DCT/Boocompany vs. Rebellen ohne Markt/Blogbar

Jetzt sind gewissermassen (fast) alle meine virtuellen Wohnorte wieder online, mit Ausnahme des Geburtsortes von Don Alphonso, der seit 99 auf einer völlig anderen, missbrauchten Website eines anderen Projekts seine tägliche Ration Internettext los wurde. Als DCT im Herbst 2004 offline ging, war Rebellen ohne Markt nach heutigen Vorstellungen mit rund 300 Besuchern am Tag nicht "gross" und hatte zwischen 10 und 20 Kommentare. Dotcomtod war und ist, was den Traffic angeht, um ein mehrfaches grösser, und es scheint, als hätte die lange Zeit der Abschaltung weder für den Traffic noch für die Heavy User eine besondere Rolle gespielt - alle sind sie wieder da.

Ich denke, ich darf erwähnen, dass Dotcomtod/Boocompany momentan - relativ gesehen - weniger Traffic als das Bildblog hat. Trotzdem ist es nochmal eine ganz andere "Trafficmachine" als dieses private Blog hier, was man daran erkennen kann, dass ein Artikel schnell mal an einem Tag die 3000er-Marke knacken kann. Wie ist es nun, das Schreiben in einem der grösseren Blogs wie dem hier oder Blogbar, im Vergleich zu Dotcomtod/Boocompany?

Komischerweise ist es ein anderes Gefühl. Hier kann ich ziemlich sicher davon ausgehen, dass es relativ ausführliche Debatten zu den sehr unterschiedlichen Themen gibt, die ich setze. Momentan ist es vielleicht ein wenig viel, aber 50 Kommentare unter einem Beitrag sind keine Seltenheit, bei der Blogbar liegt der Durchschnitt über 20. Die Kommentare verorten den Beitrag in einem Meinungsnetzwerk, es entsteht eine manchmal vielschichtige, manchmal abdriftende Debatte, die aber wohl einer der Gründe für den hohen Traffic sein dürfte.

Bei Dotcomtod gibt es immer noch das alte, etwas komische Gefühl von 2003, als Tausende jeden Morgen die Beiträge lasen und einfach nichts dazu sagen wollten. Über die Gründe - Angst vor Entdeckung, reine Konsumhaltung, hasslesen - kann man nur spekulieren, aber schon früher konnte ein provokativer Boo schon mal einen Tag stehe bleiben, bis die Debatte begann. Daran hat sich kaum etwas geändert, und auch die Art der Kommentare ist anders - weniger kontrovers, mehr begleitend.

Insofern ist das Bloggen hier und da nicht nur thematisch ein Unterschied, sondern auch von Gefühl her: Boocompany hat sicher einen weitaus grösseren Einfluss, entspricht weitaus mehr einem "klassischen" Medium, als das Blog, es hat aufgrund der speziellen Leserschaft sicher einen weitaus höheren "Impact", und trotzdem ist es eine sehr viel weniger intensive Art des Publizierens. Vielleicht kann man es mit dem Autofahren vergleichen: Mit der Isetta mit 130 eine steile Landstrasse hinunterrasen ist ein anderes Gefühl als in der S-Klasse mit 20o auf der Autobahn fahren.

Bleibt die lang debattierte Frage, ob Dotcomtod ein Blog ist. Kann man, denke ich, sagen. Eine grosses Multi-User-Blog. Das aber, wie vielleicht viele Blogs ab einer gewissen Grösse, nicht mehr wie ein normales Blog funktioniert.

Montag, 30. Januar 2006, 22:52, von donalphons | |comment

 
Interessant, vor allem der Perspektivwechsel (Angst, Konsum, Hasslesen).

Ich fand beieindruckend, wie ihr das alles wieder online gekriegt habt (Beiträge, eCards, ...)

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Nun, es soll angeblich die ganze Zeit irgendwo gelegen haben ;-) und natürlich haben da manche Leute um Lanu einen tollen Job geleistet. Ich war´s nicht.

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"...ob DCT ein Blog..." ist(?)/war.

Boah, was stößt du mit DER Frage an! Eine neue Grundsatzdebatte darüber, was ein Blog ist, was nicht? Vielleicht sollte man dazu ein Poster konzipieren, einen Blog-Atlas, der die Kontinente "Ego-Blog", "Multiuser-Blog", "Monothema-Blog" etc. auf einer Art Landkarte verortet.

Andererseits stellt sich die Frage, wem das nutzt.

