Preise, atemberaubend

Ich bin bekennender Leser recht esoterischer Einrichtungsmagazine, die sich an ein internationales Publikum mit entsprechend gehobenen Ansprüchen wenden. Natürlich hat dort alles seinen Preis, und bei den Farben kann man ebensowenig Baumarktangebote erwarten, wie einen Sommerschlussverkauf bei den Stoffen. Naturseide? 160 Euro der Meter. Echte Pigmente? Ich muss schon bitten, man will doch keinen Volksaufstand im sich benachteiligt fühlenden Osten. Den meisten wirklich schönen, langsam gewachsenen Wohnungen sind dennoch Besitzer gemein, die viel zahlen, wenn es nicht anders geht, und die günstig kaufen, wenn sich bei Auktion und Flohmarkt die Gelegenheit bietet. Am liebsten wird natürlich der Familienbesitz geplündert, und diese Mischung aus Keller, Trödel und ersten Adressen lässt die Einrichtung dann oft gar nicht so teuer sein.

Teuer ist dagegen der Spam, den ich heute in meinem Briefkasten vorfand:



Das berüchtigte Müllmöbelhaus ist, mit Verlaub, so teuer, dass ich mir eine auch nur halbwegs untermittelwertige Einrichtung dort nicht leisten könnte. Ich habe diesen unsagbar hässlichen Printklotz tatsächlich aus dem Briefkasten gezogen und durchgeschaut; mal abgesehen von den optischen Verbrechen ist es schlicht und einfach völlig überteuert. Während internationale Luxusmarken durch den starken Euro in den letzten Jahren eher billiger geworden sind, langen die Schrottspangiganten richtig hin. Ein paar billige Schnäppchen, die sie über das andere Zeug querfinanzieren, und bei dem bleibt einem dann die Spucke weg. Ich mein, wir reden hier nicht von Qualitätsmöbeln, bei denen man sich die Stoffe aussuchen und Sonderwünsche erfüllen lassen kann, sondern von Industriekrempel in Standardfarben und Grossproduktion. Von der Tackerklammer bis zum verwendeten Holz muss das billigst sein, und noch billiger ist allenfalls das Design, das die Angestellten aus 250 Jahren europäischer Designgeschichte zusammen"getragen" haben. Beschwere sich bitte keiner über Chinaplagiate, der in so einem Laden einkauft. Wenn er es sich leisten kann.

In meinen Zeitschriften käme übrigens keiner auf die Idee, eines der wirklich durchdachten, hochwertigen Interieurs als "das schönste Zuhause der Welt" zu deklarieren. Ikea, die das bar jeder Selbstbescheidung im Editorial neben ihrer dummdreisten Duzerei tun, wertet Wohnungen ab, wie ein gekaufter Trigamibeitrag das Blog. Ikea kann nicht schön sein, denn die Natur der Wegwerfmöbel verschliesst sich jeder Ästhetik - und sei es auch nur die Asthetik des Grauens.

Dienstag, 28. August 2007, 22:19, von donalphons |