: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Dienstag, 20. September 2005

Leutheusser-Schnarrenberger im Umfallen

Auf diese Frau muss man ein Auge haben, das ist die, die Guido merkelmeucheln kann. Am Sonntag hat sie die Ampel noch völlig ausgeschlossen; heute heisst es schon in Richtung Schwarz-Gelb-Grün: "Ich denke, dass das ein Versuch ist, der eher tragen könnte, als dass die FDP mit der SPD könnte". Heisst: Alles ist denkbar, ich schliesse nichts mehr aus. Und die Chemie zwischen SPD und FDP stimme nicht. Na wenn das alles ist...

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Ostelbische Schleimpostings

Ein gewisser f. Randow arbeitet bei einer Zeitung, die meine Eltern abbestellt haben, glücklicherweise. Sie nahm so viel Platz in der Papiertonne weg. Das Internet ist dagegen extrem schmal, was f. Randow aber dadurch ausgleicht, dass er die gesammlte Arroganz des Hirnfick-Kulturteils seiner Zeitung in ein schleimtriefendes Angeberposting mit Bitte um Traffic für sein Onlineprojekt hineinlegt. Bei mir würde das unter dem Begriff Spam laufen. Das Fachblatt für Ostelbierrevivals hat es wohl nötig.

Und das ausgerechnet unter einem wirklich lesenswerten Artikel über Blogs von Journalisten bei Telepolis. Manchmal frage ich mich, wie Ostelbier ihre Kinder erziehen. Und ob überhaupt.

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Die angenehme Wahrheit des Tages I

68 hat gesiegt. Es gibt keine bürgerliche Mehrheit in Deutschland mehr - und es wird sie auch nicht mehr geben. (andere sehen das natürlich anders)

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Das Treffen der Rampensäue

und ich muss mir jetzt alle Mühe geben, damit das keinerlei Ähnlichkeiten mit dem hier bekommt, haha

Eigentlich sollte ich am freitag am ZKM in Karlsruhe ja was über die Kultur des Bloggens erzählen. Danach sollte ein gewisser Eck, Klaus kommen, Betreiber des Blogs PR-Blogger.de. Hmja, was soll ich sagen. Lange Geschichte. Was an der langen Vorgeschichte liegt: Als klein Donnie auf Dotcomtod die Münchner Contenwirtschaft einsargte, war besagter Eck lustigerweise Leiter eines Arbeitskreises Content Bizz bei einem zur Lobby aufgepusteten Stammtisch wenig erfolgreicher Internethansel. Damals hiessen die noch CEO und waren 6 Monate vor einem IPO, der aber nie kam. Das sagte ich ihnen auch ziemlich offen, weswegen sie mich nicht besonders mochten. Ich hätte noch viel weniger das gemocht, was ihnen dann passierte, höhö.

Damals glaubte der Eck an die Verwertbarkeit von Internet Content, ich sah darin vor allem eine Ausbeutung dummer, mediengeiler Kids und die Knebelung von Journalisten. Das Massensterben hat die Debatte hinfällig gemacht, eines dieser Content Bizz Treffen war ein wenig die Vorlage für eine Szene in meinem Roman, das war´s. Die New Economy verreckte, ich wurde Schriftsteller.

Aber man trifft sich bekanntlich immer zweimal, und viele der früheren CEOs tauchten als Blogger wieder auf. Und irgendwie hat es dem ZKM gefallen, mich und den Eck in eine Veranstaltung zu stecken - und so sollte es eigentlich am Freitag zum Showdown kommen. ich habe mir eine Menge Bösartigkei Argumente gegen einen Outer von anderen Blogge eine Auffassung von Bloggen als PR-Kanal einfallen lassen, und nun das: Eck kommt nicht.

Aber ich habe dem ZKM angeboten, Ersatz zu vermitteln. Und prompt sagte der einzigartige Johnny "Jambakilla" Haeusler vom Spreeblick zu, auch zu kommen. Und nach mir zu sprechen. Der kann das. Der hat echt was drauf. Und dann rocken wir das ZKM zusammen. Und danach ist Bloggertreffen. Anmeldung hier.

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Montag, 19. September 2005

Neuer Kotzbrocken aus dem Steingart en

Na da schau an: Der SPON zeigt, was er in Sachen Retusche von Stalins Bildverbesserern gelernt hat.

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Klogriff des Tages

Die Mediaplaner und die Werbeagentur der Telefonauskunft 11880 hatten offensichtlich selbst eine suboptimale Auskunft, was den Wahlausgang anging - sonst hätten sie nicht sowas geschaltet:



Ein Haareschneider für Angie? Das einzige, was bei Angie jetzt noch geschnitten wird, ist die Gurgel - und die Leute dafür findet man heute problemlos an der gesamten Parteibasis. Und Biergärten für Gerd? Der hat doch den Garten des Kanzleramts.

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Blog nicht mehr 4 Berlin

Es gibt ein weiteres Opfer der Schlacht um Berlin zu verkünden: Das berüchtigte Södersche Spammer-Blog Blog4Berlin ist tot. Die CSU braucht offensichtlich kein Blog für Berlin mehr.
Sie haben verloren.
Sie sind tot.
Sie sind Geschichte.
Eine ganz schlechte Geschichte.

Zum Glück habe ich mit ein paar Andenken gespeichert.

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Mama, darf ich die braunen Kids noch mal demütigen?

Die Puppen da drüben? Aber nur ein Mal, verstanden?

Versprochen. Mein grosses linkes Punker-Blog. Meine 2000+ Besucher am Tag. Mein Stuck. Meine Kronleuchter. Mein Stadtpalast. Mein Ficken mit den Töchtern höherer CSU-Chargen, die ihre Eltern doof finden. Meine Bildersammlung mit dem verzweifelten Merkel. Mein Kanzler. Mein Sieg.



Mein höhnisches Lachen.

Jetzt ist aber gut, Alphonso. Denk an den Ruf der Familie.

Ja, Mama.

