: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Montag, 4. Juni 2007

Danke, Maternus

Ich habe mal eine grössere Arbeit über die Fragestellung der unsicheren Existenz christlicher Inhalte in der staatlichen Propaganda Konstantins geschrieben. Deshalb war ich über einen Artikel in der FAZ doch etwas erstaunt, so mies und übel dort über die Konstantinausstellung in Trier berichtet wurde. Freundlicherweise hat Maternus die Aufgabe übernommen, das Machwerk gebührend zu würdigen. Nur eine kleine Anmerkung: Ambrosius von Mailand, der in der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts wirkte, trat in seinen Briefen durchaus für die Verfolgung von Nichtchristen ein - damals hatte man eine Synagoge angezündet, und Ambrosius sah überhaupt nicht ein, dass die Christen jetzt zahlen sollten. Der mörderische Zweck der vom Judentum abgefallenen Sekte der sog. "Christen" trat also recht früh zu Tage, weitere Beispiele findet mal bei der Politik eines Augustinus von Hippo - und 415 wurden Treffen von Donatisten bei Todesstrafe verboten. Es ging sehr schnell, damals, aber nicht so flüchtig wie bei der FAZ.

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Wie geht es weiter mit Creative Commons?

Das Blog hier steht unter Creative Commons, das heisst, ich stimme einer Aufweichung meines Urheberrechts für nichtkommerzielle Nutzer zu. Ich habe das hier zugelassen, weil meine Inhalte qua Beruf und Werk mutmasslich oft den Punkt erreichen, an dem man von einer schöpferischen Fallhöhe spricht. Und damit ist das Kopieren nach Gesetz eine Verletzung meines Urheberrechts; ein Schutz, auf den ich keinesfalls verzichten möchte angesichts der diversen kleinen Diebe da draussen, die über RSS und Adwords und andere Methoden einen Reibach machen wollen.

Als ich das Bapperl mit den begrenzungen da unten hingesetzt habe, war es eine leichte Entscheidung: Blogger und viele Foren könnten sich bedienen, und das, was ich verschenke, kann zur Kommunikation beitragen. Es war eine Zeit, in der ausser ein paar Spinnern keiner davon sprach, dass man die Blogosphäre kommerzialisieren könnte.

Heute ist das grundsätzlich anders, und so stellen sich für mich ein paar Fragen, die generell wichtig werden könnten.

Erstens: Wenn ist ein Blog ein kommerzielles Angebot? Bei Adsense? Wenn es bei Trigami bezahlte Inhalte abliefert? Wenn es bei einer Vermarktungsgesellschaft ist? Wenn es von einer Firma übernommen wird? Was ist, wenn der Beitrag, für den meine Inhalte verwendet werden, selbst dezidiert nichtkommerziell ist und das Blog nur ab und an kommerziell wird?

Und die Frage, um die es gerade als Anlass geht: Wie geht man, egal ob als Inhalteanbieter oder Nutzer mit einer Veränderung um? In einem Fall hat jemand von mir einen kompletten Text genommen. Die Quellenangabe war nicht perfekt, aber er hat das gleiche CC-Bapperl wie ich, und damit war es ok. In den letzten Monaten hat sich das Blog aber massiv verändert, und in meinem Text sind Textlinks eingebaut. Es ist keines der grossen, bekannten Blogs, und der Text gammelt bei dem auch nur im Archiv. Keine grosse Sache, eigentlich. Der Übernehmende weiss um die Sache und lässt hin und wieder durchblicken, dass er meine Haltung zu Werbung nicht mehr teilt.

Meine Ablehnung gegenüber dem streng gefassten Urheberrecht, gegen dessen Novelle ich beim Radio mit allen Mitteln - auch juristischen Mitteln gegen den Sender - gekämpft habe, hat mich dazu gebracht, es hier - in meinen Augen sinnvoll - aufzuweichen. Und es ist eine besondere Ironie, dass ausgerechnet diejenigen, die davon gerne profitiert haben, heute als Kleinstmedienfirmen dafür sorgen, dass ich mir Gedanken darüber machen muss, das Bapperl wieder wegzunehmen und durch eine striktere Regelung zu ersetzen.

