: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Dienstag, 4. Juli 2006

Das Internet, und so

Sie ist Anfang 30, hoch qualifiziert und in ihrem Job - Anwältin - sehr erfolgreich. Und sie ist Mieterin hier im Haus. Heute habe ich bei ihr das WLAN eingerichtet. Als der USB-Stick dann Empfang hatte, hat sie den alten Modemanwähler aufgemacht. Weil nach dem Anwählen der Browser aufgeht und sie nicht wusste, dass man den Explorer einfach so anklicken kann.

So, wie war das nochmal mit dem Web2.0 für alle?

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Rautenhimmel

Man muss nur etwas Zeit und Ruhe haben, dann versteht man hier das Meiste. Irgendwie. Nicht so, dass man es für sich so haben wollte, aber man versteht. Das mit dem bayerischen Wappen zum Beispiel, das sich über Gut und Böse ausbreitet.



Apropos böse. Es gibt in der Innenstadt auch einen Computerladen. Der ist billiger als der Mediamarkt und Saturn, die beiden Saftläden, die von mir keinen Cent mehr bekommen. Auch von meinen Eltern nicht. Kann ja sein, dass die Saftläden hier ihren Ursprung haben, aber sowas unterstützt man nicht. Also kommt der neue Access Point aus der Stadt. Auch wenn ihn eigentlich keiner so richtig braucht. Sogar mein Handy ist meistens aus. So ist das, hier im Sommer.

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Klingt ähnlich

Blogjobs, Blowjobs.

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Selbst billige Bloggerhäute sind zu teuer,

wenn sie kein Communityfell mitbringen: An der Blogbar steht ein Beitrag, den man als verhungerter Blogberater besser nicht lesen sollte, wenn man nach der Pleite behaupten will, davon hätte man nichts gewusst.

und diesmal erwischt es sie alle in einem aufwasch.

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Montag, 3. Juli 2006

Summertime

Warum eigentlich sind Hollywood-Schaukeln weitgehend ausgestorben, was ist mit dem orange-silbernen Ding passiert, das früher bei uns im Garten stand?



In einer Zeit, als niemand mich ansprach, um mir gesellschaftlich adäquate Vorschläge zur Gestaltung des Sonntag Nachmittags zu unterbreiten, wie etwa ein Chorkonzert zu besuchen, weil es dazu gehört, if your daddy's rich and your mamma's good lookin'. Ich glaube, nach dem windbedingten Zusammenbruch meines Sonnenschirms gestern Nacht wäre eine Hollywoodschaukel eine Alternative. Dann brauche ich nur noch ab und zu Besucher, um Torte an sie zu verfüttern, und bis, sagen wir, September wäre das Jahr gelaufen.

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So, nur anders rum

Plötzlich, bei, Prestissimo-Satz von Haydn, ist mir dann eingefallen, was ich gerne im Saal an der Decke haben würde:



Das da in die andere Richtung: Der Sieg von Laster, Wollust und Freigeisterei über Tugend, Enthaltsamkeit und Kadavergehorsam.

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Papier, Pappe, Druckerschwärze

Die Frage nach dem Standort der digitalen Revolution lässt sich leicht beantworten, wenn man geschätzte Zahlen (abzüglich "Autoren" bei Zuschussverlagen) vergleicht: Wieviele Blogger haben einen halbfertigen Roman oder Sachbuch in der Schublade liegen, den sie gerne veröffentlichen würden - und wie viele Autoren haben ein halbfertiges Blog in der Schublade liegen, das sie gern online stellen würden.

Kam mir gerade beim Redigieren eines - man ahnt es - Textes für ein Buch über digitales Publizieren.

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Sonntag, 2. Juli 2006

Badblick

Manchmal glaube ich fast, egal wie schön die andere Wohnung wird, und wie gross sie ist - letztlich werde ich doch hier oben bleiben.



Das sieht man, wenn man so gegen 21 Uhr aus der Dusche steigt und links aus dem Fenster schaut. Angenehme Schauer dann beim Lesen über das, was man erst mal hinter sich hat.

