: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Donnerstag, 13. Januar 2005

Spiegel-Nazi-Banane

Einerseits auf Prince Harry und seiner Armbinde herumhacken - andererseits von Geschichte keine Ahnung haben: "Hitler selbst rechnete sich noch 1940 Chancen aus, dass England neutral bleiben würde, während er sich den Kontinent unterwarf."

Das dürfte Hitler nur dann getan haben, wenn ihm die Kriegserklärung der Briten vom 3. September 1939 wegen des Überfalls auf Polen entgangen sein sollte; danach war England alles andere als neutral - schon am 4. September 39 war der erste Luftangriff auf Helgoland. Peinlich, das.

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Gmail statt GMX-Bug

Ich habe 6 Einladungen für Gmail. Entweder hier die Email hinterlassen, oder eine Mail an donalphonso ät gmail dot com. Update: Leider alle weg.

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Real Life November 2001 - Business English

Als die Flugzeuge in die Hochhäuser rasten, war alles vorbei. Der September 2001 sagte Schluss mit Lustig, und all die spassigen Ideen der Startups und ihr immerwährender ideologischer Frühling wirkte plötzlich auch den überzeugtesten Propheten schal und unpassend. Aber wie das Schicksal so spielt: Aufgrund des Flubverbots musste ein Münchner Netzwerk ihren internationalen Summit absagen. Die freiwerdenden Fördergelder wurden statt dessen in Ermangelung von Alternativen in ein jährliches Startup-Treffen in den Bergen gesteckt. Das hatte eigentlich wenige Tage zuvor kurz vor dem Ende gestanden, und wurde jetzt wieder zum Top Event promotet.

Man darf nicht undankbar sein: Diese Tage in den Bergen gehörten immer zum Intensivsten, was ich in diesen Jahren erlebt habe. Die Jahre davor war es voller grenzenloser Zuversicht - 2001 war alles vorbei, und jeder wusste es. Nur der Typ, der als Success Story eingeladen war und mir beim Abendessen gegenüber sass, meinte noch Grund zum Lächeln zu haben. Ja, Software, nein, kein E-Commerce, sondern Dienstleistung für einen immer noch boomenden Markt. Am nächsten Morgen sollte er was über den internetionalen Markt erzählen, den er bediente, und begleitet von seiner Pressesprecherin aka PR-Managerin, machte er an mir gewissermassen die Generalprobe. Er war sehr stolz, dass er gleich nach der ersten Finanzierungsrunde Englisch als Firmensprache eingeführt hatte; neben so tollen Geschichten wie Aktienoptionen und amerikanischer Vergütung für das Management. Die Anlaufverluste bei der Durchsetzung der neuen Firmensprache bestritt er nicht, aber sein US-Office sprach sowieso Englisch, und seine Coder beschaffte er sich vom internationalen Markt. Englisch war Pflicht, auch beim Mittagessen. Auf seiner Website war Deutsch nicht die Regel, sondern nur eine Option. Und weil zwei Tage zuvor so ein Gimpel seinen Pitch auf auswendig gelerntem Englisch runtergerattert hatte, überlegte er sich, ob er seine Key Note nicht ebenfalls in Englisch to the public adressen sollte - vor einem Publikum, das sich ausschliesslich aus Deutschen zusammensetzte.

Zweieinhalb Jahre später war alles vorbei. Der CEO hatte im Lauf der Jahre und der Finanzierungsrunden praktisch seine gesamten Anteile an die diversen VCs übergeben. Die PR-Managerin war schon längst in Richtung Home Office und Stundensatz outgesourced worden. Man sägte ihn nicht ab, weil sich das Einarbeiten eines Nachfolgers an Bord des unrentablen Wracks, das seine Firma geblieben war, nicht mehr lohnte. Man schoss den Laden nicht ab, weil man keine Ausfallbürgschaft vom Bund bekam, und weil es die Hoffnung gab, doch noch vielleicht einen Exit hinzubekommen. Es war die Zeit, als schon die kleinste gute Meldung eine Sensation während des Massensterbens in der Munich Area war. Letztlich kaufte dann ein US-Unternehmen, das bislang ein Hauptkunde gewesen war, die Firma, schloss die Münchner Operation und verleibte sich die US-Tochter mit zwei Tekkies ein, und die wenigen überlebenden Bizz-Websites feierten den Erfolg, und der CEO, sagte man, suchte jetzt einen Job bei einer Beratungsfirma oder Ähnliches.