Klingt wie eine Kleinigkeit, aber angesichts des Kampfes von 2000/2001 ist das eine verdammt harte Entscheidung. Man verschone mich aber in Zukunft bitte mit Solidaritätsaufrufen, wenn man als Kleinstmedienunternehmer an Leute gerät, die die Sache von Beginn an ernst genommen haben und keine Rücksichten kennen.

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Sonntag, 3. Juni 2007

Mit neuen Augen sehen

Es trägt nicht wirklich zur Entmystifizierung des Cabriofahrens bei, wenn ich an dieser Stelle eingestehe: Ja, man erlebt die Welt völlig anders. Man ist nicht mehr entkoppelt, da sind Geräusche, Gerüche und der Fahrtwind, und als ich diese Woche zum ersten Mal seit Monaten wieder ein geschlossenes, hochmodernes Fahrzeug bewegte, fühlte ich mich, als hätte ich aus Versehen eine Überdosis Beruhigungsmittel in mich reichgeschüttet. Das lauteste Geräusch war das Sirren der Klimaanlage, die mich mit einer Luft anpustete, der alles Lebendige fehlte.

Abgesehen vom reinen fahrerlebnis sehe ich nun nicht mehr nur die Welt, sondern auch meine bevorzugten Einkaufsmöglichkeiten anders. Die Mitbringsel werden durch die Raumnot kleiner und feiner, Geschäfte mit Gepäckstücken und Kleidung werden ganz neu nach anderem durchsucht, ich trage ernsthaft Sakkos mit Aufnähern an den Ärmeln sowie Lederjacken und habe als notorischer Kopfbedeckungsablehner inzwischen 5 Kappen, Hüte und ähnliches nur für die Fahrerei ohne Dach und - Gott liebt auch die Weicheier - Windschott.

Während ich auf Floh- und Antikmärkten ausschliesslich Dinge für den stationären Gebrauch suchte, schaue ich nun nach Dingen zum Mitnehmen, und hier besonders Bewährtem gegen die Ereignisse, die einen beim Cabriofahren so ereilen. Nach der letzten Reise etwa suche ich dringend Damenhandschuhe. Es war nämlich so, dass die Copilotin auf den Pässen und des Nachts meine Nothandschuhe tragen musste, die im Handschuhfach für eben solch unvorsichtige Zeitgenossen liegen. Italien ist ein Wämeversprechen, das jeden zweiten, dritten tag auch im Mai noch gebrochen wird, und die Heizung des Wagens genügt allenfalls südsizilianischen Ansprüchen. Da sass die grazile Copilotin also und hatte sehr, sehr unförmige Dinger an den Händen, bis sie dann selbst Abhilfe schuf.

Doch schon in zwei Wochen wird eine neue Copilotin neben mir sitzen, und dann das Wetter des Nordens und den Fahrtwind unterschätzen. Nun käme ich mir etwas blöd vor, in ein Fachgeschäft zu gehen und Handschuhe für Frauen zu kaufen, deren Grösse ich naturgemäss nicht kenne. Doch glücklicherweise, auf einem Markt, wo ich üblicherweise so gut wie nie etwas finde:



Auf diesem Markt war eine Frau, die noch ungetragene, originalverpackte Damenhandschuhe aus den 50er oder 60er Jahren hatte - das Geschäft, aus dem sie laut Preisschild am roten Faden stammen, wurde vor über 30 Jahren übernommen und hat längst einer drittklassigen Parfumerie weichen müssen. Sie sind so fein und weich, dass jede Ohrfeige damit immer noch eine Liebkosung wäre. Und als ich schon gezahlt hatte, sah ich aus dem Augenwinkel noch ein Portemonnaie wie -

das zu erklären, wird etwas komplex, die Kurzversion: Ich habe einen Geldbeutel, in dem die letzten 20 Jahre meines Lebens stecken. Als ich 20 wurde, beschlossen meine Eltern, dass es Zeit sei für ein richtiges Stück, gingen in das erste Haus am Platz und kauften ein Portemonnaie, das von den Gummigeschossen und dem Reizgas im Gaza bis zum winterlichen Ausrutscher in den Atlantik bei Lissabon alles mitgemacht hat. Die Idee meiner Eltern, mir etwas ungewöhnlich Teures und Schweres zu kaufen, das man immer fühlt, hat funktioniert und dafür gesorgt, dass es letzten Monat auch eine Trickdiebattacke in Brescia überstanden hat. Der Weg zu meiner Brieftasche führt nur über meine Leichte.

