: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Samstag, 7. Juli 2007

Empfehlung heute: Am See

trifft Poodlepop einen Sonderling, und hat dazu auch eine Illustration. Absurd ist gut.

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Die Skalpe meiner Feinde - Das Danaergeschenk

Wirtschaftskriminalität im grösseren Stil ist immer auch eine Beziehungstat. Man nimmt niemandem grössere Summen ab, ohne ihn zu kennen. Jedem Vertrauensbruch geht Vertrauen voraus, zudem in unseren Fällen auch Gier, Dummheit und der Glaube, man sei zu klug, um reingelegt zu werden. Vor allem aber: Vertrauen. Und meist auch etwas Zuneigung zum Verbrecher. Wirtschaftskriminelle und Hammerhörder haben, vermute ich, den gleichen Charme, und nachdem ich erstere kenne, hoffe ich, ohne zu viel Kontakt mit zweiteren durch das Dasein zu kommen.

Wie schon erwähnt - der Herr mit der Calatrava hatte Charme. Selbst, als es eng wurde, sagte er noch mit einem freundlichen Lächeln zu einem Haifisch: "Wie kann so eine schöne Frau nur so etwas hässliches denken" - und er hatte Erfolg damit. Zumindest genug Erfolg, dass ihm die Zeit blieb, sich halbwegs geordnet zurückzuziehen. Halbwegs. Aber nicht ganz. Denn jeder Verbrecher macht auch Fehler. Niemand kann, wenn nicht gerade ein offener Kamin im Raum und eine Badewanne voller Schwefelsäure im Bad ist, alle Spuren verwischen. Niemand kann beim Auräumen des Büros alles mitnehmen. Und selbst, wenn alles schnell in Kisten landet, gibt es immer noch Spuren der Vorgeschichte. Und diese Spuren sind in der Papiertonne. Die Papiertonne ist das, was diesen Leuten dann siedend heiss in der Nacht einfällt, wenn sie am Tag dachten, sie hätten alles mitgenommen.

Und so war es auch diesmal. Es ist eine Weile her, dass ich das letzte Mal nach Disketten und Papier gestochert habe: 2002 war das, im Winter, als einem Mandanten die Core Assets einer Firma angeboten wurden, in die ein anderer Mandant investiert hatte. Nachdem diese Firma eine Woche zuvor noch bei bester Gesundheit schien, war es kaum zu verstehen, dass jetzt schon ihr Nachlass verteilt werden sollte. Es war eine Nacht voller Überraschungen, und als ich dann am nächsten in deren Büro stand, war ebenfalls alles verschwunden. Alles - bis auf eine Tüte in der Mülltonne, mit ein paar CD-Roms.

Die Auswertung wird sich diesmal noch etwas hinziehen, aber es sind ein paar Volltreffer dabei. Die Kritzelunterlage aus dem Sekretariat, Postits, und zum Nachweis, dass es auch wirklich aus diesem Büro kommt, vieles, was man kennt. Aus einer Zeit, als man sich noch gut verstand. Vor einem Jahr, als er Geburtstag hatte. Da wurde lange überlegt, was man ihm, der eigentlich alles hatte, schenken sollte. Am Ende wurde über 1stdibs aus Paris ein Tischset im Stil Napoleon III. bestellt, mit vergoldeter Bronze und Glaseinsätzen, damit es zu seinem Glastisch passen möge, und dazu ein sündhaft teurer Exception-Füller von Waterman. Der Füller war offensichtlich ein gutes Geschenk, denn den hat er mitgenommen. Das Tischset war dagegen im Müll.



Menschen sind manchmal irrational. Jeder von uns weiss, was es damals gekostet hat. Aber es ist Glas, und es klirrt so schön, wenn man es zertrümmert, sowas hilft dem Plebs von den Slums bis zu den Beraterkreisen beim Stressabbau. Ich bin bekanntlich der höflichste Mensch von der Welt, aber einerseits war ich aufgrund der Umstände und der Zeit inmitten des Mülls ohnehin schon geladen, und andererseits werde ich zum Tier, wenn ich mutwillige Zerstörung sehe. Wenn es dir was bedeutet, kannst du es haben, sagte der Haifisch etwas kleinlaut angesichts der nicht wirklich erfreulichen Aussicht, dass ich ihm seine Flossen durch die Kiemen von hinten in das Maul gezogen hätte, hätte er die Schale wirklich, wie angedroht, an der Wand zerschmettert. So wäre unser Präsent beinahe zum Danaergeschenk dessen geworden, um den es eigentlich geht - fast, aber nur beinahe.

