Minus x

Natürlich ist es aus ihrer Sicht schwer zu verstehen. Und es passiert auch nicht oft, dass eine nach theorethischen Massstäben und statistischen Daten erfolgreiche Regierung die Mehrheit verliert, zumal sie diese Mehrheit jahrzehntelang gepachtet zu haben schien. In der CSU herrscht vor allem fassungslosigkeit ob des Unrechts, das ihnen die Bayern, IHR Staatsvolk, trotz Verblödung durch geschmierte Medien, ihnen am kommenden Sonntag anzutun gedenkt. Vermutlich gar mit der Linken im Parlament, denen ich das wirklich wünschen würde, hätte ich nicht oft mit dem Maget zu tun gehabt und eine hohe Meinung von ihm.



Dass es überhaupt so weit kommt, ich nicht nur für die CSU, sondern eigentlich für alle Bayern eher überraschend. Die kommende Niederlage ist nämlich kein Zeichen der Stärke der Opposition, sondern vor allem eine Folge der ganz erstaunlichen Schwäche der Regierungspartei auf allen Ebenen: Mediokre Figuren ohne das richtige Gefühl für das Land, Verwaltertypen und Wendehälse, kein Charakter, nur Karriere, Proporzviecher und Schparifankerl, hinter denen die blauweissen Kulissen mit Kirchturm und Berg erkennbar zu bröckeln beginnen. Sie bröckeln schon lang, aber wenn ein falscher Söder davorsteht oder der Preussenimport Haderthauer, die falschen Dirndln und die Plastikhirschknöpfe, die Alleinunterhalterfolklore aus dem Synthesizer dudelt und der letzte Rückhalt die Abstimmungsergebnisse der katholischen Altersheime sind, dann fällt das jedem auf. Die CSU ist personell nicht mehr das Bayern, das sie mal repräsentierte.



Sie ist auch nicht mehr die Partei der Champions League. Die Liste der Verfehlungen ist lang, Privatisierung und Verschwendung der Gelder, Kaputtvereinigung von Hypo- und Vereinsbank, Landesbankskandale, Entlassungswellen bei Siemens und BMW, ein schrumpfender Medienstandort in München und die Unfähigkeit, Bayern auf ein einheitliches Niveau zu bringen, symbolisiert durch den Transrapid für München und Strukturprobleme in der Oberpfalz, dann der Fluglärm im Speckgürtel, Naturverschandelung, das Rauchverbot und - Hassprojekt für jede bessere Familie - das achtstufige Gymnasium, während die anderen, die rausselektiert werden, schaun können, wo sie bleiben. Ein grassierender Regulierungswahn, und überhaupt hat man den Eindruck, dass es sich schon länger nicht mehr so frei atmet, unter der Libaralitas Bavariae. Was natürlich eine Illusion ist. Denn nie war Bayern, trotz allem, besser als heute, und nicht mal die CSU würde zurückwollen in den reaktionären Straussschen Sumpf.



Aber die Zeiten, da sich Bayern als Ordnungszelle abkoppeln konnte, die Zeiten des Münchner Kessels und der WAA sind vorbei. Bayern hat sich geändert, und die CSU kommt nicht mehr hinterher, sie packt den Spagat nicht mehr zwischen den Gebirgsjägernazis und den Leuten in der Stadt. Die Moderne ist zu vielschichtig für diese Partei, deren swingercluböse Elite so christlich redet und sich anders durch die Landschaft vögelt. Früher sagte man, dass sie scho Hund san, heute überlegt man, wie man die räudigen Köter los wird. Man hat sich gegen die Partei den Bürderentscheid erkämpft, man hat auf vielen Ebenen gelernt, sich zu wehren und nicht mehr die Fresse zu halten. Ich bin in der allerbayerischten Umgebung, die man sich vorstellen kann, weiter hinten im Tal ist die Zentrale der CSU, am Leeberg wohnt die ganze Parteischickeria, aber der Bauer, der seine Kühe vor meiner Terasse grasen lässt, wählt grün, weil die gegen Gentechnik sind; wenn ich auf den nächsten Berg steige, wird an den Ställen zum Bürgerbegehren für nachhaltige Landwirtschaft aufgerufen, und die Anwohner haben beim Verfassungsgericht gegen Partei und Baugiganten den Abriss eines Baudenkmals verhindert. Die CSU hatte hier immer die Mehrheit, aber schon bei der Kommunalwahl ging sie baden, ein Vorgeschmack auf das, was kommen wird. Minus x, und dann der unvermeidliche Diadochenkrieg der Doppelmoralischen.

