Samstag, 18. März 2006
Nervenflattern

Heute Nacht um 3 kommen die letzten Positionen unter den Hammer. Solang viel Spass hier, ich gehe jetzt Fingernägel Kauen.
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Mit freundlichen Grüssen ihrer bayerischen Regierung
As part of the Bavarian Technology Promotion Program (BayTP), the Bavarian State Ministry of Economics, Transport and Technology supports research activities at TeGenero, which aim to develop novel immunotherapeutic antibodies based on the SuperMAB™ paradigm. No financial details were disclosed. [...]
“The grant supports an important research program of our company, which will broaden our product pipeline to build a sustainable business”, Benedikte Hatz, CEO of TeGenero AG, commented.
Teile der 9 Millionen der ersten VC-Runde sowie die Seed-Finanzierung kommen übrigen von der Bio-M AG aus Martinsried und deren Venture Capital Ausgründung, und Bio-M ist, wie man vielleicht weiss, ein mit Mitteln der Privatisierungserlöse 1998 vom Freistaat mitgegründetes und finanziertes Unternehmen. Früher war das ein Vorzeigeprojekt der Staatsregierung.
Haben die Medien das einfach bislang noch nicht entdeckt, habe ich das nicht gefunden, oder sind sie einfach nur zu feige zu schreiben, dass der Aktionär bei TeGenero indirekt jeder bayerische Staatsbürger ist?
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Freitag, 17. März 2006
Germaneoconnard Angst
fanpost-von-stefan-herre-von-politically-incorrect/
Tssss.... rechtliche Schritte wegen eines Wiki-Eintrags... da muss einer aber noch viel lernen, über Persönlichkeitsrechte und so.
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Neues aus dem Zukunftsmarkt
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I. Bayerische Bloglesung

Nochmal viel später, irgendwo

Danke an alle.
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Donnerstag, 16. März 2006
Wir sehen uns in 3 Stunden
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Brechreiz
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Weites Land
Ursachen dafür gab es viele; ein funktionierendes Fiskalsystem, die Entstehung einer Beamtenschaft zur Verwaltung, Handelsrouten, Technologietransfer, eine Lingua Franca, ein sehr günstiges Klima und medizinische Fortschritte. Die jungen Städte wuchsen rapide, die Verdopplung der Einwohnerzahl in 50 Jahren war normal. Aber auch die Dörfer drangen in die letzten echten Urwälder Europas vor und zerstörten sie. Geblieben sind nur noch die sumpfigen Flussauen, aber auch dort, entlang der Reiserouten, setzten sich die Menschen fest.

Die Geschichte ging aus vielen Gründen nicht gut aus, denn zu Beginn des 14. Jahrhunderts begann die sogenannte kleine Eiszeit, und schon vor der Pest kam es zu Hungersnot und Seuchen. Ein Beispiel etwa ist der "St. Petri Schnee", eine Getreidevergiftung, oder die Lepra, die mit dem Orienthandel nach Europa kam. Der enorme Bevölkerungsrückgang ist umstritten, aber in der Folge war wieder genug Fläche für den Ackerbau da, dass die Terassenäcker aufgegeben werden konnten. Eine andere Folge sieht man, wenn man in Mitteldeutschland Waldkarten studiert. Viele - heute dichte Wälder - haben Namen mit "roda" am Ende - dabei steht Roda eigentlich für einen Ort. Meistens handelt es sich um Wüstungen des 14. Jahrhunderts, Zeugen einer fehlgeschlagenen Kolonialisierung.
Insofern muss man konstatieren, dass die Aufgabe von Siedlungen in Zeiten sinkender Population eine ganz normale Sache ist. Man sollte auch einsehen, dass Deutschland eines der dichtbevölkertsten Länder der Erde ist; ein wenig mehr Raum für die Natur wird dem Land kaum schaden. Historisch betrachtet ist der aktuelle Zustand mit 80 Millionen Menschen ohnehin ein Ausnahmezustand; ginge es mit den Geburten- und Sterberaten der Zeit um 1910 weiter, hätte man in Deutschland absolut nichts zu lachen. Und der leichte Rückgang durch Pille, die zurückgedrängte Kirche und ungebundenes Sexualleben ist eine weitaus bessere Sache als, sagen wir mal, Pest und Hungersnot.
