: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Mittwoch, 9. Mai 2007

53. Plus 3.

Es gibt Räume in diesem Hauskomplex, die ich nicht kenne. Es gibt immer noch Bereiche, in denen ich noch nie war. Weil sie vermietet sind, weil sich die Gelegenheit nie ergab. Und deshalb beruhte die Anzahl der Räume bislang immer auf die Zählung dessen, was zugänglich war, plus dem, was ich vermutete. 53 Räume, alles in allem. Heute jedoch kam ich zum ersten Mal in das Erdgeschoss des Hinterhauses, das, seitdem ich hier geboren wurde, ein vermietetes Lager war. Schön ist es dort aufgrund des Erhaltungszustandes nicht. Eher loftartig, und genauso wird es auch, wenn es mal fertig ist.



Allerdings fanden sich darin neben einigen vermauerten Fenstern, Mauern aus der Zeit des späten Mittelalters und nachträglich einbetonierter Stahlträger auch noch zwei Räume, von denen keiner etwas wusste. Ein kleines, altes Bad, eine kleine Kammer und ein moderner, schlecht gemachter Einbau aus den 60er Jahren. Den werde ich wieder entfernen, aber ansonsten ist das Lager wieder frei und kann umgebaut werden. Also ein kleines Bad, eine kleine Küche und ein einzelner grosser Raum um die 50 m². Kosten: Viel. 15.000 bis 20.000 Euro Minimum, auch mit Eigenleistungen.

Andere würden einfach sagen: Unrestauriertes Hinterhaus, absolute Bestlage, Platz für 6 Studenten, verkaufen wir für, na 300.000 Euro. Schnelles Geld, kein Ärger, keine Investitionen in Höhe eines netten Sportwagens, ab nach Malle in eine Finca und dann einen Lotus kaufen. Ich sage: Ich habe ja sonst kein Hobby. Malle finde ich doof. Und ein Super 7 ist eh nur ein weiterer Rosthaufen, schlimmer als die Stahlträger. Glücklicherweise habe ich dafür gesorgt, dass ein durchaus brauchbarer Wasserboiler für das Bad nicht weggeworfen wurde, und nach drei, vier Jahren haben wir die Kosten wieder drinnen. Und seltsamerweise: Trotz des entsetzlichen Arbeitsaufwandes, der da unten droht, im Moment überwiegt die Freude über all das neu Entdeckte.

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Ich mag lange Texte.

Und es wundert mich schon etwas länger, dass alle so tun, als wäre jeder Text im Internet eben einfach nur so ein Text. So einfach ist das nämlich nicht. Es gibt gute Texte und Wortkotze. Und über den Unterschied schreibe ich an der Blogbar.

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Ab und zu

bekomme ich eine Mail vom PR-Mann Wolfgeng Lünenbürger-Reidenbach von der PR-Firma Edelman. In diesen Mails bestreitet er dann, dieses und jenes an diesen und jenen weitergetragen zu haben. Blöderweise ist es so, dass ich nicht mit allen über alles rede, und gewisse Dinge, über die gemunkelt wird, nur eine Quelle haben können: Ihn. Ausserdem ist Indiskretion nichts, was nicht die Runde machen würde. Nun war Wolfgang einer von denen, bei denen ich dachte, wenn der Kommerz schon kommt, dann bitte durch Leute, die wenigstens Ahnung haben. Und da lag ich grundfalsch.

Nun, heute verdient er sein Geld damit, Geschäftskunden von Edelman Ratschläge zu geben, wie man mit Bloggern wie mir umgeht. Und es würde mich auch nicht überrschen, gäbe es über mich nicht da und dort ein Profil, das sich aus privaten Informationen speist. Das gehört dazu, aber es geht auch in die andere Richtung. Kostenlos. Für Blogger.

