: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Sonntag, 26. März 2006

Irgendwie

bin ich heute froh um jeden, der bei der Wahl was inne Fresse bekommen hat, sei es Opposition, Wahlbeteiligung oder Abschied aus dem Parlament. Nur der Erfolg der PDS kotzt mich nach dem hier zum Ausdruck kommenden Rechtsverständnis einer DDR-Personalie mit besten Beziehungen zur PDS etwas an. Sehe ich das richtig, die FDP ist dabei, aus drei Regierungen zu verschwinden? Schick. Tanzt den Möllewelle.

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Montag hat Transparency Deutschland ein Riesenproblem

So wie es aussschaut, werden die Reaktionszeiten der Medien auf Blogberichte immer kürzer. Tsss. Das mit dem Spendeneinsammeln wird sicher nicht leichter dadurch. Wer füttert schon gern den Abmahnirrsinn. Und bei Google wird das Vorgehen von Transparency Deutschland gegen eine Bloggerin sicher auch bald seinen Niederschlag finden.

Nachdem nicht sicher ist, ob das orignale Posting weiterhin dort stehen wird, wo es seinen Ausgang nahm, erlaube ich mir, es hier allein schon als Material für meine journalistische Arbeit zu dokumentieren:

Transparency Deutschland
Gerade ist eine Freundin von mir, die einen dreieinhalbjährigen Sohn zu versorgen hat, unter gänzlich unakzeptablen Umständen nach der Probezeit entlassen worden. Sie hatte bei Transparency Deutschland gearbeitet, dem deutschen Chapter der Nichtregierungsorganisation Transparency International, die sich gegen Korruption in Unternehmen engagieren. Sie arbeitete dort 20 Stunden die Woche für 1000 Euro brutto, mit abgeschlossenem Studium, mehrjähriger Berufserfahrung etc. Überleben konnte sie nur, weil sie nebenher auch noch als freie Journalistin arbeitete.

Nachdem die Geschäftsführerin ihr sagte, dass sie hervorragende Arbeit leistet, fragte sie meine Freundin, ob sie nach der Probezeit von 20 auf 30 Stunden aufstocken könne. Das hätte natürlich bedeutet, dass meine Freundin ihre freie Arbeit aufgeben müsste und komplett vom dortigen Gehalt leben, also machte sie eine Gehaltsforderung, für 30 Stunden 1400 Euro netto zu bekommen. Wenn das nicht ginge, bot meine Freundin an, könne sie weiter bei den 20 Stunden mit 1000 Euro brutto bleiben. Als nächstes tagte der Geschäftsvorstand und daraufhin teilte die Geschäftsführerin meiner Freundin kurzum mit, dass sie zum Ende der Probezeit entlassen würde. Ohne ein Angebot, ohne eine Verhandlung, ja ohne auch nur ein weiteres Gespräch.

Über ihre Nachfolgerin sprach die Geschäftsführerin dann auch gleich noch: es handelt sich um eine Frau, die sich auf eine andere Stelle dort beworben hatte und offenbar im Vorstellungsgespräch gesagt hatte, auf das Geld sei sie nicht angewiesen. So schnell und einfach geht das. Da werden keine für alle lebbaren Lösungen angestrebt, da wird einfach ausgewechselt. In einer Arbeitsmarktsituation, in der so viele wirklich auf die Arbeit und das Geld angewiesen sind, heuert man sich gut qualifizierte Menschen für einen Hungerlohn an und tauscht sie dann auch noch aus, sobald man jemanden findet, der das Geld gar nicht gebraucht, auch wenn man mit der Arbei sehr zufrieden war. Meine Freundin sitzt nun da mit ihrem Kind und der freien Arbeit, die ihr alleine kein Überleben sichert. Das kommt einem heutzutage alles schon "normal" vor? Aber eben doch nicht bei einer NGO, die sich Moral und Ethik auf die Fahnen geschrieben hat und zu deren Grundprinzipien Integrität gehört. Das ist die wirkliche Enttäuschung.

[29. Januar 2006: Vor mehr als zwei Wochen schrieb meine Freundin einen Brief an den Vorstand, der bis heute unerwidert blieb.

