: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Montag, 12. September 2005

Keine Wahlempfehlung III

Ich bin kein Steinewerfer. Ich bin ein wohlerzogener Gymnasiast aus einer besseren Familie, und bald werde ich Abitur machen und wählen. Ich werde ein verantwortungsvoller Teil dieser Gesellschaft sein, wenn ich diesen Tag überlebe. Aber hier im Wald, im Nebel, im Gasangriff mit den Hubschraubern über mir, und irgendwo da hinten die prügelnden grünen Männer mit den Schlagstöcken, gibt es keine Garantie dafür.

Ich bin kein Chaot. Ich habe nur ein Grundrecht in Anspruch genommen. Aber das zählt nicht. Im Moment bin ich panisch, ich habe Angst. So ein Hubschrauber ist verdammt laut, 10 Meter über den Bäumen, und hoffentlich werfen sie das Zeug woanders runter. Ich habe keine Schutzkleidung an, ich kam ja nur, um meine Überzeugung kundzutun. Ich habe schon was von dem Zeug in der Lunge; ein Gefühl, das ich nie vergessen werde. Sie haben so viel davon eingesetzt, es war ihnen völlig egal, wen sie damit erwischen.

Ich bin mit Freunden und einer Lehrerin da, normale Leute aus einem normalen Gymnasium, nicht weit weg von hier. Keine Ahnung, wo die jetzt sind, verhaftet, niedergeprügelt, irgendwo am Boden und sich die Lunge raushustend. Ich weiss nicht, wie ich zurückkommen soll, ich stehe irgendwo in diesem hässlichen, jungen Fichtenwald in der Oberpfalz, hier und da ein paar andere Leute, und ich weiss nicht, ob ich weit genug weg bin oder sie mich holen. Ich trage einen braunen Anzug und ein weisses Hemd, ich bin kein verbrecher, aber die Staatspartei hat meine Grundrechte ausser Kraft gesetzt, an diesem Pfingsten des Jahres 1986 in einem Waldstück der Gemeinde Wackersdorf in der Oberpfalz.

Ich habe in einer halben Stunde in meinem lächerlichen braunen Anzug und den Budapestern bei der Jagd über die Wurzeln alles gelernt, was man an Staatsbürgerkunde wissen muss. Jeder Mensch hat seine eigenen Erfahrungen, seine eigenen Gründe und seine Vorteile, wenn er die Partei seines Vertrauens wählt. Mancher mag sich von Hartz IV oder der doppelten Staatsbürgerschaft oder der Homoehe oder dem Spitzensteuersatz bedroht fühlen. Das sind dann die Leute, die bei der Ausübung ihrer verfassungsmässigen Rechte noch nie durch einen Wald voller CS-Gas gejagt wurden, auf Befehl der CSU.

Ich wähle die Leute, die damals an meiner Seite gerannt sind.

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Soll ich

Nöling Dirty Daisy rausschmeissen? (Beitrag wird nach einer Stunde wieder gelöscht bleibt aus Respekt gegenüber Philosophen erhalten, Eure Meinung bitte)

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Jetzt geht der Scheiss schon wieder los.

Wir hatten den Google-IPO.
Wir hatten den Flickr-Verkauf.
Wir haben Bernd Kolb bei T-Com.
Wir haben Alex Falk auf freiem Fuss.

Und jetzt kauft Ebay auch noch Skype für schlappe 2,6 Milliarden Dollar. Zur Erinnerung: Skype hat gerade mal 7 Millionen Dollar Umsatz. Und nach optimistischen Einschätzungen 6 Millionen Nutzer. Jeder Nutzer geht damit (inklusive Zukunftshoffnung auf einen emerging market) für 433 Dollar über die Ladentheke.

Der Fluss, den man da für das Vorbeitreiben der Leichen brauchen wird, muss erst nochmal ordentlich ausgebaggert werden - zur Erinnerung: Voice over IP ist schon etwas länger auf dem Markt, und ich sehe nicht, dass sich das mit Skype durchsetzen wird. Ein kleiner Markt, Ebay ist der Aussenseiter, und viele grosse Player. Das ist der Stoff aus dem ökonomische Katastrophen gemacht werden.

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MTV-0

Wo sollen jetzt noch Plastik-Techno und Pseudo-Hip-Hop ihre Nische finden? Vermutlich im Hauptprogramm, aber immerhin: MTV2 ist seit heute morgen, 6 Uhr tot! Das nennt man dann wohl Fokussierung auf neue Klingelton-Zielgruppen und Marktkonsolidierung. (Seit dem Ende von Viva2 ist Musikfernsehen sowieso nur noch ein Zombie)

:::::::::: :::::::::: :::::::::: :::::::::: :::::::::: :::::::::: 120 Punkte, playing: Pizzicato Five, Tokyo mon amour.

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Das Äntschie ist auf Abschiedstournee

Sie weiss es nur noch nicht.

