Und zwar spätestens dann, wenn einer von denen in einen von rumänischen Schwarzarbeitern errichteten globalisierten Glasturm, in die hübsche Vorhalle aus Marmor mit den lächelnden, vielsprachigen Empfangsdamen, einen wirklich farblich unpassenden Transporter mit einer Ladung Diesel und Dünger steuert. Manche Marktmechanismen - das werden die darüber arbeitenden globalen Leistungsträger möglicherweise noch merken - wie etwa die der sozialen Gerechtigkeit, lassen sich nie dauerhaft zurechtfälschen wie eine Studie, die die Forderungen der verachteten Leute mit ihrer Blaskapelle als überzogen einstuft.
Später werden einige dann das Wort ergreifen, von der Wichtigkeit, hier und heute Flagge zu zeigen, denen das Feld nicht zu überlassen und einen fairen Anteil zu bekommen, den die globalisierten Märkte schon lange nicht mehr einsehen, denn es geht ja auch anders. Ohne anspruchsvolle Typen, die am Paradeplatz in ihren Sonntagsanzügen Rechte einfordern, die längst abgeschafft sein sollten und auch nie da gewesen sein werden, in den Swaet Shops in China und den Young Professionals, die in ihren Türmen 80 Stunden die Woche leisten und das auch cool finden, Hauptsache, die Gratifikation ersetzt die Überstundenregelung. Und wenn die korrupten Drecksäue der Mediengossen, der Schleim, der Aussatz der Publizität, der wieder angekrochene pay-per-lie-Versager aus der New Rconomy das nur oft genug verkündet, für die 30 Cent pro Zeile vom Verlag und die 30 Euro fürs Catering, dann werden die das schon irgendwann schlucken. Denn es geht auch ohne Rechte.

Sage keiner, dass rechtlose Sklaven keine Qualität hinbekommen - der Turm etwa, gebaut von Fronarbeitern, aus schweren Buckelquadern, unter vielen Gefahren gehauen von Idioten, die keine andere Wahl hatten als sich unterzuordnen unter Herrschaft, Propaganda und Gewalt - dieser Turm zur Niederdrückung der armen Schweine steht bis heute. 800 Jahre, Qualität, Dauerhaftigkeit, zum Hohn für die Typen in ihren schlecht sitzenden Anzügen, die glauben, nur freie Partner in einem sozial gerechten System könnten dauerhaft solide Leistungen erbringen.
Also weg mit dem verlogenen Sozialquatsch, immer feste drauf auf diese lustigen Linksspiesser in ihren billigen Klamotten, die sich noch nicht mal richtig ausdrücken können, im Zug nach ihrer Blaskapelle. Was ist das schon gegen schlaues Marketing, was vermag es schon gegen geschickt platzierte Spezialisten, was hilft es gegen die Einflüsterungen in den Ämtern, Ministerien und Parlamenten.
Letztlich ist alles Markt, der reguliert alles, auch den Frust und den Ärger, das werden die schlecht angezogenen Leute schon begreifen, wenn sie hartzvieren. Der Markt entscheidet.
Und zwar spätestens dann, wenn einer von denen in einen von rumänischen Schwarzarbeitern errichteten globalisierten Glasturm, in die hübsche Vorhalle aus Marmor mit den lächelnden, vielsprachigen Empfangsdamen, einen wirklich farblich unpassenden Transporter mit einer Ladung Diesel und Dünger steuert. Manche Marktmechanismen - das werden die darüber arbeitenden globalen Leistungsträger möglicherweise noch merken - wie etwa die der sozialen Gerechtigkeit, lassen sich nie dauerhaft zurechtfälschen wie eine Studie, die die Forderungen der verachteten Leute mit ihrer Blaskapelle als überzogen einstuft.
donalphons, 22:36h
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Provisionsfrei zum Erstbezug
und zwar direkt vom Eigentümer. Der an einer viel befahrenen Strasse in einer geschäftigen Grossstadt mit folgendem Spruch für sein Office Center wirbt.

Und das nun schon eine ganze Weile, mindestens ein halbes Jahr, ich glaube aber, es in seiner Powerpoint-Weisheit schon früher gesehen zu haben. Erfolg ist eine Frage von Qualität und Effizienz. Leerstand ist eine Frage von falscher Planung und überzogenen Mieten. Werbung ist eine Frage von Kreativität und Kontextsensibilität. Frankfurt am Main ist eine Frage von Dunmheit und Arroganz.

Und das nun schon eine ganze Weile, mindestens ein halbes Jahr, ich glaube aber, es in seiner Powerpoint-Weisheit schon früher gesehen zu haben. Erfolg ist eine Frage von Qualität und Effizienz. Leerstand ist eine Frage von falscher Planung und überzogenen Mieten. Werbung ist eine Frage von Kreativität und Kontextsensibilität. Frankfurt am Main ist eine Frage von Dunmheit und Arroganz.
donalphons, 21:42h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Sonntag, 30. April 2006
Date mit Walburga
Ich hatte mit Frau D. nichts zu tun. Frau D. hatte ich – mit einer Ausnahme - nur gesehen, ab und zu geisterten wenig erbauliche Geschichten über sie durch das Klassenzimmer, in dem ich meine ersten beiden Schuljahre durchbrachte. Die anderen lernten sie bald kennen – und auch den Mann, in dessen Auftrag sie unterwegs war.
Denn in dieser Schule im tiefsten Bayern gab es neben der staatlichen Autorität, repräsentiert von Frau G., auch noch eine andere Macht. Für 29 der 30 Schülerinnen und Schüler der Klasse 2b war diese Macht Frau D.. 29 Schüler hatten Erfahrungen gemein, bei denen ich ausgeschlossen war. Im Prinzip war es kein Problem, bedeutete es doch, dass ich 2 Stunden Schule pro Woche weniger hatte als die anderen. Die anderen waren katholisch – ich war es nicht. Ich war ein Treppenwitz der Geschichte, eine Lücke im Heilsplan von Frau D., den zu beheben ihr nicht vergönnt war. Nur einmal, zu Beginn der ersten Klasse, wurde ich mehr oder weniger willenlos in den Religionsunterricht gebracht. Was da von Frau D. erzählt wurde, weiss ich nicht mehr, aber ich habe dann zu Hause erzählt, dass ich eben in diesem Unterricht war. Am nächsten Tag war dann meine Mutter in der Schule, sprach mit dem Direktor, und mir wurde gesagt, dass ich in Zukunft nicht mehr in diesen Unterricht kommen sollte.
Frau D. war in der Folge nicht mehr gut auf mich zu sprechen, schien mir, denn in ihrem Unterricht wurde nicht nur gebetet und gemalt – so komische genagelte Leute auf Balken und Füsse, die aus dem Himmel baumeln, und was da sonst noch in den Malblöcken meiner Kameraden war. Den Kindern wurden auch Geschichten erzählt von gut und böse, von Himmel und Hölle und davon, dass die Evangelen aus der Parallelklasse 1c wohl nicht so leicht in den Himmel kommen würden. Die durften auch keine roten Kerle mit Zipfelmützen und Engel und all so Zeug malen. Die hatte der liebe Gott nicht so lieb. Besonders unlieb aber, so Frau D., hatte der liebe Gott die anderen, die nicht an seinen Sohn glaubten. Und ihn statt dessen umgebracht hatten. Die würden später mal bitter zahlen, in der Hölle. Das waren die Juden. Von denen es durch Zufall einen an der Schule gab. Mich.
Aber wie Kinder nun mal so sind, die Höllenfeuer sind fern: Die Bonanzaräder und die Paninibilder dagegen sehr nah. Hin und wieder auf den Dreckbergen hinter unserer Siedlung, in unseren selbstgegrabenen Burgen, berichtete mancher, was die D. wieder gesagt hatte, über Juden wie mich, die Feinde des HerrGotts. Manchmal erzählten sie auch von dem Mann hinter ihr, den sie in der Folge kennengelernt hatten; den Stadtpfarrer K., der später ins Gerede kam, weil er das Geld der Sammelbüchsen für die kleinen afrikanischen Neger für den Blumenschmuck seiner hässlichen gelben Kirche verwendete, die zu betreten mir aber versagt blieb. Meine Eltern, die ich fragte, ob sie oder Oma denn auch diesen Christus da gekreuzigt hätten, so wie es auf den Zeichnung zu sehen war, mit viel Wasserfarben-Blut und riesigen Kugelschreibernägeln in den Armen, und wie es verkündet wurde vom Stadtpfarrer K. zu St Josef – meine Eltern also intervenierten ein zweites Mal, und danach war Ruhe. Erstmal.
Die erste Klasse ging vorüber, der Winter kam und wieder ein Frühling, die anderen mussten am Ende in einen Gottesdienst, während ich auf der Schaukel im Garten sass und mich des Daseins freute. Dann kamen die Ferien, und dann wieder die Schule. Und der Schulausflug. Frau G. sagte, dass wir in das Altmühltal fahren, und nach Eichstätt, und auf dem Hinweg auch in der Linde einkehrten. Die Linde war ein grandioses Ausflugslokal, in das meine Eltern oft mit mir fuhren, mit fantastischen Kartoffelknödeln, die ich damals gern roh verschlang, aber gleich vier Stück auf einmal. Alles wies auf einen traumhaft schönen Tag mit einem kulinarischen Höhepunkt hin, als wir in den Bus einstiegen. Die Sonne lachte uns unschuldige Kinder an, und als wir sassen und anfingen, die Sunkistbeutel zu tauschen, dachte ich mir nichts böses. Auch als der Bus hinter der Schule anhielt, vor der schwefelgelben St.Josefskirche, keimte kein Verdacht in mir ob des Schreckens, das da kommen sollte. In den Bus stiegen Frau D. und der Stadtpfarrer K.....