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Samstag, 25. März 2006

Das grosse Berliner Republikstontaubenschiessen

Ich habe hier ja nie über meine tatsächliche Arbeit im Sumpf der Politmauschler in Berlin geschrieben. Aber wenn ich sehe, wie die Organisation Transparency Deutschland, die überraschenderweise so ziemlich mit alles und jedem auf gutem Fuss steht, aus nichtigem Anlass mit Drohbriefen gegen eine Bloggerin vorgeht, wie sie selbst dadurch mit Spenden umgeht, die ihr manche in Treu und gutem Glauben gegeben haben (ok, manche vielleicht auch nur aus Prestige- und Imagegründen), dann bin ich schon in Versuchung, mal ein paar unvorsichtige Aussagen mancher Leute hier und andernorts zu kolportieren. Auch wenn das Schreiben nur ein wenig sinnvoller Drohbrief einer Person ist, die wohl weiss, dass sie damit nicht durchkommen wird:

Ich erspare es mir zunächst, auf Einzelheiten einzugehen, sondern gebe Ihnen Gelegenheit, den Text unverzüglich, spätestens bis zum 26.03.2006, 24.00 Uhr aus dem Netz zu nehmen.

Ser sparsam. Und die Wertungen seien Schmähkritik - na prima, mit Transparency Deutschland zurück in den Obrigkeitsstaat ohne Meinungsfreiheit, dankeschön, bitteschön, los, jetzt schickt mir auch so ein Schreiben, das wird ein wunderbares Thema für einen hübschen Beitrag in einer international erscheinenden Zeitung, da brauche ich das Original, bei dem Beirat und Vorstand ist es
das grosse Berliner Republikstontaubenschiessen.
"NGO Transparency und ihr Kreuzzug gegen Blogger" - geiles Thema.

kann mal einer der hier mitlesenden anwälte moni.wasweissich | ät | web.de anmailen und ihr sagen, wie sie sich verhalten soll? Da wäre ich Euch sehr dankbar. ich geh jetzt mal meine bekannten in deren beirat anmailen. Und am Montag geh ich die Pressesprecherin mit Fragen löchern - wie ich das liebe... besonders, wenn sie versuchen sollte, eine Interviewanfrage an den Vorstand abzubiegen... sowas beschreibt man dann in etwa so: "Der sonst so mitteilungsfreudige Vorstand von TD wollte dazu nur über die Pressesprecherin Stellung nehmen..." Dann haben die hier
Wertvolle Unterstützung bei der Arbeit der Geschäftsstelle leisten auch zwei Vollzeit-Praktikanten, die für jeweils ein halbes Jahr bei Transparency Deutschland arbeiten. Sie erstellen u. a. zweimal wöchentlich den Pressespiegel.
auch mal was Spannendes zu tun..
via wirres

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Light my Paper

Bei der Lesung wieder was dazugelernt: Besser keine Kerzen auf dem Tisch der Lesenden abstellen. Kerzen haben die unangenehme Eigenschaft, das Papier zu entzünden, auf dem die vorzutragenden Geschichten stehen. Neben einer dramatischen Pusteinlage hat es die Folge, dass man manche Dinge nur noch schwer entziffern kann.

Danach konnte es nur besser werden. Es wurde auch gut, selbst, wenn ich um 3 Uhr schon im Bett war. Hey, das ist verdammt früh für eine Bloglesung. Mal schaun, was heute in Fürth passiert.

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Freitag, 24. März 2006

Hessische Deppen

Ein paar Fehler im geplanten hessischen Einbürgerungstest:

5. Wann ging diese erste deutsche Republik zu Ende?
1931 1933 1939


Bullshit. Die Verfassung der Weimarer Republik gilt formal bis 1945 - schliesslich ist Hitler Reichskanzler, und Reichspräsident Hindenburg stirbt 1934.

9. Was geschah am 8. Mai 1945?
Die deutsche Wehrmacht kapitulierte, der Zweite Weltkrieg endete


Bullshit. Jodl unterzeichnete die Kapitulation der Wehrmacht am 7. Mai, der Waffenstillstand trat am 8. in Kraft.

17. In welchem Jahr ist die Verfassung in Kraft getreten?
1949 1990


Ja-ha. In welcher Besatzungszone? Gehen tut beides. Oder keines, schliesslich fehlt noch die Volksabstimmung.

26. Wann wurde die Bundeswehr gegründet?
1945 1950 1955


1950 gab es die Dienststelle Blank, 1956 wurden die ersten Soldaten einberufen, das Soldatengesetz verabschiedet und die Wehrpflicht eingeführt.

38. Was hat Johannes Gutenberg erfunden?
Den Buchdruck


Nein, der Buchdruck wurde schon vorher erfunden. Gutenberg war nur ein Unternehmer, der die Technik verwendete.

