: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Donnerstag, 25. Dezember 2003

Bingo

Die bayerische Staatsregierung setzte grosse Hoffnungen auf das Internet. Die sogenannten Bürgernetze sollten ab 1998 den Bayer vermehrt in Netz locken, um elektronische Post zu lesen, Zukunftsfähigkeiten zu erlernen und auf den virtuellen Marktplätzen, dem anderen Hätschelkind besagter Regierung, einzukaufen.

Also gründeten die Kommunen Initiativen, stellten Räume zur Verfügung, holten Personal an Bord und bereiteten sich auf das grosse E-Zeitalter vor. Sogar offline, in Schaukästen, konnten sich die Kommunikationskrüppel der Neuen Zeit eines Besseren belehren lassen.



Heute spricht niemand mehr von diesen Einrichtungen. Das Internet hat sich ganz anders entwickelt, als die Staatsregierung wollte. Keine der hochgesteckten Erwartungen ist eingetreten. Wäre die Initative ein Startup, wäre sie schon im ersten Jahr Pleite gegangen.

Aber in der Politik denkt man anders. Langfristig. So schnell werden die Mittel nicht auf Null zurückgeführt. Deshalb gibt es sie noch.

Nur auf die Frage nach dem Sinn gibt es keine Antwort.

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Time2Market

Es gibt nur einen Aspekt, der beim Buch nicht veraltet ist: Die Möglichkeit, es zu kommerzialisieren und profitabel zu betreiben.

Ansonsten sind die Basistechniken zwischen 100 und 1600 Jahre alt, und die Vertriebsstrukturen basieren auf den Bedürfnissen des frühen Neuzeit. Es gibt 2 Programme, Winter und Sommer, und wenn es nicht gleich klappt, dauert es nochmal 6 Monate. Zwischen Manuskriptabgabe und dem fertigen Text liegen 3 Monate, wenn es schnell geht, und der Autor einen guten Verlag hat.

Davor sollte man schon an ein paar Wettbewerben teilgenommen haben, ein Netzwerk aufbauen, ein paar obligatorische Absagen kassieren. Zwischen Schreiben und Buch liegen eineinhalb, zwei Jahre, und für Internet-Schreiber ist das in etwa das Gefühl einer Kampfjets, der mit Mach 2 in ein stehenden Hindernis einschlägt.

Und oft genug genauso verheerend. Die durch Wettbewerbe generierte Awareness für junge Autoren ist längst verpufft. Der Stil des Jahres 2002 ist heute schon wieder veraltet. Nichtsdestotrotz quetscht man die Innerlichkeitsdudelei in einen Markt, den es nicht gibt.

Niemand käme auf die Idee, einen Blogeintrag 19 Monate rumliegen zu lassen und zu glauben, er könnte dann noch von Interesse sein. Literatur ist nichts anderes, aber weil es alle trifft, ist sie eben ein paar Jahre hinten dran.

Das nennt man dann Kunst.

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