Doch nach den 20 Jahren ist sie fraglos defekt, das Leder ist gerissen. Aber ich kann mich nicht einmal dazu durchringen, sie zum Schuster zu bringen, selbst wenn mitunter die Münzen aus einer geplatzten Naht auf den Boden kullern. Sollte ich mal drei Monate nichts zum bloggen wissen, würde ich sie einfach ausleeren und erzählen, was sich da in den letzten zwei Jahrzehnten an Erinnerungen angesammelt hat.

In Italien habe ich mich jetzt seit 2 Jahren dauernd nach einer Alternative umgeschaut. Das Original der britischen Nobelmarke gibt es nicht mehr - zu teuer sei das gewesen, man habe diese Stücke kaum verkauft, meinte man in der Niederlassung in München - also suchte ich immer wieder mal. Aber selbst der gute Taschenmacher, der selbst seit 40 Jahren eine Tasche eines anderen Handwerkers benutzt, hatte nichts, was meinen Vorstellungen und Ansprüchen entsprach. Ganz zu schweigen von all dem üblen Zeug aus Fernost, das auch in Italien längst eine unschöne Kultur der fehlenden Nachhaltigkeit erzeugt.

Nur hier, auf diesem schlechten Markt, in einer Kiste ganz unten, war aus dem gleichen Geschäft wie die Handschuhe ein Portemonnaie, nagelneu und unbenutzt und aus dem genau gleichen Material, in der gleichen Farbe wie meines, aus einer Zeit, in der man lediglich Visitenkarten hatte, und Bilder der Familie. Oh mei, 10 Cent, sagte die Frau hinter dem Tapeziertisch. 10 Cent, sagte ich. Gut. Nicht, dass ich jetzt umräumen würde - aber sollte dereinst das alte Stück wirklich nicht mehr tragbar sein, dann habe ich jetzt Ersatz: Gleiches Format, gleiches Lederl, gleiches Gefühl, und der Preis "damals" laut innenliegendem Zettel: 148,50 DM. 1965 kostete ein neuer VW Käfer 5000 Mark.

Und dann war da noch das Opernglas aus der Zeit um 1840. Komplett aus Bronze, früher vergoldet, und nicht mit einer angesetzten Stange, sondern eine Öse im Metall. Komplett zerlegbar für die Reinigung. 1840 dachte man eben noch an nachfolgende Generationen, die gegenüber dem Händler den Staub im Glas bemängelten und wussten, dass sie es zu Hause öffnen und herrichten konnten. Es ist schlichtweg das Opernglas, das die Copilotin heben wird, hinüber zum Tisch eines Restaurants sieht und dann fragte: Don, was essen die dort? Und ich werde antworten: Ich weiss es nicht, aber sicher kein Mintplätzchen, dessen Geschmack ich verabscheue, aber dessen Werbung ich bis heute als wunderbar arrogant empfinde. Sodann wird die Copilotin sagen: Gib Gas, Don. Und sie legt das Fernglas in das Handschuhfach, zieht die feinen braunen Handschuhe an, und wir entschwinden hinter einer saftig grünen Hügelkuppe in die Richtung, wo Italien liegen muss.

Und zwar weitaus früher, als meine Feinde das, egal ob mit neuen giftgrünen oder alten rotgeränderten Augen gern sehen würden.

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Sonntag, 3. Juni 2007

Dem Jahrmarkt der Eitelkeiten entrungen

ich bin ein grosser Freund der Kreislaufwirtschaft. Man muss es so sehen: Diese Dame hatte ein hohes Interesse daran, hübsch auszusehen. Dafür bezahlte sie einen Künstler, und blieb lange in der Familie. Mir wiederum gefällt sie.



