Abschlussdebatte im ZKM

Ganz am Schluss, als ich mich schon etwas bei der Organisatorin hängengeblieben war, traf ich dann noch eine Bekannte aus alten Münchner Tagen, die jetzt am ZKM ist und mich noch in anderer, dem ZKM angemessener Funktion kennt. Sie war nicht auf der Veranstaltung, aber schon auf einigen anderen. Ihr zufolge hätte es hier schon alles mögliche gegeben, Brüllorgien, Exzesse, immer noch besser als die Langeweile, die wir ja aus München schon zur Genüge kennen, oder die Events für die closed circles, wo sich die treffen, die sowieso schon immer zusammen waren.

Da standen wir dann im hellen Licht eines Frühherbsttages, sprachen von alten Bekannten und dem Umstand, dass fast niemand mehr aus dieser Zeit in München ist, sie sind in Paris, Island, Hamburg, Berlin, Zürich, Porto; geblieben ist eigentlich nur eine Kulturreferentin, alles nicht schön für die Stadt an der Isar. Und ich dachte so zurück an unsere Aktion damals in einer Fabrikhalle, für ein sehr kunstsinniges, akademisches Publikum, und den Herrn aus Kanada...

Der war Medienkünstler und hatte eine Art user generated Video entwickelt, das durch den Dialog von realen Menschen und programmierten, künstlich intelligenten Wortagenten entstand. Die eingetippten Wortkombinationen lösten passend verknüpfte Videoschnipsel aus, die der Künstler im Internet zusammengeklaut hatte. Damit wurde der Film zusammengesetzt, und man konnte sich die Kommunikation und den Film auf zwei Displays anschauen. Es war lustig, an dem Video zusammen mit den Agenten rumzubasteln, und überraschend viele haben sich das auch getraut.

Was allgemein bekannt war: Ein paar Schnipsel enthielten auch Sex, oder akademisch gesprochen, bildliche Darstellungen geschlechtlicher Interaktion zwischen Personen (BDGIZP). Diese BDGIZP-Szenen waren natürlich auch verknüpft, aber es war nicht so einfach, als dass man einfach eine Wortagentin hätte anmachen können, und die Szene wäre gelaufen.

Trotzdem haben viele per WLAN versucht, genau das zu provozieren, und das Publikum blieb lange vor dem Plasmadisplay, irgendwann kam die BDGIZP-Szene, aha, man blieb noch ein paar Anstandsmomente und zockelte weiter zum nächsten Ausstellungsobjekt. Kurz, es war Kunst, es ist weltweit in dieser Szene anerkannt, es war damals via WLAN ziemlich einzigartig in Deutschland, und es war ein Höllenspass.

Und ich hatte bei der Abschlussveranstaltung ein wenig den Eindruck, zusammen mit Johnny genau dieses ansteuerbare BDGIZP-Element gewesen zu sein. Man wunderte sich trefflich über unsere Streitlust, über den harten Stil, warum wir nicht so sind wie unsere Kollegen von der Podcaster- und Videocaster"szene", die erkennbar um einen Sinn, sei es nun politisch oder ökonomisch, ihrer Tätigkeit bemüht waren. Ein Problem an sich grossartige Sache war, dass man sich Johnny und Don Ramone auf die Bühne geholt hatte, die jeweils eine sehr eigene Bühnenpräsenz haben. Andere wären vermutlich anders aufgetreten, ohne dass es - meines Erachtens - die Veranstaltung inhaltlich weiter gebracht hätte.

Denn ich hatte den Eindruck, dass man vorgehabt hat, damit in die"Blogger-Szene" einzutauchen, und man hatte wohl auch gehofft, dass dieses "Szene" nur darauf wartet, an die akademischen Diskurse angedockt zu werden und die passenden Antworten und Selbstreflexionen zu liefern. Nur, es gibt diese Szene nicht, so wie zwei Punkrocker nicht für die Popkultur stehen. Der Umstand, dass viele Leute die gleiche Software benutzen, bedeutet nichts, und wenn doch, dann nur auf der sozialen Ebene. Die wiederum lebt von Kommentaren. Und die Kommentare setzen eine Bereitschaft zur einer sehr ungewöhnlichen, asymetrischen Kommunikation voraus. Interessanterweise war die Vortragssituation sehr dem Bloggen vergleichbar - ich stehe mit Namen und Funktion erkennbar vorne, jeder kann mein Blog lesen und Informationen bekommen, aber was weiss ich von denen ausser dem Namen? Nichts. Und da sind wir dann wieder bei der Streitkultur, die sich jetzt darin äussert, dass ein empörter Zuhörer Johnny in seinem Blog anpöbelt - hier müsste er eine echte Mailadresse angeben, deshalb ist er wohl nicht hier.

Es ist nur logisch, dass mein Vortrag von vielen nicht gemocht wurde; die Kritik an Johnny verstehe ich nicht, aber meine Zeit als Akademiker ist ja auch schon lange her. Ich weiss nur noch: Nichts hasst der Betrieb mehr als die Nichtbeachtung des Betriebs, denn das bringt ihn zum Holpern. Der Blogbetrieb ist da mit seinen eigenen Codes über weite Strecken auch nicht besser. Aber ich hatte auch den Eindruck, dass ältere Wissenschaftler - im Gegensatz zu Studenten, die erst mal ihren ruhigen Platz im System finden müssen - und ältere Blogger nach 1o grossen Flames mit dem Holpern recht gut umgehen können. Es vielleicht sogar als dekonstruktivistisches Element schätzen, dieses baudrillardsche Pieksen des unbeweglichen Systems, bis es zuckt. Die Wissenschaftler waren unisono der Meinung, dass die Veranstaltung überfällig war und nicht ohne Follow Ups bleiben dürfe. Dann vermutlich mit anderen, eventuell auch softeren BDGIZPs, obwohl ich selbst schon wieder drei andere Anfragen habe. und ich wäre keine Rampensau, wenn ich sie nicht annehmen würde

Es war eine tolle Veranstaltung. Besser kann man die Organisation nicht machen. Alles andere ist dann die Sache der Teilnehmer. Es war oft kontrovers, manchmal blieb die Debatte leider vollkommen aus, und obwohl über dieses Blog hier berichtet wurde, die Rebellen ohne Markt der Quell meiner Erkenntnis sind, kam nichts davon hier an. Dieser Text ist nur das leise Plätschern kleiner Wellen an einem frühherbstlichen Strand, über den sich das unendliche Nichts der ewigen Nacht über dem Netz ausbreitet, und nichts, kein lauter Aufschrei im Kommentar deutet darauf hin, dass noch vor 48 Stunden, weit draussen auf dem akademischen Meer beim sonnigen Karlsruher Archipel, ein mittleres Gewitter tobte, denn dort gibt es schlichtweg nicht die Publizität, die hier vollkommen normal ist.