Natürlich ist Boocompany AUCH ein Multiuser-Blog. Andererseits betrachte ich auch www.schandmaennchen.de als Blog, obwohl der geschätzte Kollege, der es seit 1999 (glaub ich...) betreibt, sich mit Händen und Füßen gegen diese Rubrifizierung wehrt.

Und vielleicht ist es wirklich nur langweilig, wenn Blogger über das Bloggen bloggen ;-)

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Ich versuche nur zu ergründen, was die Unterschiede beim Befüllen der Maschinen ist. Die Frage wegen des Blogs Dotcomtod ist schon etwas älter - Nico Lumma hat in seiner Kritik des Blogbuchs gefragt, was DCT damit zu tun hat. Im Prinzip tendiere ich, wenn überhaupt, zu einer sehr weiten Definition (im Buch habe ich mich darum gedrückt). Ich denke, die Wahrnehmung ist im Kern wirklich nur ein Grössenphänomen.

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Die Unterschiede beim Kommentarverhalten haben auch was mit, taraah!, erlernten Verhalten zu tun - es erscheint naheliegender, in einem Blog zu kommentieren. Zudem ist dies hier sozusagen Dons gemütliche Wohnstube, hier werden Kerzen entspannt angezündet, während ggüber DCT/Boocompany gewisse Ängste vorhanden sind, z.B. vor ungnädigem Zerfleischen, was weiß ich.

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"vor ungnädigem Zerfleischen"?
Und die soll es hier nicht geben? Hm. Und was ist mit mir?

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Vielleicht kann der Rückgriff auf den of geschmähten Begriff "citizen publishing" helfen. Blogs lassen ungefilterte Informationen und eine in der Regel ebenso ungefilterte Kommunikation mit dem Leser zu. Im Gegensatz zu klassischen Medien mit Redaktion, die über die Beiträge und Veröffentlichung von Leserbriefen entscheidet.

Für mich sind dies die Hauptkriterien, die Strickblogs, Teenie-Blogs, Watchblogs und andere unter einem Dach vereinen. Es wird zwar immer argumentiert, dass blogs was neues, revolutionäres wären. Aber das ist nur die Technik. Ohne die Wurzeln im Usenet, in den Fanzines, in den BBS, in den offenen Kanälen, in den Schulzeitungen, in politischen Alternativdruckerzeugnissen, usw. hätten blogs nicht so viel Erfolg. Die Kultur und die Motivation zur freien Meinungsäusserung war vorhanden.

Für mich sind dies auch Gründe, warum es teilweise Unterschiede bei "Blogdurchdringung" zwischen verschiedenen Ländern gibt. Die freie Meinungsäusserung wird gesellschaftlich nicht überall im gleichen Masse honoriert.

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Die Frage der Durchdringung ist natürlich auch immer eine Frage der Motivation und der technischen Voraussetzungen. In einem Land, wo man aufgrund von 5k-Verbindungen nicht gross mit Videochats anfangen muss, spielt das Blog vielleicht eine grössere Rolle. In einem Land, in dem es ein ausgeglichenes Mediensystem gibt, gibt es für viele Blogs einfach keine Motivation.

Das mit dem "Citizen Journalism" halte ich tatsächlich für problematisch, weil der real existierende Bürgerjournalismus, den ich noch in einer seiner letzten Ausprägungen voll mitbekommen habe, wirklich etwas anderes, und ganz sicher nicht "bürgerlich" war. Und auch nicht sein wollte. Im Gegenzug handelt sich die Blogosphäre dafür eine gewisse bürgerliche Verlogenheit ein, eine mitunter wenig erbauliche Cliquenwirtschaft, und ob in der weiteren Entwicklung nicht doch das die Wahrnehmung dominiert, was ich privat als "Abschaum" bezeichnen würde, ist nochmal eine andere Frage. Es ist so viel Buzz um dieses thema, alle zerren daran, viele wollen definitiv nicht den Erfolg einer "Kultur", sondern ihres Geschäftsmodells.

Und deshalb ist es wichtig, wenn manche Strukturen garantiert aussen vor bleiben. Wie Dotcomtod. Komischerweise war/ist die Medienredonanz beim Start weitaus grösser als bei den notorischen "Klowänden".