In etwa 50 Jahren wird sich das alles wieder eingependelt haben. Die Vorstellung, dass ein Land gross ist, wenn es viele Einwohner hat, ist lächerlich; entscheidend ist immer noch die Lebensqualität und die Freiheit, die nicht durch Karnickelprämien für die Vermehrung christlicher Extremisten und die Bestrafung der Aufgeklärten beschädigt werden sollte. Wichtiger statt dem Geburtengeflenne wäre eine Debatte darüber, wie viele Menschen dieses Land überhaupt braucht, und ob wir mit 60 Millionen nicht weitaus besser fahren - und mit uns auch die Umwelt.
Natürlich geht sowas immer auf Kosten des ländlichen Lebensraumes. Aber auch da sollte man sich keinen Illusionen hingeben. Das Leben in den Dörfern war früher kein Vergnügen, die Lebensläufe der Mägde, Knechte und Häusler stehen - jenseits von Blut-und-Boden-Blabla - an Entmenschlichung in nichts den Arbeitern im Manchesterkapitalismus nach. Reich wurden die Dörfer erst durch das Bevölkerungsachstum und den Baulandverkauf sowie die EU-Subventionen. Mit dem neuen Spritzenhaus, den drei Bolzplätzen und der schönen Umgehungsstrasse lässt sich natürlich gut jammern, über die verlorene Dorfgemeinschaft, die von aussen nicht ganz ohne Grund protototalitär wirkt. Den Niedergang von Gasthaus, Edeka-Kramer und Tankstelle und Hofgeschäft haben sich die Dörfler selbst zuzuschreiben. Wer partout die Eier um 2 Cent billiger bei Norma kaufen will, darf sich nicht wundern, wenn das Lebensumfeld vor die Hunde geht.
Never mind the Käffer - spätere Archäologen wollen auch nochmal intakte Befunde sichern, aus dem 21. Jahrhundert. Man kann Flächen durchaus still legen, der Fläche ist es egal. Wer unbedingt einen Teil der Dörfer und die Landwirtschaft halten will, muss die Leute überzeugen, dass sie regional einkaufen. Bocksbeutel statt Holzfusselbrühe aus Kalifornien, Fleisch aus dem Umland, besser mal einen Feldsalat als im Winter quietschrote Tomaten, Boskopp statt supergrünsupersaftiggenetischen Glanzapfel, Roggen statt Donut, Möbel, deren Holzfasern nicht aus Kanada kommen.
Auch manche Städte werden schrumpfen, aber die maroden Blockviertel der 7oer Jahre müssen in Ost und West ohnehin irgendwann weg. Auch da bitte keine falschen Sentimentalitäten - im urbanen Raum gibt es keine Garantie auf Wachstum. Wanderbewegungen sind auch nicht wirklich neu. Wie schon im vierzehnten Jahrhundert sind es viele Faktoren, die die Veränderung hervorbringen. Aber wir haben heute wenigstens die Möglichkeit, die Faktoren beeinflussen zu können. Es werden weniger Menschen hier leben, das ist klar. Aber niemand stirbt gleich aus, wenn es weniger Menschen gibt.
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Es langweilt doch keinen, oder?
Dann beginnt das grosse Vergnügen. Denn am ersten April haben sich die fabelhaften Blogsalon-Löwinnen Madame Modeste und Frau Wortschnittchen etwas Besonderes einfallen lassen. Weg von den beliebigen Massenevents, wo jeder kommt, weil man da halt so hingeht, hin zu einer Veranstaltung, die auch die Besucher fordert. Die Idee ist, dass jeder Besucher zum Buffet beizutragen hat. Während des Verzehrs lesen 10 Blogger gute Geschichten über das Essen. Sprich, da findet keine Lesung statt, sondern ein kulturelles Gelage. Um 19.30 Uhr im Café Babel in der Käthe-Niederkirchner Str. 2 in 10407 Berlin. Alle weiteren Informationen sind bei Modeste nachzulesen. Ausserdem gibt es dazu ein spezielles Kochblog.Und damit ist sie dann vorbei, die Big Week. Ich freue mich schon drauf.
