Nicht mein Beruf

In den letzten Tagen hatte ich etwas Zeit zum Nachdenken. während andernorts wenig erfreuliche Dinge geschahen. Es ist ja nicht so, dass mich die Kündigungen bei der Süddeutschen Zeitung betreffen, und die offenkundigen Zahlungsprobleme von Medienpreisveranstaltern stören mich auch nicht weiter. Was mir zu denken gibt, ist dagegen die Kündigung eines wirklich guten Autors mit der Begründung, dass er keine Lust hat, für seine - im Übrigen klar übertarifliche Bezahlung - in einem Umfeld zu arbeiten, das ihm nicht gefällt. Und ich muss sagen: Sobald ich auf meine journalistische Tätigkeit angesprochen werde, falle ich auch in eine Verteidigungshaltung, es wären eben keine Medien, sondern eine ganz bestimmte Zeitung, für die man sich nicht schämen müsste, es gäbe keine Vorgaben und keinen Werberdruck, ich könnte frei schreiben - einfach, weil die äussere Erscheinung des Berufes sehr, sehr schlecht ist. Weil ich nicht will, dass man mich mit dem Rest in einen Topf wirft.



Im Branchenschnitt ist die Bezahlung der Leute so erbärmlich wie ihre Leistungen. Man muss einen Redakteur einer Lokalzeitung als Mieter gehabt haben um zu verstehen, warum die durchschnittliche Zeitung so unfassbar mies und dumm ist. Hunger ist nicht gut für das Denken. Soziale Unsicherheit ist nicht gut für die Recherche. Kostendruck ist keine echte Motivation. Zusammen mit der weitgehend elenden Verbohrtheit von alten Knackern und Nachwuchs, das Internet betreffend, ist es insgesamt ein sehr übles Arbeitsumfeld. Anders gesagt: Ich empfinde gegenüber dem Journalismus die gleichen Vorbehalte, nur stärker, wie bei meiner Heimat. Ich bin kein Bewohner der kleinen, dummen Stadt an der Donau, mein Haus steht in dieser Stadt. Ich bin kein Journalist. Ich bin Autor und schreibe ein Blog bei einer angesehenen Zeitung. Und das nicht unbedingt aus finanziellen Interessen.



Ich habe Zeit und muss nicht um 7 Uhr raus, ich muss keine Klickstrecken formen und Polizeiberichte kopieren, ich werde nicht mit schlechten Häppchen vergiftet und von PRlern telefonisch belästigt. Trotzdem hatte ich nie vor, Journalist zu werden, und angesichts dessen, was gerade geschieht, muss ich sagen, dass diese alte Haltung angesichts dieser wirklich - man muss es so sagen - armen, gierigen, "notigen", würde man in Bayern sagen - Szene ihre Berechtigung hatte. Das Schielen auf Nebenjobs, auf Kontakte und Netzwerke, dazu noch diese impertinente Einbildung, keine Veränderungen zu brauchen - ich würde mich privat nicht mit Typen abgeben, die dem journalistischen Durchschnitt entsprechen. Das ist nicht meine Welt. "Edelfeder" stand vor Kurzem in einer Abwerbemail, aber das heisst wenig. Und seitdem ich wieder mehr professionell schreibe, werde ich auch wieder ungnädiger, wenn ich all den Müll der Medien sehe.



Es wird dem Printfeudalismus ergehen wie dem echten Feudalismus, ein paar Paläste werden stehen bleiben und gegen Geld zu besichtigen sein, aber die Kaschemmen wird man wegreissen, weil es weder finanzierbar sein wird, noch gefragt. Irgendwann wird auch der Trick einer Berliner Tageszeitung nicht mehr laufen, Leute umsonst arbeiten zu lassen - weil die Leute irgendwann verstehen, dass in dem Beruf nur für wenige etwas zu holen ist. Die Qualitätsdebatte kann man sich vor diesem Hintergrund sparen, und es ist kein Zufall, wenn man gleichzeitig schon beginnt, die Bedeutung von 140-Zeichen-Müll für den Journalismus diskutiert. Die Medien haben vollkommen vergessen, wie man die Menschen fordert, es ihnen nicht leicht macht, ihnen etwas beibringt und neue Sichtweisen vermittelt, sie sind nicht mal mehr ideologisch, sondern nur noch profitmaximiert. Nicht meine Welt. Wirklich nicht.

Wenn ich das mal nicht mehr mache, werde ich Kronleuchterputzer in Bayreuth und schreibe nebenher Romane.

Mittwoch, 28. Oktober 2009, 21:51, von donalphons | |comment

 
A propos Romane... wie geht es den eigentlich eigentlich der Hausbibliothek der Aufklärung? Es wäre wirklich wieder einmal sehr erbaulich einen Blick hineinwerfen zu können.

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Wen wundert´s, wenn die Kaschemmen kauterisiert werden, das copy&paste von Agenturmeldungen, unsägliche rektalakrobatische Verrenkungen, um der gefühlt 27. Baumarkteröffnung PR-Meldung einen journalistischen Anstrich zu geben und eine Anzeigenwüste, der nur noch unseren Eltern und Großeltern das fragwürdige Vergnügen zu liefern, wer aus ihrem Jahrgang auch schon dahingeschieden ist; nein, damit macht man keine "Newspaper" im Wortsinne, sondern nur mehr oder weniger monopolistische Platzhirsch-Dinos, deren Zeit schon längst abgelaufen ist - fine by me.