Und deshalb werde ich, steht zu befürchten, einen hohen Preis für sie zahlen. Und das Geld dafür nehme ich von einer Firma, die kleine Beträge von heutigen Frauen nimmt, die wiederum gut aussehen wollen und sich dafür wertloses Paier andrehen lassen, und das alles für ein Bild, auf dem ich hübsch aussehen wollte.

Somit könnten eigentlich alle zufrieden sein. Sogar die Dame, die auch nach 240 Jahren einen neuen Liebhaber finden wird.

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Reale Geschwindigkeit

Nachdem ich heute gezwungenermassen mit einem Haifisch einen Termin ausserhalb hatte und wir sein Auto nahmen, das zwischenzitlich bei schwerem Regen weniger als 10 Meter von einem vor uns auch schon mit 160 rasenden BMW entfernt war, bevor ich dann wirklich "BREMS!" schrie und mir der Haifisch eröffnete, dass es gut sei, wenn ich etwas sagte, denn er habe seine Kontaktlinsen nicht drinnen und sehe kaum was -

nachdem ich heute also einen Haufen verbale Kündigungsgründe in hässlicher Landschaft los geworden bin, erscheint es mir richtig und angemessen, nochmal auf mein Verhältnis zu Geschwindigkeit und Automobilnutzung unter Berücksichtigung von Wägen hinzuweisen, denen dankenswerterweise trotz traumhaften Aussehens bei 140 die Puste ausgeht. Ich bin für Tempolimit 120 auf der Autobahn und 90 auf der Landstrasse ohne Gnade und falsche Rücksicht auf Raser.

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Blog entdeppen

Auch nicht ohne: Den Trackbacks eines erbärmlichen Trafficlutschers löschen, der in seiner Kommerzscheisse im Gegensatz zur eigenen Meinung davon schreibt, dass Backlinks was für das Business einbringen. Sehr meta.

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Freitag, 1. Juni 2007

Heute in der Reichshauptstadt:

Blogbuchpremiere! Endlich mal wieder. Da muss man hin, das wird ein Spass, da wäre ich auch gerne.

Wenn es nicht in Berlin wäre.

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Leute, die auf Konferenzen nicht "DAS Blog" sagen

sollten einfach zum Thema das Maul halten, und zwar für immer. Und Kinder mit anderen Leuten zeugen, die "Ned" statt "Nicht" schreiben. Ich glaube nicht, dass diese neue Rasse dann besonders überlebensfähig sein wird.

Wobei ironischerweise der Wissenschaftlerheini, der nicht "das" sagt, von seiner White Trash Tussi aufgewogen wird - denn bei deren begrenzter Fähigkeit zur Artikulation wird es gesprochen wieder bei Ähischabnnblog ankommen, und die Maulfaulheit wird das zweite n dann endgültig verschleifen.

DAS BLOG. IHR AKULTURELLEN STINKER.

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Real Life 31.5.2007 - Die Handwerker im Haus

Ja. Ja, ruf mich unter meiner Privatnummer an, ich bin da. Nein, heute nicht im Büro. Nein, ich kann nicht. Ich habe gerade die Handwerker im Haus.

Haifisch 1 lässt den Kugelschreiber mit KPMG-Logo fallen. Draussen rauscht die Isar, die Sonne scheint, aber die Vorhänge im Home Office sind zu, und hier rauscht nur der Beamer vor sich hin. An der Leinwand liest man etwas über Strategien in einem Fall, der Haifische benötigt, um aus einem fernasiatischen Land Gelder zu holen, die dummerweise etwas nachlässig an Subunternehmer gegeben wurden, und die Tricks, mit denen man beweisen will, dass diese wiederum mit Deutschen zusammenhängen, die man hierzulande aus Büros pfänden könnte, die ähnlich gestaltet, aber nicht so schön gelegen sind wie das hier. Der Besitzer verlässt den Raum und schliesst die Tür. Du sagst nichts. Keiner sagt etwas. Kann durchaus sein, dass er schlecht sagen konnte, er baldowere gerade mit ein paar juristischen Knochenbrechern das Arschaufreissen aus. Aber Handwerker?