Spackos, geht lieber wieder Schwarzgeld waschen.

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So baut der Mensch

So baut die Kirche: Billiger Beton, hässlicher Stahl, und zur Grundsteinlegung die mittelbayerische Vorausscheidung für die kommende BR-Show "Bayern sucht den Honoratior mit der dicksten Warze". Beachtet auch die bankerlrutschende Haltung der Bratzn. Hinter den Gittern on da Mike: Günni Beckstein, Gottes Rache an den Bayern für die Besetzung Frankens.



A soichane Grattla! So bauen die von ihnen seit Jahrtausenden Verfolgten: Bis zu 90 cm dicke Vollsteinmauern, Holzbohlen und Bretter bis zu 60 cm, saubere Holzfenster, Wintergarten und natürlich viel Stuck. On da Bohrer und nachher zMinga on da Mike: Don "die Geissel der New Economy" Alphonso.



Bei deren Bauarbeiten hat übrigens das hintere Kirchhaus durchgehende Risse in allen Stockwerken bekommen. Ein Fall für die Abrissbirne, nach 40 Jahren. Unser Haus steht seit 406 Jahren ohne Probleme. So wie´s ausschaut, hat die Kirche auch in Bayern verschissen.

Und mir geht´s grad ein wenig wie dem Lumberjack bei Monty Python - soeben noch runtergeschlampt und eingestaubt in einem provinziellen Stadtpalast, heute Abend dann beim Vortragen in feinem Zwirn in einer schicken Münchner Bar.

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Retour enfants de la Université

Warum die deutschen Studenten nicht wie ihre Vorbilder in Frankreich demonstrieren? Einfach. Neben den mentaltitätsunterschieden liegt es hauptsächlich an den Semesterferien.

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In Italien heisst sowas Lega Nord oder Postfaschist.

Komisch, dass ausgerechnet die Schwarzgeldannehmer von anderen einen Test für die freihetlich-demokratische Grundordnung fordern, die sie mit Lauschangriff, Vorratsdatenspeicherung, familienpolitischer Entmündigung, Diskriminierung, einer Quasi-Staatsreligion im Parteinamen und Einsatz der Bundeswehr im Inneren auf eine Art und Weise bekämpfen, die mit dem Geist des Grundgesetzes so viel zu tun hat wie Orwells 1984. Fals die Kochs, Söders und Schäubles ihre braunschwarze Suppe wirklich anderen zum Auslöffeln vorsetzen, ist es an der Zeit für EU-Sanktionen gegen Deutschland.

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Donnerstag, 23. März 2006

Sehr zu empfehlen - Abmessen

Und zwar vorher, ob die Wände wirklich im 90°-Winkel aufeinandertreffen. Tun sie nicht. Das heisst, unten schon, aber oben zieht eine Wand etwas rein. Was bedeutet, dass die Kante des oktogonalen Stucks nicht auf den Zentimeter genau dort liegt, wo sie liegen soll.



Zum Glück ist der Raum mit seinen 20m² gross genug, um das nicht weiter auffallen zu lassen. Auch die paar Millimeter zwischen den Leisten lassen sich leicht verspachteln. Allein ein Kronleuchter ist etwas zu hoch, nachdem die Rosette an der Decke ist, und muss um 10 Zentimeter gekürzt werden. Alles noch kein Unglück, kein wirkliches Problem.



Nur ich schaue weiss bepudert aus wie ein Drogenkurier, dem der Kokssack geplatzt ist.

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Morgen Kinder

wird´s was geben: Diese Lesung wird ein klein wenig anders als die davor, nicht nur wegen der Stargäste (Martina Kink und Allee der Spackonauten live!), und vor allem auch danach länger. Und bitte: Wer mich ansprechen will, kann das gerne tun. Wirklich. Ich beisse nicht. Ich will nur spielen.

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Du willst, dass ich Dein Blog nicht lese?

Kein Problem! Poste einfach regelmässig Schrott, den Du bei Youtube oder Google Video gefunden hast, mit diesen hässlichen Bildern voller Artefakten. Dann sehe ich, dass Dir selbst nichts einfällt, Du nichts zu sagen hast und ohnehin eigentlich nur einen Ersatz für die Glotze suchst, mit einem durchgängig hohen Raabfaktor. Vielleicht schreibst Du auch noch Sachen wie "Guckbefehl", "Höhö" oder "Suuuuper witzig" dazu. Wozu eigene Gedanken, das Video ist selbsterklärend wie ein Hundehaufen auf der Strasse. Tu das. Werde Teil der Youtube-Seuche. Dann bin ich ganz schnell weg und komme auch so schnell nicht wieder.