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Sonntag, 11. September 2005

Real Life 11.09.05 - offene Denkmäler

(Seitdem ich Berlin in Ruhe lasse und nur noch über Bayern herziehe, findet sich kein Preusse mehr, der dagegen interveniert. Selektive Wahrnehmung ist wohl das mindeste, was ich Lesern aus dem Norden der Republik da unterstellen muss. Deshalb wenigstens einmal ein netter Text über meine Heimat)

Es ist nicht ganz uneigennützig. Offen sind vor allem Häuser, die gerade saniert und als Wohnungen verkauft werden. Davon gibt es in der Stadt einige; vom späten Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert, vom niedrigen Bauernhaus bis zum Bürgerhaus. Aber anschauen kostet nichts, so schnell kommt man dann nicht mehr hinein, also kommen die besseren Leuten mitsamt Kindern und quälen sich alte, verschachtelte Treppen hoch, hinein in die kleinen Kammern der alten, bald wieder in neuem Glanz erstrahlenden Gebäude.

Mitunter fragt jemand nach Preisen und Kosten. Wenn man so ein altes Gebäude macht, sind die Kosten hoch, aber die Preise machen es rentabel. Schliesslich ist die Altstadt die kommende Wohnlage, sagt eine Frau in einem halbfertigen Bad, und du gibst ihr Recht. Sie hat die Wohnung schon jetzt für ihre Tochter gekauft, die mit Laptop und Digicam den Auftrieb in ihrem neuen Zuhause dokumentiert. Sie ist stolz auf die 50 Quadratmeter Altstadt. Du beglückwünscht sie, lobst die Wohnung, und sie sagt, dass nun leider schon alles weg ist, die Dachwohnung wurde heute morgen verkauft. Du lässt vorsichtig einfliessen, dass Du schon über 40 Zimmer in der Altstadt hast, sprich, einen der wenigen Stadtpaläste in Familienbesitz, und sie sagt, dass du ja dann Millionär bist, was so nicht stimmt. Schliesslich kann man von einem Stadtpalast nicht abbeissen, und verkaufen käme nie in Frage.



Während unten die Massen über die Balkone pilgern, verschweigst du Mutter und Tochter all die Schattenseiten: Die maroden Leitungen, den Arbeitsaufwand, das alles am Laufen zu halten, den Ärger mit der Elektrik, und was es bedeutet, wenn man eine Wohnung gestrichen hat und am nächsten Tag die gesamte Farbe abgeblättert ist, weil die Grundierung auf Leimbasis war. Und du sagst ihnen auch nichts über die kommenden Frustrationen, wenn sie über diese schmalen Treppen nur die Hälfte der Möbel nach oben bekommen. Du erzählst ihnen, wie das ist, wenn man endlich alles beisammen hat. Und dann fällt Frau Mama auch ein, wer du bist - der junge Porcamadonna mit dem Buch - und du gehst in dem Wissen weiter, dass sie sicher nichts dagegen hätte, wenn ihre Tochter mal auf die Idee käme, dich zu heiraten. Weil so ein Hausbesitzer, der ist schon was.

Draussen drängeln sich schon wieder die nächsten Clans, alle sauber angezogen und ziemlich komplett, und es ist mehr als nur Neugier, as sie hierher treibt. Sie wollen sehen, was man aus diesen alten Häusern machen kann, die lange Jahre vor sich hin rotteten und jetzt wieder in grün für Handwerkerhäuser, rosa für die bessere Gesellschaft und gelb-weiss für Adel und Kirche wiedererstehen. Sie sehen den Glanz der alten Epochen, sie erleben den Stolz der Besitzer, und die Begeisterung, aus alten Kaluppen wieder Schmuckstücke für dieses altbayerische Schatzkästchen zu machen. Die Bauherren, die du triffst, haben noch so viel Leid und Mühe vor sich, du sprichst ihnen Mut zu, und einer, der im Trachtenanzug an der Tür seines Hauses die Besucher empfängt, hat wirklich bei allen politischen und weltanschaulichen Differenzen deinen Respekt verdient:



Denn eigentlich ist so ein spätgotischer Dachstuhl rettungslos verloren. Hier rächt sich die Klassengesellschaft der Mittelalters: Wann immer Baumaterialien in die Stadt kamen, mussten sie zuerst den Vertretern des Herrscherhauses, dann den Kircheninstitutionen, den Adligen, danach den Bürgern und erst zum Schluss den Bauern und Handwerkern angeboten werden. Das heisst, dass das beste Material nur in die Paläste und Kirchen kam; dein Dachstuhl des Jahres 1600 etwa ist heute noch ohne jeden Schaden. Der Dachstuhl hier im Bauernhaus ist dagegen eigentlich ein Fall für den Bauschutt. Nicht mal der Denkmalschutz hätte den Abriss verhindern können.

Aber der neue Besitzer und Architekt hat das nicht eingesehen. Nur die wirklich unrettbaren Teile wurden nachgesägt und ersetzt, der Rest blieb erhalten. Der Mann kämpft um jedes Detail der Geschichte, die Farbschichten werden gesichert und alte Türen wieder eingebaut. Es ist einer dieser Fälle, bei dem sich viele nicht vorstellen können, warum sich jemand das alles antut, den Staub, die Dokumantation, die Debatten mit den Ämtern um jedes Detail. Aber es ist für ihn und auch für dich, der du fast sein Nachbar bist, ein Stück Heimat, das es zu erhalten gilt. Es ist nicht die falsche Jodlertradition dieses Landes, es ist nicht die historische Bedeutung des Palastes, es ist einfach nur der zähe Wille eines Menschen in der Provinz, die ganz normale Geschichte normaler Menschen nicht vor die Hunde gehen zu lassen. Wenn Tradition und Konservativismus immer so wäre - würdest du die dazugehörige Partei wählen.

