Dienstag, 4. März 2008
Wie wäre es mal mit Ehrlichkeit?
Wenn einer was Gutes tun will, dann soll er es einfach tun. Und nicht ein Geschäft daraus machen, anderen einzureden, dass sie damit was Gutes tun. Das ist nicht gut, das ist "Charity". Und ich kann es verstehen, wenn eine Organisation wie Care keine Lust hat, sich von ein paar aufgepickelten Startup-Frechlingen den Namen für 15%-Pseudohilfe bei einem Webshop ruinieren zu lassen.
Und Versager, die Firmen hochziehen, ohne sich grosse Gedanken um offensichtliche Markenrechte zu machen, lieber gefällige Anwälte konsultieren und obendrein auch noch etwas auf dem Trittbrett mitrutschen wollen, sollten auch nicht rumflennen, wenn die Folgen Investoren "abschrecken". Die sind nicht abgeschreckt. Die sind nur nicht ganz blöd.
Man kann sich allerdings durchaus als "junges, innovatives Social Entrepreneur Start-up" bezeichnen, wenn man will. Das schützt Unternehmer davon, mit sowas in die gleiche Ecke gestellt zu werden. Nur das Wort "Social" hätte ein besseres Schicksal verdient, als zwischen zwei Deppenwörtern zu hängen, wie Jesus zwischen den Dieben.

Vielleicht aber hat diese Sprachverödung, diese intellektuelle Reduktion auf Englischbroken auch ihr Gutes, bewahrt es doch hübsche deutsche Wörter wie Tugend, Anstand und Verantwortung vor der Beleidigung, auf den Seiten der FTD wiedergegeben zu werden.
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Empfehlung heute - Allen Männern,
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Umfrage
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Montag, 3. März 2008
Das Ende von Bayern wie man es kannte

