Donnerstag, 1. Juni 2006
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Kränker als krank
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Aus News Frankfurt wird Business News
- Es gab die für das Projekt anvisierte Zielgruppe nicht
- Es bringt nichts, wenn man die bekannten Titel des eigenen Hauses kannibalisiert
- Auch ein Schleuderpreis von 50 cent ist kein zwingender Kaufanreiz
- Für publizistischen Printramsch ist es schwer, Anzeigenkunden zu finden
- Die Inhaltebeschaffung über Klau bei Blogs lohnt sich nicht
- Die Auflage war unter aller Sau
- ganz im Gegensatz zur Konkurrenz, der man das Wasser abgraben wollte
- Das Vertriebssystem, das sich auf Blöde stützen sollte, die vom Zeitungsjungen zum Redakteur werden wollten, ging nicht auf
- Nur das Beschäftigen von Billigjournaille unter Tarif, das hat funktioniert, weil es genug Verzweifelte gibt
Eigentlich sollte man jetzt erwarten, dass der Holtzbrinck-Konzern, dem all das mit seiner Billig-Tabloid-Zeitung "News Frankfurt" passiert ist, jetzt das tut, was die eigene neoliberale Hauspresse wie Wirtschaftswoche oder Handelsblatt in den Kommentaren raten würde: Ein umfassendes Gemetzel unter denen, die es verbrochen haben. Da kann der Laden noch so sehr von wertvollen Erkenntnissen reden, die Grunderkenntnis lautet, dass die Idee vom ersten Moment an völlig idiotisch war und das Ergebnis so miserabel geworden ist, wie es bei New Economy Dropouts häufig ist. Es ist ja nicht so, dass die grundlos auf die Fresse gefallen sind. Und immer wegen dem gleichen Grundproblem: Es sind Rebellen ohne Markt. Sie wollen etwas Neues, haben aber keinen Peil von dem, was da kommen wird und was gekauft wird.
Nun könnte man sagen, dass Holtzbrinck die paar Millionen Verluste schon verschmerzen kann, denn Frankfurt war ein Markt, in dem man bis dahin als Lokalpresse nicht präsent war und gegen übermächtige Gegner keinen Ruf zu verlieren hatte. Also alles halb so schlimm, es ging ja um die Leserschaft der anderen. Man könnte jetzt sagen, auch ein Vollversager kriegt noch zwei Monate, bis man ihn stillschweigend entsorgt. War halt ein Versuch, war nicht gut, nächstes Spiel, neues Glück.
Aber dass Holtzbrinck mit "Business News" jetzt mit der Mannschaft, die es erwiesenermassen nicht geschafft hat, mit dem selben Macher an der Spitze nach Berlin geht, ausgerechnet in den insolventen Slum, um dort wieder eine 50-Cent-Ramschzeitung für Wirtschaft zu machen, diesmal aber das eigene Kernpublikum ins Visier nimmt, das Handelsblatt liest und gleichzeitig das Handelsblatt für die Ramschpostille inhaltlich ausnimmt, dass man diesen Schaden in Kauf nimmt, solange man der FTD Leser wegnimmt -
Das alles zeigt meines Erachtens, wie verzweifelt man im Hause Holtzbrinck an der Spitze sein muss. Natürlich muss man als Zeitung neue Wege finden, an die Leser und Nutzer zu kommen. Aber dass Ausbeutung, Dumping und Übernahmen noch nicht mal bei müden U-Bahn-Lesern Erfolg haben, hat man bei der News Frankfurt erlebt. Wie das bei einer jungen Zielgruppe mit Interesse an Wirtschaft gelingen soll, die sich sowieso ihre Informationen als Bröckcheninhalte schon längst im Netz holen kann, bleibt das süsse Geheimnis von Leuten, die vermutlich auch nicht wissen, wie man dafür Werbung akquirieren soll. Mal schaun, ob Holtzbrinck dem elenden Gewackel jetzt wieder 20 Monate wie bei News Frankfurt zuschaut.
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Dirt Picture Contest - Bei den Aufsteigern