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das ist ein extrem schwieriges thema, wie ich finde. und zwar ist es persönlich schwierig, den genauen punkt herauszufinden, an dem etwas in eine art kanonisierung übergeht und somit plötzlich das format an überhang gewinnt. eine gewisse (noch geringe) tendenz dazu meine ich im faz-blog jetzt schon herauslesen zu können - nicht in den beiträgen, aber in den kommentaren.

schwierig.

(wolfram siebeck, ein schulkamerad meines vaters, wurde in den 50er/60ern auch noch als "revolutionär" goutiert - und heute? mmh. und man merkt das als autor unter umständen nicht.)

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sorry, aber diese jouralistenschelte ist einfach quatsch. gerade viele lokalredakteure liefern anständige arbeit ab - und mit hungerlöhnen werden sie auch nicht abgespeist.

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Letzteres lässt sich leider mit konkreten Zahlen widerlegen

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Mach mal bitte (mich interessiert tatsächlich, wie da honoriert wird).

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12 Cent die Zeile ist durchaus nicht unüblich bei Lokalredaktionen für Beiträge Freier.

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Guten Morgen

12 Cent die Zeile - ich als Nicht-Journalist frage mich natürlich wieviel Zeichen denn eine solche Zeile hat.

Mir geht es doch um Welten besser als ich dachte..

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6 Euro war die hiesige Zeitung für ein Bild im Lokalteilplötzlich nur noch zu zahlen bereit. Seitdem gibt es ohnehin nur noch Amateurphotos zu sehen. Die Zeile ht rund 40 Zeichen. 4000 ist eine Drittel Seite. Der hier eine Weile wohnende Redakteuer hatte 700 netto.

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Und wirklich: Eine bekannte Berliner Tageszeitung bietet Freien an, umsonst für sie zu schreiben, damit man sie in den Lebenslauf tun kann.

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Etwa 14 Euro pro Bild. Andere zahlen mehr (das Doppelte ist schon mal drin – aber auch von der Hälfte hab ich schon gehört), aber man weiß dann nicht, ob es wirklich gedruckt wird, und allerhöchstens eins. Da ist mein Arbeitgeber schon sozialer. Das mit dem Zeilengeld ist noch unterbietbar, manchmal gibt es dann aber auch Zweitverwertung. Nur als Freier kann man eigentlich kaum existieren, wenn man nicht Nebenjobs hat oder Redaktionsdienst. (Der bringt bei uns 250 pro Woche für etwa 10 bis 15 Stunden Arbeit.)

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.. ich stelle fest, die Bezahlung hat sich seit meinen ewig vergangenen Zeiten (vor 10 bis 15 Jahren) bei dem hiesigen Lokalblatt nicht erhöht.

Vorher war ich bei einer kleinen, investigativen, aber politisch durchaus dogmatischen Kaschemme, die mich - in den Vor-Internet-Zeiten - zum ordentlichen Recherchieren anhielten, und dann auch ordentlich bezahlten.

Eine Ausnahme, sicher, und in weniger als 3 Jahren war das Blatt dann auch pleite. Aber schon vorher hatte ich mich mit der Freundin des Herausgebers zerstritten, weil diese die eine oder andere meiner Äußerungen für frauenfeindlich hielt, und den Laden folglich verlassen - so geht's manchmal eben auch..

Aber das Netzwerken hab ich damals genossen und auch von Grund auf gelernt, das war ein Vorteil!

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Die schlechte Bezahlung und mangelnde Perspektive gibt es ja schon seit etlichen Jahren. Folge: Wer Journalismus oder "was mit Medien" beginnt, tendenziell zu denen, die sonst keine anderen Alternativen haben oder kennen. Also eine Negativ-Auswahl. Schlechte Schreiber machen schlechte Artikel, die sich schelcht verkaufen, werden daher schlecht bezahlt und die schlechte Bezahlung führt zu schlechten Schreibern, die noch scchlechtere Artikel, ....

Ein Teufelskreis, der eine Vielzahl von Zeitungen und andren Medien irgendwann in den Abgrund reisst.

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So, jetzt bin ich unter Hungerleidern. Recht leer, auf der Messe. Die Süddeutsche hat auch noch einen Stand. Noch.

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"Wenn ich das mal nicht mehr mache, werde ich Kronleuchterputzer in Bayreuth und schreibe nebenher Romane."

Leider sieht das doch bei der Masse der Romanschreiber genauso aus, wie bei den Journalisten!!

Kronleuchterputzer ist allerdings eine ehrenvolle Aufgabe!
Ich habe kürzlich einen Bericht über Nymphenburg gesehen. Das ist gar nicht so einfach und die lassen auch nicht jeden dran. Man kann da viel kaputtmachen!

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@ strappato: Es auf eine Negativauswahl zu reduzieren, ist doch etwas zu simpel. Es gibt nämlich auch noch die anderen, die guten Leute, die diesen Beruf nicht mangels, sondern trotz Alternativen ergriffen haben. Aus Leidenschaft und Berufung - und um diesen Beruf nicht völlig den Nichtskönnern zu überlassen. Diese Leute beherrschen ihr Handwerk, haben etwas zu sagen und sie recherchieren auch. Selbst dann, wenn sich das betriebswirtschaftlich nicht rechnet, einfach, weil ihr Name darunter steht. Es sind in der Regel nicht die, die sich an irgendwelchen PR-Buffets durchfuttern oder an vermeintlich Wichtige ranflanschen. Sie verdienen oft nicht gut, denn man findet sie eher selten mit Tarifvertrag in Redaktionen. Für Tageszeitungen arbeiten sie meistens nicht mehr, und wenn, dann nur in geringem Umfang, weil es sich von solchen Zeilenhonoraren nicht einmal dann leben lässt, wenn man bereit ist, für seinen Beruf zu hungern (was sie durchaus auch tun).