Die Politik dieser Partei in der Provinzstadt ist absolut nicht meines, ich hasse diese Bagage aus tiefstem Herzen, die können richtig machen, was sie wollen, es sind Schwarze und damit ist es schlecht. Nulla spes in partem. Aber andere sehen das normalerweise anders, und in der Provinzstadt kann man eh nichts falsch machen: Es gibt zu viele Jobs, zu viel Geld, zu viel zufriedene Leute und eine Dominanz der Partei in allen Gliedern und Gruppen, die soweit geht, dass sich ein Oberer besoffen das Bein vor dem Laden seiner türkischstämmigen Geliebten ramponiert und damit in der ebenso schwarzen Zeitung landet, weil´s halt nicht zu verschweigen war. Der Vater einer Exfreundin konnte mit 3,5 Promille beim Ausparken drei Autos ruinieren und die Polizei tätlich angreifen, und wurde trotzdem im Vorort als Bürgermeister bestätigt. So war das hier.
Und jetzt passiert in der fortschrittlichsten, reichsten, arbeitslosenlosen Kleinmetropole, die nicht mehr weiss wohin mit dem Geld, hier noch ein Museum und da noch ein Jazzfest und die Umweltvereine kriegen auch noch was, in einer Stadt, die das beste Beispiel für erfolgreiche schwarze Politik in Bayern sein könnte, und die über Jahrzehnte nichts ausser einer schwarzen, satten Mehrheit kannte, folgendes:
7% Verlust für die Staatspartei. Und sie hat ganz klar die Mehrheit im Stadtrat verfehlt. Man sitzt vor den Wahlgraphiken am Bildschirm, zuerst verschwindet die 55%-Line, dann sogar die 50%-Linie, am Ende sind es 45-x für die Staatspartei, ein mit nichts, absolut nichts begründbares und unfassbares Debakel. Rauchverbot, achtstufiges Gymnasium und Bankenskandal sind ganz sicher nicht hier zu verantworten, die neue Sparkasse ist zwar hübsch wie die Innenansicht eines Staatspartei-Abgeordnetendarmes und der Aufmarschplatz davor schreit nach unseeligen Zeiten, a wengal gmiatlicher könnte das alles hier sein und ein wenig den bayerischen Charma hat man auf dem Weg zur Weltspitze verloren, aber das allein kann es nicht sein.
Es sieht vielmehr so aus, als würde der Bayer als ein solcher langsam begreifen, dass er die gar nicht wählen muss. Und dass da noch ein paar andere sind, die auch nicht schlecht sind. Freie Wähler, Linke und Grüne sind hier die ganz grossen Gewinner. Auch das sind Klientelparteien, die Gesichter vorn dran schauen genauso kretinös aus wie die bei den Schwarzen, aber die haben auch begriffen, wie man den Wählern kommen muss. Grün, liberal, nicht korrupt oder gar sozialistisch, aber auf bayerisch, des gehd pfeigrod. Da kann die Staatspartei noch so viele Glückskekse von meinem türkischen Gemüsehändler verteilen lassen, da hilft es auch nichts, wenn sich die Parteielite hier und in Preussen gschlamperte Verhältnisse besorgt - diese neue Offenheit vertreibt nur die klerikalen Ultras.
Es ist einfach an vielen Orten nicht mehr sie Staatspartei. Als Staatspartei stand sie für den Staat, aber mit 45-x muss die sich mal fragen, für was sie sonst noch steht. Und was sie ausser Bigotterie, Vetternwirtschaft und Postenschacher sonst noch kann. Wenig. Und das merken die Leute. Zum Entsetzen der Staatspartei. Und zu meiner grossen, aber erfreuten Überraschung.
SCHLEICHTS EICH, IHA BRUNDSKACHEN!
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Bayern verrückt
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Samstag, 1. März 2008
Sehr zu empfehlen - vorher Worst Cases testen
Die Folgen sind unschönster Natur: Man invitiert Gäste, kauft ein und betätigt sich am Herd, nur um entsetzt feststellen zu müssen, dass sich in der neuen Küche nichts findet, was einem angemessenen Servieren zuträglich wäre. Man hätte alle Arten von Tabletts und Schalen, mehrfach sogar - aber eben nicht hier, sondern daheim, und um das eine Schlimme klar zu sagen: Mal eben etwas englisches Silber am Tegernsee nachkaufen ist zwar theoretisch möglich, praktisch aber ruinös und fördert allein eine zynische, abgefeimte Händlerbrut, die CSU wählt und in Rottach-Egern wohnt.
Deshalb gilt es gleich nach dem Erwerb Vorsorge zu treffen: Man stellt zusammen, was man am See zu brauchen meint, kauft das jeweils das zu erwartende Maximum ein und vergleiche, ob es reicht:

Hier, wie man sieht, herrscht eindeutig ein Mangel an einem grossen, ovalen Tablett, sowie einer Kuchenzange. So geht das nun die nächsten Tage weiter, Saucieren wären hilfreich und Untersetzer für die Weingläser fehlen, Tortenheber wären auch nicht schlecht und nachdem dort auch ab und an Frau Mama verkehren wird, ist eine grosse Kaffeekanne ein dringend zu behebendes Desiderat. Nicht, dass Gäste dereinst gezwungen sind, den Kopf unter den Kaffeefilter zu hängen. Sinnvoll ist es, dann gleich das Fehlende aus Schränken und Kommoden hervorzukramen, und das garstige Schicksal zu verfluchen, das einen die letzten Monate zu glauben bestimmte, dass es jetzt mal langsam reicht.
Mangel. Purer Mangel wird bei diesem Test offenbahr, und dabei ist nur so wenig Zeit bis zum Tag der Eröffnung, wo auf der Terasse angesto - Himmel, Sektkelche fehlen auch noch. Wo hab ich denn nur noch ein paar Sektkelche... (geht verzweifelt nach rechts ab, woher, Pling, Chrchr, tscgik, Brzz, leises Scheppern und Klirren dringt)
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Samstag, 1. März 2008
Was sonst
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Schwarze Tage für die Schwarzen
Früher waren hier die Bordelle noch in der Altstadt, aber seit Jahren schon ist der Eingeborene wie der Zugezogene gezwungen, den Trieb draussen vor der Stadt zu verfolgen, denn nicht jeder kann, wie gewisse Obere der Staatspartei, seine Lust in der interkulturellen Zusammenarbeit von französischen Partnerstadtgespielinnen bishin zu türkischstämmigen Erfolgsfrauen abkühlen. Quod licet Jovi, muss der normale bayerische Ochsenschädel bei den bulgarischen Austauschstudentinnen gegen Geld erlauben lassen, und nachdem dies eine Boomprovinz mit vielen hart arbeitenden und die Staatspartei wählenden Männern ist, hat sich auch ein reger Studentinnentourismus entwickelt, genauer, in eine gewisse Vorstadt der Provinzstadt.
Nun betrachtete man seitens der Anbieter die Marktsituation und kam zum Schluss, dass der Stadt noch ein wenig mehr zu bieten sei, mietete ein grösseres Haus an, in dem in Zukunft wie auf dem Oktoberfest rund um die Uhr der bayerische Stier fliegen und der Spargel gedeihen sollte, auf dass es den hiesigen Mannsbildern auch weiterhin zur Zufriedenheit gereichen sollte. Aber was tun die Anwohnerinnen? Obwohl die Kripo das freudige Haus bereits abgesegnet hatte, sammelten die anwohnenden Frauen zwengs der Gefährdung ihrer Kinder, die eventuell sogar solche Damen sehen könnten, 70 Unterschriften gegen den Sündenpfuhl.
70 Unterschriften, das sind bei uns locker 35 böse Staatsparteiwählerinnen, woraufhin die lokalen Parteichefs sofort das bauamt in Bewegung setzten, die diese versuchte Versuchung vermittels wackliger rechtlicher Vorschriften sogleich verboten haben. Soll er doch klagen, der hallodri, wird man sich gedacht haben, und schon überlegen, an welchen alternativen Orten man das sonst unterbringen könnte.
Damit wieder alle zufrieden sind, in unserem schönen Bayernland. In dem die Staatspartei inzwischen vor Müttern enknickt, ohne dass die im Landfrauenbund organisiert wären. Keine Frage, es geht zu Ende mit der Staatspartei.
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Winterbaguette

Ganz unten etwas Pesto und ein paar Bröckchen Gorgonzola dolce, geriebenen Kürbis, sehr klein geschnittenen Broccoli, etwas Thymian, Mozarella und obendrauf dünne, milde, weisse Zwiebelringe. Der kleine Foodporn zwischendurch.
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Empfehlung heute - Ich weiss nicht
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Donnerstag, 28. Februar 2008
Und das Schiff fährt