Jetzt ist es auf meinem Schreibtisch, es passt gut zum vergoldeten Leder, und zudem weitaus besser als zu dem Glasschreibtisch, an dem besagter Herr im Moment an einem Ort sitzt, der mir noch unbekannt ist. Aber das Löschpapier, mit dem ich eine Unterschrift aus dem Familien-Pelikan trockne, die ich unter eine Rechnung für die Verunschönerung seiner Tage setzen werde, liegt schon in der Schublade. Ich finde das Tischset schön, aber es ist nicht genug Skalp von meinem Feind.

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Hat schon was

Sich selbst im Radio hören und dann Lust auf die Gniocchi mit Vierkäsefüllung vom Markt bekommen, über die man gerade gesprochen hat. Es gibt Speisen, die einem erst nach Stunden das Sättigungsgefühl mitteilen; das ist hier robust anders, jeder Bissen schlägt wie ein Ziegelstein auf und lässt einen keine Sekunde im Unklaren, was man gerade tut.



Auch nett: Nach dem Schlusswort mit dem prognostizierten Niedergang der real existierenden klassischen Journalismusvortäuschung zu lesen, wie einer der grössten Verlage nach dem Arschtritt in Frankreich den Weg allen dummen Fleisches ins Digitale antritt:

"Im Geschäft mit gedruckten Medien würden erst einmal keine neuen Titel im In- und Ausland geplant. Jetzt setze der Konzern auf Onlinemedien, etwa in China."
(http://www.ftd.de/technik/medien_internet/222571.html?nv=nlt)

Ob die das auch den Anfängern der hauseigenen Journalistendarstellerschule beibringen? Zum Dessert dann die Überlegung, dass Mecom die Süddeutsche schlucken wird, und der Weg der Bild zur Gratispostille. Nur logisch, eigentlich: Print ist nicht tot, aber mit der gleichen Dummheit, mit der sie das Internet mal wieder ruinieren wollen, machen sie auch ihre Zeitungen kaputt.

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Freitag, 6. Juli 2007

Ich bin immer noch Münchner

Ich bin hier gemeldet. Und selbst, wenn ich nicht dort unterwegs bin, sind es gerade mal 50 Minuten von der aktuellen Hauptwohnung nach Schwabing, schneller als mit dem MVV von den entlegenen Winkeln Neuperlachs oder aus dem Hasenbergl. Aber wenn es nicht sein muss, bin ich ganz schnell wieder weg. Obwohl ich die Stadt eigentlich noch immer mag.

Ich kann nicht sagen, wann der Bruch passiert ist. In den drei schlimmsten Momenten war ich nicht mal dort, sondern in Linz, am Meer und in Starnberg. Jeder Ort für sowas ist beschissen, aber Starnberg und Linz sind wirklich das Allerletzte. In München ist nichts passiert. Aber irgendwann 2001 erkannte ich die Stadt nicht mehr, in die ich über 10 Jahre davor gezogen war. Und jede Ecke enthielt so viel jüngste Geschichte der Jahre 1998-2001, dass ich ihr nicht entgehen konnte. 2001, Spätsommer bis Januar 2002 war ich dann weg und kletterte ganz allein aus dem tiefen, schwarzen Loch. Danach war ich nie mehr richtig in München. Es war dann auch nicht mehr schwer, die Wohnung aufzugeben.

Komische Zeit, das. Auf dem Papier gehört man zu den Gewinnern, zu denen, die zur richtigen Zeit den Absprung geschafft haben, zu den smart guys, die nichts vergeigt hatten, wiederverwendbar und gestählt durch das "Feuer der Vernichtung", diesen lächerlichen Crach lächerlicher Einfaltspinsel. Aber innerlich war man trotz allem zu lang dabei, um nicht zu wissen, was denen geschah, die es nicht geschafft haben. Ich kenne welche, die kamen durch, und damit war es für sie vorbei. Und jedesmal, wenn ich einen von denen erlebe, frage ich mich, wie zum Teufel die das mit sich ausmachen. Was fehlt diesen Leuten, welche ethischen Defizite haben diese Hurensöhne, dass sie einfach so weiter machen können. Der Hass kommt erst später, ich bin zuerst immer nur fassungslos, wenn ich einen von denen erlebe. Ich packe es nicht mal, deren Blogs zu lesen. Das heisst was, ich habe kein Problem mit Nazis, Hamas und Christofaschisten, der unüberwindbare Ekel kommt erst bei denen, die all das Vergangene nicht mehr berührt. Alles, was ich von denen lesen will, ist ihre verfickte

Egal.