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I predict a riot

Guido Westerwelle wird umfallen und Vizekanzler einer Ampelkoalition. Natürlich nicht so schnell. Er wird offiziell befürchten, Vorsitzender einer Partei zu werden, deren Fraktion einen anderen Weg geht, und der Partei diese Zerreissprobe ersparen. Denn Sabine Leutheusser-Schnarrenberger denkt nach kurzem Nachdenken gar nicht daran, nicht Justizministerin zu werden. Hört man so.

this one is dedicated to all the schwampels in the nation

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Würdelose Vollpfosten

Da wird mir der Strauss fast wieder sympathisch: Der hätte sich eher erschossen, als dass er mit den Grünen ins Bett gestiegen wäre. Dito der junge Stoiber. Dass gerade die CSUler jetzt anfangen, neben dem gschlamperten Verhältnis mit dem eh schon verhassten, wahlsiegenden, andersrumigen Leichtmatrosen auch über eine Koalition mit den Grünen nachzudenken, zeigt den Grad der moralischen Verkommenheit. Lieber das Schwarze unter den Fischers Fussnägeln herauslutschen wollen, als in Ehre zu sterben. Oder reichen die schwarzen Kassen noch nicht mal mehr für die Beschaffung von Munition? Oder scheitert es beim korrekten Ausfüllen eines Bestellschein´s?

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Sonntag, 18. September 2005

Bei den kackbraunen Puppen

kotzen sich übrigens gerade ein paar Neconablos ihre schwarzen Ersatzseelchen raus, fast so schlimm wie manche assligen Moderatoren des Bayerischen Rundfunks im Moment, die heute eigentlich wohl feiern wollten. Im Radio hat man um 18.04 Uhr den Horror in ihren Stimme gehört. Zum Brüllen. Was für ein Tag aus bayerischer Sicht. Denn:



Im Süden geht die Sonne unter. Keine Partei hat mehr verloren als ausgerechnet die CSU, von 58,6 auf 49,8 49,7 49,3%. Merkel ist so in Stoibers Heimat verendet, wie Stoiber in Merkels Heimat abgesoffen ist.

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18.04 Uhr

Ich rase mit völlig überhöhter Geschwindigkeit die Auenstrasse hinunter, der Motor orgelt wie am Tag des jüngsten Gerichts, ich brülle, ich schreie, ich prügle auf die Wagentür ein. Und ich, Teil des Souveräns dieses Staates, lache. Ich kann gar nicht mehr aufhören zu lachen. Gott ist das geil. Keine rechte Mehrheit, die CDU so aufsteigend wie die Mundwinkel von das Merkel.



Wenn ich jetzt an die Fressen von das Äntschie denke, den Stoiber, den Koch und die Neconablos der Blogschmiererfraktion und ihre Vorbilder bei den Drecksjohurnaillen SPON und Bild, dann platze ich. Einfach nur die Zahlen anhören, schon gut genug, nach diesen Monaten. Ich habe einen Lachkrampf. Mein Bauch tut höllisch weh. A soichane Hund, dea Gerhard und da Fischer Joschka.

An den nächsten roten Ampel halte ich. Ich liebe rot. Neben mir hält der grosse, schwarze BMW, den ich an der letzten Ampel restlos versägt habe. Der Beifahrer lässt das Fenster runter, wie die anderen drei jungen Burschen im Trachtenjanker, wahrscheinlich auf dem Weg von Oktoberfest, und fragt, nicht wirklich glücklich aussehend: Se san ned fia de CSU, oda?

Na, sage ich. I bin a Roada. Und gebe Gas.

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Keine Wahlempfehlung VII

Letztlich sind es dann die kleinen Dinge, die Blicke, die Gedanken, die privaten Reaktionen, die alle Zweifel wegwischen. Ich hätte mir die letzten drei Jahre in manchen Bereichen eine Politik gewünscht, die schneller und härter reagiert hätte. Aber dagegen standen Gewerkschaften, Industrieverbände und Opposition gleichermassen. Aus reinem Machtkalkül. Das heutige Ergebnis wird, egal wie wer feiert, mittelfristig für niemanden Anlass zur Freude sein. Ein 360°-Pyrrhussieg. Aber letztlich sind es die kleinen Dinge, die die Wahlentscheidung unausweichlich machen.

Ich bin einigermassen zufrieden, aber nicht restlos begeistert von der Partei, die ich wähle. Und hier in Bayern muss ich akzeptieren, dass die CSU, so wenig ich sie mag, eine Vielzahl von Erfolgen vorzuweisen hat. Trotzdem meide ich diese Partei, ich habe genug von ihr im Landtag erlebt, 5 Jahre lang, und auch eineinhalb Jahre in Berlin. Wegen vieler kleiner Dinge. Und deshalb mache ich immer auch einen Bogen um ihre Stände in der Fussgängerzone, um mich nicht mit dem Flyerpersonal der JU zu streiten.

Gestern nun musste ich vom Wochenmarkt schräg über die Fussgängerzone zu einem Geschäft, um eine Bestellung abzuholen. Einen Netzadapter für ein japanisches Stromkabel. Das Stromkabel gehört zu einem unendlich flachen Notebook, und das wiederum gehört einer Elitesse aus Tokyo, die eine Wohnung im Stadtpalast gemietet hat. Die Elitesse hat mich begleitet, und wir sind praktisch direkt in den Stand hineingelaufen.

Ich habe die Gesichter gesehen, und die Blicke. Ich habe die Filme gesehen, die in ihrem Köpfen abgelaufen sind. Ich weiss, was sie gedacht haben, jedes Detail, alle Optionen. Da tanzt das Kollektiv sofort wieder den Adolf, es kann nicht anders. Das passiert bei denen automatisch, es ist ein Reflex aus dem Rückenmark und der Leistengegend, da muss niemand erst was sagen oder sein Gehirn bemühen, es ist einfach da, gleich unter der Oberfläche. Die sind so, alle Bomben und Granaten des zweiten Weltkriegs haben das nicht ändern können, und die werden immer so sein, trotz CSU-Alibi-Zuwanderin im Stadtrat.

Einer ist immer dabei, K.. K. war der Sohn von Ladenbesitzern, die das Pech hatten, von einer der ersten Konsolidierungswellen nach dem Wirtschaftswunder überrollt zu werden. Die Läden hatten gegen grosse Ketten keine Chance und machten pleite. Die Familie wurde en gros gesellschaftlich nach hinten durchgereicht, nur nicht in ihrem Wohnumfeld, in dem es damals so etwas wie ein intaktes Sozialgefüge gab. K.´s Vater baute die Leuchtreklamen von den Geschäften ab, die den Namen seiner Familie trugen, und lagerte sie unter einem Vordach ein, in der Hoffnung, sie später mal wieder montieren zu können. Es hat nicht geklappt.