Den schaurigen Rest mit der gesamten Wallburgageschichte gibt es dann heute Abend im Twisted Bavarian in der Tengstrasse 20.
Und während der Bus durch das saftige Grün der Juraanhöhen glitt, im warmen Glanz des Spätsommers, das durch die Blätter und Zweige flackerte, während uns die Idylle und Pracht dieser weitgehend unberührten Landschaft umschloss mit ihren weissen Kalkfelsen, den dunklen Äckern und den hohen Bäumen, da trat dann also Pfarrer K. in die Mitte des Buses, und sprach: Dass wir uns nachher bei der heiligen Wallburga ordentlich verhalten sollten, sonst – schebbats. Mitte der 70er Jahre galten Ohrfeigen, zumindest für Herrn K., noch als probates Mittel zur Erziehung.
Der Auftritt vom Pfarrer und die Erwähnung besagter Heiliger hätte mich misstrauisch machen sollen, allein, was soll´s, für mich galt er ja nicht, weshalb ich später in der Hölle sein würde – was mir als durchaus lohnender Tausch erschien angesichts der Angstzustände, die sich wegen dieser Ansprache bei Freund und Feind breit machte. Und Feinde gab es natürlich auch, der dicke Jürgen zum Beispiel, und seine Freunde. Jürgen hatte mich beim Tausch der Schlumpfbilder übers Ohr gehauen, die wir zusammen mit den Wundertüten im Laden hinter der Schule gekauft hatten. Ich hatte mich später damit gerächt, dass ich meiner Mutter das grosse Geodreieck entwendete und bei der nächsten Linealfechterei von der harmlosen Hieb zur ungleich effektiveren, da Wunden verursachenden Stichwaffe überging.
Nach der Ansprache des Stadtpfarrers wurde dann auch mir mitgeteilt, was es denn mit der Wallburga, der D. und dem K. auf sich hatte: In Eichstätt liegt diese Heilige begraben, und irgendwie hatten es die fette Blondine und der kugelrunde Pfarrer mit seinem enormen Nasenhaarwuchs geschafft, den Klassenausflug dorthin umzuleiten. Der Bus fuhr, zum Aussteigen war es zu spät, und ein Handy, mit dem ich meine Mutter hätte anrufen können, gab es damals nicht. Und so glitt der Bus weiterhin seinem Ziel entgegen, immer noch im satten Grün des traumhaft schönen Sommers, aber mit einem etwas unsicheren Kind auf der hinteren Bank, das nicht wusste, ob es sich freuen sollte, jetzt auch mal so eine Kirche zu erleben, oder ob es nicht einfach Angst haben sollte vor dem Ungewissen, das da an einer Flussbiegung, im tiefen Gemäuer vergraben, auf ihn wartete.
Irgendwann kam der Bus auf einem Platz an, wir stiegen aus, und der Pfarrer K. erzählte die Geschichte der heiligen Wallburga: Eine Königstochter aus England, die nach Deutschland kam, um die Heiden zu missionieren und deshalb heilig war. Irgendwann starb sie und wurde hier begraben, aber sie tue immer noch Wunder, besonders durch das Walburgisöl, das wir später kaufen sollten. Keinesfalls aber habe sie etwas mit dem „Heia Walpurgisnacht-wenn der Mond vom Himmel lacht“-Gesängen zu tun, die mir nicht unbekannt waren – im Frühling zuvor hatte ich, dasselbige singend, versucht, beim Hexentanz in Frau Martins Garten den Kirschbaum abzufackeln, an den ich vorher mit Hilfe ihrer Tochter Bettina die andere Tochter Vreni gefesselt hatte.
Das also war es nicht, was uns in der hochaufragenden Kirche erwartete. Über eine Treppe ging es hinauf, dann öffnete sich das Tor, ich ging hinein – und der Sommer war vorbei. Kühl und modrig war es in dem Gemäuer, durch die kleinen Fenster fiel wenig Licht auf die fast schwarzen Wände. Beim genaueren Hinsehen entpuppte sich die Wandfarbe als endlose Fläche von kleinen, dunklen Bildern, auf denen Menschen mit allen möglichen Gebrechen zu sehen waren. Da wurde geschossen, Knochen entzweiht und vom Wagen gefallen, da stürzten Menschen in Schluchten, und alle waren sie unsagbar hässlich, grob gemalt und voller grausamer Details. Wo keine Bilder hingen, waren abnorme Krücken an die Wand genagelt, oder auch Ketten, Handschellen und Halseisen. Das alles, erklärte uns Frau D., seien die Gaben von Leuten, die die heilige Walburga geheilt hatte, auch das da in dem Kasten – und sie wies auf die rechte Wand, wo ein roter Fleck unter all dem Schwarz hervorstach. Wir gingen hinüber. Der rote Fleck erwies sich als mit Samt ausgeschlagener Schaukasten, in dem Knochensplitter, Kugeln, Magensteine, böse Zähne und viele andere Körperteile ausgestellt waren. Ein Magenstein, so gross wie eine Faust, hatte die Form eines Herzens, ein aschfahles, pickliges Herz in einer schwarz angelaufenen Silberfassung. Die Zähne waren braun, abgekaut, zerborsten oder lange, schiefe Missbildung, manchmal noch mit Kochensplittern daran. Menschentrümmer in allen Varianten, zackig, geborsten, morsch und faulig. Was immer in den diversen Glasampullen war – Eiter, Ausfluss, Blut – es war dunkel-klebrig eingetrocknet und verharzt. Frau D. erklärte, welch grosses Leid den Menschen genommen worden war, ich hingegen begann, dasselbige inzwischen im Magen zu verspüren, in den tiefsten Eingeweiden, die seit dem Frühstück auf Knödel, goldgelbe saftige Knödel warteten, und nun vom Anblick dieser Trümmer gepeinigt und aufgewühlt wurden. Jürgen, die Strebersau, und auch einige andere knieten sich auf Frau D.s Kommando hin und sagten ein Gebet auf, während ich mich in Richtung Ausgang drückte. Doch der erwies sich als vom Pfarrer K. blockiert.
Und etzad gemma nunta, sagte der Stadtpfarrer, und wies mir und den Nachfolgenden den Weg eine Treppe hinab in das Erdreich unter diesem schwarzen Saal. Es öffnete sich ein kleiner Raum, wo wir eng zusammengedrängt an einem Gitter standen. Dahinter leuchtete fahl ein grosser, weisser, rechteckiger Streinsarg – und in dem, so erklärte uns der nachgekeuchte Stadtpfarrer, befinde sich die Wallburga, die all die Wunder mache. Und das geht so: Zu einer gewissen Zeit im Frühjahr tropft aus diesem Sarg, in dem Wallburga liegt, ein Öl, das die Nonnen hier auffangen. Das Öl wirkt Wunder, heilt und segnet alles, was damit in Berührung kommt, und wir alle werden dadurch gesegnet. Jetzt. Gleich. Und auf der anderen Seite, über eine zweite Treppe, kam eine finstere Gestalt herunter, über und über schwarz, mit einem Kästchen in der Hand, und trat auf uns zu. Es war eine hässliche, verschrumpelte alte Frau in diesem dunklen, stinkenden Loch unter der Erde, neben uns lag diese Leiche in ihrem Sarg und badete in diesem Verwesungsöl aus ihrem Körper, ich konnte es riechen, dieses saftige, stinkende, schwarz aufgedunsene Kadaver mit wirren Haaren, borstig und abstossend wie das Gewächs aus des Stadtpfarrers Nase, und der gleiche verfaulte Saft war in den Ampullen, die im Kästchen auf uns warteten. Der K. postierte sich neben ihr, zwei alte Fleischklumpen in der Finsternis, und hinter uns machte Frau D. die Räume dicht. Das erste Kind musste vortreten, der Pfarrer tauchte seine Pranke in eine Schale mit diesem Leichenöl, streckte, murmelnd, die Hand aus und machte ein Kreuz auf dessen Stirn. Das Kind musste eine Ampulle nehmen, die schwarze Krähe steckte die Hand aus, um eine Gabe zu nehmen. Es war nicht der Gedanke, dass ich da auch zahlen müsste und deshalb nachher in der Linde einen oder zwei Knödel weniger essen könnte, es war auch nicht die lange Reihe meiner Mitschüler, die sich wie willenlose Zombies für das Ritual einreihten, hier unter der Erde, mit den schwarzen Bildern, den Nierensteinen über und der in Öl eingelegten Wallburga neben uns, es war nicht der K. und das Ritual und auch nicht die massige Figur der D. in dieser Szene – letztlich war es Jürgen, der Schlumpfbildbescheisser, der sich zu mir umdrehte, meine Panik erkannte und sagte: Du bekommst kein Kreuz, du musst das Öl trinken, und meines bekommst Du auch.
Ich drehte mich um, presste mich am Fleischberg von Frau D. vorbei, der ins Wanken geriet, raste die Treppe hoch und rannte, ohne noch einen Blick auf die schwarzen Tafeln, die Gallensteine und Krücken zu werfen, auf die Tür zu, wo ich in eine Gruppe Touristen knallte, an ihnen vornbei hinein in das gleissende Licht, in den unfassbar schönen Sommer, in die klare, reine Luft des Jura, von Helligkeit durchdrungen und gereinigt von all der Verwesung, die mich zu umfangen drohte, unendlich weit weg vom K., der schwarzen Frau und dem Kadaver im fahlen Stein und seinem schleimigen Öl, das meiner im Bauch der Erde harrte.