Gut. Du bist hier der Handwerker. Du könntest beispielsweise auch Stuck an die Decke machen, Regale schleppen oder den Wasserhahn in Ordnung bringen, der hier in der Gästetoilette nicht ganz dicht ist. Allerdings bist auch du hier, weil vor sieben Jahren jemand anderes nicht ganz dicht war. Und tatsächlich streitest du dich auch mitunter wie ein Kesselflicker, wenn es um das Stopfen von Geldlöchern in steuerbegünstigten Kapitalanlagen und was davon übrig ist geht. Du kannst damit leben. Aber die Haifische beschliessen nach einer halben Stunde, dass sie jetzt genug haben, packen die Notebooks ein und machen mit der Privatsekretärin einen neuen Termin aus, zu dem du gerade in Köln sitzen und einem Haufen mässig gewaschener Evangelen einen Eindruck von Höflichkeit im Internet vermitteln wirst. Aber noch bist du in München.



Und von der Bürohöhle im Lehel, vor der du die Haifische verlässt, über den englischen Garten bis zur Ludwigsstrasse entfaltet diese Stadt wieder ihre ganze sagenhafte Pracht. Selbst mit all dem Erlebten hinter dir, mit alln dieser typischen Art, mit der hier das geld gemacht, gehortet und verteilt wird, das die Grundlage für diese Welt ist - ist München immer noch die schönste Grossstadt Europas. Weil es so wenig Elend gibt, weil das Problem des Boulevards die Geschäftsmieten von 260 Euro pro m² sind, und weil das Riva, das sich in seiner erbärmlichen Kälte in den Räumen des ehemaligen La Boheme breit gemacht hat, so wunderbar leer bleibt, während alle anderen Cafes voller schöner, sauberer Menschen sind. Und nirgendwo ein eine Ansammlung von Notebooks steht, die das urbane Pennertum verkündet. Und das Licht. Und das Blau des Himmels. München eben. Die Stadt wird immer die Kraft haben, in Minuten all das wegzuwischen, was sie einem seit Jahren stets aufs neue vergällt.

Und so fährst du durch deine alte Strasse, und denkst, dass alles prima ist und man hier durchaus wieder leben könnte, vielleicht ein Zimmer mehr und ein Platz in der Tiefgarage, jeden Tag in das Antiquariat und nachher in das nächste Cafe, das nun mal das Tresznjewski ist, auf das du zurollst. An der Ecke zur Barer Strasse macht sich eine blonde Bedienung an einer Champagnerflasche zu schaffen, und rechts und links davon sitzt ein Paar, sehr blond, sehr München, wie aus einem Roman.



Wie aus deinem Roman, genau genommen. So wie du, früher. Damals in den Zeiten der einzigartigen Munich Area, und als sie anstossen, da kommt es alles wieder hoch, diese schwarze Galle wie aus einer nie verheilenden Entzündung, es wird nie vorbei sein, sie können nichts dafür, vielleicht sind sie auch gar nicht mehr so wie damals, aber am liebsten würdest du aussteigen und ihnen wie damals, aber es ist egal

und sie werden nicht wissen, was dann mit ihnen geschieht

denn sie haben die Gnade des nicht Wissens

wie alle in dieser Stadt, die am Fortbestand des Goldenen Zeitalters werkeln

und statt dessen nimmst du die Kamera, sagst dir, dass sie das gleiche Recht darauf haben so zu sein, wie du warst, und erst, als du wieder an der Donau bist, rufst du bei Haifisch 2 an und sagst, dass du heute abend doch nicht kannst, du schickst den Krempel dann morgen vormittag, schönes Wochenende auch, und sie sollen mal wieder raus zum See fahren, das tut ihnen sicher auch mal wieder gut.

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Freitag, 1. Juni 2007

In meinem Auto ist noch Platz oder

kennt hier jemand zufällig den Marché de la Batte, der jeden Sonntag in Lüttich/Liege stattfinden soll? Oder weiss etwas über das Preisniveau der belgischen Antiquitätenszene?