Was ich eigentlich sagen wollte: Das Odeon, die New Economy Kneipe schlechthin, hat dichtgemacht, und ist jetzt ein Thairestaurant.



Die Decke ist noch wie früher, die Lampen auch, aber bei den neuen Tischen und Bänken haben sie beim Holz voll daneben gelangt. Um die Stühle ist es nicht schade, aber die Tische und die Deckenverkleidung hätte man erhalten sollen. Als Andenken an die schlechte, alte Zeit der einzigartigen Munich Area. Nie mehr also Artischocken, nie mehr Meetings mit VCs, das alles ist vorbei, vergessen, obwohl es keine 6 Jahre her ist. Aber was sind schon 6 Jahre, für die, die es nicht gepackt haben, gibt es keine Zeit mehr. Und die, die nicht begreifen, was das alles aus Menschen gemacht hat, die eigentlich nicht böse oder schlecht waren, werden es auch nicht mehr verstehen können. Vielleicht ist es ganz gut, dass dieses München verschwindet.

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Empfehlung heute: Mit dem Tod

und der Meerjungfrau an den Strand fahren, ist sicher keine schlechte Gesellschaft, meint das Kellerkind. Wann ist eigentlich die nächste Bloglesung?

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Statt Biergarten

Nein, dieser aktuelle Sommer ist nicht perfekt. Es ist ein Sommer für den nachgeholten Frühjahrsputz, für den Dichtigkeitstest des Cabriodaches, die Pornositebetreiber freut es und unter den Isarbrücken, über dem Rauschen des grünen, angeschwollenem Fluss schaukeln die aufgehängten Biergartenbetreiber bedächtig wie die Kollegen aus Berlin, die Strandbars und Open Air Camps geplant haben, unter den Brücken über die Spreekloake. Was aber tun an so einem Abend?



Bayern hat es wie immer besser, denn um 20.30 Uhr kommt auf Bayern2Radio ein Politikfeature mit vielen Beiträgen zum Internet, teilweise interessanten Studiogästen und einem haspelnden Herren, dem man zwischen all den Fluchen auf StudiVZ und Vorratsdatenspeicherung nicht zutrauen möchte, dass er Radioerfahrung hat - und der eine erhebliche Ähnlichkeit mit meiner Kunstfigur haben wird. 2 Stunden von Blogs bis Hatesites, alles dabei ausser der Verknüpfung, denn über geifernde Koofmichs haben wir nicht gesprochen.

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Donnerstag, 5. Juli 2007

Hausbibliothek der Aufklärung IV

Werfen wir doch mal einen Blick in den Bücherschrank. Nehmen wir an, wir leben im 18. Jahrhundert in der besseren Gesellschaft, Bürgertum aufwärts, und es gibt dieses Möbel und auch den passenden Inhalt, der schon damals viel über den Besitzer aussagt. Draussen vor dem Fenster wird vielleicht gerade einer verbrannt, der eine Prozession nicht grüsste, oder man bringt auf einem Karren Leute zur Galeere, die das Pech hatten, wegen des falschen Glaubens denunziert zu werden - das übliche in dieser Zeit, aber wir sind drinnen und gucken Bücher:



Drei Bände Titus Livius über die römische Geschichte, dann ein theologisches Lexikon aus Heidelberg in zwei Bänden, ein einzelner Band der 12-bändigen Erstausgabe des Apostolischen Wörterbuchs für Landpfarrer von Hyazinthe de Montargon, die komplette Polemiken gegen die Häretiker von Sardegna, ebenfalls in der Erstausgabe, dann jesuitische Marienminne, und dann wird es heiss, ganz heiss: Boccaccios Decamerone, gedruckt 1730 in Venedig, und dann die Erstausgabe von Rousseaus Brie... aber halt, so weit sind wir noch nicht - überlegen wir mal - nach welchem Buch würden wir am wenigsten greifen?



Des Augustinermönchs Hyazinthe de Montargon Dictionnaire Apostolique von 1752, avec Approbation & Privilége du Roi, das sich explizit an die Pfaffen wendet, die auf dem Kaff bitte die Schäfchen bei der Stange halten sollen, verspricht allergrösste Langeweile und theologische Debatten auf niedrigstem Niveau. Das mag der Grund für seinen grossen Erfolg sein, denn das auf Französisch abgefasste Werk erfreut sich vieler Nachdrucke bis ins 20. Jahrhundert. Ein Grund mag auch die Stellung von Montargon gewesen sein: Er war der Hofprediger von Ludwig XV., und damit am Hof der direkte Gegenspieler von Diderot, Voltaire und vielen anderen fortschrittlichen Geistern.