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Flickrschgeige
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Mittwoch, 15. März 2006
Ein Vormittag im ländlichen Bayern

Auf das Bild clicken öffnet die Geschichte.
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Letzte Lesungsvorbereitungen

Zum Organisatorischen: Die Reizbar ist eine reizende Location im Souterrain, mit gutem Service und netten, aufgeschlossenen Leuten. Wir werden sehr schön sein. Es gab sehr viele Voranmeldungen, aber trotdem wird es wohl so sein, dass alle reinkommen. Sitzplätze und Blick zu den Vortragenden können nicht immer garantiert werden, aber die meisten werden sitzen und sehen.
Es wird auch nochmal durchgesagt, aber schon mal zum Eingewöhnen: Rauchen bitte nur in der Pause - wenn es denn sein muss. Es wäre nett, wenn man sich das bis nach der Lesung aufheben könnte, denn beim Lesen ist Rauch extrem unangenehm. Digiknipsen wenn dann ohne Blitz verwenden - nichts ist störender, als wenn man mal kurz hochschaut und einem dann jemand seinen Flash in die Augen dübelt. Veröffentlichen, wo auch immer, nur mit Rücksprache und Erlaubnis der Abgebildeten. Und vielleicht vorher überlegen, ob 59 verwackelte Bilder mit komischen Leuten überhaupt irgendwo gezeigt werden müssen. Die Versuchung ist gross, ich weiss, aber spätestens nach dem dritten Durchgang kann sowas extrem nervig sein.
So, das wär´s. Kommet zuhauf.
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Keine Mail von v. Matt
Und wer ist schon v. Matt? Eine Werbegrösse. Da empfinde ich "Abschaum der Publizität" noch als Kompliment.
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Dienstag, 14. März 2006
Shitcanned Canadian
KEINE Namensnennung bitte in den Kommentaren, danke
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Bessere Geburtenrate?
Dem ersten Industrielobbyisten, der damit kommen wird, haue man bitte ins Gesicht, dass Leute in Sorge um ihren Arbeitsplatz eher keine Kinder brauchen können. Mit Arbeitszeitverlängerungen trägt man auch nicht dazu bei, dass Eltern mehr Zeit für die Kinder haben.
Und den reaktionären Arschlöchern, die sagen, dass die Kinderlosen dereinst einsam und verlasssen im Altersheim vor sich hinvegetieren werden, frage man, wie sie das halten, mit ihren Eltern. Es ist nämlich so: Ich bin fast jeden Tag in dem besten, teuersten Altersheim der Stadt. Hier bringen die besten Familien ihre Nazi-Generation unter. Ich habe da drinnen einen weiten Weg zu gehen, am Anfang der Radioraum, wo sie alle gerade aus stieren, wenn sie Wunschmelodien 1933ff auf Bayern 1 hören, von damals, als es noch Arbeit gab und sie ihren Spass als Luftmatratzen hatten, vorbei am Schlusszimmer, wo die sind, die keinen klaren Satz mehr rausbringen, dann hoch in den ersten Stock zum Gemeinschaftsraum, wo zumindest noch gebastelt oder eine aus dem Tierheim gebrachte Katze gestreichelt wird.
Ich bin da locker 4 Minuten täglich auf dem Areal bis zum Ziel unterwegs. Inzwischen kenne ich die Mädchen vom Tierheim ganz gut. Das sind aber auch die einzigen, die ich regelmässig sehe. Jede Schwester kennt mich. Gestern hat mich der Prälat, zu dem ich wegen seiner lustigen Frontgeschichten ein eher gespaltenes Verhältnis habe, auf ein Schwätzchen angehalten. Und gesagt, dass er mein Verhalten vorbildlich findet. Und dass es Tage gibt, an denen ich der einzige Besucher bin. Bei 180 alten Menschen, deren Kinder fast alle in dieser Stadt wohnen. Der Witz an der Sache: Ich besuche noch nicht mal eine direkte Verwandte. Auch deren Sohn kommt alle 5 Monate mal vorbei.