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Mittwoch, 22. März 2006

Ich mag die Amerikaner

Da sind die ex"liberal"en Neocos-Neonazis wenigstens ehrlich in der Selbstbeurteilung:

"Once I was a conservative, once I was a liberal, once I was a libertarian. I got sick of those labels, so even though I'm not too happy with labels, I finally said, 'Well, I'm a racist.'"

Hierzulande muss man dem braunen Dreck der Blogosphäre ja noch täglich sagen, dass er ebensolcher ist.

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Zu Besuch bei der Bürgerlichkeit

Ich kann es verstehen, wenn die Medien heute, nach 15 Jahren in der trendigen, hippen Sackgasse des Temponachmachens, zurück wollen zur ruhigen Bürgerlichkeit. Die lange bekniete, angeschleimte junge Zielgruppe hat sich wegentwickelt vom Papiermedium, und so bleibt nur der Rückzug auf ein Klientel, das freakiges Layout eher widerwillig mitgemacht hat, die Best Agers, die Silver Hairs, die Vertreter klassischer Sekundärtugenden, mit denen man eine Familie, ein Internat, ein KZ oder ein mittelständisches Unternehmen betreiben kann. Diese Klientel ist die sichere Bank für Printmedien, es sind die Abonichtabbesteller, es sind die, die sich eine Zeitung halten, wie sie sich vielleicht einen Hund halten, und in diese Rolle fügen sich FAZ, Zeit und Süddeutsche gerade wieder mit wohligem Schauder ein. Denn warm ist es unter dem Tisch des Spiessers, und es gibt, wenn man brav ist, auch Leckerlis. Besonders, wenn man dem Spiesser vorlügt, er wäre ein Vertreter der gesellschaftlich so wichtigen Bürgerlichkeit, vergeistigt beginnend bei dem Adelspostenjäger Göthe über den dreckigen Nazi Wagner bishin zum den reaktionären Adenauer. Das alles kommt jetzt wieder aus den Rinnsalen der Gossen gestunken, braun und nach Verwesung duftend, aber wer weiss, vielleicht gefällt es ja dem Publikum.

Es wird zum Trend erhoben, und die bei Ex-Nazis gekauften Umfragen machen auch den Jungen weiss, dass sie traditionelle Werte wollen, ach wie schön wäre es, wenn sie es glauben würden und sich danach verhielten, zum Wohle der Presse, des Merkels und der personalgepimperten, blagenwerfenden Familienvonundzu. Retro ist schick, Retro zu prä1914, prä1945 kommt ja nicht so gut. Das Vorbild kann man sich anschauen. Zwischen den Posten Varia und Möbeln beim Auktionshaus Behringer habe ich zwei Stunden Zeit, das zu besichtigen, was von den Medien als altneues Ideal gepredigt wird. Nie war Bürgerlichkeit selbstbewusster, ungebrochener, skrupelloser und so ideologisch gleichgeschaltet wie im Kaiserreich zwischen 1871 und 1918. Mit der Königswarter Strasse in Fürth hat sich das zu Geld gekommene Bürgertum ein Denkmal erschaffen, aus dem jetzt die letzten Stücke herausgebrochen werden, die bei Behringer unter den Hammer kommen.



Weitgehend unzerstört reihen sich hier Prunkbauten kilometerlang aneinander. (Mehr Bilder im Bildteil hier) Säulen, Architrave, Stuck, Figuren, Lisenen, Obelisken und jede andere architektonische Spielform wurden verwendet, um nach draussen zu zeigen, was man ist und was man hat, und vor allem, was man gerne wäre, nämlich: Dem Adel, der besseren Klasse gleichgestellt, oder zumindest akzeptiert. Steif ging es drinnen weiter, die Damen hatten keinen Beruf und konnten sich der Sauberhaltung des Haushalts widmen. Keine Glotze, kein Radio wollte Gebühren oder Anrufe bei 0800er Nummern, und so ging das Geld in zwei Meter Schiller, Heine und Göthe, die aber doch zu anstrengend waren, weshalb man sich das Lokalblatt und die Gartenlaube hielt. Ja, es waren goldene Zeiten für die Presse, als die Bürgerpaläste hoch aufragten, kein Wunder, dass man sich in den Medienzentralen den Diwan zurückwünscht und den grossen Eichentisch mit geschnitzten Löwenfüssen, auf denen die warme, gebügelte Zeitung liegt, die später auch das Tischgespräch beherrscht.