Dann ging alles sehr schnell. Die Familie brach auseinander, K. war das erste und einzige Scheidungskind, das ich kannte, während in allen anderen Familien der besseren Gesellschaft je nach Lust und Laune hinter der glatten Fassade karnickelt, geschluckt, gehasst oder Selbstmord begangen wurde. Als Kind bekommt man das nicht so mit, und erst sehr viel später wurde mir bewusst, was damals alles geschehen ist, in den sog. besseren Kreisen der Stadt. K. war im Zentrum eines alles vernichtenden Malstroms, er war das einzige von uns Kindern, das nicht im Gefühl der absoluten Sicherheit aufgewachsen ist. Er suchte Halt, und fand ihn. In der jungen Union.

Sie haben ihn natürlich nie nach oben kommen lassen. Er kam nie auf die sicheren Listenplätze, er wurde nicht bevorzugt, er hat die Drecksarbeit gemacht, für die Söhnchen anderer Clans. Er war nie im Stadtrat, der grosse, bärenstarke, gutmütige Junge, er hat alle Zurücksetzungen hingenommen, vermutlich, weil er an die Moralvorstellungen der Partei geglaubt hat, die er in seiner Familie nicht mehr gefunden hat. Ich war in der Schule wegen 43 Fehltagen (die Windsurferkrankheit, gegen die nur ein Sanatorium am Gardasee half) schlecht, K. wegen der intensiven Parteiarbeit. Aber wir haben uns immer gut verstanden.

Gestern war er auch im Dienst. Und während ich durch all die Blicke, die Filme und Krankheiten im Kopf gelaufen bin, habe ich ihn angeschaut. Und gegrüsst. Er hat mich sofort erkannt. Ein Blick auf mich, meine Begleiterin, die anderen, und er hat sich weggedreht. Kein anderes Zeichen, nichts.

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Sonntag, 18. September 2005

Finale con brio

Es ist zu kalt, um noch draussen zu sein. Es ist jedes Jahr so; wenn die Sonne zwischen Kirche und Pfarrhaus untergeht, ist die Terassensaison vorbei. Danach kommen nur noch wenige wirklich schöne Tage. Richtig warm wird es ohnehin nicht mehr. Die Gäste des Herbstes werden ihren Aufenthalt drinnen verbringen müssen, oder sie wickeln sich in Decken ein und trinken heissen Tee. Wenn sie denn kommen.



Was bleibt, sind die Erinnerungen an einen mitunter atemberaubend schönen Sommer. An ein Panorama, an dem ich mich nie satt sehen kann. An Stunden zwischen Tag und Finsternis, an den sanften Wind, der über der Stadt die Hitze erträglich macht, an die splendid isolation weit über den Dingen und die happy few, die Zutritt hatten. Genug, um es in sich zu bewahren, zu verschliessen und davon die nächsten sechs Monate zu zehren. Bis die Sonne wieder genug Feuer entwickelt, um hier oben alles zum Brodeln zu bringen, die Luft, die Gefühle, das Leben, unter dem unendlichen Blau über dem Randgebiet der einzigartigen, traumhaft schönen Munich Area.

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Grau hat geknallt

Das hier ist the same old rotten shit. Langweilige Dummheit.



Das hier dagegen ist mindestens haltbar und könnte spannend werden.



Ironischerweise from the guys who also brought you the technical basis of that shitty blog4berlin nittigritti.

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Ach so, und:

Sie würde diesmal Soldaten schicken.

Und ich erwarte, dass sich die bloggenden Neoconazis dann freiwillig melden. Die feigen Schweine will ich da drüben, drunten, wo auch immer mal sehen, mit ihrer grossen Klappe.

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Keine Wahlempfehlung VI

Ich wähle SPD. Das hat viele Gründe. Im Gegensatz zu den meisten Lesern hier kenne ich das Spitzenpersonal der Parteien so lala persönlich; wie man sie halt so kennt, wenn man zur bevorzugten Auslandspresse gehört und lang genug dabei ist. Manche, gerade in Bayern, kenne ich aber auch schon viel länger. Persönlich, privat. Zufällig. Qua Geburt. Ich würde nie CDU oder FDP wählen, weil ich sie kenne.

Ich wähle SPD, weil ich die herrschenden Zustände nicht mag. Ich weiss, dass die SPD nicht viel daran ändern kann, aber sie kann zumindest den Übergang vom rheinischen Kapitalismus in die Oligarchie der McKinseys und ihrer globalen Räuberbanden verzögern, und sie wird das allein schon aus Machterhaltungsgründen auch tun müssen. Das bedeutet, dass ich und übrigens auch mein in die andere Seite engebetteter Clan im vollen Wissen, dass wir gegen unsere theoretischen Interessen handeln, SPD und Grüne wählen werden. Denn mir und meiner Familie wird von der SPD genommen, während uns FDP und CDUCSU geben werden.

Viele Leser hier gehören wahrscheinlich nicht zu den 15, 10 Prozent der Bevölkerung, der es unter einer anderen Regierung besser gehen wird. Ironischerweise geht es diesen 10, 15 Prozent jetzt schon blendend. Krise, Konsumverweigerung? Wo bitte? Noch nie hat der Luxus bessere Geschäfte als heute gemacht. Und das Dreckspack, das jetzt in Berlin auf die Posten drängen wird, sieht da für sich noch Nachholbedarf. Dafür wird man diesen Staat umbauen. Das ist das erste, zweite, dritte, was sie tun werden. Das untere Drittel wird überrascht sein, was man dafür noch wegknapsen kann. Als ich das letzte Mal in San Francisco war und in den Parks noch mehr Obdachlose waren, konnte ich nach drei Wochen in den Flieger steigen, und es war vorbei. Das werde ich diesmal nicht tun können. Hier bei mir wird das noch eine Weile dauern, denn ich lebe in einer rausgeputzten Altstadt einer der reichsten Regionen dieses Landes. Aber es wird kommen. Und es wird mich einholen. Und damit das nicht passiert, wähle ich gegen meine ökonomischen Interessen SPD.