Dass die meisten Tageszeitungen so schlecht sind, ist kein Wunder. Oftmals ist das Arbeitsklima mau und die Atmosphäre alles andere als kreativ und inspirierend. Die leitenden Redakteure haben oft keinerlei Ahnung von Mitarbeiterführung, sind irgendwann mal in die Positionen reingerutscht, ohne darauf vorbereitet zu werden oder sich selbst dafür fit zu machen. In nicht wenigen Medienhäusern gilt: "Nicht gemeckert ist schon genug gelobt." Personalentwicklung? Fehlanzeige. Chefredakteure reden auf Podien gern über Qualitätsjournalismus, lassen ihren Volontären aber häufig keine gute Ausbildung zuteil werden, geschweige denn, dass sie bereit wären, den viel gepriesenen und geforderten Qualitätsjournalismus zu bezahlen.

Festangestellte Redakteure haben sich seit ihrem Volontariat nicht ein einziges Mal weitergebildet, der Verlag bezahlt es nicht, und sie selbst geben dafür auch kein Geld aus. Sie sind ja nicht einmal bereit, nach Feierabend ein Fachbuch zu lesen. "Journalistische Kretivitätsmethoden" - was ist das? Über das lebenslange Lernen schreiben sie allenfalls wohlfeile Kommentare. Aber Angst um ihre Stellen haben sie alle.

Und Ihr wundert Euch, dass die sich nicht bewegen und die Tageszeitungen verändern?

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Es gibt auch andere Eckchen
Neben den Armutsecken des Journalismus (übrigens auch: Handeslblatt im Umgang mit Freien) gibt es auch einige (wenige) Medienhäuser, wo es dem schreibenden und recherchierenden Journalisten richtig gut geht.

SpOn und Spiegel zum Beispiel.

Wie man dort sieht, ist das auch kein zwingender Garant für Qualität...

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ach, "weiterbildung"...

war das kisch mit dem journalismus in 3 tagen lernen?
ich glaube der mann hatte recht.
entweder man recherchiert ordentlich oder tut es nicht, alles andere ist geschwurbel/geschmackssache.

(fuehlt sich jetzt jemand auf die fuesse getreten?)

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Gewiss nicht. Manch einer lebt in einer Blase, überzeugt von der eigenen Wichtigkeit, ist saturiert.

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@ bironium: Gerade Kisch hatte es auch nicht immer so unbedingt mit der sorgfältigen Recherche, aber das nur nebenbei.

Im Übrigen will auch Recherche gelernt sein, sonst belässt man es allzu leicht bei den ersten drei Treffern bei Google. Und Recherche allein macht noch keinen guten Artikel, Film oder Radiobeitrag.

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deswegen meinte ich ja geschmackssache. wenn ein artikel schlecht ist dann doch wohl, weil nicht genug fleisch auf die rippen recherchiert wurde. im uebrigen wurde ich den erfolg einer recherche doch eher an der zeit fest machen die man dafuer zur verfuegung hat. Mit genug manpower/mannjahren find ich dir auch goebbels geheime amazonasfestung.

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@strappato: Das nur diejenigen im Journalismus landen, die keine anderen Jobs haben könnten, stimmt wirklich nicht. Dazu muss man sich nur mal die Lebensläufe der meisten Journalistenschul-Absolventen (Praktika en masse, Auslandsaufenthalte, prominente Universitäten) oder die durchschnittliche Abiturnote in Journalistikstudiengängen (irgendwas zwischen 1,0 und 1,5) anschauen. Zumindest formal sind viele Jungjournalisten topqualifiziert.

Warum liefern auch diese Leute dann (häufig) so bescheidene Qualität? Ich vermute, das ist der Zeitdruck, der Frust ob der schlechten Bezahlung, aber auch einfach die Tatsache, dass gute Qualität nur selten Anerkennung bringt. Und gerade diejenigen Menschen, die Lebensläufe "optimieren", gieren ja oft nach Anerkennung und Bewunderung. Außerdem, ahem, haben sie es oft zwar perfekt gelernt, sich anzupassen - aber nicht unbedingt, Autoritäten kritisch zu hinterfragen und Konflikte mit ihnen zu riskieren.

Anerkennung und Bewunderung gibt es aber für guten Journalismus nur selten. Höchstens mal für eine knallige Schlagzeile, oder für ein immer noch weiter erhöhtes Arbeitspensum, aber eher selten für sehr gründliche Recherchen, eine kritische Haltung etc. Auch "Exklusiv"geschichten bekommen Journalisten vor allem dann, wenn sie mit den entsprechenden einflussreichen Stellen lange genug kuscheln. Also, ich glaube auch, dass es solche gibt, die noch sehr gut und gründlich arbeiten (soweit sie sich das finanziell überhaupt leisten können). Aber das sind eher selten die, die dann auch im Rampenlicht stehen.

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@ bironium: Nein, es liegt nicht immer nur an mangelnder Recherche, dass ein Artikel schlecht oder langweilig zu lesen ist. Manche Journalisten schreiben einfach nicht gut, sie haben kein gutes Sprachgefühl, aber dumme Angewohnheiten in ihrer Wortwahl. Und vor allem wissen sie nicht, wie man eine Geschichte erzählt. Nicht jeder Journalist beherrscht alle journalistischen Darstellungsformen oder alle Darstellungsformen gleich gut. Gerade in den Tageszeitungen ist die vorherrschende Darstellungsform nach wie vor der Bericht - auch da, wo sich etwas anderes angeboten hätte. Stattdessen wird das Thema verschenkt und ein Bericht runtergeschrieben, der sich so dröge liest, dass die meisten Leser es nicht bis zum Ende durchhalten.

