Vorspeise

Irgendwann muss ich mal einen längeren Text über die digitale Spaltung zwischen Medienmachern und einer steigenden Anzahl der ehemaligen Rezipienten schreiben. Man weiss, dass ich von Web2.0 nichts halte, aber dieses vollkommene Negieren des Neuartigen, das Beharren auf einer Gatekeeperfunktion, wir da oben, die anderen da unten, macht mich krank. Das System ist schon lange morsch und anfällig, Radio ist kein Medium mehr, junge Leute abonnieren keine Zeitung und die Glotze ist Bildberieselung. Aber das Fach und seine Vertreter denken und reden, als gäbe es weiterhin ein Vertriebsmonopol für Informationen. Und wer nicht informiert, der meint nur. Ist ja ok Meinung zu haben, aber Journalisten wird man dennoch immer brauchen. Und Internet, das ist doch das Ding, das schon mal gescheitert ist, oder?

Es wäre blauäugig zu glauben, dass sich die Medien nicht dennoch irgendwan, wenn der Leidensdruck aus dem Netz zu gross wird, erneut erfinden. Erfinden wollen. Nur ist es dann reichlich spät, zu spät, wie für die Plattenindustrie vielleicht. Momentan jedenfalls herrscht die Blindheit vor, man wiegt sich in Sicherheit und glaubt, dass es halt auch nur so ein Medium sein wird, wo manche von ihnen einen Job finden werden. Dann ist ja alles gut.

Gute Nacht, ihr lieben Medien.

Samstag, 1. April 2006, 10:22, von donalphons | |comment

 
Off Topic
Kurzer letzter Nachtrag zu unserem Transparency-Deutschland-Fall:

Die neue Zugriffsstatistik von Transparency Deutschland der letzten Woche ist online:

http://www.die-stimme-der-freien-welt.de/redirect.php?url=http://www.transparency.de/statistik/

Man kann sich da nicht über mangelnden Traffic beklagen. Die Anzahl der Requests am Tag hat sich in der betreffenden Woche von 26.114 auf 47.022 fast verdoppelt. Gleich ein gutes Gigabyte mehr Traffic. Auch die Anzahl der zugreifenden Hosts ist von 6.911 auf 12.548 hochgeschnellt (auch wenn die Zahlen etwas ungenau sind). Na, wenn das mal nichts ist. Und während früher um die 30 Leute von Wikipedia aus auf die Site gekommen sind - und das damit schon die Top-Referring-Site war -, waren es immerhin jetzt 5.308 Leute über Google und 1.237 Besucher über rebellmarkt und erhält daher nach Google den Platz 2 im Referrer-Report. Wirres.net (Platz 5) hat immerhin 765 Zugriffe beschert, der FOCUS 343 (Platz 6) und die Süddeutsche 776 (Platz 4). Und von der Stimme der freien Welt kamen 143 Leute (Platz 10).

DAS ist mal eine PR-Glanzleistung, auf die man stolz sein kann: «Gain more traffic for your site».

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Du warst 2 Minuten schneller. ;-) Schön, wenn wenigstens der Server Trasparenz herstellt.

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Ja, und die Statistik hat folgende interessante Stellen:

Verweise
871: 2,49%: http://rebellmarkt.blogger.de/stories/416738/ (5. Platz)
519: 1,49%: http://wirres.net/article/articleview/3560/1/6/ (17. Platz)
168: 0,48%: http://wirres.net/
123: 0,35%: http://rebellmarkt.blogger.de/
120: 0,34%: http://rebellmarkt.blogger.de/stories/414657/

Verweisbericht Server
1237: 3,54%: http://rebellmarkt.blogger.de/ (3. Platz)
765: 2,19%: http://wirres.net/ (6. Platz)
169: 0,48%: http://www.basicthinking.de/ (9. Platz)
162: 0,46%: http://larko.wordpress.com/ (10. Platz)
143: 0,41%: http://www.die-stimme-der-freien-welt.de/ (12. Platz)
91: 0,26%: http://www.gulli.com/ (13. Platz)
77: 0,22%: http://www.boocompany.com/
66: 0,19%: http://negativ.gemutlichkeit.de/

Bei den Suchbegriffen:
30: 0,47%: transparency ist unmoralisch (10. Platz, hihihi)
26: 0,41%: jochen bäumel (12. Platz)

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Interessant auch, was bei Transparency der Pressespiegel "Über TI" wiedergibt.

http://www.transparency.de/index.php?id=559&tx_ttnews[cat]=24

Da steht nämlich als letztes immer noch der Whistleblow-Hotline in der Schweiz-Artikel vom 28. März. Ham se wohl vergessen zu aktualisieren, wa.

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So deprimierend in Chemnitz? Oder doch nur Tal der Ahnungslosen?

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hey hey! das Tal der Ahnungslosen war immerschon Dresden..
Ich war da gestern, und ja da wurde zum Teil Berufsblindheit zelebriert. War aber insgesamt ganz interessant. Werd später dazu mal noch was auf meiner Seite schreiben.