Es gibt da drin viel zu sehen, was einen runterzieht. Die Plätze, die leer bleiben, wenn mal wieder der Mercedes da war. Die vielen Krankenwägen, die mehr holen als bringen. Der einbeinige Säufer, den sie saufen lassen, damit er keine dreckigen Lieder singt, früher mal der Boss einer Spedition. Die Edle von, die auf dem Gang vor sich hinmurmelt, dass der Russe bald kommt. Hier bekommt die CSU fast 100% der Stimmen. Wenn ich rausgehe, halte ich die letzten 20 Meter die Luft an, wegen dem Geruch. Ich würde mich eher erschiessen, als da die letzten Jahre reinzugehen. Erträglich sind allenfalls noch die Appartments, die soas wie ein selbstbestimmtes Leben mit Hilfe erlauben, aber da enden möchte ich auch nicht, bei dem Kantinenfrass. Da, wo ich hingehe, wandert das Zeug zurück, weil ich mich einen Dreck um die Diät-Vorgaben kümmere und das bringe, was gewünscht wird. Das ist vielleicht nicht immer gesund, aber besser so als anders.
Und wenn wieder eine schreit, dass sie sterben will, kann ich das auch verstehen. Kein Wunder, wenn man einmal an Weihnachten rausgeholt wird und den restlichen Tage bei Bayern 1 und Bayerischem Fernsehen in voller Lautstärke allein gelassen wird, gepflegt von Schwestern, mit denen man wenig reden kann, weil sie heute schon fast durchgängig aus dem ehemaligen Ostblock kommen. Das ist kein Leben mehr, weil die Arschlöcher, die es von ihnen bekommen haben, lieber daheim vor der Glotze sitzen. Und von der Geburtenrate und ihrer Rente schwafeln.
Ich hasse es, da rein zu gehen. Aber es ist meine Pflicht, und ich tue es gern für diejenige, zu der ich gehe. Ich erlebe dort jeden Tag, wie meine christlichen Ohnemenschen mit ihren Eltern umgehen. Ich wünsche keinem von denen, dass er mal so endet. Aber es wäre nett, wenn all die Klugscheisser mal in Bezug auf Geburtenraten die Fresse halten würden. Deutschland ist ohnehin völlig übersiedelt. Und das Ende wird so oder so scheisse.
Ich weiss das. Wir werden in einer Umgebung enden, die unendlich weit entfernt ist von der Talkshowrealität. Niemand wird uns besuchen, egal wie wie karnickelt haben. Und da hilft es auch keinem, wenn er viel zu vererben hat. Frau B. gehört ein halber Strassenzug in der Altstadt. Geschätzter Wert über 50 Millionen. Frau B. sitzt den ganzen Tag an der Tür, auf einer Bank, wo sie nicht sitzen sollte, weil sie die Zugluft krank macht, eine Grippe wird sie kaum überleben. Sie wartet auf die Angehörigen ihres grossen Clans, von denen jeder einzelne nach ihrem Tod Millionär sein wird. Keiner kommt. Niemand. Geburtenrate? Sie hat 6 Kinder.
und das ist jetzt ausnahmsweise mal nicht von einer kunstfigur don alphonso geschrieben
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Montag, 13. März 2006
Donnerstag ist Bloglesung
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Falls jemand einen DJ braucht,
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Nicht teamfähig
Solche Typen sind zweibeiniges Kündingungspotential. Man möchte da nur für 5 Minuten nochmal Berater sein. Nur 5 Minuten Refinement of Human Ressources, ach wäre das schön, wenn so ein sich als Manager fühlender Sachbearbeiter dann am Abend in einer Bar erzählen könnte, wie wichtig er doch für die Company war.
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Sonntag, 12. März 2006
Die nächste Lesung
Und ich muss mir jetzt mal eine Geschichte aus dem Knoblauchland ausdenken.
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Was für eine schöne Nachricht
Andere würden an solchen Skandalen pleite gehen, aber die globale Trashmöbelpest leider nicht.