Ich würde nach meinen Erfahrungen keine Empfehlung dafür abgeben, mit ihm über Dinge zu reden, von denen man nicht möchte, dass sie nachher an Feinde bereitwilligst weitergetratscht werden. Wolfgang ist nach meiner Erfahrung nicht allzu wählerisch, wenn es darum geht, Zweckbündnisse einzugehen und dafür auch gewünschte Unterstützungt zu liefern - und das reicht von mir bis bis zu einem Blogkäufer bei SinnerSchrader. Als es darum ging, das Entstehen von Blogkrisen für seine Seminare zu finden, war Wolfgang sehr an einer Kommunikation mit mir sehr interessiert. Heute, da er selbst im Zentrum solcher Krisen steht, pakziert er lieber mit anderen. Das ist natürlich sein gutes Recht, aber man schläft dabei ruhiger, wenn er nur wenig Verwertbares weiss. Ich weiss nicht, ob sich dergleichen aus den Notwendigkeiten seines neuen Jobs bei Edelman ergibt - er ist ja noch nicht lange so direkt in der PR als Verursacher - aber ich nehme schon an, dass da mehr ist als nur eine temporäre Verärgerung über meine Person. Ich gehe nach Stand der Dinge davon aus, dass die Mischung aus, sagen wir mal, Indiskretionen, Schaffung von Verpflichtungen über kleine Aufmerksamkeiten bishin zur fehlenden Trennung der beruflichen und privaten Dinge mehr zum Konzept gehören, als zu den Ausrutschern. Zumindest sind das die Lehren, die ich aus meiner Bekanntschaft mit ihm gezogen habe.

Ich will damit nicht sagen, dass er der Schlimmste aller PRler ist. Das alles ist eher typisch für den Beruf, und angesichts der Leichtigkeit, mit der Wolfgang bei seinen Indiskretionen auffliegt, sieht man auch, dass er selbst jetzt nicht zu den geschicktesten Vertretern der Branche gehört. In Hamburg sind die Wege zwischen den diversen Kommerzblognetzwerken ohnehin nicht weit, man kennt sich und arbeitet seit Jahren informall zusammen. Zudem gibt es bei Edelman offensichtlich kein Budget wie bei SinnerSchrader, die mal eben ein paar Dutzend Blogger mit dem ein oder anderen netten Dingelchen bei der Stange und am Fressnapf halten. Es ist also weder besonders wichtig, noch besonders ungewöhnlich - mal abgesehen davon, dass Wolfgang immer noch versucht, als Blogger zu gelten.

Ich will auch keinen abhalten, die Erfahrung selbst zu machen, das muss jeder selbst wissen. Aber man sollte meines Erachtens wie eigentlich bei jedem PRler gut überlegen, was man sagt, und was nicht. Ich hoffe, das alles war jetzt höflich und dennoch offen genug.

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Mittwoch, 9. Mai 2007

Wiedergeboren am 8. Mai

Ein arischer Recke von der - gekürzt - SS
will gerne einen Verleumdungsprozess.
Er lügt, besticht und denkt auch an Nazis
dabei sind sie doch alle die besten Bazis.

Denn was das Hinkebein einst sagte und schrie
versucht heute nun mal die PR-Industrie.
Doch statt dem Sportpalast der Sieg-Heil-Keifer
füllt er nur noch ein winziges Blog mit Eifer.

Eine Welt ohne diesen einen bösen Juden
das hätten sie gern, die Propaganda-Buben.
Das Schafott am 28. Juli soll er beschreiten
und fürder nicht mehr Endsieg2.0 bestreiten.

Doch so einfach wie dreiunddreissig Folgende
kommt es diesmal nicht zum mordend Ende.
Der Recke wird morgen wieder nur als PR erwachen
und weiter Lügen für jeden Zahlenden machen.

Sie machen halt keine Deutschen mehr wie früher.
Dafür Schleimbatzen, Cretins und Scheissebrüher,
Linknutten, ungefickte und willig Eiterschlucker
selbst für das Ding da aus der Marken Ucker -

denn jeder kann sie haben, jeder kann sei kaufen,
und auf sie setzen seinen stinkend Haufen,
das ist das Schicksal der PR-Lügen-Industrie.
Ich lebe froh und kritisch weiter. Ohne sie.

(Hier spielen Die Ärzte "Ohne Dich")

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The next Whiskey Bar

Aufgegebene Bar auf dem Parkplatz am Fuss des Hügels bei Costermano/Garda, auf dem 20.000 deutsche Soldaten und andere Angehörige der Wehrmacht begraben sind.



Ziemlich viel SS übrigens, wenn man so durchschaut. Meist als Dienstgrad wie "Sturmmann" so lala geschönt. Die meisten sind in den allerletzten Monaten und Wochen gestorben, als es bis zur Gotenlinie kein Halten mehr gab. Auf der anderen Seite des Sees ist Saló, wo die Faschisten bis zuletzt herrschten. Jetzt, kurz vor dem 8. Mai, wurde hier wieder einiges gemacht.

