: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Sonntag, 12. Dezember 2004

Briefkasten nach einem Monat

Unter all dem Müll war auch eine Einladung zu einem Vortrag; Innovative Unternehmensfinanzierung mit Fallbeispielen zu Trade Sale und Venture Capital Finanzierung. Eingeladen haben die üblichen Verdächtigen, staatsnahe Banken und ein Netzwerk. Ich gehe immer gern zu solchen Events, um blöde Fragen zu stellen, etwa: "Der klassische Trade Sale des Jahres 04 waren ja ganze Portfolios geplatzter Corporate VCs, was kann man denn als kleines Unternehmen tun, wenn die Knochenbrecher und Verwerter kommen?"

Man bekommt auf solche Fragen Antworten, die keine Fragen offen lassen. Manche Leute bestehen nur aus den Claims ihrer Powerpoints, und auch nach 4 Jahren der Pleiten wissen sie noch immer nicht, wie man sich zumindest halbwegs elegant rausredet, wenn man ansonsten nur neben dem Unfallort stehen kann und zuschaut, wie die innovativ finanzierten Startups reihenweise verbluten.

Allerdings hätte mich der Spass als Nichtmehrmitglied 220 Euro gekostet, für einen Abend unter Leuten, die noch immer nicht begriffen haben, dass es vorbei ist, und diese Geisterbahn ist dann in einem maroden Mediacluster weit draussen an der Rosenheimer Strasse, den ich seit einem Jahr nicht mehr betreten habe - wegen der Geister meiner eigenen Vergangenheit, und mangels Oportunity. Die letzte Frau in dieser schrägen Szene, in die ich mich beinahe beim ersten Blick verknallt hätte, ist April 2001 ausgestiegen, und sie wusste, warum sie nur Studentin wurde, und alle Angebote, Pressetante in einem Startup zu werden, ausschlug. Eine Frau mit Augenmass. Vernünftig. Auch sowas gab es.

Eine einzige.

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Real Life 11.12.04 - Was noch fehlte

Es gab eine Zeit, erste Hälfte der 90er Jahre, da hatte diese Stadt Discotheken und Clubs, die sich einigermassen mit München messen konnten. Das heisst, importierte DJs, eine ordentliche Selektion an der Tür, was in der bayerischen Provinz wirklich ein Muss ist, ordentliche Locations irgendwo im Keller am Rande der Altstadt, Publikum die lokalen Berufskinder, die auch nicht jeden Abend ins P1 konnten.

Mitte der 90er geschah das, was auch in München Insitutionen wie das Parkcafe ins Trudeln brachte: Megadiscos wurden eröffnet, die jeden reinliessen, der genug zahlte und nicht zwangsläufig die Besitzer kennen musste. Die, wenn man so will, familiäre Atmosphäre von Clubs wie dem BaBaLu war nicht mehr gefragt. Die Tanztempelchen der Provinz wurden dicht gemacht, die Leute versuchten ihr Glück in der Grossstadt. Ein Laden mit dem Namen "Cloud" steht jetzt seit fast 7 Jahren leer, ein anderer ist heute Teil des Königreichssaals der Zeugen Jehovas.

Aber die Ankunft von ein paar hundert zukunftsbewusster, afterworkübender Elitessen dreht das Rad der Geschichte zurück.



Gleich neben dem idealtypischen Sausalitos, dem Must-Go der hier auf das Überleben im Management Getrimmten, wurde eine alte Garage aufgebohrt. Neues Design, ein grandioser Stilbruch zur Umgebung mit den spitzen Giebeln und den Kastenfenstern. Am Wochenende sind davor lange Schlangen, und an der Tür schaut jemand, dass sie unter sich bleiben. Und über ihre Zukunft reden, von der ich weiss, dass sie ebensoviel Markt hat wie meine in die Metropolen geflohenen Bekannten, die inzwischen alle wieder da sind.

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Freitag, 10. Dezember 2004

Dirt Picture Contest - Slumbewohner packen es an

Soziologen kennen diese enorme gesellschaftliche Dynamik in Slums und Favelas, die sich die wichtigsten gemeinschaftlichen Einrichtungen durch Plünderung bei den Besitzenden selbst beschafft. Da werden Stromleitungen angezapft und dann mit Klingeldraht ganze Strassenzüge erleuchtet, Wasserleitungen werden mit grosser Findigkeit angebohrt und mit einer fragilen Konstruktion aus Blech und Plastik in oberirdische Kanalisation verwandelt, und man einigt such auf gewisse Plätze, wo man den unverwertbaren Müll entsorgt. Das ist zwar nicht immer schön anzusehen, aber anders bekommt man die sozialen Probleme nicht in Griff.

In Bundeshauptslum Berlin a. d. Spree nun ist die Stadtreinigung eher inaktiv; schliesslich ist die Stadt pleite und die Arbeitsbereitschaft ihrer Bewohner ist der von Sancho Pansa vergleichbar. Es gibt zwar Mülleimer, aber die sind oft kaputt, überfüllt, oder für den normalen Berliner viel zu weit weg, weiter jedenfalls als die Pinte, in der man gerade wieder Korn zu Preisen wie in der DDR ausschenkt, das Crack der kleinen Leute. Deshalb stellt man in Berlin meist in der Mitte der Strassenzüge, zwischen den Kreuzungen an irgendwelchem Laternenpfählen oder Betonkästen gestohlene Einkaufswägen ab, und die füllen sich dann langsam mit Müll.