Ich mag den Terror der Ökonomie nicht. Ich war, wie manche vielleicht wissen, eine kurze Zeit meines Lebens im Kern des Systems, das man New Economy nennt. Ich bin freiwillig ausgestiegen, viel zu spät, ohne verhindern zu können, dass es für meine Freunde katastrophal ausging. Ich weiss, was es bedeutet, wenn Leute aus Angst und Panik 12 Stunden auf Tabletten für den halben Lohn schuften. Das ist gut für die Rendite, da kommt keine Gewerkschaft, und es war mir egal, wenn es irgendeine blöde Schlampe oder einen Wichser von der BAW erwischt hat. Dummerweise waren irgendwann auch Leute dran, in die ich viel Arbeit, Vertrauen und Hoffnung reingesteckt habe. Ich will nicht, dass sich dieses System auf den Rest der Gesellschaft ausbreitet. Es ist falsch, es ist nur richtig für die, die völlig irrsinnige private Ausbeutungerwartungen haben. Lasst Euch bei Gelegenheit mal von einem Volkswirtschaftler erklären, was die 3% binnenmarktgestützes Wirtschaftswachstum für unser Konsum- und Arbeitsverhalten in 20 Jahren bedeuten. Das hier ist Deutschland, eine voll entwickelte, fast perfekt ausbalancierte Volkswirtschaft an der Spitze dessen, was momantan auf dem Globus machbar ist. Das bedeutet halt im Umkehrschluss, auf die Wachstumsraten irgendwelcher unterentwickelter Ostblockstaaten zu verzichten.

Vermutlich wird die grosse Mehrheit der Leser dieser kleinen Seite ebenfalls gegen meine und für ihre eigenen, berechtigten ökonomischen Interessen wählen. Für eine linke Mehrheit in diesem Land, gegen die nicht regiert werden kann. Es gibt aber sicher auch ein paar hundert, die das nicht tun werden. Jeder muss das selbst entscheiden, und es besteht natürlich die Gefahr, dass diese Leser am Sonntag den Weg für die grosse Umverteilung von Unten nach Oben frei machen. Manche, weil sie hoffen beteiligt zu werden, andere, weil sie glauben, dass es dann irgendwie besser wird und es ihre Lage dann auch mit nach oben zieht. Weil sie nicht begreifen, dass die Ökonomie kein Interesse an ihnen jenseits der Verwertung hat. Und weil sie vergessen,

dass es um dieses Land als Ganzes geht, und nicht nur um das, was ein paar Lobbyisten als Wirtschaft in den Talkshows darstellen.

Es ist nicht ganz ohne Ironie, dass ich so oder so zu den Gewinnern der Wahl gehören werde. Ich, persönlich, habe nichts zu verlieren, wenn ich mich im politischen Worst Case nur in mein Wohlstandsquartier einsperre. Zur Staatsoper nach München kann ich von meiner Haustür aus fahren, ohne auch nur ein einziges Mal etwas anderes als Reichtum, Landschaft und boomende Industrie zu sehen. Meine Aufträge kommen aus einer der wenigen Regionen der Erde, in denen es noch besser läuft. Daran wird sich nichts ändern. Aber ich habe, wie mancher vielleicht auch weiss, den Osten gesehen. Auf fast jeder Fahrt nach Berlin bin ich irgendwo ausgestiegen. In Berlin habe ich auch die weniger schönen Ecken erlebt. Das würde sich unter der Union massiv ausbreiten, und deshalb wähle ich SPD.

Jetzt gehe ich ins Bett. Und heute früh fahre ich nach Stuttgart, shoppen. Meine kleine Schwester will ein neues Auto, nachdem ihr altes schon 70.000 Kilometer drauf hat. Einen SLK 350. Mit 272 PS. Und alle Extras. Ich wähle SPD. Weil es mein Leben und mein Land verbessert, ohne mich viel zu kosten. Weil Geiz nicht nur in dieser Hinsicht nicht geil, sondern scheisse ist. Weil ich es mir leisten kann. Ich weiss, dass das jetzt alles scheissarrogant klingt, aber es ist einfach nur die Wahrheit. Meine Klasse ist genau so, nur eben dem Rest gegenüber nicht ehrlich. Das ist der einzige Unterschied. Ich leiste mir auch diese Ehrlichkeit und den Luxus, gegen meine Klasse zu wählen.

Aber wer von den anderen, von den unteren, wahrscheinlich von den meisten der Leser hier kann es sich leisten, FDP und Union zu wählen?

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Freitag, 16. September 2005

Deutsche, kauft nur CDU-Spam!

4 Millionen Spam-Mails für die CDU verschicken und dann Kanzlerin werden wollen? Mit Verlaub, sowas gehört in den Knast zu den anderen Spammern, nicht in die Politik.

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Weniger Licht

Noch ein Bild von der alten CF-Karte: Eines der Geschäfte, die es so wohl nur in Berlin gibt, möchte man glauben. Zumindest in Deutschland, Paris und Lissabon haben ähnliche Geschäfte. Eine Arche Noah für die Reste bürgerlicher Existenz, ein Anknüpfungspunkt. Nicht teuerer als besseres Ikea, sind hier die Lampen vergangener, mehr oder weniger grosser Eochen. Vom Bad über das Wohnzimmer bis zur Halle, für jede Raumgrösse und Geschmack ist etwas zu sehen. Die Auswahl ist phantastisch, und in den Regalen rechts gibt es alle nur erdenklichen Formen von Kristallen für Kronleuchter.



Der Niedergang der Stadt sorgt dafür, dass das Lager immer voll ist. Aus den Auflösungen besserer Haushalte, aus dem Absturz der gehobenen Lebensart speist sich ein Strom ständig neuer Waren, es gibt jede Woche etwas Neues zu entdecken, wer weiss, wo das früher gewesen sein mag; das Licht für eine Bankiersfamilie, die darunter alte Mann-Ausgaben gehortet hat, vielleicht aber auch ein Wehrmachtsgeneral, oder die Stehlampe eine als Kokotte verrufenen Gräfin, die das Licht nach ihrem Tod weitergeben musste an ihrer schmalzige Cousine, und als die dann viel zu alt und bösartig starb, brachten die Neffen alles zum Verwerter, bis sie dann wieder hier auf eine neue Geschichte, auf ein neues Treiben im von ihr erleuchteten Fluss der Zeit

So hätte es sein können. Aber die Geschichte hat kein gutes Ende, denn der Laden wurde mangels Kundschaft geschlossen, vor etwa einem halben Jahr. Obwohl er zwischen Schöneberg und Kreuzberg lag, dort, wo die hohen, stuckverzierten Decken nach diesen grossen Lüstern schreien. Der Niedergang der alten Eliten zieht keinen neuen Aufstieg anderer Schichten nach sich, zumindest keiner, die so etwas wollen, und so wird das Licht der alten Welt nicht mehr in diesem Raum gesammelt, sondern zerstreut, zu oft weggeworfen, oder jemand findet es zufällig und rettet es in die Regionen des Landes, die sich vielleicht, mit ein wenig Glück, dieser schleichenden Vernichtung entziehen können.