Ist es aber nicht. Und die Partei lässt jeden dahergelaufenen Bauinvestor die Häuser entkernen, was im Prinzip nichts anderes als ein Abriss hinter einer Restfassade ist. Bleibt nur das Zusammenhalten derer, die um jeden Balken kämpfen. Aber davon gibt es zum Glück noch viele in dieser Stadt. Und dadurch Preise, mit denen das Ganze kein Verlustgeschäft wird. Bayern halt. tradition und Geschäftssinn sind nichts Schlechtes.

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Zensur? Gibt es nicht.

Nur eine "zero access policy". Von wegen First Amandment, uns so. Es hat schon was, wenn ein Nachrichtensender erst mal klagen muss, um frei über eine Katastrophe im eigenen Land berichten zu dürfen. He, Ihr NECONABLOs, sagt doch mal was zu diesem Musterbeispiel freiheitlicher US-Politik.

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Sonntag, 11. September 2005

Keine Wahlempfehlung II

Statt einem theoretischen Text: ich war heute in Regensburg. Wer noch nicht dort war, setze sich in den Zug und fahre hin; Regensburg ist das deutsche Siena und das Beste, was die ansonsten wenig erbauliche Oberpfalz zu bieten hat. Ich verstehe so ziemlich jeden bayerischen Dialekt, aber beim Oberpfälzer bin ich oft überfordert, selbst wenn die extrem langsam sprechen. Regensburg ist zum Glück anders. Oft. Aber nicht immer.

Regensburg hat eine phantastisch erhaltene Altstadt und Unmengen an historischer Bausubstanz des hohen und späten Mittelalters, als es ein Zentrum des Orienthandels war. Bis ins 14. Jahrhundert hatte die hiesige Kaufmannschaft quasi ein Monopol für den Handel mit byzantinischen und asiatischen Seidenstoffen, und die Nachfrage der Kirchen und Fürsten war immer grösser als das Angebot. Ab Mitte des 13. Jahrhunderts entstand hier ein Dom, der den Weltruhm der Stadt dokumentieren sollte. Im späten Mittelalter ging es dann wirtschaftlich bergab, die Türme des Doms wurden erst im 19. Jahrhundert vollendet.

Um auf dem zur Donau abfallenden Gelände eine vernünftige Basis zu haben, wurde der Dom auf einem Sockel errichtet. Aus diesem Sockel wachsen die Streben empor, die das Kirchenschiff tragen, und so bildet die Basis Vor- und Rücksprünge. Hier, zwei Meter über dem engen Domplatz, ist auch am späten Nachmittag noch Sonne, und der helle Kalkstein gibt seine Wärme ab. Seit Jahrhunderten, das belegen alte Stiche, sassen Menschen auf dem Sockel, um zu rasten, dem Trubel zuzuschauen oder miteinander zu reden. Die Kirche als sakrosanktes Monument ist eine Erfindung der Gegenreformation, davor war sie eine Art Mehrzweckhalle, in der auch Tanz, Markt oder Strassenstrich häufige Erscheinungen waren.

Es ist also nichts dabei, wenn sich zwei junge Menschen, im leichten Grufti-Look auf so einen Vorsprung in das späte Sonnenlicht des Tages setzen, etwas trinken, reden, und im goldenen Schimmer ein wenig küssen. Sie machen keinen Dreck, sie sind nicht laut, sie sind einfach da und geniessen ihr Leben, und ich stehe ein paar Meter weiter an einem Tor und mache eine Aufnahme eines Türdrachens der frühen Gotik. Das Leben ist schön, im Spätsommer.



Bis dann ein mittelaltes Paar aufkreuzt, das erkennbar seit Jahrzehnten keinen Sex mehr hatte - wünscht man zumindest beiden Partnern, die etwas aus den Fugen sind. Korrekt und bieder angezogen, sicher nicht billig, aber auch nicht schick. Passt zu Eiche rustikal, Rundbogen mit Butzenscheibenimitat und Kachelofen. Der Inbegriff des bayerischen Vollspiessers, CSU-Wähler par Excellence. Sie könnten einfach weitergehen, sie hätten mehrere Möglichkeiten, sich über auf dem Sockel befindliche Leute zu beschweren, aber SIE bleibt zielsicher unter den Grufties stehen, stemmt die Fäuste in die ausgelaufenen Hüftenregion und schüttelt heftig den Kopf. ER bleibt auch stehen, schaut hoch und sagt sehr laut: Oiso na. Und sie: De hom koa Benehma, de Leid. Bleiben stehen, gaffen hoch, und das Mädchen wendet sich verlegen ab.

Ich sage etwas. Von der Basis herunter sage ich etwas Deutliches auf bayerisch, und von meiner kleinen Seifenkiste im Netz sage ich: Ich wähle SPD. Ich wähle eine Partei, die mir als Garant einer offenen Bürgergesellschaft gilt. Ich bin in Bayern aufgewachsen und kenne den Stil-Totalitarismus, den rechte Lehrer und Beamte hier durchsetzen wollen, ich kenne das Menschenbild dieses Packs, dem ich äusserlich vielleicht mehr als entspreche, aber nicht weil die es so wollen, sondern weil es meine freie Entscheidung ist. Ich wähle eine Partei, die den alten Säcken unten und den jungen Grufties oben es überlässt, was für sie der richtige Weg ist, und die es keinem verbieten wird, in der Sonne auf einem Baudenkmal zu sitzen, nur weil es jemand anderem nicht gefällt.