Hier passen dann auch Verpackungen von DVD-Playern und der anderen Droge Glotze rein, die heute symptomatisch für die Slums dieser Welt ist. Dann sitzen sie in ihren bröckelnden Zimmern, stinken nach Schnapps und Bier, die nackte Glühbirne hängt von der Decke, und sehen in all ihrem Zerfall in der Glotze die Bilder der heilen Welt, die sie nie erreichen werden, während sich draussen die Ratten um die Essensreste in den provisorischen Kleinstkloaken balgen.

Hey, ich fahre heute nach Bayern!

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Bäckerei Stern

Als sie auf das Tiramisu verzichtete, hast du verloren. Danach bis du mit zu ihr, hoch in die Wohnung, du hast im Aufzug an ihrem verspannten Nacken herumgespielt, und oben machte sie Tee, aber als sie dann die Kanne aus der Küche holen wollte, waren ihre Lippen schon an deinen, und der Tee zog und zog durch die Ewigkeit der Küsse. Deine Hand glitt auf und unter den warmen, weissen Pulli, und du hast an Beate gedacht, die damals in Chamonix auch so einen Pulli trug, als es draussen klirrend kalt war, und alles, alles, was du in diesem Moment nicht wolltest, als du ihre leicht geöffneten, klippengleich aufgeworfenen Lippen gesehen und den sanften, warmen Hauch gespürt hast - war das, was du jetzt, eine Stunde später, nachts um 4 Uhr in Berlin gerade tust: Durch eine klirrende Kälte über die Bornholmer Brücke nach Hause laufen, ihren Geschmack auf der Zunge und den Geruch ihres Halses in der Nase, und das bescheuerte Wissen, die höllenelendlange Erfahrung, dass Frauen, die am Ende der Mahlzeit nichts Süsses zu sich nehmen, immer irgendwo zwischen Häkchen Nummero 3 am BH hinten und dem Abstreifen des Slips die Bremse reinhauen. Weil wegen Freund, wegen morgen aufstehen, wegen PMS, wegen tausend anderer blöder Gründe, von denen du weißt, dass alles diese verdammt kleine Extraportion Zucker weggewischt hätte, die sie mit dem Tiramisu verweigert hat. Frauen, die kein Tiramisu nehmen, ficken nicht - so einfach, banal und gnadenlos ist das Leben, und so dumm und lächerlich gehst du durch die diesige Luft, und zitierst Tucholsky.

Dass wir uns nicht besassen!
So aalglatt war mein Kinn.
Jetzt irr ich durch die Strassen, Malwine,
Und weine vor mich hin


Tucho hatte es einfach, der schrieb einfach ein Gedicht - Peng - schon hatte er eine Lydia, eine Prinzessin, ein Lottchen mitsamt ihren Rechnungen. Du lebst dagegen in einer Zeit, in der man auch als Schriftsteller keine Erfolgsgarantien mehr hat. Du gehst über den Jülischer Platz, und irgendwo vor dir surrt eine Lüftung. Du kommst näher, und dann trifft es dich wie ein Schlag in die Magengrube:

Mehr bei Restaurant.ville

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Donnerstag, 9. Dezember 2004

Jetzt bin ich aber doch etwas enttäuscht

Denn ich hatte mir schon überlegt, wie ich die Publicity der Wirtschaftszeitschrift und des bitterbösen, meine geschäftsschädigende Tätigkeit skandalisierenden Artikel von ihrem Autor nach all den zeitnah bekannt gewordenenbrillianten Recherchen in fette Profite verwandle. Es hätte hier eine Woche lang diese Werbung gegeben:

VERGESST DIE Wirtschaftszeitschrift - DIE WIRKLICH MIESEN GESCHICHTEN HAT SIE NICHT ENTDECKT!

Sie wollen wissen, wie man andere Firmen wirklich durch gezielte Indiskretion zur Sau macht? Sie überlegen selbst jeden Morgen, wie Sie Ihre Konkurrenz über den Jordan schicken können? Geben Sie es ruhig zu! Die Wirtschaft gehört denen, die überleben, und nicht denen, die Sie und wir draufgehen lassen. Wir haben es, weitaus gemeiner und fieser als in der Wiwo behauptet, aus Spass getan - Sie tun es aus beruflichen Gründen - deshalb: LET´S TEAM UP!

Alle Tricks und Basisinfos über die Dos and Don´ts des Niederschreibens finden Sie in meinem, von Handelsblatt und Heise hochgelobte Meisterwerk Liquide jetzt zum Supersonderpreis von 19,90 Euro. Technische Anleitungen zum Selbermachen gibt es im von mir mit Kai Pahl herausgegeben Buch "Blogs" inclusive Tips und Kniffen, was Sie tun können, wenn der Anwalt ihrer gegner kommt.