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Bei diesem Wahlkampf

muss man irgendwo froh sein, dass sich das Internet bei weiten Teilen der Bevölkerung noch nicht durchgesetzt hat. Mich würde schon mal interessieren, was so ein SPON und Stern.de eigentlich für die redaktionelle Wahlwerbung für die Union bekommen. Ich fange gerade wieder an, die Ausgewogenheit des Bayerischen Rundfunks zu schätzen - wer den kennt, weiss, was das bedeutet. (Wobei der Stern bei diesem Bild auf der Startseite sicher auch abgebrühten Dentaltechnikern das Frühstück hochkommen lässt, da hat die interne Evennevelationkomission noch nicht ganze Arbeit geleistet)

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Keine Wahlempfehlung V

Keine Ahnung, wer sich hier in wessen Glanz sonnt. Die Jungunternehmer strahlen, weil sie die Bundessieger sind und viel Geld bekommen. Die Veranstalter strahlen, weil alle Medien da sind. Die Ausrichter, unter ihnen der Stern, neben dem SPON bezeichnderweise heute einer der publizistischen CDU-Unterstützer, freuen sich über die Laudatorin: Angela Merkel. Damals Vorsitzende einer Skandalpartei, heute immer noch und zudem auch noch Kanzlerkandidatin. Der Sieger bekommt 100.000 Mark aus ihrer Hand. Es ist Herbst 2000, alles ist vorbei, aber Merkel redet nochmal von der grossen, tollen Zukunft des Internets. Sie weiss es halt nicht besser. Besonders strahlt der Business Angel, der bei der Firma angeblich investiert hat - und wohl auch einigen Einfluss auf die Entscheidung der Jury hatte.

Alle waren sie mit dabei, ich weiss. Auch die SPD in NRW, Stichwort GH100. Auch die Grünen in Schloss Elmau, und ein halbes Jahr später waren sie sich nicht zu schade, das Münchner NE-Pack nochmal bei einem Event abzufüttern. Alle sind darauf reingefallen. Kann passieren. Ich habe 1999 ein bitterböses Worst Case Szenario über einen grossen VC-Geber geschrieben, von dem ich annahm, dass es so kommen würde. Ich habe mich auch getäuscht, es kam viel schlimmer. Keiner war ohne Fehler. Aber manche haben es früher gemerkt.

Die Firma hatte nichts von den 100.000. Der Business Angel hat den Laden letztlich vor die Wand gefahren, und dabei viel Geld verdient. Dreieinhalb Jahre später sitze ich bei jemanden, den nur wenige kennen. Jemand, der wirtschaftliche Macht hat. Einer, der seinen Unternehmern rät, sich Gebrauchtmöbel zu kaufen. Und wir reden über diese Firma und den Business Angel. Über den Stern und seinen Beratungspartner. Über die Jury. Über alles, was damals passiert ist. Dieser Mann hat oft genug vor dem Business Angel und seinen Tricks gewarnt. Laut und oft. Schon damals. Es hat niemanden interessiert. Abr schon damals war er jemand, auf den man hätte hören müssen, wegen seiner Erfahrung, wenn man schon nicht wegen seiner Macht auf ihn hört.

Man kann sagen, dass es nur eine kleine Randnotiz der langen, schlimmen Geschichte der New Economy ist. Man kann sagen, dass es lang vorbei ist, aber es stimmt nicht. Die milliardenschweren Fehlinvestitionen der New Economy von Seiten des Staates, sei es nun die Risikoabsicherung für VCs durch staatliche Banken, die die Pleite lukrativ machte, seien es die Beratungshonorare oder die Verschwendung der bayerischen Privatisierungserlöse, all das belastet die Haushalte noch lange Zeit - und jeder, der Steuern zahlt, zahlt daran mit.

Die SPD in Bayern hat zum Zeitpunkt, als Frau Merkel noch den Grüssaugust für Stern, McK und die versammelte Elite machte, gegen die Verschwendung von Staatsgelder an Firmen wie den Preisträger gewarnt. Stoiber hat damals noch mal Gas gegeben, weil die VC-Branche ohne staatliche Beteiligung mit dem Rückzug drohte. Die schlimmsten Fehler wurden gemacht, als es schon zu spät war, deshalb beschäftigt sich heute der bayerische Rechnungshof mit den Vorgängen. Die Bundesregierung, genauer, der Finanzminister hat dann den Stecker für die VCs gezogen. Damals lief Stoiber himself bei der grossen VC-Jahrestagung im Vier Jahreszeiten auf und versprach, man werde das so schnell wie möglich wieder rückgängig machen, bevor die Bande in den Palmengarten von Nymphenburg gekarrt wurde.

Das sind die Leute, die Merkel und Stoiber wählen werden. Weil sie nachweislich absolut keine Ahnung von Wirtschaft haben, und alles tun werden, was ihnen die "Experten" vorkauen. Keine Frage, die Grünen haben auch viel Scheisse gebaut, und Clement und Stolpe waren in der Hinsicht auch Vollpfeifen. Aber es war auch die SPD, die bei dem Irrsinn der Finanzierung den Stecker gezogen und die auf der anderen Seite die Gründung normaler Firmen erleichtert hat. Das ist natürlich nicht gut für VCs, Incubatoren, Berater, markt-, neo- und sonstwie faschistische Assis mit gefälschter Adresse, Anwälte und ihre Vorratsgesellschaften. Aber gut für die Gesellschaft.

Und deshalb wähle ich die SPD. Und nicht die Durchgeknallten von gestern, die von ihren damaligen Helfershelfern heute gross geschrieben werden.

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Donnerstag, 15. September 2005

2 Jahre nach dem Beginn der Verbannung

Nach langem Stöbern wieder die Mail mit den Details des Jobs gefunden. Heute ist es genau zwei Jahre her. Vor zwei Jahren, am frühen Abend dann, kam der Anruf aus Conneticut mit der Information, dass sie unbedingt jemand brauchen. Nur für kurz, bis sich alles eingerenkt hat. Ob ich das drei Monate lang machen könnte, ab Anfang Januar. Ich sagte ja.

Am Ende wurden eineinhalb Jahre daraus. Eineinhalb Jahre mit zwei Wintern. Ich wusste nicht, was mich erwartete, davor kannte ich eigentlich nur die Kastanienallee mit dem Verlag, unter den Linden von der Arbeit und eine 120-qm-Wohnung in Schöneberg. Auch das kam mir schon alles ziemlich verdreckt und runtergekommen vor. Ich wusste nicht, dass die Castingallee ein Laufsteg war, für meinen Geschmack war es eher ein Drogenstrich. Den entdeckte ich dann erst ein paar Monate später, eher zufällig, gut, der war dann noch etwas schlimmer.