Besagter Tisch hat nachher bei Behringer die Nummer 5203, Limit 120 Euro. Auf den Türmen der Häuser stehen dicht gedrängt die Satellitenschüsseln, und der Stuck an der Decke wird von billigen Flutern in der Ecke verschandelt. Niemand würde heute noch so bauen, statt dessen reduziert man die Formen auf das wesentliche und investiert das Geld lieber woanders, Plasma-TV zur WM etwa, oder die Reise nach Mauritius, gebucht im Internet, oder man erwirbt die schlichte Toplinie von Rolf Benz. Die alte Lampe von Opa wird schon lang nicht mehr geputzt, vielleicht landet sie auch bald beim Behringer, spätestens beim nächsten Umzug, den, wie im Wirtschaftsteilm der Zeitung gefordert, unsere flexible, allzeit bereite Zeit mit sich bringt. Also an dem Tag, wo auch gleich das Abo abbestellt wird, kurz bevor die neue Bürgerlichkeitsimulation bei einem Möbelhaus vor einer anderen Stadt gekauft wird.



Die Vorfahren sind längst zerfallen in der sandigen Erde der Fürther Kirchhöfe. Es führt kein Weg zurück in diese Zeit, in der die Zeitung mangels Konkurrenz zwingend dazugehörte. Wer jetzt aus dem Kauf von Rosenthal Maria Weiss oder R&B Fischbesteck, aus Benimmkursen und Tischsitten schliesst, dass ein relevanter Teil der Gesellschaft zurückgeht in den Historismus, weiss nicht, wie das Vorbild tatsächlich beschaffen war. Und er sieht nicht den Umgang besagter Bürger mit den Trümmern der Vergangenheit, die im Fürther Auktionshaus in der Dunkelheit wenig später den Besitzer wechseln. Zitate sind es allenfalls, Nostalgie vielleicht oder Exzentrik, Anbiederung an die bessere Gesellschaft oder den CEO - aber nichts, worauf man als Zeitung sein Recht zur Existenz ableiten könnte.

Angesichts dessen, was die elektronischen Medien an Lebensentwürfen zwischen Seelenstrip, Starallüren und Krawalltalk bieten, mag die neualte Bürgerlichkeit vielleicht sogar einen gewissen Charme haben, allein es fehlt die Bereitschaft. Und angesichts der politischen Richtung dieser medialen Hoffnung, die gern Thron, Altar, Militarismus im Inneren und Bückling vor den ostelbischen von Spackos hätte, kann ich die fehlende Willigkeit nur begrüssen, selbst wenn ihre kronleuchternden Spolien später im Auto bei der Fahrt über Fürths zerborstene Strassen fröhlich klimpern.

Nachtrag: Ich lese übrigens am Samstag in Fürth, gleich um die Ecke...

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Dienstag, 21. März 2006

Langsamer, qualvoller Tod

Das Verrecken der Musikverblödungsindustrie geht weiter. Gut so.

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Die Globalisierung des Imari Porzellans

ohne die Globalisierung des Geschmacks - eine kleine Abhandlung über den Welthandel, Raub, Produkt- und andere Piraterie, drittklassige Produkte sowie die unveränderliche Dummheit der Menschen - also dem einzigen Produkt, das nicht gehandelt werden muss, weil es überall in grossen Mengen gedeiht.

7 Jahre lang, von 1592–1598, versucht das kriegerische Japan, auf dem asiatischen Festland Fuss zu fassen. Ziel der Expansion ist Korea, wo es nach anfänglichen Erfolgen bald zu einem blutiger Guerillakrieg gegen die schlecht versorgten Invasoren kommt. Das bergige Land erweist sich als schwer zu kontrollieren, und als auch noch das China der Ming-Dynastie Korea unterstützt, geben die Japaner auf - allerdings nicht ohne vorher den technologischen Vorsprung der Koreaner hemmungslos zu kopieren und die Wissensträger nach Japan zu verschleppen.