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Daher auch nicht "citizen journalism" sondern "citizen publishing". Man kann den Bürgerjournalismus der 70er und 80er Jahre nicht mit den heutigen blogs vergleichen. Aber das spiegelt auch die Gesellschaft wieder. Selbst die taz hat zur Zeit eine dienstags erscheinende Serie, die dem Phänomen der "neuen Bürgerlichkeit" auch in alternativen linken Milieus nachgeht.

http://www.taz.de/pt/2006/01/17/a0165.1/text
http://www.taz.de/pt/2006/01/24/a0166.1/text
http://www.taz.de/pt/2006/01/31/a0181.1/text

Blogs sind auch nur ein Spiegelbild der Gesellschaft. Was mich sehr ärgert ist, dass mittlerweile in den blogs regelmässig Säue und vermeintliche Skandale durchs Dorf getrieben werden, ohne Reflektion auf deren Relevanz und Einordnung in den gesellschaftlichen oder politischen Kontext - nur der Ausfmerksamkeit und des Spasses am Treiben wegen - der vernetzte Mob. Das ist Boulevard und die Methoden sind die der B*ld-Zeitung nicht unähnlich. Ich hoffe, dass dies nur eine Episode in der Geschichte der blog-Kultur ist und nicht der Beginn einer Entwicklung.

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Die Säue, nun, das ist das folkloristische Treiben zu Beginn jeder Revolte, wenn die Machthaber erstaunt sind und laut aufschreien, wenn die Eier geflogen kommen.

Das Problem sehe ich mehr darin, dass eine Bürgerlichkeit eigentlich ausgeschlossen werden kann, weil es kein einendes Elemant gibt. Vermutlich endet das alles in einer seltsamen Form der Anarchie mit vielen Parallelgesellschaften und Clans, aber wenigen Hypernodes. Wer weiss schon, was bei myblog oder blog.de passiert? Niemand. Will das überhaupt jemand wissen? ich denke, das Interesse der als "Sautreiber" Bekannten ist da immer noch grösser als das der diversen Kleinszenen.

Das ist dann auch der Grund, warum ich eigentlich keine Lust habe, Niggemeiers Artikel zu debattieren: Zu flach angesichts der Komplexität dessen, was gerade passiert. Und er negiert völlig die Risiken und Probleme der Entwicklung. Dabei könnte ein Blick in die alten Topcharts bei Blogcounter schnell zeigen, was wirklich die massenkompatiblen Treiber der Entwicklung sind - Schund für gelangweilte geeks etwa, oder ganz banal Porno.

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Ich halte auch das was bei myblog, blog.de oder anderen communities geschieht für die Entwicklung der blog-Kultur wichtiger als die Bauchnabelschau der A-list-Blogger in den blog-charts. Nur da wären die Kommunikationswissenschaftler gefragt. Aber die interessieren sich nur für die "citizen journalism" und "corporate-blogs".

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ich fürchte, um das zu erklären, müsste man da wirklich drin sein. Nur mag ich keine mangas und Bauchnabelpiercings, ich stricke nicht und pflege mich in Sätzen über 5 Wörtern und ohne emoticons auszudrücken. Selbstverstümmelung liegt mir gar nicht. Und auf Podien will man - möglicherweise zurecht - diejenigen haben, die zumindest etwas Überblick haben. metadiskurse finden bei Myblog einfach nicht statt, das macht es so schwierig, sich dort irgendwo einzufinden. fast so schwierig wie bei myspace in den USA.

Es steht m. E. ausser Frage, dass sich die nachwachsende Zielgruppe der Medien in grossen Platten, wie bei einem Kontinentaldrift und mit enorm hoher Geschwindigkeit von den Medien löst. Die Medien haben das schon begriffen und reagiert: Das Schülerblog der Mopo, Fluter bei der Zeit, die Umstellung von Jetzt.de auf Blogs. Ob es klappt - ich kann es mir nicht vorstellen, allenfalls jetzt.de hat da eine Chance. Das Problem der medien wird sein: Wie schaffen sie es, diese leute an sich zu binden und den Wettlauf gegen Yahoo und Google und MSN nicht zu verlieren. Wobai nach meiner meinung die letzteren drei auch massiv überschätzt werden - MSN will angeblich Deutschlands grösster Bloghoster sein :-/

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Tja, strappato,
für diese These wirst Du gleich frenetischen Beifall von Peter Turi kriegen. ;-) Aber ich bin mir nicht so sicher, ob da wirklich die Zukunft liegt. Natürlich spricht nichts dafür, dass die heutigen top dogs auch in zwei drei Jahren noch die gleiche Lufthoheit haben wie im Moment. Aber ich denke, dass damit die Gesetzmäßigkeiten nicht außer Kraft gesetzt sind, wonach sich dann eben neue Top-dog-Hierarchien herausbilden. Denn auch in der Blogosphäre verteilt sich die Aufmerksamkeit kumulativ. Und wenn Communities wie blog.de oder myblog überwiegend im eigenen Saft schmoren, dann ist es ziemlich unwahrscheinlich, dass die künftigen Leitwölfe von dort kommen. (Es kam noch nichts gutes aus Galiläa, har, har) Das werden halt Sekten oder Stämme mit eigenen Ritualen und Erkennungszeichen werden. Aber werden die die Gesamtkultur nachhaltig mitprägen?