Es hat sich seitdem nichts zum Besseren verändert. Noch immer wollen die Menschen dort hinh, weil es angeblich besser und frei ist. Wie mir die kleine japanische Prinzessin aus dem ersten Stock gestern erzählte, kennt man sogar in Japan diesen Szenebezirk Mitte. Und sie will da auch mal hin. Ich weiss nicht, ob es ihr gefallen wird. Ich weiss nur, dass mir zu Berlin immer erst die Kälte einfällt, die unfreundlichen Menschen, die Verwahllosung und der totale Verlust der Bürgerlichkeit. Ich glaube, das Gerede vom Frust der Deutschen ist vor allem der Tatsache geschuldet, dass sich die dafür verantwortlich Johurnaille, zuerst Gabor Steingart vom Spiegel, in dieser Stadt arbeitet, umgeben von zweihundet Kilometern in alle Richtungen, wo nichts besser wird. Sie schreiben ein Spiegelbild ihrer eigenen Seele.



Ich habe beim Suchen auch eine alte CF-Karte gefunden, mit hundert Bildern aus dem Winter 2003/4. Alles ist trostlos, leer, bar jeder Urbanität, ungepflegt und ohne jeden Sinn für Schönheit. Manchmal, wenn ein Wintersturm die Adria gepeitscht hat und in einem Ast verfangen, ein grosser Klumpen Müll den ansonsten weissen Strand verunstaltet, mit Zivilisationdreck in schreiend bunten Farben und klebrigem Teer, einem toten Fisch vielleicht und den Insekten - das ist dieser Slum an der Spree. Das ist das Wesen, der Geruch, die Substanz an der Stelle, wo andernorts vielleicht so etwas wie Seele ist.

Ich denke darüber nach, weil hier in Bayern gerade die Schule beginnt, und mir auf dem Weg zum Bäcker so viele Bekannt mit ihren Kindern begegnen, die sicher auch hier später mal lebendig in den Vorstädten begraben sein werden. Ich höre ihre Voreingenommenheit für alle anderen Lebensentwürfe, ihre absurden Ansprüche ans Dasein, ihre Zufriedenheit in der Stagnation der Verhältnisse, und ihrem Wunsch, dass alles andere bitte draussen bleiben muss. Ich sehe das Mädchen vom ersten Stock, die nach drei Tagen jede Strasse der Altstadt kennt und sicher nicht damit klarkommen wird, dass das hier schon alles ist. Sie schaut sich unten gerade auf dem geborgten Thinkpad meine alte Dirt Picture Collection an. Vermutlich wird sie mich nachher fragen, wie man am besten dort hin kommt.

Keine Stadt ist nur böse, verseucht und schlecht. Manches davon ist an anderen Orten kaum denkbar, man kann es trotz des Transitcharakters der Stadt nicht verpflanzen oder mitnehmen, weil es immateriell ist. Es wird hier nie einen Johnny geben, den man anrufen kann und sagen, lass uns eine Bloglesung machen, und danach kramt man sich aus dem Überangebot der Autoren die allerbesten raus. Aber für das alles zahlt man einen hohen Preis, wenn es erst mal Winter wird in Berlin. Vielleicht ist es leichter, wenn man nicht genau hinschaut auf das Elend und die Sinnlosigkeit an den Ufern des trägen Flusses, in den zerborstenen Strassen, unter dem Rattern der Hochbahnen.

Aber da sind 100 Bilder, und bei jedem sage ich Nein. Es war kein Fehler, dort hin zu gehen, aber es war sicher richtig, nicht dort zu bleiben. Und die Berliner Leser sind ja mitgekommen, nach Bayern. Auch eine Art Flucht.

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Rot-Grüne Subversion auf bayerischem Wochenmarkt

Sogar hier ist die amtierende Regierung aller Bemühungen der anderen Seite und ihrer erbärmlichen Büchsenspanner in den Medien zum Trotz auf dem heimlichen Vormarsch.



Schon Lenin und Ho Tschi Min wussten, dass Bauern und Kleinbürger ganz tief drin eigentlich auf ihrer Seite sind ;-)

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Kann sein,

dass da draussen jetzt ein paar Leute drauf warten, dass ich als im Spiegel verlinkter Blogger auch noch was zu Patalongs Artikel sage. Mache ich nicht. Das Thema, der Beitrag ist irrelevant.

Was ich aber sage, Freunde, Johnny, Ix und noch ein paar andere: Alle Blogwelt schreit Trara, wenn jemand von aussen über uns schreibt. Dann ist grosses Bohei. Obwohl wir alle wissen, dass für die das Thema Blogs genauso hingeschluderter Bullshit ist wie alles andere, worüber sie selbst ihren eigenen Bullshit absondern. In solchen Momenten fällt die ganze eigenständige Blogosphäre auf den Macht- und Deutungsanspruch irgendwelcher unrasierter, schlecht angezogener Zeilengeldlutscher rein.

Mal ehrlich: HABEN WIR DAS NÖTIG?

Wir sehen doch auch beim aktuellen Artikel, dass die letztlich nur wiederkäuen. Entweder, sie klauben sich das Zeug aus anderen Blogs zusammen und schnitzen es, wie sie es gerade brauchen und es in den beitrag passt, wie Patalong das macht. Oder sie machen Restmüllverwertung ihrer zwei Dutzend Interviews mit Freunden und überbacken das mit ihrer Social-Software-Grütze, wie der Sixtus das macht. Keiner von denen kam je auf den Gedanken, das, was wir tun, was wir entstehen lassen, als

KULTUR

aufzufassen. Aber genau das ist es. Nicht mehr, nicht weniger. Eine Kultur, die zehntausende jeden Tag aufs neue fesselt, unterhält, erfreut, bewegt. Hey, das ist GROSS. Das alles machen wir selbst, nicht die mit ihrer jahrhundertealten Monopolstellung. Das ist unsere Stunde Null, und sie haben Angst, dass es die erste Minute ihrer letzten Stunde ist. Deshalb gehen sie nicht auf die Kultur. Weil es das ist, was ihnen Angst macht. Eine lebendige Kultur, die sich fundamental von anderen Kulturen, wie etwa dem Journalismus oder der Literatur unterscheidet, wegen einer gewissen Ähnlichkeit aber von beiden Seiten falsch angefasst wird.