Kurz, Montargon ist einer der religiösen Fanatiker, die zu der Zeit langsam ins Hintertreffen geraten und zu retten versuchen, was zu retten ist. Schon das Inhaltsverzeichnis macht klar, dass es hier um einen Kampf ohne Rücksicht auf Verluste geht. Die Pfaffen in den Käffern sollen die Hölle anheizen und den Leuten die Schrecken des jenseits grell auspinseln. Montargon hat nichts Neues zu bieten, er gibt nicht nach, er will das eigene Klientel mit Druck und Zwang gefügig machen. Die beliebte Form des Wörterbuchs verkommt unter seiner Feder zur Waffe der Gegenaufklärung, und die geneigten Leser werden sich nun fragen: Was hat ein Scheusal wie Montargon in einer Serie über Aufklärung verloren?



Nun, auch Montagon kann sich den modernen Fragen nach dem Bewusstsein des Menschen, seiner Fähigkeit zu Gut und Böse, nicht wiedersetzen. Es ist die Zeit, da Emilie de Chatelet - eine Frau! Eine Frau und damit etwas, das Montargon nicht einmal in sein Wörterbuch aufnehmen wird! - mit ihrem Discours sur le Bonheur das menschliche Bewusstsein als Unterstützer und Helfer der weltlichen Freuden definiert. Ein unfassbarer Affront, soll doch das Bewusstsein allein der Erkenntnis der Religion, der richtigen Religion dienen. Montargon verbeisst sich in das Thema "Conscience", belegt mit Bibelzitaten und älteren, kanonischen Schriften, wie es zu sein hat und was das Bewusstsein darf - bis Seite 54.

Ich weiss nicht, wem das Buch im 18. Jahrhundert gehört hat. Wer immer es war, er hatte eine diabolische Intelligenz und überhaupt kein Verständnis für Montargon, aber sehr viel bösen, zynischen Humor. Denn von Seite 55 an wurde das christliche Bewusstsein aus dem Buch herausoperiert, und statt dessen Platz für ganz andere Zeugnisse des menschlichen Bewusstseins geschaffen:



Wie gesagt: Draussen vor dem Fenster bringt man zu dieser Zeit Menschen um, wenn sie das Falsche glauben, oder auch nur das falsche Buch lesen. Justiz und Kirche lesen nicht Voltaire, sie machen kurze Prozesse. Mitunter gibt es Freiräume, aber viele Bücher erscheinen in Holland oder fingierten Druckorten. Kommt ein neues Skandalbuch, distanziert sich der Autor sofort. Nicht aus Koketterie, sondern wegen der Gefahr. Bücherverbrennungen sind ganz normal, wer Aufklärer ist, lernt oft für ein paar Monate das Innere der Bastille kennen. Da ist es gar nicht dumm, einen öden Montargon zu entdärmen, um sicher zu sein. Denn wer sollte schon nach so einem Langweiler greifen?



Selbst ich, der ich alte Bücher um ihrer selbst willen mag, hätte es beinahe wieder weggelegt. Ich habe schon ein Wörterbuch zum Thema, das mich nicht sonderlich interessiert. Nur der Einband erschien mir so prächtig und atypisch für diese banale Bauernverarsche, dass ich darin blätterte.

Und dann diese feine Gemeinheit entdeckte, und aus den Seiten fast das Kichern hörte, das in einem Salon des 18. Jahrhunderts erklungen war, wenn der elende Pfaffe endlich verschwunden war, im dummen, durch die Ansicht der Buchrücken genährten Glauben, man hätte dort wirklich Interesse am geistigen Ausfluss der römischen Krankheit.

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Empfehlung heute: Radfahren

kann trotz des Wetters schön sein, wenn man ein klassisches Herrenrad wie das von Cut sein eigen nennen kann.

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Schräg gegenüber,

in nicht idealer, aber immer noch sehr guter Lage unter dem Dach, ist diese Agentur. Sie macht laut Schild am Eingang zwar Kommunikation, aber ich finde keine Website. Auch keine Referenzen, keine Partner, keine Kunden. Nichts. Selbst unter der Adresse kommen nur die anderen Mieter. Aber dennoch scheint es sie zu geben, denn sie sind da, und vom Besprechungszimmer aus sieht man sie manchmal am Abende beim Grillen.