Ich weiss noch, wie die CSU-Hirnverhehrer bei uns an der Schule versucht haben, politische Symbole zu verbieten und Leute auszugrenzen, die anders waren. Es war für den Punk genauso hart wie für den Anzugträger; alles, was anders war, wurde kleingemacht. Wir haben uns gewehrt, wir haben das aufgebrochen. Ich bin längst ein alter Sack und Grufties sind mir als Jugendkultur ziemlich fern, aber ich will verdammt sein, wenn ich jemals eine Partei wähle, die den pöbelnden Spiessern Recht gibt.

In dem Moment, in dem jemand wegen seinem Äusseren und wegen seiner Kultur nicht mehr in der Sonne sitzen darf, in dem Moment, in dem man so etwas erlaubt oder sich nicht wehrt oder für den anderen eintritt, beginnt die Unfreiheit und die Unterdrückung. Es ist verdammt wenig kulturelle Kruste da, und sich dafür zu ehtscheiden ist wichtiger als irgendwelche angebliche Wirtschaftskompetenz, die ich eigentlich mit dem hier vorgesehenen Beitrag heute shitcannen wollte. Aber morgen ist ja auch noch ein Tag.

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Warum eigentlich

lese ich von dem Umstand, dass die Bush-Administration offensichtlich einen völlig unqualifizierten Kumpan mit frisiertem Lebenslauf als Chef des Katastrophenschutzes eingesetzt hat, nicht bei den "normalen" Medien? Weil es die DPA noch nicht gebracht hat, vielleicht? Oder weil kein Werbekunde darum gebeten hat?

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Wer immer das jetzt war...

Vielen Dank für die schnelle Blogger.de-Reparatur! Und überhaupt.

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Samstag, 10. September 2005

Keine Wahlempfehlung I

Ich wähle nicht SPD, weil ich Mitglied bin. Die Sozis müssen jedesmal zeigen, was sie können.

Aber diesmal wähle ich nach einigem Schwanken SPD. Allein schon wegen meinen sog. Kollegen in den vielen Medien, die glaubten, sie könnten einen Regierungswechsel herbeischreiben. Die Medien ind jetzt schon der erste grosse Wahlverlierer. Ähnlich wie die CDU haben die Medien inzwischen ihr Pulver verschossen, argumentativ sind sie verbraucht, und die Wähler machen sich einen eigenen Reim auf das, was ihnen erzählt wird.

Sie begreifen, dass die Union einen Top-Down-Klassenkampf inzenieren wird. Sie ahnen, dass sie dafür bezahlen sollen. Und sie haben erlebt, wie Schröder Merkel trotz des Geredes der Büchsenspanner eingetütet hat. Die Wähler glauben dem, was sie gesehen haben, und nicht das, was ihnen die Johurnaille vorschreibt. Ich mag das. Ich will am Wahltag die frustrierten Fressen meiner sog. Kollegen vom Kampagnenstrich sehen. Und egal wie es ausgeht, die nächsten Tage werden sie leiden. Deshalb wähle ich SPD.

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Quote of the day

oder das unmögliche Ende einer philosemitischen Anschleimerei, oder auch Rechte, zu blöd zum entlinken:

Prima! Dann nimm bei der Gelegenheit den Alibijudenlink zu mir aus der Drecksliste da rechts, bitteschön, dankeschön, Tschüss.

Wollte ich Dir Knalltüte und deinen WASGPDSED-Claqueuren zuliebe schon seit längerem machen, aber meine Blogroll läßt sich leider nicht bearbeiten.

von hier

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Orange

Was haben ein paar NECONABLOs, die neue rechte Bewegung BZÖ in Österreich (former known as FPÖ oder Haider-Partie) und die Wahlplakate der CDU gemeinsam? Unter anderem: Die Verwendung von viel Orange, mehr oder weniger deutlich als Anspielung auf den politschen Wechsel nach dem Vorbild der Ukraine. Nun kann sich so eine Bewegung nicht die Trittbrettfahrer und die Trittbrettfahrer wiederum nicht die Nachbarn raussuchen. Vielleicht haben sie auch alle nur die gleichen Imageberater.

Die momentan sich etwas am Kopf kratzen werden, nachdem beim Führungspersonal des Originals die Hölle los ist. Andererseits, Korruption, endlose Streitereien und eine geschasste Regierungschefin... das Orange kann eigentlich bleiben.

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Oh Baby you´re so 2000

Gerade schreibe ich wieder an meinen Erinnerungen, da kommt per Mail der Hinweis auf diese

Unfamous last Website

unserer alten Bekannten Tanto. Content is King, sagte man damals. In gewisser Weise war das Verticken von Inhalt schon mal mehr als das Verticken von komischer Software ohne Inhalt. Deshalb verstehe ich auch nicht, wieso jetzt alle Welt von "Social Software" faselt. Und nicht über Inhalte. Wiso es so viel Kongresse über Blogs gibt, und so wenige lesungen aus Blogs. Wahrscheinlich wollen die draufgehen wie Tanto. Hey, warum auch nicht.