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Samstag, 11. März 2006
Sehr zu empfehlen - Rülps

"Das Publikum mag es sich selbst ausmalen, wie es vonstatten ging."
Da merkt man erst, wie klein so eine Barechetta ist. Ich brauche, glaube ich, bald einen neuen Stadtpalast.
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Auch ein insolventer Laden kann teuer sein
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Real Life 10.03.06 - Richtung Süden

Heute Nacht endet die Fahrt an einem der überdimensionierten Schwabinger Schneehaufen, die immer noch auf den Strassen und Bürgersteigen aufgetürmt sind. Du steigst aus, hilfst ihr über den Matsch hinweg und beachtest kaum die arme Angebersau im Cayenne, die ein paar Meter weiter vergeblich versucht, die viel zu enge Parklücke zu verlassen.
Später erzählt sie, wie schwer es ist, über die Runden zu kommen, weil die Festen die Freien als kostenlose Themensucher betrachten; die Beiträge müssen fast schon vorformuliert eintrudeln, werden abgelehnt, und dann hört sie das Thema in ihren Worten, aber mit einer anderen Stimme drei Tage später im Radio. Aber was soll sie schon anderes machen. Auch wenn sie weniger verkauft, als sie gedacht hat, gibt es keine Alternativen mehr. Die Privaten sind samt und sonders PR-Abspieler geworden, und für Print kann sie sich nicht erwärmen, das war noch nie ihr Ding, und Kontakte hat sie auch keine.
Im Prinzip ist sie mit vielen anderen auf der schmalen Planke über den Haifischen, es geht seit Jahren immer nur in eine Richtung, und nachdem die letzte Strukturreform von den politisch bestimmten Intriganten versaut wurde, kommt jetzt eben die nächste Runde, statt schlechtem Hirnfick ein wenig schlechte Seichtheit, verdaulich für die, die es wollen, aber wer sowas will, geht lieber gleich zum Deutschlandfunk oder BBC World Service. Und die Studenten sind längst abgewandert zu M94,5 und FM4. Das Rennen haben sie verloren, und jetzt gibt es nur noch das Hauen und Stechen über dem Existenzminimum. 4 Beiträge im Monat, das ist gut. Feste Freie, das wäre schön, ist aber nicht zu schaffen, denn die Gebühren wandern in die Zukunftsformate der bewegten Bilder und in Werbekampagnen, in denen Trachtler in einer U-Bahn-Station tanzen. Sie wäre jedesmal am liebsten wieder ins Bett gegangen, wenn sie eines dieser Plakate gesehen hat, diese erbärmliche, dummdreiste Geldverschwendung dieser Zwangsstaatsbehörde zur Verbreitung genehmer Propaganda, sagst du dazu, aber das hilft ihr auch nicht weiter.
Es ist ja nicht so, dass es nicht einige geschafft haben. Bezeichnenderweise sind es überproportional viele Arschlöcher, die sich rechtzeitig aus der bröckelnden New Economy, aus den Mobile Content und New Media Publishing Sektoren abgesetzt haben und nun alles machen, vom Kriecher in den CSU-Gedärmen über den c-vitamisierten Medienkünstler bis zum vorgetäuschten Revoluzzer beim Jugendformat, das die Jugendlichen jenseits der Freunde der Macher längst nicht mehr erreicht. Immerhin ein Job, eine Tätigkeit, nach ihnen ist die Sintflut längst da, und es wird auch nicht besser, zumindest nicht im Radio, und Podcasten, merken sie gerade, geht auch nicht gut.
Du bringst sie heim, nachdem du an der Tanke nochmal einen Haufen Süssigkeiten gekauft hast, den sie gar nicht will und nur widerwilligst mitnimmt. Zu Hause findest du einen Brief von der GEZ, die wissen will, ob du noch immer keine Dummglotze besitzt, und deshalb mehr abdrücken willst, damit sich eine nach Zahnfäule stinkende Chefredakteursausgeburt noch einen unförmigen Sack für sein Fett kaufen kann, nachdem er sich vom Moderatorengehältern für kirchliche und private Stiftungen schon den farblich unpassenden Dritt-BMW geleistet hat. Im Radio läuft FM4.
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