Wenige Tage später war ich bei einem VC zu Gast, der ebenfalls Geld in der Firma gehabt hatte - und nur einen Teil wieder bekommen hatte. "Wissen Sie", sagte er, "wir können eigentlich alle froh sein, dass es vorbei ist. Besonders der CEO. Eigentlich ein netter junger Mann, er sass auch oft hier, auf dem Stuhl neben Ihnen. Aber ... irgendwie konnte man dem nichts sagen. Diese ganze Spinnerei mit dem internationalen Markt hätte man auch anders machen können. Das waren vielleicht Kosten. Aber er wollte unbedingt selbst und überall Weltmarktführer werden, und wenn er dafür seine Anteile verschleudert, gut, seine Sache." Draussen, im Himmel über der einzigartigen Munich Area, zeichneten Flugzeuge mit weissen Kondensstreifen abstrakte Gemälde in das unendlichen Blau. Und ich war froh, dass es vorbei war.

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Mittwoch, 12. Januar 2005

Ab in die Nacht

und ein paar spooky Bilder aus dem Slum holen! Richtung Osten - und dann immer gerade aus.

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Die Leute auf den Bildern

sind entweder schon ein paar Jahrzehnte tot, oder sie marschieren stramm in Richtung Altersheim. Wenn sie das mit dem, was die Drogen vom Hirn übrig gelassen haben, überhaupt noch mitbekommen, und sie nicht von ihren Enkeln in diese Richtung geschubst werden. Diese Enkel dürften in etwa so alt sein, wie der Durchschnitt der jüngeren Besucher dieser Bilder. Aber weil es eine angeblich nicht nur in Clubs Frauen und Männer swingende Stadt ist, sondern auch richtig swingend, kommen sie natürlich und schauen auf zu ihren alten, längst verrotteten Vorbildern, bei denen es noch rebellisch war, wenn sie keine Krawatte beim Gitarrenspiel trugen. Dafür erweist man ihnen bis heute die Referenz, und wenn die besseren Töchter zu Hause davon erzählen, wird Mami am Herd seufzen und daran denken, als sie 1970 keinen Minirock anziehen durfte, den sien auch jetzt als Hausfrau in der Vorstadt nicht mehr tragen würde.



Da sind sie also, die Heroen von damals, deren Musik längst das Beste der 7oer Jahre ist für den Dudelfunk und für die 12-CD-Box von Past Death für 99 Euro rufen Sie jetzt an und hören Sie die Lieder Ihrer Jugend. Da sind sie, die Heroen, und grinsen von den Wänden wunter und freuen sich, dass man ihr Geschrubbel plus die paar Steineschmeisser heute als Goldenes Zeitalter betrachtet. Sie sind Götzen einer untergegangenen Revolte, die genauso von ihrem mickrigen Image leben wie der arbeitslose Berater durch seine Angeberei in den üblichen social networks - nur dass die einen auf dem Weg in die Unsterblichkeit sind, für immer umlächelt von den Schönen der Incrouds, und die anderen sehen am Abend das gefrustete Gesicht ihrer mittelalten PR-Partnerin, die am Küchentisch Gegendarstellungen formuliert.

Gerecht ist das im ersten Fall nicht unbedingt.

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Buzzword Bullshit Bingo

Witzig: Wenn man englische Texte, die zwei deutsche IT- und Finanzfirmen als Basis ihrer Zusammenarbeit verfasst haben, ins Deutsche übersetzt, stösst man auf eigentlich unübersetzbaren, hohlen Dreck, vulgo Fachtermini wie business requirements, Levels in allen Bedeutungsebenen , Provisions sowieso und dann auch noch massig Rechtschreibfehler, die schnell klar machen, was für bescheuerte Knilche dafür verantwortlich sind: Ein Bank- und ein IT-Manager kloppen sich den ganzen Open-BC-Slang um die Ohren und packen das dann in unsägliche Bandwurmsätze einer Sprache, für das sie das Gefühl einer Dampfwalze haben.

Anschliessend, weil das in ihren Häusern gar keine und besonders keine alte Entscheidungsträgersau versteht, muss das wieder ins Deutsche übersetzt werden. Aber Hauptsache, Gerold und Frank können sich nachher in die Augen blicken und sagen, dass sie ready for the markets of a globalised (oder globalized?) world sind.