Und ich setze mich in den Sand, ziehe die Schuhe aus und lese in meiner aktuellen Blogzeitung, welche schönen Geschichten die bewundernswerten Kollegen inzwischen geschrieben haben,

just for the fun of it.

Sonntag, 25. September 2005, 19:06, von donalphons | |comment

 
nicht dabei
nein, ich war nicht dabei, aber es war wirklich auch schon am Freitag genau die gleiche Erkenntnis. Zwei Welten trafen aufeinander, die zumindest auf der einen Seite gemerkt haben, dass während der Veranstaltung noch eine Parallelwelt vorhanden war. Eigentlich schade, denn dann hätten sie vielleicht, aber auch nur vielleicht gemerkt, dass mehr dahinter steckt, als nur a-list-blogger und Journalisten, die versuchen zu bloggen. Vielleicht beim nächsten Mal, dann wenn die Veranstalter darauf vorbereitet sind, dass es noch mehr gibt, als den wissenschaftlichen Diskurs, der sowieso nicht wirklich aufkam - oder vielleicht doch beim Blogger/Referenten Treffen?
Vom Samstag hab ich bisher von der Diskussion nichts gelesen - kommt da noch mehr, nur nicht an dieser Stelle vielleicht, aber die Veranstaltung war wohl am Samstag deutlich dünner besetzt.

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Gut, man darf nicht vergessen, dass Klaus Eck live weitaus gesetzter als Johnny ist; das hätte der Veranstaltung vielleicht einen anderen Dreh gegeben. Wobei er auch nicht das hätte bestätigen können, was da bei vielen in den Köpfen war: Bloggen als Unterform der Bürgermedien, als Fortsetzung der offenen Kanäle, als Leute mit Botschaft, die sich artikulieren wollen und nach Qualität und Wirkung im herkömmlichen Sinne streben.

Dass es über weite Strecken nicht so ist, ist eine Erfahrung, die sicher noch nicht ganz bei denen angekommen ist. In Deutschland muss alles einen Zweck haben und einen Sinn. A-List-Blogger müssen nach oben wollen. Traffic ist eine Währung. Es gibt Konkurrenz, und die Leute geben auf, wenn sie keine Leser bekommen. Das ist die an herkömmlichen Medien geschulte Denke.

Und deshalb werden sie es nie begreifen, weil schon das wichtigste Element ihrer versuchten Analyse falsch ist: Die Fragestellung.

Die Antwort kann ich schon mal verraten: 42.

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Ja eben
"Just for the fun of it"

Das haette das Motto der Tagung in Karlsruhe sein sollen. Denn nichts anderes ist Bloggen doch.

Ich denke, ohne es wirklich zu wissen, dass die Veranstaltung dazu diente, dem Bloggen ein oeffentliches Gesicht zu geben, es einzuordnen und damit am Ende eine Rechtfertigung zu haben es zu regeln. Deutsch eben.

Man muesste mal recherchieren, wie in anderen Laendern mit dem Bloggen umgegangen wird. Ich kann mich ja hier mal umhoeren.

Meine persoenliche Meinung ist, dass es Bloggertreffen schon geben sollte, als Moeglichkeit zum persoenlichen Kennenlernen. Aber darueber hinaus wissenschaftlich (akademisch) ueber das Bloggen zu diskutieren, finde ich verfehlt und ueberfluessig.

Uebrigens Don: Das du eine Rampensau bist, sieht man sehr schoen auf dem Bild von dir als Redner.
Andererseits: Harald Schmidt ist auch eine elende Rampensau und ich faende es extrem schade wenn er es nicht waere. :o)

Mein urspruenglicher Kommentar zu deinem Bild haette eigentlich sein sollen: "Ach, Michael Gloss war auch da?"
Aber ich habe es mir dann verkniffen.

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Was soll ich tun? Bei jedem Knipser kurz anhalten, den Bauch einziehen, ein gewinnendes Schwiegersohnlächeln aufsetzen und davor mehr als 2 Stunden schlafen und weniger als 300 Kilometer Benzen scheuchen? Ist es das? ;-)

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Ich setz mal bei einem Satz von bizwriter an:

"Aber darueber hinaus wissenschaftlich (akademisch) ueber das Bloggen zu diskutieren, finde ich verfehlt und ueberfluessig."

Die Meinung teile ich nicht - nicht nur, weil ich (auch) wissenschaftlich über das Bloggen rede und schreibe. Ich kann gut verstehen, dass einem Blogger die wissenschaftlichen Beiträge zum Thema irrelevant oder "am Kern vorbei" vorkommen; möglicherweise, weil sie zu allgemein argumentieren und die individuelle Praxis nie so richtig treffen können; möglicherweise, weil sie naturgemäß immer hinter der Entwicklung her hinken; möglicherweise, weil sie die falschen Fragen stellen (siehe http://www.bamberg-gewinnt.de/wordpress/archives/282 ).
Aber Wissenschaft ist (ähnlich wie Bloggen, und auch wie der klassische Journalismus) eine Form der Reflexion und Selbstvergewisserung einer Gesellschaft. Das läuft nach eigenen Regeln und mit einer eigenen Sprache ab, aber letztlich geht es darum, die Welt zu verstehen, die uns umgibt. Ach ja, und es geht natürlich auch darum, das Gefühl zu genießen, dass man im Mittelpunkt von Aufmerksamkeit steht und erstmal einfach nur erzählen kann, was man denkt - egal ob das Publikum nun aus "fellow bloggers", akademischen Kollegen oder dem dispersen Publikum der Massenmedien besteht.