Und falls einer eine nette Pension zwischen Lüttich, Maastricht und Aachen kennt, am Besten in Belgien, zur Not auch Niederlande und etwas drüber hinaus, wäre ich auch um Hinweise dankbar.

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Heiligenverdammt

Aus dem geschichtsträchtigen Verona:



Ein freundlicher Urlaubsgruss
aus Verona an alle Grossen und Mächtigen und ihre Unterstützer in Staat, Medien und Gesellschaft, ihre Büttel, Henkersknechte und Arschspaltenauslecker, an die verfickten Hurensöhne und all den stinkendes Schleim und Abschaum der Kartelle und Verwaltungen - auch Euch wird man eines Tages auslöschen.

Und noch ein wenig empfehlungsmässiger Kaufcontent von meinem Ausstatter.

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Mittwoch, 30. Mai 2007

Feige

Man kann in diesem Fall über den Verursacher sagen, was man will, aber relativ gesehen ist er mir sympathisch. Relativ im Vergleich zu den Herrschaften, die ihm zugejubelt haben, als er in meinem Fall schon mal daneben gelangt hat. Da und andernorts war auch schon einiges nicht im mindesten der Wahrheit entsprechend, nur ging das damals auch ohne juristische Folgen ab, weil er und andere die Notbremse zogen und die Beiträge änderten. Und ich wüsste gern, wo all die Unterstützer dieser Einlassungen jetzt sind. Namen, die man einfach nachlesen kann. Leute, die aus ihrer Meinung keinen Hehl machten, als es noch nicht ans Eingemachte ging und noch kein Anwalt meine Rechte auf die harte Tour durchsetzte. Die das in Kommentaren und Beiträgen dokumentiert haben, die mit ihrem Applaus und der Scharfmacherei meines Erachtens indirekt dazu beigetragen haben, dass es jetzt so weit gekommen ist.

Ich meine die Einlassungen von Leuten wie Martin Recke und Marc Mark Pohlmann von SinnerSchrader, Martin Oetting von trnd, den CIO-Blogger Wolfgang Müller, den PR-Blogger Klaus Eck, Marketing-Bizler Frank Herold, den Qyper Stephan Uhrenbacher, Slidetone Sven Augustin, Joachim Graf von iBusiness, Wilhelm Entenmann und viele andere - sie alle fanden das oder anderes in meine Richtung prima. Und was machen sie jetzt?

Sie gucken unter anderem Agof-Daten, reden über Klitschenvideos und das Zeit-Magazin, über ihre Seminare und Relaunches, setzen einmal sogar eine kleine, feige Marke - aber ansonsten schweigen sie. Sie halten einfach den Mund. Ruhe. Kein Link, keiner sagt was, keiner will sich einlassen. Da sind 30, 40 Blogger und ein Dutzend Firmen, ich weiss, was die sich denken, aber keiner sagt was. Vielleicht haben sie ja einfach - Angst.

Und auch keine Solidarität mehr. Businessblogger halt. Und weil mir das so überhaupt nicht gefällt, dieses brüllend laute Schweigen, weil mir ein lauter Lügner immer noch lieber ist als ein feiger Maulhalter, sage ich hiermit ganz allgemein: Ich bin kein Freund von Abmahnungen. Aber ich rieche manchmal die Angst, ich spüre mitunter die Feigheit, das Wegdrehen, man will sich nicht engagieren, könnte ja schiefgehen, ausserdem rührt sich auch sonst viel Unmut, man will da nicht anecken. Ich kenne das aus meiner eigenen Biographie. Ich bin überrascht von dieser Feigheit, die zutage tritt, und ich kenne jetzt die schwache Stelle.

Da draussen war ein halbes Dutzend Deppen, die in dem Fall nicht mal die Fakten zusammengebracht haben und über mich nölten - was soll's. Das ist offen und ehrlich. Aber ein paar anderen jetzt stillen Persönlichkeiten möchte ich dringend raten, ab sofort in Bezug auf mich keinen Millimenter von den Fakten abzuweichen, so, wie man es normalerweise eben tun sollte, wenn sie nicht auch irgendwann come un bel di di maggio erfahren wollen, wie das so ist, wenn einen die Ex-Jubler plötzlich so laut anschweigen. Ich hoffe, die verstehen das, und verhalten sich entsprechend. Und das ist keine Bitte.