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Eine feine Sache

wäre es, wenn jeder, der mit den Worten "ganz Deutschland tut blabla" von einer der Reporterarschgeigen öffentlich zu einer Gruppe hinzugerechnet wird, zu der er definitiv nicht gehört und auch nicht gehören will, weil er zwar qua Pass irgendwo Deutschland ist, aber es eben nicht tut, eben jener Arschgeige eine einzige Ohrfeige pro Vereinnahmung verpassen dürfte, als gerechte Strafe für diese Herabwürdigung auf Honkniveau.

Da käme ganz schön was zusammen. Und viele momentan arbeitslose Jungjournalisten hätten bald einen Job.

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Real Life 30.06.06 - Abgeschrieben

Diese Stadt ist immer wieder voller Überraschungen. Vor 6 Jahren brausten Dutzende von Smarts mit seltsamen Webadressen durch das südliche Schwabing, in den Namen kamen viele xx und zz vor, was heute, von ein paar spanischen Brause-PR-Bratzen abgesehen, glücklicherweise eher ausgestorben ist. Aber während anderswo mickrige Blogs monströse Zukunftsvisionen und auch gleich passende Sticker und event driven Microsites entwickeln und von Firmenwägen träumen, ist die gute, alte Munich Area real auf dem Boden der Tatsachen angekommen:



Allein, die bittere Erkenntnis wird auch hier übertüncht von einer Massenhysterie wie zuletzt beim Molliwerfen in Rostock-Lichtenhagen, und München ist da ein wenig wie Wien, es kann sich seine Bewohner und vor allem das Umland nicht raussuchen. Wer sich unter einer Fahne versammeln will, soll das tun, du jedenfalls willst deine Ruhe und ein normales Cafe ohne Deppenfetzen, was in der Nähe der Theatinerkirche auch zu finden ist. Und wie es der Zufall haben will, sitzt dort, hinter Torten verschanzt und bis an die 3. Zähne mit Kuchengabeln bewaffnet, im Kreise ihrer anderen alten Hexen Frau S., die, wie sie erzählt, vom schlechten Wetter am Tegernsee nach München vertrieben wurde. Nachher geht es aber wieder zurück.

Und nach Berlin zum Antique Shopping ist sie noch immer nicht gekommen, aber die Adressen, die hat sie noch. Und, fragt sie und rollt listig die kleinen Augen, hast du wieder was Neues gefunden? Du erstattest Bericht, schwärmst von Entdeckungen, bei denen sich die Hexen wissend zunicken und sicher finden, dass solche begabten jüngeren Männer nicht leicht zu finden sind, in dieser traurigen Zeit von Ikea und fussballfeldbezogenen Wegwerfsofas. Du zeigst dich guten Mutes, was Sessel angeht, wenngleich du vor Jahresfrist welche hast durchgehen lassen, die heute ein trauriges Desiderat sind, und wieder hat man Verständnis. Du berichtest von Altem der Familie, das neu verwendet wird, so etwa der Kleiderschrank, der Anno 1910 einen Volksauflauf nach sich zog, schliesslich kam der nicht aus der Provinz, sondern war das teuerste Teil einer Ausstellung im fernen Nürnberg, und die Hexen sind´s sichtbar zufrieden, der Stallgeruch nach Geld, Pest und Schwefel stimmt.

Und du erwähnst auch, dass die Sache mit den Sofas nicht so leicht von der Hand gehen wird. Denn du willst derer gleich zwei, und nur eines in der gewünschten Qualität ist schwer zu finden, zwei hingegen scheinen unmöglich, aber irgend etwas muss schliesslich vor die Heizkörper, die man im Stadtpalast nicht in die Wände zurückversetzen kann.

Herr Porcamadonna, sagt eine der Hexen, eine ziemlich runde mit Apfelgesicht, die wahrscheinlich schon von einer anderen Hexe in Chanel mit dem arttypischen Bock gezeugt wurde, solche Frauen tragen nämlich von der Wiege bis zur Bahre oder Scheiterhaufen Chanel, am besten in Tortenfarben natürlich, und diese grossen Brillen, an denen gerade die Enkelinnen wieder eine Freude haben, ich hätt da eine Idee - gehn´S, nemmas doch bittschön Platz.