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Frank Zappa:

"Writing about music is like dancing about architecture ..."

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Wenn man einen Hammer hat, sieht man die Probleme nur noch als Nägel, sagen die Amerikaner. Und wenn man eine Studie macht, sieht man die Probleme nur noch als Studienobjekt.

Es ist ja nicht so, dass Blogger nicht gern metabloggen. Ganz im Gegenteil, nicht umsonst ist die Blogbar so oft verlinkt worden. Aber der Unterschied ist, dass die Argumentation auf die Empfindungsebene runtergebrochen wird.

Manchmal erinner mich das Bloggen ein wenig an den jüdischen G`ttesdienst, wenn in einer Gemeinde neue Rabbiner schaulaufen - denn im Judentum bestimmt die Gemeinde demokratisch den Rabbi. In der Regel gewinnt der, der lebensnah erzählen kann und am Ende den besten jüdischen Witz bringt.

Und so ähnlich ist das beim metabloggen auch. Nur muss man das können, und ich wage es zu behaupten, dass der deutsche akademische Betrieb dergleichen nicht als Kernkompetenzen vermittelt. Wer dann noch das Wort "dispers" verwendet, hat schon verloren.

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Frank Zappa wusste übrigens nicht, dass Gret Palucca am bauhaus sehr gut zu Architektur getanzt hat.

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... ich glaube Herr Zappa wollte von Ausdruckstanz auch lieber nichts wissen ...
Aber im Ernst: Etwas weniger Nabelschau und im Bewusstsein um die eigene Bedeutungslosigkeit weitermachen. Und was die Kommuikationswissenschaften angeht - ich bleibe bei Herrn Zappa ....

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Oh oh, wenn man sich die Legenden um die Frau anschaut, dürfte sie in einigen essentiellen Bereichen Zappas Vorstellung von der nasty little jewish Princess recht nahe gekommen sein.

Und die Kulturgeschichtsschreibung gibt sich auch alle Mühe, eine Josephine Baker incl. Bananenrock mangels anderer genehmer Begrifflichkeiten irgendwie unter Ausdruckstanz abzuheften.

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A-List Rabbis
Ich will mein Argument nochmal erweitern: Bloggen und Wissenschaft sind sich nicht nur deswegen ähnlich, weil es darum geht, die Welt zu verstehen, die uns umgibt. Sie belohnen auch ähnlich - mit Aufmerksamkeit und Reputation. Wer gut bloggt, d.h. was zu sagen hat und das in einer Sprache, die anderen gefällt, der wird gelesen, zitiert, verlinkt, vielleicht sogar zu Tagungen eingeladen oder bei Arte portraitiert... mindestens aber erreicht er das Publikum, das er erreichen will.
Wer sich erfolgreich im Wissenschaftsbetrieb etablieren will, der muss auch seine Sprache (=Fragestellungen, Begriffe, Theorien) finden, um gelesen, zitiert, zu Tagungen eingeladen zu werden (um irgendwann möglicherweise auch davon leben können).
Ich bin absolut der Meinung, dass man als Wissenschaftler das Bloggen als Kulturphänomen besser versteht, wenn man es auch selber tut. Aber man muss es letzlich beschreiben ("verstehend erklären" trifft es für mich ganz gut), und das macht man in einer anderen Sprache und möglicherweise mit anderen Schlußfolgerungen. Als bloggender Blogforscher tanzt man nicht über Punkrock, sondern covert es mit einem Symphonieorchester oder einer Blaskapelle.

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don: Siehst Du - der gleiche Bloedsinn auch hier, dumme Taxonmie fuer nicht wirklich fassbare Dinge. Ich verwette meinen Webbrowser das Herr Zappa mit einer Gibson SG nach der Bauhausdame geworfen haette - dieses laecherliche Gehopse ...

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@janschmidt - das mag ja alles sein - und in den Laber Geisteswissenschaften so funktionieren, in den Natur- und Ingenieurswissenschaften ist es auch recht hilfreich ab und an mal eine eigene Idee zu haben - insofern tue ich mich hier etwas schwer von der Wissenschaft und dem Bloggen zu sprechen - die Variationsbreite ist doch erheblich ....

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Lasst sie doch wissenschaftlich über blogs forschen. Irgendwo müssen ja die öffentlichen Forschungsmittel hin.

Wobei ich dabei bleibe: Die Sozialwissenschaften haben in den letzten 10-15 Jahren nicht viel gerissen. Von Ausnahmen wie Dirk Baecker mal abgesehen.

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D'accord - wenn ich auch DFG Antraege stellen koennte um mal eine Woche im Medoc zu verbringen ... und die lokalen Weinkeller zu studieren.

hicks

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@franz: klar, die variationsbreite ist groß. Aber dann dürfte man im Grunde auch nicht von "der" Kommunikationswissenschaft, "den" Laberwissenschaften oder "den" Sozialwissenschaften reden.
Was ich nicht ganz verstanden habe: Worauf bezieht sich Dein Vorwurf, man solle zumindest ab und zu mal eine Idee haben? Auf die wissenschaft? Auf die KoWi? Auf die Blogforschung? Auf was anderes?

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Der Vorwurf bezieht sich selbstredend auf die Wissenschaft - bei der - huestel - Blogforschung kann ich ja nun gar keine eigene Idee erkennen, man beschreibt einfach nur in bester Humboldtscher Tradition das was im Dschungel so herumkriecht. Alexander von musste noch beschwerliche See- und Landreisen auf sich nehmen um den Objekten seiner Begierde nahe zu kommen, der Kommunikationswissenschaftler zwaengt sich vor seinen Browser (oder falls damit ueberfordert) laedt seine Forschungsobjekte ein und laesst sich was erzaehlen.

Die Geckos, Schlangen und Ochsenfroesche haetten A.v.H. was gehustet ....