Es ist nicht so, dass ich an solchen Orten eine Befriedigung verspüre. Aber auch kein Bedauern. Kaum einer von denen hätte gezögert, mich abzuknallen. Viele hätten es gern und mit Überzeugung getan. Dass ich das hier schreibe, verdanke ich dem Umstand, dass solche Friedhöfe voll sind. Das klingt, das ist hart. Aber es ist nichts gegen das, was sie getan haben.

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La Noia

Ich stehe Frankreich sehr, sehr positiv gegenüber. Ein Teil meiner Familie kommt aus dem Elsass, und dort habe ich immer das "zu Hause"-Gefühl, das zu meinem Wohlbefinden zwingend erforderlich ist, sollte ich irgendwo länger als eine Woche verweilen. Frankreich - und die Franzosen - waren stets gut zu mir.

Insofern bin ich natürlich etwas ungerecht, wenn ich jetzt erst mal weniger Lust verspüre, nach Westen zu fahren. Ich werde sicher dieses Jahr zweimal dort sein, allein, weil ich zweimal im Westen Deutschlands bin und es dumm wäre, die Gelegenheit für ein paar Tage Frankreich verstreichen zu lassen. Und die paar mehr Prozent, die das französische Löpännchen gewählt haben als das italienische Benitolein, jetzt nicht wirklich viel über das Land aussagen.

Aber genauso, wie ich jedesmal bei der Fahrt nach Hessen das Würgen beim Gedanken an den Vermächtnis-Koch bekomme, wird dieser zu kurze Freak mit der komischen Nase. le Knilch, mir jeden Grenzübertritt etwas vermiesen. Wobei, ich bin mir sicher, dass der Typ noch irgendwo einen superüblen Skandal hat, der hochkommen wird. Weniger Politisch, mehr privat. da ist was, und an dem Tag, an dem es ihm das genick bricht, fahre ich gerne wieder rüber. Solange hat Italien auch eine nette Riviera.

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Montag, 7. Mai 2007

Die nackten, jungen Früchtchen

Endlich wieder mal ein pornographischer Text aus meiner Feder im GTBlog.

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Ui, das kann hübsch werden

Da hat jemand aber einen ganz dicken Bock vor die linte genommen - es gibt ein Watchblog über die bei aufrechten Journalisten für ihre Spindoktorei nicht wirklich beliebte "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft" - man kennt das, Schleichwerbung in Fernsehserien, Bezahlung abgehalfterter Grünen-Schranzen, Abfütterung mieser Johurnaille und so.

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Zurück in Grau

65 m über dem Meeresspiegel, Gardasee: 25 Grad, leicht bewölkt.



2211 m über dem Meeresspiegel, Penserjoch: -2 Grad, Schneetreiben.



Und jetzt bin ich wieder zurück. Für 10 Tage.

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Sonntag, 6. Mai 2007

Letzte Worte aus Italien

finden sich hier. Heute Abend esse ich schon wieder in Muenchen.

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Italienisches Sprichwort

für den Hausgebrauch:



Die Mutter der Idioten ist immer schwanger. Auch, aber nicht nur in Deutschland. 2.0.

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Deutsches Kommerzbloggertum von Aussen betrachtet

Oh Gott. Wenn man die Leute einfach mal zwei Wochen nicht liest und dann den Krempel wieder anschaut, merkt man erst, was da Erbärmliches am Rumwurschteln ist. Gestern in Mantua hat es am Abend eine Stunde geregnet, da habe ich mir den Spass gegönnt und einen Euro rausgeschmissen, und mir die neuesten Einlassungen aus dem Irrenhaus zu geben.