Es ist nämlich so, erzählt sie: Ihre Nichte hat die Strasse runter dieses Bekleidungsgeschäft. Alle vier Jahre reicht es ihr mit der Inneneinrichtung oder dem Standort, dann wird dichtgemacht, umgebaut, bestellt, eingerichtet und wieder zurückgegeben, weil es un-mög-lich ausschaut, und dahinter ist - in allerbester Lage natürlich - dann das Lager, in dem sich die alte Einrichtung türmt. Letztes Jahr war wieder Umbau, und da hat ihre Nichte zwei wirk-lich pfen-ning-guade Sofas, die sie selbst vor fünf Jahren herausgesucht und bestellt hat, einfach weggetan und durch so komiches Plastikzeug ersetzt, a Schand, ausserdem mag sich da keiner hinsetzen, schlimm ist das, weil der Mann der Frau, der wo ja der eigentliche Kunde ist, am besten irgendwo rumsitzt und die anderen Frauen nicht stört, und mit den roten Plastikmöbeln rennen die Herrschaften immer rum... ach so, die Sofas, sagt dir Werther Classic etwas? Ja? Na, also, jedenfalls stehen die jetzt hinten, fast neu, ihre Nichte wird die nie wieder brauchen, weil mit dem neu geplanten Countryhouse-Gschäft in Starnberg wird das eh nixn, Platz hat sich auch nicht, also, wenn du magst - du magst doch, oder? könnt ihr gleich mal hin und sie anschauen. Ja? Prima, gemma.

Manchmal würdest du gerne ungeniert die Kamera zücken und photographieren. In dem Lager hängt auch noch ein 2,5 Meter hoher Venezianer, Kommoden ächzen unter der Last von Kleiderbergen, es sieht aus wie in der Requisitenkammer, mit dem kleinen Unterschied, dass die damit gegebenen Theaterstücke der Eitelkeit auf öffentlichen Strassen, Plätzen und in Theatern gespielt werden. Wie es nun mal so ist, erzählt die Nichte der Hexe, man braucht diese Decostücke für die Schaufenster, bis die Sensation weg ist, nach drei, vier Jahren kann man sie neu kombiniert wieder verwenden. Aber nicht die Sofas, die sind viel zu gross und zu wuchtig für das Schaufenster, also, wenn du willst - und sie nennt einen Preis, bei dem du ja sagst, ohne ausgemessen oder die Farben im Neonschein genau erkannt zu haben. Es sind Monster, keine Frage, die hier, steuerlich abgeschrieben, in Folie verpackt und vergessen vor sich hindämmern - ausser von der alten Hexe, und die vergisst sowas wahrscheinlich nie. Du wirst sehen, was dich der Deal ausser dem lachhaften Betrag sonst noch kostet; mindestens aber den Besuch eines Gartenfestes in Grünwald, wo sie wahrscheinlich noch rosa Hollywoodschaukeln am Pool haben, und die Hauhälterinnen Feuerzangenbowle auftragen. Blocksberg war gestern.

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Samstag, 1. Juli 2006

Werther ohne Kugel im Kopf, aber mit Nägeln.

Eigentlich bin ich nach München, um einen Vortrag zu halten und mich mit ein paar Leuten zu treffen. Ich bin nicht nach München, um Sofas zu kaufen, aber das hat man davon, wenn man sich zwangsweise in unbeflaggte Cafes rettet - da trifft man dann so gewisse Leute, die einem Angebote machen, die man nicht ablehnen kann.

Man kann das negativ sehen: Wahrscheinlich morgen kommen zwei riesige Loft Sofas von Werther Classic an, von denen ich nicht weiss, ob sie von der Grösse oder der Farbe her passen. Man kann es auch positiv sehen: Sollten irgendwann viele Gäste kommen und zwei Schlafzimmer mit Doppelbetten nicht reichen, gibt es auch noch die Sofas. Man kann auch ein poor winner sein und die kleine Schwester anrufen und ihr sagen, dass sie mit ihrem Bielefelder Werkstätten Sofa erst gar nicht ankommen muss. Gut, sie hat einen Isarblick vom Sofa aus, das ist auch nicht schlecht. Aber:



Und wenn sie morgen nicht passen, geschmacklos aussehen und sich die Farbe mit dem Parkett beisst, kann man auch ein poor loser sein und die Dinger weiterverschenken. Es ist ja nicht so, dass hier keiner prestigegeil ist.