Und das Sonderangebot: Bestellen Sie schon jetzt erstklassige Markeninsider gegen Ihre Feinde bei mir und meinen Freunden Lanu, Boo, Joman, AppKiller, Peter_H, Noergler, Q, Che2001, HansMeise, Medvech, Pathologe, Gratefuldead, Dirtypicture, Tattletale, Held der Arbeit (!), FoolDC, Immobilienmakler, Nihilism, Booooster, Tomahawk, ZaphodB, Crashdotcom, somejustsurf, UncleMeat, 404filenotfound, Porschekiller und Lucrezia_B. Nutzen Sie das Combipack für Dotcomtod 2.0, Oldecopest 1.0 - bei Doppelbuchung schicken wir dem Autor der Wirtschaftszeitschrift einen gefälschten Informanten gratis!

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Real Life August 2000 - Schwarzes Gold

Sie hatte sich für den Juniorposten beworben, wurde aber gleich als Senior mit Juniorgehalt genommen. Dass sie noch nicht mal den Magister hatte, war egal, einfach rein und los, das mit der Prüfung geht auch nebenbei. Es stellte sich heraus, dass es so einfach nebenbei doch nicht ging, aber egal, 1999 war das schon fast die Lebensanstellung, es ging unaufhaltsam nach oben. Es gab auch Wochen, in denen sie unter 70 Stunden arbeitete. Der Stundenlohn war auch nicht so das Thema; wenn man die Optionen wieder reinrechnete, war alles bestens. Ich bekam manchmal ein Mail, alle zwei Monate trafen wir uns auf einem Event, und ich wunderte mich, dass sie mit 25 den Druck, die Aufgaben und den Skalierungsirssinn aushält.

August 2000 rief sie bei mir an und fragte, ob wir uns mal treffen können. Sie hatte eine Idee gehabt, die ihr sehr vielversprechend erschien, die sie aber noch nicht in der Firma verschreien wollte. Zu viele Neider, zu viele, die plötzlich Angst um ihren Job hatten und anderen Leuten den Stuhl unter dem Hintern wegziehen wollten. Es war nicht mehr so richtig lustig, was sie erzählte. Jedenfalls hatte sie einen Plan, eine aus der Not geborene Kooperation mit einer grossen, alten Firma, die erst auf die Idee kam, dass sie im Internet was tun musste. Sie hatte in ihrer Abteilung heimlich ein Projekt dafür ausarbeiten lassen, und ich sollte da mal einen Blick drauf werfen.

Es war auf einem Thinkpad, 2 GB gross, viel Ton und Streams, und es war keine dumme Idee, ganz im Gegenteil. Sie wusste nicht, wie sie es ihren Chefs verkaufen sollte, denn es brach mit einigen Tabus. Sie brauchte Argumentationshilfen, und einen 20-seitigen Wisch von einer möglichst toll klingenden Beratungsklitsche, die natürlich erst mal nichts kosten dürfte, weil sie kein Budget dafür hatte. Aber dazu hat man bekanntlich Freunde, die einem das auch so, nebenbei mal schreiben - Leute wie mich. Den Thinkpad könnte ich mitnehmen, sagte sie, da ist alles drauf.



Das Cafe Puck ist gelblich gestrichen, und vieles, was dort im Licht der Kerzen ist, erscheint golden. Thinkpads, Ideen, die Zukunft, das alles bekommt im Licht des Cafes einen Wert, eine Logik, den Anschein von Sinn und Vernunft.

Ich schrieb den Bericht nie fertig. Drei Wochen später wurde ihre Abteilung eingestampft, und ihr selbst bot man als einziger die Weiterbeschäftigung an, als Senior, aber zu einem Gehalt, bei dem 20% Lohnverzicht schon inbegriffen waren. Sie erfuhr es am Telefon, während der ersten Urlaubswoche seit einem Jahr, in der sie ihr Auto zum überfälligen TÜV brachte, die Wohnung putzte und versuchte, mal wieder einen Text zu lesen, der länger als ein Executive Summary war.

Sie ging den ganzen Weg. Sie wollte dagegen ankämpfen. Aber die Kündigungen waren schon unterwegs, die Räume leer, und in den Mülleimern stapelten sich die Tastaturen und Floppies. Es muss sehr hart für sie gewesen sein, und wahrscheinlich war es die Beiläufigkeit, mit der man ihr das antat, schlimmer als der Rausschmiss selbst, der nach ein paar Stunden Vorhaltungen von ihren Chefs kam. Immerhin erlaubte man ihr, sich noch am Firmentelefon und von ihrem Firmenaccount von den Kunden zu verabschieden.

Sie rief mich dann erst sehr spät in der Nacht privat an. Sie erzählte mir, was die Buschtrommeln der einzigartigen Munich Area schon am Nachmittag verbreitet hatten.

Was soll ich mit dem Thinkpad machen, fragte ich sie.

Ist doch nur ein altes, überflüssiges Notebook. Es gibt das Ding doch schon gar nicht mehr. Kein Thinkpad, keine Abteilung, keine Idee, alles aufgelöst, abgeschrieben.

Wertberichtigt, warf ich ein.

Du hast keinen Thinkpad von mir. Lösch es runter, mach damit, was Du willst, schick ihn an die Firma, behalte ihn, niemand wird ihn wollen, oder Dich danach fragen, sagte sie. Und dann erzählte sie, wie ihre Chefs inzwischen diese dem Virtuellen verpflichtete Abteilung real zerstört hatten. Ich habe den Thinkpad, Modell 390e, Baujahr 7/99, 333 Mhz PII, 6,4 GB, 256 MB Ram behalten. Niemand hat je danach gefragt. Er hat die Firma am heutigen Tag fast 2 Jahre und 7 Monate überlebt.