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Italien über die Alpen tragen

Man hat sich so an die Siesta gewöhnt, das Ausruhen über Mittag in einem Cafe, bei einem Panino gefüllt mit Antipasti, und es fällt schwer, dem zu entsagen. Meine Copilotin ist sicher schon wieder zur Fischsemmel im hauptbahnhof verdammt, und ich bin schuld, denn in mantua habe ich es versäumt, mit ihr in einen ganz bestimmten Laden zu gehen. Wir standen davor und zogen doch weiter, und das nun hat zur Folge, dass ich von etwas schreibe, was sie nicht ahnte.

Es gibt nämlich neben der in unserer geschmacklosen kulinarischen Landschaft unvorstellbaren Sitte, eine dicke Scheibe Grana Padano anzugrillen und in das Brot zu legen, auch noch eine andere Kösespezalität, die so gar nicht ins Deutsche passen will: Cacioricotta. Wie den Grana nimmt man den Cacioricotta, einen harten, runden, elfenbeinweissen Ziegenkäse, um ihn wie Parmesan über Nudeln zu reiben. Aber mit ihm geht auch noch etwas anderes, was Parmesan & Cie. nicht vertragen: man kann ihn braten. Und ungefähr 4 Monate im Kühlschrank bewahren. Während jeder andere italienische Käse also längst das zeitliche gesegnet hat, kann man mit Cacioricotta, wenn man genug gekauft hat, Italien und namentlich Oberitalien mit nach Hause nehmen und aufheben, bis man dann folgendes macht:



Man brate den in feinste Scheiben geschnitteten Cacioricotta in Olivenöl vom Gardasee leicht an, tue feine Tomatenscheiben dazu, und bestreiche nebenbei ein Stück Weissbrot dünn mit Ajvar. Dann tue man noch etwas Rosmarin, Salz und Pfeffer auf den Käse, drehe ihn um, bis er auf beiden Seiten goldbraun ist, und lege erst die Tomaten und dann den gebratenen Käse auf das Brot, das wieder auf ein passendes Präsentiersilber, photographiere es für das Blog - und danach esse man sich zurück über den Brenner. Es ist seinem zypriotischen Vetter Halloumi nicht unähnlich und doch anders, feiner, der Nachhall im Mund ist runder und neutraler, man kann ihn feiner schneiden und braten, es ist also Halloumi de luxe. Dass der Cacioricotta in Oberitalien beheimatet ist, muss kein Zufall sein, denn Zypern gehörte in der frühen Neuzeit zu Venedig - und die Zyprioten wiederum kennen ihn aus dem Orient.

Womit man sich mit einem einzigen Baguette einmal quer durch die Levante essen kann, mit einem Tomatenabstecher in die neue Welt und durch das Weissbrot an die Cote. Ich sage jetzt besser nichts über Fischsemmeln.

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Ach ja, lesen in Berlin

Der Ort ist altbekannt, meine Tontechnik wird wohl zum Einsatz kommen, nur ich, ich werde nicht da sein: Am 10. Juni 2007 um 21.00 Uhr (c.t.) im LassunsFreundebleiben in der Choriner Str. 12, Berlin, gibt es die nächste blognahe Lesung, unter anderem mit der von mir hoch geschätzten Modeste und einigen Vertretern der Zeitschrift Exot, die man hier bewundern kann. Sexy Nichtberliner, die aber wie Berliner wirken, sollten jedem das Kommen erleichtern, dazu gibt es diesmal sicher keinen Stromausfall, aber dafür die szenetypische Mischung, die uns allen das Leben in berlin erleichterte - wären wir in meinem Fall eben nicht leider im tiefsten Franken. Alle weiteren Informationen über Einlassbedingungen und gebotenen Darbietungen vom Käseigel bis zum Kartenlegen findet man hier.