Liebe Leute: Ihr werdet davon bestenfalls vegetieren können, und das auch nur unter Zuhilfenahme von Steuerhinterziehung, Abzocken von Idioten, die Euch den Beratungsscheiss abnehmen, und Extremstrichertum mit allen Mitteln, Linkspamming und Abgreifen aller Möglichkeiten, die so daher kommen: Kostenlose Probeangebote und Chancen auf irgendwelche Gewinnspiele, denen es nur ums linkhuren geht. Und dafür müsst Ihr 24/7 auf der Suche nach Möglichkeiten sein, ihr braucht mit Schamgrenzen erst gar nicht anfangen, denn mittlerweile gibt es nicht nur ein Deutzend, sondern ein paar Hundert Spinner, die glauben, was reissen zu können. Angesichts der mauen Angebote sind das zu viele Anbieter, die es ansonsten zu nichts bringen und sich im Bloggen eine Art Phantasiewelt des Erfolgs zurechtzimmern.

Bloggen nach eurer Facon, das ist virtuelles Strassenmusizieren in der Hoffnung, demnächst an der Met dirigieren zu dürfen. Das ist hündisches Belecken der Stiefel einiger Leute, die wissen, dass sie euch nur einen Brocken vor die Nase halten müssen, damit ihr springt. Ein modernen Callot würde keine Landstreicher mehr stechen, sondern Problogger. Und wenn ihr dann den nächsten Scheiss mitgemacht habt, entblödet ihr euch nicht zu schreien, wir alle wären doch irgendwo käuflich, und Mainstream sei super, und das ganze eine Revolution. Sobald einer was aufmacht, klatscht ihr eure Fresse rein, genauso strunzdumm wie das Partygirl bei StudiVZ. Aber Hauptsache, ihr seid dabei, beim heiteren Berufsbloggen, dem neuen digitalen Lumpenproletariat, dem lustigen Pyramidenspiel für Pudel und solche, die es werden wollen. Irgendjemand wird schon dran verdienen, irgendein in Festanstellung befindlicher PR-olet, der einen Haufen willige Blogger im Portfolio haben will. Und insgeheim hoft ihr alle, so einer da oben zu werden und auch Blogger abzuzocken, oder sich mal wenigstens mit einem Urlaub schmieren zu lassen.

Geht mal kellnern. Und leistet Euch vom Trinkgeld eine Woche Gardasee. Und den Euro am Ende, um die kranke Scheisse mal zu lesen. Vielleicht hilft es ja.

Disclosure: Abreise aus Italien und übertriebene Toleranz passen nicht zusammen.

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Samstag, 5. Mai 2007

Kotzen beim ersten Oeffnen

Man macht ein neues Kommerzblogprojekt auf, und wessen widerliche Fres Antlitz sieht man als erstes? Einen Herrn Adabei aus Kiel, fuer jede Marketingnummer zu haben. Den wildgewordene Vertriebler in seiner Rolle als Moechtegern-Raeppa, der irgendwie die richtige Zeit zum Ausstieg verpasst hat, der zu faul ist, eine eigene Rechnung zu schreiben. Und zu feige, die Quelle zu nennen.

Und tschuess. Da kommen ja die richtigen in einem Boot zusammen. Torpedo, anyone?

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Verleihnix heisst heute SinnerSchrader

Stinkende Fischkoepfe, abgeschnitten und serviert von Thomas Knuewer. Und diese Bande hat es gewagt, mich fuer sowas einzuladen. Wer isst dergleichen bitte freiwillig in so einer runtergewirtschafteten Borze, neben sich die Pauschaladabeis des Web 2.0?

Kein Klo einer Touristenabsteige an der Arena kann so wenig einladend sein.

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Empfehlung des Hauses

Man muss redn mid de Leid, sagte meine Grossmutter immer, und wie immer: Sie hatte recht. Selbst wenn es der Schutzmann, dem sie einen meiner Strafzettel wieder abgeschwatzt hatte, nicht so sah. Ich denke, ich wäre genau so ein Pauschalidiot wie Millionen anderer, würde nicht dauernd eine mehr oder weniger kluge Frage über meine Lippen kommen. Einzige Ausnahme: Die Frage nach dem Weg. Einerseits habe ich ein phänomenales Orientierungsgefühl, andererseits, wenn ich mich dann doch mal verfahren habe, bin ich halt erst mal woanders. Passt auch. Es wird schon irgendwann zurückgehen, und man kann auch mal schauen, was das Unbekannte bringt. Das vielleicht beste Risotto meines Lebens verdanke ich dem Umstand, eines Abends die Strasse nach Cremona verpasst zu haben.