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Ach, die Top-Dogs... Wenn man erst mal einen gewissen Ruf hat, ist es schwer, den schnell wieder zu verspielen, wenn man ein wenig Gefühl für das Thema hat. Andererseits wird es Top-Dogs geben, die keinerlei Impact auf die Debatten haben - beispielsweise die Game-Blogs, die Robert Basic gerade hochzieht. Die werden ihren Traffic bekommen, eventuell auch Gewinn abwerfen, aber keinen Einfluss auf die Geschichte der Mediennutzung an sich haben, weil sich die diversen Spielergruppen noch nie für Print oder Portale interessiert haben. Eine gesamtkultur wird und kann es nicht geben, und wenn doch, dann wird sie aussehen wie bei msn spaces:

http://spaces.msn.com/rosina53/
http://spaces.msn.com/ash1992germany/
http://spaces.msn.com/armaniali/
http://spaces.msn.com/Dirk370/ -

Zitat:
"Hu Hu
ist alles neu mal schauen was bassiert
wei garnicht was hier rein soll"

Das Kernproblem - und vielleicht auch der Grund, warum Stafan Niggemeier angesichts der Zeichen an der Wand die FAZ verlässt - ist das Wegbrechen der Schicht, die früher automatisch die kunden der Tageszeitungen waren. da hängt natürlich auch so ein thema wie die Flexibilität und die Arbeitszeiten dran - wenn ich bis um 4 schuffte und erst um 11 aufstehe, wenn ich alle 2 jahre meinen Arbeitsplatz wechsle, werde ich mir keine tageszeitung mehr antun, sondern mir die news bei SPON holen, und mein "Lokalteil" sind die Blogs meiner Freunde zwischen Garmisch und Sylt.

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Darf ich mal ganz vorsichtig den altmodischen Begriff "Gegenöffentlichkeit" in die Debatte werfen?

Auch wenn Bürgerfunk und derlei inzwischen schlecht riechen, sind sie doch ein Wurzel dessen, was in Blogs passiert. Es lohnt sich vielleicht, die Literatur aus den Sibzigern dazu mal wieder querzulesen.

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Der zentrale Unterschied - und gleichzeitig das Erfolgsrezept - der Blogs dürfte sein, dass sie in der Regel nicht "gegen" die Öffentlichkeit sind, sondern "anders". Die Negation der Medien äussert sich nicht durch einen ablehnenden Kampf um die Meinung, sondern in eine Gleichgültigkeit gegenüber dem, was vorgegeben wird. Gegenöffentlich sind vielleicht Boocompany, Rebellmarkt und eine Reihe weiterer bekannterer Blogs, aber die grosse Masse weiss nicht, was sie tut. Und da ist auch das Problem der Medien: Wie geht man mit einem Gegner um, der sich gar nicht bewusst ist, was er da gerade anrichtet?

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Beifall von Turi zu bekommen ist ja eher ein Kainsmal. Man kann den blogger, der vielleicht sogar irgendwann vom bloggen leben kann und auch in anderen Medien auftaucht, nicht mit dem blogger, der in myblog sein Leben beschreibt vergleichen. Lufthoheit bedeutet auch hier wieder, die Meinungsführerschaft in einer der vielen Parallel-Welten. Ich denke bei myblog oder blog.de gibt es auch "Top-Dogs" oder Hierarchien, wie in allen sozialen Gruppen.

Ich möchte auf einen anderen Aspekt hinweisen, ich möchte es mal "Profis" und "Amateure" nennen. Viel vom Erfolg, Resonanz, Awareness, Credibility, usw. ist bei blogs mit der Zeit verbunden, die man fürs bloggen aufwendet. Nicht von ungefähr gehören zu den "führenden" blogs viele Freiberufler, Unterbeschäftigte, Studenten, usw., die ein gewisses Mass an Zeitsouveränität haben. Die oft beklagte Abwesenheit von Entscheidern und anderen "Eliten" bei den bloggern ist auch damit begründet, dass denen einfach die Zeit fehlt. Und da wird sich nix dran ändern.