Hinunter auf die Strasse also mit dem lila Sofa, das einen als billige Gelegenheit seit der Verbringung von Tante Erna ins Altersheim begleitete - man hatte damals ja nichts. Und hinweg auch mit der Schlafcouch, die Gäste sollen bitte ins Hotel, die sind alt genug und brauchen nicht am Morgen das Bad verstopfen. Und morgen geht es dann mit dem SUV in einen Möbelladen in Schöneberg, wo es jetzt tolle chinesische Hochzeitsschränke aus Polen gibt, und hübsche rote Kronleuchter aus Plastik. Endlich schön einrichten! Wenn nur nicht das viele Beige vor den Fenstern wäre, in Beigeberlin.
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Mittwoch, 31. Mai 2006
Schaut Euch das bitte an
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Nachts
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Zielgruppenspezifische Werbeumgebung für PR-Autoren

Ihr seid Blogger.
update: oder ihr seid opelvertreter kommt via wirres.net oder einer erbärmlichen werbewebseite. dann bedaure ich, aber ich habe leider keinen blogartikel zu verkaufen. und ich will auch eure gurkenhobel nicht fahren. ja, schade. sorry, aber für 1200 euro kriegt man halt nur eine rostmühle oder einen felix, wahlweise in ämsieärmlich oder piapiaster. aber wenn ihr schon mal da seid:
EURE AUTOS SIND SO HÄSSLICH WIE EUER MARKETING
Und das heisst was.
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Dienstag, 30. Mai 2006
Deutsch-türkische Tischsitten
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Dirt Picture Contest - Licht und Schatten