Die Japaner interessieren sich dabei besonders für die hochentwickelte Töpferei. In Korea wurde zwei besondere Formen der Keramik entwickelt, das schreiend bunte Satsuma mit aufgesetzten Figuren, und ein mit aufwendigen Ornamenten in Blau, Rot, Grün und Gold bemaltes Porzellan, das es den Japanern sehr angetan hatte. Dieses Porzellan kam in Japan eine Weile in Mode, ohne dabei wirklich als erstklassig zu gelten. Ein Nippes, mehr nicht. Es wäre vielleicht bald wieder vergessen worden, hätte sich 1630 nicht die Vereinigte Ostindische Kompanie auf einer Insel vor Nagasaki festgesetzt, um Handel mit dem ansonsten abgeschlossenen Edo-Königreich zu führen. Und eben jene Holländer, bei denen daheim gerade die Formenpracht des Barock wucherte, waren von diesem bunten Porzellan begeistert.

Denn in Europa gab es nichts vergleichbares. Das bunte Porzellan war der fehlende Stein in einem luxuriösen Stilpuzzle, das im Manierismus Wände, Möbel und Bilder überwuchert hatte, aber in der Keramik noch keinen Ausdruck gefunden hatte. Dieses Porzellan hatte von Anfang an die genau richtige Formen- und Farbenpracht, um das europäische Manko stilsicher zu beheben, und die Holländer begannen sofort mit dem Export der Stücke, die nach dem japanischen Versandhafen Imari benannt wurden.



Bestes europäisches Silber gegen minderwertigen japanischen Kitsch - das war ein Geschäft, dem auch das isolierte Japan nicht widerstehen konnte. Um Imari herum entstanden eine Reihe von Töpfersiedlungen, die ausschliesslich für den Export nach Europa produzierten. Selbst, als in Japan niemand mehr das aufdringliche, wenig sauber bemalte Zeug sehen konnte, verharrte die Produktion in den Formen, die Japan schon in Korea geklaut hatte. Hauptsache, die Langnasen zahlten und blieben ansonsten aus Japan draussen.

Aber schon damals erwiesen sich abgeschottete Märkte als wenig sinnvoll. Aus Sicht des chinesischen Festlandes war das eher dicke, schlecht gebrannte Imari Porzellan mit seinem völlig veralteten Formenschatz noch inferiorer als in Japan. Aber China war vergleichsweise offen für europäische Händler, und die dortigen Keramikproduzenten, die seit Jahrhunderten weissblaue Ware für Europa herstellten, begriffen im 18. Jahrhundert, dass sie das Imari Porzellan problemlos kopieren konnten. Schon bald hatte das billige Imari aus China den japanischen Markt mit billigeren Preisen, grösseren Mengen und einem besseren Standort 1000 Meilen näher an Europa überholt.

Das war das ein schwerer Schlag für den japanischen Hafen Imari, aber nicht für das Porzellan, das in Europa eine beständige Karriere durch alle Stilepochen mitmachte. Imari findet sich auf den Prunkstilleben des frühen 17. Jahrhunderts, es wurde am Hof Ludwigs XIV begehrt, es ist bei Watteau auf den Gemälden zu sehen, und blieb auch im Biedermeier und im viktorianischen Zeitalter das bestimmende Produkt aus Fernasien. In China brannte man stoisch Imari als Zeug für die Europäer als reine Exportware immer weiter, denn daheim wäre Imari im 18. und 19. Jahrhundert so unverkäuflich gewesen wie bei uns heutigentags Eiche Rustikal.

Allein, der Markt interessiert sich nicht für Geschmack, sondern nur für Geld. Europas merkantilistisch eingestellte Fürstenhäuser sahen das schöne amerikanische Silber nach Osten fliessen, und versuchten, Imari daheim herzustellen. Das mündete in die Erfindung des europäischen Porzellans, das zu Beginn vor allem Imari zu kopieren versuchte. Meissen, Limoge, Nymphenburg sind nur die bekanntesten Vertreter einer Zunft, die ihren Aufstieg der Produktpiraterie an drittklassigem Kitsch verdanken, der zu diesem Zeitpunkt bereits schon zweimal aus Korea und Japan vorgeklaut war. Es mag die Asiaten getröstet haben, dass die Europäer dumm genug waren zu glauben, damit ein Stück echter asiatischer Lebenskultur eingeführt zu haben.

Da aber die Dummen weder zeitlich noch örtlich begrenzt sind, hat die Geschichte ein Nachspiel. Mit dem Ende der chinesischen Qing-Dynastie 1911 und den beginnenden Bürgerkriegen, sowie dem Ersten Weltkrieg und der anbrechenden industriellen Moderne geht auch die chinesische Produktion von Imari Porzellan zu Ende. Danach folgt ein für Asien extrem unglückliches Jahrhundert von Krieg, Unterdrückung, Diktaturen und Vernichtung aller kulturellen Traditionen. Japan wird zwangseuropäisiert, China unter der Kulturrevolution untergepflügt, Koreas Elite wird ausgelöscht, Thailand verkommt zum globalen Bordell, und die Hochkultur der Khmer wird auf den Killing Fields erschlagen. Die rasend schnelle digitale Moderne in Fernasien ist eine direkte Folge der Vernichtung der Vergangenheit, eine Suche nach neuer Identität auf der geistig-moralischen Tabula Rasa.