Ich habe auch schon mal in Nachtschichten Fondprospekte eines amerikanischen Milliardenunternehmens übersetzt. Das war klar, stringent, verständlich, bar aller Phrasen und Doppeldeutigkeiten. Die reine Freude im Vergleich zu diesem Furzgeschäftlein, das hier mit 120 Seiten, 40 davon nur überflüssige Floskeln, festbetoniert wird - bis es sich der Vorstand doch wieder anders überlegen wird. Dafür muss ich nicht mehr überlegen, wer mein nächster Lieblingsfinal wird - solche Dienstleister verdienen den Tod und nichts anderes.

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Übrigens:

Die Frage, ob die Hamburger Prorima AG neben Prozesskosten - was 2001 als grandioses Geschäftsmodell galt - auch Insolvenzverfahrenskosten finanziert, ist spätestens seit der Verleihung des Aktenzeichens 67e IN 246/04 nicht mehr relevant.

Interessieren könnte das aber die Unternehmensberater der Atanvo AG aus dem badischen Leonberg, die nach Eigenaussage vor der Verleihung des Aktenzeichens 5 IN 607/04 international tätig waren. In Leonberg ist übrigens auch Caatoosee....

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Mittwoch, 12. Januar 2005

Vorschauzeit

Letztes Jahr in Frankfurt, als ich überraschend eine Lesung auf der Buchmesse machen durfte, hiess es allerorten: Die junge deutsche Literatur kommt wieder, ja sicher. Man habe diejenige und den da und mit einem dritten werde schon verhandelt. Angeblich, munkelte man, sei die grosse Post-Pop-Literatur-Krise vorbei; dieses Ding, von dem ich bislang eigentlich noch nichts selbst mitbekommen habe ausser dem Flennen einiger Päderasten-Ideale, die trotz Jubelarien in den üblichen verdächtigen Fäuletons nur Absatzzahlen im niedrigen dreistelligen Bereich aufweisen konnten.

Jetzt ist Januar, und die Vorschauen trudeln ein. Und es schaut schlecht aus. Ganz wenig junge deutsche Auroren - nie war es leichter, als das wichtigste deutsche Debut dieses Frühjahrs in einer Zeitung, bei einem Preis oder einer staubtrockenen Akademie für angewandtes Hirnfickertum im inzestuösen Kontext zu gelten. Ein paar Leichtgewichte von den üblichen Literatenschulen, hier und da ein Preisträger, und in allen Taschenbuchverlagen die wässrige Hoffnung, aus den 03er Pleiten doch noch den einen oder anderen Euro rauszuquetschen. Zweite Hälfte 04 war ganz, ganz schlimm, wurde mir heute zugetragen. Und die Verlage sourcen das Autorentum eben in die USA zu Produktschreibern aus, die nachweislich die Märkte bedienen können.

Wird Zeit, dass sich ein gefrusteter und geschasster Verlagsboss als der Timm Renner der Buchbranche produziert und etwas Reisserisches wie "Ihr Kinderlein kommet - Geständnisse eines Debutantenpenetrators" publiziert.

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Dirt Picture Contest - Westmüll

Das mit dem Slum, geben inzwischen manche Berliner zu, stimmt schon irgendwo. Manchmal. Aber nicht immer und überall. Überhaupt soll es ja nur eine Erscheinung in den schlechteren Vierteln, also Osten komplett und Teile von Kreuzberg und Wedding und Ähnliches handeln, wo sie eigentlich nie hinkommen. Im alten Westberlin wird jedenfalls noch auf Ordnung in Sachen Müll geachtet. Sagen sie und schlucken ihren Ärger runter, dass ihr schönes neues Auto gerade mitten in Wilmersdorf zerkratzt wurde.

Aber es stimmt schon: Westberlin, die alte konsumfreudige Frontstadt, kümmert sich um den Müll.



Dan werden in den Passagen extra Zwischenräume angelegt, in die ein blauer Müllsack präzise reinpasst. Der wird ordentlich mit Papptellern und Speiseresten gefüllt, so dass die ordentliche Berliner Passagenratte auch Abends was zum Knabbern vor ihrem Versteck hat, und nicht draussen die Passanten erschreckt (das machen die beiden Verückten schon selbst, die sich gegenseitig belauern und Leute anschnauzen, was sie hier tun).