Kurz darauf war das jüdische Neujahrsfest Rosch ha Schana, an dessen Ende es zu Jom Kippur Geschenke für die Kinder gibt. Meine Mutter war sehr zufrieden mit ihrem mathematisch interessierten Sohn, der von den bislang gewünschten Ritterfiguren Abstand nahm und ein 35 Zentimeter langes, spitzwinkliges Geodreieck haben wollte, lang genug, um notfalls auch einen fetten Stadtpfarrer zu erstechen, falls er ihm mit dem Saft der Wallburga zu nahe kam.
Denn in dieser Schule im tiefsten Bayern gab es neben der staatlichen Autorität, repräsentiert von Frau G., auch noch eine andere Macht. Für 29 der 30 Schülerinnen und Schüler der Klasse 2b war diese Macht Frau D.. 29 Schüler hatten Erfahrungen gemein, bei denen ich ausgeschlossen war. Im Prinzip war es kein Problem, bedeutete es doch, dass ich 2 Stunden Schule pro Woche weniger hatte als die anderen. Die anderen waren katholisch – ich war es nicht. Ich war ein Treppenwitz der Geschichte, eine Lücke im Heilsplan von Frau D., den zu beheben ihr nicht vergönnt war. Nur einmal, zu Beginn der ersten Klasse, wurde ich mehr oder weniger willenlos in den Religionsunterricht gebracht. Was da von Frau D. erzählt wurde, weiss ich nicht mehr, aber ich habe dann zu Hause erzählt, dass ich eben in diesem Unterricht war. Am nächsten Tag war dann meine Mutter in der Schule, sprach mit dem Direktor, und mir wurde gesagt, dass ich in Zukunft nicht mehr in diesen Unterricht kommen sollte.
Frau D. war in der Folge nicht mehr gut auf mich zu sprechen, schien mir, denn in ihrem Unterricht wurde nicht nur gebetet und gemalt – so komische genagelte Leute auf Balken und Füsse, die aus dem Himmel baumeln, und was da sonst noch in den Malblöcken meiner Kameraden war. Den Kindern wurden auch Geschichten erzählt von gut und böse, von Himmel und Hölle und davon, dass die Evangelen aus der Parallelklasse 1c wohl nicht so leicht in den Himmel kommen würden. Die durften auch keine roten Kerle mit Zipfelmützen und Engel und all so Zeug malen. Die hatte der liebe Gott nicht so lieb. Besonders unlieb aber, so Frau D., hatte der liebe Gott die anderen, die nicht an seinen Sohn glaubten. Und ihn statt dessen umgebracht hatten. Die würden später mal bitter zahlen, in der Hölle. Das waren die Juden. Von denen es durch Zufall einen an der Schule gab. Mich.
Aber wie Kinder nun mal so sind, die Höllenfeuer sind fern: Die Bonanzaräder und die Paninibilder dagegen sehr nah. Hin und wieder auf den Dreckbergen hinter unserer Siedlung, in unseren selbstgegrabenen Burgen, berichtete mancher, was die D. wieder gesagt hatte, über Juden wie mich, die Feinde des HerrGotts. Manchmal erzählten sie auch von dem Mann hinter ihr, den sie in der Folge kennengelernt hatten; den Stadtpfarrer K., der später ins Gerede kam, weil er das Geld der Sammelbüchsen für die kleinen afrikanischen Neger für den Blumenschmuck seiner hässlichen gelben Kirche verwendete, die zu betreten mir aber versagt blieb. Meine Eltern, die ich fragte, ob sie oder Oma denn auch diesen Christus da gekreuzigt hätten, so wie es auf den Zeichnung zu sehen war, mit viel Wasserfarben-Blut und riesigen Kugelschreibernägeln in den Armen, und wie es verkündet wurde vom Stadtpfarrer K. zu St Josef – meine Eltern also intervenierten ein zweites Mal, und danach war Ruhe. Erstmal.
Die erste Klasse ging vorüber, der Winter kam und wieder ein Frühling, die anderen mussten am Ende in einen Gottesdienst, während ich auf der Schaukel im Garten sass und mich des Daseins freute. Dann kamen die Ferien, und dann wieder die Schule. Und der Schulausflug. Frau G. sagte, dass wir in das Altmühltal fahren, und nach Eichstätt, und auf dem Hinweg auch in der Linde einkehrten. Die Linde war ein grandioses Ausflugslokal, in das meine Eltern oft mit mir fuhren, mit fantastischen Kartoffelknödeln, die ich damals gern roh verschlang, aber gleich vier Stück auf einmal. Alles wies auf einen traumhaft schönen Tag mit einem kulinarischen Höhepunkt hin, als wir in den Bus einstiegen. Die Sonne lachte uns unschuldige Kinder an, und als wir sassen und anfingen, die Sunkistbeutel zu tauschen, dachte ich mir nichts böses. Auch als der Bus hinter der Schule anhielt, vor der schwefelgelben St.Josefskirche, keimte kein Verdacht in mir ob des Schreckens, das da kommen sollte. In den Bus stiegen Frau D. und der Stadtpfarrer K.....
Und während der Bus durch das saftige Grün der Juraanhöhen glitt, im warmen Glanz des Spätsommers, das durch die Blätter und Zweige flackerte, während uns die Idylle und Pracht dieser weitgehend unberührten Landschaft umschloss mit ihren weissen Kalkfelsen, den dunklen Äckern und den hohen Bäumen, da trat dann also Pfarrer K. in die Mitte des Buses, und sprach: Dass wir uns nachher bei der heiligen Wallburga ordentlich verhalten sollten, sonst – schebbats. Mitte der 70er Jahre galten Ohrfeigen, zumindest für Herrn K., noch als probates Mittel zur Erziehung.
Der Auftritt vom Pfarrer und die Erwähnung besagter Heiliger hätte mich misstrauisch machen sollen, allein, was soll´s, für mich galt er ja nicht, weshalb ich später in der Hölle sein würde – was mir als durchaus lohnender Tausch erschien angesichts der Angstzustände, die sich wegen dieser Ansprache bei Freund und Feind breit machte. Und Feinde gab es natürlich auch, der dicke Jürgen zum Beispiel, und seine Freunde. Jürgen hatte mich beim Tausch der Schlumpfbilder übers Ohr gehauen, die wir zusammen mit den Wundertüten im Laden hinter der Schule gekauft hatten. Ich hatte mich später damit gerächt, dass ich meiner Mutter das grosse Geodreieck entwendete und bei der nächsten Linealfechterei von der harmlosen Hieb zur ungleich effektiveren, da Wunden verursachenden Stichwaffe überging.
Nach der Ansprache des Stadtpfarrers wurde dann auch mir mitgeteilt, was es denn mit der Wallburga, der D. und dem K. auf sich hatte: In Eichstätt liegt diese Heilige begraben, und irgendwie hatten es die fette Blondine und der kugelrunde Pfarrer mit seinem enormen Nasenhaarwuchs geschafft, den Klassenausflug dorthin umzuleiten. Der Bus fuhr, zum Aussteigen war es zu spät, und ein Handy, mit dem ich meine Mutter hätte anrufen können, gab es damals nicht. Und so glitt der Bus weiterhin seinem Ziel entgegen, immer noch im satten Grün des traumhaft schönen Sommers, aber mit einem etwas unsicheren Kind auf der hinteren Bank, das nicht wusste, ob es sich freuen sollte, jetzt auch mal so eine Kirche zu erleben, oder ob es nicht einfach Angst haben sollte vor dem Ungewissen, das da an einer Flussbiegung, im tiefen Gemäuer vergraben, auf ihn wartete.
Irgendwann kam der Bus auf einem Platz an, wir stiegen aus, und der Pfarrer K. erzählte die Geschichte der heiligen Wallburga: Eine Königstochter aus England, die nach Deutschland kam, um die Heiden zu missionieren und deshalb heilig war. Irgendwann starb sie und wurde hier begraben, aber sie tue immer noch Wunder, besonders durch das Walburgisöl, das wir später kaufen sollten. Keinesfalls aber habe sie etwas mit dem „Heia Walpurgisnacht-wenn der Mond vom Himmel lacht“-Gesängen zu tun, die mir nicht unbekannt waren – im Frühling zuvor hatte ich, dasselbige singend, versucht, beim Hexentanz in Frau Martins Garten den Kirschbaum abzufackeln, an den ich vorher mit Hilfe ihrer Tochter Bettina die andere Tochter Vreni gefesselt hatte.
Das also war es nicht, was uns in der hochaufragenden Kirche erwartete. Über eine Treppe ging es hinauf, dann öffnete sich das Tor, ich ging hinein – und der Sommer war vorbei. Kühl und modrig war es in dem Gemäuer, durch die kleinen Fenster fiel wenig Licht auf die fast schwarzen Wände. Beim genaueren Hinsehen entpuppte sich die Wandfarbe als endlose Fläche von kleinen, dunklen Bildern, auf denen Menschen mit allen möglichen Gebrechen zu sehen waren. Da wurde geschossen, Knochen entzweiht und vom Wagen gefallen, da stürzten Menschen in Schluchten, und alle waren sie unsagbar hässlich, grob gemalt und voller grausamer Details. Wo keine Bilder hingen, waren abnorme Krücken an die Wand genagelt, oder auch Ketten, Handschellen und Halseisen. Das alles, erklärte uns Frau D., seien die Gaben von Leuten, die die heilige Walburga geheilt hatte, auch das da in dem Kasten – und sie wies auf die rechte Wand, wo ein roter Fleck unter all dem Schwarz hervorstach. Wir gingen hinüber. Der rote Fleck erwies sich als mit Samt ausgeschlagener Schaukasten, in dem Knochensplitter, Kugeln, Magensteine, böse Zähne und viele andere Körperteile ausgestellt waren. Ein Magenstein, so gross wie eine Faust, hatte die Form eines Herzens, ein aschfahles, pickliges Herz in einer schwarz angelaufenen Silberfassung. Die Zähne waren braun, abgekaut, zerborsten oder lange, schiefe Missbildung, manchmal noch mit Kochensplittern daran. Menschentrümmer in allen Varianten, zackig, geborsten, morsch und faulig. Was immer in den diversen Glasampullen war – Eiter, Ausfluss, Blut – es war dunkel-klebrig eingetrocknet und verharzt. Frau D. erklärte, welch grosses Leid den Menschen genommen worden war, ich hingegen begann, dasselbige inzwischen im Magen zu verspüren, in den tiefsten Eingeweiden, die seit dem Frühstück auf Knödel, goldgelbe saftige Knödel warteten, und nun vom Anblick dieser Trümmer gepeinigt und aufgewühlt wurden. Jürgen, die Strebersau, und auch einige andere knieten sich auf Frau D.s Kommando hin und sagten ein Gebet auf, während ich mich in Richtung Ausgang drückte. Doch der erwies sich als vom Pfarrer K. blockiert.