Diese alte Pension würde meinen finanziellen Rahmen massiv sprengen, aber es wäre mit etwas Hungern, Einschränken und dem Verkauf einer Lunge dennoch nicht unmöglich gewesen, Sicherheiten sind da, und im Sommer habe ich diskret die Geschichte des Hauses, seine Besitzer und deren Vorstellungen recherchiert. Mit dem Ergebnis, dass die Hürden insgesamt doch zu hoch sind, weniger finanziell als vielmehr die italienischen Rechtsprobleme, die damit einhergehen, und noch ein paar andere Dinge, die hier auszubreiten ein eigenes Thema wären. Später, irgendwann, vielleicht, so schnell zerfällt das in Italien nicht, und inzwischen hat man das Gebäude gesichert.
Allerdings haben sich im letzten Jahr auch noch zwei andere Dinge gezeigt: Einerseits war ich doch so unabkömmlich, dass ich zu oft die Fahrerei gen Norden hätte antreten müssen. Umgekehrt lohnt es sich kaum, für zwei, drei Tage tausend Kilometer zu fahren. Nüchtern betrachtet passt es vorläufig nicht zu meiner Lebenssituation.
Andererseits jedoch - ich habe fast 20 Jahre mit mindestens zwei Wohnungen gelebt, ich musste nie irgendwo sein, ich konnte immer ausweichen. Drei Wohnungen in drei Städten war am Ende zu viel. So verliess ich Berlin, und als jemand eine Wohnung in München suchte, machte ich mich endlich an die Totalsanierung und zug in der Provinz in die eine grosse Wohnung, die alle Vorzüge bietet. Ausser dem, weg zu können, wann immer es mir beliebt.
Und wann immer ich in der Maxvorstadt war, hatte ich das komische Gefühl, daheim zu sein, aber nicht daheim bleiben zu können. Mein Viertel, aber nicht mehr meine Wohnung. Das ist ein sehr verstörendes Gefühl, und auch der eigentliche Anlass, so etwas wie eine neue Bleibe zu suchen. Ein anderer Ort, eine Ausweichmöglichkeit, die auch dem Clan etwas bringt, und als ich dann in einer Konferenzpause am Tegernsee diese eine Wohnung betrachten konnte, dachte ich mir, warum nicht, es ist fast noch in München und nicht mehr weit nach Norditalien.

Ich bin ein Kind der 60er und 70er Jahre, als vieles aufgebrochen ist, und man nicht mehr zwingend irgendwo irgendwas sein musste. Wir alle sind die Kinder der Mobilität und der Geschwindigkeit, der verkleinerten Distanzen und der rituellen Urlaube, sowie des historisch bis dahin ungekannten Luxus, wirklich wählen zu können, wo man das Daheim selbst definiert. Es ist Luxus und Krankheit dieser Generation zugleich, die Flexibilität und die Bereitschaft, innerhalb einer Woche von München nach Berlin zu gehen, und in der Folge immer eine gewisse Distanz zu jedem Ort zu haben: Zu der Provinz, aus der wir alle kommen und die wir alle hassen gelernt haben, zu den Orten der Jugend, die irgendwann schal durch enttäuschte Hoffnungen werden, über die Karrierelocations, die wir besser gemieden hätte, und das Fehlen einer echten Verwurzelung ist letztlich das Momentum, das uns nach institutionalisierten Alternativen suchen lässt.
Nicht mehr der Weg, die Flucht ist dass Ziel, der Wunsch nach einem Ort, wo alles schon ist, von der Zahnbürste bis zur Silberkanne, und selbst, wenn es nicht geht, kann einem das Wissen, dass es immer, jederzeit die Alternative gibt, dass man nur in den Wagen steigen muss und hinfahren, den Tag, den Augenblick oder das Dasein retten. Ein Ende des Zwangs, irgendwo sein zu müssen, wo man es nicht mehr erträgt; etwas, das einem die Kraft verleiht, den Vorstadtreihenhausintriganten in Gesicht zu lächeln, an die Möglichkeit zu denken und sagen: Ach, weisst Du... Wir wollen raus, immer, sofort, es ist gar nicht so wichtig, ob es der perfekte Ort ist, aber besser als der Moment sollte er sein, und die ideale Lösung für den Moment liegt an den Alpen und am See. Wenn man den See und die Menschen dort auch nicht mehr erträgt, fährt man eben heim. Es gibt immer eine Alternative.
Und irgendwann eben die Villa Minerva.
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Briten. Wie ich sie liebe.
I am very pleased to be able to offer this superb piece of Silverware for your kind and valued consideration: [...]
Without a doubt, this was a highly treasured piece of silverware clearly shown by the wonderful preserved condition in which it remains.[...]
I respectfully and very highly recommend your earliest and best bid for this very rare piece.
So geht das. Unwiderstehlich. So liebe ich die Briten, die uns laut Anke so lieben.
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Grosses Zoomerkino
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Mittwoch, 27. Februar 2008
Empfehlung heute - Das Schweigen der Wirtschaftslämmer
Cash in der Schweiz nun bringt einen Beitrag über die aktuellen Probleme der Fundusgruppe (u. a. Hotel Adlon Berlin) mit dem wohl bekanntesten deutschen Hotelkomplex des letzten Jahres: Das Grand Hotel Heiligendamm, berühmt geworden durch das letztjährige G8-Treffen. Dort hat eine Bank die Kredite gekündigt, und jetzt sucht die Fundusgruppe für das bislang sehr verlust- und prestigereiche Hotel 30 Millionen Euro, zu besonders anschmeichelnden Konditionen. Wenn der Betrag nicht aufgebracht werden sollte und ein Prozess gegen die den Kredit kündigende Bank verloren geht, droht einem der angeblich besten Häuser des Landes die Zwangsversteigerung. Für die bisherigen Anleger wäre das gar nicht erfreulich.
Indirekt bin ich übrigens auch dabei: Der Vorbesitzer meiner Wohnung am Tegernsee, der nicht immer die glücklichste Hand bei seinen Investitionen hatte, wird wohl einen Teil des Kaufpreises nehmen und versuchen, damit seine früheren Investitionen im Norden zu retten. Wobei ich das vielleicht eher nicht tun würde, wenn ich lese, was Cash so schreibt, im Gegensatz zu anderen, deutschen Wirtschaftszeitungen.
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Mittwoch, 27. Februar 2008
1 Jahr Adical