Wir sind hier in einer besseren Gegend, wo sich manche für besser halten. Genauer, am Helmholtzplatz. Dieser gehobenen Geisteshaltung ist es dann wohl auch zu verdanken, dass vor der Lampe ein Karton mit der Aufschrift "zu verschenken" steht und dieselbe nicht zwecks Zerkleinerung durch den anrollenden Verkehr quer auf der Strasse gelegt wurde.
Also, zumindest noch nicht gestern um halb eins.
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Die Brücke über den Abgrund zwischen den Sümpfen
Wer meine Blogs kennt, weiss, dass ich von Web 2.0 und vielen seiner Vertretern gar nichts halte. Typen wie Sixtus, Eck und Turi haben zwas so eine Klappe, wenn es um das Definieren der megageilen Zukunft geht, haben in der Realität aber so gut wie nichts vorzuweisen - es ist ja nicht so, dass ihre Web 2.0 Aktivitäten jetzt bombenmässig einschlagen würden. Wer sich deutsche Projekte wie Qype, Germanblogs oder Plazes anschaut, wird schnell den morastigen Boden der Tatsachen erkennen: Da geht nichts richtig vorwärts, oben wird vulgär Dampf geplaudert und unten blubbert es ein wenig im stehenden Wasser. Dass einer ihrer Kongresse in Berlin von einer Glücksspielfirma präsentiert wird - wo das eines der ältesten Geschäftsmodelle überhaupt, der Beschiss ist - spricht Bände. Unterstützt von VC-Gebern mit miserablem Track Record aus der New Economy.
Dabei gibt es durchaus Punkte, wo diese Leute recht haben. Die meisten sind durchaus in der Lage, die Veränderungen durch rückkanalfähige Netzwerkstrukturen zu erkennen, die Blogs mehr zufällig denn bewusst zu einem Parallelraum zu den herkömmlichen, vertikal und mit "Fences" abgegrenzten Medien bilden. Auch wenn man in der Interpretation vom Wachsen der Blogs und Schrumpfen der Medien die Zahlen sehr vorsichtig beurteilen muss, ist doch offensichtlich, dass etwas Neues entsteht, das völlig anders funktioniert als alles, was man die letzten 500 Jahre als Medium kannte.
Das sehen auch manche meiner Berufskollegen. Es gibt da grob gesagt drei Haltungen. Die einen sagen, es ist nur ein Modetrend und eine neue New Economy. Tatsächlich hat das Geschrei mancher das Potenzial, an unschöne Zeiten zu erinnern, und der Glaube, dass es Web 2.o mit Ajax, permanent Beta und user generated content schon schaffen wird, ist ausgesprochen naiv - so kann man eine Studentenbutze machen, aber keine Firma. An solche Extrembeispiele klammert sich aber der verstockte Teil der Johurnaille. Sie haben die erste Runde tatsächlich überstanden, was viele andere nicht überlebt haben, jetzt fühlen sie sich sicher. Spassigerweise argumentieren Web 2.0er und Totalverstockte bis auf die persönlichen Schlussfolgerungen weitgehend identisch: Die miese New Economy hat die Spreu vom Weizen getrennt, jetzt wissen wir, wie es wirklich geht, wir sind immer noch da, und heute ist wieder Geld im Internet, das wird super.
Die zweite Gruppe macht ihre Ablehnung an den Bloginhalten fest. Ist doch nichts, taugt nichts, ich hab da mal reingeschaut, was soll das denn bitte sein. Das ist keine Information und keine Nachricht, das brauchen die Leute aber, also wird man uns immer brauchen. Was diese Gruppe nicht erkennt, ist das kleine Problem, dass diese Theorie völlig am Blogger und seinen Lesern vorbei geht. Blogger und Leser wissen überhaupt nichts von der Wichtigkeit des Journalisten. Sie brauchen sicher Informationen, aber nicht aus eine Quelle und schon gar nicht von einem Journalisten. Und die ihnen unterstellte Belanglosigkeit bekommen sie noch nicht mal mit, weil sie nie auf die Kongresse gehen, wo ihre Texte leicht angewidert vorgelesen werden und dann die Frage kommt: Was soll das?
Die dritte Gruppe ist immerhin so weit, die Veränderung wahrzunehmen. Sie versucht, teilweise auch in Anlehnung an die Blogprojekte von Google und Microsoft, sich an die Spitze der Bewegung zu stellen und die Nutzer zu halten oder zu sich umzuleiten. Gleichzeitig wird mit einer Aufweichung der ohnehin schon matschigen Trennung der Formate, Sonderwerbeformen, Qualitätsabbau und Einsparungen experimentiert. Und diese meist jung-dynamische Klientel ist dann ganz entsetzt, wenn sie bei aller Medienmacht und Einbindung in redaktionelle Strukturen die keinen Fuss auf den Boden bekommt. Weil Bloggen etwas anderes ist als täglich eine hirnlose Bleiwüste von oben nach unten zu den Lesern zu fabrizieren.
Zwischen den beiden Positionen der Journalismus-Brontosaurier und den verstrahlten Web 2.0 Fehlentwicklungen ist ein Abgrund, den man vielleicht ermessen kann, wenn man die Reaktionen auf meine Person sieht: Für die Medienvertreter bin ich ein Spinner und Panikmacher, ein Krawallero, der wegen der paar komischen Blogs da glaubt, eine Bedrohung für die zu sehen, die schon immer da waren und immer da sein werden. Auf der anderen Seite sind die dummdreisten Schwätzer vom Web 2.0, die in mir einen reaktionären Tattergreis sehen, der sich immer noch an New Economy und am Verhältnis der Blogs zu den Medien abarbeitet. Ist doch alles durch, hey, here we go again, und es wäre wirklich nett, wenn ich mal das Maul halten könnte, weil es ja irgendwie scheisse ist, dass jemand mit so einer Meinung trotzdem gut laufende Blogs betreibt, besser jedenfalls als ihre finsteren Internetlöcher, wo sie Beschwörungsformeln murmeln.
Und ich stehe auf der schwankenden Brücke dazwischen und weiss auch nicht, wie lange sie hält. Was ich aber weiss ist, dass sie mir weitaus besser gefällt als der Sumpf auf den anderen Seiten. Weil ich mir sicher bin, dass es hüben wie drüben viele Verlierer geben wird, während unten im Abgrund ein ansteigender Strom gurgelt, von dem niemand weiss, was er in ein, zwei Jahren wirklich anrichtet.
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Montag, 29. Mai 2006
Dirt Picture Contest Professional

Hässliche beige Möbel landen in Designläden des LSD-Viertels und werden mutmasslich an zugezogene Schwaben verkauft. Ich kenne das Zeug. Das kann nur von der Strasse stammen. Jetzt ist nur noch zu klären, was mit den Kühlschränken geschieht. Solange sollte ichn vielleicht nicht mehr in Restaurants in Mitte essen, man kann ja nie wissen, wo Prenzldreckschweins Köters Pinkelwanne landet.
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Brescia - Berlin
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Treptow