Und solange wir denen bei jeder Absonderung nachhecheln und rummosern und es gern anders hätten, fummeln wir an den Details rum. An IHREN Details, nicht an dem, was für uns wichtig ist. Wir geben denen dadurch die Definitionshoheit am Grossen und Ganzen. Sie sind die Karawane, wir sind die bellenden Hunde.

Wölfe werden wir nur dann sein, wenn wir sie nicht mehr ankläffen. Sondern unseren eigenen Weg gehen, und unsere eigenen Themen und Gedanken in unserem ureigenen kulturellen Komplex verwirklichen. Redet doch mal über das Bloggen. Einfach so. Tu ich ja auch. Es gibt keinen Grund, das zu verstecken. Es gibt keinen Grund nicht jeden Morgen zu sagen, dass Bloggen eine grossartige Sache ist. Oder die notwendigen Denkanstösse selbst zu geben, indem man provoziert. Es ist nicht "Wir gegen die", es ist "Machen wir es selbst". Dadurch, und nur dadurch, und durch die Nichtachtung der Schmierbuben und das Nichtrespektieren ihrer Ansprüche, können wir unseren Weg selbst bestimmen.

Die anderen kommen dann schon nachgedackelt. Weil sie keine Karawane sind, sondern nur ein paar verlauste Redaktionspudel. Ich mein, schaut Euch doch mal die Blog-Knalltüten von Zeit, Stern, Tagesspiegel und SZ an. Sie haben nicht die Eier. Sie können es nicht. Sie wissen nichts von unserer Kultur. Wir schon. Weil wir sie jeden Tag, wenn wir die Eingabemaske aufmachen, neu erschaffen.

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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Mittwoch, 14. September 2005

Insomnia geht wieder

Das Nachtblog Insomnia geht wieder. Vielen Dank Dirk, Axel und Riko - ich weiss schon, warum ich bei Blogger.de bin und bleibe.

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Ponotcasting, aber..,

Johnny meinte, dass der CSU-Clip heute mein Einstieg in die Podcasterszene wäre. Everything but, nur eine multimediale Erweiterung. Ich glaube nicht an Podcasting, und die mauen Abrufe geben mir recht. Bislang wurde das Ding 175 mal abgerufen, bei ca. 1200 Besuchern der Seite. Dafür, dass in dem Ding vom Texten über das Einsprechen, Schnitt und Mastering bis zum Onlinestellen drei Stunden Arbeit stecken, ist das ein erbärmliches Resultat. Aus Sicht des Radiomachers und Bloggers eine ganz katastrophale Quote. Trotzdem hat die CSU einen entsprechenden Link gelöscht, man hat wohl Angst.

Danach kann ich verstehen, warum Podcasten meist so ein lieb- und gedankenloses Gequatsche ist - es lohnt sich nicht, da Arbeit reinzustecken, irgendwas zu verbessern, sich eine halbwegs ordentliche Technik anzuschaffen. Tippen und Lesen ist viel effektiver, für beide Seiten, und ich glaube nicht, dass sich das so schnell ändern wird. Aber gut, es war ein Spass, eine einmalige Aktion, und ich bereue sie auch nicht. Deshalb:



Ich habe auf dem Rechner hier kaum virtuelle Effektgeräte installiert, und brauchte schnell noch einen Mastering Limiter. Das ist das Ding, das den Soundclip so richtig prall und laut werden lässt. Also habe ich schnell nach einem gesucht, und bin dabei über die Classic Plugins von Kjaerhus gestolpert. Im Prinzip ist da alles an virtuellen Effektprozessoren dabei, was man schnell und leicht einsetzen kann, ohne ein Vollprofi zu sein. Gerade der Mastering Limiter arbeitet wunderbar. Und die "VST-Plugins" - so heissen die, ist aber keinerlei technische Hürde - sehen wirklich hübsch aus. Es macht Spass, daran rumzuschrauben. Sehr empfehlenswert für alle, die sich die vergebliche Mühe des Podcasts antun wollen. Einen kostenlosen Editor mit VST-Unterstützung gibt es hier.

Weil, Scheitern soll wenigstens schön aussehen.

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Cat Content für Kulturhistoriker

ca. 1150, Regensburg, Nordportal St. Jakob



Cat Content für alle anderen gibt es hier. Und wer schon immer mal eine Katze haben wollte, soll bitteschön zugreifen. Oder spenden. Statt Blumen auf den Gräbern meiner Feinde. Einen besseren Contentlieferanten gibt es nicht.

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Sensation! Geheime CSU-Pläne enthüllt!

Don, keuchte M.S. am Telefon, Don, ich habe Fehler gemacht, Don, vergib mir, ich habe mich von den Agenturfutzis überreden lassen es tut mir so Leid, bitte, Don, ich ich will allaAAAAAAHHH! Jaja, die Wertarbeit meines kleinen Neffen Don Alfredo. Hat ganz schön was gelernt im sizilianischen Trainingslager. M.S. wird sicher in Zukunft mehr als 30 Schläge fürs Anzapfen brauchen, mit dem ausgekugelten Arm.

Eh Marco, sagte ich, Marco, war ich nicht wie ein Bruder zu Dir? Hab ich nicht Dein Amt finanziert? Hab ich Dich nicht eingeladen auf die Kosten von der Rüstungsfirma? Hab ich nicht die Rechnung bezahlt für die Privatschule, und als Du einen Ferrari wolltest, wer hat ihn in Italien besorgen lassen? Marco, ich liebe Dich, aber das mit der Spamaktion auf die Handies, das war gegen die Regeln der Famiglia.

aaAAAAAAHHHHjjjahhhhh, führte M. mein Wort weiter. Vielleicht ging Alfredo die Sache doch etwas zu gach an. Ich hatte viel Geld in M. investiert, und so einen Generalsekretär neu aufbauen, das kostet - wenn man denn überhaupt so ein Exemplar wie M. findet. Aber er hat nun mal versucht, in unserem eigenen Geschäftsbereich sein Ding zu machen. Seit meine Strohleute die Mehrheit bei der Telekom haben...

Don, Don, schrie M.. Don, ich verrate dir ja alles! Ich habe es nicht gewollt! Ich habe es sogar verhindert, glaub mir! Die hatten noch ganz andere Sachen vor! Die Coolen Election Fighter Kings! Western Wave Musik zum Download! Die bloggende Babyratte von der Jungen Union! Das alles war schon geplant, aber ich habe es gestoppt! Nur die kleine Spamaktion ist übriggeblieben, die konnte ich E. nicht ausreden! Glaub mir, Don!