Und etzad gemma nunta, sagte der Stadtpfarrer, und wies mir und den Nachfolgenden den Weg eine Treppe hinab in das Erdreich unter diesem schwarzen Saal. Es öffnete sich ein kleiner Raum, wo wir eng zusammengedrängt an einem Gitter standen. Dahinter leuchtete fahl ein grosser, weisser, rechteckiger Streinsarg – und in dem, so erklärte uns der nachgekeuchte Stadtpfarrer, befinde sich die Wallburga, die all die Wunder mache. Und das geht so: Zu einer gewissen Zeit im Frühjahr tropft aus diesem Sarg, in dem Wallburga liegt, ein Öl, das die Nonnen hier auffangen. Das Öl wirkt Wunder, heilt und segnet alles, was damit in Berührung kommt, und wir alle werden dadurch gesegnet. Jetzt. Gleich. Und auf der anderen Seite, über eine zweite Treppe, kam eine finstere Gestalt herunter, über und über schwarz, mit einem Kästchen in der Hand, und trat auf uns zu. Es war eine hässliche, verschrumpelte alte Frau in diesem dunklen, stinkenden Loch unter der Erde, neben uns lag diese Leiche in ihrem Sarg und badete in diesem Verwesungsöl aus ihrem Körper, ich konnte es riechen, dieses saftige, stinkende, schwarz aufgedunsene Kadaver mit wirren Haaren, borstig und abstossend wie das Gewächs aus des Stadtpfarrers Nase, und der gleiche verfaulte Saft war in den Ampullen, die im Kästchen auf uns warteten. Der K. postierte sich neben ihr, zwei alte Fleischklumpen in der Finsternis, und hinter uns machte Frau D. die Räume dicht. Das erste Kind musste vortreten, der Pfarrer tauchte seine Pranke in eine Schale mit diesem Leichenöl, streckte, murmelnd, die Hand aus und machte ein Kreuz auf dessen Stirn. Das Kind musste eine Ampulle nehmen, die schwarze Krähe steckte die Hand aus, um eine Gabe zu nehmen. Es war nicht der Gedanke, dass ich da auch zahlen müsste und deshalb nachher in der Linde einen oder zwei Knödel weniger essen könnte, es war auch nicht die lange Reihe meiner Mitschüler, die sich wie willenlose Zombies für das Ritual einreihten, hier unter der Erde, mit den schwarzen Bildern, den Nierensteinen über und der in Öl eingelegten Wallburga neben uns, es war nicht der K. und das Ritual und auch nicht die massige Figur der D. in dieser Szene – letztlich war es Jürgen, der Schlumpfbildbescheisser, der sich zu mir umdrehte, meine Panik erkannte und sagte: Du bekommst kein Kreuz, du musst das Öl trinken, und meines bekommst Du auch.
Ich drehte mich um, presste mich am Fleischberg von Frau D. vorbei, der ins Wanken geriet, raste die Treppe hoch und rannte, ohne noch einen Blick auf die schwarzen Tafeln, die Gallensteine und Krücken zu werfen, auf die Tür zu, wo ich in eine Gruppe Touristen knallte, an ihnen vornbei hinein in das gleissende Licht, in den unfassbar schönen Sommer, in die klare, reine Luft des Jura, von Helligkeit durchdrungen und gereinigt von all der Verwesung, die mich zu umfangen drohte, unendlich weit weg vom K., der schwarzen Frau und dem Kadaver im fahlen Stein und seinem schleimigen Öl, das meiner im Bauch der Erde harrte.
Kurz darauf war das jüdische Neujahrsfest Rosch ha Schana, an dessen Ende es zu Jom Kippur Geschenke für die Kinder gibt. Meine Mutter war sehr zufrieden mit ihrem mathematisch interessierten Sohn, der von den bislang gewünschten Ritterfiguren Abstand nahm und ein 35 Zentimeter langes, spitzwinkliges Geodreieck haben wollte, lang genug, um notfalls auch einen fetten Stadtpfarrer zu erstechen, falls er ihm mit dem Saft der Wallburga zu nahe kam.
donalphons, 15:49h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Samstag, 29. April 2006
Morgen Abend, Walpurgisnacht in München.
Das mit dem alten nördlichen Friedhof wird nichts - schliesslich wollen wir bei der III. Münchner Bloglesung den Winter beerdigen und Schauergeschichten vortragen, nicht unbedingt schaurigen Husten bekommen und unsere an Unterkühlung verendeten Leser begraben - obwohl man das sicher prima bloggen könnte. Aber: Lieber einen guten Blogtext verlieren als einen guten Zuhörer, und deshalb treffen wir uns um 19 Uhr zum gleichen Programm - inclusive den auswärtigen Stargästen Andrea Diener und dem Boandlkramer. Und ich werde vorher ein paar Requisiten aus dem Stadtpalast mitbringen - eventuell hätte ich im Keller soger einen Grabstein.
donalphons, 20:24h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Freitag, 28. April 2006
Ein kleiner Nachtrag
zum Verhältnis zwischen Radio und Internet angsichts dieser Entwicklung findet sich an der Blogbar.
donalphons, 13:52h
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Oha. Der SPon. Mal wieder
Diesmal in der unsauberen Rolle des Content-Übernehmers: Der Bestseller-Autor Bastian Sick. Sowas kommt in den besten Familien vor, warum nicht auch in der Spiegel-Online-Kloake. Ich würde keine Mail, sondern eine Rechnung schicken. Lassen. Vom Anwalt.
Und bei der Gelegenheit auch gleich mal seine Bücher filzen. Just fo the fun of it. In der Regel erwischt man solche Leute nicht beim ersten Vergehen. Mal schaun, wann sie das Teil vom Netz nehmen. Und ob sie ihn feuern - in den USA stände das jetzt an.
Und bei der Gelegenheit auch gleich mal seine Bücher filzen. Just fo the fun of it. In der Regel erwischt man solche Leute nicht beim ersten Vergehen. Mal schaun, wann sie das Teil vom Netz nehmen. Und ob sie ihn feuern - in den USA stände das jetzt an.
donalphons, 03:13h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Donnerstag, 27. April 2006
BR und Zündfunk steigen ins Haifischbecken
oder werden hineingeworfen, je nach Sichtweise. Oh, ist das ein Spass: Als erste deutsche öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt wagt sich der Bayerische Rundfunk mit einem kombinierten Vollprogramm ins Internet. Kinder, als ich die Pressemitteilung las, dachte ich erst an einenWitz, aber nein, die meinen das wohl ernst. Ich erlaube mir hier, die Pressemitteilung aus dem BR-Dialekt zu übertragen und mit Randglossen zu versehen - während ein gewisser H. Röde auf gute Laune macht und kein Wort über das Anstehende verliert. Dabei sind das - gebe selbst ich zu - Horrorpläne, die wohl kaum jemanden erreichen werden.
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Zündfunk, von Bayern 3, aus der Multimedia-Redaktion und des Bayerischen Fernsehens haben in vier Arbeitsgruppen für Musik, Wort, Multimedia und Marketing Ideen gesammelt, Visionen entworfen und zu einem stimmigen Vorschlag zusammengeführt.
Oh Gott. Bayern Brei plus ein die Macher einer wirklich grottigen Site plus dem linientreuen Staatsfernsehen plus Zündfunk oder was dabei herauskommt, wenn man eine schleimige Tiefseequalle, einen Regenwurm, einen Lemming und eine brennende Motte kreuzt. Und das soll stimmig sein? Na dann.
Ihre Aufgabe dabei: Eine junge Zielgruppe an den Bayerischen Rundfunk zu binden, die sich bislang nur zum Teil von den bestehenden Angeboten angesprochen fühlt und in ihrer aktuellen Mediennutzung auf Radio in der traditionellen Form immer mehr verzichtet.
Warum nicht zu Beginn mal was Leichteres, wie, sagen wir mal, die kalte Kernfusion oder die Weltrevolution? Ist ja schön, wenn sie begreifen, dass sich viele aus dem Radio ausklinken, aber das sind doch genau die Leute, die bislang die Zielgruppe vergrault haben, mit dröger Glotze, dummen Festplattenschleim, kranke Navi und leeres Geschwafel.
Im Blick haben die Macher ein aufgeschlossenes aktives Publikum bis 30 Jahre, das sich durch ein breites Musikinteresse auch außerhalb des Mainstream auszeichnet und an der bayerischen Kulturszene interessiert ist.
Aufgeschlossen passt nicht zu Vernagelt a la BR. Wer aufgeschlossen ist, braucht keine Radiokrücke mehr.
Aktuelle Popmusik mit Einflüssen aus Rock, Black und Elektronik bilden das musikalische Grundgerüst. Wesentlicher Bestandteil ist die breite Förderung junger, unbekannter Musiker vor allem aus Bayern und Deutschland, die gleichberechtigt neben bekannten Stars zu hören sein sollen.
