Bäckerei Stern

Als sie auf das Tiramisu verzichtete, hast du verloren. Danach bis du mit zu ihr, hoch in die Wohnung, du hast im Aufzug an ihrem verspannten Nacken herumgespielt, und oben machte sie Tee, aber als sie dann die Kanne aus der Küche holen wollte, waren ihre Lippen schon an deinen, und der Tee zog und zog durch die Ewigkeit der Küsse. Deine Hand glitt auf und unter den warmen, weissen Pulli, und du hast an Beate gedacht, die damals in Chamonix auch so einen Pulli trug, als es draussen klirrend kalt war, und alles, alles, was du in diesem Moment nicht wolltest, als du ihre leicht geöffneten, klippengleich aufgeworfenen Lippen gesehen und den sanften, warmen Hauch gespürt hast - war das, was du jetzt, eine Stunde später, nachts um 4 Uhr in Berlin gerade tust: Durch eine klirrende Kälte über die Bornholmer Brücke nach Hause laufen, ihren Geschmack auf der Zunge und den Geruch ihres Halses in der Nase, und das bescheuerte Wissen, die höllenelendlange Erfahrung, dass Frauen, die am Ende der Mahlzeit nichts Süsses zu sich nehmen, immer irgendwo zwischen Häkchen Nummero 3 am BH hinten und dem Abstreifen des Slips die Bremse reinhauen. Weil wegen Freund, wegen morgen aufstehen, wegen PMS, wegen tausend anderer blöder Gründe, von denen du weißt, dass alles diese verdammt kleine Extraportion Zucker weggewischt hätte, die sie mit dem Tiramisu verweigert hat. Frauen, die kein Tiramisu nehmen, ficken nicht - so einfach, banal und gnadenlos ist das Leben, und so dumm und lächerlich gehst du durch die diesige Luft, und zitierst Tucholsky.

Dass wir uns nicht besassen!
So aalglatt war mein Kinn.
Jetzt irr ich durch die Strassen, Malwine,
Und weine vor mich hin


Tucho hatte es einfach, der schrieb einfach ein Gedicht - Peng - schon hatte er eine Lydia, eine Prinzessin, ein Lottchen mitsamt ihren Rechnungen. Du lebst dagegen in einer Zeit, in der man auch als Schriftsteller keine Erfolgsgarantien mehr hat. Du gehst über den Jülischer Platz, und irgendwo vor dir surrt eine Lüftung. Du kommst näher, und dann trifft es dich wie ein Schlag in die Magengrube:

Mehr bei Restaurant.ville

Freitag, 10. Dezember 2004, 03:58, von donalphons | |comment

 
Berlin, Berlin
Diese Cafébude sollten wir ausprobieren, wenn ich mal wieder nach Berlin komme. Klingt super!

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Sagen wir so: Wenn man schon unbedingt in diesen Slum muss, dann wenigstrens mit was Gutem im Magen.

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Er hat immer noch seine Gültigkeit...
... der altbekannte Spruch:

Mit Speck fängt man Mäuse!
Also auf zum fröhlichen mausenKonditor!

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Indikator
Wenn's denn so einfach wäre, würd' ich mich zum Zuckerbäcker umschulen lassen.

Ich denke jedoch nicht, das man mit dieser Art von Speck Zugang zum süssen Geheimniss bekommt.

Es ist vielmehr ein Indikator für die Fähigkeit der Hingabe an den Moment, für das Vorhandensein einer hedonistischen Ader, deren ungezügelte Wollust auch nicht von KJoules gebremst wird. Das Ausblenden der Realität zugunsten des Genusses.

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Und genau das ist es, was ich von ihr möchte.

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na endlich
ich glaube der Baecker wird die naechsten Tage Zulauf bekommen. Den Dank bekommst Du nach dem Besuch nachgereicht, oder nicht. Ich melde mich dann wieder.

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Mach das. Ich glaube, es gibt nicht mehr allzu viele von diesen speziellen Konditoreien.

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Ja, trostlos ist das. Es werden immer weniger.

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Wobei: Bei uns in der Provinz gibt es alte Bäckereien, denen setzen die Ketten ihre Teigaufheizbuden gleich daneben, um sie fertig zu machen. Die sind dann auch mitunter 5 Cent billiger - bleiben aber leer, weil die alten Bäckerihr Handwerk verstehen, und ein Customer Relationship Management Coaching erst gar nicht brauchen. Kontinuität, Höflichkeit und Qualität gelten dort immer noch.

Und man tut sich auch keinen Gefallen, immer nur auf die urbanen Zentren zu schauen. In Gemeinden unter 100.ooo Einwohnern ist Deutschland ein anderes Land als das, das hier fast immer beschrieben wird.

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Du sprichst ein großes Wort
wie immer gelassen aus. Kürzlich war ich auf einer Dienstreise in Thüringen, habe in einem Landgasthof gut und preiswert gegessen, hatte überhaupt kein Bargeld dabei, weil ich mit Karte zahlen wollte, nur, dass die kein Lesegerät hatten. Ich bin zu meinem Präsentationstermin gefahren, habe präsentiert, dann zum Geldautomaten, war nach vier Stunden wieder im Gasthof und habe bezahlt, einfach so, auf Treu und Glauben.

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Vorteile urbaner Zentren oder: Ein Thüringer Landgasthof
Ich bin also, ein paar Wochen ist das her, mit einem indischstämmigen Kollegen aus Pitsburgh zu einer Tagung unterwegs, selber auch nicht gerade die teutonischste Erscheinung unter Gottes Sonne. Wir betreten also einen dieser Landgasthöfe, setzen uns und bestellenirgendwas mit Klößen. Noch bevor das Essen kommt, tritt der Kellner an unseren Tisch, und bittet um Vorkasse. Man müsse das verstehen, aber man habe schlechte Erfahrungen gemacht.