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Donnerstag, 9. Dezember 2004

Nachdem es am anderen Headerbild

eine Menge Kritik auch per Email gab - ist das jetzt wieder besser?

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IwasM

Es gibt heute Digiknipsen, die Rollei oder Voigtländer heissen. Schon bald wird es Laptops von der Qualitätsstufe Gericom geben, die Thinkpad heissen. Ohne den lahmen, sturen, unbeweglichen und unbeirrbaren Koloss dahinter, der sich einen Dreck um modisches Design schert und gute Ware zu einem angemesenen Preis liefert, ist die Marke an sich nichts mehr wert.

Immerhin wird man bei gebraucht-IBMs bis Jahrgang 2004 keinen Fehlkauf tun. Und der Jahrgang 04 ist sehr, sehr gut. Ebenfalls empfehlenswert, günstig und besser als der Aldi-China-Sonderwirtschaftszonen-Schrott: T20-22, A21-22m. Damit ihr sagen könnt: Ich habe einen Thinkpad. Einen echten natürlich. Die 20 Punkte gehen diesmal an Che, ich wollte sie ebensowenig wie Besuch von einem gewissen Journalisten, der hier schon wieder rumschleicht - na, die DCT-Seilschaft in der Verlagsgruppe Handelsblatt schon aufgedeckt?

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Dirt Picture Contest - Fast wie bei Illies aufm Sofa

Die Choriner Strasse ist etwas stiller als die Parallelstrasse, die notorische Kastanienallee. Hier stören nachts um 3 keine chemisch verseuchten Partygirls aus Bielefeld und Speyer, wenn sich jemand von seinem durchgesessenen, roten Ikea-Sofa auf immer trennt:



Florian Illies, dessen Büro ein paar Meter die Strasse rauf ist, wird hier manchmal vorbeilaufen, und sich der Tage Anfangs der 90er erinnern, als Kinder der besseren Haushalte in der grossen Stadt einfach so ein quietschrotes Sofa haben mussten. Dann träumten sie davon, darauf ein klein wenig American Psycho zu machen, was aber nie wirklich gelang, oder Dorothea zu verführen, was aber auch nicht wirklich gut ausging. Aber rückwirkend ist das nur schale Erinnerung, denn die Ehe mit Antonia läuft reibungslos und steuersparend, das neue Sofa in Cremeweiss geht hoffentlich als Büromöbel bei der Steuer durch. Das alte Rote Ding landet ohne Kissen auf der Strasse, mit einem philantropen Schild "zu verschenken" darauf. Vielleicht kommen ein paar Punks, nehmen es mit, stellen es vor ihren Hauseingang und haben es dann nach dem betteln etwas bequemer.

Es muss so sein, denn es ist einfach keine Stadt für rote Sofas. Das typische Zielpublikum dafür ist entweder arbeitslos oder pleite oder verheiratet oder wegezogen oder meistens alles auf einmal. Ausserdem ist ein rotes Sofa zutiefst München, und es sollte niemanden überraschen, dass der einzige, den ich hier im Besitze eines derartigen Möbels weiss, ich selbst bin - ein kusslippenförmiges, quietschrotes Ledersofa für maximal 2 Personen bei den Szenen, die Sie in Filmen von Eric Romer in der Regel nicht sehen.

Es ist Berlin. Es kann nicht überraschen, dass ein nie beficktes rotes Sofa im Dezembernebel auf der Choriner Strasse vor sich hin schimmelt.

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Dienstag, 7. Dezember 2004

Buzzword Bullshit Bingo 4 iPod Generation

In den letzten war Tagen einerseits allerlei Böses über die Marktchancen von Tabloids zu hören,weil die werbetreibende Industrie nicht so richtig mag, andererseits schickt sich die "Welt Kompakt" jetzt an, bundesweit anzutreten. In beiden Fällen gibt es klare Worte.

Restcontentzielgruppenausschöpfer (oder so) und erbitterter Konkurrent News Frankfurt aus dem Hause Handelsblatt, für den unlängst in der NZZ schon ein leises Bimmeln gewisser Glöckchen vom Schindanger angedeutet wurde, will auch mitschnabeln - und erzählt gar lustige Dinge, die wir der geneigten Leserschaft gerne übersetzen wollen, nachdem wir davon ausgehen, dass sie so viele Jahre nach Ende der New Economy die Regeln des beliebten Spiels "Buzzword Bullshit Bingo" nicht verstehen:

...Handelsblatt überlegt, [...] "News" in weiteren Ballungsräumen anzubieten

Überlegt wird viel. Schon länger. Schon zu Beginn wurde in Richtung "Stuttgart, München, Nürnberg und Ruhrgebiet" überlegt, wirklich weiter und klüger ist man also noch nicht. Die landläufigen Controller überlegen übrigens, was das Teil in der Bilanz an Sauereien verursacht. Aber die lässt man naturgemäss nicht an die Medien. Übrigens, das letzte Mal, als man beim Handelsblatt überlegte und dann auch noch dummerweise Taten folgen liess, hiess das Produkt "E-Business" - genau vier Monate lang.

"Einzelne Regionalzeitungen hätten bereits Interesse an einer Kooperation angemeldet."