meine Hoffnung, und so ist es geplant, ist, dass sich Sascha um die Kunden kümmert und eben nicht mehr wir, das hat uns in letzter Zeit viel zu sehr von dem abgelenkt, was wir tun wollen: Schreiben, Podcasten, etc. - Sascha kommt vom Marketing, spricht die Sprache und kann das alles viel besser als wir. Wir wollten das schon so lange machen, aber genau dieser Posten war immer unbesetzt. Jetzt nicht mehr. (Spreeblick am 28.2.2007)

Wer Werbung in Medien grundsätzlich und immer und sowieso verdammt, kann das gerne tun, sollte aber nochmal nachdenken, vielleicht während eines Praktikums bei der Nordkoreanischen Staatszeitung. (Lobo im Adical-Blog, 10. April 2007)

Dass eine Professionalisierung der deutschen Blogosphäre ins Haus steht, kann niemand ernsthaft bezweifeln. (Ebenda)

Mit Blogs erreicht man einfach eine sehr interessante Zielgruppe", sagt Sascha Lobo. Das klingt wie reine Werbung für sein Unternehmen - und darüber muss er selbst lachen. Aber: "Das sage nicht nur ich, sondern auch die einschlägigen Studien." (Die Zeit, Zünder, Ausgabe 15 April 2007)

"Das ist das Problem jeder Subkultur, wenn sie in einem Bereich der Gesellschaft ankommt, der mit Kommerzialisierung und Professionalisierung zu tun hat. Das ist wie bei Punkmusik und Skateboardfahren." Die Rebellion gegen Adical ist nach seiner Ansicht eine Art Wachstumsschmerz der Blogosphäre: "Eine Subkultur auf dem Weg zur Kultur bäumt sich auf." (Lobo zu Spiegel Online, 14. Mai 2007)

Lobo etwa trifft sich zwei, drei Mal die Woche mit den anderen Gründern der Firma Adical, die auf Jahresumsätze im sechsstelligen Bereich kommt. (Berliner Zeitung Anfang September 2007)