Ohne Geschichte und Herkunft in einer plattgemachten Gesellschaft, beginnen die neuen Eliten mit der Suche nach Werten und Traditionen. Das ist nichts zwingend Positives, ganz im Gegenteil; meist gleicht es den peinlichen Legitimationsversuchen mittelalterlicher Europäer, die partout von Hektor, Achill, Romulus oder Cäsar abstammen wollten. Und jeden Preis bezahlten, wenn man ihnen die passenden "Beweise" herbeischaffte. Die gleiche Suche findet gerade in den wirtschaftlich boomenden Riesenstädten Chinas und Koreas statt. Dort will eine neue Oberschicht weg vom Staub der Flussebenen, aus der Opa kam, wg von den Verbrechen der Kulturrevolution, an denen sich der Vater beteiligte. Man will wieder eine vorzeigbare Geschichte haben, schön bunt soll sie sein, sehr chinesisch aussehen, alt natürlich, um Tradition vorzutäuschen, und vorzeigbar.

Und so werden die Asiatika-Auktionen in Europa gerade leergekauft von Händlern, die verrückt nach dem Imari Porzellan sind. Der billige Dreck des Rokoko erlebt eine ungeahnte Renaissance, denn nichts erscheint in Schanghai, Shenzen und Peking chinesischer als grobe Keramik, die wenig dezenten Gold und Farbenpracht von Wohlstand und Luxus kündet - ganz im Gegensatz zu den wirklich guten, aber schlichten Stücken mit blauer Bemalung. Imari ist so "echt" wie ein heute in China produzierter Bierkrug mit Neuschwanstein drauf - aber es ist Zeichen einer altneuen Identität in der aufsteigenden Boomregion. Imari drückt für Chinesen, Japaner und Koreaner ein Asien aus, das es genauso wenig gegeben hat wie das erfundene Asien der Aufklärung, und das gerade durch seine Nichtexistenz zur Auffüllung mit Mythen taugt.

Wir Europäer in den Auktionsräumen können darüber nur lächeln, auch wenn es mitunter weh tut, wenn telefonisch die besten Stücke weggesteigert werden, und Imari für uns nicht mehr bezahlbar ist. Der globalisierte Handel geht aufgrund der Nachfrage in die andere Richting, können wir festhalten, und mit den Achseln zucken. Und dabei einen entscheidenden Fehler machen: Denn in unserer eigenen Dummheit übersehen wir, dass es nicht Europas in Amerika geklautes Silber ist, das durch den Handel zurückkommt, sondern das Geld, das wir für den Import unserer billigen Handies, der Digicams, wackligen Gericomlaptops oder der Bauteile des iPods nach China überweisen.

Man kann jetzt darüber diskutieren, wer dümmer ist: Ein Asiate, der Jahrhunderte alten billigen Kitsch für seine Identität hält, oder der Europäer, der mit neuem asiatischen Dreck seine Identität neu erfindet. Globalisierung rulez.

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Dienstag, 21. März 2006

Freilassing meets Köln

auf Unterschichtenniveau, und das Ergebnis ist eine platte, dreiste Lüge. Abgesehen von PR, Crackdealen, Werbung, Zuhälterei und Snuffvideodrehen there is no Business like Show Business

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Früher oder später kriegen sie einen

mit dem FAZ-Feuilleton.

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Angewandte Geschichtswissenschaften

1381 zogen in London die Männer aus Kent und Sussex durch die Strassen, vernichteten Gerichtsunterlagen und brachten jeden ohne Gnade um, der ihnen als das erschien, was wir heute als "Anwalt" bezeichnen würden. Die Sache ging letztlich schief, nach einer Weile gab es Nachfolger für die Opfer - ohne dass übrigens in der Zeit des Nachwachsens Probleme mit der Staatsführung bekannt worden wären. Offensichtlich war die dem Volkszorn zum Opfer gefallene Gruppe also doch nicht so wichtig.