Aber ansonsten: Reden. Die Italiener haben einen unerschütterlichen Gleichmut, ein und das selbe immer wieder zu erklären, bis man es verstanden hat. Und ich bin bei ihren Empfehlungen fast nie reingefallen. Wenn man erst mal von einem Clan akzeptiert wird, schleift einen der Clan durch alle Lebenslagen, immer zugunsten des Clans, aber auch zugunsten des Anderen. Das ist übrigens sehr bayerisch. Deshalb achte ich auf Empfehlungen des Hauses. Deshalb bin ich jetzt auch da, wo ich bin, in diesem zeitlosen Zustand, und wenn ich wollte, könnte ich das Zimmer für eine weitere Woche, ein Monat, ein Jahr haben, und immer um 9.30 würde die Signora klopfen und mir das Wasser für den Tee bringen und sich wundern über meine Arbeitswut am Computer.



Ich bin Historiker. Und in meinem tiefsten Inneren davon überzeugt, dass die besten Fehler, aus denen man lernen kann, bereits von anderen begangen wurden. Um das mal an einem nichthistorischen Beispiel zu illustrieren: Ich schaue bei Konditoreien in mir nicht bekannter Umgebung immer erst mal nach, ob sich dort fette, alte Tanten mit übermässig Goldschmuck finden. Die fette, alte Tante mit übermässig Goldschmuck ist das Trüffelschwein der Tortenliebhaberszene. Die fette, alte Tante mit übermässig Goldschmuck musste bis zu diesem Zustand drei mal mehr Torten essen, als mir in meinem bisherigen Leben vergönnt war, und sie bringt deshalb aller Erfahrung der Welt mit. Bitte, ich würde meine Zeit nicht mit dieser Dame verbringen wollen, ihre Ansichten wären jenseits von Torten mit den meinigen unvereinbar, aber die vielen zu trockenen, zu matschigen und zu kalorienarmen Torten ihres Lebens machen sie zu einem idealen Studienobjekt für Qualität.

Man macht auch als Historiker ebenso vermeidbare Fehler anderer, vorhergehender Deppen, wie sich BWL-Professoren als Gründer ruinieren. Man weiss sogar, dass es falsch ist, man tut es trotzdem. Zwar haben nicht alle Berater der Welt die New Economy gerettet, und auch ein Leporello, der verifizierbar mit allen seinen Befürchtungen immer recht hat, kann Don Gionvanni nicht vom Verderben abhalten. Mit Empfehlungen ist es also immer so eine Sache. Aber nach einer Nacht des Überlegens und des Lesens Eurer Kommentare bin ich doch zum Schluss gelangt, dass ich diesmal im GT-Blog das tue, was ich bei Israel mit einem komischen Gefühl habe bleiben lassen: Ich werde ein paar Adressen und Empfehlungen aufschreiben. Keiner zahlt mir was dafür, es passt mir auch nicht allzu gut ins Konzept des Blogs, das Kultur und Reisen als Hauptthema hat, aber während ich das hier schrieb, ass ich ein Vanilletörtchen von Panificio Pavesi, und dabei leckte ich die Amarena-Kirsche aus der klebrigen Sahnemasse heraus und biss hinein, woraufhin der Saft in seiner ganzen Süsse auf meine Zunge -

Ich wäre ein gottverfluchtes Scheusal, würde ich Euch dergleichen nicht empfehlen!

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Freitag, 4. Mai 2007

Oh bitte

Nur einmal was anstaendig machen. es gibt eh zu viel Loboisches, Edelmanisches etc. in dieser Welt.

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Nachzeit

Ich wollte bis Samstag bleiben, denn bis dahin hatte ich gebucht. Dann bekam ich das Angebot, ein Zimmer zu mieten, für das man eine Empfehlung braucht, weil die Signora nicht jeden nimmt. Ich sagte, ich bliebe bis Mittwoch Morgen. Dann bis Freitag. Und gerade eben habe ich noch bis Sonntag verlängert. Für die Signora geht das in Ordnung, ich bin ein Gast, wie man sich ihn wünscht, höflich, sauber, still, am Morgen vor dem Rechner und ab Mittag bis Mitternacht unterwegs. Und so ziehen die Tage gleichmässig dahin, um zehn Uhr bekomme ich mein Wasser für den Tee, um elf wird das wenige gemacht, was im Zimmer zu machen ist, um ein Uhr verlasse ich das Haus, egal bei welchem Wetter, ich weiss schon, wo ich hin muss, damit es nicht regnet. Ich kenne die Wolken hier und den Wind und ihre Bedeutung.