Von da oben hat man sicher einen grandiosen Überblick, aber was man da sieht, lässt einen eher an das Vernageln der Fenster denken. Am Fuss der Türme hält sich ein Retortencafé, weiter südlich stemmt sich in Multiplex mit schalen Träumen in die Wohngegend, nebenan ist die verrottete Botschaft eines korrupten asiatischen Staates, und selbst der Hallenflohmarkt die Strasse runter wurde deutlich verkleinert. Bei horizontal ausgestreckten Flachbauten ist der begrenzte Rückbau nicht weiter schwer, aber bei so einem Turm gibt es nur Stehen oder Fallen, unabhängig davon, dass er finanziell längst in sich zusammengestürzt ist.
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Sonntag, 28. Mai 2006
Berlin-Hannover-Berlin
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Dirt Picture Contest - In bester Lage

Ausserdem gibt es frisches Bettzeug zum Wechseln und zur Strasse hin eine stylische Metallwand und Fenster darin, die sich allerdings nur von der anderen Seite aus öffnen lassen. Aber wer wird denn meckern, es ist ja umsonst! Berlin, die Stadt mit dem grossen Herz freut sich auf Gäste. Echt jetzt.
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Besser online sterben, als im Print verderben

Zuerst mal: Wenn von denen da oben einer überlebt, dann ist es Michael Maier von der Netzeitung. Zum einem, weil der die Netzeitung 6 Jahre lang im schlimmsten Grabenkrieg der Mediengeschichte seit 45 durchgeboxt hat, auf dem schlimmsten aller Märkte. Überleben ist bei Maier Programm. Und er hat verstanden, dass es mit klassischen Zeitungen und deren Übertragung ins Netz nicht weiter gehen kann. Zeitungsmarken haben keine Bindungskraft mehr, Nutzer zappen, und die Qualitätsansprüche der Herren Redakteure sind ihnen egal. Nutzer wie ich aber werden den Maier lieben. Denn der Maier kann den Mund nicht halten, er beugt sich dauernd rüber beim Sermon anderer und kommentiert, und zwar so, dass man ihn bitten möchte, in Zukunft doch bitte auch im Blog zu kommentieren, so bissig und treffend ist er. Ich denke, der hat verstanden, dass Kommunikation nicht mehr Gatekeeper ex cathedra zu viele dumme Deppen ist, da kann man über Readers Edition denken, was man will.
Was mir aber in Erinnerung geblieben ist, ist der unausgesprochene Vorwurf an die Nutzer: "Wir haben doch alles richtig gemjacht, wir haben uns immer um Euch gekümmert, wir investieren wieder im Netz, und jetzt fangt Ihr mit dem Bloggen an, obwohl wir doch so viel besser sind als Ihr." Das hat keiner gesagt, aber es war fühlbar, in den verstockten Fragen aus dem Publikum - von dem nur 1/3 regelmässig Blogs lesen, soviel zum Thema Medienkompetenz bei Online-Journalisten - und auch beim Bemühen der Leute auf dem Podium, Blogs etwas entegegen zu setzen. Gerade beim Moderator hatte ich den Eindruck, dass er Blogs als unangemessene Diener vor der Haustür des Medienpalastes empfindet, die sich erdreisten, keine Diener mehr sein zu wollen und selber ihre Hütten bauen. Wie ungerecht. Aber, da ist man sich einig, Journalisten wird man dennoch immer brauchen.
Ich fühle mehr und mehr eine Entfremdung zwischen denen und mir. Ich bin beides, Journalist und Blogger, und ich merke, was geht und was schrumpft. Das Kernproblem ist die Frage des Geldstroms. Was passiert, wenn es Micropayment gibt zwischen Autor und Leser? Wenn ich einem, den ich mag, für den einen brillianten Blogeintrag den Euro zukommen lassen kann, den ich normalerweise für die strunzdumme Tageszeitung ausgeben würde? Und was geschieht, wenn Medienkonzerne unter dem Druck der Entwicklung ihre sicheren Gitter, in dem Journalisten aufgehängt sind, abbauen und nur noch das gut bezahlen, was gut gelesen wird und bei der Werbebranche als sicherer Sale gilt? Das alles geht online, es hat erst mal keine Bedeutung für die Blogs, mir ist es egal, ob jemand das hier mag, aber für den Journalismus ist das die Hölle, die im Saal aber keiner sehen will.
Natürlich dauert das noch Jahre. Natürlich werden wir jetzt erst mal wieder einen Hype erleben. Und einen Zusammenbruch, wenn das, was da auf dem Podium war, alles sein sollte. Und dann wird sich die Frage nochmal stellen: Wozu braucht man heute noch Medien? Für eine gewisse Grundversorgung. Aber im Internet ohne Grenzen bedeutet das, dass man in Deutschland mit ein paar tausend Stellen auskommt. Der Rest muss sich eine neue Existenzberechtigung suchen, und ich prophezeihe hier und jetzt: Wasser in der Wüste suchen wird dagegen ein Vergnügen sein. Journalisten haben unter Druck gelernt, sich als Freie den PR-Agenturen, den Werbenden und auch den Medien anzudienen. Aber was sie nicht können ist, sich dem Leser andienen. Ohne das wird es aber in Zukunft nicht gehen.
Und der Leser ist kein Stück Leservieh, den man irgendwie digital auch per Podcast und Video multimedial abfüttert, er ist
KEIN LESER.
Sondern ein Individuum mit einer Stimme und einer Persönlichkeit. Und wer das nicht Ernst nimmt, wird verrecken, nicht von Stund an, aber der Tumor greift längst um sich und nichts wird ihn aufhalten, solange der Mensch ein Mensch ist, und kein Stück Clickvieh.
Fastfood oder Vollwertkost, was wird Onlinejournalismus sein, war die Frage. Einfache Antwort: Tot, and I´m leaving on my jetplane mit erstklassigem Catering.
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Samstag, 27. Mai 2006
Eine Leiche in Berlin