Dann wurde es etwas stiller um Adical, zumal es im Sommer und Winter gut 5 Monate Werbepause gab. Aber fast pünktlich zum Einjährigen hat die Zeit Lobo nochmal in einem etwas anderen Kontext gebracht:
Jetzt arbeitet er am nächsten Buch und hat gerade genug zum Leben. (Die Zeit, Februar 2008)
Weiter so, Adical. Immer den Mund schön voll machen, keine Gelegenheit auslassen, was bedeutet euch das Geschwätz von gestern. Versendet sich alles, mehr oder weniger. Und wenn alle Stricke reissen, kann man sich auch um ein Praktikum bewerben, vielleicht bei den Imagebroschüren Berliner Lobbyistenvereine.
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Agewandte Lernfähigkeit
1. Internet ist gnadenlos.
2. Es kommt immer raus.
3. Nichts versendet sich
4. Aber es gibt immer einen Idioten, der glaubt, er kommt immer durch
5. und immer einen, der das nicht glaubt und es beweisen kann.
6. Drohungen helfen im Gegensatz zu Taten nicht weiter.
7. Die lautesten Unterstützer sind dumm und deshalb die schlimmsten Feinde.
8. Man trifft sich immer zweimal
9. wenn man nach dem ersten Mal nochmal auf die Beine kommt
10. aber es muss dann auch nicht besser laufen.
Punkt 4 bis 10 finden sicher auch bald passende Links. Und das 11. Gebot:
Es macht alles keinen Spass.
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Aus der guten alten Zeit der Steuerhinterziehung
Bichlbauer - unsere Treppen bringen die Sie nach oben und die Steuern runter
Die Kunst, mit innovativen Stufen aus dem kostengündstigen Ausland und Abschreibungstricks an die Spitze zu gelangen, später auch den Dachboden auszubauen und dabei alle Begehrlichkeiten des Staates zu umgehen
Bichlbauer hätte morgen die Steuerfahndung im Büro, und das Häuslebauermagazin hätte enormen Stress mit ehrlichen Handwerkern, die Steuern zahlen und Tariflöhne zahlen. Dass dergleichen gemacht wird, steht ausser Frage, aber dafür offen Werbung schalten käme wohl keinem in den Sinn. Sollte man meinen. Allerdings gelten da, wo manche die Bessere Gesellschaft vermuten, andere Regeln:

Eine Anzeige, geradezu eine Selbstanzeige der LGT in der deutschen Einrichtungszeitschrift AD (Condé Nast) Nummer 6/2006, Seite 79. Deshalb hat sich kein Hochglanzmagazin was gedacht, das waren prima Kunden aus der Schweiz und Liechtenstein, das war damals üblich und wäre es bis heute, wenn es nicht aufgeflogen wäre. In einem halben Jahr, wenn man vertrauensbildenden Massnahmen für die nächste Generation der Steuerbetrüger schaffen muss, wird vielleicht etwas dezenter formuliert.
Das Problem der Steuerhinterziehung über Liechtenstein war kein geheimes Gemauschel, kein informelles Gespräch, kein verschwiegenes Treffen, es war öffentlich, jederzeit und allerorten anzutreffen, es hat Werbung geschaltet, und kein Mensch dieser Klasse hatte offensichtlich daran etwas auszusetzen. Und es ist ein rein deutsches Problem: In der britischen World of Interiors aus dem gleichen Haus wird man dergleichen vergeblich suchen. Das sind wir. Das ist diese Gesellschaft. Das sind unsere Eliten. Nicht alle, nicht jeder. Aber es dürfte sich für alle Beteiligten damals gelohnt haben.
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Dienstag, 26. Februar 2008
Penisverlängerung war gestern