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Servicewüste Deutschland

Gerade halb Schwabing nach einem T-Shirt mit dem Aufdruck "Deutschland verrecke" abgesucht - vergeblich. Immerhin, bei der Mentalität muss man das nicht mehr mit einem T-Shirt beschwören.

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Haifischdialoge

(Infernalischer Lärm auf der Strasse, dazu Handyklingeln)

Ich: Ja?
Haifisch 1: Ihr könnt runterkommen, ich komm grade die Strasse runter.
Haifisch 2: Gib sie mir mal. Hi. DU BRAUCHST NICHT ANRUFEN, WIR HÖREN DEN MOTOR SCHON HIER OBEN!
Haifisch 1: (grummelt Unverständliches)
Haifisch 2 (legt auf): Seitdem wir wieder ein paar Rechnungen zahlen können, brennt sie jeden Tag einen halben Tank durch....

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Munich Area Lethargie

Ich bin froh, dass ich mit der Uni und dem Betrieb nicht mehr viel zu tun habe. Ich glaube, ich würde durchdrehen. Weil es "so ist". Da sitzen welche, zwischen 20 und 25, lle Chancen, die man haben kann, haben ihren korrekten Lebenslauf im Auge, finden die Lage natürlich schon scheisse und das mit dem Bachelor auch nicht so toll, aber es "ist so". Und weil es "so ist", sitze ich, der ich keine Ahnung von gar nichts ausser Kulturgeschichte habe, vorne - und sie nicht. Das sollte ihnen zu denken geben.



Die Herrschaften in den Türmen, die davon profitieren, dass es "so ist" und auch keiner wirklich was dagegen macht, können stolz sein. Hier geht es schliesslich nicht um das Gejammer irgendwelche kindischer Bratzen, sondern um die, die in ein paar Jahren gern die öffentliche Meinung des Landes bestimmen wollen. Und wenn es "so ist" und sie nicht mal was für ihre eigene beschissene Situation tun ausser anpassen, dann kann das ein lustiges neues Medienzeitalter werden.

Morgen mehr, ich muss da erst mal drüber schlafen, dass es einfach "so ist", als wäre das, was ist, von irgendeiner Bedeutung und unveränderbar. Aber das könnt ihr schon mal sucken, Ihr Web2.0er: Keiner von einem Dutzend KWlern kannte Flickr. Das finde sogar ich hart.

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Donnerstag, 29. Juni 2006

Zurück ins brodelnde Herz des kochenden Abschaums

Gestern hat mich einer gefragt, ob ich nicht mit will auf einen Kongress zum Thema User Generated Content, nächsten Monat in, na wo wohl, München natürlich. Kein Monat mehr hin, aber sie wissen noch nicht mal, wer da spricht. Veranstalter sind zwei Web2.0-Firmen, die Morgenluft wittern. Mit dabei sind viele alte Freunde, die irgendwo überwintert haben und jetzt neue Visitenkarten haben, oder immer noch bei VCs wie Atlas sind. Auf einer der letzten derartigen Veranstaltung in München sass ich übrigens selber auf dem Poium, als Moderator. 2003 war das. Um mich herum lauter lebende Tote. Eigentlich sollte ich mal schauen, ob die jetzt noch ein wenig lebendiger geworden sind. Ein paar Ideen wie "Always on" stehen immer noch im Programm, laut gescheiterten Events wie dem Mobile Media Award, falls den noch einer kennt, sollte das aber schon seit spätestens 2004 Realität sein.

Ich weiss nicht, ob ich mir das nochmal antun soll. Warum soll ich mir von nachgewachsenen Pfeifen, die alle Erfahrungen von damals in den Wind schlagen, erzählen lassen, was die Zukunft ist. Sollen sie doch, sie werden ja sehen, wie weit sie mit Milestonefinanzierungen in einem Markt kommen, den die meisten Politiker ohnehin platt machen wollen - schliesslich ist Mobile Consumer generated Content auch das Gewaltvideo und der sexuelle Missbrauchsdreh. Wie ich München, die Munich Area vertrage, werde ich ja nachher sehen: Vortrag in einem Uniseminar vor Bachelorstudenten, Treffen mit den Haifischen, informeller Austausch mit einem Business Angel. Die volle Ladung im Schnelldurchlauf, gewissermassen, in einem München, das auch diesmal wieder nur ein paar Strassenzüge sind, die gleichen wie damals, in der einzigartigen Munich Area, beim internationalen Ranking gleichauf mit der Tel Aviv Area und noch vor Sophia Antipolis.

