Der Kriechgang durch die Institutionen

Früher war es schick, links zu sein. Sponti. Steine schmeissen gegen den Bullenstaat. Mit Joschkas Putztruppe die Strasse von den grünen Misthaufen säubern. Im Pflasterstrand dem Cohn-Bendit nach dem Mund schreiben, für die Weltrevolution und in der Hoffnung, auch mal so Puppen wie der Langhans auf die Ökomatte zu bekommen. Uschi Obermeier, die wär´s gewesen.

Von sowas träumte wohl der junge R. Mohr, aber leider war er etwas zu jung für die Kommune und die freie Liebe, bei der die Frauen trotz des theoretischen Feminismus die praktisch besetzten Löcher putzten. Die Revolutionäre guckten so lang Pinups in der Konkret, den Big Mezz in der Hand. Die Goldenen Zeiten ihrer Revolte eben. R. Mohr bekam nur noch den Niedergang der Bewegung mit. Als er im Pflasterstrand noch linke Parolen orgelte, waren andere schon auf dem Weg in die Realpolitik.

Joschka spricht vor der UN.
Cohn-Bendit will weiterhin im Europaparlament sitzen.
R. Mohr schreibt als Quotensponti für Spiegel Online. Beim Argon-Verlag sollte er mit seinem Buch Generation Z die Lücken schliessen, die der dem Kapitalismus systemimmanente Weggang von Florian Illies gerissen hat.

Hat nicht geklappt. R. Mohr war zu jung für Uschi, und wird auch keine Maike als Groupie bei seinen Lesungen finden. Er ist ein Auslaufsmodell, selbst, wenn er sich den fragwürdigen Methoden eines Kapitalismus bedient, der die Meinungsfreiheit nur als Asset seiner ureigensten Interessen versteht.

Er war nie das richtige Produkt für den sich stetig ändernden Markt.

Dienstag, 9. Dezember 2003, 12:53, von donalphons | |comment