1381 ist lange her, und die Umsetung des Volkszorns wurde in dieser gezielten Form nie wieder praktiziert. Statt dessen hielt man sich dagegen an nützliche, hart arbeitende Mitglieder der Gesellschaft wie Giftmischer, Hexen und Meuchelmörder. Dennoch würde man sich mitunter wünschen, dass gewisse "Rechtspfleger" sich hin und wieder der Tatsache bewusst wäre, dass auch der beste Paragraph wenig bringt, wenn die wie 1381 von ihnen Gepiesakten ihre Meinungsfreiheit auch gegenüber diesem Berufsstand direkt, 1to1, mit scharfem Stahl und stumpfen Gegenständen durchsetzen.

Nachtrag: Aber nicht doch, mit den abmahnfreudigen Leuten der Firma Euroweb Internet Gmbh und ihren Rechtsbeiständen hat das hier absolut gar nichts zu tun, ich denke, Google straft die bis in alle Ewigkeit für ihr Vorgehen gegen Meinungsäusserungen.

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Tegernseeing, again

Frau S. hebt an, holt tief Luft und spricht: Also, Herr Porcamadonna, wenn Sie mal einen Schrank finden, hell, ja, am besten Kirsch oder sowas, mit einem leichten Rotschimmer, sagen wir mal, Biedermeier wäre schon gut, oder auch Weichholz, so 2 Meter hoch und anderthalb breit, weil, da haben wir hier nämlich ein Problem:



Weil es ist halt doch immer so, dass man Schuhe mitbringt, wegen dem Klima und weil man ja nicht weiss, was man Abends anzieht, und dann lässt man sie doch gleich hier, schaun´s nur, das meiste gehört dem Hannerl, und da kann man ja gar keinen reinlassen, so wie das jetzt ausschaut, wie in einem Schuhgeschäft, langsam frag ich mich schon, wo sie eigentlich bleibt, weil gesagt hat sie dass sie kommt, und wenn sie nicht bald kommt, wird es schon etwas spät wegen der Sonne, und ich würd schon gern ein wenig draussen sitzen beim Tee, Moment, Poldi, Poldi? Ruf doch mal das Hannerl an und sag, dass der Herr Porcamadonna schon da ist und wirklich gern los wollen, da sehn´s wie die jungen Leute sind, man kauft ihnen ein schnelles Auto, damit sie rechtzeitig kommen, und dann bleiben sie eben noch länger daheim, obwohl es hier so schön ist. Übrigens, schaun´s mal, da drüben, sehns des, des Haus mit dem kleinen Turm links, das soll angeblich verkauft werden, der Besitzer lässt sich grad von seiner dritten Frau scheiden und das geht langsam ins Geld, also, hört man, es ist jedenfalls eine Toplage, und einen neuen Jakuzi ham´s a, wie bei de Zuhälter, aber den kann man ja wieder rausmachen lassen, vielleicht reden´s mal mit ihrer Frau Mama, gell, was, Poldi? Na, die soll sich jetzt sofort in ihr Auto... Wart, ich sag´s ihr selber, also seaavus Hannerl, Du, es san alle schon da, Du musst jetzt kommen, es ist so schön hier draussen, Du setzt Dich jetzt bitte in Dein Auto oder ich schick Dir den Poldi...

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Sonntag, 19. März 2006

Eigentlich

wollte ich ja nur für die Tochter meiner Eltern einkaufen, und nicht gerade einen Kronleuchter, einen Mahagonitisch (der Tag, an dem ich einen runden englischen Mahagonitisch für 70 Euro stehen lasse, ist der Tag, an dem ich gerade gestorben bin), einen Degen des XVII. Jahrhundert (ok, den brauche ich aber wirklich), drei Okimono, einen Mahagoni-Beistelltisch (irgendwo muss man ja die Platten abstellen, wenn man tafelt), einen silbernen Pastetenheber (hat mir noch gefehlt, nachdem meine anderen Pastetenheber von meiner Mutter konfisziert wurden), eine Konfektzange (wird verschenkt), 2 Apliken (kann man für 12 Euro nicht liegen lassen) , goldene Manschettenknöpfe, ein paar Mingteller (wird mir die Tochter meiner Mutter aber nachher wohl klauen).



Und dann fast zum Schluss, so gegen 2 Uhr Nachts, der eigentliche Anlass, einen Fürther Prunkspiegel a la facon venice. Hoho. Eigentlich sollte ich mich jetzt schämen. Tue ich aber nicht. Ich erkläre es, wenn ich vom Tegernsee zurück bin.

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