In durchaus wechselnder Besetzung, übrigens. Es gibt wohl sowas wie Freunde, Partner und Kunden, oder zumindest eben Leute, die vorbeikommen. Ich hatte schon früher bei vielen Kommunikationsagenturen den Verdacht, dass deren Gründung lediglich zur Verbilligung von Wohnraum und zum günstigen Betrieb der "Firmenautos" dient. Es gibt so viele davon, und effektiv tun sie in München nichts, was man von aussen erkennen könnte.

Es ist nicht so, dass jeder einen Googleschatten haben müsste. Einer meiner Auftraggeber existiert im Netz schlichtweg nicht, und die paar mal, wo ihn jemand aus Gedankenlosigkeit ins Netz gestellt hat, ging er mit allen Mitteln erfolgreich dagegen vor. Bei uns ist das ratsam, da muss nicht jeder alles wissen. Aber unsichtbare Agenturen, dafür gibt es keine rationale Erklärung. Ich glaube wirklich, dass die kaum realen Geschäftsbetrieb haben, da gibt es vielleicht ein paar ähnlich gepolte Freunde, zwischen denen wird formal der immer gleiche Betrag rundum geschoben, um alle Vorteile dere Firma und keine Nachteile mit der Steuer zu haben. Ein Haifisch meint, dass man das schon so machen kann; in einem Fond, mit dem wir zu tun haben, sind nicht umsonst alle Beteiligten als eigene GmbH organisiert.

Vielleicht ist es an der Zeit, eine Art Erweiterung von John Mandevilles Bienenfabel zu verfassen, zumindest für diese Münchner Form des Dachterassenkapitalismus, seine Freuden und seine mutmassliche Einzigartigkeit, denn wo kann man sonst nach der nicht existierenden Arbeit, dem Spielen einer Agentur, am Abend mit Blick auf die Alpenkette das nicht Erreichte feiern.

ja. ich weiss. ich bin gerade wieder zu lang in münchen. geht nicht anders. leider.

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Dienstag, 3. Juli 2007

Empfehlung heute: Schöner leben statt sterben

am Wasser, und das mit dem Don-Alphonso-Effekt, den ich bislang selbst noch nicht kannte: Stralau besucht Venedig und die Biennale.

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Leb wohl Teneriffa

Ich wäre ohnehin sehr schnell gelangweilt gewesen. Natürlich ist es schön, November und Dezember zu fliehen, in den ewigen Frühling vor der Küste Afrikas. Ich hätte mir ein Cabrio mieten können, oder mal für ein paar Tage aufs Festland fliegen - ich war noch nie in Afrika. Aber insgesamt ist eine Insel, die man an einem Tag umrunden kann, schon etwas klein. Im Prinzip wie ein umgedrehter Gardasee ohne Kultur und Oberitalien vor der Haustür. Aber andererseits, wenn meine Eltern da schon ein Haus mieten, warum nicht - was hält mich im November schon im Deutschland?

Seit letzter Woche weiss ich, was mich halten wird:



Meine Nebenbeschäftigung als Catsitter, unter anderem von Mika. Ja. Sooooo süss. Ich mein, was ist schon Teneriffa gegen eine gepunktete Dalmatinerkatze? Ich verstehe nicht, wie meine Eltern da überhaupt noch fahren können. Auch alle Nachbarn haben kein anderes Thema mehr.

Überhaupt: Mehr Cat Content!

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Dienstag, 3. Juli 2007

Empfehlung heute - Überhaupt

finde ich es nicht gut, dass Moni für das Falsche - Monigate mit Transparency International - berühmt ist und für das Richtige - das Leben mit ihrem Sohn - zu oft unbekannt bleibt.

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new rich

Wer eine Vorstellung von reichen Menschen bekommen will, muss sich die deutsche Architectural Digest kaufen, und ganz nach hinten blättern. Dort versammelt eine eigen Kategorie lausige Bilder von irgendwelchen Leuten, die auf irgendwelchen Empfängen von Designfirmen oder Luxusmarken herumstehen. Das genau Gegenteil davon - das ist die typische Erscheinungsform von Reichtum in Deutschland. Und das ist auch der Grund, warum Park Avenue, Vanity Fair und Rich hierzulande nie akzeptiert werden: Weil sie das Publikum im Auge haben, das sich bei derartigen Events ablichten lässt.