Und nachdem in den drei Wochen, seitdem diese Mülltüte hier eingeklemmt mindestens ist, kein Punk auf die Idee kam, der Tüte einen herzhaften Tritt zu versetzen und ihre Eingeweide über den brüchigen Marmor aus besseren Tagen zu verteilen, ist bewiesen, dass hier ein anderer Menschenschlag zu Hause ist. Ordentliche Leute eben.

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Präventivschlag

Majo verweist auf eine Aussage des notorischen Dr. Schwanitz von Izynews, der RSS als Freibrief zum Contentklau erachtet - und nebenbei auch noch behauptet, er hätte die betreffenden Leute angemailt - meines Erachtens eine glatte Lüger, denn bei mir und anderen Betroffenen kam nichts an.

Liebe Geschäftemacher, Contentklauer und Inhalteverwertwer: Dem Schwanitz habe ich mit einer Anwaltsdrohung den Schwanz einziehen lassen. Der nächste wird seinen Schwanz oben halten - weil ich ihn hinterrücks ohne Verzögerung von einem anwaltlichen Sniperkommando so tödlich abknallmahnen lassen werde, dass die Leichenstarre jedes weitere Einziehen besagten Körperteils unmöglich macht. Jeder geklaute Artikel hier 300 Euro + Anwaltskosten, also: Lasst die Gierpfoten an einer Stelle, wo man sie Euch nicht abhacken braucht.

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Montag, 10. Januar 2005

Das ziehen wir ganz gross auf

Nur nicht dran denken, was früher war. Es geht um die Zukunft, nur um die Zukunft. Und jetzt ist es günstig, die Mauern sehen noch, den Rest, die Erinnerung reissen wir raus und setzen was Neues rein. Für den alten Käse gibt Dir keiner was, nur wer vorran marschiert, wird es zu was bringen. Ein Schuttcontainer, die Wände spachteln, Laminatparkettimitation rein, und fertig isses. Das wird ganz gross, sage ich Dir.

So hat das wahrscheinlich vor vier Jahren geklungen, als sie sich über den Komplex hergemacht haben. Der Prospekt zumindest klang nach diesen nassforschen, kumpelhaften Händereibern, denen das Wort "Macher" wahrscheinlich schon bei der Geburt in die Hoden tätowiert wurde. Die eine Hälfte ist fertig, die andere noch nicht, leer sind sie beide. Und Steuern hat auch keiner der Investoren gespart, weil die aufgenommenen Kredite jetzt bedient werden müssen, und das wird wirklich teuer.



Draussen rosten die Container, drinnen schimmelt der Beton unter dem feuchten Müll. Noch ein, zwei Jahre in diesem Zustand, und man wird es wegreissen müssen, und mit den Mauern fällt dann auch die Erinnerung an das, was hier früher mal ein anderer Grössenwahnsinniger hinstellen liess. Einer von denen, die das aktuelle Objekt gross verkaufen wollten, soll einige Fragen seitens gewisser staatlicher Stellen beantworten müssen; so hört man zumindest; ein anderer macht laut Homepage angeblich andernorts Consulting und Projektentwicklung.

Was man bekanntlich ganz gross aufziehen kann.

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Die Antwort auf Bildblog:

SpOn-Watch. Haben sie sich redlich verdient.

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Real Life 09.01.04 - 1 kleine Anfrage

nach einer durchgearbeiteten Nacht im Dienste von Anlegerkapital und einem letzten Passus, in dem da steht "ist ein Gläubiger berechtigt, die Liquidation der Firma zu beantragen." 1 kleine Anfrage, bei der ein Verlag einfach nur die Telefonnummer einer Autorn ausspucken soll. Die ist jung und kann froh sein, dass sie ein Angebot bekommt, was zu schreiben, aber: Die Verlagsdame will mein Anliegen aus-for-mu-liert per FAX. Nein, auch nicht per Mail, ein Fax muss es sein. Antwort? Vielleicht irgendwann, dann auch nur als Fax, obwohl ich angegeben habe, dass mir a) Mail, b) cell lieber gewesen wäre.

So wird das nichts mit dem Bett, aber was weiss so eine 9-5-Verlagsfrau schon von den typischen Arbeitszeiten des typischen NE-Survivors. Und wenn die Dame bis Mittag trödelt, wird das auch nichts mit dem Artikel - Pech gehabt.