Doitsch und Hinterwaldqoute neben Robiiiieeee und Madonah-ah-ah, prima, da fahren alle Zielgruppen voll drauf ab. Die Mainstreamzielgruppe hat doch schon Bayern Brei, und ähnlich positionierte Jugendwellen haben gerade das Problem, das der neue Laden bekämpfen soll.
Dabei ist geplant, bereits bestehende Elemente des Bayerischen Rundfunks – beispielsweise die Veranstaltungsreihe „Bavarian Open“ und ihre Download-Plattform „Bavarian Open Source“ – auszubauen.
Super! Kozerte, die es schon gibt, und Musik als Download, die man auch bei Kazaa Lite bekommt, und Beiträge als MP3, bei denen die Leute schon im Radio wegschalten! Brandneu und irre!
Auch bei den Wortinhalten setzt die Junge Welle auf die verlässliche Qualität des öffentlich-rechtlichen Rundfunks mit seinem weltweiten Korrespondenten-Netz und den zahlreichen Fachredakteuren und Spezialisten. Der journalistische Anspruch des Zündfunks wird auch in der Jungen Welle eine Heimat haben. Regionalität spielt dabei die Hauptrolle.
In meinem früheren Leben sagte man über geschasste Units wie den Zündfunk: Die neue Division wird ihre bewährte Arbeit fortsetzen. Blabla wird unserem Unternehmen auch weiterhin im lokalen Support beratend zur Seite stehen.
Das Team arbeitet mit zeitgemäßen und in der jungen Zielgruppe verbreiteten Elementen aus der Online-Welt wie Videoblogs und Podcasts.
Heisst: Wir haben keine Ahnung, aber wenn es die PR-Agenturen vorplappern, sagen wir das auch.
Das Angebot von jungen Menschen für junge Menschen soll beispielsweise auch über Beteiligungsformen wie „akustische Hörer-Tagebücher“ aus der Region zum Runterladen auf ein mp3-Gerät realisiert werden.
Oh, man wird also Podcastingblog-Plattform. Spannend. Wie 189.442.837 andere Anbieter. Aber wir in Bayern, wir packen das, gell?
Die Grundhaltung der Jungen Welle ist dabei immer: „Bayerisch, selbstbewusst, lebensfroh und nah“ – vier Attribute, die den Umgang mit den Themen und den Hörern on-air, off-air und online bestimmen.
Eigentlich könnte man jetzt aufhören zu lesen. Aber trinken wir es aus bis zur Neige.
Der lineare Programmablauf wird bei der Jungen Welle des Bayerischen Rundfunks bewusst aufgebrochen: Das Publikum ist teilweise selbst Sender und kann zum Beispiel einen Blick in den Audio-Speicher der Programmmacher werfen und online Inhalte vorhören, noch bevor sie von den Moderatoren im Radio ausgestrahlt werden.
Aha, teilweise selbst (!) Sender - also nicht jeder, sondern nur der, der den Machern genehm ist. Beiträge vorhören ist sowieso ein ganz grosses Thema und wird sich bei manchen Zündfunkern allergrösster Beliebtheit erfreuen - besonders der Spezies, die ihre Beiträge prinzipiell erst während der laufenden Sendung - ooops.
Die Junge Welle reagiert damit auf neue Nutzungsgewohnheiten junger Menschen.
Ich kenne mich ja ein bisschen aus in dem Thema, aber ehrlich gesagt kenne ich keinen, der unbedingt Beiträge vor der Ausstrahlung hören will. Vielleicht kenne ich auch nur die falschen "jungen Menschen". Oder man schliesst beim BR von der kleinen Schwester auf die Allgemeinheit.
Interaktivität, Nachhaltigkeit und die Realisation des Community-Gedankens bilden den multimedialen Kern der Jungen Welle.
Manche Zündfunker haben ein intensives Vorleben in der New Economy - man merkt es hier.
Über die klassischen programmbegleitenden Datendienste hinaus können die Hörer und Macher der neuen Welle auch auf Angebote anderer Fernseh- und Radiosendungen des BR zugreifen.
Irre. Jetzt muss man sie nur noch dazu bekommen, zuzugreifen. Ist ganz einfach, echt jetzt. Hauptsache, man hat die technische Lösung, der Nutzer kommt von selbst. War schon immer so bei allen Pleitefirmen des Nemax.
Mit diesem Angebot realisieren wir systematisch eine enge, programmübergreifende Vernetzung“, sagt Hörfunkdirektor Johannes Grotzky. „Professioneller Journalismus auf Augenhöhe mit jungen Hörern, Authentizität in der Präsentation und Vielfalt in der Musikauswahl sind die Wege, mit denen wir junge Menschen für ein anspruchsvolles Programm begeistern können und wollen.“
Das mit dem "können" "wollen" wir sehen. Dazu gehört mehr als das aktuelle IT-New-Media Buzzword Bullshit Bingo.
Die Hörer von Bayern2Radio werden auch nach einem Start der Jungen Welle nicht auf ein breites Angebot aus dem Bereich der „Popkultur“ verzichten müssen. Der Teil der journalistischen und musikalischen Kompetenz des Zündfunks, der ein Publikum jenseits der „30“ erreicht, soll wie bisher ein Bestandteil des Programms Bayern2Radio bleiben.
Übersetzt: Zündfunk ist tot, die Mitarbeiter dürfen sich in einem neuen Umfeld abstrampeln, gegen das Bayern2Radio inclusive Kirchenfunk und bayerische Chöre eine prima Sache war, und auf echtem UKW-Radio bleiben ein paar von den Zündfunkern, die mutmasslich für die Jugendwelle zu alt sind. Das ganze, ohne dass es expressis Verbis gedagt wird, nicht auf UKW, sondern DAB.
Liebe Zündfunker, Unterstützer, Freund und Feind: Ich hätte vielleicht auch Mitleid. Schliesslich ist das seit heute bekannt, und wenn die wirklich so cool und kritisch wären, hätten sie heute das Programm gekippt und sich selbst thematisiert. Rebelliert. Angegriffen, sich gewehrt. Ich weiss, dass viele das so richtig scheisse finden, wenn sie nicht total gebrainwashed wurden. Aber sie sind erwartungsgemäss nicht aufgestanden, die haben es einfach nicht getan, obwohl das Mikro offen war. Kinderstress, Informationsfreiheit, Musik, denen geht´s prima. Klingt zumindest so. Und nachdem alle weiterarbeiten wollen, halten sie offiziell die Klappe.
He Zündfunker, Ihr seid keine Rebellen, und Ihr habt keinen Markt. Nächstes Jahr treffen wir uns wieder - hier im Netz. Ohne Radiomonopol, ohne Netzwerke, ohne Hilfestellungen. It´s a brand new world - aber mit der Denke des neuen Senders ist es ein verdammt lebensfeindliches Umfeld.
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Zündfunk, von Bayern 3, aus der Multimedia-Redaktion und des Bayerischen Fernsehens haben in vier Arbeitsgruppen für Musik, Wort, Multimedia und Marketing Ideen gesammelt, Visionen entworfen und zu einem stimmigen Vorschlag zusammengeführt.
Oh Gott. Bayern Brei plus ein die Macher einer wirklich grottigen Site plus dem linientreuen Staatsfernsehen plus Zündfunk oder was dabei herauskommt, wenn man eine schleimige Tiefseequalle, einen Regenwurm, einen Lemming und eine brennende Motte kreuzt. Und das soll stimmig sein? Na dann.
Ihre Aufgabe dabei: Eine junge Zielgruppe an den Bayerischen Rundfunk zu binden, die sich bislang nur zum Teil von den bestehenden Angeboten angesprochen fühlt und in ihrer aktuellen Mediennutzung auf Radio in der traditionellen Form immer mehr verzichtet.
Warum nicht zu Beginn mal was Leichteres, wie, sagen wir mal, die kalte Kernfusion oder die Weltrevolution? Ist ja schön, wenn sie begreifen, dass sich viele aus dem Radio ausklinken, aber das sind doch genau die Leute, die bislang die Zielgruppe vergrault haben, mit dröger Glotze, dummen Festplattenschleim, kranke Navi und leeres Geschwafel.
Im Blick haben die Macher ein aufgeschlossenes aktives Publikum bis 30 Jahre, das sich durch ein breites Musikinteresse auch außerhalb des Mainstream auszeichnet und an der bayerischen Kulturszene interessiert ist.
Aufgeschlossen passt nicht zu Vernagelt a la BR. Wer aufgeschlossen ist, braucht keine Radiokrücke mehr.
Aktuelle Popmusik mit Einflüssen aus Rock, Black und Elektronik bilden das musikalische Grundgerüst. Wesentlicher Bestandteil ist die breite Förderung junger, unbekannter Musiker vor allem aus Bayern und Deutschland, die gleichberechtigt neben bekannten Stars zu hören sein sollen.
Doitsch und Hinterwaldqoute neben Robiiiieeee und Madonah-ah-ah, prima, da fahren alle Zielgruppen voll drauf ab. Die Mainstreamzielgruppe hat doch schon Bayern Brei, und ähnlich positionierte Jugendwellen haben gerade das Problem, das der neue Laden bekämpfen soll.
Dabei ist geplant, bereits bestehende Elemente des Bayerischen Rundfunks – beispielsweise die Veranstaltungsreihe „Bavarian Open“ und ihre Download-Plattform „Bavarian Open Source“ – auszubauen.
Super! Kozerte, die es schon gibt, und Musik als Download, die man auch bei Kazaa Lite bekommt, und Beiträge als MP3, bei denen die Leute schon im Radio wegschalten! Brandneu und irre!