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Den Turi-Applaus
wollte ich nicht als Drohung verstanden wissen. ;-) Natürlich gibt es top dogs in den genannten Communities - bei blog.de heißt einer der Aktivposten bezeichnenderweise auch noch "doomdog". Der hat sicher eine Gefolgschaft - aber mit Lufthoheit meinte ich schon bisschen was anderes, nämlich eine gewichtige Stimme auch in den Meta-Diskursen. Oder dass einer von dort mal auf ner Lesung dabei ist und so Sachen. Das wird solange nicht passieren, solange das "socialising" nur innerhalb der eigenen angestammten Straßenzüge im Dorf stattfindet.

Das mit dem Faktor Zeit und Nerv ist völlig richtig. Aus diesem Grund bin ich ja auch so skeptisch, ob wir hierzulande wirklich noch die große Bloggerbewegung sehen werden. Kann genausogut sein, dass die Sache ihren Peak bereits erreicht hat. Man muss ja auch immer die Fluktuation sehen von Leuten, denen es dann doch schnell zuviel wird, was sie an Zeit und Energie in das neue Spielzeug stecken müssen, damit da auch was zurückkommt. Wieviele von den 2.500 Blogger.de-Blogs sind denn wirklich aktiv?

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Was wir bislang haben ist eine Infrastruktur. Die ist relativ neu, dezentral und eignet sich zur multidirektionalen Informationsdistribution ohne dass die den Beschränkungen eines hohen Kapitaleinsatzes unterliegt. Das eigentliche Kapital ist - wie strappato richtig sagt - die Zeit. Und das Vermögen, Information mit der Kulturtechnik Schreiben zu erzeugen. Das lernt man aber ausserhalb der Blogossphäre. Da warte ich gespannt auf die erste Generation die primär über's Internet sozialisiert worden ist und das Schreiben vielleicht erst da richtig lernt (Pisa! Pisa!). So wie das heutige Hollywoodkino mit seiner Bildsprache ohne MTV nicht mehr zu denken ist - und die MTV-Generation ist jetzt erst da im Establishment angekommen - wird das Bloggen auch in die Alltagskultur eingehen. Da sind verschiedene Entwicklungsstränge in die Zukunft denkbar und jeder hat da wohl auch eigene Präferenzen, sofern er diesen Prozess bewußt verfolgt. Und - wieder analog zu MTV - ein Andy Warhol (nachzulesen bei Theweleit) hatte seine fifteen minutes auf MTV. Erhofft hatte er sich von diesem neuen Medium wohl auch was anderes. Aber er hat gezeigt, was damit möglich war.

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Die Relevanzschwelle
Nimmt man rebellmarkt, Boocompany und die , ich sage mal, enger befreundeten Blogs zusammen, kommt da schon eine Menge an Information und Diskussion zusammen. Letztendlich interaktive Literatur. Ach, by the way: Auf einem der Rechtsblogs hat man sich gerade jubelnd auf die Schultern geklopft, weil man über 40 Leser gleichzeitig hatte. Das zeigt, wie irrelevant die eigentlich sind. Beruhigend, das!

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Na, das legt sich aber auch wieder. Und ein paar andere sind sowieso weg, wenn da mal der Hoster gegen die Diebe durchgreifen würde.

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Das Zeit-Argument überzeugt mich nicht ganz. Eher ist es wohl eine Kombination verfügbare Zeit plus anderer Faktor wie Affinität zum geschriebenen Wort oder Ausdauer. Und aktives versus passives Medienverhalten. Denn angeblich schauen wir ja alle pro Tag 2 1/2 Stunden TV. Da ließe sich doch locker eine Stunde abknappsen für aktives Hirntraining. Oder schaut jemand anderes meine 150 Minuten mit? Dann könnte es knapp werden...

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Da ist die gängige These, dass die leute den Kopf abschalten wollen, den sie in der Arbeit eh nur auf Standby hatten.

Ich denke aber, wenn man nicht ein Textjunkie ist, dann kann einem so ein Blog geistig ganz schnell in den roten Bereich treiben. Desto mehr Kommentare kommen, desto schneller läuft dieses Spiel, das weitaus anstrengender als normales Lesen ist.

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@che: D.H., die sind stolz auf eine Awareness, bei der andere Blogger Harakiri begehen würden? My God, how poor!

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"The little amuses the simple", lernte mir meine Grosstante.