Es ist gerade mal drei Jahre her, aber in der Erinnerung schon wieder unendlich weit weg, und trotzdem ist es alles wieder da. Die Besseren sind weg in die normale Wirtschaft, geblieben sind die Grossmäuler, die Versager, die Nichtskönner und die Scharlatane, die jetzt wieder an neuen Legenden, Success Stories, neuen Zukunftsjobs und Konstrukten bauen. "Next Economy" war zu früh und ist 2003/4 geflopt, Web 2.0 ist besser im Saft, und mit Salm und ein paar anderen Promis wird das schon. Was auch immer. Man wird mir heute berichten. Und ich werde es weitertratschen. Denn wir haben die New Economy gefickt, wir werden auch mit Web 2.0 fertig. Aber sicher doch. Die Frage ist nur, ob ich diesmal wieder an deren Buffets fressen soll - was man so hört, sind die immer noch nicht besonders.

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Donnerstag, 29. Juni 2006

Von acht bis zehn

Sucht Euch selbst das Beste raus, das war heute zu viel, ich bin zu faul zu entscheiden.












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Unter dem Baum

Es sind gerade diejenigen, die früher am meisten unter den hiesigen Verhältnissen gelitten haben, die hier gezwungen wurden und mal eben so die Erwartungen der besseren Kreise erfüllt haben, die ihre Kinder jetzt wieder in die gleiche Situation treiben.



Nach aussen hin sieht es nett aus, fast romantisch. Und die, die aus dem 13. Stock springen, draussen, in einem schlechteren Viertel, weil sie hier fertiggemacht wurden, sind lange vergessen, wie die, die vertrieben wurden, weil sie einfach so mit einem Mann zusammengewohnt haben. Man redet da nicht mehr drüber, man will ja keinen Ärger, und es ist auch besser geworden, und das mit den Schwangerschaften wird man später auch irgendwie regeln.

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Sehr zu empfehlen - Perserteppiche im Vergleich

Franz hat da eine Frage aufgeworfen, die ich gerne beantworte - wer legt sich eigentlich Perserteppiche in die Wohnung? Ganz einfach: Ich. Es gibt dafür viele Gründe. Der wichtigste neben dem Prestige jedoch betrifft die schönsten Stunden des Lebens: Wenn man eine Frau zu Boden zieht. Ich denke, ich habe alles ausprobiert in meinem Leben, und das ist das Ergebnis:

Fliessen & Naturstein: Das Schlimmste. Kalt, knallhart, Grippe ist vorprogrammiert, in den Ritzen Staub. Einziger Vorteil: Leicht zu reinigen.

Parkett & Dielen: Immer noch übel. Luxuriös mitunter, keine Frage, aber brettlhart, und nach kurzer Zeit wird die Haut feucht und dann wird es quietschig. Achtung Schiefer!

PVC: Billig, geschmacklos, hässlich. Frau kann gar nicht so schön aussehen, dass sie auf PVC nicht billig wirken würde, Gummifetischismus für Arme. Und auch nicht gerade komfortabel, sowie schweisstreibend.

Normaler Teppichboden: Wärmer, weicher, aber synthetisch und deshalb oft pieksend, bei längerer Benutzung kann das alle Lust abtöten. Reinigung sehr schwierig, wenn nicht unmöglich, spontane Hardcorespiele sind also nicht ratsam. Ausserdem langweilig & fad anzuschauen.

Perserteppich: Warm. Weich. Angenehme Naturprodukte, belastbar, strapazierfähig, keinesfalls rutschig oder glitschig, kein Problem mit unnatürlichem Schwitzen. Das Blumendekor in satten Farben ist für nackte Frauen sehr kleidsam, Gebetsteppiche haben beim Ficken etwas rührend Gotteslästerliches. Geräuschdämmend nach unten. Man kann darin auch die Leiche des zu früh heimgekommenen Gemahls nach draussen tragen.

Deshalb also Perserteppiche. Allenfalls das Eisbärenfell kann da noch mithalten.