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Sonntag, 9. Januar 2005

Eins dieser Telefonate

Wenn es eine bestimmte Nummer ist, weiss ich, was kommt. Juristin A., die mein Leben in Richtung New Economy gelenkt hat, braucht mal wieder was. Recherche, Fonds schönlügen, Firmenkommunikation umgehen, Löcher suchen, Schwachstellen ausnutzen; alles Jobs, die sie selbst nicht machen kann, Jobs, die im Erfolgsfall gut bezahlt werden, und bei einer Pleite verschwendete Zeit sind. Jobs, die nachher unter "Beratungsleistung" abgerechnet werden. Es gab eine Phase, da war das alles neu und spannend; inzwischen nervt es nur noch. Erheblich. Angefangen bei den Verpflichtungserklärungen, an dis sich keine alte Sau und die Sekretärin sowieso nicht hält, bishin zu den Überraschungen, wenn sich herausstellt, dass jemand ein doppeltes Spiel gespielt hat. Und es gibt immer einen Verräter. Und nie, nie, nie kann ich sagen, dass ich es nicht mache, denn Juristin A. fragt nicht, ob ich will; sie sagt nur, bis wann es fertig sein muss, um ihre Karriere zu retten oder einen Pleitier just in tuime vor der Verjährungsfrist noch die Klage reinzudrücken - man kann sich vielleicht jetzt vorstellen, was ich die Tage vom 23. bis zum 31.12.04 gemacht habe.

Das ist das Schöne an Juristin B.: Die kommt niemals mit so seltsamen Angeboten. Es geht immer um Zwischenmenschliches, die Hunde etwa, die, falls man sie auch nur auf die Wange küsst, verdammt zwischenmenschlich werden. Juristin B. ruft also an und fragt, was ich denn so tue. Nichts, den Sonntag geniessen. Gut. Weil... ich habe doch mal für ******fonds einen Prospekt übersetzt. Ja, und? Und sie hat jetzt einen Auftrag und braucht bis morgen früh um 5 Uhr 20 Seiten Vertragstext voller Fachtermini zu IPO und, und, weil ich doch sowas schon mal...

Schon mal ... Das ist drei Jahre her. Das war einer der Jobs, der selbst für ein Übersetzungsbüro zu heikel war. Da stand drin, welche US-Celebrity wann mit wem und was es an Investition kosten würde, um ein paar Millionen Steuern zu sparen, und führte dann in ein Debakel, über das man eigentlich noch einen Roman schreiben müsste. Über Kickbacks, über zusammenbrechende Fonds, über Anwälte, die plötzlich verschwinden und Initiatoren, die innerhalb einer Nacht ein paar Millionen auftreiben müssen, und ich stand damals daneben und dachte mir, he, das waren doch nur Worte, ich hab es nur übersetzt und ein klein wenig sexy gemacht, das darf doch nicht solche Folgen, ich mein - und während ich das damals dachte, als ich mich verfluchte, dass ich diesen Job entgegen meiner Vorsätze nur noch ein einziges Mal angenommen hatte, sank vor meinen Augen alles in Schutt und Asche, alle, die meinen hübschen Formulierungen glaubten, haben geblutet, es war ein Massaker, aber ich musste nur den Staub von meinen Schuhen wischen, und konnte weiter meines Weges gehen. Das war "Schon mal".

Aber so weit komme ich in meiner Erwiederung gar nicht, denn auch für Juristin B. geht es um die Karriere und Geld, viel Geld. Also, Zeit läuft. Bis morgen um 5 Uhr. Ich mache es für eine Handvoll Euro mehr als damals bei "Schon mal".

Aber eines sage ich jetzt gleich hier: Falls nächstes Jahr ein multinational angeleierter IPO den Investoren in die Fresse explodiert, nicht wundern. Selbst Schuld, wenn die mich da ran lassen.

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Ich habe keinen Fernseher

und wenn ich das hier lese, bin ich auch froh drum. Man kann alles irgendwie vermarkten, auch Monsterwellen. Warum nicht. Geschäft ist Geschäft.

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Samstag, 8. Januar 2005

Nix Reschärscha beim Medienmagazin Insight

Dort werde ich als Dotcomtod-Gründer gehandelt, Autoren sind um mich, und die haben das erste Buch über Weblogs gemacht. 3 falsche Tatsachenbehauptungen in einem Satz.

1. Ich habe Dotcomtod nicht gegründet - das war Lanu.
2. Wenn, dann haben Kai Pahl und Don Alphonso ein Buch mit Autoren herausgegeben, das
3. schon das dritte auf dem deutschen Markt ist.