Das grundlegende Missverständnis beginnt schon in der Person der Zeitschriftenmacher. Die Leute, die sich mit den modernen Schimmerloses abgeben, haben zwar mitunter Geld, aber gerade dieses Suchen von Mediennähe existiert nur in einem sehr kleinen Bereich dessen, was man als "Oberschicht" definieren könnte. Es gibt tatsächlich Leute, für die ein Besuch der AD, oder nich schlimmer, Elle Decoration, die Erfüllung darstellt. Aber das sind Ausnahmen. Und ganz sicher nichts, worauf man ein Geschäftsmodell der Luxusanzeigen und darauf folgender Verkäufe aufbauen kann.



Denn das Ausgeben von Geld - interessiert in diesen Kreisen normalerweise nicht. Was interessiert, ist das Behalten und Erwerben weiteren Geldes. In Bayern sagt man "von den reichen Leuten kann man das sparen lernen" - und ich kann das angesichts der Erfahrungen aus meinem Umfeld nur bestätigen. Übermässiges Geldverschwenden ist geradezu ein Zeichen von Leuten, die sich den Besitz jeden Tag aufs Neue beweisen müssen; dem Herrn K., dessen Katze ab und zu durch den Garten meiner Eltern strolcht, reicht seine inzwischen über 20 Jahre alte S-Klasse immer noch. Und Herr K. ist ganz sicher einer von denen, die die erwähnten Magazine im Auge hätten - wüssten sie überhaupt, dass es ihn gibt.

Das heisst nicht, dass man den Reichtum gezielt verbirgt. Er ist nur für die Welt der Glitzeranzeigen schwer erreichbar. Und er bedarf dieser Texte nicht: Kein Mensch muss sich von einem Magazin sagen lassen, wie man eine Dinnerparty organisiert. Zum einem macht man in Deutschland keine Dinnerparties, man lädt ein. Zum anderen lernt man das in diesen Kreisen schon als Kind, inclusive des Essens mit Büchern unter den Armen und des Einschenkens. Wer reich ist und das nicht als Kind lernte, den kann die Parvenüpresse gern abfüttern, mit bein paar französischen Austern und was man sonst noch in der Designerküche mit frei stehendem Herd so macht. Dort redet man vielleicht auch über die neuesten Modetrends aus Mailand und die teuersten Wellnessoasen im indischen Ozean, weil man sonst kein Thema hat.

Ich will nicht sagen, dass reiche Menschen nicht für bedrucktes Papier empfänglich sind. Aber der Coffeetable der Reichen ist in aller Regel reserviert für Bücher, und nicht für Pseudoheftchen. Die drei Euro, die eine World of Interior mehr als die grauenvolle AD Deutsch kostet, haben diese Leute meistens übrig. Und wer meint, sich jedes Jahr die neueste Komplikation von Patek in die Vitrine legen zu müssen, hält sich als Kenner entweder eine Spezialzeitschrift, oder liefert als Verschwender mittelfristig die Notverkäufe der Gebrauchtschmuckhändler am Viktualienmarkt.

Mittelfristig werden sich die Luxusmarken fragen, wieso sie eigentlich noch die Johurnaille bezahlen sollen, wenn sie mit dem Internet selbst Begehrlichkeit wecken können. Für den Preis einer Anzeigenseite kann man einen famosen Autoren auch drei Monate lang Geschichten über die eigene Welt schreiben lassen, und ihm einen Photographen mitgeben, den man virtuell nicht einfach überblättert. Das ist dann zwar immer noch PR, aber dennoch ehrlicher als ein Gefälligkeitsgeschmier, das seine Zunge nie so fein wird spalten können, um all den begehrten Zielgruppen gleichermass den Staub von den Schuhen zu lecken.

Nachtrag: Der Anlass dieses Beitrags war das unbestätigte Gerücht, Vanity Fair würde demnächst zu einer 14-tägigen Erscheinung aus Berlin werden. Und wie es gerade durchsickerte, wird es im August tatsächlich nur zwei Hefte und zwei Sonderhefte geben - den Rest mag sich jeder selbst denken,

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Leben im südlichen Klischee

Dazu muss man noch erwähnen, dass der junge Herr vor der Blondine eine kurze Trachtenlederhose trägt.