Hinzu kommt, dass viele Journalisten nicht beigebracht bekommen haben, wie man tatsächlich ein Thema entwickelt. Die reden zwar immer vom "Weiterdrehen", wurschteln dann meist aber doch nur irgendwas hin und finden nicht die spannende Perspektive oder Fragestellung. Sie setzen viel zu selten eigene Themen, sondern machen dann doch nur Terminjournalismus. Spatenstich hier, Vereinssitzung dort und dann noch der obligatorische Bericht aus dem Stadtparlament, der am nächsten oder übernächsten Tag im Blatt ist.

Nachtrag: Das alles liest sich dann so öde, dass es inzwischen einem Schreibautomaten bereits gelingt, die passenden Textbausteine zusammenzubasteln. Sportberichterstattung geht damit auch schon ohne Journalisten.

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B.A.H.
Es gibt ein zweites Problem: deutsche Journalisten, vielleicht ein wenig ungerecht über einen Kamm geschert, können nicht schreiben, und sind auch noch stolz darauf. Schreiben ist etwas, das man nicht mit den Fingern tut, sondern mit dem Hirn. "Journalismus" ist hier eigentlich ein anders Wort für Sprachmüll. Sprachmüll bewegen, unermüdlich, jeden Tag aufs Neue. Entschuldigung: erneut.

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Viele Journalisten sind stolz darauf, aus Informationsmüll, bestehend aus Agenturmaterial, Berichten der Konkurrenz, Pressemitteilungen und vorgefassten Meinungen, ein "elegantes", "frisch" wirkendes Stück zusammenrühren zu können. Dies am besten zu beherrschen, darum wird in manchen journalistischen Ausbildungsinstitutionen sogar gewetteifert. Vermutlich braucht man dafür sogar sogenanntes Sprachtalent, aber ob das Ergebnis aus journalistischer Sicht besonders wertvoll ist, wage ich zu bezweifeln.

Ähnlich zum Scheitern verurteilt sind aus meiner Sicht all die Versuche, aus Pressereisen und anderen vorgefertigten Erlebnissen mit Hilfe sprachlicher Kniffe spannende Reportagen zu schustern (um dies zu erkennen, muss man nur mal den durchschnittlichen Reisebericht lesen).

Ein guter Text benötigt dagegen immer gründliche Recherche, profundes Wissen und/oder ruhiges Durchdenken (idealerweise alles davon) sowie die Fähigkeit, diese Gedanken so zu ordnen, dass sie dem Leser vermittelt werden können. Wer so arbeitet, braucht vermutlich sogar weniger "Sprachgewandtheit", weil er es nicht nötig hat, durch beeindruckende Formulierungen die inhaltlichen Lücken zu kaschieren. Er muss sich sprachlich weniger verbiegen. Wenn zu alldem trotzdem noch Formulierungskunst kommt, kann Außergewöhnliches entstehen. Aber mir ist gute Recherche ohne verfeinerte Sprache lieber als das Gegenteil.

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Zumindest formal sind viele Jungjournalisten topqualifiziert.
Warum liefern auch diese Leute dann (häufig) so bescheidene Qualität?


Weil gute Schulnoten keine Aussage treffen über Inspiration, Phantasie, Neugier, Humor und so Sachen, die man haben sollte, wenn man Geschichten erzählen will.

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Der Wille,
Geschichten zu erzählen, ist bei vielen Berufseinsteigern ja da, Talent auch. Aber viele Regionalzeitungen sind Talentvernichtungsmaschinerien, da wird alles so lange zurechtredigiert und runtergeschmirgelt, bis es in den Einheitsbrei passt. Der Freiraum, ein Thema einfach mal anders anzugehen, ist schlicht nicht da vielerorts. Dann gibt es Themen, die zwar auf der Straße liegen, welche die Chefredaktion aber aus irgendwelchen Gründen nicht oder nur mit einem ganz bestimmten Spin im Blatt sehen will. Von den kafkaesken Abläufen in Konferenzen und anderen Manifestationen der Redaktionshierarchie macht man sich als Außenstehender ja auch kaum ein Bild. Ich habe in diesen Strukturen wirklich schon eine ganze Reihe guter Leute versumpfen sehen.

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Bei uns arbeiten auch viele Schüler_innen oder Studierende in der Lokalzeitung, die haben mal ein Praktikum gemacht und schuften dann für ein Taschengeld. Das ist die Konkurrenz. In diesem durchaus gewichtigen Blättchen wird die gemeine LeserIn (wenn man so weit denkt, dass es auch Frauen seien könnten) zudem als ziemlich einfältig sich vorgestellt. Textbausteine sind quasi Vorgabe.

"Wer Journalismus oder "was mit Medien" beginnt, tendenziell zu denen, die sonst keine anderen Alternativen haben oder kennen" (Strappato).

Oder Idealist_innen. Dass diese aber durch die Auswahlmechanismen besser als die Aalglatten durchkommen, wage ich zu bezweifeln. Holgi spricht es ja an: diejenigen, die vielleicht einen Hintergrund haben, der sie in eine interessantere Ausgangsposition versetzt als das dritte Lehrer_innenkind aus der Schlafstadt, sind halt einfach nicht gewollt.