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Als bloggender Blogforscher tanzt man nicht über Punkrock, sondern covert es mit einem Symphonieorchester oder einer Blaskapelle.

Mit Respekt: Was für ein Müll. Es gibt sicher blogger, die nicht die Weltformel suchen und Wissenschaftler wissen, dass sie nur Puzzle-Stücke beitragen können.

Ist das sowas wie teilnehmende Beobachtung?

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Hab' ich gerade bei internet soziologen gefunden ...
... Strukturen als verfestigte Regelschemata, die bestimmtes Verhalten nahe legen oder ausschließen: Aus der wiederholten, an der Realisierung bestimmter Kommunikationsabsichten orientierten Nutzung des Internets entstehen Regeln für den Umgang mit dem Medium und seinen Angeboten (vgl. Höflich 1996, 2003). Im Sinne Goffmans (1977) bilden diese Verwendungsregeln den Rahmen für individuelle Nutzungsepisoden, wobei die korrespondierenden sinnhaften Praktiken die Rahmen gleichzeitig reproduzieren. Regelstrukturen legen Standards medienadäquaten Verhaltens fest, indem sie bestimmen, welches Medium für einen bestimmten Kommunikationszweck in Abhängigkeit vom jeweiligen Kontext zu nutzen ist (Adäquanzregeln) und wie ein Medium im kommunikativen Prozess zu verwenden ist (prozedurale Regeln). Entstehen und Stabilität von Verwendungsregeln ist zunächst vor allem in der interpersonalen computervermittelten Kommunikation (Email, Diskussionsforen, Chats) untersucht worden (vgl. Höflich 1996, Postmes/Spears/Lea 2000, Döring/Schestag 2000, Matzat 2002), doch der regelorientierte Ansatz zur Analyse computervermittelter Kommunikation wurde inzwischen auch auf andere empirische Untersuchungsgegenstände wie Online-Tageszeitungen oder lokalbezogene Online-Kommunikation im Allgemeinen angewandt (vgl. Höflich/Schmidt 2002, Schmidt 2004).
aus:

"Strukturierungsprinzipien in der Online-Kommunikation: Das Beispiel der Weblogs"

Forschungsprojekt am Zentrum für Neue Medien der Donau-Universität Krems, 01.01. – 30.04.2005


... laber rababer und das geht E N D L O S SO weiter.
Mit Verlaub - da wird sicherlich nicht nur meine DNA bruechig,
wenn man nicht nur eine Metadiskussion fuehrt sondern sich tatsaechlich mal (wenn auch nur kurz) mit den Inhalten abgibt wird sehr schnell deutlich, dass die Metadiskussion eigentlich ueberfluessig ist - es gibt da nichts was sich zu diskutieren lohnt - Hauptsache die DFG/DAA (oder wer auch immer sowas bezahlt) erhaelt einen Abschlussbericht - danach : Kompost

(gibts auch bei Naturwissenschaftlern - so einen Quark, bevor das gebashe hier los geht ... )

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Das Blog4awareness-Argument ist noch nicht mal bei sog. A-Listern akzeptabel. Jeder A-lister hat mal ganz klein angefangen und eine Weile klein rumgespielt, bis dann durch irgendwelche Zufälle der grosse Schub kam. keiner kann erklären, wie das geht, ich auch nicht. Es passiert halt. Und davon haben tut man absolut nichts, weil man von den 2000 durchlatschenden Nichtssagern nichts mitbekommt. Absolut nichts. Bleiben ein paar Dutzend Leute, die den Mund aufmachen. Die tun das aber auch nicht wegen der Awareness.

Es gibt Ausnahmen wie die clickgeilen Neoconnards in der Szene. Und wer es professionell betreibt, braucht viel Traffic. Aber in den allerallermeisten Fällen ruht das Bloggen in sich selbst, es ist hermetisch, und das macht es auch so schwer, es irgendwie zu fassen, wenn man es selbst nicht ebenso hermetisch betreibt. Dass es dennoch nach aussen gerichtet ist, ist eines der vielen Paradoxone, mit denen man problemlos leben kann, wenn man sie nicht verstehen will.

Ich will nicht verstehen. Ich will sein.

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Waaaaaaas? Hat der das wirklich so geschrieben? *wischt den DNA-Staub vom Thinkpad* *GRÖHL*

Im Ernst, wenn ich sowas lese, bekomme ich sofort Lust, ein ganz widerliches Selbstverstümmelungs- und Magersuchtweblog mit so krasser Jugendsprache ey aufzmachn um die Checka voll zu punischn wenn die Freakz vonne Institutn kommen.

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@franz: ok, vielleicht denk ich permament in die verkehrte Richtung, aber ich weiss immer noch nicht so recht, was Du an der Wissenschaft dann eigentlich vermißt bzw. was "die Idee" sein soll, die fehlt. Die Sozialwissenschaften (so wie ich sie verstehe) schauen hin, was in der Welt um sie herum passiert, und versuchen dann, das was sie sehen, (nach bestimmten Regeln) zu verstehen und zu erklären. Da werden keine allgemeingültigen (Natur)Gesetze formuliert oder durch findige Tüftelei der Wirkungsgrad einer Maschine optimiert, aber trotzdem kommt es zu Erkenntnisfortschritt (btw, ganz sicher nur in Form von mehr oder weniger großen Puzzle-Stücken).

@strapatto"
Ist das sowas wie teilnehmende Beobachtung?"
nein, mir geht es hier gerade um die diskussion an sich, weil mich interessiert, warum blogger und wissenschaftler sich manchmal nicht verstehen. das schließt aber nicht aus, dass diese und andere gespräche mein wissenschaftliches verständnis vom bloggen beeinflussen - nicht zuletzt, weil ich ja selber merke, wie mein eigenes bloggen meine wissenschaftliche arbeit verändert hat.