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Donnerstag, 8. September 2005

2fast

tack tack tack tack tack
never stop running.
never start thinking.
get it on
as fast as u can.
history is fading
future is coming up
2kill you
if you can´t keep on
running where they
wantu2
4the next big thing.



you´re still young
you´re still speeding
you might be a hero
anytime the system
wants u2be
on the concrete race track
of economic civil warfare.

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Ganz knapp

Tod 1er NPD-Kandidatin = formal 1 Woche länger Rot-Grün im Amt.

Ja, ich weiss, was jetzt an Kommentaren denkbar wäre. Die Finger arbeiten schon, während der Kopf die Bremse zieht. Der Tod ist nie schön. Wir sollen, andere müssen es also einfach zur Kenntnis nehmen. Chhhhmhmihmmhmm.

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Geschmackvolle Business Blogs

Ich mag keine Business Blogger. Aber als guter doppelmoralischer Bayer und jemand, der die Z-Prominenz erbärmlicher Gebührenverprasser oft genug selbst erlebt hat, möchte ich hier soch auf eine Ausnahme hinweisen: Das Restaurantblog vom Zoe in Berlin; ich denke, die werte Leserschaft hat Verständnis, wenn ich gleich in medias res gehe und die Tageskarte verlinke. Einer Chefin, die Rita Balbiano heisst, würde ich ebenso vertrauen, wie ich das in Bayern bei jeder Zenzi, Maria und Josefina tue. Und wenn sie nicht allzu oft von solchem Gschlearf heimgesucht wird, ist das sicher ein sehr netter Ort.

Die Geniesser-Alternative zum Shopblogger (wer will schon in den Supermarkt...)

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Mittwoch, 7. September 2005

Buoncontento

Erstaunlich, ganz erstaunlich, dass manche glauben, ich sei verbittert. Warum eigentlich? Nur weil ich nicht höflichkeitsblogge im Sinne eines Freiherrn von Knigge? Nun, ich bin an Castiglione und Bembo geschult, und in deren Cortegiano und den Asolaner Gesprächen gilt die Offenheit als Tugend. Kein Wunder, dass deren Bücher jahrhundertelang verboten war.

Mir geht es gut, wirklich. Wie sollte es auch nicht, hier oben über der Stadt meiner Jugend, auf der Terasse zwischen zwei alten Stadtpalästen ehemaliger Fanatiker. Nachdem gestern gewünscht wurde, ich solle doch mal die Kamera umdrehen und nicht den immer gleichen Sonnenuntergang fotogtafieren, ist hier also, nachdem auch heute wieder der selbe unfassbar blaue Himmel den Tag beherrschte, der Blick von oben auf den normalen Kamerastandpunkt.



Es ist fast perfekt, bis auf den zweiten Liegestuhl, in dem sich für meinen Geschmack zu selten Frauen räkeln, die sich mit den Ergebnissen der hiesigen Konditorskunst mästen lassen. Aber sonst - mein Leben ist schön. Ich weiss natürlich auch, wie priviligiert ich bin, mit Büchern, Zeit, Besitz, Terassen-Thinkpad und WLAN. Und damit jeder zumindest die Chance auf ein ähnlich gutes Leben hat, wähle ich nie die alten Feinde des Ausgleichs, CDUCSU und FDP. Obwohl das fraglos den Interessen der Schicht, aus der ich stamme, zuwiderläuft. Deshalb schreibe ich gegen dieses Pack an. Aber - es geht mir gut, keine Frage.

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Simple Facts and Quotes

After flooding in 1995, the existing system was improved. However, the sums were relatively small. About $500m was spent over the next 10 years. (...) From 2003 onwards, the Bush administration cut funds amid charges from the Army Corps of Engineers that the money was transferred to Iraq instead. The latest annual budget was cut from $36.5m to $10.4m.
von hier

»And so many of the people in the arena here, you know, were underprivileged anyway so this is working very well for them.«
Gattin des Ex-US-Präsidenten, hier im O-Ton

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Cat Content of the Year

Achtung Hinschmelzgefahr, gleich fünf mal. Sogar, wenn man wie ich eine Nacht lang die eigene Katze draussen verzweifelt gesucht hat (die über das Dachflächenfenster oben reinkam und es sich auf dem Sofa gemütlich gemacht hatte).

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The tide is turning

Eh, ihr Pacheros von der FDP! Wartet mal mit dem Postenschacher. Da ist immer noch eine Kugel im Lauf. El grande Gerardo und Guiseppe el Peschiero kommen. Langsam, spät, aber sie kommen.

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Real Life 04.09.2005 - Guy Bovet, Tango

Du kommst absichtlich spät. Wer spät kommt, bekommt vielleicht nicht mehr die besten Plätze, kann sich aber von gewissen Gruppen absondern. Von den Kirchenvorstandsmitgliedern zum Beispiel. Von den Chefarztgattinnen. Von den jungen Müttern, die sich das auch nicht vorgestellt hätten, beim Abitur. Von all den schalen Erinnerungen an gescheiterte Lebensentwürfe, von denen, die aufgegeben haben zu hassen und zu fühlen. Von allen, die aussehen wie ihre Mütter und heute die gleiche Moral vertreten. Irgendwo ist immer ein Platz, wo dich keiner kennt und anfaselt. Dann ertönt auch schon die Orgel, und ein Concerto von Vivaldi bringt dich auf andere Gedanken.