Ohnehin gibt es doch mittlerweile überall in geistes- und sozialwissenschaftlichen Berufsfeldern überwiegend prekäre Beschäftigungsverhältnisse. Das ist kein Alleinstellungsmerkmal des Journalismus! Die miserable Aussicht also dürfte auch kein Argument gegen die Medienkarriere sein und die guten Leute (wo kann denn ein guter Schreiberling anheuern? Die Alternativen sind doch eh nicht vorhanden) mitnichten abschrecken.

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@arboretum

mir kommt jedes mal das kotzen wenn ich artikel lese in denen jemand den hemingway raushängen lassen will und grandios scheitert. dieses typisch deutsche perfekt-imitieren-aber-das-wesentliche-verkacken.

also alle journalistenschulenabgänger.

was lernt man da überhaupt, auf so ner journalistenschule?

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also alle journalistenschulenabgänger

So gern Sie auch zum Kamm greifen, um alle Journalisten darüber zu scheren, ist mir das doch zu undifferenziert. Ich weiß nicht, welchen Beruf Sie ausüben, bironium, aber ich bin mir sicher, auch dort gibt es Pfuscher und Minderbegabte.

Neben dem journalistischen Handwerk und dem Umgang mit der entsprechenden Technik (Layoutprogramme, Redaktions- und Contentmanagementsystemen, Kameras und Aufnahmegeräte sowie digitale Schnittprogramme für TV und Hörfunk) gehören in der Regel auch Presserecht und ggf. Medienrecht zu den Dingen, die man an einer Journalistenschule lernt. Meist bieten sie eine umfassendere Ausbildung als die Volontariate bei Tageszeitungen oder Zeitschriften. Dort ist die Ausbildung zum Teil schlecht, auch von einigen Fernsehproduktionsfirmen hörte ich schon Horrorgeschichten. Manche betrachten ihre Volontäre als billige Arbeitskräfte, denen man nichts beibringen will.

Die Lehrpläne der Journalistenschulen finden sich meist im Netz, zum Beispiel der der Deutschen Journalistenschule in München.

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Ich habe mal einem Kronleuchterputzer zugeschaut und hatte den Eindruck, dass es ein sehr zufriedener Mensch war.

Heute allerdings habe ich keine Kronleuchter, sondern noch ein paar Paramente gekauft.

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Das glaube ich gerne. Das Erfolgserlebnis als Kronleuchterputzer auf Herrenchiemsee ist sicher ungemein höher als das des Lokaljournalisten vom Chiemgauer Volksboten, der über die Jahresversammlung des SPD Ortsvereins Unterwössen einen Dreispalter schreiben muß

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Es ist eine Aufgabe, zumindest bei meinen Leuchtern, die angenehm Raum für eigene Gedanken lässt, die man dann in einen Roman umsetzen kann.

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Natürlich ist es meistens nicht angemessen, eine ganze Gruppe pauschal zu verurteilen. Das gilt auch für Journalisten, für Journalistenschulabsolventen etc. Ich glaube aber schon, dass der inzwischen extreme dort herrschende Wettbewerb dem Berufsstand nicht gut getan hat. Es ist wieder mal so ein Fall, in dem eine auf zu simplen ökonomischen Annahmen beruhende Theorie (höherer Wettbewerb=>höhere Qualität) durch die Praxis widerlegt wird.

Da Qualität erstens schwer messbar ist und zweitens Qualität in Form von kritischer Berichterstattung von Vorgesetzten, Chefredakteuren, Verlegern und Anzeigenkunden nicht in jedem Fall geschätzt wird, konzentrieren sich ehrgeizige Jungjournalisten oft auf andere "Leistungskriterien". Sie versuchen, so viele Texte wie möglich zu produzieren, liefern knallige Schlagzeilen auf Kosten der inhaltlichen Korrektheit, versuchen, an Kommentaren und Meinungen das zu schreiben, "was erwartet wird". Auch das Sicht-Gut-Stellen mit Informationsquellen auf Kosten der Kritik gehört dazu, damit man vielleicht eines Tages mit einer großen Exklusivgeschichte aus dieser Quelle glänzen kann, um die eigene Position zu verbessern.

Auch die Kurzfristigkeit journalistischer Karrierewege scheint mir ein riesiges Hindernis zu sein, denn für gute Berichterstattung ist oftmals eine längerwierige Beschäftigung mit einem Thema notwendig. Auch erschließen sich manche Leistungen erst im Zeitablauf. Journalisten, die zum Beispiel bestimmte Entwicklungen am Finanzmarkt kritisch beleuchteten, standen vermutlich jahrelang im Abseits, behielten am Ende aber doch recht. Wie will ein Jungjournalist eine solche Haltung durchhalten, wenn er sich in kurzen Praktika oder Volontariaten "beweisen" muss oder als freier Journalist um jeden Folgeauftrag fürchten muss?

Noch einmal: Ich behaupte nicht, dass es keine "Guten" gibt. Aber erfolgreicher sind häufig die anderen.

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@amelia
IMHO gute Kommentare. Es wird heute viel zu viel das Zusammenrühren gelehrt. Das liest sich nett, enthält dann aber so häufig absolut Null neue Information, dass das Gefühl das Gleiche ist wie nach Mc Donalds. Man hat irgendwie das Gefühl, was gegessen zu haben, aber satt ist man nicht. So ist das bei vielen Zeitschriften auch: Man hat was gelesen, aber eigentlich nichts Neues erfahren.