Es gibt Tage, da sage ich sehr wenig, und andere, da rede ich fast zu viel. Das hängt ganz von den Leuten ab, die ich treffe, oder die vorbeikommen. Aber es ist nicht wichtig. Ich überfliege ein paar Mails und wundere mich ein wenig über die Hektik, die da herrscht, und es ist mir inzwischen egal, ob ich an einen Netzanschluss komme, oder nicht. Irgendwo da im Norden muss Deutschland sein, aber es kommt hier nur sehr gedämpft an. Es ist Anfang Mai am Gardasee, die Horden der Brückentage sind wieder verschwunden, alles ist leer, und das ist gut so. In ein paar Wochen wird das alles ganz anders sein, dann ist Pfingsten und die Massen fallen ein. Bis dahin gibt es hier nichts von Bedeutung. Ohne dass mir etwas fehlen würde.

Eine Bekannte fragte mich gestern bei einer russischen Torte in Verona, ob ich denn hierher ziehen würde. Das ist so eine Frage - wenn man russische Torte in Verona isst und gute Torten mag, sagt man tendenziell eher nein. Die italienische Tortenkunst ist aber auch einer der wenigen Gründe, die dagegen sprechen. Man muss sich das mal vorstellen: Verona muss eine russische (!) Torte kopieren, um eine eigene Spezialität hervorzubringen. Wie mies ist das denn bitte. Wobei, Opel baut ja auch Autos, die wie drittklassige Kopien amerikanischer Kleinwägen aussehen. Meine Bekannte jedenfalls stammt aus Frankreich und hat schon in Paris, Dijon, Düsseldorf, München, Algerien, Rom und Neapel gewohnt, bevor es sie nach Verona verschlagen hat - und wenn sie könnte, würde sie zurück nach Dijon, dem Ort ihrer Kindheit gehen. Ich kenne Dijon ganz gut, und ich frage mich, wie man sie nach den 20 Jahren Italien dort empfangen würde, so laut, wie sie italienisch und durcheinander bei Bedarf englich, deutsch und französisch kräht, mit ihrer vollkommen italienischen Gestik und all den Unarten und Oberflächlichkeiten, die man sich hier unten schneller aneignet, als einem selbst bewusst ist. In Deutschland fände ich es vielleicht seltsam, wenn jemand, ohne meine Antwort abzuwarten, aufspränge und zu einer Freundin liefe, die gerade des Weges kommt. Hier ist es... es ist eben so.



Und obwohl die Fassade hier so laut und bewegt ist, trotz all der Geschichten am Wegesrand und der Eindrücke, die an jeder Ecke auf den Kundigen warten: Es geschieht nichts. Mein Italien ist ein Land des totalen Stillstandes. Es ist schwer zu erklären, aber ohne den Blick auf die Metadaten der Photos weiss ich nicht mal mehr, welcher Tag heute ist. Es könnte noch Monate so weiter gehen, es fehlt hier an nichts, und ob der See sonnenüberflutet ist, diesig oder regenverhangen, oder ob der Vento die Wellen peitscht, dass die Schwalben in ihrem rasenden Flug vor meinem Fenster in der Luft still stehen, ist mir gleichgültig, solange der See nur da ist und vor meinem Fenster liegt.

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Donnerstag, 3. Mai 2007

Naechste Woche,

spaetestens aber uebernaechste Woche wird es ein paar Erschuetterungen geben. Einen Praezedenzfall. Keine Werbung, keine PR, auch nichts, was mit meinen Blogs direkt zu tun hat, oder auch mir. Aber da kommt was. Und es ist nicht wirklich schoen, fuer gewisse andere.