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Mittwoch, 28. Juni 2006

Wie der Dieb in der Nacht

werde ich kommen, leise, vorsichtig, keiner wird mich sehen oder hören, in den Schatten gedrückt werde ich durch die stillen Gassen schleichen, sobald die Sonne versunken ist



Denn nicht weit von hier ist das alte Stadthaus der Familie P., die nie zu schätzen wusste, was sie da haben. Das Haus wird jetzt verkauft, und deshalb haben sie es schon mal leergeräumt. Die wertvollen Stücke der alten Frau P. gingen schon vor Jahren an die Händler, der Rest ist solide, aber hässlich, sicher ein Fest für die anderen, die kommen werden. Aber unter all den Möbeln war noch ein Teppich, zu mühsam, den von der Last zu befreien, und als die Kirschmöbel wegkamen, waren Perser unverkäuflich, zumal in der enormen Grösse von 3,50 mal 2,70 Meter. Morgen früh kommen die Verwerter, aber heute bin ich - zufällig, vom Instinkt geleitet - daran vorbeigegangen, als der Enkel der alten Frau P. den Teppich gerade über den Asphalt zog. Schwer ist so ein grosser Teppich, fast wie eine Leiche, und er hätte diese Woche auch nicht überlebt, hätte ich das eingedrillte Gefühl, dass man so etwas nicht tut, überwunden und nachgefragt. Jetzt wartet er im Hausgang auf mich, ein erstklassiger Sarouk, und der junge Mann konnte gar nicht verstehen, wieso ich dieses alte, abgetretene Ding will, der ist von der Hochzeit seines Urgrossvater, hat die alte Frau P. immer erzählt, so 1900, 1910 muss es gewesen sein, aber bitte, wenn er mir gefällt, besser er findet einen Liebhaber, als wegschmeissen.

Man kann über diese Stadt manchmal heulen, über ihre Bewohner und ihre Blindheit, man kann aber auch einfach danke sagen und dann in der Nacht losziehen, und den Teppich, der so schwer und unförmig ist wie eine Leiche, durch die mondlose Finsternis in den Stadtpalast zerren.

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Deutsch als Deppenbegriff

Kommse, kommse, Augen auf und Digitalkamera ein, die Strasse runter, hier wurde deutsche Geschchte geschrieben. Im ersten Haus wohnte der echte Faustus von unserem Goethe, dann kamen die Stadtpaläste der Kapuziner und Jesuiten voller wichtiger deutscher Forscher, hier haben sie alle während der Aufklärung gewirkt, da hinten schaute der deutsche Galileo durch das Fernrohr, der deutsche Feldherr starb hier, die Asams haben das deutsche Rokoko zur Blüte getrieben, dann kommt der berühmte deutsche Klenze, und hinten ist das Münster, Süddeutschlands grösste Hallenkirche mit folgenden altdeutschen Meisterwerken, gleich daneben das Zentrum der deutschen Gegenreformation - mit diesem Müll werden die Touristen vollgeschüttet, die zu früher Stunde, kaum hat sich die Sonne erhoben, hier durch das Viertel gekarrt werden.



Fehlt eigentlich nur noch der deutsche Himmel, und die deutsche Kotze eines deutschen Kulturhistorikers, meine Kotze, genauer gesagt.

Es gehört zu den verlogenen Ritualen jeder Obrigkeit, sich irgendwie eine Legitimation zusammen zu schustern. Griechische Städte wurden von Halbgöttern begründet, Rom entsprang geflohenen Trojanern, durchrasste Völkerwanderungswarlords des frühen Mittelalters sahen sich in der Tradition des Römischen Reiches, das sie gründlich ruiniert haben, das Papsttum und die Orthodoxie logen gewohnheitsmässig Primate zusammen, die Pickelhaube entstand aus einem groben Missverständnis mittelalterlicher Helme, und das 1000-jährige Reich stellte sich als III. auch brav hinten an, wenn es um die Legitimation ging.

Allen gemein ist der Trick für die ahistorischen Deppen, der in etwa so geht: Du dumme, mickrige Wurst, Dein Leben umfasst 70, 80 Jahre, aber ich, der Herrscher, der Staat, das Konstrukt, ich bin schon Zilliarden Jahre da, das war schon immer so, also halt das Maul und zu, was ich Dir sage, Du bist nur ein Fliegenschiss und ich bin ewig. Ich erlaube Dir, mir zu huldigen und mich toll zu finden, Gründe kriegste genug, vom Künstler über den Ballidioten bis zum Ballermanngesöff, und jetzt schrei "Es lebe Deutschland" als zentrale politische Willensäusserung, kein Protest, dann ist es prima.