Die beiden stehen in der Fraunhofer Strasse, und kommen gerade von der Isar. Ich bin unfreiwillig in der schweren, für das Geldmachertum der Stadt typischen Limousine dahinter und verspüre in diesem Moment einen Fluchtreflex. Gleich danach biegen sie Richtung Schrannenhalle ab. Dort, wo es in pseudokünstlerischer Atmosphäre Sushi gibt.

Diese Stadt wird sich nie ändern. Nie.

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Montag, 2. Juli 2007

Empfehlung heute - Taschenfragen

bei Miss Manierlich:
die vergilbten frettchen aus düsseldorf an ihren androgynen hosenanzügen verrecken lassen
Nach einem theoretisch sonnigen Tag im Inneren einer Kanzlei wie heute tut es gut, so etwas zu lesen, selbst wenn mir hochwertigste Debatten um die beste Freundin der Frau sonst fremd sind.

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Ökonkomische Milchmädchenrechner

Wie erreicht man den Break Even, wenn man 7 Jahre nach Gründung der Firma immer nur Verluste im signifikanten Millionenbereich hatte:

1. Man reduziert das Angebot, indem man 10 Mitarbeiter abbaut.
2. Gleichzeitig erhöht man den Preis um 6%.

Sprich, die Kunden sollen jetzt noch mehr für noch weniger bezahlen, in der Hoffnung, dass sie diese Verarsche geschlossen mitmachen und damit die Gewinnzone mal eben so erreicht wird.

Und das alles fände ich jetzt noch nicht mal besonders schlimm - würde es sich dabei nicht ausgerechnet um die Apologeten der enthemmten, asozialen Marktwirtschaft handeln, den seitlichen, wasserführenden Boulevardabschluss unter den Wirtschaftspublikationen - die Financial Times Deutschland. Laut Marktgesetzen gibt es da nämlich nur eines: Zumachen und die Propagandisten auf die Strasse setzen, wo sie bei Hartz IV mal über die eigenen Forderungen nachdenken können.

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Wieder was gelernt,

falls ich je auf Kutscher umsattle, was angesichts der Klimaerwärmung und des Haifischtransportgewerbes durchaus sein kann:

"dös war da feddn Sau an Oasch gschmiead."

Jaja, so geht es zu, in den sog. besseren Kreisen der Landeshauptstadt, wohin zu bequemen mir nicht erspart bleibt. Sollten Sie vorhaben, in betrügerische Immobilienfonds zu investieren, beachten Sie bitte Angebote aus Ostdeutschland, Fernasien und hier insbesondere Südkorea, und bitte lassen Sie einem armen Haifischtransporteur den Sonntag, da ist Ihr Geld ganz sicher weg, ohne jede Chance, es gibt niemand, der Ihnen helfen kann, und meiden Sie München. Das Geld ist so oder so weg, aber Sie müssen niemanden mehr aufscheuchen, der Ihnen wahrscheinlich auch nicht helfen kann. Und wenn Ihre Tochter nach einem Boxter fragt, kaufen Sie ihn einfach, statt ihr so einen Fetzen Papier mit versteckter Nachzahlungsverpflichtung zu schenken.

Sie Depp, Sie.

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Samstag, 30. Juni 2007

Bei den Streuobstwiesen

Liebe Freunde, haltet Euch den September frei und kommt hier vorbei, denn die Zwetschgen sehen sehr gut aus:



Gleiches gilt für die Äpfel. Das heisst, dass es auch im Oktober genug Stoff für das Backrohr geben wird.



Zumal, wenn sich das Wetter hält. Dann wird es dieses Jahr keinen Mangel geben. Es sieht sehr, sehr gut aus.



Importiertes Obst kommt sowas von überhaupt nicht in Frage, absolut rein gar nicht. Weil es nie so schmecken wird wie die Früchte der Streuobstwiesen auf den ersten Jurahöhen nördlich von Neuburg. Perfekt ist der Geschmack, wenn man ihn nicht nur hat, sondern auch weiss, dass man ihn den Neuburgern genommen hat.

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Empfehlung heute - Ein Strandspaziergang

in Scheveningen mit Herr Niemeyer. Das ist in dem Teil der Niederlande, in dem ich noch nicht war

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Die schwarze Stunde

Angeblich endet in diesen Tagen die Dämmerung nie, aber gestern wurde es wirklich schwarz - weil ich gegen eine unsichtbare Glastür gelaufen bin. Ich wüsste gern mal, wiediele Unfälle in diesem Land dem übereifrigen Einsatz von Glasreiniger und aufgeräumtem Geschäftsdesign geschuldet sind. Aber wie es manchmal so ist, ein Schlag auf die Stirn kürzt Überlegungen ab, und jetzt weiss ich, was ich tun werde.