Ich wollte nämlich etwas über meine von einer wissenden Bloggerin gerade sehr gescholtene Heimat sagen: Diese Stadt macht es einem sehr leicht, sie nicht zu mögen. Ich gehe auch nicht gerade gnädig mit ihr um, dazu kenne ich sie zu gut. Das Problem ist ein wenig die Verwöhnung, die sie einem angedeihen lässt; ein guter Freund meinte einmal, das Tolle an Bayern sei, dass man sich auch am hässlichsten Ort nur einmal umdrehen müsse, und sofort sei irgendwo etwas Schönes. Das man sich als hier Lebender zu selten bewusst macht.
Heute etwa. Da musste ich "aufs Amt", was bei den Bürgern hier generell Missmut auslöst, weil besagtes Amt in etwa so angenehm anzuschauen ist wie Mauschelei in Marl. Ausserdem regt sich beim bayern angesichts des Amtes stets der innere Anarchist, weshalb auch die CSU hier so stark ist, garantiert sie doch, dass das Amt vollauf damit beschäftigt ist, sich nach Marler Art was zuzuschubsen und deshalb nicht in der Lage ist, den Bayern mit der eigenen, verkommenen Existenz zu belästigen.
Jedenfalls führte mich dort ein eher komplexer Vorgang hin, und ich hatte viel Zeit eingeplant, um es den Amtspersonen zu erklären, mich missverstehen zu lassen, falsche Unterlagen zu erhalten, in falsche Labyrintgänge geschickt zu werden und am Ende mit einem Entscheider nicht konfrontiert zu werden, der gerade sein Büro für den Kaffee abschliesst und danach für sechs Wochen in Urlaub geht. Statt dessen traf ich auf genau eine höchst kompetente junge und obendrein adrette Frau, die mehr bessere Laune als ein Dutzend Berliner Schaffner in ihrem ganzen Leben hatte, und die - Kinder bitte weglesen
eine kleine Broschüre erklärenderweise so vor ihre wohlgerundeten Brüste hielt, dass ich mir nach ein paar Sekunden dachte: Du lieber Himmel, du stehst im Amt unter lauter Menschen und wo gaffst du gerade gezwungenermassen hin? Nach einer halben Stunde hatte ich ausser einem Date mit ihr alles, was ich wollte, verliess das Amt wieder und musste zugeben, dass die Stadt in vielerlei Hinsicht und mit gutem Grund ein gravierndes Imageproblem hat. Aber ich kenne auch Ämter in München, Berlin, Wien, Zürich, Bonn, Basel und Frankfurt, und irgendwie bin ich schon der Meinung, dass grössere Städte, die geistig noch nicht in dem Zentrum angekommen sind, das sie darstellen, klare Vorteile haben.
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Empfehlung heute - Wer hätte gedacht,
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Der Niedergang der Korruption
Schuld sind dabei vor allem die Käuflichen der mittleren Ebene. Was sich schon in den 90er Jahren bei Fällen wie dem Münchner Flughafen oder zu Beginn des Jahrzehnts bei der Allianz-Arena andeutete, ist heute traurige Gewissheit: Bestecher suchen gezielt nach den günstigsten Anbietern in der Kette, und versuchen mit kleinsten Begünstigungen maximale Erfolge zu erzielen. Die hohe Kunst der Korruption, einst das Spiel der Eliten, hat dadurch einen vulgären Beigeschmack verstaubter Amtsstuben bekommen.
So verteilte kürzlich ein rheinischer Gadgethersteller lediglich drittklassige Flachbildschirme an Bankmanager, um so etwas Langweiliges wie seine Kreditlinie zu sichern. Ein Autohersteller organisierte für Betriebsräte sexuell ausgestaltete Lustreisen, die auch als normaler Pauschalurlaub hätten gebucht werden können. Gänzlich mehrwertfrei sind vereinzelte Fälle an Hochschulen, in denen Studentinnen den Professoren für ein Examen geschlechtlich entgegenkommen. In allen Fällen entspricht der Gewinn der Käuflichen nur einem Bruchteil der Einnahmen