Aha - das also ist des Pudels problematischer Kern: Ohne zahlende Partner in anderen Regionen traut man sich erst gar nicht anfangen. Früher wollte man das noch alleine stemmen. Ist ja eigentlich logisch, denn irgendwie braucht man den Vertrieb vor Ort, den News nun mal nicht hat und der tierisch ins Geld geht. Das hat die "Welt Kompakt" aber schon weitaus besser hinbekommen!

"Eine Leserbefragung habe «außerordentlich positive Zahlen» erbracht."

Abgesehen davon, dass positive Zahlen nur dann wirklich positiv sind, wenn sie am Ende der Bilanz stehen - es wäre die erste selbst durchgeführte Leser/Nutzerbefragung gewesen, deren Zahlen entmutigend, beschissen und, vor allem, ehrlich gewesen wären. Bei der Einstellung von E-Business hiess es damals noch, das Heft habe beim Copytest "hervorragend bei der Leserschaft abgeschnitten".

... habe die verkaufte Auflage bereits bei 5000 Exemplaren täglich gelegen, die Zahl der Abonnenten liege bereits bei knapp 1000...

Mit nur 5.000 Lesern muss das ja eine tolle Zahlenbasis bei der Umfrage gewesen sein. Wie auch immer: Die FAZ ist im Grossraum Frankfurt irgendwie bei 200.000, die Frankfurter Rundschau liegt bei 183.235 Exemplaren, Frankfurter Neue Presse über 100.000, das sieht aber gar nicht gut aus im Kampf "SV Alte Säcke" gegen die C-Jugend " Madzias iPod". Mal schaun, was jetzt kommt.

Damit sei es beim Einzelverkauf auf Anhieb gelungen, die entsprechenden Verkaufszahlen der anderen Frankfurter Zeitungen zu erreichen.

(10 Sekunden ungläubiges Schweigen, dann:) GACKER! ROFL! LACH! BRÜLL! Das glaubt aber nur die iPod-Generation-

Für die Wirtschaftlichkeit der Frankfurter Ausgabe müsse eine fünfstellige verkaufte Auflage erreicht werden.

und das sind garantiert keine 10.000 - da ist also noch ein ganz weiter Weg hin, wenn es denn soweit kommt und nicht vorher der Contoller, der bei der Zahl 5.000 schon seinen Kaffee verschüttet hat, den Vermerk "abfackeln" an den Vorstand schickt.

Die verbreitete Auflage liege bei knapp 10 000 Exemplaren.

Die arme Frankfurter Stadtreinigung muss 5000 unverkaufte Exemplare aus dem Müll ziehen. Falls immer noch die sehr optimistischen 25.000 gedruckt werden, gibt das viel Altpapier - aber diese exorbitante Müll/Verkaufter-Müll-Quote werden sie wohl kaum beibehalten.

"Wir sind extrem zufrieden, einer Ausweitung steht nichts im Wege"

ausser den enormen Kosten, den fehlenden Kooperationspartnern, den ausbleibenden Gewinnen, den Vertriebsproblemen, der unwilligen Werbungsschalter, denn sonst hätte man das mit "extremer Zufriedenheit" doch schon längst getan.

Bei einer möglichen Kooperation [...] stehe das Grundkonzept nicht zur Debatte.

Für ein neues Konzept ist kein Geld mehr da, hat der Controller gesagt. Wenn´s nicht läuft, ist Schluss.

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Serverqualmen

17:14 Verlagsgruppe Handelsblatt, Düsseldorf, Deutschland
17:15 Verlagsgruppe Handelsblatt, Düsseldorf, Deutschland
17:15 Verlagsgruppe Handelsblatt, Düsseldorf, Deutschland
17:17 Verlagsgruppe Handelsblatt, Düsseldorf, Deutschland

Normalerweise ist um diese Zeit eher Ruhe, aber dank der Wirtschaftszeitschrift brennt hier die Festplatte. Offensichtlich ist hier gerade die halbe Wirtschaftszeitschrift-Redaktion und kratzt sich den Kopf. Weil ihr gerade alle da seid: Wem von Euch gehört die Mobilnummer017X/67195XX, von der aus ein Anrufer sagt, dass er von der Wirtschaftszeitschrift ist, nur kurz seinen Namen nuschelt, und dann haltlose Vermutungen verbreitet?

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Der Spion, der es versiebte: Open BC für Schnüffer

Sicher nur zufällig zum selben Zeitpunkt, da ein Journalist von der besagten Wirtschaftszeitschrift einer Reihe von Leuten wegen angeblichem Booen bei Dotcomtod einen Strick drehen wollte, meldete sich ein Herr bei Open BC an. Sein Name ist Dr. Klaus-Peter Landen. Sein Arbeitsplatz ist bei der "Plastik Klausen GmbH", wo er angeblich im Marketing und Vertrieb sitzt. Ansonsten hat er keine Ausbildung, keine Geschichte, fragt nichts nach, sucht keine Kontakte und hat auch kein Bild.

Dass ich das hier so einfach, ohne Rücksicht auf seine Privatsphäre veröffentliche, hat einen einfachen Grund: Es gibt in Klausen an der Mosel weder einen Dr. Klaus-Peter Landen noch eine Plastik Klausen GmbH. Auch sonst ist nichts über den Typen zu finden.