Freitag, 26. September 2008, 01:33, von donalphons | |comment

 
Diese Stimmungsberichte lese ich immer sehr gerne. Aus irgendeinem Grund habe ich mich schon immer für Bayern und seine Bewohner interessiert und mir dafür in den frühen 80ern als Norddeutscher so einiges anhören müssen. Bayern = Strauß = CSU = bäh, so saß es fest in den meisten Köpfen, und wenn ich dann nicht nur die fast hochdeutsch gesungene Rosi, sondern auch die anderen Lieder der Spider Murphy Gang gekauft und gerne gehört habe, später dann Haindling goutierte, wurde da um mich herum so einiges gerunzelt. Mal davon abgesehen, dass ich damals sogar den FC Bayern toll fand mit Rummenigge, Breitner und Dürnberger.

Es hat mich immer gestört, wenn es schon ausgereicht hat, im (schlecht imitierten) bayerischen Dialekt zu sprechen, um einen hinterwäldlerischen Deppen darzustellen. Und es freut mich, wie Sie hier regelmäßig aus erster Hand berichten.
(Warum mich das so interessiert, müsste ich aber mal mit meinem Therapeuten besprechen).

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Leider stimmt es ja: Es gibt ein Bayern, das immanent böse, zurückgeblieben, dumpf und korrupt ist. Es gibt, gerade wenn man hier den grössten Teil seines Lebens zugebracht hat, jeden Tag was zu kotzen, und das in einem Land, einer Landschaft, unter Menschen, das so wunderschön, reich und herzlich sein kann. Die CSU ist die Krankheit des Landes, und wie jede Krankheit musste sie erst grosse Schäden anrichten, bevor man sich entschloss, sie anzugehen. Jetzt versucht sie es mit weniger Schaden, aber es wird ihr nichts mehr helfen. Diesmal bekommt sie eine reinbetoniert, diesmal hat der Bayer die Schnauze voll, diesmal packen wir es. Und brauchen uns dann auch in Zukunft von keinem Hessen und NRWler irgendwas sagen muss.

Die CSU muss weg, damit Bayern sein kann.

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Es gibt ein Bayern, das immanent böse, zurückgeblieben, dumpf und korrupt ist.

das gibt es anderswo, leider, auch.

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In Bayern ist es hübscher verpackt

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ach so. stimmt eigentlich.

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Winselt mal nicht so ´rum.

Es gab in Bayern immer die Regel: "Das Land der CSU, die Stadt der SPD" - d.h. die ganz alltägliche Kumpanei, die Korruption, die Versorgungspöstchen sind an den "fortschrittlichen Kräften" nicht so ganz spurlos vorübergegangen.

In Ruhrgebietsstädten gab es vier Jahrzehnte den vollen Zugriff der Staatspartei bis zum letzten Hausmeisterposten und da wurden Leute zu Kämmerern einer Großstadt, die noch nicht einmal wußten, daß es die Zahl "3" überhaupt gibt.

Und solange mehr Niedersachsen, Bremer, Pfälzer nach Bayern ziehen als umgekehrt, scheint die Großwetterlage nicht so schlecht zu sein.

... abgesehen davon, möchte ich in Bayern nicht tot über´m Zaun hängen.