Innen funkeln die venezianischen Leuchter und warten auf den Tag, da ich sie hole. Und der Tag wird kommen, denn ich will diesen Skalp.
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Nachtarbeit - Tagarbeit
Ich bin ein alter, kranker, müder Mann. Eigentlich sollte ich in einem Schaukelstuhl sitzen, die Katze kraulen und den Nichten was vom Krieg erzählen, und dass wir zu viel hatten, 1999. Statt dessen werde ich im schwarzen Zweireiher den Leuten mit drastischen Worten sagen, dass sie ihre herkömmlichen Medienkarrieren knicken können, und überhaupt.Michael "Ich will 20 Millionen kostenlose Schreiber" Maier von der hochgeschätzten Netzeitung ist auch da.
Mal schaun. Wenn ich die Augen aufbekomme. Warum ich? Warum so früh? Warum in Berlin? Fragen, die ich hätte mir wann anders stellen sollen.
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Freitag, 26. Mai 2006
Der Condottiere

Sant'Andrea in Mantua.
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Alt und steinreich,
Ich mache mir sonst über die Zukunft sonst nie Gedanken, weil es sowieso immer anders gekommen ist, als ich erwartet habe. 1997 war ich mir sicher, Kulturhistoriker zu bleiben, 1998 war ich dann Deutschlandskorrspondent der Ostküste. 2004 sollte ich drei Monate nach Berlin, 2005 war ich immer noch dort. Ein Jahr hatte ich hier in der Provinz zur regelung familiärer Angelegenheiten, bevor es weitergehen sollte in die Schweiz, jetzt besorge ich den Stuck für meine neue grosse Wohnung. Es lohnt sich also nicht, es kommt, wie es kommt, sagte meine Grossmutter, und sie hatte wie immer recht.
Aber es gab einen Moment in Italien, genauer gesagt in Mantua, da habe ich mir gedanken über diese Lebensziele gemacht. Meine Besucher waren schon etwas erschöpft und wir suchten ein Cafe, da kamen wir an diesem Geschäft vorbei.