Allerdings sind seine Wege bei Open BC nachvollziehbar. Es gibt einen Sentinel, der nie einen Hehl aus seiner Tätigkeit bei Dotcomtod machte. Dessen Kontakte forschte "Klaus-Peter Landen" systematisch aus, und in der Folge auch die Kontakte seiner Bekannten. Erinnert ein wenig an die GESTAPO. Und an dieser Stelle, zu diesem Zeitpunkt taucht nun zufällig wieder der Journalist von der Wirtschaftszeitschrift auf, der Personen aus diesen Kontakten abtelefoniert und den Leuten vorhält, sie wären bei Dotcomtod - und er hätte seine Informationen aus öffentlich zugänglichen Quellen. Die schauen dann erst mal im Internet nach, finden die umfangreiche Berichterstattung zu Herrn Journalist, und so lerne ich im Moment einige nette Leute von Open BC kennen, die die Wiwo so richtig Scheisse finden und sich fragen, wieso man auf Open BC systematisch ausspioniert wird.

Das ist nun wirklich mal geschäftsschädigend für Open BC, und peinlich für die Wiwo. Boo - 2 mal 20 Punkte für den Don!

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Dienstag, 7. Dezember 2004

Dirt Picture Contest: Big Dirt in big Slum

Der notorische Stefan Niggemeier finalisiert als amtlicher FAZ-Sentinel eine ganze Reihe abgesetzte, gefeuerte, in die Tonne getretene, verlustreiche TV-Betriebsunfälle des Jahres 2004. Und das in einem hämischen Stil, der ihm über kurz oder lang vielleicht gewisse Aufmerksamkeiten aus dem Schleimpfuhl der deutschen Wirtschaftspresse verschafft. Bei "Mission: Traumhaus - Deutschlands verrückteste Baustelle" auf RTL2, einer Säge- und Hammer-Reality-Show, mutmasst Niggemeier, der Ort der Handlung, eine maroden Bauruine in der Choriner Strasse würde "wegen der Absetzung der Show wohl heute noch fröhlich vor sich hin" modern.

Nun, man kann ihm von hier aus Bescheid geben, dass es tatsächlich so ist:



Das Mega-Plakat von RTL2 ist weg, und so ragt der viertelsanierte Stumpf grau in den Berliner Nachthimmel, und träumt vielleicht von den Aprilnächten des Jahres 45, als er und die deutschen Medien schon mal eine fast unvergleichbare Krise durchmachten.

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Fleissarbeit am Wochenende

Das hätte er wohl gerne gehabt, der besagte Herr der Wirtschaftspresse mit seinen etwas obskuren Recherchemethoden - zumindest hat Frank Peters das hier noch in seinem Mail-Account entdeckt, und mich gebeten, es hier der Allgemeinheit zur Erbauung und Lehre, als Beispiel für ausgewogene Recherche zu übermitteln. Keinesfalls also sollte man sich jemanden beim Verfassen dieses Textes an der Tastatur vorstellen, bei dem schon der Geifer über die bald kommende Informationsflut aus den Mundwinkeln trieft:

Datum: Fri, 3 Dec 2004 16:29:57 +0100
Von: (Email desJournalisten)

Ach ja, was ich vorhin noch vergaß: Natürlich bin ich auch an Informationen von/über Dotcomtod-Geschädigten interessiert... Vielleicht ist es, wie gesagt, ja möglich, am Wochenende oder so zu telefonieren: Hier meine Mobil-Nr. 01xx/xxxxxxx

Gruß,
(Name des Journalisten)


Oder so. Falls sonst noch jemand von besagtem Herrn oder anderen Typen oder telefonisch belästigt wurde, immer nur her damit: donalphonso @ gmail. com.

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Media Final: ndl steht für Nix Deutsch Literatur

Ein neuer schwerer Schlag für die jüngere Berliner Literatur-Camorra: Das früher ostdeutsche Mitteilungsblatt ndl, in dem sich bis zum Mauerfall trefflich über Systemtheorie und literarische Umsetzung debattieren liess, verendet am mangelndem Interesse der Leserschaft. Man kann darüber diskutieren, wie gemein doch diese Berliner Republik ist, den vielen kreativen Berliner Stimmen und sicher klugen, innovativ hauptstädtischen Ideen nicht zu lauschen - man kann sich aber auch einfach am Niedergang erfreuen, und das live heute Abend, wenn es zum letzten Mal - am Kollwitz-Platz natürlich - um die alles entscheidende, immer gleiche Frage geht: Was soll der Zinnober?

Nichts mehr - eben. Von Beileidsbekundungen am Grabe bitten wir Abstand zu nehmen, die Kosten in Höhe von 120-DCT-Punkten übernimmt Dotcomtod.

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Von einem, der auszog

und dabei eine Schleimspur hinterliess, auf der er jetzt ausrutscht

auch bekannt als

Informationsbeschaffungsversuche, die ihr lieben Kinder und Journalistenschüler da draussen besser nicht zuhause nachmacht, sonst ergeht es Euch genauso wie dem unter etlichen Namen agierenden Typen, der sich jetzt hier mit seinen billigen Tricks veröffentlicht sieht. Manche werden vielleicht denken, dass diese halb drängende, halb devote Art gar trefflich zu vielem passt, was man sonst im Moment manchmal lesen kann - zumal es sich zeitlich mit diversen Aktivitäten seitens eines namentlich bekannten Blattes überschneidet.