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"Swingerclubös" ist für mich das Wort des Jahres - oder das Unwort - egal !

Ich bin hartnäckig - BITTE Don - schreibe einen neuen Roman ! (Auch wenn ich wahrscheinlich trotzdem CSU wähle ! Die Alternativen sind für einen selbstständigen Unternehmer auch nicht wirklich prickelnd)

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Ich bin hartnäckig - BITTE Don - schreibe einen neuen Roman !
Das tut er doch längst. Was wir hier lesen + schreiben, sind letztlich Werkstattgespräche, gell?! :o)

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Bücher kann man aber nicht kommentieren. (Ich wurschtel ja schon länger rum, aber der Druck fehlt momentan (Danke der Nachfrage (Ihr habt ja recht)))

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Ich bin hartnäckig - BITTE Don - schreibe einen neuen Roman !

bei den brüdern grimm heisst es, früher, als das wünschen noch geholfen hat..

don, bitte, sittenbilder aus dem baiern der neuesten zeit, es würden viele eine saggrische freud dran haben und so auch ich.

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Ich benutze mal den Grünen Wahlslogan: "Zeit wird's" - Zeit wird's einfach, dass die alten CSU-Haudegen abgewählt werden. Wenn ich mich in meinem Wahlkreis umblicke (tiefstes, tiefstes Niederbayern) da kommt mir das Grausen. Da sind bei den letzten Wahlen Leute in den Landtag gerutscht, bei denen man meint, sie könnten nicht bis 3 zählen.

Ich bin sicher, dass die CSU die 50 Prozent nicht packt, allerdings ist leider eine Regierung ohne Beiteiligung der CSU noch fern...

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Strategie und Herz
Ich habe ja kurz mal mit dem Gedanken gespielt, aus strategischen Gründen die Linke zu wählen, denn wenn die in den Landtag kommt, wirds ganz eng für die CSU.

Aber dann doch wieder den Gedanken verworfen. Maget ist wirklich ein anständiger Kerl und hätte das nicht verdient.

Ob die CSU nun allein regiert oder nicht, wird so viel nicht ausmachen. Aber die 50 reißen, das wird weh tun. Richtig weh.

Aber es reicht dann vielleicht noch nicht für ein Comeback von Seehofer, der die CSU wieder nach oben brächte.

Wenn die aber mit Beckstein/Huber weiterwurschteln, dann zerbröselt sie es beim nächsten Mal.

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Seitdem die SPD einen Medikamentenmissbraucher, Doppelpleitier und Fahrtenbuchfrisierer im Vorwärts schreiben lässt, bin ich auch wieder unsicher. Eine Partei, deren Spitzen so bescheuert sind...

Seehofer ist meines Erachtens auch nur heisse Luft, und da gab es in der Vergangenheit auch mehr, als der Gegenwart zuträglich wäre, eingesperrt in den Giftschränken der Medien.

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eigentlich interessant wird es erst, wenn die bonzen (hauptamtliche funktionäre, die ausser csu nichts gelernt haben) sich etwas anderes suchen. wird aber erst nach der wahl kommen.

dann wird es interessant, wer da wohin...

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Schlimmstenfalls wird dann eine Regierungsbezirksregierung mit neuen Stellen erweitert, zum Wohle der besseren Unterdrückung des Landes.

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ähnliches spiel in baden-württemberg. szene: ein polizist stellt einen verkifften skaterlike jugendlichen an die wand und gibt ihm das volle programm. zitat passant, der so aussieht als ob CDU wählen genetisch mitgegeben wurde, zu polizist: "Heilandzack, nix besseres zu tun!"
Das fand ich, gelinde gesagt, seltsam. times they are a changing und so.

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Das ist doch schön. Aber tatsächlich würde man sich so ein Verhalten vor allem bei den auch in BW nicht seltenen Steuerhinterziehern wünschen.

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