Aber sagen wir mal so: zum Schluß wurde geklatscht wenn jemand auf dem Podium der Schwarzmalerei des Don wiedersprach. Das Klatschvieh wollte nur hören, dass es alles richtig macht

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Das Tal der Ahnungslosen war überall, wo ARD & ZDF nicht zu empfangen waren. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dies in Karl-Marx-Stadt möglich war.

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Wieso soll das damals in Karl-Marx-Stadt nicht möglich gewesen sein? Marcel hat da schon recht mit der Region um Dresden. Und selbst da haben es einige Tüftler geschafft, West-Fernsehen zu empfangen.

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strappato, ich bin in der Umgebung von Karl-Marx-Stadt aufgewachsen und wir haben immer ARD und ZDF empfangen. Da ist völlig irrelevant, was Du Dir vorstellen kannst und was nicht.
siehe auch wikipedialink

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Schätze, der Sendemast stand in Hof.

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Man lernt nie aus.

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Im Norden der DDR (Region Stralsund und Rügen) gab es auch einige Städte, die liebevoll als "Ostsehgemeinden" bezeichnet wurden. Da halfen auch Vierfachantennen und ganze Batterien an Antennenverstärkern nicht viel.

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Bequem, wie der Ossi als Solcher so ist, war niemand bereit, Schwedisch zu lernern.

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Die Propagandaschleuder stand auf dem Ochsenkopf unweit des thueringisch- saechsischen Grenzverlaufs und das Erzgebirge verhinderte durch seine ausreichend wuchtige Erscheinung die Bestrahlung der Dresdner. Selbst in Leipzig war bei guten Bedingungen das Gefasel von Löwenthal zu empfangen.
Und Sudelede kam ja auch recht weit in die Gegenrichtung.

@che2001:
gibt es dazu aussagekraeftige Untersuchungen? :-)

@oberlehrer:
solche netten Konstruktionen standen natuerlich auch im Tal der Ahnungslosen. Ich war immer wieder erstaunt, woher die das dafuer notwendige Material hatten. Einige masten waren richtig hoch (>10m).

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Bequem, wie der Ossi als Solcher so ist, war niemand bereit, Schwedisch zu lernern.

Hat (oder hätte) nichts genutzt - auch schwedische oder dänische Sender waren de facto nicht zu empfangen.

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@che
Die kannten in den 70ern diese netten Schweden-Hefte mit den jungen Damen&Herren nicht - die bei uns Bückware waren, aber aus anderen Gründen. Sonst würde heute Schwedisch die Amtssprache in M-V sein.

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@ marcel: Ich war da nicht weiter überrascht - nur hätte manche vielleicht bedenken sollen, dass, wenn sie für den Beruf "brennen", irgendwann nur Asche übrig bleibt. Oder ein verkohltes Kadaver.

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teile von mcpomm waren so vom 30-jährigen krieg bis 1815 schwedisch.

die interpretation, die waren deshalb gerne preussen, weil sie zu faul waren, schwedisch zu lernen, halte ich für überzogen. keiner war gern preusse, ausser meinem landsmann, dem hegel, der war aber die ausnahme und nicht die regel.

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Es gibt einen Aspekt, den ich aus der vermeintlich kritischen Ecke der professionellen Medien goutiere. Sie versuchen daran zu erinnern, was eine ordentliche Berichterstattung charakterisiert und Journalisten in der Ausbildung lernen. Ich glaube, es schadet nichts, dass sich auch Blogger dieser Herangehensweise an Themen bewusst sind. Daran halten müssen sie sich freilich nicht. Meines Erachtens soll jeder schreiben wie und worüber er will.

Der Fall T.I.D. ist dafür ein gutes Beispiel. Es wurde auch schon an anderer Stelle erwähnt, dass von Beginn an sehr wohl zwischen Fakten und Meinung unterschieden und auch immer darauf hingewiesen wurde, dass die tatsächlichen Hintergründe unbekannt waren. Zur Debatte stand die Art und Weise einer aggressiven E-Mail mit bösen Drohungen an eine Bloggerin, die unkonkret blieben, weil es anscheinend nicht für nötig gehalten wurde, diese zu begründen.

Damit komme ich zur Gatekeeperfunktion und dem Inhalt des obigen Postings. Die Blogs im Fall T.I.D. spannten für mich einen Kommunikationsraum auf, in dem sich viele Menschen miteinander über eben diesen Sachverhalt ausgetauscht und versucht haben, den Hintergründen auf den Grund zu gehen. Und wie es ein Gespräch nun einmal so an sich hat, kennt man die Wahrheit nicht schon am Anfang der Debatte. Je mehr Leute sich daran beteiligen und gehört werden können, desto besser ist es doch. Die Metapher der Rudelbildung (Jörg-Olaf Schäfers) erscheint mir da etwas deplaziert.