Man muss eingestehen, dass die Kulturgeschichte lange den Arsch für dergleichen Ansprüche hingehalten hat. Diese elende Pseudowissenschaft, die ursprünglich untrennbar verbunden war mit der obrigkeitsstaatlichen Legitimationssuche, war durchaus flexibel - entstammt der Urgrund noch der devoten Kriecherei für lokale Diktatoren, und wechselte das erst in der Zeit zwischen 1813 und 1871 langsam in Richtung "Deutschland". Das war dann auch die Zeit, in der der unsägliche Begriff "altdeutsch" zur Umschreibung mittelalterliche Kultur aufkam, verbunden mit unausrottbaren Fehlurteilen über das Wesen der Kultur.

Denn tatsächlich gab es zur "altdeutschen" Zeit keinen deutschen Nationenbegriff, weder bei den je nach Laune handelbaren Bauern, noch in den freien Städten, noch bei den Kirchen und Klöstern, noch beim Adel. Alle hatten nur das eigene Wohl im Auge, die formale Zentralmacht war irgendwo weit weg, der Rechtsbegriff war der einer marodierenden Horde Hooligans, und das, bitteschön, bis ins späte 18. Jahrhundert. Nicht umsonst griff das Bürgertum nach der 48er Revolution auf einen ferne, mittelalterliche Deutschlandillusion zurück, man wollte sich den schönen Wahn nicht durch die eigene Erinnerung vermiesen lassen. Und auch heute noch, bei den Stadtführungen, wird genau dieses Bild beschworen - sich mit der tatsächlichen Nation Deutschland auseinandersetzen, wäre architektonisch weitaus weniger reizvoll, von der 1870er Kanonengiesserei über einen ehemaligen Exerzierplatz und die Standorte zweier KZ-Aussenlager mitten in der Stadt bishin zur nach dem Krieg verschandelten Altstadt: Das alles ist tatsächlich Deutschland, aber eben keine Tradition, die man gerne anschaut.

Geht man statt dessen diese Strasse mit ihrer barocken Bebauung heute hinunter, müsste man es als Kulturhistoriker anders erklären: Da ist das Wohnhaus des durch die Lande vagabundierenden und allerorts vertriebenen Forschers Faustus, dann kommen, in italinischer Manier errichtet, die Stadtpaläste zweier italinischer Orden, deren Provinzen bayrisch waren, geforscht und gelehrt haben hier Italiner, Franzosen, Tschechen, Schweizer und ja, auch Deutsche, gesprochen haben sie aber Latein, gewechselt sind sie nach Pavia, Paris oder Prag, so war das damals, keine Ortsbindung der Elite, die Veröffentlichung der hiesigen astronomischen Entdeckungen wurden hier katholisch untersagt, weshalb sie im protestantischen Augsburg erschienen, der "deutsche" Feldherr kam aus Belgien, dieses "deutsche" Rokoko gibt es nur in Bayern, Klenze hat seine Architektur direkt bei Ledoux franzöischer Revolutionsarchitektur abgeschaut, auch die Hallenkirche ist in Deutschland einzigartig, weil ihr Bauherr in Frankreich gelebt hat und explizit eine französische Kirche wollte, und der Gegenreformator war ein Kläffer an kurzer römischer Leine. Wenn man nur etwas genauer hinschaut, wenn man nur ein klein wenig Ahnung hat, wird "Deutsch" zu einer Chimäre, einem Konstrukt für Idioten, die belogen werden wollen, aber es ist weder ein Kriterium noch eine Eigenschaft, und auch nicht legitimiert.

Wirklich deutsch aus kulturgeschichtlicher Sicht, wie gesagt, ist der Exerzierplatz, die Kasernen, die Kanonenfabrik, die Aussenlager, der Stahlbeton. Das können die Deutschlandgröler gern für ihre Legitimation haben, mehr ist da nicht, manche von denen finden das ja auch gar nicht so schlecht, wenn sie mit ihren langen Fahnen und kurzen Hirnen marschieren.