Die Recherche beschränkt sich in vielen Bereichen darauf, ein paar Zitate von ein paar wichtigen Leuten einzusammeln und in den Artikel reinzustreuen. Dabei dienen diese Zitate aber nur selten einer Reflektion oder Diskussion, sondern meistens zur Unterstützung einer These oder Tendenz, die der Journalist hat. Man holt dich die Credibility für seine eigene These von außen.

Der Journalismus wagt zu wenig Diskussion, der Journalismus verweigert sich der Ungewissheit (ein Journalist ist halt schlau und kann alles erklären und das ist ja auch sein Job).

Ich glaube übrigens auch, dass das den Lesern klarer ist als vielen Verantwortlichen in der Presse bewusst ist. Ich halte es für keinen Zufall, dass Wochenzeitungen mit Tiefgang, originärem Content und diskutablen Artikeln wie die Zeit die geringsten Probleme haben.

Übrigens ist die Einschätzung mit den Jung-Journalisten und der Einschätzung der Finanzkrise völlig richtig. Die antizyklische Meinung erlaubt sich dort niemand. Generell ist in dem Bereich aber auch anzumerken, dass die Leute mit Ahnung NICHT Journalisten werden. Wer den Markt richtig einschätzen kann, verwaltet schnell Milliarden (und verdient Millionen). Wieso sollte der beim Handelsblatt als Journalist arbeiten?!? Die interessanten Einschätzungen in den Bereichen kommen äußerst selten (und das ist schon positiv formuliert) von festangestellten Journalisten.

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@egghat: Ein Vermögensverwalter, der den Markt zu früh geshortet hat (Aktien leer verkauft ->kann sehr wehtun, wenn sie dann wider Erwarten doch noch lange weiter steigen), dürfte aber ähnliche Probleme gehabt haben wie ein Journalist, der zu früh vor der Krise warnte...

Im Ernst: Ich glaube nicht, dass die Vermögensverwaltungsbranche im Großen und Ganzen einen besseren Menschentypus "nach oben" spült als der Journalimus (Ausnahmen auch hier ausgenommen). Auch unter Geldverwaltern gibt es eine ganze Menge Menschen, die durch Anpassung "nach oben gefallen" sind, die ihre Gelder mehr dank guter Kontakte statt dank hoher Kompetenzen einsammeln und deren "Leistung" darin besteht, der Herde zu folgen. Hedgefondsmanager, die das gesamte Vermögen in Aktien investieren, hebeln und mit dem Markt gewinnen und dies in den Boomjahren als "aktive Managementleistung" verkauften, gehören meiner Meinung nach genau in diese Gruppe. Dass es zudem auch in dieser Branche einen zweifelhaften Umgang mit Informationsquellen geben kann, haben wir letzte Woche in den USA gesehen... Auch Dreistigkeit und Selbstüberhebung spielen eine große Rolle. Da fällt mir jetzt spontan LTCM ein. Die meisten Vermögensverwalter und Fondsmanager haben zweifellos mehr Ahnung von ihrer Materie als Journalisten, schon allein aufgrund ihrer Spezialisierung und ihrer besseren Kontakte. Außerdem haben sie meistens ein angenehmeres Auftreten. Das generell die klügsten, unabhängigsten, integersten Menschen in dieser Branche aufsteigen, wage ich aber zu bezweifeln.

Ausnahmen natürlich auch hier von der Kritik ausgenommen!

Ich glaube aber, dass der Zusammenhang zwischen hohem Einkommen und hoher Leistung längst nicht so zwingend ist wie allgemein behauptet. Dass Menschen, die von ihrem Einkommen kaum noch leben können und permanent sogar um dieses noch fürchten müssen, nur selten gute Arbeit liefern, scheint mir auf der Hand zu liegen.

Aber es gibt sie eben auch, die Personen, deren größtes Ziel nicht die Einkommensmaximierung ist, die lieber die Gesellschaft kritisch hinterfragen wollen, als von den bestehenden Strukturen zu profitieren. Solche sollten - eigentlich - z.B. im Journalismus zu finden sein. Dort will man sie heute aber auch nur noch selten haben. Gesucht wird der Angepasste, der Ellbogenmensch, der "Nutzenmaximierer". Und von dieser Gruppe bleiben vermutlich wirklich nur die schlechteren im Journalismus, während die begabteren sich lukrativere Betätigungsfelder suchen. Dann gibt es noch die Journalisten mit weniger materiellen Zielen - aber denen wird das Leben sehr schwer gemacht.

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Ich meinte auch nicht, dass der Menschentypus "Vermögensverwalter" ein besserer ist. Ich meinte nur, dass wenn man Ahnung hat, die sich in Geld umsetzen lässt, man mit dem Gehalt eines Journalisten unterdurchschnittlich bezahlt wird. Es gibt Hedgefonsmanager, die verdienen mehr als die Redaktion des Handelsblatts *zusammen*. Dass das wenig mit Leistung zu tun hat (also in dem Fall 500-facher Leistung) ist schon klar.

Übrigens muss Geld gut verwalten auch nicht bedeuten, dass man Short geht. Das kann man konservativer machen. So wie Warren Buffet, der sich vor der Krise immer beschwert hat, dass er keine guten Investments mehr findet. Jetzt weiss man warum: Es gab keine. Der Preis war schlicht zu hoch. Nur hat Buffet es (im Gegensatz zu den anderen) gemerkt und nicht investiert. Und als die Preise runtergingen, saß Buffet auf Cash und konnte investieren und die anderen saßen auf Schulden und mussten verkaufen. Buffet hat gerade die besten 18 Monate seiner (langen und sauguten) Investmentkarriere. Weil er Geld hatte als die anderen keins hatten.