An bestimmten Punkten in der Debatte dürfen gern Zwischenberichte geschrieben werden, und am Ende sollte eine gute Zusammenfassung nicht fehlen. Ein solcher Zwischenbericht war etwa im Focus Online zu finden. Gern darf auch ein Journalist der Tagesschau.de nach allen Regeln der Kunst eine Zusammenfassung der Ereignisse liefern. Der Focus-Online-Bericht las sich für mich allerdings wie ein klassischer Blogbeitrag. Und der Tagesschau-Artikel ließ etwas an Qualität vermissen.

Wenn die Medien, ob Blogs oder Zeitungen, eine Art Gatekeeperfunktion in Anspruch nehmen wollen, müssen sie solche Ereignisse und Debatten journalistisch begleiten und die jeweiligen verschiedenen Standpunkte zusammenfassen.

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die klassischen medien haben allen grund zu jammern, denn der gemeine bürger entscheidet sich immer mehr, denen immer weniger zu glauben.

von je her wurde der bürger durch kirche, staat und medien gesteuert. nun endlich, nach all den jahrtausenden, steuert sich der bürger das erste mal selbst.
klar das die angst haben.

hätte ich auch. hab ich aber nicht, da ich bürger bin der die klassischen medien schon längst nur noch bedingt ertragen kann. medienvertreter die allzugerne bei bild abschreiben, haben verloren, ob nun im fernsehen, in zeitschriften oder im netz.
wir bürger werden langsam erwachsen und ertragen die schrottige werbewelt nur noch mit unwohlsein. wenn man dann auf ein anderes medium, internet, wechselt und erkennt: "oh da geht ja was ganz anderes", dann ist das ein lernprozess deren ende auch das ende vieler werbe -und medienstrategen sein wird.

blogs schaffen einen neuen lobbyismus.
auf dem weg dahin wird es sicherlich noch viele schlappen und fehler geben. aber so ist's nun mal mit der freiheit, wenn man sie hat, muss man sie erstmal lernen.

ich lerne auf jeden fall gerne und immer.
den medienvertretern wünsche ich natürlich auch diese einsicht, auch wenn sie sie sicherlich nicht entwickeln werden. schade, aber dennoch tschüss ihr medien...

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100 % ACK!

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Gegengewicht
Blogs schaffen einen neuen Lobbyismus?

Ich weiß nicht. Blogs sind m.E. im Wesentlichen eine Form einfachen öffentlichen Schreibens. Das wird den Lauf der Welt nicht grundsätzlich ändern, aber sorgt - immerhin - für eine gewisse Akzentverschiebung.

Meine Hoffnung besteht darin, dass Blogs ein (civitas!) Gegengewicht schaffen, und damit einen Ausgleich zur Welt der mitunter passend gedrechselten und orchestrierten Berichterstattung von Medien, welche m.E. zu selten (und im Trend immer weniger häufig) den Dingen auf den Grund gehen. Sie drucken immer mehr entweder Agenturmeldungen nach, blind-blöde, bzw. verrichten PR-Arbeit für entsprechend interessierte Gruppen.

Das ist nicht unproblematisch, immerhin bestimmen Medien nicht unwesentlich den Blick auf die Welt.

In dieser Welt sind Blogs ein Gegengewicht, die teils eine alternative und von organisierten Interessen unabhängige Öffentlichkeit schaffen, teils "den Medien auf die Finger schauen", teils helfen, den Qualitätsstandard der Berichterstattung zu heben. Wenn es gut läuft.

Wenn es schlecht läuft, werden Blogs als Mittel zur gezielten Beeinflussung der Bevölkerung betrachtet, wie wir es teils im fernen Amerika erleben können, wo sogenannte "think tanks" hinter Pseudo-Blogs bzw. eigens herangezüchteten Persönlichkeiten wie einer Michelle Malkin stehen.

Mein Fazit: Die klassischen Medien haben noch nicht abgewirtschaftet (befinden sich aber im Sinkflug), während Blogs vor allem die Zahl der verfügbaren Stimmen erfreulich erhöhen, und dies (z.Zt.) auf eine recht demokratische Weise.

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Jede gesellschaftliche Umwaelzung ...
... war auch mit einer Umwälzung der Medienlandschaft verbunden. Und genau da stehen wir jetzt ... kurz vor einer Umwaelzung. Laenger ausgeführt hier nachzulesen.

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Es gibt aufgrund der Digitalisierung keinen richtig schlagenden Grund mehr für die alten Medien. Und den journalistischen Rest besorgen Boulevardgosse, Kampagnenhuren und Hinficker des Fäuletons schon lange selbst: Dass es kaum mehr jemanden stört, wenn ein Journalist verhungert. Was Medien gerade erleben, aber nicht verstehen ist, dass das Verhältnis des Rezipienten zum Gatekeeper genauso arrogant und verächtlicht ist wie in die andere Richtung. Früher war das dank Monopol egal. Heute hat sich da was geändert. Noch nicht viel. Aber immerhin. Die Medien haben 200 Jahre gebraucht, um bestimmend zu werden und waren es 100 Jahre. Der Abstieg wird schneller gehen, da bin ich mir sicher.

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