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yo brota - wanna more of dis stuff?

go get it - check it out:

Von Strukturierungsprozessen im Internet kann somit gesprochen werden, wenn sich mit dem Gebrauch von onlinebasierten Kommunikationsanwendungen Regeln und/oder Relationen überindividuell verfestigen und über einen gewissen Zeitraum stabilisieren. Sie werden damit zu sozialen Tatsachen im Sinne Durkheims, sind also quasi-objektive, von außen auf den Einzelnen einwirkende Phänomene, die gleichwohl nicht von den individuellen Handlungen, Interaktionen und Kommunikationsakten zu trennen sind. Diese reproduzieren vielmehr durch ihr regelmässiges und überindividuelles Auftreten die Strukturen bzw. sorgen für inkrementellen Wandel, wenn in der individuellen Handlung den verfestigten Regeln nicht gefolgt wird oder vormals bestehende Relationen aufgelöst werden.
Die fortdauernde Diffusion des Internets sowie die Entwicklung neuer Angebote macht diese Institutionalisierungsprozesse hoch dynamisch. Manche Anwendungen, die zu Beginn der wissenschaftlichen Online-Forschung eine wichtige Rolle als Untersuchungsobjekt spielten, haben zwischenzeitlich für die Mehrzahl der Nutzer an Bedeutung verloren. So sind z.B. die Newsgroups des "Usenet" größtenteils durch webbasierte Diskussionsforen abgelöst worden, genauso wie textbasierte Online-Spiele ("MUDs") zugunsten von grafisch anspruchsvollen virtuellen Welten aufgegeben wurden. Aus kommunikationssoziologischer Sicht ist daher beständig zu prüfen, ob mit neuen Anwendungen und Diensten auch neue Verwendungsregeln und Relationen, kurz: neue Strukturierungsprozesse einhergehen.
Eine solche neue Anwendung stellen die "Weblogs" dar, die in den letzten zwei Jahren eine starke Verbreitung erfahren haben. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass Inhalte (zumeist Texte beliebiger Länge, aber auch Bilder oder andere multimediale Inhalte), in umgekehrt chronologischer Reihenfolge auf einer Webseite veröffentlicht werden. In der Regel bieten sie ihren Lesern auch die Möglichkeit, Kommentare zu hinterlassen. Durch Verweise auf andere Weblogs, denen interessante Informationen entnommen wurden oder zu deren Autoren ein persönlicher Kontakt besteht, bilden sich Netzwerke von untereinander verbundenen Texten heraus; die Gesamtheit aller Weblogs wird zuweilen als "Blogosphäre" bezeichnet.


... your local dealer

ohhh ich vergass - Zitat siehe oben ....

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so langsam krieg ich ja doch lust, das hier wirklich als teilnehmende beobachtung oder meinetwegen als experiment anzusehen.

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.... ja - hoerst Du die Froesche quaken husten?

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all da homies in da highschool get it on dis is da real shit u know. me I wanna get real and say: Dis is a Job for my uzi.

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Sorry, ich bin Wissenschaftler, sogar Soziologe, richtig mit Diplom, einem Master und einer Promotion. Aber: Ich verstehe blogs. Weil es einfach ist: Man bloggt nicht, um ein Ziel zu erreichen. Also keine Selbsterkenntnis, Beeinflussung von eigener Arbeit oder Ruhm. Das unterscheidet blogs von anderen Medien, die in der Regel ein Ziel verfolgen: PR, Auflagenzahl, Beeinflussung von Personen oder Handlungen. Wie schon in den Kommentaren bei der blogbar bermerkt, sind blogs eher mit Fanzines zu vergleichen.

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Hmmm - bei der Abschlussdebatte im ZKM wurde festgehalten, dass man die Ergebnisse und Erfahrungen in den nächsten Wochen per Mailkontakt vertiefen wollte. Ich habe geraten, einfach ein Blog aufzumachen und zu schaun, was da passiert... aber das wurde wohl nicht so gesehen. Wie es aussieht, macht hier gerade das A-gelistete 21. Jahrhundert das Rennen gegen die Kommunikationsstrukturen des 19. Jahrhunderts.

Johnny hat in seinem Vortrag zum Businessbloggen darauf hingewiesen, dass man schnell sein muss. 2 Minuten Reaktionszeit, keine Abstimmungsmöglichkeit, maximale Offenheit und Bewusstsein für das Ziel, mit dem anderen zu reden und ihn nicht nur dazu zu bringen, etwas abzukaufen. Und genau in dieser Situation steckt dieses Blog jetzt. Die Debatte läuft, die Kommunikation ist da, die Offenheit, die Wände des ZKMs sind durchbrochen - well, und jetzt wäre es eigentlich an der zeit für die Wissenschaft, ihren Standpunkt offensiv zu vertreten.

Im Blogspeed. If u can.

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Don, genau das versuche ich ja gerade.. :)

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Ja dann mal tau: Schnell, schnell zwei Pfund Soziologengequake -
geht das?

... Jetzt sind schon ueber 4 Minuten um.

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Yeah, aber wo sind die anderen Kombattanten? Hier ist es auch nicht anders als in der geschichtsschreibung: Entweder man macht sie, oder man wird eingemacht. Hier werden gerade die ersten publizistischen Claims abgesteckt. Mit einer Leserschaft, um den Faktor 20, 30 mal so gross wie im ZKM. Wenn wir schon mal von publizität reden wollen. Und ohne, dass ich jetzt noch die Blogbar aufschalte.

Das ist Bloggen. Aber was tut der Betrieb?Wo sind sie? Hier gibt es gerade was zu lernen.

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ich heb mir mein soziologengequake für die kowifrösche in journals und auf konferenzen auf.
hier gehts mir jetzt übrigens auch nicht darum, irgendwem irgendwas zu verkaufen, sondern eben meine sicht der dinge darzustellen. bloggen halt.

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Yeah, aber wo sind die anderen Kombattanten?
Das frag ich mich auch, ich fühl mich grad zwar nicht auf verlorenem posten, aber doch etwas umzingelt... :)

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franz? schon sieben minuten rum..

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Ich bin jetzt etwas entaeuscht von der Textmenge/Zeiteinheit, ich dachte da kommt mehr aus der Soziologenecke - aber so ganz ohne Antrag/Foerderung - sitzt da die Feder nicht ganz so locker?