Aber: Wie mir von Seiten des in der Sache Dotcomtod recherchierenden Redakteurs des Blattes ausdrücklich erklärt wurde, hat dieses Blatt mit diesen anonymen Anfragen an Sentinels von Dotcomtod definitiv nichts zu tun. Ich sehe keinen Grund, daran zu zweifeln, denn der Redakteur ist ein ehrenwerter Mann. Mein Ziel ist es daher, herauszufinden, welcher konkurrierende Nachrichtenjäger und -sammler sich hinter diesen Worten verbergen könnte:

Date: Tue, 30 Nov 2004
From: whothere <whothere @ gmx.de>
To: [...]

hallo x.

[...]doch nicht ganz alle spuren verwischt, hm? *g*

keine angst, bin nicht von der sa (staatsanwaltschaft). wieso? könnten die dich am wickel kriegen? cool bleiben.. hast ja schliesslich ja nur beste insiderwahrheiten verraten, oder? und gegen die wahrheit kann ja keiner ernsthaft was haben. mach weiter so.

mit kollegialem insidergruss,

peter


In der vorhergehenden Mail, die vom Sentinel nicht begeistert, sondern eher misstrauisch beantwortet wurde, versuchte "Peter". den Sentinel zum Singen zu bringen:

hab ihre adresse von einer website und freue mich über einen austausch über div. unternehmen und personen.

besten gruß

peter

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Montag, 6. Dezember 2004

Dirt Picture Contest unter dem Alex

Jemand hat die Halterung verbogen, jemand hat ihn schon halb aus der Metallklammer gezerrt, und jemand hat ihn dann auch noch mit brennbarem Material gefüllt und angezündet. 24 Stunden geöffnet, steht auf manchen Mülleimern.



24 Stunden für Sie und Ihr Vandalenvergnügen da, könnte hier auch drauf stehen. Einen Gang weiter ist jemand schon weiter gekommen. Dort ist nur noch die Metallklammer an der Wand. Aber jemand wird irgendwann ein neues Objekt für die Lust am Treten und/oder Zündeln installieren. Beschäftigungstherapie mitten in der Stadt, schön zentral gelegen und leicht erreichbar. Da sage noch einer, das Gemeinwesen tut nichts für seine Problemfälle.

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Aktionärstag

Eintritt frei, steht auf denPlakaten am Ludwig Erhard Haus, ganz gross, damit auch ja keiner auf die Idee kommt, da drinnen könnte jemand auf sein Geld scharf sein. Die Hostessen am Eingang kassieren nicht, sie wollen nur helfen. Ich bin eher schlecht angezogen, braun in braun in braun, und fühle mich noch nicht mal deplaziert. Relativ gesehen ist mein Button-down-Kragen schon fast dezente Extravaganz, im Vergleich zu den angestaubten Herren, die Krawattennadeln in Gelbgold mit Yachtmotiv und Brillianten tragen; dezent wie das Lametta eines Rappers aus Neukölln.

Ich warte auf einen Freund, der hier auch nur incognito ist. Gleich neben mir ist der Stand von Epigenomics, einem ziemlich vergeigten IPO dieses Jahres, dessen Chef, nachdem seine Multimillionenträume nicht wahr geworden sind, schon mal mit der Abwanderung in die USA drohte. Niemand hat sie gehalten, und jetzt sind sie in Person eines einsammen Herrn vor einem Laptop und einer sinnentleerten Stellwand doch wieder da.



Was nicht da ist, ist Kundschaft. Ein paar hundert Leute sind es vielleicht am Ende des Tages; Standpersonal besucht sich gegenseitig. Überall liegen unabgeholte Stapel der einschlägigen Druckerzeugnisse ohne Markt herum. Aus der Kantine riecht es absurd; irgendwelches Fleisch schwimmt in den Tiefen der Sossenkessel, und der Salat liegt hier sicher auch schon seit dem vorletzten Wirtschaftswunder, so labbrig, wie er aussieht.

Dezente Gespräche. Viel freier Raum, ungebremste Bewegung, ab und an mal ein Aufzug nach oben, wo in halbleeren Räumen Powerpoints vorgeführt werden. Vorsichtiger Pessimismus. IPOs wird es auch 2005 kaum geben. In der Mitte steht ein teures Auto, das sich hier kaum jemand wird leisten können, wenn man mal die Schuhe der Leute hier anschaut. Aktien waren in Berlin nicht das ganz grosse Ding, Fonds liefen hier besser, besonders mit Immobilien. Schräg gegenüber ist die Berliner Bank, die das jetzt ausbaden muss.

Ich verkneife mir die Frage an einen Medienvertreter einer gewissen Zeitschrift, ob sie dieses Jahr Weihnachtsgeld bekonmmen, nachdem sie nochnmal 15% Auflage verloren haben, wie ich bei meinen Recherchen herausgefunden habe. Mein Bekannter kommt. Wir gehen woanders hin essen, und reden über andere Dinge.