Und ich dachte mir, wie schön es sein muss, als alter, faltiger Mann in einem dreiteiligen Anzug auf einem dieser filigranen Stühle zu sitzen, die dort für solche alte Herren stehen, das zerfurchte Gesicht eines stolzen Puters tragend, einen Stock, auf dem die Linke Hand weit in den Raum ragt, und dann sitze ich da mit einer Tasse Tee und warte, dass meine Lebenspartnerin mit erheblichem, mir heute schockierend verkommenden Altersunterschied wieder aus dem Ankleidezimmer kommt. Um das Verworfene unserer Beziehung zu kaschieren, bei dem sicher auch das Geld eine gewisse Rolle spielt und der Saloonwagen, werde ich ihr zu dezent spiessiger Kleidung raten, und sie bitten, die Haare hochzustecken. Da sitze ich also und warte, rede mit der Verkäuferin in Coco Chanel, und das satte Gefühl meiner dicken, mit viel Papiergeld gefüllten Brieftasche, das auf der Brust, über dem alten, abgeklärten Herz lastet, lässt mich über die goldenen Ziffern, die von Preisen künden, milde lächeln.
Draussen werden italienische Mädchen sich die Nasen an den üblichen Teenieshops plattdrücken, ab und zu tuckert eine Vespa vorbei, bis die, auf die ich warte und für die ich zahle, dann aus der holzvertäfelten Ankleide kommt, mir in ihrer etwas unauffälligen Vorzimmerdamenschönheit sehr gut gefällt, wenn sie sich dreht, wenn ich im Profil ihren geilen Arsch sehe, und wenn es passt, erhebe ich mich gekonnt ohne Ächzen, bezahle, und sage ihr ins Ohr, dass ich sie nicht ficken werde, ohne dass wir vorher noch Schuhe kaufen waren.
Heute finde ich so etwas ganz furchtbar, es hat nichts mit meinen Überzeugungen zu tun, aber wer in so einem Geschäft sitzen will und warten, muss so sein, und mir sind in diesem Moment in Mantua keine Alternativen eingefallen, die mir für mein späteres Leben besser gefallen würden.
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Unterwegs
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Donnerstag, 25. Mai 2006
In eigener Fahrzeugsache

Der andere Don ist Don Dahlmann, ist Antville-Urgestein und betreibt das Blog "Irgendwas ist ja immer". Er lebt in Berlin und hat momentan aufgrund einer Werbeaktion ein Dieselfahrzeug vom Typ Obbel kAstrat. Oder so.
Wir kennen einander, haben miteinander gelesen und mailen ab und zu - aber wir sind leicht auseinanderzuhalten. Danke für die Aufmerksamkeit.
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Rom wir haben ein Problem
3... 2... 1.... and Lifto.... hoooly shit!

Hey, stop! STOP!!! We forgot to take off the goddam cross!
Brescia, Alter Dom, Blick eines Nichtchristen aus der Krypta in die Kuppel des 11. Jahrhunderts
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Reden wir mal über "Branding"

habe ich mir schon vorher überlegt, ob ich nicht ein eigenes Blog einrichten soll. Der Hintergrund ist persönliches Natur: Das Jahr der Ruhe geht langsam zu Ende, und ich werde in den nächsten Monaten viel unterwegs sein. Gleichzeitig haben mich schon immer die grottenschlechten kommerziellen Reiseblogs geärgert, die man bei weg.de und HLX betreibt. Reiseliteratur war ein beherrschendes Thema der europäischen Literaturgeschichte vor dem Aufkommen der Flieger und Autobahnen, die Fortbewegung auf eine kurze Zeitspanne reduzierten. Reisen ist nicht mehr unterwegs sein, Reisen ist an einem anderen Ort sein. Ich habe das nie verstanden, diese Pauschalmentalität. Ich will zu jeder Sekunde anhalten können, wenn ich etwas Schönes sehe, ich will heute nicht wissen, wo ich morgen bin, und ich glaube, dass diese Freiheit eine andere Literatur, ein anderes Blog, einen anderen Anspruch verdient als der Dreck der Agenturen.