Was die Relevanz angeht: Da bin ich gespalten. Der Treibstoff für die Blogosphäre ist ja gerade, dass jenseits der Relevanz publiziert wird. Und zwar nicht nur a la "Blind spots der Medien beheben", sondern wirklich so, dass es jenseits eines winzig kleinen Kreises absolut keine Bedeutung hat. Was im übrigen ja auch auf Rebellen ohne Markt geschieht, denn ein grosser Teil der Beiträge hat jenseits des persönlichen Erlebens nicht mehr Relevanz als der Schultag einer Myblog-Bloggerin.

Dass es dennoch "Läuft", bei den einen gut und bei den anderen nicht, ist eines der Phänomene, das man klären müsste um zu wissen, wie man partizipieren kann. Ich weiss es nicht und würde auch raten, bei Patentlösungen und banalen Beschuldigungen vorsichtig zu sein - egal welcher Blödsinn da von verschiedenen Seiten vorgetragen wird. Es wäre gut, wenn manche Leute zugeben würden, dass eben mehr dazu gehört als nur ein, zwei Assets - aber bei der Wertung spielen Verlogenheit, Aversionen und Feigheit auch bei Leuten eine Rolle, die gern als Visionäre und Vorreiter (und dann wieder als Trolle, gell Nigge?) auftreten.

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Hand aufs Herz, Don
Wir waren eine Community, als rebellmarkt startete. dct war auf seine Art ein sehr erfolgreiches Medienprojekt, und der harte Kern der Protagonisten ein funktionierendes Netzwerk, in Teilen auch ein Freundeskreis. das waren Deine Startbedingungen, und es gab immer Austausch mit "regulären" Medien. Das erklärt natürlich nicht die Leserkonjunkturen als Solche, aber für das Aufwachsen eines Blogs sind das Traumbedingungen.

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Das wage ich in einigen Punkten zu bezweifeln. Rebellen ohne Markt hat einen Teil der alten DCT-leser übernommen, aber das war/ist nur ein kleiner Teil der Leser hier. Und es gibt einen Unterschied zwischen Verlinkung und Traffic: Die verlinkung bekommt man nur, wenn die Inhalte passen. ich bin heute soweit, dass ich wirklich unterscheiden würde zwischen Blog und DCT, zumal sich das eigentliche wachstum ohne DCT im Frühjahr und Herbst letzten Jahres abgespielt hat.

Bei der Blogbar zieht das Argument mit den Medien eher - nur muss man auch da schauen, wann und durch was welche Schübe kamen. Statt des ganzen "Aggro-Radau-Minderwertigkeits"-Geredes von Leuten, die zu feige sind mit mir auf ein Podium zu gehen, muss es noch andere Aspekte geben, und ich vermute mal, dass die dominieren. Lustigerweise hat mir der Revo-Niggemeier mal bescheinigt, meine Blogs wären bald wnizig klein, unbedeutend und vergessen, weil sie eben nur auf Konfrontation setzen würden. Ich glaube, der mann hat einfach nicht begriffen, worum es geht: Darum, die Debatten anzustossen, für die der Rest zu feige und zu kuschlig ist.

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Wenn ein gut vernetzter Journalist bloggt, führt das dazu, dass von Anfang an mehr Leser am Start sind als bei einem IT-Nerd oder einer Oberstufenschülerin, und es ist auch klar, dass die Leute länger bei der Stange sind, weil er schreiben kann. Das Aggroradauminderwertigkeitsgerede ist so, wie die schweine, die sich ihre Haut an der Borke der stolzen eiche scheuern. Wenn da ein Betreiber eines Nerd-Blogs, der sich von Dir aufgespießt fühlt, weil Du seinen früheren Arbeitgebers finalisiert hast, irgendwelche hysterischen "Neid"-Tiraden ablässt, ist eher so jemand der Neidhammel - "Wahnsinn! Ich habe Don Aphonso gedisst, schon verdreifacht sich mein Traffic!" . Wesentlich ist die Tatsache, dass Du gut schreiben kannst, dass Du Deinen Finger am Puls der Zeit hast und dass Du immer wieder auch Dinge aufdeckst. Dazu kommt mit den Antiquitäten, Renovierungen etc. so eine Art Gemütlichkeit ins virtuelle Wohnzimmer, stets ergänzt und konterkariert durch klasse Polemiken. Die Mischung macht´s.

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An "RL"
Ich sage Dir jetzt nicht den genauen Grund, warum ich Dich gelöscht habe, es geht Dich auch nichts an. Geh und komm nie wieder.

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