Übrigens eine interessante Erfahrung, sich sowohl für Deutschland zu schämen, als auch als Ausländer beleidigt zu sein.

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Es gibtz in Thüringen Orte, an denen man sich Abends nicht wirklich wohl fühlt - etwa, weil gewisse Glatzen Lokale belagern, und so Zeug. Aber zum Anpacken und Aufräumen fehlt den Regierungen hier der Mut.

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Von denen erwartet man es aber auch nicht anders. Dieses Misstrauen von ganz normalen Leuten in einer bürgerlichen Umgebung dagegen ist eine ziemlich deprimierende Erfahrung. Und scheint mir eher als (zivil-)gesellschaftliches als staatliches Problem, und damit dem Handeln von Regierungen nur bedingt zugänglich. Man würde das Problem vermutlich etwss zu hoch hängen, wenn man gleich von Rassismus spräche, aber ich wette zehn zu eins, dass auch die seit Jahrzehnten in Deutschland lebenden (und eingebürgerten) Ausländer etwa im CDU-Patriotismusplan nicht vorkommen.

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Es ist nicht mehr als ein Jahrzehnt her, da haben wir, weil die Polizei wegschaute, selbst den Knüppel in die Hand genommen und eine Stadt nazifrei gemacht.

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...und die Ergebnisse sind bestimmt total überzeugend.

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Das ist zugegeben im Westen auch leichter als in Neufünfland. Ich stelle mir gerade Naziskins in St. Pauli vor. Gibt es so etwas? Die müssten unglaublich Einsteckvermögen haben.

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Hi che....
...wie...Du auch? In unserer rheinischen Stadt war der Knüppel nur bei hartnäckigen Fällen nötig. Und ja - modeste - die Ergebnisse lassen sich durchaus sehen! Schlimm waren nicht die plattnäsigen Draufhauer sondern die feinen Pinkel, welche die Strippen in der Hand hielten. Denen haben wir schön eingeheizt.

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@che
Glaubst du, man kann die Nazi-Skinsso einfach von dem normalen St. Pauli/St.Georgs Elend unterscheiden? Ausser, sie trinken kein Astra.

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Wer sichtbar als Neonazi erkennbar in der Nähe der Hafenstraße oder im tiefsten Schanzenviertel sein Wesen treibt, könnte das auch gleich in nem jüdischen Siedlerdorf auf der Westbank versuchen.

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ich würde hellas Einwand nicht einfach so abtun - er ist schon berechtigt. Die Gewalt hat viele Gesichter - und ist oft im Ergebniss manchmal gleich.

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Dann verstand ich den Einwand miss. Aber vielleicht fehlt mir dazu auch die Distanz.

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Es geht nicht nur um Gewalt, Zonen, die man nicht betreten kann etc.. Es geht um ganze Landstriche, in denen der Besucher in einem anderen, nicht sehr angenehmen Land zu sein scheint. Damit schließt sich auch wieder der Kreis zum Ursprung der Debatte. Tatsächlich gilt fast alles, was hier geschrieben steht, nur für die urbanen Räume der Republik. Ob jenseits dessen aber ein Arkadien qualitativ hochstehender Backwaren blüht, oder schlichtweg ein Land, in dem ich nicht zu Hause bin und es nie sein könnte, ist vermutlich Ansichtssache.

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Jenseits der urbanen Räume...

Das ist ja wohl was man mit "ländlicher Raum" umschreibt. Tatsache ist, dass dies ein grosser Teil Deutschland ist, in dem aber nicht der grösste Teil der Bevölkerung wohnt.

Das grösste Problem ist wohl die dort immer noch eher traditionelle Rolle der Frau. Als selbständige, emanzipierte, brufstätige Frau (auch mit Familie) kann es dort schwer sein. Bei uns hier in der Heide gibt es Gemeinden mit 15.000 Einwohner und vielen Neubaugebieten, die wenn überhaupt, dann nur eine Ganztags-Kindergartengruppe haben. Der Bedarf ist einfach nicht da, weil die Frauen zu Hause bleiben.

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Das ist wohl nirgendwo anders, in der Großstadt hat das Problem nur ein anderes Gesicht.

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Also, in dem Viertel, durch das ich gerade zu meinen Eltern gefahren bin, sind die Mütter zu Hause, und die Kinder im vierteleigenen Waldorf-Kindergarten.

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@ breakfast
Ich fragte mich immer:"Wieso kritisiert dich deine Lebenspartnerin wenn du zum Frühstück Eier mit Speck, Sahnetorte oder andere feine Sachen zu dir nimmst."

94 kg bei einer Größe von 1,70 m sind für eine Frau nicht so prickelnd ;-)...

Als ich noch daheim wohnte und ohne Verpflichtungen noch um 9.30 Uhr aufstehen konnte, orderte ich am Vortag im Hotel "La Mamma" erst mal ein 300 g T-Bone-Steak mit einem großen Teller Pommes dazu.

Früher hatte ich dererlei Gewichtsprobleme nicht. Hat eigentlich erst nach der Ausbildung bei der Bundeswehr angefangen mit der Speckschicht.

Hach, dass waren noch Zeiten.

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Das ist der Unterschied: Der Don ist zwar ein Feinschmecker und begeisterter Esser, aber nicht dick. Ist bei einem Vegetarier aber auch ein anderer Schnack.

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