Peinlich. Aber dann anderen Belanglosigkeit vorwerfen, ja ja.

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Ja sagen

Dieses Blog sagt oft Nein. Das "Non credo, nego" ist sein eigentliches Credo. Aber nicht immer. Heute zum Beispiel.



Denn manchmal sind all die Verursacher Welten entfernt, es gibt kein Netz und keine schmutzigen Ganoven, die sich darin austoben, es gibt keine Elite und auch keine Blödschwätzer, nur das Licht, die Landschaft mit ihren anmutigen Hügeln und den Wind, der einen die Arme ausbreiten lässt. Und dann sagt man Ja. Ja zu diesem Land, das unschuldig ist an der Dummheit seiner Politiker, die sich jeden Scheiss aufschwatzen lassen, weil sie in der Munich Area vor Fremden vergessen machen möchten, dass sie von hier stammen, aus dem grünen Herz des Landes.

Es gab Zeiten, etwa in den 60er Jahren, da war Bayern arm an dem, was man an Fortschritt als Grundvorraussetzung für Reichtum angesehen hat. Man hat mit viel Geld aus Bonn die Fluren "bereinigt", die Flüsse und Bäche begradigt und völlig überzogene Strassenprojekte in die Erde betoniert. Und in viel zu vielen Ecken steht ein Atomkraftwerk; die WAA, gut 50 Kilometer von hier entfernt, haben wir gerade noch verhindert. Aber die Schönheit des Landes lässt sich nicht so schnell zerstören. Alle paar Meter gibt es diese unfassbaren Panoramen, wenn die Berge weit hinten das Blau des Himmels annehmen, und das satte Grün schon den Frühling ahnen lässt.

Unfassbar, dass ich nicht hier gebieben bin, sondern in Richtung Wolkendecke und Sturmfront gefahren bin. Gut, hier in Berlin gibt es auch Natur - abgesägt, entnadelt, immer noch mit Lametta, und in grossen Mengen auf den Bürgersteigen und Strassen.

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Richtung Norden

und dann leicht in Richtung Sibirien, mit Zwischenstop in der Provinz.



Dann wieder berliner Dreck und dreckiges Berlin, so genau lässt sich das ja nicht unterscheiden, es gehört zusammen und bedingt sich.

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Freitag, 7. Januar 2005

Auf den Knien verrecken

"Wir sind keine linken Revoluzzer, wir wollen hier einfach fair und menschenwürdig abgewickelt werden." Sagt ein Betriebsrat von Viva zur FAZ. So bekommt man vielleicht sogar irgendwann eine Arbeitsgruppe "humane Abwicklung". Und zum Abschied noch ein paar alte Videokasetten "Die besten Momente von Viva2". Solche Betriebsräte werden das der nichtlinken, nicht revoluzzernden, auf 1200-Euro-Basis mit Jahresverträgen arbeitenden Jugend im Hause als Erfolg verkaufen.

Die haben zwei Sender. Keiner muss schweigen, sie könnten kämpfen, und niemand könnte sie stoppen. Die könnten die Sender besetzen und zeigen, was sie können, was gut war und was da an Scheisse aus Berlin von MTV kommt. Sie würden alle Aufmerksamkeit der Nation bekommen. Aber keiner sagt: Noch einmal leben, besetzen wir den Sender. Sie wollen auf den Knien verrecken. Ein gutes beispiel für ihre Zuschauer, ich muss schon sagen. Die Diktatur der Angepassten eben.

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Was für Hella

Die H.E.L.L.A. systems GmbH hat ein Aktenzeichen des Amtsgerichts Charlottenburg, 109 IN 5437/04. Lesen und verstehen: "Strategie- und konzeptionelle Beratung ... kongeniale Konzeptumsetzung ... richtige Auswahl und Anpassung ... zukunftsorientierte Betreuung im Internet mit unserem Service-Providing. " Kongenial.

Vielleicht hat das junge, engagierte Team jetzt mehr Zeit, golfen zu gehen. Aber einerseits ist Winter, und andererseits lauern da auch gewisse Tücken - etwa beim Märkischen Golfclub Potsdam e.V.. Der wird unterstützt von der Quasar Solutions Consulting GmbH, und auch die hat ein Aktenzeichen in Charlottenburg, 106 IN 5796/04. Komisch, ich dachte immer, SAP-Consulting wäre eine sichere Bank, aber in Berlin weiss man ja nie... Jedenfalls, dieses Charlottenburger Business braucht auch kein taxfreebusiness.net mehr, das wohl ein Onlineportal zur Mehrwertsteuervermeidung werden sollte.