Auch bei den Wortinhalten setzt die Junge Welle auf die verlässliche Qualität des öffentlich-rechtlichen Rundfunks mit seinem weltweiten Korrespondenten-Netz und den zahlreichen Fachredakteuren und Spezialisten. Der journalistische Anspruch des Zündfunks wird auch in der Jungen Welle eine Heimat haben. Regionalität spielt dabei die Hauptrolle.
In meinem früheren Leben sagte man über geschasste Units wie den Zündfunk: Die neue Division wird ihre bewährte Arbeit fortsetzen. Blabla wird unserem Unternehmen auch weiterhin im lokalen Support beratend zur Seite stehen.
Das Team arbeitet mit zeitgemäßen und in der jungen Zielgruppe verbreiteten Elementen aus der Online-Welt wie Videoblogs und Podcasts.
Heisst: Wir haben keine Ahnung, aber wenn es die PR-Agenturen vorplappern, sagen wir das auch.
Das Angebot von jungen Menschen für junge Menschen soll beispielsweise auch über Beteiligungsformen wie „akustische Hörer-Tagebücher“ aus der Region zum Runterladen auf ein mp3-Gerät realisiert werden.
Oh, man wird also Podcastingblog-Plattform. Spannend. Wie 189.442.837 andere Anbieter. Aber wir in Bayern, wir packen das, gell?
Die Grundhaltung der Jungen Welle ist dabei immer: „Bayerisch, selbstbewusst, lebensfroh und nah“ – vier Attribute, die den Umgang mit den Themen und den Hörern on-air, off-air und online bestimmen.
Eigentlich könnte man jetzt aufhören zu lesen. Aber trinken wir es aus bis zur Neige.
Der lineare Programmablauf wird bei der Jungen Welle des Bayerischen Rundfunks bewusst aufgebrochen: Das Publikum ist teilweise selbst Sender und kann zum Beispiel einen Blick in den Audio-Speicher der Programmmacher werfen und online Inhalte vorhören, noch bevor sie von den Moderatoren im Radio ausgestrahlt werden.
Aha, teilweise selbst (!) Sender - also nicht jeder, sondern nur der, der den Machern genehm ist. Beiträge vorhören ist sowieso ein ganz grosses Thema und wird sich bei manchen Zündfunkern allergrösster Beliebtheit erfreuen - besonders der Spezies, die ihre Beiträge prinzipiell erst während der laufenden Sendung - ooops.
Die Junge Welle reagiert damit auf neue Nutzungsgewohnheiten junger Menschen.
Ich kenne mich ja ein bisschen aus in dem Thema, aber ehrlich gesagt kenne ich keinen, der unbedingt Beiträge vor der Ausstrahlung hören will. Vielleicht kenne ich auch nur die falschen "jungen Menschen". Oder man schliesst beim BR von der kleinen Schwester auf die Allgemeinheit.
Interaktivität, Nachhaltigkeit und die Realisation des Community-Gedankens bilden den multimedialen Kern der Jungen Welle.
Manche Zündfunker haben ein intensives Vorleben in der New Economy - man merkt es hier.
Über die klassischen programmbegleitenden Datendienste hinaus können die Hörer und Macher der neuen Welle auch auf Angebote anderer Fernseh- und Radiosendungen des BR zugreifen.
Irre. Jetzt muss man sie nur noch dazu bekommen, zuzugreifen. Ist ganz einfach, echt jetzt. Hauptsache, man hat die technische Lösung, der Nutzer kommt von selbst. War schon immer so bei allen Pleitefirmen des Nemax.
Mit diesem Angebot realisieren wir systematisch eine enge, programmübergreifende Vernetzung“, sagt Hörfunkdirektor Johannes Grotzky. „Professioneller Journalismus auf Augenhöhe mit jungen Hörern, Authentizität in der Präsentation und Vielfalt in der Musikauswahl sind die Wege, mit denen wir junge Menschen für ein anspruchsvolles Programm begeistern können und wollen.“
Das mit dem "können" "wollen" wir sehen. Dazu gehört mehr als das aktuelle IT-New-Media Buzzword Bullshit Bingo.
Die Hörer von Bayern2Radio werden auch nach einem Start der Jungen Welle nicht auf ein breites Angebot aus dem Bereich der „Popkultur“ verzichten müssen. Der Teil der journalistischen und musikalischen Kompetenz des Zündfunks, der ein Publikum jenseits der „30“ erreicht, soll wie bisher ein Bestandteil des Programms Bayern2Radio bleiben.
Übersetzt: Zündfunk ist tot, die Mitarbeiter dürfen sich in einem neuen Umfeld abstrampeln, gegen das Bayern2Radio inclusive Kirchenfunk und bayerische Chöre eine prima Sache war, und auf echtem UKW-Radio bleiben ein paar von den Zündfunkern, die mutmasslich für die Jugendwelle zu alt sind. Das ganze, ohne dass es expressis Verbis gedagt wird, nicht auf UKW, sondern DAB.
Liebe Zündfunker, Unterstützer, Freund und Feind: Ich hätte vielleicht auch Mitleid. Schliesslich ist das seit heute bekannt, und wenn die wirklich so cool und kritisch wären, hätten sie heute das Programm gekippt und sich selbst thematisiert. Rebelliert. Angegriffen, sich gewehrt. Ich weiss, dass viele das so richtig scheisse finden, wenn sie nicht total gebrainwashed wurden. Aber sie sind erwartungsgemäss nicht aufgestanden, die haben es einfach nicht getan, obwohl das Mikro offen war. Kinderstress, Informationsfreiheit, Musik, denen geht´s prima. Klingt zumindest so. Und nachdem alle weiterarbeiten wollen, halten sie offiziell die Klappe.
He Zündfunker, Ihr seid keine Rebellen, und Ihr habt keinen Markt. Nächstes Jahr treffen wir uns wieder - hier im Netz. Ohne Radiomonopol, ohne Netzwerke, ohne Hilfestellungen. It´s a brand new world - aber mit der Denke des neuen Senders ist es ein verdammt lebensfeindliches Umfeld.
donalphons, 21:59h
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Popetown, die Kirche, ihre CSU und deren Strategie
Viel Spott haben derzeit einige Autoren für das Geschrei der CSU und der katholischen Kirche im Fall "Popetown" übrig. Thomas Knüwers Meinung steht hier für viele andere, die glauben, die CSU würde damit erst die Serie gross machen. Das mag von Nichtbayern aus betrachtet stimmen. Aus bayerischer Sicht und mit etwas Kenntnis der "innenpolitischen" Lage muss man aber der CSU ein ausgesprochen intelligentes Vorgehen zugestehen.
Denn die CSU spielt mit der Kirche perfekte Doppelpässe. Der Popetownskandal ist mit dem leicht zeitversetzten Aufschrei von Kirche und Staatspartei hervorragend abgestimmt, und MTV kommt ausgesprochen schlecht weg. Die Kirche, hier das mit der CSU eng verzahnte Erzbistum München/Freising, legt mit Erklärungen und einer Unterlassungsverpflichtungserklärung gegen MTV inhaltlich vor, und jede folgende Abwehr wird von der CSU mit rechtlichen Konsequenzen angegangen. Dass MTV seine Werbung zurückzieht und jetzt nur eine Folge der Serie zeigt, ist das Ergebnis einer skrupellos eingesetzten Angriffsmaschinerie, deren Motto ist: Unterwirf Dich der Kirche, oder der Staat kommt mit den Folterwerkzeugen.
Neu ist das nicht, die Inquisition und ihre staatlichen Büttel verfuhren genauso. Während also ein Haufen von engagierten Christen über Weikersheimer Rechtsradikalen bis Neonazis (siehe die bei Myblog.de gehosteten und von deren Webmaster auch bei klaren Rechtsverstössen unbehelligten braunen Blogs) gegen die Ausstrahlung mobil machen, gegen die nach Gesetzeslage nichts einzuwenden ist, schraubt die CSU im Hintergrund an Reformen, die solche öffentlichen Meinungen später gesetzlich oder sonstwie mit Mitteln der Obrigkeit ausschliessen sollen. Bayern hat über die BLM mit der Lizenz für 9live zwar das Tor zur Spielhölle aufgeschlossen, aber Kritik am Papst und Institutionen der katholischen Kirche soll mit dem Entzug der Lizenz bestraft werden - fordern nicht nue Hinterbänkler.
Dabei ist es hochspannend zu sehen, wer sich da an die Front wirft. Neben Ede dem Geknickten, der endlich mal wieder Schlagzeilen machen darf, sind es die konservativen Granden der CSU, die Stimmung machen: Söder und Hermann stehen mit Verbalgewalt und Anzeigen an vorderster Front, dazu läuft auch noch Vertriebenenchefin Steinbach auf. Und wie schon 1998 wird der Versuch gemacht, den §166 StGB Gotteslästerung auch auf irdische Einrichtungen der Religionen auszuweiten.
Das zeigt vor allem zwei Dinge: Einerseits weiss die CSU, dass Popetown nur einzelne weltliche Aspekte der Kirche - sanft - angreift. Popetown ist nichts gegen Panizzas Liebeskonzil, um auf einen 112 jahre alten Fall zu verweisen. Dass manche Päpste sozialauffälliges Verhalten an den Tag legten, gegen die die Kindereien in Popetown banal sind, weiss man auch ohne Blick in Marx´Kirchengeschichte. Und über die Darstellung korrupter Kardinäle braucht man sich nicht wundern, wenn man weiss, dass der Vatikanstaat einen italienischen Haftbefehl wegen Mafiaverbindungen gegen den Leiter der Vatikanbank Kardinal Marcinkus ignoriert hat. Gottes- oder Anschauungslästerung wird man in der Serie kaum finden, im Gegenteil, auch die positiven Helden sind Kirchenvertreter. Das ist dann auch der grosse Unterschied zum Konflikt um die Mohammed-Karikaturen, die nicht einzelne Vertreter, sondern den Islam allgemein aufs Korn nahmen. Die CSU weiss also, was sie tut: Es geht nicht um den Glauben, es geht um die knallharte Unterstützung des hiesigen Bodenpersonals.