der Kaufenden. Unglamuröse Neigungen dieses Subproletariats der Vorteilsannahme sorgen für Umsatzverluste der Luxusgüterindustrie. "Allein deshalb sind wir schon gezwungen, uns Journalisten zu kaufen", betont der enttäuschte Vorteilsanbieter eines deutschen Automobilveredlers. "Wenn wir früher zehn Wägen an die eine Stadtverwalter geliefert haben, konnten wir sicher sein, dass zwei Wochen später der Kanalbauer der Nachbargemeinde ebenfalls mit einem Auftrag kommt. Das geht heute alles nur noch über Klickstrecken und Reality Soaps, bei denen wir das Einsammeln der Fahrzeuge vergessen."
Aber auch der Staat - und damit die Allgemeinheit - ist unmittelbar vom Niedergang betroffen. Genügte es noch in den 60er und 70er Jahren, bei ein paar bekannten Personen wegzuschauen, kann er inzwischen nicht umhin, ab und zu ein paar Neukorrupte mit hohen Kosten für Ermittlung und Verurteilung aus dem Verkehr zu ziehen. "Vollkommen unverständlich gerade bei den mickrigen Angeboten", meint der bekannte Müncher Promianwalt L., "wenn es auffliegt, ist man so oder so fällig und ruiniert. Ein angenommener Fernseher hilft da nicht weiter, deshalb raten wir unseren Kunden, angesichts der Risiken auch angemessene Preise zu verlangen". Ansonsten würden nur neue Sozialfälle auf Kosten der Steuerzahler geschaffen.
Doch es gibt auch Hoffnung. "Die Preise haben fraglos ihren Tiefpunkt erreicht, jetzt geht es wieder aufwärts", sagt der in der Szene bekannte Geschäftsvermittler S. aus Düsseldorf. Zu verdanken sei das den Geschäftsinteressen russischer und fernöstlicher Unternehmen, die auf den deutschen Markt drängen und die Preise verderben. "Bei denen ist das ein Teil der Traditionspflege, bei dem keine Kosten gescheut werden", erklärt S., "deutsche und europäische Interessenten werde zukünftig tiefer in die Tasche greifen müssen, um mitzuhalten".
Das gilt schon jetzt für den Markt der Universitäten. "Da bahnt sich ein Strukturwandel an", gibt der St. Gallener Berater T. zu bedenken, "seit die Professoren die Benutzung von StudiVZ kennen, haben sich die Machtverhältnisse verschoben: Sex gibt es schon, wenn ein Professor die Bilderfunde aus dem VZ als Drohpotenzial einsetzt, und wer wüste Drogenparties oder teure Mietwägen herzeigt, muss auch damit rechnen, dass der Professor gerne mal einen 911er fahren möchte". Ohnehin ist der Sexmarkt im Niedergang begriffen, denn im VZ gibt es genügend Gruppen, in denen sich Studentinnen für Kleinstbeträge anbieten. "Heute gehen die Zahlungen der Studenten fast schon treuhänderisch über den Prof zu den Studentinnen", plaudert T. aus dem Nähkästchen.
Vielleicht wird der Markt aber auch von den aktuellen Krisen stimuliert. "Crashszenarien sind immer gute Zeiten für investitionsintensive Vertuschungsversuche", stellt L. klar, der in den letzten Wochen bei Justiz und Staatspartei gern gesehener Gast war. Und gerade, wenn es um das wirtschaftliche und gesellschaftliche Überleben geht, oder auch der Vermeidung eines Zusammentreffens mit von Liechtensteinern engagierten Spezialgruppen der früheren Roten Armee, ist mit einer Erholung des Marktes zu rechnen. "Die Konsolidierung wird einige Marktteilnehmer mit 9 Millimeter zwischen die Augen treffen", bestätigt S., "aber es hilft dem Markt, den Sumpf der Junk-Bestechlichen auszutrocknen und sich wieder auf die Werte des Kerngeschäfts zu konzentrieren." Botschaften, die man bei Sicherheitsfirmen, Staatsparteien und Kofferherstellern in der Schweiz mit Genugtuung zur Kenntnis nehmen wird.
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