Keine Sorge - ich denke der don hat auch einen schoenen Komposthaufen, von daher: Feder frei!

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Kowifrösche - das muss ich gleich mal geistig taggen ;-)

nein, Spass beiseite, die Debatte ist ja offen. Und es ist enorm schwer, Argumente gegen Gefühle zu setzen, aber genau das hatten wir schon im ZKM. Da war ich gewissermassen der Hai auf dem Trockenen. Hier ist jetzt Wasser. Und noch ein paar Haie. Überspitzt gesagt. Und es wäre allein schon wegen der Wissenschaftlichkeit hochspannend, hier einen kleinen feldversuch mit Wissenschaftlern zu machen. Können die mithalten, allein schon beim Speed? Haben die eine Sprache, die hier überzeugt? Haben sie den Mut zur Öffentlichkeit und zur Debatte jenseits der Betriebsanweisungen?

Der Gewinn, wenn sie es schaffen, ist der nachweis, dass sie auch jenseits des Elfenbeinturms bestehen können. Und big respect, ist ja eh klar.

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... ach, wenn ich das hier so sehe nehme ich dann doch lieber den Soziologen von der Taxizentrale, der ist immer in 3 Minuten da, wenn man da anruft ...

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ich stell mich gerne dem feldversuch, wenn ich weiß, wozu ich was sagen soll. ich werd es nur heute abend nicht mehr können, weil ich eh schon zu spät dran bin und zwei straßen weiter ein bier und einige nette leute warten.

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Ja das ist natuerlich bitter, also werde ich heute abend nicht mehr erfahren wie man diesen Bloedsinn in zwei Saetzen zusammenfassen kann.

... da muss ich wohl mal den Taxifahrer fragen.

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Ein kurzer Hinweis in eigener sache für mitlesende Wissenschaftler: Der Beitrag ist an einem schwach frequentierten Sonntg 3 Stunden und 20 Minuten online, und es gibt 3 Debattenstränge und 37 39 Kommentare. Das ist jetzt noch nicht mal was Besonderes. Das ist cruising speed. Vmax ist vielleicht doppelt so viel. Das zeigt dann auch, wie man bei solchen Debatten ticken muss. Wie man schreiben können muss. Da bleibt schlichtweg keine Zeit für Wortdrechselei und wissenschaftlich korrekte Satzbausteine. Und das ist auch gut so, denn dann läuft die Kommunikation

auf Augenhöhe.

Es ist so ein bisschen wie Düsenjäger fliegen in der verkehrsberuhigten Innenstadt. Es macht Spass.

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franz, dann frag den taxifahrer. Wenn Du bloggen in zwei sätzen zusammenfassen kannst, dann schreib es auf, mach ein Bild davon und setz es hierhin. Meine Meinung: Bloggen ist Gespräch.
So, das war sogar nur ein Satz und ohne Fremdworte, tut mir leid, wenn ich Dich enttäusche.

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Ich dachte beim Konkurrenzkampf des publish-or-perish muss man auch schnell sein. Sonst sitzt irgendwann ein anderer auf dem warmen C4-Stuhl.

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Der klassische p-o-p-Krieg geht hier nicht, schliesslich kann man hier ja schlecht die Hiwis mitschreiben lassen, so ganz ohne Kontrolle. Hier muss man schon selbst wieder ans Steuer, sonst geht das sicher mit Mach 2 senkrecht in die Hauswand. Statt nur mit Mach 1 in den virtuellen Boden.

Note2Scientists: Im Moment flipt die Debatte aus, wir fliegen ein paar Immelmann-Rollen. Dafür muss man agil sein. Sehr agil, sonst ist der Gegner plötzlich hinter einem. Und man selbst im Schussfeld.

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Ja der Herr Schmidt - mir gehts hier ja nur um die Verschwendung von oeffentlichen Mitteln - ich habe genug Erfahrung aus meiner Zeit als Wissenschaftler um einschaetzen zu koennen, dass es hier nur um das abfruehstuecken von Forschungsetats geht ... und das mit geringen geistigen Aufwaenden. (Was das eigentliche Aergernis ist. Punkt)

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Genau: Hiwis no trespassing. Ist was für Profis. Examensurkunde (mind. mit 2 oder besser) ist vor dem Freischalten bei Don einzureichen. Könnte ja jeder kommen und den teuren Düsenjet zu Klump fliegen.

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@Franz
Ich habe mir schon lange abgewöhnt, mich über Verschleuderung von öffentlichen Forschungsgeldern aufzuregen. Ein Grund dem Uni-Betrieb zu verlassen. Nun mache ich es für die xxx-Industrie. Zahlen besser und die wollen kein Geschwafel, sondern schnelle, verwertbare Resultate.

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Gut, man muss natürlich sehen, dass DFG und Co. Organisationen sind, die dergleichen geradezu erzwingen. Ich weiss noch, als mal bei einem DFG-Projekt die Kommission vorbeikam, um den Etat des folgenden Jahres auszumachen. Der Grabungsleiter war der Schüler eines halb hirntoten Profs und hat die Förderung bekommen, weil sein Text hirnfickrig genug war, um den gegnerischen Prof ganz hirntot zu machen. Auf er Grabung waren alle nur 10 Minuten, die Besprechung fand in der Dorfschänke bei viel Alkohol statt. Schon übel, wenn die alten Säcke Wissenschaftlichkeit erwarten, während sie sich auf 30.000 Fuss picheln. Aber man war ja oft genug auf exkursion, um zu wissen, warum und ab wieviel der Prof den Leuten schon bei der Einleitung nahelegt, doch lieber Bäckersgattin zu werden.

Dass das Projekt zwei Jahre später von dem Nachfolger und Lieblingsschüler des Profs abgesägt wurde, weil der erste Prof inzwischen restlos unzurechnungsfähig war, ist eine andere Geschichte.

Fördermittelbeantragung - grauenvoll. Jeder Pitch ist dagegen reinstes Zuckerschlecken.