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Dienstag, 29. Mai 2007

Asien, mal wieder

Mit einer gewissen Regelmässigkeit, die manchen inzwischen auch auffällt, schreibe ich hier nicht allzu nette Dinge über das heutige Asien, seine Mentalitäten und seine Produkte. Tatsächlich erscheint mir dieser ferne Kontinent noch weniger bereisenswert als der tiefste Balkan vor, in und um Wien, und das, obwohl es dort weitaus weniger Antisemiten, kaum mehr als 1,5 Millionen, gibt. Auch erscheint mir Berlin an die Russen verkaufbar, doch beim Gedanken, es als Give Away zum Transrapid an Peking zu verschenken, kommen mir doch gewisse Zweifel.

Kurz, obwohl meine Wohnung voller alter Asiatika ist und ich gerade süchtig bin nach Imariporzellan, Khmerbronzen und japanischen Seidenmalereien, wird der Kontinent der Fälscher, der fehlenden Qualität und der Geschichtslosigkeit, der ich letztlich meinen hierzulande verschleuderten Besitz an Altem verdanke, in seiner aktuellen Form nicht wirklich laut bejubelt. Doch auch ich habe meine schwachen Momente, und einen hatte ich in Verona, als die Copilotin, wissend um mein Ziel, mir zurief: Asiatin auf 11 Uhr voraus! - und es war ein echtes Prachtexemplar, eine todesverachtende Schönheit, deren Realitätsverleugnung und Willen zur Rettung unserer Kultur ich hier im GT-Blog ein Denkmal setzen möchte.

Und unter all den 1400 Bildern, die ich in Italien in den letzten zwei Wochen gemacht habe, unter all den Kunstschätzen, Ferraris und Landschaften, unter all den Schönheiten der Küche und der Mille Miglia enthält es das Bild, von dem ich sagen würde: Das ist es. Das ist das Bild, für das sich die ganze Reise allein schon gelohnt hat.

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In der Sache ich gegen Condenet

Condenet knickt ein. Auf der ganzen Linie. Sie wollen keinen Streit.

Tjaja. So ist das mit den Abmahnungen.

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Ich habe ein technisches Problem

Frauen können sowas wunderbar einleiten, ich bin ein Mann.

Also, hier streikt das WLAN. Ich kann direkt vom Rechner aus meinen DSL-Anbieter über das Modem ansprechen, aber wenn ich versuche, zwischen mein Notebook und das Modem einen WLan-Router zu hängen, vertschüsst sich die Verbindung. Was mache ich falsch?

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Dienstag, 29. Mai 2007

Die Schnörkel sind los

und die Sonntagsmatineen haben wieder begonnen.



Wir haben drei neue Blagen, die mitgeschleppt werden und auf den Kirchenbänken tanzen, einen Cambalisten mit kurzärmligen Hemd, und viel zu berichten. Und, nachdem die Gartenpartysaison extra früh anging, auch ein neues Geschiedenenpärchen. Dann ist ja alles in Butter. Solange es nicht Iris betrifft. Und nach nur 10 Minuten Gespräch frage ich mich, wie gerade wohl das Wetter in Italien, Frankreich und Patagonien sein mag.

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Liebe Medien!

Ich fände es ja angemessen, wenn man in Bezug auf Fahrradfahrer nicht mehr von "fahrenden Apotheken" sprechen könnte, denn Apotheker haben meist sehr nette Töchter und sind im Allgemeinen dank der staatlichen Zuneigung nicht kriminell, das würde sich für sie nicht lohnen.

Statt dessen würde ich vorschlagen, Sie sprechen in Zukunft von "rollenden PR-Agenturen", "radelnden Marketingspezialisten" oder, wenn es ganz böse sein soll, "pedaltretende Werber". Oder auch Dinge wie "Der U**** ist der D****** des Radsports". Dann versteht jeder, was Sie meinen, und Sie beleidigen nicht einen Beruf, dem man kaum professionelle Abartigkeiten - jetzt mal im direkten Vergleich zu anderen Branchen, was ist schon das bisschen Pharmalobbying - vorwerfen kann.

Ein Beitrag aus der Serie "Der 9. Sinn - Brutalst angreifen, ohne abmahnbar zu sein"

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