Das aber auch nur am Rande. Es ging mir eigentlich auch in meinem ersten Artikel um die ersten Abschnitte, nicht um den letzten. Das war eher so eine Randbemerkung.

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tarifvertrag für redakteure
liebe leute, unten der link zum gültigen tarifvertrag für redakteure bei tageszeitungen. wenn zeitungen aus dem tarif flüchten, zahlen sie meist um 3500 euro im monat.

und sorry don: wer redakteure und freie mitarbeiter verwechselt, hat vom medienbetrieb vielleicht doch nicht so viel ahnung.

was die honorare für freie betrifft: wir zahlen 40 euro für fotos und 30 bis 80 cent die zeile - im lokalteil! dafür steigt auch die auflage immer noch...


http://www.djv.de/fileadmin/DJV/Tipps_und_Infos_fuer_Festangestellte/Tarifvertraege_TZ/GTV-TZ-2008%20I.pdf

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herrfraukatzeausmhaus
wenn sie das zahlen -
dann kann ich mich WO bewerben?

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@ larifarimausetot, Ihre Zeitung ist da aber eher die Ausnahme. Ich hörte schon von sieben (7!) Cent die Zeile, die bei einem Blatt südlich von München gezahlt werden. Mit 80 Cent die Zeile liegen Sie auch weit über dem, was bei mancher überregionaler Tageszeitung im Lokal- und Regionalteil gezahlt wird.

Und Dons Mieter war vielleicht Pauschalist oder Redakteur in Leiharbeit. Die verdienen meist weniger als 3.500 Euro brutto im Monat. 2.800 Euro brutto bei 40 Stunden die Woche kommen da schon eher hin. Und das sind noch die, die vergleichsweise gut bezahlt werden, es gibt auch Redakteure in Leiharbeit, die weniger bekommen.

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sorry, will lieber anonym bleiben. aber bewerben kann man sich bei uns nicht, wir suchen freie mitarbieter vor ort, die sich um die dörfer und kleinstädte kümmern. und das sind dann entweder akademiker, denen wir ein hobby mit aufwandsentschädigung bieten (30 cent die zeile, mindestens 10 euro die stunde), oder semi- und vollprofis aus der nahen stadt (bis 80 cent). fotos nehmen wir nur von unseren festen freien fotografen, die immer noch mehr verdienen wie festangestellte redakteure, dafür aber auch mehr arbeiten. das interessante an diesem modell, das letztlich auf qualität setzt: die auflage steigt seit jahren, während sie woanders sinkt.

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@larifari
"mehr verdienen wie" - "letztlich auf qualität setzt"

Widerspricht sich etwas!

Ich würde das Blatt gerne mal lesen, um mir selber ein Bild über die Qualität zu machen. Schade, daß Sie den Titel nicht verraten!

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was man so verdient ...
...ich bin fest angestellter tv-redakteur. nicht in einer gut gewärmten höhle der öff.recht.anstalten, sondern in einer sklavengaleere einer freien produktionsfirma. es gibt jahresverträge. sie werden verlängert oder nicht. ich verdiene 4.700 brutto im monat und arbeite durchschnittlich 50-60 stunden in der woche. es gibt besseres, es gibt schlimmeres. man sollte nur nicht glauben, dass journalismus ein geschlossenes system ist. es gibt kellerkinder und bel-etage-bewohner. und nicht immer hat es mit können zu tun, warum man wo landet.

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@Amelia
"Journalisten, die zum Beispiel bestimmte Entwicklungen am Finanzmarkt kritisch beleuchteten, standen vermutlich jahrelang im Abseits, behielten am Ende aber doch recht."

Aber die Tragik ist doch, es interessiert keinen!
Lafontaine hatte auch recht, und?
Merkwelle regiert das Land im TINA-Modus, nicht die LINKE.
Chefarztfrau hatte da die Tage ein schönes Machiavelli-Zitat, welches m.E. auch auf die Medien (generell alles was mit Macht und Einfluss zu tun hat) zutrifft:
«(…) trotzdem sagt uns die Erfahrung unserer Tage, dass gerade jene Herrscher ‘Besonderes’ geleistet haben, die nur wenig von der Treue gehalten und es verstanden haben, mit Verschlagenheit die Köpfe der Menschen zu verdrehen; und schließlich haben sie über die die Oberhand gewonnen, die ihr Verhalten auf Ehrlichkeit gegründet haben.»

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@ dantonbln: Die befristeten Verträge gibt es allerdings auch bei den öffentlich-rechtlichen für die "festen Freien" (Planstellen haben meist nur noch die alteingesessenen Redakteure), Glück hat, wessen Rahmenvertrag zwei Jahre läuft und nicht nur eines. Eine Freundin von mir ist Nachrichtenredakteurin bei einem öffentlich-rechtlichen Sender, die hatte jahrelang nur Drei-Monatsverträge, weil man ihre Entlohnung als Produktionskosten "tarnte". Für den Sender war das eben praktischer, was das für ihre Lebensplanung bedeutete, interessierte keinen.

Ich kenne eine junge Redakteurin bei einer privaten TV-Produktionsgesellschaft eines nicht unbekannten Fernsehmenschen, die am laufenden Band für einen öffentlich-rechtlichen Sender Beiträge macht, die hat auch nur einen Jahresvertrag, eine 50- bis 60-Stunden-Woche und bekommt 2.500 brutto. Finanziell ist das schon ein Riesenfortschritt, denn während ihres so genannten Volontariats bei einer anderen privaten TV-Produktionsfirma, die für ARD, ZDF und die Privatsender produzierte, bekam sie 800 Euro brutto - und Hartz IV. Dafür arbeitete sie dann 60 bis 80 Stunden die Woche und hatte einen cholerischen Chef. Am schönsten war es immer dann, wenn der auf seiner Finca auf Mallorca weilte, erzählte sie.