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@strappato: Yeah, thats the way it is - geht mir dito, mich aergert es aber irgendwie immer noch - beim Geldverschwenden (aka zu Promotionszeiten) ist es ja soooo lustig, die Erkenntnis, dass draussen im richtigen Leben viele Leute viele gute Ideen haben muessen um das Geld fuer den letzten Wissenschaftsbloedsinn aufzubringen reift meist erst sehr (zu?) spaet.

Meine schoenen Steuern ....

Update: Immerhin ist es wenigstens soweit, dass mittlerweile allueberall bekannt ist, dass die DFG nur noch der Besenwagen der Foerdermittelverteiler ist - wer keine Industriepartner gewinnen kann: runter zur DFG - und die zicken ja auch mittlerweile ...

Und die Soziologen machen dann Industrieprojekte mit den jeweils oertlichen Taxizentralen? hehe

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Ja, es ist das System. Ich kann es keinem Forscher verdenken, wenn er ins Ausland geht. Zu meiner Zeit war das nicht so üblich und einfach. Gab noch keine Erasmus-Sachen, Uni-Partnerschaften usw. Heute wird ja jeder Student ins Ausland getragen, wenn er nicht aufpasst. Wenn ich heute nochmal kurz vor dem Abschluss stünde, dann würde ich mich aus dem Staub machen.

Nur das System wird erlernt. Tradiert beginnend von der studentischen Hilfskraft bis hin zum Akademie-Präsidenten.

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... der Herr Schmidt scheint ja wirklich beim Bier zu sein.

hmmm.

... oder koennen wir uns das Skalp in den cache legen?

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Übrigens, was ist B2B
bei Soziologen und KWlerinnen?

Wenn sie den Boden der Dönerbude seines Chefs putzt.

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na, jetzt lass mal den Bamberger, der ist im RL wirklich nett und es ist schon bewundernswert, wie er nach dem Kniekehlenschlag von Johnny wegen dem SPON-Artikel über Wahlblogs immer noch dranbleibt.

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zum glueck gibts bamberger bier und freunde mit internet.

hab ich was verpasst, während ich weg war?

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Die KWler und Soziologen werden aber auch von der Industrie am Leben erhalten. Indirekt. Jedes Jahr müssen meine Forschungspartner einen höheren Anteil der Drittmittel an die Uni abgeben. Manche haben keine Lust mehr, nur der Druck, bei der Evaluation hinten zu liegen, zwingt sie, Drittmittelgelder einzuwerben. Von den Anteilen, die an die Uni gehen, werden dann die Sozialwissenschaftler bezahlt.

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ah, jetzt sind wir beim fördersystembashing.
Das abfruehstuecken von forschungsgeldern gefällt mir, genau das hab ich in Wien gemacht: beim heurigen oder wahlweise im beisl gesessen, stipendium in der jukebox und im flipper durchgebracht, und am ende den soziologischen phrasengenerator angeworfen.

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Schwer, da wirklich die Ironie drin zu finden.

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Nun, wenn man den einschlägigen Beschreibungen der beiden Konferenzen glauben darf, war der gesellschaftliche Teil für viele wohl der entscheidende Moment.

Die Vortragssituation ist für Blogger ja auch wirklich unsinnig: Da quasselt man jahrelang zusammen die Comments voll, und dann soll man plötzlich vorne stehen und denen erklären, wie die Welt so ist...

Einzige Ausnahme: Lesungen! Da stimmt das dann wieder.

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meint ihr wirklich, dass industriefinanzierte forschung bessere forschung ist? keine vorwurfsvolle frage, sondern aus ernsthaftem interesse - ich kenne jede menge auftragsforschung, die nun wirklich keine wissenschaft ist, sondern gefälligkeitsresultate produziert. der einzige grund, dass das nicht die PR-Abteilung macht ist, dass es sich besser anhört, wenn da ein institut oder ein prof mit draufsteht.

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@Jan
Du hast schon mal industriefinanzierte Forschung gemacht? Oder gar in der Industrie als Wissenschaftler/wissenschaftlich gearbeitet?

Ansonsten lohnt es nicht darüber zu diskutieren. Ist ein weinig einem blinden das Kino zu erklären.

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Schwer, da wirklich die Ironie drin zu finden.
Strappato, was soll ich denn sagen, wenn mir franz, von dem ich nur ein paar flickr-bilder kenne, letztlich vorwirft, ich hätte steuergelder abgezockt?
ich bin gern bereit, mich über die finanzierung von forschung zu unterhalten, von innovativer forschung allemal. aber dann sollten wir auch drüber reden, wer entscheiden soll, was förderungswürdig ist und was nicht.

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Ich habe einen Freund, dessen Software-Firma ist wegen einer Streichorgie eines staatlichen Forschungsprogramms pleite gegangen. Ich habe eine Bekannte, die sich mit einem Freund eine halbe Stelle in einem Museum teilt, Sonderfördrung, jeder von denen malocht 60 Stunden die Woche.

Und die Wirtschaft interessiert in der Regel nur: kann man was verkaufen. Die denken in Märkten. Wenn man denen das erklären kann, ist es vielleicht nicht immer reine Wissenschaft. Aber man geht dabei nicht kaputt.

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Es geht nicht um bessere oder schlechtere Forschung - es geht um die Sinnhaftigkeit des Forschungsgegenstandes - es liegt auf der Hand - und ich kenne das aus dem Umfeld einer TH, dass die Industrie eigentlich nur Forschungsprojekte mit einem erkennbaren Anwendungsbezug foerdert.

Man kann die Frage auch umdrehen: Was wuerde der Welt fehlen wenn das hier nicht zusammen gelabert produziert worden waere?

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nein, industriefinanziert im großen stil nicht. ich habe die letzten fünf jahre als freiberuflicher wissenschaftler zugebracht und mich über lehraufträge, mehr oder weniger lange zeitverträge und gelegentliche drittmittelgelder finanziert. höhepunkt in dieser hinsicht: die evaluation der kirchenzeitung "heinrichsblatt", von der erzdiözese bamberg finanziert.
Ich beschwer mich übrigens deswegen nicht sondern bin äußerst zufrieden drüber, dass ich im großen und ganzen immer die dinge bearbeiten konnte, die mich interessieren. und ich muss sagen, ich bin recht froh, jetzt zur abwechslung mal zwei jahre relative sicherheit bei gleichzeitiger freiheit zu haben.