Zum anderen schweigen auch manche Leute. Erwin Huber etwa, der MTV nach München geholt hatte. Der kann jetzt schlecht lospoltern, sonst sieht es nicht gut aus bei weiteren Gesprächen für Medienansiedlungen in München. Solche Einflussnahmen sind Gift für Medien, die mitunter solche Krawalle brauchen, ohne dass dauernd ein keifender Anstandswauwau angezockelt kommt. Auch von Seehofer hört man nichts. Das ist insofern von Bedeutung, als in Bayern längst über die Ablösung von Stoiber nachgedacht wird. Das Rennen dürfte zwischen dem christlistischen Fraktionschef Hermann, der für die alte CSU steht, und dem beim Wahlvolk beliebten Reformer Seehofer laufen. Hermann hat mit seiner - sinnlosen - Anzeige gegen MTV und Popetown schon mal ein paar Nägel bei der Stammwählerschaft eingeschlagen. Dass man Hermann deshalb in Köln, Berlin und Hamburg für einen knierutschenden Vatikanzögling hält, spielt keine Rolle, denn Hermann muss nur in Bayern gewinnen. Und da hilft das Geschrei aus dem Norden mehr, als es schadet.
Und MTV? Zieht tatsächlich den Schwanz vor der schwarzen Kampagne ein. Nur eine Folge dieser harmlosen Serie wird laufen. So macht man das. Die CSU. Die kann das. Zusammen mit der Kirche. Man hat die Schulkreuze verteidigt, man wird auch mit so ein paar renitenten Amis in Berlin fertig. Tun sie auch. Weil auf der anderen Seite feige Medien sitzen, die in solchen Fällen kuschen. MTV ist halt auch nur eine Geldmaschine, und hat mit Aufklärung so viel zu tun wie jeder andere Renegat, der des Geldes wegen zu Kreuze kriecht.
Denn die CSU spielt mit der Kirche perfekte Doppelpässe. Der Popetownskandal ist mit dem leicht zeitversetzten Aufschrei von Kirche und Staatspartei hervorragend abgestimmt, und MTV kommt ausgesprochen schlecht weg. Die Kirche, hier das mit der CSU eng verzahnte Erzbistum München/Freising, legt mit Erklärungen und einer Unterlassungsverpflichtungserklärung gegen MTV inhaltlich vor, und jede folgende Abwehr wird von der CSU mit rechtlichen Konsequenzen angegangen. Dass MTV seine Werbung zurückzieht und jetzt nur eine Folge der Serie zeigt, ist das Ergebnis einer skrupellos eingesetzten Angriffsmaschinerie, deren Motto ist: Unterwirf Dich der Kirche, oder der Staat kommt mit den Folterwerkzeugen.
Neu ist das nicht, die Inquisition und ihre staatlichen Büttel verfuhren genauso. Während also ein Haufen von engagierten Christen über Weikersheimer Rechtsradikalen bis Neonazis (siehe die bei Myblog.de gehosteten und von deren Webmaster auch bei klaren Rechtsverstössen unbehelligten braunen Blogs) gegen die Ausstrahlung mobil machen, gegen die nach Gesetzeslage nichts einzuwenden ist, schraubt die CSU im Hintergrund an Reformen, die solche öffentlichen Meinungen später gesetzlich oder sonstwie mit Mitteln der Obrigkeit ausschliessen sollen. Bayern hat über die BLM mit der Lizenz für 9live zwar das Tor zur Spielhölle aufgeschlossen, aber Kritik am Papst und Institutionen der katholischen Kirche soll mit dem Entzug der Lizenz bestraft werden - fordern nicht nue Hinterbänkler.
Dabei ist es hochspannend zu sehen, wer sich da an die Front wirft. Neben Ede dem Geknickten, der endlich mal wieder Schlagzeilen machen darf, sind es die konservativen Granden der CSU, die Stimmung machen: Söder und Hermann stehen mit Verbalgewalt und Anzeigen an vorderster Front, dazu läuft auch noch Vertriebenenchefin Steinbach auf. Und wie schon 1998 wird der Versuch gemacht, den §166 StGB Gotteslästerung auch auf irdische Einrichtungen der Religionen auszuweiten.
Das zeigt vor allem zwei Dinge: Einerseits weiss die CSU, dass Popetown nur einzelne weltliche Aspekte der Kirche - sanft - angreift. Popetown ist nichts gegen Panizzas Liebeskonzil, um auf einen 112 jahre alten Fall zu verweisen. Dass manche Päpste sozialauffälliges Verhalten an den Tag legten, gegen die die Kindereien in Popetown banal sind, weiss man auch ohne Blick in Marx´Kirchengeschichte. Und über die Darstellung korrupter Kardinäle braucht man sich nicht wundern, wenn man weiss, dass der Vatikanstaat einen italienischen Haftbefehl wegen Mafiaverbindungen gegen den Leiter der Vatikanbank Kardinal Marcinkus ignoriert hat. Gottes- oder Anschauungslästerung wird man in der Serie kaum finden, im Gegenteil, auch die positiven Helden sind Kirchenvertreter. Das ist dann auch der grosse Unterschied zum Konflikt um die Mohammed-Karikaturen, die nicht einzelne Vertreter, sondern den Islam allgemein aufs Korn nahmen. Die CSU weiss also, was sie tut: Es geht nicht um den Glauben, es geht um die knallharte Unterstützung des hiesigen Bodenpersonals.
Zum anderen schweigen auch manche Leute. Erwin Huber etwa, der MTV nach München geholt hatte. Der kann jetzt schlecht lospoltern, sonst sieht es nicht gut aus bei weiteren Gesprächen für Medienansiedlungen in München. Solche Einflussnahmen sind Gift für Medien, die mitunter solche Krawalle brauchen, ohne dass dauernd ein keifender Anstandswauwau angezockelt kommt. Auch von Seehofer hört man nichts. Das ist insofern von Bedeutung, als in Bayern längst über die Ablösung von Stoiber nachgedacht wird. Das Rennen dürfte zwischen dem christlistischen Fraktionschef Hermann, der für die alte CSU steht, und dem beim Wahlvolk beliebten Reformer Seehofer laufen. Hermann hat mit seiner - sinnlosen - Anzeige gegen MTV und Popetown schon mal ein paar Nägel bei der Stammwählerschaft eingeschlagen. Dass man Hermann deshalb in Köln, Berlin und Hamburg für einen knierutschenden Vatikanzögling hält, spielt keine Rolle, denn Hermann muss nur in Bayern gewinnen. Und da hilft das Geschrei aus dem Norden mehr, als es schadet.
Und MTV? Zieht tatsächlich den Schwanz vor der schwarzen Kampagne ein. Nur eine Folge dieser harmlosen Serie wird laufen. So macht man das. Die CSU. Die kann das. Zusammen mit der Kirche. Man hat die Schulkreuze verteidigt, man wird auch mit so ein paar renitenten Amis in Berlin fertig. Tun sie auch. Weil auf der anderen Seite feige Medien sitzen, die in solchen Fällen kuschen. MTV ist halt auch nur eine Geldmaschine, und hat mit Aufklärung so viel zu tun wie jeder andere Renegat, der des Geldes wegen zu Kreuze kriecht.
donalphons, 15:05h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Mittwoch, 26. April 2006
Dies illa
Für Allergiker wie mich ist es die lang ersehnte Rettung von allem Übel, es verheisst, dass man bald wieder atmen kann.

Und für alle anderen ist es - hoffentlich - ein grandioser Anblick. Es sind nur 15 Meter über der Stadt, aber nirgends wirkt das Unwetter näher als oben auf der Dachterasse.

Und für alle anderen ist es - hoffentlich - ein grandioser Anblick. Es sind nur 15 Meter über der Stadt, aber nirgends wirkt das Unwetter näher als oben auf der Dachterasse.
donalphons, 19:52h
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Sehr zu empfehlen - Regale füllen
Ich habe sie nicht gezählt. Am Ende, so gegen 3 Uhr, war ich zu müde. Ich wollte nur noch kochen (Semmelknödel mit Austernpilzen in Rahmsosse), die selbigen essen und schlafen. Es sind geschätzt 1.300 auf ungefähr 15 Meter Regalen. Und ganz hinten, hinter dem Lesesessel, gibt es jetzt auch eine versteckte Ecke für Bücher, die ich nicht sehen will, weil sie abartig schlecht sind, aber ich kann sie nicht wegwerfen. Jedes erzählt zudem eine ganz eigene Geschichte des Hasses, die mich bei der Präsentation oder dem Lesen überkam, und das sind bekanntlich nicht die schlechtesten Geschichten.

Wie auch immer: Der Zeitplan, in dem bei "Bücher einräumen" 6 Stunden veranschlagt wurden, liess sich nicht halten. 2 Tage mit einer langen Nachtschicht hat es gedauert, und man hätte manches besser machen können. Vielleicht in den nächsten Tagen, wenn ich genig habe vom Lack und vom Besen, gehe ich hinüber und sortiere den Waugh in das richtige Regal und füge den Roth wieder zusammen. Den Dostojewski habe ich zerissen, und zu oft steht noch Photographie neben Architektur. Überhaupt, das Mittelalter ist zerstreut und grässlich von Malerei durchdrungen. Da geht also noch einiges. Immerhin ist die Ausleuchtung mit vier Lampen ausreichend - merke: Mit gelblichen Schirmen oder in Messinglampen sind auch Energiesparlampen mit freundlichem Licht gesegnet.