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Dienstag, 27. Juni 2006

Die sehr blaue Stunde

Wie lang bist du jetzt schon da?

Soll ich wieder fahren? Langweile ich dich? 9 Tage.

Ganz schön lang. Hör mal, B., zu deinem eigenen Besten: Das mit dem Fahren ist gar nicht dumm, sonst bleibst du hier noch kleben, das hier ist alles so unfassbar nett und lieblich und fett und zufrieden, die lullen dich ein und dann, zack...

Du musst reden. Wer hat denn die Torten augefahren, wer ist denn mit mir zum schwimmen gegangen, und bei wem sitzen wir jetzt?



Hm.

Ich kann auch von hier aus arbeiten, die nächsten Tage, es ist sowieso nicht viel zu wollen mit Pressearbeit, WM, Sommerloch, die Kunden sind alle in Urlaub, die zwei Dinger pro Woche kann ich per Telefon und Internet machen. Ich fahre schon wieder früh genug zurück, und ihm tut es auch gut, wenn er mal alleine ist. Bei all dem Stress. Ich kann Mama im Garten helfen, einkaufen, endlich mal wieder ordentlich essen, und es ist hier nicht so drückend heiss wie in der grossen Stadt. Jetzt will ich noch ein Stück Kuchen, und dann darfst du mich heimfahren.

Wenn es ganz dunkel ist, und alles blau verschwunden.

Genau. Ganz, ganz dunkel.

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Don Alphonsos famose Haushaltstipps

Folge 456: Alter Mörser, neu verwendet

Ein alter Mörser kann hervorragend dazu genutzt werden, nach alter Väter Sitte Pestogewürze zu vermischen, oder auch Pfeffer zu zerkleinern. Mörser und Stössel haben dabei so etwas von urwüchsiger Kraft - Pfefferstreuer sind Masturbation, Pfeffermühlen sind Petting, aber Mörser sind Ficken. Der Erwerb eines Mörsers ist also dringend zu empfehlen.



Die Reinigung des Mörsers geht übrigens enorm sauber und penibel, ja geradezu antiseptisch vor sich, wenn man neben der Metallpolitur und einem groben Schwamm auch ein Buch zur Hand nimmt, in dem akribisch beschrieben wird, welche Gifte früher in solchen Mörsern gemischt wurden, und welche Folgen sie haben.

Das erste Pesto aus so einem Mörser setze man dann trotz aller Reinlichkeit jemandem vor, dessen Gesundheit einem nicht besonders am Herzen liegt. Neoconazi-Treffen etwa bieten sich für dergleichen an, gewisse Umfelder, Kirchentage, Fanmeilen oder auch Kickoffs für Bloggerpromotion.

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Passt

Den Stoff habe ich - jetzt fehlen nur noch die passenden Möbel. Und Möbel sind momentan sehr schwer zu finden.



Man sollte immer einfach einkaufen, horten, irgendwann braucht man es. Und wenn man es nicht tut, ist es ein Fluch, der an einem klebt.

So wie die Schreibtischfrage. Bei Antik DuKanti im Prenzlauer Berg stand im Februar ein englischer Schreibtisch, so um 1850. Mit grossen Schüben, klappbaren Seitenteilen, massiv und praktisch, mit roter Lederoberfläche. Den habe ich nicht genommen, obwohl ich schon ahnte, dass ich ihn brauchen könnte. Drei Wochen später war er weg. Seitdem bin ich verflucht. Aus Regensburg kam der Anruf, dort wäre ein Marmorschreibtisch zu verkaufen. Die Anruferin, meine innigst geliebte, liebste Freundin die Frau, mit der ich wohl gerade noch gehe, machte mir den Mund wässrig, worauf ich sagte: Nimm ihn, wenn Du ihn nicht willst, ich kann ihn sicher brauchen. Sie fragte nach dem Preis, handelte etwas herunter - und ging dann nochmal schnell einkaufen, um sich das nochmal gründlich zu überlegen. Frauen. Dann war er natürlich weg. Ich bin verflucht, keine Frage. Schreibtische meiden mich, sie gleiten mir durch die Finger, ich komme immer zu spät und stets gibt es ein Problem, ich weiss, dass sie ganz nah sind, doch es mag mir nicht gelingen, sie zu erwischen.

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