Und dann brennt und brutzelt was in Prenzelberg, in der Helmholtzstrasse: Die NETNOVO GmbH sieht mit Az 107 IN 5011/04 ein klein wenig alt aus. Nun, Content Management Systeme wie SINTRAS waren 98 der Brüller, heute reicht es meist nur noch für den Todesseufzer, da hilft es auch nicht, wenn man Software für das Portal Heilpraktiker.de entwickelt hat. Prima. Dann kann ich morgen beruhigt wieder nach Berlin fahren. Welt in Ordnung, 360 Punkte bitte.

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Real Life 07.01.05 - Prada auf dem Weg alles Irdischen

Eine Papiertüte, wie noch zwei weitere. Da sind so ziemlich alle guten Namen drin; Prada gleich mehrfach. Die meisten schon mehr als zehn mal getragen, nur wenige fast neu, weil sie doch nicht zu den Kleidern gepasst haben. Unten irgendwo noch die Echtheitszertifikate; Büttenumschläge in taubenblau mit Magnetkarten innen drin.



Aber es entspricht nicht mehr dem, was die amerikanische Vouge abbildet. Und so geht auch Prada den Weg alles Irdischen - zum Glück konnte die Besitzerin einiges als Berufskleidung steuerlich geltend machen.

Es gibt so Tage, da frage ich mich schon, in was für einer Welt ich eigentlich lebe, und ob diese Welt nicht abgeschafft werden sollte.

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M - da ist sie wieder,

die herzerfrischende Dummheit dieser Stadt mit ihren handylogorumreichenden Frauen, die sich stundenlang im Cafe mit dem Aufklappem und Zuklappen der Dinger beschäftigen können. Früher brauchte man Zigaretten zum spielen und befummeln, jetzt ist es der Klingelaparat. Sie reden über Escada und über Altersvorsorge, über die Immobilenpreise und mögliche Gehaltssteigerungen. Tief wie eine Pfütze Erbrochenes, weise wie ein Bild-Horoskop. Alles geht seinen gewohnten Gang in der einzigartigen Munich Area.

Und dann gehen sie, ihrem Schicksal, ihren Freunden, ihren Anlageberatern entgegen und an viel freiem Büroraum vorbei, und glauben, dass alles besser wird, 2005. Münchens PR-Tanten sind schon was einzigartiges.

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Donnerstag, 6. Januar 2005

Gier fressen Gehirn auf

und Livejournal verschmilzt gegen eine ungenannte Summe und Aktien mit Sixapart. Wer mal wieder ein Beispiel für krankes NE-Sprech lesen will, ist hier an der richtigen Stelle. Wachstum durch Zukauf, das ganz alte Spiel. Mehr hier.

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Lustiger Zufall für mich, tödlicher Fall für Cando AG

Heute werde ich in München sein - unter anderem, um viele neue Bad News aus dem Kreise plauderfreudiger VCs und Unternehmer zu hören, wenn´s denn klappt - einige Termine wurden schon verschoben. Manche der Leute könnten ihr Projekt Leben wirklich besser managen - aber nicht mehr mit der Projektmanagement-Software Cando: Denn die Cando AG, eine der späteren 2000er Gründungen der Munich Area, ist von der Sonnenstrasse ein Stück weiter Richtung schattiger Norden zum Amtsgericht abgewandert und hat die Nummer 1542 IN 3176/04 bekommen. Ob das "The New standard in Project Management" ist, wie die Cando AG von sich selbst sagt? "Aktives Risikomanagement" vielleicht? Ich frag ja nur...

Wie auch immer, mit 2 Runden VC und 4,3 Millionen Euro galt Cando wörtlich als "ausfinanziert". Trauern dürfen ausgerechnet enjoyventure (harhar), WGZ-Venture Capital ("Mit unserem Engagement bei der cando AG sind wir überzeugt, in eine zukunftsträchtige Technologie und in ein vielversprechendes Unternehmen zu investieren") und - mal wieder - die tbg. Nur der Don kann lachen - über 120 weitere Punkte.

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DCT-vs-Entrepreneur-Debatten

sind immer wieder schön.

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