Zwischen Verdienst und Können besteht im Journalismus nur selten ein Zusammenhang.

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@dantonbln, schoenes Bild von den Kellerkindern und den Bewohnern der Bel Etage.

Laesst sich uebertragen auf die oeffentliche Verwaltung, und aus diesem Bereich habe ich Untersuchungen in Erinnerung, in denen man festzustellen suchte, was fuer besondere Merkmale es sind, die das Personal in der dortigen Bel Etage von den "Kellerkindern" unterscheidet. Die Merkmalsbestimmung erfolgte dabei ausgesprochen brav, bezogen auf Schul- und Hochschulabschluesse, Parteimitgliedschaften und dgl. und sparte informelle Faehigkeiten (Ellbogeneinsatz, Strippenziehen, Sitzfleisch, Trinkfestigkeit usw.) voellig aus, was ein Manko ist.

Koennte mir vorstellen, dass man mit einem solchen Ansatz auch fuendig wuerde, wenn man sich die verschiedenen Etagen der Medienwelt unter diesem Blickwinkel anschauen wuerde.

Und noch ein Wort zu Amelia. Ein solches Verfahren liesse sich auch auf Manager von Hedge-Fonds anwenden. Es gibt auch in diesem Metier nicht nur Kellerkinder und schwarze Schafe. Denken sie an Marc Faber, oder, um im Bild zu bleiben: Wer hat Ende 2006 eine besonders noble Bel Etage, das Triplex-Penthaus im New Yorker Pierre-Hotel, zum Verkauf gestellt: Martin Zweig. Es war ein Wink mit dem Zaunpfahl.

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@arboretum

Kennen wir dieselbe? Wobei es bei mir ein Mann ist. Dazu muss man noch sagen, wie schwer es ist, so einen Jahresvertrag überhaupt zu bekommen. Ist ein echtes Privileg.

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@don ferrando
jo, meine alte als/wie-schwäche. ist aber bei einem gescheiten korrektorat kein problem. auf die inhalte kommt es an, oder? ansonsten gehen mir hier die vielen jammerer auf den wecker: wer mit dem plan "was mit medien machen" ins leben zieht und sich dann ausbeuten lässt, weil er nix gescheites kann und auch sonst kein rückgrat hat: ich hab so meine zweifel, ob der zum journalisten taugt.

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@larifarimausetot: Dieser Logik kann ich, ehrlich gesagt, nicht so ganz folgen, auch wenn diese Argumentationsweise offenbar in der Medienbranche sehr beliebt ist ("Wer nicht hart genug ist, um das auszuhalten, taugt eben nicht zum Journalisten!"). Aber was heißt das im Klartext? Wer nicht dazu in der Lage ist, zu katzbuckeln, sich anzupassen und den Ellbogen gegen Kollegen einzusetzen, der ist auch kein guter Journalist???

Klar, ein guter Journalist braucht Mut und Durchsetzungskraft. Aber um in großen Teilen der Medienbranche zu überleben, sind leider derzeit eher "Qualitäten" gefragt, die einen solchen gerade nicht ausmachen.

Und werden wirklich nur die ausgebeutet, die "nichts gescheites können"? Dass es auf einem hammerharten Arbeitsmarkt so gerecht zugeht, kommt mir mittlerweile vor wie eine Legende - in vielen Fällen jedenfalls.

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Ich frage mich auch manchmal, warum so viele Menschen sich diese extrem miese Behandlung gefallen lassen, anstatt die Konsequenzen zu ziehen. Nur: Es gibt ja viele, die es tun. Wer genug Rückgrat besitzt und andere Berufe ausüben kann, der macht das.

Aber wenn gerade die Mutigen und die Begabten diese Branche verlassen, dann brauchen wir vermutlich auch nicht allzu lange nach einer Begründung zu suchen, warum der Journalismus heute dort ist, wo er ist.

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@amelia: ist alles ganz logisch
mutige und begabte wissen was sie und ihre arbeit wert sind. und wer gute leute will, muss sie eben auch entsprechend bezahlen. nur, das was viele zurecht neutral "medien" nennen, will ja gar keine guten leute, weil in diesem medien auch kein journalismus betrieben wird. diese selbstreferentiellen verarschungsmaschinerien ziehen sich mit den geschilderten arbeitsbedingungen genau die leute heran die sie brauchen.

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Manchmal wäre ich schon froh, wenn die Jungredakteure der hiesigen Lokalpresse bis zum Ende einer Veranstaltung blieben und sich auch die richtigen Namen der Leute, die sie fotographieren, aufschrieben.
Früher gab es eine Chefredakteur, der die Mitglieder des Stadtrates kannte, die Kreistagsmitglieder ebenfalls und auch ganz genau nachfragte. Seine Artikel wurden geliebt und waren gefürchtet. Als die Zeitung immer weiter verkauft wurde, hat man ihn rausgedrängt. Zu teuer, zu alt.
Ich hab ihn auf dem Parkplatz des Einkaufszentrums getroffen und ihm gesagt, dass er fehlen würde. "Ach , die Jungen machen das schon recht" Dabei hatte er ganz traurige Augen.
Vielleicht hätte er rechtzeitig mit Kronleuchterputzen anfangen sollen.

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