Beweise? fragte ich. Eine Stunde später auf einer leeren, nächtlichen Strasse kam das, was von M. übrig war, in Alfredos Kofferraum - aber es sah aus, als ob es im Benzinkanister transportiert woren wäre, und es roch auch so. Zitternd gab mir M. eine CD-Rom. Und was soll ich sagen: Er hat Respekt vor mir, er hat mich nicht angelogen. Es gab noch ganz andere Pläne als die kleine Spammerei. Das grosse Ramba-Spamabo, die brutalste Form der Wahlwerbung, so übel, dass sie noch nicht mal in Sizilien benutzt wird.

Von der Staatspartei kann man noch was lernen. Hier ein Beispiel (mp3, 1,53mb) was noch hätte kommen können. Und ich geh jetzt erst mal den Beton wegschütten.

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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Mittwoch, 14. September 2005

Keine Wahlempfehlung IV

Möllemann wird bald tot sein, aber hier war er nochmal richtig in seinem Element. Ich bin der letzte, der mit ihm spricht, er weiss, dass ich von der anderen Seite komme. Kurz zuvor hat er noch den Mossad beschuldigt, dass er Westerwelle erpresst hätte. Wir reden miteinander, von Satz zu Satz wird er kleiner, stiller, er ist ausgebrannt, chancenlos, es gab zu viel Gegenwehr der Journaille. Er hat verloren, alle, wirklich alle, sogar sein Verleger hat ihn verraten. Er signiert das Buch, und dann gehe ich und

denke nicht an der Artikel, der sofort fertig werden muss. Sondern an den Abend im Nachtcafe fast fünf Jahre zuvor, als Westerwelle da war. Mit dabei waren auch die Jungs von der Schwulenredaktion des Senders, für die aaalles klar war. Westerwelle legte damals in mein Mikrophon ein flammendes Bekenntnis für Minderheiten ab. Vier Jahre später hechelte er Möllemann hinterher. Um ihn dann alleine untergehen zu lassen. Nicht wegen dem Mossad. Sondern wegen der Umfragewerte.

Ich war kurz vor Westerwelles Rückzieher in einer Call-in-Sendung eingeladen, als Vertreter amerikanischer Medien, um zu erklären, was man auf der anderen Seite des Atlantiks davon hält. In dieser Stunde bekam ich den ganzen Sturm ab, den Möllemann und Westerwelle angezettelt hatten. Ich kann mit dem Pack umgehen, ich habe die Beisshemmung von FJS und genug on-Air-Erfahrung. Die anderen hatten sicher weniger Spass als ich. Aber danach habe ich schon ein paar Wochen darüber nachgedacht, ob ich meine Opt-in-Option für den Nahen Osten nicht ziehen soll. Das alles kommt auf dem Heimweg von Möllemann zu meinem Notebook nochmal hoch. Man soll das alles nicht so an sich ranlassen, sagen einem die alten Hasen down in Gaza. Aber an diesem Tag, im sonnigen München ist mir speiübel im Gedanken an den Hetzer und seinen untreuen Helfershelfer.

Ich war nicht überrascht, als Möllemann dann gesprungen ist. Ironischerweise war in dem Stern zu seinem Tod die erste euphorische Besprechung von Liquide. Ich kann ihm nachträglich einen gewissen Respekt nicht verwehren, weil er straight war. Der andere, der ist ein falscher Hund, ein Verräter, der alles für die Quote ist, heute verbaler Brandstifter, morgen Meuchler, das letzte mal Sharon und der Zentralrat, diesmal Kirchhof. Lügen und Betrügen gehört zum Spiel dazu, das kann man nie ganz vermeiden. Aber an der Spitze der FDP ist das die einzige Lebensmaxime und Existenzberechtigung.

Aber um das zu verstehen, muss man diese Leute persönlich erlebt haben. Deshalb kommt die Partei der Opportunisten und Nebenerwerbsdemagogen immer noch über die 5%. Ich finde das schlimm, aber jeder muss selbst wissen, wem er vertraut. Ich wähle SPD, da weiss ich, was ich zu erwarten habe. Wer FDP wählt, sollte besser der Partei nie den Rücken zudrehen. Ich weiss das. Und sie werden es erfahren.

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Eine reingesödert

Na sowas - da hat die CSU doch mal sowas wie Nerven gezeigt. Und ihr Blog vom zwischenzeitlich vom Netz genommen (Hintergrund hier). Die Medienkompetenz von Leuten, die den Laptop nur in der Lederhose haben.

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Wie in alten Zeiten

Es ist schon irgendwo lustig, wenn VoIP als neuer Megatrend ausgerufen wird und man einen Tag später vom deutschen Vorreiter Primacom AG solche hübschen Meldungen lesen kann:

Mainz, 12. September 2005:

PrimaCom teilt mit, dass die heute fällige Verlängerung des Seniorkredites durch die Banken nicht erfolgt ist. Die Kreditlinie ist somit zur Zahlung fällig. Die Rückzahlung des Kredites ist aktuell nicht möglich.

Die Gesellschaft teilt weiterhin mit, dass die Verlängerung der Überziehungskreditlinie in Höhe von 15 Mio. Euro für 7 Tage (bis 19. September 2005) durch JP Morgan erfolgt ist. Damit ist die Gesellschaft in der Lage, ihre laufenden Zahlungsverpflichtungen zu erfüllen. PrimaCom ist weiterhin in Verhandlung mit den Kreditgebern um eine Restrukturierung zu erreichen.


Da glühen wohl gerade die VoIP-Drähte zu den Gläubigern. Und die zu restrukturierenden Mitarbeiter laden sich schon mal die Stellenangebote runter. Oder stellen sich auf eine längere Zeit ein, in der sie tagsüber primatv gucken können. Hätten sie sich mal besser rechtzeitig an Ebay verscherbelt.

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Siehe die Zeichen an der Wand.

Ein rotes V. Und eine Wahrheit, die manche vorschnell verdrängt haben. Manchmal würde ich mir bei Politikern ein wenig mehr Decorum wünschen, zumal, wenn sie aus Bayern kommen.



Denn hinter all der Gier und dem Rausch kommt der Tod. Eigentlich sollten sie das seit der letzten Wahl wissen. Aber sie können nicht lesen, was an der Wand geschrieben steht.

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