: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Samstag, 11. September 2004

Witz der Woche

...schrieb für die legendären "Berliner Seiten" der FAZ...

steht so über einen Autor im Programm von Eggers & Landwehr, dem Laden, der auf 50 Euro nicht herausgeben kann. Man kann´s ja mal versuchen mit der Legendenbildung, nicht wahr? Noch 50 Jahre, und Illies ist der neue Tucholsky gewesen.

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Irgendwo in Thüringen

Der Supermarkt hat noch auf. Bis um 20 Uhr, aber das scheint der Bevölkerung egal zu sein. Der Laden ist fast leer, nur an der Kasse unterhält sich eine Kundin mit der Verkäuferin über die Qualität der in Plastik eingeschweissten Würste aus dem Sonderangebot. Sie sagt, da würde schon was blau schimmern, ob es Rabatt gibt. Sie einigen sich auf 20% Nachlass.

Vor dem Supermarkt ist eine grosse Halle mit Bäckerei und Cafe. Hier ist bereits alles zugerammelt. Aus den Boxen dröhnt Verzerrtes von Abba, ein Basslautsprecher ist wahrscheinlich kaputt. Die Lichter sind ausgeschaltet, und nur wenige Schritte vom Eingang des Supermarkts entfernt ist schon ziemlich dunkel. Schemenhaft zeichnen sich weiter hinten helle Holzmöbel und Theken in Türkis und Rosa ab.

Die automatische Tür surrt auf und entlässt mich in die späte Sommerluft. Gegenüber plätschert ein Bach, und dahinter dehnen sich die Ruinen alter Industriegebäude aus. Auf einem Plakatständer wird eine Kultband des alten, toten, wiedererstandenen Ostens angekündigt. Die Bandmitglieder sehen auch heute noch so aus, als wären sie gerade einer 70er-Jahre-Teeniezeitung entkommen. Irgendwer hat in Blau ein Hakenkreuz darübergesprayt.

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Real Life 09.09.04 - Dressed to chill

Eigentlich müsste ich die Einkaufstour im typischen Christian-Kracht-Stil beschreiben, selten so belanglos Kleider gekauft wie heute, ungefähr so:

Ich mein, es hätte auch noch schlimmer kommen können. Zumindest die alten Teile von Gaultier, Comme de Garcon und Byblos, die ich nicht mehr trage, die mir aber sehr viel bedeuten, waren im ersten Stock untergebracht. Aber der Wassereinbruch im Keller hat meine Mutter dazu gebracht, viele Herbstsachen wegzuwerfen. Die Alltagskleidung eben. Lezard und so Zeug. Ich werde nackt unter Hyänen sein, in Berlin.

Also fahre ich in die Stadt. Der erste Laden hat sich in den letzten Jahren zu seinem Schlechtesten verändert. Wäre ich Robbie Williams, könnte es passen, aber ich möchte dezenter in den Herbst. Auch der zweite Laden hat wenig, und was er hat, ist von Boss. Ich habe einmal einen Anzug von Boss gekauft, das war in Verona, ich musste am Abend noch auf eine Party in Peschiera und hatte mir meinen Leinenazug mit Saft ruiniert. Das war das einzige Mal, glaube ich. Ein heller Leinenanzug mit braunen Streifen wäre auch da, aber der ist nur was für die Affen der Provinz.

In den dritten Laden gehe ich nicht gern, weil die die Preise in goldenen Zahlen draufschreiben. Dabei sind die Zahlen noch nicht mal so hoch, dass es sein müsste. Aber ich will nicht in Berlin frieren, oder mir Berliner Boutiquen antun, also gehe ich da auch hin. Ich hoffe, dass der Sohn der Besitzer, der auf meiner Schule war, nicht den Laden übernommen hat. Ein Gespräch über die Vergangenheit wäre mir unangenehm. Aber ich habe Glück und kann dort in Ruhe einige Teile kaufen, wie das mittelbraune Jacket mit den Samtflicken an den Ärmeln.



Und dann auch noch 2 Stunden auf einer Wiese gesessen. Allein. Reflektiert, also das einzige getan, was mich noch ein wenig von den anderen hohlen Idioten meiner Baureihe unterscheidet. In deren Augen bin ich ein Betriebsunfall.

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