Ich will Dinge sehen, die sonst keiner sieht. Das Kaputte, das Widerliche, das Gemeine im Schatten des Edlen, ich will es bunt und schwarzweiss, ich will es anders. Ich brauche keinen Baedeker, ich bin Kulturhistoriker, ich sehe selbst und finde allein und wenn ich mich verfahre, ist es auch egal. Ich komme aus einer engen, kleinen Stadt, hineingeboren in die dortige Oligarchie, ich will deshalb nicht verharren und dumm eingehen in den Mauern, ich will etwas sehen von der Welt, und ich will es erzählen. In Italien hätte ich jeden Tag 30.000 Zeichen schreiben können ohne anzuhalten, so voll ist es es mit Geschichten, wie aus einem Schwamm trieft es aus mir, 900 Bilder in 8 Tagen, und es waren immer noch zu wenige. All das, habe ich begriffen, braucht einen anderen Namen, unterwegs bin ich ein Anderer, auch die Mauern des Rebellmarktes sind mit zu eng, ich brauche Luft und Freiheit für die Grand Tour meiner Seele, jenseits der Kerker, der Zwänge und der Pflichten.

Die meisten gängigen URLs für das Reisen hat sich Nico Lumma gesichert, für das Malle und die Pauschalen, die All Inclusives und die Viecher auf den ausgetrampelten Wegen. Reise, Urlaub, blablabla. Es sind die Namen für Kleingeister, die sich selbst nie verlassen, was interessiert mich das Braten am Strand, ich will mehr, ich will die Grand Tour mit Kultur und Sportwagen, mir reichen 150 Liter Gepäckraum, ich ficke die Kombis mit ihrem gestapelten Müll im Heckfenster und den keifenden Blagen auf dem Rücksitz, wann sind wir denn endlich da, niemals, Du blöder Scheisser, es gibt kein da, es gibt nur das hier und jetzt und die nächste Kurve auf der Landstrasse, ich will den Wind und die Kurven, den Duft von Gummi und Zypressen, ich will das Blog, das genau das ausdrückt, was es werden soll.
Es kann nur einen Namen geben. Demnächst mehr davon.

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10 Regeln, wie man als Blogger einen Autotest übersteht
2. Sollte 1 nicht möglich sein, sorge dafür, dass die anderen Tester auf Deiner Wellenlinie sind.
3. Sollte 2. nicht möglich sein, sorge dafür, dass die Leute wenigstens ein bisschen Anstand haben und über ihr Tun nachdenken.
4. Sollte 3. auch nicht möglich sein, wird es riskant. Meide die Gesellschaft der anderen Tester.
5. Sollte 4. nicht gehen, sorge dafür, dass wenigstens keine Kamera in der Nähe ist.
6. Sollte 5. nicht gehen, entreisse der Knipserin die Kamera und trampel darauf rum, klaue die Datenkarte, oder sage ihr, dass Du keinesfalls photographiert werden willst.
7. Sollte 6. nicht gehen, vermeide es wenigstens, vor der Kamera zu posieren.
8. Wenn Du 7. ignorierst, mit Verlaub, bist Du
9. Haste auch vergessen? Ruf sie an und sage: Keine bescheuerten Kommentare bitte, durch die Du das Bib-Maskottchen Deines beschissenen, grottenhässlichen Testautos wirrest.
10. Du hast auch das nicht gemacht. Dann bist Du wohl der Blogger Ix von Wirres.net. Und Deine Mittesterin Pia lichtet Dich beim "meeting" der Tester in Köln ab, klatscht ein Bild von Dir bei Flickr rein, auf dem Du aussiehst wie ein verkohlter Bib (und Du wirst ja auch verkohlt, gerade eben), und sie textet dazu:
Opel und sein Ix ... Ix und sein Opel
11. Dann kann man nichts mehr machen. Kommt in den besten Werberkloaken vor. Geht auch ohne Koks, sowas. Witzig, hihi knipsi knipsi flickr flickr, wir wissen ja, wie schnell sowas gehen kann. Unser tolles Auto und wir. Wir Autoblogger. Ehrlich und authentisch, und viral wie die schwarze Pest Anno 1348, dem Opel sein Ix, da muss man erst mal drauf kommen. Oder halt, ein Rat zum Schluss: Ich hatte mal einen Jeep. Der gehört ja auch zu GM, zu denen auch Opel gehört. Damit war ich in der syrischen Wüste unterwegs, auf Prospektion. Wir hatten auch Syrer dabei. Der Jeep war ok, aber der Fahrer war besser. Der hatte einen guten Spruch parat: If lying in the snakes do not wonder when bite.
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