In der Pause fällt dir auf, dass du einen strategischen Fehler gemacht hast. Anna-Maria ist da, schräg hinter Dir. Es hätte auch schlimmer kommen können. Ihr Bruder könnte dabei sein. Der mal verheiratet war. Mit Iris. Die mit dir befreundet ist. Ziemlich gut sogar. Und Anna-Maria war immer schon die Spiessigste von allen. Hat damals so lang rumgeredet und intrigiert, bis es seit über 15 Jahren das erste mal einen Leistungskurs Religion gab. Das war der Tag, an dem die 68er starben. Auch eine Art, an 15 Punkte zu kommen, wenn man sonst sicher durch Abi gerauscht wäre. Sie hat dich gesehen, gegrüsst, und du reagierst mit einer angedeuteten Verbeugung, so wie der Hidalgo da oben an der Decke. Sobresaliente, e vero. Der hatte wenigstens eine Knarre dabei.



Du bist schutzlos, und als Guy Bovets Tango und der Applaus verklungen ist, quetscht sich Anna-Maria schnell an den anderen Honoratioren vorbei und verstellt dir den Weg. Mit diesem derb-fröhlichen Gesichtsausdruck, der hierzulande immer Betrug und Lüge verheisst. Sie weiss das mit Iris auch. Inzwischen hat es ja in Kaffekränzechen und bei Golfturnieren auf der 9-Loch-Anlage die Runde gemacht. Iris geht´s blendend, da muss es einen Lover geben, die anderen beiden Herren in ihrer Umgebung sind verheiratet, nur du bist de iure zu haben, also... wenn die wüssten... aber seit Wochen dürfte klar sein, dass du es bist.

Sie macht harmlosen Smalltalk über die letzten Jahre, über das Konzert, sie klebt an dir wie eine Klette, und als du eine Atempause nutzt um zu erklären, dass du jetzt zum Konditor gehst und Kuchen besorgst, quiekt sie laut auf und findet das toll, weil sie da auch hin will. Der korrekte Anschein für die umstehenden Spiesser ist gewahrt, und so geht es durch die Gassen hinunter nach Süden, zum Paradies der Nachwerksüchtigen. Wir sind noch keinen halben Block weiter, dann kommt die Frage. Was mit Iris ist.

Einen Moment spielst du mit dem Gedanken, ihr ein paar faustdicke Lügen in ein wenig Wahrheit zu verkaufen. Oder einfach ein wenig zu erzählen, über den Körper, den ihr Bruder einfach nicht zu schätzen wusste. Darüber, wie sie schnurren kann, wenn man ihr kleine Komplimente macht, und dass sie mit 5 Kilo mehr als zur schlimmsten Zeit, während des Scheidungskriegs, wirklich phantastisch aussieht. Dass es ihr, was immer auch passiert ist, heute gut geht. Ganz anders als an Weihnachten, als du die Scherben ihrer Persönlichkeit in einer Kneipe aufgesammelt hast. Aber du entscheidest dich für die grobe Variante, und fragst sie, warum sie das eigentlich wissen will. Wegen der Gerüchte, meint sie.

Jetzt könntest du verständige Antworten geben, was höflich wäre, oder diabolisch grinsen, was als unfein gewertet wird. Du siehst aus den Augenwinkeln, dass sie dein böses Lachen hasst, es erfüllt ihre schlimmsten Befürchtungen. Was ist los, Anna-Maria? Will er sie wieder? Klappt es mit seiner neuen Freundin nicht? Hat er es sich nochmal überlegt, oder ist es nur wegen der Kosten oder den Steuern? Oder wegen dem Ruf? Soll sich Iris jetzt öffentlich verbrennen oder was?

So sind sie, die besseren Familien, womit man nicht umgehen kann, das erduldet man schweigend, und Anna-Maria schreitet lang, blond, hochaufgerichtet weiter neben dir her, sie schluckt alles, und als du dich wieder gefangen und keine weiteren Angriffe auf das Ehepharisäertum mehr auf Lager hast, gibt sie Antworten. Er ist um ihren Ruf besorgt. Und seinen. Ja, er will sie wieder. Und wenn du ihr Bestes willst, sprichst du mit ihr darüber. Ungeschickt hangelt sie sich von Forderung zu Forderung, argumentiert mit deinem Ruf in der Stadt, das hat sie in ihrem Leben zwischen Rosenstöcken und übler Nachrede noch nie getan, hey, was für eine verkorkste Premiere. Es geht ihr nicht gut dabei, sie hat den Rubicon überschritten, jetzt muss sie da durch.

Du lässt sie reden, du kennst all die Argumente, die Wünsche, den Traum von der perfekten Ordnung des lebenden Friedhofs. Vielleicht ist es an der Zeit, wieder weiterzuziehen in eine Stadt, wo dich niemand kennt und du nochmal von vorne anfangen kannst, aber dann seid ihr beim Konditor angekommen, dein Blick fällt auf die Torten, und diese Sachertorte da hinten, das ist die, die du schon mal Iris von den Fingern gele...

Anna-Maria? sagst du draussen vor der Tür ganz leise zu ihr. Weisst du eigentlich, wie es ist, wenn sie gegangen sind und du selbst die Stellen mit den Verletzungen drückst, um es nochmal zu spüren, den Schmerz, die Lust und das alles?