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Samstag, 4. Dezember 2004

Neues aus der Schnüffelszene

Jäger und Sammler jagen: Unter kostenfreier und schnell erstellter Email-Adresse wie whothere @ gmx.de meldet sich seit Mitte letzter Woche ein Peter oder Ralf bei Sentinels, schleimt sich mit Wörtern wie "genial" ein, dass er das Wirken bei Dotcomtod toll fand, und legt dann den Köder aus - Beispielstext:

hab ihre adresse von einer website und freue mich über einen austausch über div. unternehmen und personen.

Sprich, er macht einen auf schreibfaul und Internetslang. Dahinter verbirgt sich mutmasslich ein Journalist. Ich habe den momentan gezielt gegen Sentinels recherchierenden Journalisten von der Wirtschaftszeitschrift gefragt, ob er das war - er bestreitet vehement, sich jemals unter anderem Namen als einem gemeldet oder gefakete Emails geschrieben zu haben. Will man dem Glauben schenken - und warum sollte man das nicht tun, kennt man doch die ehrliche, aufrichtige Art unserer verdienten Wirtschaftspresse, die sicher niemals gegen den Pressecodex verstossen würde - muss wohl noch ein weiterer, sehr schmutzig agierender Journalist sich des Themas annehmen.

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Schwarze und andere Löcher

Einerseits denkt der Jahreszeiten-Verlag über einen Relaunch von Tempo nach - vielleicht als Altersheimblatt für die Horxe dieser Nation? Oder als ABM-Massnahme für unveröffentlichte Popkreaturen? Eigentlich kaum vorstellbar, Tempo war ohne Zuversicht, Aufbruch und Aufschwung kaum denkbar. Anything goes, reif das kleine rote, rennende Männchen. Bei Milchstrasse wird andererseits auch gerade gerannt, und zwar weg vom sinkenden Schiff: 10Millionen und etliche Angestellte will man jetzt im Verlagshaus einsparen, nachdem um nächstes jahr Spielraum für Neues zu haben.

So wie ich das sehe, kriegt da keiner was - nur ich 20 DCT-Punkte.

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Kein Thinkpad, kein IBM

Outsourcen, zerschlagen, verkaufen, neue Kernkompetenzen entwickeln und dabei immer auf den Profit schauen. Ein bis zwei Milliarden will IBM für den Geschäftsbereich, der sie gross gemacht hat: Die PC- und Notebooksparte.

Zugegeben, die Margen sind niedrig, der Markt für hochwetige Produkte ist klein, und die Konkurrenz ist enorm. IBM hat den Massenmarkt der Medions, Gericoms und Acers vollkommen verloren. Es ist gar nicht mal so einfach, in den mittleren Städten noch einen IBM-Händler zu finden. Und auch im professionellen Bereich fragen sich viele, ob die Qualitäten eines Thinkpads, der problemlos 10 Jahre durchhält, angesichts der Abschreibungen und der Technologieentwicklung gerechtfertigt sind. Was nützt bei 4000 Euro Kosten der schöne, glänzend schwarze Titankörper, wenn die Innereien nach drei Jahren veraltet sind, wie bei jedem schnöden No-Name aus Taiwan?



Wahrscheinlich musste sich IBM solche Fragen zu oft anhören. Und reagiert wie eine Zeitung, die ihre Jugendseiten einstellt, weil sie zu wenig Profite abwerfen. Dabei ist der Thinkpad das, was die zukünftigen Entscheidungsträger für IBM einnimmt. Der Thinkpad ist die Demarkationslinie zwischen Amateur und Profi, zwischen Schwafler und Berater. Thinkpads stehen für Nachhaltigkeit. Das Design hat sich die letzten 15 Jahre kaum geändert, ein alter 760er sieht heute aus wie ein dickes Subnote, das war´s aber schon. Jeder Berater und jeder Schriftsteller, jeder, der täglich ein paar Stunden an dieser Tastatur sitzt, erinnert sich an den Tag, an dem er seinen ersten Thinkpad bekam. Wer als Junior Consultant oder Manager nicht mehr den satten Klang der Tastatur kennen lernt, wer nie die unverwüstliche Qualität erfahren hat, wird später seinen Kunden oder seinem Unternehmen auch keine Server von IBM empfehlen. Keine emotionale Bindung zum Produkt, kein Kauf. Keine Erfahrungen mit der Firma, und schon ist sie nur noch eine unter vielen Wettbewerbern. Gerade in Deutschland, wo sich die jüngeren Absolventen der Betriebswirtschaftslehre vielfach schockierend falsche Vorstellungen von der Dauerhaftigkeit einer Geschäftsbeziehung im Mittelstand machen.

Und IBM sollte sich schon mal die Frage stellen: Wenn sie es nicht mehr schaffen, mit einem 4000 Euro teuren modernen Klassiker auf die Schreibtische der Führungsebene kommen - wie wollen sie dann 4 Millionen Euro teuren Beratungsaufträge bei denselben Personen bekommen? Beratung macht heute jeder - Thinkpads nur IBM. Leider macht IBM mit dem Verkauf jetzt Gericom-Entscheidungen.

Warum ich das erzähle? Ich habe sieben Notebooks aus den wilden Zeiten der New Economy von 97 bis 02, alle aus der Klasse 3000 Euro aufwärts, Siemens 710, HP 4150, Compaq E500, und das sind alles nette Maschinen, mit denen man gut arbeiten kann. Aber meine Bücher schreibe ich auf den Thinkpads.

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