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Was Franz angeht: Einfach mal das Blog hier nach seinem Namen durchgoogeln. Ich denke, der kann mehr als nur knipsen. Aber genau das ist ja auch das Spannende am Bloggen: Man weiss oft nicht, mit wem oder was man es wirklich zu tun hat.

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@janschmidt: Ja aber dann ist doch alles in guter Butter!

( ... wenn nur der Forschungsgegenstand nicht so bloed herumzicken wuerde )

das ist das schoene bei der Festkoerperphysik - wenn die Atomis herumzicken - einfach ab ins 3He - schon ist (fast) Ruhe im Kartong

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don: klar, ich komm nur im moment nicht dazu, wie gesagt, ich sitze eigentlich mit freunden zusammen, die mich grad schon gefragt haben, ob das, was ich hier mache, gerade spass oder arbeit ist. ich meinte, es wäre ein erregtes kneipengespräch.. :)

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Ich denke, ich würde auch kein Archäologe sein wollen, wenn ich eine etwas abwertende, hochgeistige Ausstellung über die Hunnen mache und sich plötzlich herausstellt, dass es noch welche gibt - die kommen nämlich gerade zur Tür rein...

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Von wegen Qualität.

Wir arbeiten für die Pharmaindustrie. Da geht es um Zulassung, Erstattung, usw. Am anderen Ende sitzen Wissenschaftler, die ganz genau hinsehen, ob die Qualität stimmt. Denn es geht um viel Geld und die Sicherheit der Patienten. Und es geht um Zeit. Jeder Monat, der um die sich die Markteinführung oder die Erstattung verzögert, geht von der Patentzeit ab. Bei einem "Blockbuster" können das Umsätze von 100 Millionen Euro und mehr pro Monat sein. Mit Gefälligkeitsgutachten kommt man da nicht weiter.

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@franz: ja!

zu dem anwendungsbezug übrigens noch: ich arbeite seit einem jahr mit knallgrau zusammen, die mir kein geld zahlen, aber meine forschungsergebnisse kriegen. Sie sollen selber sagen, ob sie das, was ich ihnen erzähle, für sie einen wert hat (ich denke es). ich rede auch anders übers bloggen, wenn ich mit den knallgrau-leuten, oder anderen bloggern oder in meinem blog rede. aber ich muss manchmal für manche leute eben auch sachen in einer anderen sprache schreiben - das ist ja eigentlich der ausgangspunkt dieser ganzen debatte, finde ich.

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strappato: danke, jetzt kann ich mir etwas mehr vorstellen - ich weiß zuwenig über industriefinanzierte forschung in den nicht-sozialwissenschaften, aber ich kann mir denken, dass es da tatsächlich anders zugeht; ich dachte vorhin an kommerzielle marktforschung etc.

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Super, wir haben ein Ergebnis:
Soziologe findet eigenes Geschreibsel furchtbar
ich finde: damit kann man arbeiten!

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genau, das setze ich jetzt als disclaimer allen aufsätzen voraus.
im ernst und guess what: ich bin heilfroh, dass es blogs gibt, in denen ich mit anderen über dinge reden kann, die mich interessieren - und dass ich mich da nicht bemühen muss, zu jedem satz eine quelle und zu jeder behauptung eine tabelle zu bringen.

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Du brauchst keine Mig 29, um jemanden auszumanövrieren, der nicht fliegen kann. Es wird ein Lachen sein, das sie beerdigt!

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Und weil wir uns alle so lieb haben habe ich mal schnell noch ein
Bild geknipst.

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ok, dann geh ich mal unter gelächter der mig29-spotter in meine gelbe tonne schlafen. vielleicht springen ja morgen ein paar kollegen aus dem elfenbeinturm in die bresche, ansonsten unterhalten wir uns bei der re:publica mal bei einem bierchen. ich würd mich freuen.

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@Jan
Markt- und Meinungsforschung? Oder gar Kommunikationsforschung bei der GfK, vulgo Quotensau?

Das wird doch nur von den Professoren immer als abschreckendes Beispiel genannt, damit die Assi-Sklaven auf der Galeere bleiben. Aber es gibt viele interessante Forschungs- und Themenfelder da draussen im richtigen Leben. Davon wissen aber die Dozenten und Professoren in der Uni meist nichts von, da sie ausser Uni, Ministeriumsgutachten und DFG nichts anderes kennen.

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Zwischenauswertung Echtzeit-Experiment
höhö

Folgende Teil-Erscheinungen zeigen sich (u.a.!):

- Jedes Millieu hat seinen eigenen Sprech. Es ist nicht ganz fair, vom Soz.wissenschaftler ein Echtzeit-Mitbloggen in hochkultureller (also: blogtypischer) Darbietung zu verlangen. Jan hat sich recht gut geschlagen. Das ist ausbaufähig.
- Der mögliche Chat ist nur ein Aspekt des Bloggens
- Trotz höchstgebildeter Teilnehmer war man sogar hier kurz davor, sich beleidigt zu fühlen bzw. dem Gegenpart an den Karren zu fahren. Dazu die Frage: Enhemmt Bloggen?

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- es ist durchaus fair, von Profis in ihrem Fach hohe Geschwindigkeiten zu verlangen. Deshalb sind sie ja auch die Profis, geeignet für den Elitendiskurs, und unsereins macht laut Claus Leggewie nur Schmutz.

- Jan hat im Schonwaschgang den Kopf oben gehalten. Aber unsere Marshalls gehen auch noch bis 12. Das hier war alles noch harmlos. Eine Testrunde. Das Plantschbecken.

- morgen gibt´s wieder lange texte, aber ich werde den teufel tun und eine Debatte darunter beenden.

- dazu die Antwort: Nein, die sind wirklich so. Die wollen nur spielen.

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