Schöne Grüsse an Deine Frau Mama, Anna-Maria.

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Mittwoch, 7. September 2005

Reines Blau

Der Abendhimmel ist seit der Flut immer von der gleichen reinen Farbe, bis auf das rote Band am Horizont.



Manchmal denke ich, die Zeit in Berlin und all die Jahre davor im deregulierten Irrsinn der Märkte, in denen diese Abende ein seltenes Vergnügen waren, wurden von einem anderen Menschen durchlebt. Kann sein, dass sie mich zurückschicken nach Berlin. Vielleicht auch wieder in den Nahen Osten, wo das Abendlicht in der syrischen Wüste ganz ähnlich ist, wenn sich da unten noch was in Richtung Neuwahlen tut, aber im Moment steht alles still. Faktisch bin ich abgemeldet, berufliche Mails werden nur einmal am Tag gesichtet. Ich habe noch nicht mal meine neue Festnetznummer weitergegeben. Nur der Lebenswandel ist immer noch auf amerikanische Ostküste geeicht, EST-6h. Und das wird sich wohl auch nicht mehr ändern.

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Neues Fachblatt für Sepulchralkultur

Aus MASSENGRAB AKTUELL
wird MASSENGRAB AKTUELLES BUSINESS
Ab 17. Oktober 2005 für mindestens eine Ausgabe alle 14 Tage, wenn es mit der Finanzierung keine Totgeburt wird: Das neue Medium für das Massengrab Business

* Schneller in der Grube
* Größere Gruben
* Besser tot

Die neue MASSENGRAB AKTUELLES BUSINESS bringt noch mehr faulige News aus der Gruft-Szene, noch mehr Sterbehilfe für Ihr Business und noch mehr Informationen für Insolvenz-Entscheider. von hier. Amen.

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Johnny goes B.I.G.

Yo, Babies, yo, get ya ass up, get da moda burning and mooooove in to the big baaad bold blogging berlin, cause my bad Brotha Johnny da Rivawotcha does da big balozaa on da bloody dogy bloggy futura style thingy in Decemba. And me I is in too. You bet, Brotha. Ya do wanna know what the fuck that re:publica bling bling is so get it on yeah and do da nasty click on da Link. Great Stuff.

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Was ich an den Wahlblogs nicht mag

und warum Felix Schwenzel von Wirres das Rennen macht.

Beide - Lautgeben und das Wahlblog sind mit einigen Hoffnungen in die heisse Wahlkampfphase gestartet. Das Wahlblog mit einem Schwerpunkt auf das Aufeinanderprallen unterschiedlicher Positionen, Lautgeben mit Geschwindigkeit und vielen Details aus dem Wahlkampf, die normalerweise untergehen. Tatsächlich sind beide besser als die komischen Blogversuche der politischen B-Prominenz bei Focus, AOL oder die "Profiwahlblogger" der SZ und anderer Medien. Von den Blogkampagnen diverser Parteien und Grüppchen mal ganz zu schweigen. Das sieht man recht klar an der Resonanz innerhalb der Blogosphäre

Trotzdem werden es beide schwer haben, von normalen Zeitungen ernst genommen oder als gleichwertiges Medium akzeptiert zu werden. Sprich, der grosse Schub in der Berichterstattung über Blogger, der in den USA mit der Präsidentschaftswahl kam und auf den einige sicher gehofft haben, bleibt aus. Das liegt nicht an den miserablen Versuchen der Medien, das Thema mit ihren eigenen Leuten zu machen, sondern an typischen Blogosphärenproblemen.

Ich muss mich fast zwingen, das Wahlblog zu lesen. Es gibt da immer wieder ein paar Perlen, aber vieles, sehr vieles ist schlichtweg dumme Propaganda nach dem Motto "Schröder lügt, Merkel sagt die Wahrheit". Das Wahlblog hat das Problem, dass es offensichtlich keine fähigen Blogger auf der rechten Seite des politischen Spektrum findet. Während man auf der anderen seite mitunter sowas wie voreingenommene, aber durchdachte Argumentationsketten findet, kotzt einem dann ein Trafficsauger diesen Wortmüll hier hinters Display. Nicht witzig, nicht gut, nicht kreativ, noch nicht mal eine zynische Beleidigung.

Das setzt sich in den Kommentaren fort. Es ist wohl der Fluch eines jeden populäreren Blogs, dass sich in den Kommentaren ein gewisses Pack breit macht, das früher in den Tiefen abstruser Foren verborgen geblieben wäre. Nach einer Weile kennt man auf den Politikblogs die Gestalten und ihre Ansichten, aber beim ersten Durchschauen habe ich eigentlich schon keine Lust mehr, das zu lesen. Hinter manchen Nicks könnte man glatt von den Parteien aufgestellte Watchdogs vermuten. Natürlich geben die keine eigenen Blogs an, sind nicht einschätzbar und benehmen sich so, wie man das von Forentrollen kennt.