Wie auch immer: Der Zeitplan, in dem bei "Bücher einräumen" 6 Stunden veranschlagt wurden, liess sich nicht halten. 2 Tage mit einer langen Nachtschicht hat es gedauert, und man hätte manches besser machen können. Vielleicht in den nächsten Tagen, wenn ich genig habe vom Lack und vom Besen, gehe ich hinüber und sortiere den Waugh in das richtige Regal und füge den Roth wieder zusammen. Den Dostojewski habe ich zerissen, und zu oft steht noch Photographie neben Architektur. Überhaupt, das Mittelalter ist zerstreut und grässlich von Malerei durchdrungen. Da geht also noch einiges. Immerhin ist die Ausleuchtung mit vier Lampen ausreichend - merke: Mit gelblichen Schirmen oder in Messinglampen sind auch Energiesparlampen mit freundlichem Licht gesegnet.
donalphons, 14:08h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Dienstag, 25. April 2006
Amsel nochmal
heute etwas früher, ohne Elitesse

aber dafür mit Wolken. Man nennt das einen Donauschulenhimmel. Die Donauschule, mit Albrecht Altdorfer als bekannestem Vertreter, malte in der deutschen Renaissance im 16. Jahrhundert diese Himmel. Wenn man die Gemälde sieht, mag man es kaum glauben, aber doch, manchmal sieht der Himmel hier so aus.

aber dafür mit Wolken. Man nennt das einen Donauschulenhimmel. Die Donauschule, mit Albrecht Altdorfer als bekannestem Vertreter, malte in der deutschen Renaissance im 16. Jahrhundert diese Himmel. Wenn man die Gemälde sieht, mag man es kaum glauben, aber doch, manchmal sieht der Himmel hier so aus.
donalphons, 22:32h
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Liebe Verleger, darf ich mal kurz stören?
Was, werdet ihr sagen, will denn der von uns? Einen Verlag hat er doch, vielleicht will er uns was andrehen, wer weiss, junge Autoren haben heute ja die komischsten Ideen, sogar mit diesem Internet da, und dann setzt ihr einen ablehnenden Gesichtsausdruck auf und legt Euch zurecht, dass ihr nur was von Leipziger Absolventen mit FAZ-Garantie druckt, oder zumindest was mit Beziehung zum Zündfunk.
Aber darum geht es mir nicht. Nicht als Autor stehe ichunter vor Euch, sondern als Käufer. Als ein Käufer, der Eure Produkte gern im Liegestuhl auf der Dachterasse lesen würde. Ich habe ja keinen Fernseher und bin leidenschaftlicher Bücherfresser, im Jahr kaufe/bekomme ich sicher über 100 Stück, von der Belletristik über Sphragistik und Buchillumination bishin zu den grossen Katalogen meiner alten Zunft, durchmischt mit antiquarischen Erwerbungen. Gerade heute wäre ein wunderbarer Tag... aber was tue ich, ihr lieben Verleger? Hä? Na was? ich will Euch sagen, was ich tue: Ich sitze im Zimmer und fluche, wegen Euch versiffter, dreckiger Verlegermafia!
Nein, es geht nicht um die nächste lektoratsgefickte Debutantennutte, deren Rezi ich schreiben muss. Ich muss Eure Produkte einordnen. Ich bin ja kein Proll und stelle meine 30 Bücher strategisch in Billys auf, damit es nach mehr aussieht. Ich habe hier noch etwa 1.000 Bücher rumliegen, von Mühsams Lyrik bis zum Druckwerk der Familie Carracci in 1:1. Dass die unterschiedlich gross sind, verstehe ich, aber warum, frage ich Euch Ausgeburten der Papierhölle, warum um alles in der Welt bekommt Ihr bei normalen Büchern keine normalen Formate hin?

Ich besitze ca. 600 Bücher, die älter als 100 Jahre sind. Sie einzuordnen ist kein Problem, die venezianische Aldine von 1542 passt neben die bayerische Religio Prudentis von 1727 und die wiederum neben Tucholskys Pyrenäenbuch von 1932. Alle haben ungefähr das gleiche Längen/Breitenverhältnis, und alle haben stumpfe, angenehme Farben, seien sie nun in Leder, Halbleder, Pergament oder noch unaufgeschnitten. Es ist eine Freude, sie einzuordnen, sie ergänzen sich in Farbe und Grösse und ergeben die schönste Wand der Welt.
Aber Eure moderne Scheisse, mit Verlaub, ist eine echte Qual. Grauenvoll bunt, als ginge es darum, zu einer DVD-Sammlung zu passen. Bei der Tiefe ist vom schmalen Grischperl bis zum breiten Quadrat wirklich alles dabei. Eine einheitliche Linie ist nicht mal innerhalb eines Verlages, noch nicht mal bei einer Taschenbuchreihe möglich. Mal ehrlich, Leute: Was soll das? Was sollen diese Scheissriesenphotos auf dem Cover? Wieso sind die sogar unter dem Schutzumschlag? He? Macht Ihr Euch auch mal Gedanken um die, die die Hauptkäufer Eurer Produkte sind? Die Bücher bewahren und nicht gleich auf den Müll kippen? Die eine Bibliothek füllen wollen und nicht sinnvoll sortieren und ordnen können, weil sonst der kostbare Platz verschwendet wird.
Macht jeweils 2 Grössen für Taschenbücher und Hardcover. Spart bei der Tiefe. Dann habe ich einen ruhigen Vormittag beim Sortieren, das Staubwischen ist schnell geschehen, und ich kann weitere Bücher kaufen. Aber sowas wie heute: Geht gar nicht.
Aber darum geht es mir nicht. Nicht als Autor stehe ich
Nein, es geht nicht um die nächste lektoratsgefickte Debutantennutte, deren Rezi ich schreiben muss. Ich muss Eure Produkte einordnen. Ich bin ja kein Proll und stelle meine 30 Bücher strategisch in Billys auf, damit es nach mehr aussieht. Ich habe hier noch etwa 1.000 Bücher rumliegen, von Mühsams Lyrik bis zum Druckwerk der Familie Carracci in 1:1. Dass die unterschiedlich gross sind, verstehe ich, aber warum, frage ich Euch Ausgeburten der Papierhölle, warum um alles in der Welt bekommt Ihr bei normalen Büchern keine normalen Formate hin?

Ich besitze ca. 600 Bücher, die älter als 100 Jahre sind. Sie einzuordnen ist kein Problem, die venezianische Aldine von 1542 passt neben die bayerische Religio Prudentis von 1727 und die wiederum neben Tucholskys Pyrenäenbuch von 1932. Alle haben ungefähr das gleiche Längen/Breitenverhältnis, und alle haben stumpfe, angenehme Farben, seien sie nun in Leder, Halbleder, Pergament oder noch unaufgeschnitten. Es ist eine Freude, sie einzuordnen, sie ergänzen sich in Farbe und Grösse und ergeben die schönste Wand der Welt.
Aber Eure moderne Scheisse, mit Verlaub, ist eine echte Qual. Grauenvoll bunt, als ginge es darum, zu einer DVD-Sammlung zu passen. Bei der Tiefe ist vom schmalen Grischperl bis zum breiten Quadrat wirklich alles dabei. Eine einheitliche Linie ist nicht mal innerhalb eines Verlages, noch nicht mal bei einer Taschenbuchreihe möglich. Mal ehrlich, Leute: Was soll das? Was sollen diese Scheissriesenphotos auf dem Cover? Wieso sind die sogar unter dem Schutzumschlag? He? Macht Ihr Euch auch mal Gedanken um die, die die Hauptkäufer Eurer Produkte sind? Die Bücher bewahren und nicht gleich auf den Müll kippen? Die eine Bibliothek füllen wollen und nicht sinnvoll sortieren und ordnen können, weil sonst der kostbare Platz verschwendet wird.
Macht jeweils 2 Grössen für Taschenbücher und Hardcover. Spart bei der Tiefe. Dann habe ich einen ruhigen Vormittag beim Sortieren, das Staubwischen ist schnell geschehen, und ich kann weitere Bücher kaufen. Aber sowas wie heute: Geht gar nicht.
donalphons, 17:30h
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Statistiken, richtig herum gelesen
Ach, so schaut´s aus - Deutsche Mütter, früher die strammen Kanonenfutterwerferinnen für morgen die Ganze Welt jawoll, sind faule Schlampen, die zu wenig Zeit mit den Drecksblagen verbringen. Nur 2 Stunden 18 Minuten am Tag. Das kommt sicher auch davon, dass man das Mutterkreuz abgeschafft hat.
Aber hallo: Kommt denn da keiner auf die Idee, dass deutsche Kinder einfach keinen Bock auf Mutters Gelaber, Gehirnwäsche und Nachhilfe haben und alles versuchen, die Zeit mit ihr auf 2 Stunden 18 Minuten zu begrenzen? Schliesslich gibt es heute Handy, iPod und hausgemachte Pornovideos, die man bei Youtube online stellen kann! That´s Entertainment! Wenn ich an meine Kindheit zwischen Ferienschule und Anstandsunterreicht denke, scheint das eine logische Erklärung zu sein.
Aber hallo: Kommt denn da keiner auf die Idee, dass deutsche Kinder einfach keinen Bock auf Mutters Gelaber, Gehirnwäsche und Nachhilfe haben und alles versuchen, die Zeit mit ihr auf 2 Stunden 18 Minuten zu begrenzen? Schliesslich gibt es heute Handy, iPod und hausgemachte Pornovideos, die man bei Youtube online stellen kann! That´s Entertainment! Wenn ich an meine Kindheit zwischen Ferienschule und Anstandsunterreicht denke, scheint das eine logische Erklärung zu sein.
donalphons, 13:20h
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