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Widerliche Berufe Folge 1.456: Multiplex-Betreiber

Ich habe mal einen Beitrag über den Pressesprecher eines Multiplex-Konzerns geschnitten. Die Journalistin hat etwas grandioses gemacht: Sie hat ihn reden lassen. Einfach reden. Ohne jede Manipulation wurde sehr schön deutlich, wie Multiplexbetreiber ticken. Ich glaube nicht, dass jemand, der den Beitrag gehört hat, danach nochmal in ein Multiplex gegangen ist. Wer hört sich schon gerne an, dass er der letzte Depp ist, der zahlen und ansonsten bitte möglichst viel anderes Zeug konsumieren soll, damit die Rendite der Aktionäre und der Smart Guys in Hollywood stimmt. Der Mann war zynisch wie die GeStaPo, und dennoch erzählte er, dass er bei Titanic geflennt hat. CRETINO!
Leider gibt es viel zu wenige derartige Interviews:



Zumindest für das Cinema Corso in Vicenza kommen sie in jedem Fall zu spät. Aber noch steht es, und laut der Bedienung im sehr feinen Cafe daneben ist es wohl so, dass darüber verhandelt wird, hier doch wieder ein Kino zu eröffnen - angeblich ist die Inneneinrichtung noch weitgehend original, und ansonsten gibt es in der Innenstadt kein Kino mehr.

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Darf ich was fragen?

Lieber Leser, ich blogge ja gerade über meine Italienreise. Gleichzeitig bekomme ich Post von Leuten, die - mal wieder - über das leidige Thema Empfehlungsmarketing "social" commerce und so Sachen nachdenken. Und auch mal wieder ein Übernahmeangebot. Die Welt ist völlig gaga, besonders, wenn man mal 2 Wochen überhaupt keine Blogs ausser den eigenen liest; dann merkt man erst, wie, hm, fragwürdig da manche Ansätze sind, wie verbohrt sich da welche in einen Markt begeben, der keiner ist.
Ich verkaufe keines meiner Blogs, und solange die Konditionen nicht exzellent und vor allem langfristig gesichert sind, gehe ich auch nirgends an Bord. Was mich aber interessieren würde, ist, ob ich tatsächlich in der Lage bin, etwas, von dem ich überzeugt bin, schmackhaft zu machen. Der Gardasee und die Region ist zuerst mal eine Landschaft, dann Geschichte, und erst ganz zum Schluss, aufgrund unseres kapitalistischen Systems, kommerziell. Auch Vermieter wollen leben, und wenn etwas Gutes auf den Tisch kommt, zahle ich überall auch gerne einen guten Preis. Vom Niveau her ist die Region nur unwesentlich über Deutschland, und nähme ich mein Zimmer für einen Monat sicher, müsste ich gerade mal 500 Euro zahlen. Ich schreibe nicht über Pauschalangebote von Tuneckexphlxkotzwürg, sondern mehr über Reisen im Sinne von dort leben. Die sicher nicht unsexy wirkende Barchetta wird von Fiat schon lange nicht mehr gebaut. Und ich habe kein Problem damit zu sagen: Wenn sich jemand überlegt, Urlaub zu machen - die Ecke, die hat was, die kann ich unbedingt empfehlen.

Was mich jetzt zu empierischen Zwecken - einfach, weil ich es nicht weiss - interessiert: Wie sehr ihr die Sache?

1. Würdet Ihr daraufhin die Region vielleicht mal ausprobieren, wenn ihr sie noch nicht kennt?
2. Mache ich Euch die Region so schmackhaft, dass ihr zumindest ernsthaft überlegt, dorthin in diesem Jahr zu reisen?
3.Würdet Ihr mir noch glauben, wenn diese Reise vom Fremdenverkehrsamt Malcesine bezahlt wäre?
4. Würdet Ihr mir noch glauben, wenn ich klassische Bannerwerbung für diese Region geschaltet hätte?
5. Wie würdet Ihr reagieren, wenn ich bezahlte Links zu Werbeangeboten anbieten würde?
6. Wie würde sich Eure Sicht ändern, wenn das GTBlog (oder etwas Ähnliches), so wie es ist, zwar von mir geschrieben, aber von einem Kommunikationskonzern (Journalismus) bzw. von einer Firma (PR) betrieben werden würde?

Bitte, keine Panik, das ist weder Marktforschung noch eine Ankündigung. Es ist kein Geheimnis, dass ich als Journalist Texte für Geld schreibe, und ich habe auch nichts prinzipiell gegen PR. In all den Gesprächen höre ich immer diese Mutmassungen über Blogleser. Nachdem das hier eines der bekanntesten Blogs Deutschlands mit doch einigen Lesern ist, möchte ich einfach mal die Probe auf all die Vermutungen machen. Zu gewinnen gibt es nix, keine Digicam und auch kein Wochenende für zwei am Lago. Null.