Genau das macht es auch so nervig, sich mit Lautgeben zu beschäftigen. Jörg-Olaf Schäfers macht einen guten Job, aber in den Kommentaren herrscht Dogmatismus und Korinthenkackerei vor. Bei manchen threads wären die IPs der Kommentatoren sicher sehr aufschlussreich; im Falle des Spiegel-Trittin-Bashings kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass es da hintenrum in gewissen rechten Bloggerkreisen Absprachen gab, den Thread vor die Wand zu fahren. Was angesichts der Bedeutung von Kommentaren bei Blogtexten ein echtes Qualitätsproblem wird, wenn der Autor dann noch gezwungen wird, in diesem Sumpf nachzuargumentieren.

Ich bin an keinem dieser Blogs beteiligt, aber ich finde es sehr schade, wie die an sich gute Idee hier in der aufgeheizten Stimmung vor der Wahl kaputt gemacht wird. Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, wäre das

- beim Wahlblog eine Chefredaktion, die die dümmsten Texte und Blogger notfalls rausschmeisst. In der jetzigen Form verkommt das Ding zur Selbstdarstellungsplattform für Politpöbel. Qualität ist nun mal nicht verzichtbar, sondern der einzige echte Grund, sich das anzutun. Arschgeigenorchester spielen an jedem Biertisch auf, das brauche ich nicht auch noch im Blog. Formale politische Ausgewogenheit bringt gar nichts, wenn sie von Deppen repräsentiert wird.

- bei beiden Blogs eine radikale beschränkung bei den Kommentaren. Man sollte die Anmeldung verpflichtend einführen. Das erspart einem schon mal eine Reihe von "ich sag jetzt mal was damit ich auch was sage"-Postings. Und keine Kommentatoren zulassen, die nicht über ein eigenes Blog verfügen, in dem man sich schnell über dessen Haltung informieren kann. Das killt die Trolle, und erlaubt eine fundierte Debatte.

Das sind harte Massnahmen, aber vermutlich wird das Thema immer noch genug Kommentatoren bringen, und die Qualität wird dadurch sicher besser. Mehr als die Hälfte der Kommentare auf beiden Blogs bringen in meinen Augen überhaupt nichts, im Gegenteil, sie stören eine echte Debatte. Die Offenheit der Blogs für Texte aller Art und Ansichten ist schön, aber es gibt eine Qualitätsgrenze, ab der das Blog Schaden nimmt. Und nach meinen Erfahrungen ist ein sanfter Druck und bisweilen eine öffentliche Decaputation eines Trolls durchaus belebend.

Die wunderbar surrealistischen Wirklicheitswahrnehmung bei Felix Schwenzel verhindert übrigens genau diese Defizite. Ix ist politisch nicht aus Meinung festzunageln; es ist eher wie der reine Tor, der Schelm auf den Parteitagen, niht verbissen und gerade deshalb so politisch. Er isst und trinkt gern. Das macht ihn einzigartig, und darum fällt er auch den Medien auf. Deshalb berichten die über ihn. Das ist etwas Neues, nennen wir es "Fear and Loathing at the Conventions".

Mehr Wirres, mehr Jörg-Olaf, weniger Pack. Das ist die Zukunft. Alles andere ist nur die Fortsetzung von Forengestänker mit anderen Mitteln.

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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Montag, 5. September 2005

Paule gib die Liste her,

die angeblich auch die CDU schon hat, damit die reichen Nachbarn im Nobelvorort westlich der kleinen Stadt wieder ruhig schlafen können.

tschuldigung, dass ich dauernd auf das Girl verlinke, aber erstens ist das sowieso ein grandioses Blog und zweitens wird sie, wie schon erwähnt, nie nie nie einen echt toitschen Mann mit hypothekenbelastetem Reihenhaus in der Vorstadt finden und freut sich deshalb wohl über den Besuch von aufgeklärten Nichtpsychopathen

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Wahlkampf wie in Peppones Zeiten

Eines der Highlights meiner jungen Jahre war - und ist es bis heute - Don Camillo und Peppone. Mit Gino Cervi als kommunistischen Bürgermeister und Fernandel als Priester. Die Filme sind bis heute ein Grund für mich notorischen Glotzenhasser, mich vor die Kiste zu legen. Das nenne ich Politik, so soll sie sein, mit schmutzigen Tricks, Prügeleien, knallharter Ideologie und wachsweicher Durchsetzung, und immer einer linken Mehrheit. Die Filme wohlgemerkt, die Bücher sind plumpeste papistische Propaganda. Übrigens: Das Dorf, in dem die Aussenaufnahmen entstanden, hatte Anfang der 90er Jahre immer noch einen kommunistischen Bürgermeister, und wer es besuchte, fand am Ortseingang ein Schild mit der Aufschrift: Das Dorf von Peppone und Don Camillo.

An all das musste ich gestern denken, als ich das bescheidene Wahlkampfmobil der Linkspartei in ihrer oberbayerischen Hochburg gesehen habe.



Seitdem geht mir diese Melodie nicht mehr aus dem Kopf, und irgendwie habe ich gehofft, dass Schröder nur ein mal, ein einziges Mal seinen Platz verlassen hätte, ganz nah an die Merkel rangegangen wäre, und ihr ein paa italienische Wörter um den Kopf gehauen hätte. Irgend sowas. Capisce?

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Traffic-Duell

Sie wollten es so, die sich für gut besucht haltenden Clickbettler und Kommentarschleimer-Püppchen. Die gestern: 2005
Dieses leservergraulende Blog hier gestern: 2846

Die und ihre grosse Amerika in den Dreck ziehende Klappe.

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