Denn wenn ich ehrlich bin: Die Glastür ist nicht in mich gerannt, ich habe nicht aufgepasst. Und die Glastür hat mich gelehrt, in Zukunft anders zu handeln. Kann ich mich darüber beschweren? Nein. Es gibt Dinge, die kann man einfach nicht tun. Durch Glastüren gehen etwa. Selbst, falls es gelingen sollte, wird es schmerzhaft. Generell ist der Mensch lernfähig, da ist es nicht weiter schlimm, besonders, wenn er schon mehrfach gegen solche Türen gerannt ist. Irgendwann lernt er es vielleicht. Natürlich ist niemand der Glastür dankbar, aber am Ende ist es unter Berücksichtung aller Folgen gerecht.



Und so setzte ich mich in das Auto meiner Auftraggeber, das seine Existenz den Idioten verdankt, die glauben, es gäbe keine Glastüren in ihrem Weg, und fuhr durch die schwarze Nacht voller Erkenntnis heim. Neben mir klimperte ein neuer Skalp meiner Feinde zur wirklich feinen, spassig-übergeigten Overtüre von Johann Friedrich Fasch iN gg major, FWV G15.

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Freitag, 29. Juni 2007

Real Life 28.06.07 - Calatrava

Er war ein netter Mann. Sehr höflich, fast bescheiden, was man nicht zwingend erwartet, wenn man mit Leuten seines Kalibers zu tun hat. Vermutlich war das ein Teil seines Erfolgs bei den Kunden. Ein begnadeter Vertriebler, der einem das Gefühl geben konnte, dass er genau zuhört und versteht. Um dann nach einem gewissen Nachdenken die richtige Antwort zu geben. Das Nachdenken, das langsame Zurückfallen in den Sessel, dabei der Griff zur Goldrandbrille mit der linken Hand, und am Handgelenk erschien über der weissen Manschette ein simples Goldrund, das sich wohltuend und stilvoll abhebt von den in dieser Branche sonst so beliebten robusten Uhren, die eine letzte Beziehung zum Bau darstellen sollen.

Um dich herum brennt die Luft, die Stimmen hallen von den nackten Wänden zurück und vermischen sich zum Gebrumm, der an ein wütendes Hornissennest erinnert. Dabei war es absehbar. Er wusste, dass ihr kommen würdet. Er hat sich monatelang überlegen können, was er tut. Vermutlich hat er wirklich sehr genau nachgedacht, nicht so wie früher, wo er das Nachdenken nur simulierte, und dann Angebote machte, deren angebliche Rendite für den Kunden er doppelt und dreifach bekam. Er hatte sicher auch Pech, dass es in Berlin nicht so locker ging, wie vorhergesagt. Wäre es anders gelaufen, kein Hahn hätte nach den Details beim Vertrieb gekräht. Warum auch. Es wäre ja die richtige Entscheidung gewesen, und man hätte ihm gedankt.

Es war der Stil der letzten Forderung nach einem klärenden Gespräch. Das war zu deutlich, da wusste er, dass ihr diesmal nicht nur Erklärungen fordern würdet, sondern auch den Inhalt der Schränke. Schliesslich hat sich die Mehrheit längst auf eure Seite geschlagen, der Trick mit der Calatrava am Handgelenk hatte angesichts von drohenden Nachzahlungen im Bereich von - teilweise existenzbedrohend viel - seine Wirkung verloren. Und daraus hat er die richtigen Konsequenzen gezogen.



Vor drei Tagen. So lange ist der Anrufbeantworter nicht mehr abgehört worden. Das Büro ist fristgerecht gekündigt, alles hat seine Ordnung, so wie immer alles seine Ordnung hatte. In einem Nebenraum stehen die Möbel, die auf Kosten der Gesellschafter gekauft wurden. Vermutlich wird er sagen, dass es seine persönlichen Akten waren, die er mitgenommen hat. Und es doch absehbar war, dass er demnächst entbunden sein würde. Und noch einiges anderes, das sehr verständnisvoll und höflich klingt.

Wenn du ihm denn jemals wieder gegenüber sitzen wirst, und er dir beim Nachdenken die Calatrava zeigt.

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Empfehlung heute: Der beste Klagenfurter Text

ist ein Text über das Spektakel wenig anregender jüngerer Leute vor einer Jury mit noch weniger anregenden Leuten. Andrea Diener erträgt Bachmann.

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