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Mittwoch, 2. Mai 2007

Der Niedergang der deutschen Pharmaindustrie

an meinem eigenen Beispiel geht so. Am Tag der Abreise hatte ich Asthma, Heuschnupfen, in der Folge auch noch eine massive Grippe, Verdacht auf Lungenentzündung und durch den miesen Allgemeinzustand auch noch massive Zahnschmerzen, wenn ich offen fuhr. Am Tag davor hatte ich es zu Fuss zweimal durch die Stadt geschafft und war einmal die Treppen hochgekommen, ohne zwischendrin eine Pause einzulegen. Am ersten Tag der Reise kippte ich in mich so hinein:

ca. 12 Stösse Chromohexal Bronchienspray, immer wenn es akut war - es war eigentlich immer akut
4 Stück Ceterizin - praktisch wirkungslos und eben deshalb keine Überdosis
4 Stück Grippocaps - lieber an Überdosis sterben als zu Tode husten
3 Ibuprofen 400 mg - die erste war prophylaktisch, die anderen waren lebensrettend

Ich war früher mal Profifahrer, ich nahm wenig befahrene Strecken, und wenigstens trinke ich keinen Alkohol und nehme keine Drogen. Ich kam ohne andere Probleme gut an, und ich fühlte mich zwar weiterhin krank, aber auch - irgendwie luftig. Was überraschend war, angesichts des Umstandes, dass mein Körper durch das Gejapse ziemlich aufgequollen war. Muss was mit der Menge zu tun haben.
Nach 10 Tagen Italien und ohne Pollen, die mir Probleme verursachen, nehme ich:

1 Ibuprofen 200 mg prophylaktisch für den Zugwind und
1 Grippocaps, auch nur wegen der Sicherheit.

Ich fühle mich immer noch luftig, aber anders luftig. Ich fresse wie ein Scheunendrescher, und habe dennoch 2 Kilo abgenommen. Italien kann ich zur inneren und äusseren Anwendung also wärmstens empfehlen, zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie ihren Auswanderer und die Leute, die BWL schmeissen, um Kunstgeschichte zu studieren. Und die Pharmajungs, die bei einem ihrer besten Kunden in 10 Tagen 90% Umsatzrückgang verzeichnet haben.

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Unbedingt merken:

Bergpesto a la kleine Trattoria in winzigem Kaff bei Montebello: Olivenöl, wenig Knoblauch, viel Grana Padano, und dann: Schnittlauch, Rucola, Rosmarin und normalen Lauch, dazu geriebene Pinienkerne.

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Peppones Erben

Das also ist der 1. Mai in Italien, dem Land mit der grössten kommunistischen Partei Westeuropas. Ein Feiertag wie jeder andere auch. Demos so leer wie Kirchen.



Bemerkenswert: Für Schwarzafrikaner, die hier in Italien wenig zu lachen haben, ist es eher ein Tag der ethnischen Selbstfindung. Aber sie sind wenigstens präsent. Italiener selbst kommen lieber mit dem Rad. Weil Auto, das wäre nach den Stunden an den Fässern keine gute Idee.



Und dann ist da das Pärchen, das ein so gar nicht in die Kirche passte. Er war ein Stier von einem Mann, ein echter Peppone, und sie war klein, drall und so rund, dass alle paar Schritte das zu enge Shirt über die Hüften über den Bauchnabel rutschte. So gingen sie in der Franziskanerkirche vor zum Altar, am Mönch vorbei, angesichts dessen das Mädchen das Shirt so weit runter zog, dass es um die Brustwarzen zu platzen drohte, etwas kicherte, und dann vorne am Seitenaltar...

nichts kommunistisches tat. Kein Sakrileg, nichts. Sie zündeten zusammen eine Kerze an - vielleicht für den Nachwuchs? - und gingen wieder. Sonst nichts, am Ehrentag des Sozialismus. Am Abend dann war Massenandrang bei den Take Aways.



Feiertag eben. Irgend so ein Feiertag. Dass ausgerechnet Italien die volle Ladung Globalisierung durch Schuh- und Textilimporte aus China abbekommt, dass die neue Regierung auch weiterwurschtelt und Berlusconi immer noch in Freiheit ist, all das scheint kein Thema zu sein. Auch nicht am 1. Mai.

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